Kann frei dissonante („atonale“) Musik heiter klingen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • zabki schrieb:

      obwohl zur Zeit auf weitgehende musikalische Abstinenz gegangen, bin ich diesem Tip gefolgt ... tatsächlich, auch für meine Ohren direkt erfüllend und wohltuend
      Supi, dass dir diese Cagerei auch fetzig rüberkomt.. :top:

      zabki schrieb:

      (und an die bekannte Denkschwierigkeit erinnernd, wieso wohltuend, wenn am Ding doch seine Sperrigkeit und Widerständigkeit schätzbar ist).
      ich versuche mal in diesem Thread - im Brainstorming-Modus - diese "Denkschwierigkeit" – falls mein Brägen dein Posting korrekt checkt ?( – also diese Frage noch weiter aufzudröseln, auseinanderzugrübeln..
      … zunächstemal diese Schwierigkeit gibts auch in sog. traditioneller Mucke, wenn man sich die knallhart-kahle Oktave zu Beginn des Allegrettos (4. Satz) von Schuberts D 960 einschmeißt.. m.E. ooch Gestalt von Sperrigkeit, Widerspenstigkeit …
      ... Mucke bzw. Kunst m.E. generell ans „wohltuend“ angeknastet. Denn sie versucht ja gerade mit dem „wohltuend“ – in welcher Gestalt auch immer - irgendwie aus allgegenwärtigen, grauen Zweck-Zwangskäfig sich zu verpissen bzw. diesem damit Arschkarte entgegenzuhalten, was sie zu ihrem Zweck (also damit quasi Zweckmäßigkeit ohne Zweck) auch immer fabriziert, in Beziehungen setzt. Will diesen Käfig möglichst nicht dienstbar sein , bzw. dessen fiese Stulpenstiefel nicht beflissen ablecken
      .. .. auch schwärzeste Mucke, wie Bazis Soldaten oder Nonos Canto sospeso mit „schönen Schein“ verklebt => mit Mega-Bock-Lust sich das reinzuziehn.
      … kraft ihrer quasi „versprechenden“, finsteren "Widerständigkeit", stachligen Widerborstigkeit kommt sie „wohltuend“ rüber, selbst wenn derlei Chose bloß im virtuellen ästhetischen Bereich funzt und damit eigentlich nicht so richtig „wirklich“ ..

      .. gestern abend mir noch – vor Fußball-TV - Schönbergs 3. Streichquartett mit Asasello-Saitenquäler-Team reingezogen… vor allem erster Satz kam gleichfalls mit „wohtuend“-lustvollem Feeling rüber, als ob darin expressiv-zappelnd-aggressive Parts vergeblich versuchen, die strukturell-sonatige Klapsen-Zwangsjacke auseinander zu reißen...
      …..das „wohltuende“ macht nicht komplette Mucke derlei Notenquälereien aus..
      ... m. E. Spannung, Belagerungszustand, kalter Krieg zwischen Sperrigkeit und Widerständigkeit" einerseits und dem „wohltuend“ andererseits in den Notenquälereien bisher nicht schlichtbar, weder bei Cagerei, noch bei Schönberg oder Nono…
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Neu

      amamusica schrieb:

      aber ich mag von Mahler auch nur die "harmonischen" Symphonien, die anderen habe ich nur teilweise ganz zu hören geschafft, und das war eine Qual für meine Ohren.
      :jaja1: :jaja1: :jaja1: :jaja1:
      Ja. So isses. So kommen Gustav Mahlers mittlere Instrumentalsinfonien und sein Spätwerk größtenteils rüber .. und das trägt entscheidend zur geilen Quali seiner Mucke bei.

      amamusica schrieb:

      "Zeugs" nach wie vor einfach nur gruselig

      amamusica schrieb:

      Und keine Ohrenfolter

      amamusica schrieb:

      Es gibt Klänge, bei denen sträubt sich bei mir innerlich einfach alles, und der "Fluchtreflex" setzt ein, bzw der Wunsch nach dem Ausschaltknopf.
      :jaja1: :jaja1: :jaja1: :jaja1:
      Ja. So isses. Und deine Erfahrungen/Eindrücke sollen keinesfalls kleingehäckselt werden, sonst wärs m.E. Bärendienst für klassische und zeitgenössische Avantgarde-Mucke.

      Allerdings birgt häufigstes Reinziehn moderner Mucke das Risiko ins Umschlagen eines Routine-Level abzukacken. Sowie deren Entwicklung, und Fortgang das Risiko, dass sich derartige Erfahrungen/Gestaltungsmöglichkeiten abschleifen, also dass sie dann möglicherweise gleichsam plaktiv oder zu kompatibel, konziliant geraten … Schocks, Gruseln, Ängste Löffelfoltereien, Verstörungen in ästhetischer Gestaltung bzw. deren Reinziehn durchs ästhetischen Medium lassen sich schwer bis gar nicht einlagern, konservieren, wie etwa Pilze für Antipasti in Einmachgläsern …

      M.E. reagierten darauf Notenquälereien.. … dazu mal brainstorming-like einige Heidi-Klum-Next-Topmodels aus Lostrommel gezogen ..da wäre der mir vergleichsweise distanzierte bis ironische Ausdruck der Bergschen Lulu-Mucke im Verhältnis zum Wozzeck, dessen Verstörtheit nicht potenzierbar schien .. oder sarkastische Züge in Ernst Kreneks Mucke … .... oder Helmut Lachenmanns mega-fetzige Geräuschpissereien seines 1. Streichquartetts kommen arglosen Lauscherchen rüber: einerseits wie Anpassung an Lebloses, Erstarrtes, Totes, als ob Mucke quasi ihren eignen Untergang bereits längst hinter hat und ihn bloß noch mit sich schleift; andererseits wiederum so, als ob ausgerechnet aus diesem Modus heraus versucht wird, irgendwie weitere Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten wie mumifizierte Karnickel/Hasen aus dem Hut zu zerren… (jetzt aber Buli-Time)
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Neu

      Amfortas09 schrieb:

      [...] Heidi-Klum-Next-Topmodels aus Lostrommel [...]
      Nun, ich kenn Dich ja mittlerweile und Deinen Personalstil.

      Aber bei solchen Vorstellungen, da wird mir einfach wirklich schlecht, ohne jede Katharsis, Tiefenentspannung, Homöopathie ...

      Ähnlich wie beim amerikanischen ... nein, für den finde ich überhaupt keine Worte mehr.

      :D
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Neu

      andréjo schrieb:

      Nun, ich kenn Dich ja mittlerweile und Deinen Personalstil.
      :D

      andréjo schrieb:

      Aber bei solchen Vorstellungen, da wird mir einfach wirklich schlecht, ohne jede Katharsis, Tiefenentspannung, Homöopathie ...

      Ähnlich wie beim amerikanischen ...
      Meinen Brägen reagiert bei sowas wie z.B. Klum- und/oder DT-mäßigem recht gechillt, vermutlich weil er inzwischen müll-medien-robuster funzt bzw. in Curd Jürgens Speech: „Ein dickes Fell, das hatt' ich früher nicht, Ich hab's mir wachsen lassen……“
      Bin dennoch sensibles Kerlchen geblieben. Ja echt. Glaubs mir :jaja1: :jaja1: :jaja1: :jaja1:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann