Eine kurze Geschichte des ProgRock

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    • Eine kurze Geschichte des ProgRock

      Progressive Rock oder ProgRock, wie er heute meist genannt wird, war eine Musikrichtung, die Ende der 1960er vor allem in England entstand, als zahlreiche Bands begannen, vom simplen Songschema typischer Rockstücke mit 3-minütiger Spieldauer abzuweichen und zunehmend längere und von der Struktur her komplexere Stücke zu komponieren. Diese Entwicklung wurde begleitet zum einen von einer Einbeziehung zusätzlicher Instrumente (hier vor allem von Keyboards, die sich in ihrer technischen Vielfalt rasant weiterentwickelten, aber auch von Flöte, Geige etc) und zum anderen von der immer besseren Beherrschung dieser Instrumente durch die Musiker. Parallel dazu entwickelte sich auch die Studiotechnik rapide.
      Gerade die verbreitete Verwendung von Keyboards (Hammond-Orgel, Mellotron, Moog-Synthesizer) brachte zudem Musiker ins Geschehen, die eine klassische Musikausbildung am Klavier genossen hatten, wodurch Elemente klassischer Musik zunehmend in die Rockmusik Eingang fanden.

      Ich bin in diesen Jahren groß geworden und habe diese Entwicklung hautnah miterlebt, aus meiner Begeisterung für diese Musik heraus ist auch später die Liebe zur Klassik entstanden, nämlich just zu dem Zeitpunkt als die erste ProgRock-Welle Mitte der 1970er Jahre abebbte und durch Punk u.ä. ersetzt wurde. Das war für mich der Zeitpunkt, der Rock-Musik , die ich bis dahin fast ausschließlich gehört hatte, den Rücken zu kehren und mich mit der Klassik näher zu befassen.

      Vor ca. 10 Jahren realisierte ich, dass es in den 1990er Jahren zu einer zweiten Entwicklung dieses Musikstils gekommen ist, der aber heute nur ein Nischendasein führt, und der mit den Erfolgen von Gruppen der ersten Welle (Yes, Genesis, King Crimson, VDGG etc.) nicht vergleichbar ist, obwohl die Qualität der produzierten Musik sich vor der der Vorbilder nicht verstecken muss. Gelegentlich höre ich diese Musik auch heute noch, wie auch die großen Alben aus der ersten Phase. Ziel des threads ist es, gelegentlich einige davon hier vorzustellen. Auf Ergänzungen durch andere Forenmitglieder bin ich sehr gespannt.
    • Die ProgRock-Musik entwickelte sich vor ziemlich genau 50 Jahren. Welches das erste ProgRock-Album der Geschichte ist, darüber kann man nächtelang streiten. Die vier gezeigten werden in dem Zusammenhang öfters genannt.




      Das zweite Album der Keith Emerson Formation The Nice enthält einige schöne Adaptationen klassischer Titel (Karelia, Brandenburger) die später noch durch Mussorgsky's Bilder einer Ausstellung ergänzt wurden. Es gilt als das beste Werk dieser Gruppe, Später sollte Emerson gemeinsam mit Greg Lake und Carl Palmer das "Supertrio" Emerson, Lake und Palmer begründen, eine der erfolgreichsten ProgRock-Formationen überhaupt.

      Procol Harum würde ich nur eingeschränkt dem ProgRock zuordnen, ihr zweites vermutlich ebenfalls bestes Album enthält aber mit "In Held Twas In I (Parts: A-E)" den ersten echten ProgRock Song, eine 20-minütige Suite aus ziemlich disparaten Teilen, die aber genial zusammengefügt sind und bis heute noch sehr gut anhörbar. Nicht umsonst hat die spätere ProgRock Supergroup "Transatlantic" diese Suite noch einmal eingespielt.

      Am ehesten dürfte die erste Platte von Robert Fripp's King Crimson als "Mutter aller ProgRock-Scheiben" mehrheitlich Zustimmung finden. Die Platte schlug damals in bekifften Studentenkreisen ein wie eine Granate, vor allem der klangverzerrte Opener "21th century schizoid man". King Crimson sollte in unterschiedlichen Reinkarnationen zu einer der stilprägenden ProgRock-Bands werden.

      Der erste Longplayer von Pink Floyd ist streng genommen kein echter ProgRock, aber viele Songs des psychisch labilen ersten Gitarristen Syd Barrett (Vorgänger von David Gilmour) weisen doch Eigenschaften auf, die später typisch fürs Genre werden sollten. Pink Floyd ist meiner Meinung nach insgesamt ist eine ganz eigene Geschichte, die nur eingeschränkt zum ProgRock gehört.
    • Wieland schrieb:

      Vor ca. 10 Jahren realisierte ich, dass es in den 1990er Jahren zu einer zweiten Entwicklung dieses Musikstils gekommen ist, der aber heute nur ein Nischendasein führt, und der mit den Erfolgen von Gruppen der ersten Welle (Yes, Genesis, King Crimson, VDGG etc.) nicht vergleichbar ist, obwohl die Qualität der produzierten Musik sich vor der der Vorbilder nicht verstecken muss.

      Es würde mich sehr interessieren, auf welche Bands Du Dich hier beziehst. Die 90er stehen mir persönlich etwas näher als die "klassische" ProgRock-Phase - einfach deswegen, weil ich sie selbst erlebt habe.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Wieland schrieb:

      Symbol schrieb:

      Es würde mich sehr interessieren, auf welche Bands Du Dich hier beziehst. Die 90er stehen mir persönlich etwas näher als die "klassische" ProgRock-Phase - einfach deswegen, weil ich sie selbst erlebt habe.
      Da stehen bei mir vor allem 3 Gruppen im Zentrum des Interesses:




      Interessant! Dream Theater sagt mir was, die anderen beiden ehrlich gesagt nicht - obwohl ich mir bisher eingebildet habe, die Populärmusik der 90er halbwegs zu kennen (wenn nicht vom Anhören, dann zumindest bezüglich der Namen von Künstlern und/oder Alben). Man lernt halt nie aus.

      Meinst Du, dass man hier schon von einer Art Trend in den 90ern sprechen kann, oder ist das einfach eine etwas exotische Seitenströmung in der zunehmend diversifizierten Musikszene dieses Jahrzehnts? Es gibt ja ein paar Erscheinungen in den 90ern, die nicht so recht ins Gesamtbild passen, wie z. B. das Comeback von Meat Loaf.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Hmm, wann beginnt die Geschichte des Prog Rocks?

      Hallo,
      als ich mir in den Sommerferien 1970 "The least we can do is wave to each other" von "Van der Graaf Generator" kaufte, übrigens zusammen mit der leider unbekannt gebliebenen "Illinois Speed Press" sprach noch keiner von Prog Rock.
      Das kam erst viele Jahre später.
      Aber schon schnell schien klar: Das Epizentrum dieses Stils schien aus Genesis, VdGG und King Crimson zu bestehen.
      Heute werden ja ein Fülle von Bands hinzugerechnet. Dabei bin ich auch der Ansicht, das Pink Floyd nicht so richtig passen.

      Ich habe mich später drauf verlegt, solchen Prog Rock zu bevorzugen, wo der Drift ins Jazzige nicht zu verleugnen ist. Das zunehmend Theatralische von Yes oder Genesis (Lamb lies..), das dann in den Glamrock überging, war mir zunehmend zuwider, PF nach "Meddle" sowieso.

      Wenn ich also Prog Rock mit Jazzeinflüssen benennen darf, dann fängt es für mich mit Soft Machine First an.
      Von dort geht dann es über in die Robert Fripp Welt und weiter über Centipede in die Canterbury Szene zu "Gong", "Caravan" und vielen anderen.
      Da fühle ich mich besser aufgehoben als bei der "ich bin ein Oberschüler in Not"-Lyrik eines Peter Hammil, den ich trotzdem immer noch ab und zu gerne höre.
      Dazu kommen die Grenzgänger von Gentle Giant.

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Das zunehmend Theatralische von Yes oder Genesis (Lamb lies..), das dann in den Glamrock überging, war mir zunehmend zuwider, PF nach "Meddle" sowieso.

      Trotz OT-Gefahr: waren Yes und Genesis jemals Glam Rock? Theatralisches Gedöns macht doch noch keinen Glam, der braucht die knallbunte Oberfläche und letztlich auch das Spiel mit Geschlechterrollen inklusive homophilem Anteil. Genesis haben vielleicht kräftig ins Horn getut, aber die waren doch ungefähr so homophil wie ein Truckertreff an der Autobahn, oder?

      Glam Rock sind für mich Bowie, T-Rex, Glitter etc. Wann und womit begann das? Mit "The man who sold the world" oder "Hunky Dory" von Bowie (das wäre dann 1970 bzw. 1971)?

      Wie gesagt, ich möchte nicht abschweifen, aber die Abgrenzung finde ich nicht ganz unwichtig.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Trotz OT-Gefahr: waren Yes und Genesis jemals Glam Rock?
      Nein, natürlich nicht, aber ich betrachte sie als Vorfahren. Schau Dir mal Yes Auftritte live an oder Genesis ....
      Aber daran sollte die Diskussion nicht scheitern. Ich habe Genesis nach Nursery Crime und Yes sowieso genau ignoriert. (Wakeman grrr).
      Das mag aber daran gelegen haben, dass RockJazz dann viel interesanter war. So finde ich "RED" und "Lark Tongues" von King Crimson auch besser als "In the Court".
      Aber das ist meine bescheidene Meinung.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Symbol schrieb:

      Trotz OT-Gefahr: waren Yes und Genesis jemals Glam Rock?
      Nein, natürlich nicht, aber ich betrachte sie als Vorfahren. Schau Dir mal Yes Auftritte live an oder Genesis ....

      Kommt das denn zeitlich hin? Glam war doch spätestens 1972 mit "Ziggy Stardust" von Bowie in voller Fahrt, "Lamb..." von Genesis war 1974. Ich habe gerade nochmal nachgeschaut: Genesis haben erst 1972/73 erstmals eine Tour gemacht, auf der sie der Main Act waren - da war Bowie bereits ein Glam-Superstar.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Meinst Du, dass man hier schon von einer Art Trend in den 90ern sprechen kann, oder ist das einfach eine etwas exotische Seitenströmung in der zunehmend diversifizierten Musikszene dieses Jahrzehnts? Es gibt ja ein paar Erscheinungen in den 90ern, die nicht so recht ins Gesamtbild passen, wie z. B. das Comeback von Meat Loaf.
      Ich glaube schon, dass die Rückbesinnung auf den ProgRock Mitte der 90er Jahre ein Trend war, der auch bis heute anhält. Er findet halt in der Nische statt, abseits vom Mainstream, aber es gibt Festivals überall in Europa und USA. Sogar Kreuzschifffahrten mit alten und neuen Musikern und es findet auch ein Austausch zwischen den Generationen statt. Steve Wilson, Mastermind von Porcupine Tree und inzwischen auch vielfältig solo unterwegs, bearbeitet viele der Masterbänder für die gerade erfolgenden Wiederauflagen der alten Klassiker.
    • Doc Stänker schrieb:

      Ich habe mich später drauf verlegt, solchen Prog Rock zu bevorzugen, wo der Drift ins Jazzige nicht zu verleugnen ist. Das
      Den jazzlastigen ProgRock tue ich lieber in eine eigene Schatulle - eben Jazzrock - weil es sonst unübersichtlich wird, dann ist man schnell bei Weather Report, John McLaughlin etc. Das ist für mich kein ProgRock mehr. Soft Machine ist so ein Grenzfall, die waren in beiden Sphären unterwegs, vor allem ihr Drummer Robert Wyatt.
    • Doc Stänker schrieb:

      Das zunehmend Theatralische von Yes oder Genesis (Lamb lies..), das dann in den Glamrock überging, war mir zunehmend zuwider, PF nach "Meddle" sowieso.
      Also den Zusammenhang zwischen Yes und Genesis und Glamrock sehe ich nicht. Die Performances von Genesis mit Peter Gabriel sind für mich etwas völlig anderes als Glamrock. Gabriel war (und ist) ein Geschichtenerzähler und er hat diese Geschichten halt auf der Bühne gespielt. Das kann man als Theatergedöns abtun, aber ich habe Foxtrott und Lamb lies down...als eindrucksvollste Bühnenerlebnisse meiner Jugend in Erinnerung. Mit dem Ausstieg von Gabriel bei Genesis begann für mich auch das Ende dieser Ära.
    • Wieland schrieb:

      Progressive Rock oder ProgRock, wie er heute meist genannt wird, war eine Musikrichtung, die Ende der 1960er vor allem in England entstand, als zahlreiche Bands begannen, vom simplen Songschema typischer Rockstücke mit 3-minütiger Spieldauer abzuweichen und zunehmend längere und von der Struktur her komplexere Stücke zu komponieren. Diese Entwicklung wurde begleitet zum einen von einer Einbeziehung zusätzlicher Instrumente (hier vor allem von Keyboards, die sich in ihrer technischen Vielfalt rasant weiterentwickelten, aber auch von Flöte, Geige etc) und zum anderen von der immer besseren Beherrschung dieser Instrumente durch die Musiker. Parallel dazu entwickelte sich auch die Studiotechnik rapide.
      Gerade die verbreitete Verwendung von Keyboards (Hammond-Orgel, Mellotron, Moog-Synthesizer) brachte zudem Musiker ins Geschehen, die eine klassische Musikausbildung am Klavier genossen hatten, wodurch Elemente klassischer Musik zunehmend in die Rockmusik Eingang fanden.

      Ich bin in diesen Jahren groß geworden und habe diese Entwicklung hautnah miterlebt, aus meiner Begeisterung für diese Musik heraus ist auch später die Liebe zur Klassik entstanden, nämlich just zu dem Zeitpunkt als die erste ProgRock-Welle Mitte der 1970er Jahre abebbte und durch Punk u.ä. ersetzt wurde. Das war für mich der Zeitpunkt, der Rock-Musik , die ich bis dahin fast ausschließlich gehört hatte, den Rücken zu kehren und mich mit der Klassik näher zu befassen.

      Vor ca. 10 Jahren realisierte ich, dass es in den 1990er Jahren zu einer zweiten Entwicklung dieses Musikstils gekommen ist, der aber heute nur ein Nischendasein führt, und der mit den Erfolgen von Gruppen der ersten Welle (Yes, Genesis, King Crimson, VDGG etc.) nicht vergleichbar ist, obwohl die Qualität der produzierten Musik sich vor der der Vorbilder nicht verstecken muss. Gelegentlich höre ich diese Musik auch heute noch, wie auch die großen Alben aus der ersten Phase. Ziel des threads ist es, gelegentlich einige davon hier vorzustellen. Auf Ergänzungen durch andere Forenmitglieder bin ich sehr gespannt.
      Eine Ergänzung: Der ProgRock geht mit einer Aufwertung der LP als in sich geschlossenes Ganzes einher. Zum Teil wird er sogar darüber definiert. Das hängt natürlich zum einen mit den von dir schon genannten ausladenderen Strukturen/Formen zusammen, aber es schlich sich (im Wesentlichen eben über die Klassik) ein "Werk"-Verständnis ins Bewusstsein der Rockmusiker.
      Nicht zuletzt die Beatles mit "Sgt. Pepper" (gibt ja wohl gerade irgendeinen ganz tollen Neu-Release) haben in diesem Sinne einen großen Einfluss gehabt.
      Aber auch Frank Zappa mit seinem Doppel-LP-Debüt "Freak out" von 1966 schuf für meine Begriffe einige "progressive" Tendenzen.

      Welches Album nun das "erste" war und ob bestimmte Gruppen wie Pink Floyd (Psychedelic Rock?) oder Soft Machine (Jazzrock?) nun dazugezählt werden, finde ich weniger entscheidend, als über diese Fragen zum für mich eben wesentlichen Punkt zu kommen: Die Rockmusik hat sich innerhalb kürzester Zeit einen immens vergrößerten Spielraum erschlossen - sie ist um 1970 schlicht explodiert (wie danach m.E. nie wieder). Die um diese Zeit herum im großen Stil erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten kann man in den letzten Jahrzehnten eben längst nicht nur im ProgRock, sondern weit darüber hinaus hören.

      In den 80ern war das Genre für meine Begriffe tot (da gab es wenig attraktive Bands wie Marillion oder IQ und dann die Arrivierten wie Genesis, Gentle Giant und Yes, u.U. auch Jethro Tull und Pink Floyd, die sich mit mehr und weniger Erfolg zunehmend einfacheren und eingängigeren Strukturen zuwandten), während dann in der Tat in den 90ern mit Dream Theatre (finde ich persönlich ganz furchtbar, aber das tut nichts zur Sache) ein entscheidend neuer Anschub kam. Heute gibt es eine sehr, sehr lebendige Szene aus vielen retrospektiv angelegten Tendenzen und ungewöhnlichen Experimenten. Dennoch: Ich habe den Eindruck, dass Rock und Progressivität im wörtlichen Sinn schon lange nicht mehr so gut zusammenkommen (können?) wie zur Blütezeit des Prog um 1970.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Ich kam erst um 1992 zum ProgRock, als ich die alten Genesis (1970-1975) kennenlernte; vorher hatte ich so eine Musik nie gehört. Ist aber typisch für mich, daß ich solche Sachen erst im fortgeschrittenen Alter erschloß (war damals kurz vom Abitur). Sie sind für mich immer noch die ProgRocker par Excellence... :thumbup:

      Marillion habe ich nur wenig gehabt und weniger gehört, Dream Theatre ist mir ein Begriff, aber nie wirklich kennengelernt; King Crimson kenne ich nur in dieser einen Form (In The Court...). Wenn ich so recht überlege, soviel ProgRock kenne ich gar nicht - ich kann noch den Krautrock von Eloy oder Focus nennen, aber...ach...

      Außer Genesis war für mich nichts maßgeblich - einfach, weil ich die Musik von Genesis hören wollte. Keine andere Band hat so geklungen wie Genesis mit Gabriel als Sänger. Alles andere kam vereinzelt zum Ausprobieren und deutlich später.

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      Allerdings höre ich heute noch die etwas verqueren Alben meiner Lieblingsbands lieber als die kommerzielleren (z.B. Simple Minds - Reel To Real Cacophony, Pink Floyd - Piper).
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Die von mir deutlich am meisten geschätzte Band des klassischen Prog ist Gentle Giant, mit ihrer raffiniert ausgetüfelten, manchmal fast "kammermusikalisch" anmutenden Rockmusik (der Keyboarder Kerry Minnear hatte auch klassische Komposition studiert und setzte diese Kenntnisse gewinnbringend in der Musik der Band ein.). Sehr empfehlen kann ich die Alben "Octopus":



      und das dichteste und sprödeste Album der Band "The Power and the Glory":



      Ansonsten ist "meine" Richtung eher Avantprog bzw. "Rock in Opposition" (ich hoffe, man hat nichts dagegen, wenn ich die in diesem Faden auch einmal nenne). Diese Richtung unterscheidet sich vom gängigen Mainstream-Prog einerseits durch das Vermeiden prätentiösen Bombasts, andererseits durch größere Klangschärfe, Dissonanzenreichtum und einen Hang zum Experimentellen. Dadurch ist diese Musik in gewissem Sinne noch "progressiver" als der klassische Prog und für den mainstream-gewohnten Hörer gewöhnungsbedürftiger als etwa Genesis oder King Crimson. Vor allem die Ur-RIO-Bands waren zudem durch eine starke (teilweise - man beachte das erste Cover ;) - marxistisch begründete) Gegnerschaft zum kommerziellen Mainstream geprägt.





      und hier noch ein ganz tolles Album von 2015, "leichter" und ironischer als die beiden vorgenannten, die Ende der 70er / Anfang der 80er herauskamen, und ohne Gitarre, dafür aber mit Vibraphon, sparsamen Synth und mehrstimmigen Gesang sehr charakteristisch besetzt:



      open.spotify.com/album/7KhF8QyxwJM7QEl9YRPXbG

      MFG,

      Normann
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Wieland schrieb:

      dass es in den 1990er Jahren zu einer zweiten Entwicklung dieses Musikstils gekommen ist
      Diese zweite Phase des ProgRock beginnt schon Mitte bis Ende der 80er Jahre, allerdings in der deutlich härteren Variante des ProgMetal. Zu nennen ist da insbesondere das Dreigestirn Queensryche (Debüt-EP 1983), Reinhörtipps:

      1983:

      1984:

      1986:

      1988:

      1990:

      Fates Warning (Debüt-LP 1984), Reinhörtipps:

      1986:

      1988:

      1997:

      und die schon mehrfach erwähnten Dream Theater.

      Diese Liste könnte man lange fortführen... Alle diese Bands haben auch nach dem Abflauen des großen kommerziellen Erfolgs des Hard Rock und Heavy Metal Anfang/Mitte der 90er Jahre in ihrer Nische weiterexistiert und tun das zum größten Teil heute noch. So wie auch die englische Band Threshold, die zu meinen besonderen Favoriten in diesem Genre gehört und die gerade ihr 11. Studioalbum vorgelegt hat:



      Und bei den wichtigsten und einflussreichsten Prog-Bands der 70er Jahre darf natürlich ein Name nicht fehlen:RUSH. Das kanadische Trio spielt seit seinem zweiten Longplayer von 1975 in der gleichen Besetzung zusammen und hat mit Neil Peart einen der besten Drummer überhaupt am Schlagzeug sitzen. Auch Rush sind bis heute aktiv und haben ihren Stil im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert und weiterentwickelt, so dass sie nicht unbedingt in das klassische Schema einer Prog Band passen. Zur klassischen ProgRock-Phase der Band gehören:

      1976:

      1977:

      1978:

      1980:

      1981:
      Früher war nichts besser, aber: Es gab Sachen, die waren früher gut. Und sie wären es auch heute noch - wenn man die Finger davon gelassen hätte! (Jochen Malmsheimer)
    • Eine genaue Abgrenzung dieser Musikrichtung scheint mir schwer möglich zu sein, denn in den 60er und 70er Jahren gab es alle möglichen Strömungen in der Popkultur, und eine starke Vermischung der einzelnen Musikstile bis hin zu Jazz und klassischer Musik. Das Beispiel Keith Emerson, der ab seiner 2. Platte mit "The Nice" Bearbeitungen klassischer Werke präsentierte, ist ja schon gefallen. Den Höhepunkt erreichte er mit seiner "Five Bridges Suite".



      Da meine musikalische Sozialisation so etwa ab Ende der 60er Jahre begann, und ich damals mehr an aktueller denn an historischer Musik interessiert war, habe ich natürlich vieles aufgenommen. Für uns "Möchtegernintellektuelle" war es natürlich klar, dass wir nur progressive Sachen hörten. Daneben gab es freilich noch die Beatles und eine Reihe anderer Gruppen, denen wir allerdings dieses Label nicht so ohne Weiteres verpasst hätten.
      Zu den für mich damals wichtigen Platten gehörte z.B. Amon Düül II (der Vorgänger Amon Düül I war einfach zu schräg und dielettantisch).





      Ich weiß zwar nicht wie man diese Musik hören kann ohne stoned zu sein, aber damals bin ich voll darauf abgefahren (ohne LSD)..

      Sehr beliebt war natürlich auch Frank Zappa mit seinen "Mothers of Invention". Ein mit uns (uns = "The Guards" = meine damalige Band) befreundeter Kunstlehrer und seine Frau haben diese Musik regelrecht zelebriert. Die Platten waren alle in Alufolie eingeschlagen, und wurden feierlich ausgepackt. Dieters Frau hat dann wie ein Derwisch zu der Musik getanzt.



      Ein großerTeil meiner damaligen Plattensammlung ging mir im Gegenzug zu einem Konvolut von Klassik-Platten verloren, als meine Freundin und ich uns trennten. Einen Teil davon habe ich später als CD wiederbeschafft. So auch das beeindruckende Erstlingswerk der Gruppe "The Flock".



      Die Attraktion dieser Gruppe war Jerry Goodman, der seiner Violine ganz neue Klänge entlockte, ähnlich Ian Anderson von "Jethro Tull".


      Ich würde auch die Frühwerke von Kate Bush zu dieser Musikrichtung dazuzählen. Das was sie mit ihrer Stimme machte war absolut fantastisch, und die Songs hatten etwas absolut faszinierendes. Aber das war ja schon 1980.





      So ab Mitte der 70er Jahre bin ich dann zu amerikanischer "Westcoast Music" a la Crosby, Stills, Nash and Young abgedriftet, und dann kam der Jazz. Aber das ist eine andere Geschichte.


      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)