Eine kurze Geschichte des ProgRock

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    • Doc Stänker schrieb:

      Was ist nur passiert, dass Du jetzt Wagner Opern hörst?
      Ich weiß es auch nicht. Vielleicht zu viel Rotwein, oder zu wenig Dope? Aber Wagner war zu seiner Zeit ja auch so etwas wie "Progressive Opera".

      Aber die alten Sachen lege ich schon noch mal auf, die gehören ja zu mir. Aber langfristig haben dann doch Wagner und co. (mit Schwerpunkt auf co) die Oberhand gewonnen.

      Peter

      PS: Deine Frau ist freiwillig mitgekommen weil du ein Wagner Muffel bist. Dabei geht es da auch ganz schön zur Sache. :rolleyes:
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Ach ja, da ist ja noch diese Scheibe die bestimmt keiner von Euch kennt:



      Da geht die Post so richtig ab, und die Songs sind grossartig komponiert. Sogar gute Texte hatten die.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Ich würde auch die Frühwerke von Kate Bush zu dieser Musikrichtung dazuzählen.
      unbedingt. obwohl trotz der hohen Stimme es schon immer recht harmonisch und "nett" anzuhören war.

      Eusebius schrieb:

      Aber Wagner war zu seiner Zeit ja auch so etwas wie "Progressive Opera".
      was die kompositorischen Mittel angeht gewiss, inhaltlich geht so.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Eusebius schrieb:

      Die Attraktion dieser Gruppe war Jerry Goodman, der seiner Violine ganz neue Klänge entlockte
      Eigentlich wollte ich mich hier raushalten , daher nur kurz : Was Jerry Goodman auf dem ersten Flock Album machte , war hörenswert . Als 'Progressiv' würde ich The Flock aber nicht bezeichnen , eher als Jazz-Rock . Egal . Zeitgleich gab es im UK nämlich zwei Bands , die definitiv dem hier besprochenen Lager zuzuordnen sind und die mit einem Geiger arbeiteten : East Of Eden und High Tide . Deren Alben 'Mercator Projected' und 'Sea Shanties' erschienen vor 'In The Court Of The Crimson King' ( das nun wirklich nicht als erstes Progressives Album bezeichnet werden kann, außer von der uninformierten Journaille , Music In a Dolls House von Family erschien schon 1968 , als nur ein Beispiel ) . Damals lief das unter 'Progressiv Music' , der Begriff ProgRock wurde erst später geprägt .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )
    • An High Tide habe ich keine Erinnerung mehr, Mercator Projected und Snafu von East of Eden stehen immer noch im Schrank, leider nicht die Originale sondern als Doppel-LP Reissue. Ebenso die beiden Flock-Scheiben.

      Von Amon Düül II hatte ich auch mal ein, zwei Scheiben, aber die wurden schon vor langer Zeit verkauft (natürlich unter Preis).

      Queensryche ist in den 80ern völlig an mir vorbei gegangen, Operation Mindcrime habe ich erst vor kurzem kennengelernt, eine starke Scheibe.

      Eine Gruppe, deren erste LP ich gerade noch mitbekam, war Marillion.



      Danach habe ich mich für lange, lange Zeit fast völlig aus der Rockmusik ausgeklinkt. Letztendlich waren es die groß werdenden Söhne, die mich vor ca. 12 Jahren dazu "gezwungen" haben, mich wieder mit Rockmusik (Silbermond, Linkin' Park und so) zu beschäftigen und dann habe ich geschaut, was es auf dem ProgRock-Sektor Neues gibt.

      Die erste Scheibe, die mir da über den Weg lief, war diese. Die zweite Hälfte der Platte (ab Metropolis Pt 1) hat mich mächtig beeindruckt.



      Kennt übrigens noch jemand die 50 Jahre alte Scheibe hier?

    • philmus schrieb:

      Eusebius schrieb:

      Ich würde auch die Frühwerke von Kate Bush zu dieser Musikrichtung dazuzählen.
      unbedingt. obwohl trotz der hohen Stimme es schon immer recht harmonisch und "nett" anzuhören war.

      Sorry, da möchte ich widersprechen:

      Was man üblicherweise als "Prog" einordnet (also Musik in der Tradition von Bands wie Genesis, King Crimson, Yes...) zeichnet sich ja insbesondere durch eine Erweiterung der traditionellen Songschemas (à la: 2-3 Strophen mit Refrain, dazwischen eine Bridge und/oder ein Gitarrensolo) aus. Die von mir aufgeführten Bands versuchten ihre Songs nunmehr als weitgesteckte, epische und/oder ausgetüftelte "Werke" zu konzipieren. So dauern auf den 3 zentralen Alben von Yes (Close to the Edge, Tales..., Relayer) fast sämtliche Titel über 9 Minuten, manche auch über 20, und sind in viele kontrastreiche Abschnitte untergliedert, gerne auch mit Takt- und Tempowechseln.
      Des Weiteren wären als Charakteristika (Stil-)Zitate aus der europäischen klassischen Musik sowie allgemein eine Bezugnahme auf "bürgerliches Bildungsgut" (manche sagen auch: ein lediglich eindruckschindendes Gestikulieren mit demselben...) zu nennen.

      Bei den Liedern, die ich von Kate Bush so kenne (auch von Ihrem Frühwerk), sind diese Tendenzen aber allenfalls sehr schwach ausgeprägt, am ehesten vielleicht noch bei "Wuthering Heights" der Bezug auf ein Werk der Bildungsliteratur. Die Songstruktur bleibt bei ihr aber im konventionellen Popsongformat, ungerade Takte (5/4, 7/4) bleiben aus, desgleichen fehlen längere, selbstständige Instrumentalpassagen, wie sie bei den obengenannten Prog-Gruppen an der Tagesordnung waren.

      Ich würde daher Kate Bush aus all diesen Gründen nicht zum "Prog" zählen, vielleicht könnte man ihren Stil als Artpop bezeichnen, wie ihn in konzeptionell ähnlicher Weise später etwa Sting und Peter Gabriel (auf seinen Soloalben) vertraten. Mit Genesis, Yes, erst recht Gentle Giant hat ihre Musik aber allenfalls am Rande etwas zu tun.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Des Weiteren wären als Charakteristika (Stil-)Zitate aus der europäischen klassischen Musik sowie allgemein eine Bezugnahme auf "bürgerliches Bildungsgut" (manche sagen auch: ein lediglich eindruckschindendes Gestikulieren mit demselben...) zu nennen.
      Ach deshalb nennt mein Plattenhändler das immer "Gymnasiasten-Musik". ;)
    • EinTon schrieb:

      Ich würde daher Kate Bush aus all diesen Gründen nicht zum "Prog" zählen, vielleicht könnte man ihren Stil als Artpop bezeichnen, wie ihn in konzeptionell ähnlicher Weise später etwa Sting und Peter Gabriel (auf seinen Soloalben) vertraten.
      klingt schlüssig.

      Wie verhält sich denn so jemand wie der frühe Mike Oldfield dazu?
      Immerhin, sporadisch auch mal ungerade Rhythmen (Tubular Bells), klassische Einschläge (Hergest Ridge), längere rein instrumentale Partien und die Stücke neigen dazu, mit allerlei wechselnden Stiimungen ne ganze LP-Seite zu dauern.
      Andererseits: ziemlich harmonisch das Ganze, wenig, was irgendwie wirklich aneckt.
      Vom späteren "poppigen" Weg mal ganz zu schweigen, den seine Tonsprache genommen hat.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      Wie verhält sich denn so jemand wie der frühe Mike Oldfield dazu?
      Immerhin, sporadisch auch mal ungerade Rhythmen (Tubular Bells), klassische Einschläge (Hergest Ridge), längere rein instrumentale Partien und die Stücke neigen dazu, mit allerlei wechselnden Stiimungen ne ganze LP-Seite zu dauern.

      "Tubular Bells" würde ich (siehe obige Kriterien... ;) ) zum Prog zählen wollen. seine Pop-Hits aus den 80ern natürlich nicht mehr.

      philmus schrieb:

      Andererseits: ziemlich harmonisch das Ganze, wenig, was irgendwie wirklich aneckt.
      ...was bei Genesis auch nicht anders ist, und auch vieles von Yes und KC kommt mE recht wohltönend daher. Allerdings habe ich von den letzten beiden jetzt auch nicht alles gehört (bzw. nicht mehr im Gedächtnis.)
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Benutzername schrieb:

      Ich denke, dass es mit einer Definition von Prog noch schwieriger werden würde als ohnehin schon, wenn man 'Harmonisches' als Ausschlusskriterium betrachten würde.
      Ich würde es sogar noch pointierter formulieren: Punk (einst als Antithese zum "aufgeblasenen" Prog gefeiert) ist definitiv 'unharmonischer', ganz sicher aber klanglich "aneckender" als Prog. ;)
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Benutzername schrieb:

      Ich denke, dass es mit einer Definition von Prog noch schwieriger werden würde als ohnehin schon, wenn man 'Harmonisches' als Ausschlusskriterium betrachten würde.
      Ich würde es sogar noch pointierter formulieren: Punk (einst als Antithese zum "aufgeblasenen" Prog gefeiert) ist definitiv 'unharmonischer', ganz sicher aber klanglich "aneckender" als Prog. ;)
      Ich ahne, in welche Richtung dein Verständnis des "Harmonie"-Begriffs geht. Allerdings stimme ich deiner Aussage so pauschal nicht zu. Klanglich "aneckend" ist m.E. sehr, sehr subjektiv - schon von der Begrifflichkeit, aber auch ganz zu schweigen von der Empfindungsebene her. Und ich muss sagen, dass ich noch nie Punk gehört habe, den ich wirklich als "aneckend" empfand.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Benutzername schrieb:

      Ich ahne, in welche Richtung dein Verständnis des "Harmonie"-Begriffs geht.
      Natürlich nicht im Sinne komplexer Akkorde mit viel Chromatik. Klanglich ist Punk (beispielhaft der der Sex Pistols) aber sehr direkt, lärmend, ungeschliffen und oft bewußt provokant. Umgekehrt zeichnen sich die Prog-Klassiker eher durch einen weichgezeichneten Sound aus - auch im Vergleich zur musikalischen "Vorgängergeneration", also von 60er-Jahre-Bands wie den Beatles oder Jimi Hendrix, und insbesondere dann, wenn viel Mellotron eingesetzt wird.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Benutzername schrieb:

      Ich ahne, in welche Richtung dein Verständnis des "Harmonie"-Begriffs geht.
      Natürlich nicht im Sinne komplexer Akkorde mit viel Chromatik. Klanglich ist Punk (beispielhaft der der Sex Pistols) aber sehr direkt, lärmend, ungeschliffen und oft bewußt provokant. Umgekehrt zeichnen sich die Prog-Klassiker eher durch einen weichgezeichneten Sound aus - auch im Vergleich zur musikalischen "Vorgängergeneration", also von 60er-Jahre-Bands wie den Beatles oder Jimi Hendrix, und insbesondere dann, wenn viel Mellotron eingesetzt wird.
      Ich stimme dir zu, dass es eine ganze Reihe von "Prog-Klassikern" gibt, die vom Klangbild her stark durchchoreographiert und auch mit "akustischen Weichzeichnern" versehen sind (müsste man mal konkretisieren). Aber - und das macht Prog, finde ich, u.a. aus - es gibt eben auch eine ganze Menge wildes Zeug und auch klangliche Härten. Wenn ich mir King Crimsons "Red" anhöre, empfinde ich den Song eher als direkt und wenig geglättet. Bin mir auch nicht sicher, ob ich ein Mellotron wirklich mit dem Attribut "weich" in Verbindung bringen könnte. Hat das nicht eher lärmende, massige Sounds? Ich erlebe das manchmal wie so eine Klangwalze.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Zur Klangästhetik der frühen Prog-Phase hat der deutsche Musikwissenschaftler Bernward Halbscheffel m.E. ein entscheidendes Merkmal in dem "anhaltenden Ton" ausgemacht, der in der Rockmusik bis Mitte der 60er praktisch nicht existierte. Zudem wurde damit einhergehend auch tendenziell das Ohrenmerk auf Klangverschmelzungen und weniger auf das Prinzip des Spaltklangs gelegt. Da liegt womöglich auch ein Schlüssel zur Erklärung der Empfindung von weicheren Klangbildern. Das taugt aber dennoch nicht als Pauschal- und Definitionsmerkmal, denn für Prog erscheint es mir wesentlicher, dass die Grenzen in vielen Richtungen erweitert und demnach auch ganz viel mit u.a. scharfen Kontrasten gearbeitet wurde.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Benutzername schrieb:

      Wenn ich mir King Crimsons "Red" anhöre, empfinde ich den Song eher als direkt und wenig geglättet.
      ...oder Gentle Giants Album "The Power and the Glory", das fast schon als RIO durchgehen könnte, speziell "So Sincere" und "The Face".

      Benutzername schrieb:

      Bin mir auch nicht sicher, ob ich ein Mellotron wirklich mit dem Attribut "weich" in Verbindung bringen könnte. Hat das nicht eher lärmende, massige Sounds? Ich erlebe das manchmal wie so eine Klangwalze.
      Der typische Streichersound klingt schon seeehr weich:

      youtube.com/watch?v=2-tnnbwIYys#t=10m57s

      ob das dann massig wird (ich kenne solche Stellen auch) , hängt wohl davon ab, wie vollgriffig die Akkorde gespielt werden. bzw. ob das Instrument noch mit anderen Keyboards gedoppelt wird etc.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Benutzername schrieb:

      Das taugt aber dennoch nicht als Pauschal- und Definitionsmerkmal, denn für Prog erscheint es mir wesentlicher, dass die Grenzen in vielen Richtungen erweitert und demnach auch ganz viel mit u.a. scharfen Kontrasten gearbeitet wurde.
      Als "Definitionsmerkmal" wollte ich das auch nicht verstanden wissen, aber schon als ein Charakteristikum vieler klassischer Progbands, eher jedenfalls als das von philmus implizit postulierte Gegenteil: des dissonierenden(?) "Aneckens":

      philmus schrieb:



      Andererseits: ziemlich harmonisch das Ganze, wenig, was irgendwie wirklich aneckt.
      (bezogen auf den frühen Oldfield, s. o.)
      zwischen nichtton und weißem rauschen