Christopher Rouse - amerikanischer Komponist

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    • Christopher Rouse - amerikanischer Komponist

      Christopher Rouse Symphonie Nr. 1

      Christopher Rouse (Jahrgang 1949) entwickelt sich anscheinend zum führenden Symphoniker seines Landes. Vor allem Alan Gilbert, Dirigent der New Yorker Philharmoniker, setzt sich für den Mann ein. Erst kürzlich erschien eine CD mit den Symphonien 3 und 4, die Rouse als Composer-in-Residence geschrieben hat. Die UA der 5. Symphonie wurde im Februar 2017 in Dallas von Jaap van Zweden geleitet.

      Die 1. Symphonie entstand 1988 ist einsätzig und dauert knapp 27 min. Inspiriert ist das Werk von den heroischen Symphonien der Spätromantik im speziellen von Bruckners 7ter, von der Themen in der Symphonie auftauchen. Auch der Nibelung schaut kurz vorbei. Rouse will hier aber nicht den Heroismus des 19. Jahrhunderts wiederaufleben lassen, sondern ganz im Gegenteil, sein Held wird geopfert ohne dass die Menschheit davon überhaupt Notiz nimmt. Die Gegenwart lässt grüßen. Das eindrucksvolle Werk ist dementsprechend düster und pessimistisch, "doom and gloom" herrschen vor. In ihrer Intensität gemahnen einige Passagen an Alan Pettersson. Die vor allem in der zweiten Hälfte überwiegenden ruhigeren Passagen auch an den späten Weinberg.

      Die Aufnahme durch Alan Gilbert und sein damaliges "Hausorchester", das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, ist exemplarisch.

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    • Christopher Rouse Symphonie Nr. 2 (1996)

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      Die zweite Symphonie von Christopher Rouse entstand 1994. Das Werk ist dreisätzige Werk beginnt mit einem munteren, fast maschinenartig ablaufenden Allegro, das ein wenig an ähnliche Sätze von Hindemith erinnert. Mit einem hämmernden Schlagzeugeinsatz geht es direkt ins Adagio in memorian Stephen Albert über. Diese langsamen sphärisch angehauchten Sätze liegen Rouse ganz besonders, erinnern an späten Schostakowitsch, Mahler, Weinberg, Penderecki und entsprechende Filmmusik. In der Mitte wird es ziemlich laut und dissonant, um dann elegisch auszuklingen. Das abschliessende Allegro ist bläserbetont und schlagzeuglastig, wieder rhythmisch vertrackt. In der letzten Minute geht schlagzeugmäßig die Post ab wie bei DSCH 11. Auch dieses Werk gefällt mir.
      Über die technische Seite dieser Aufnahme kann man nur Lobendes sagen.

      Von dieser Symphonie gibt es sogar noch eine zweite Einspielung mit Alan Gilbert und den Stockholmer Philharmonikern auf BIS.


      H. Arnold in stereoplay 11 / 97: »Der Amerikaner Rouse (Jahrgang 1949) ist ein exzellenter Handwerker, der dem groß besetzten Orchester eine erstaunliche Bandbreite klanglicher und dynamischer Schattierungen zu entlocken vermag, wie wir es von Richard Strauss kennen. Die ausgezeichnete Flötistin Carol Wincence und die bestens disponierten Symphoniker aus Houston brennen unter der souveränen Stabführung Christoph Eschenbachs ein Feuerwerk der Extraklasse ab, das von den Telarc-Technikern in geradezu umwerfender Weise perfekt eingefangen wurde.
    • Christopher Rouse 3. Symphonie (2011)

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      Musik über Musik zu schreiben, ist ja inzwischen nichts Besonderes mehr, liegt aber offensichtlich vielen Komponisten am Herzen. Rouse 3. Symphonie ist so ein Stück, Ausgangspunkt für seine Symphonie ist die 2. Symphonie von Serge Prokofieff. Dieses eher schwierige und selten gespielte Werk schätzt Rouseoffensichtlich besonders. Was Rouse übernimmt, ist die zweiteilige Struktur mit einem recht aggressiven und lärmigen (wenn auch m.E. nicht so aggressiv wie bei Prokofieff) ersten Satz und einem zweiten beschaulicheren Variationssatz, der enthält auch ein Zitat aus Prokofieff's Werk, das kurz auftaucht und dann anders weiterentwickelt wird. So etwas hat auch Robert Simpson gerne gemacht. Auch dies Werk zeigt, dass Rouse sein Handwerk perfekt beherrscht und eine zeitgemäße attraktive Musik schreibt. Seine 5. Symphonie wurde gerade uraufgeführt und dürfte ebenfalls schnell den Weg auf eine CD finden. Ist quasi schon vorbestellt.
    • Christopher Rouse Symphonie Nr. 4 (2013)

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      Christoper Rouse schrieb seine 4. Symphonie 2013 als Composer-in-Residence für die New York Philharmonic, die sie 2014 unter Alan Gilbert auch uraufführte. Die Symphonie besteht aus zwei kontrastierenden Sätzen von 10 bzw 12 min: 1. Felice und 2. Doloroso. Felice ist naturgemäß eine positiv gestimmte ziemlich tonale Angelegenheit, die ihre amerikanische Provenienz auch an keiner Stelle verleugnet. Dieser Satz strahlt fast uneingeschränkt Fröhlichkeit aus, in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich. Perfekt orchestriert, dürfte dieser Satz beim großen Publikum sicher ohne Probleme ankommen. Er geht ohne Pause in das dolorose Gegenstück über, bei dem sich die Stimmung abrupt verdüstert und elegisch wird. Vorübergehend kommt die Musik fast zum Erliegen, sphärische Klänge leiten über zu einem traurigen Trompetensolo und dann wir sind wieder in der fahlen Klangwelt der ersten Symphonie angekommen. Ein kurzes Motiv erinnert an Siegfried’s Trauermarsch, der Satz klingt begleitet von Gongschlägen düster und pessimistisch in den tiefsten Tonlagen des Orchesters aus. Interessantes Werk.
    • Christopher Rouse - Der gerettete Alberich - Rapture - Violinkonzert

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      Der Titel "Der gerettete Alberich" macht natürlich neugierig, man denkt an Wagner und liegt auch völlig richtig. Rouse ist Wagnerfan und hat sich wohl öfters schon gefragt, was am Ende eigentlich aus dem Nibelungen wird, er und die Rheinmädchen bleiben ja irgendwie übrig. Das hat er dann vertont in Form einer dreisätzigen Fantasie für Solo Percussion und Orchester. Wobei das Schlagzeug den Alberich verkörpert. Es ist also quasi die Sequel zur Götterdämmerung und fängt dann so an, wie diese aufhört, mit den letzten Takten des Orchesternachspiels als direktes unverfälschtes Zitat. Und dann legt der Niebelung los und zwar mächtig. Schlagzeug-Superstar Evelyn Glennie kann hier ihr gesamtes Können zeigen und ein mächtiges Feuerwerk abbrennen. Musikfreunde, die wie ich eine Rockvergangenheit haben und in grauer Vorzeit Drummern wie Jon Hiseman oder Bill Bruford ehrfürchtig zugehört haben, werden ihre Freude haben. Im Orchester tauchen dann regelmäßig verschiedene Leitmotive aus dem Ring auf, üblicherweise solche die mit Alberich zusammenhängen. Das ist geschickt in die moderne Orchestersprache integriert ohne dass es plump wirkt. Sehr ernsthafte Wagnerianer mögen das als Sakrileg empfinden, mir hat es Spaß gemacht. Wie häufig man ein derartiges Stück hören möchte, ist natürlich eine andere Frage.

      Mit diesem knapp halbstündigen Stück kann man auch seine Anlage herausfordern, man sollte aber mit geringem Pegel anfangen, es kommen unvermittelt ein paar Hammerschläge, die den werten Boxen eventuell Schaden zufügen könnten.

      Das zweite Stück Rapture ist eine symphonische Dichtung von 13 min Länge, die ruhig beginnt und sich dann mächtig steigert, teils wird man an Impressionismus, teils an Sibelius erinnert. Zum Schluss wieder mächtig Schlagwerk, das scheint eine Spezialität von Herrn Rouse zu sein. Passt ja auch zum Namen [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/wcf/images/smilies/biggrin.png] .

      Mit hohen Erwartungen dann das Violinkonzert aufgelegt, zumal ich den Geiger Cho-Liang Lin sehr schätze. Hier dann aber leider für mich Fehlanzeige, viel Noten, wenig Musik, lediglich eine 3-4 min Passage gegen Ende des zweisätzigen Werkes konnte mein Interesse finden.
    • Christopher Rouse Klarinettenkonzert (2001)

      Eine ziemlich sichere Angelegenheit für zeitgenössische Komponisten ihre Musik zu Gehör zu bringen, ist es Solokonzerte für alle möglichen Instrumente zu schreiben in der meist sich erfüllenden Hoffnung, dass ein berühmter Solist sich der Sache annehmen und zumindest eine Einspielung vorlegen wird. Deshalb finden sich auch im Oeuvre von Christopher Rouse diverse Konzerte, u.a. für Violine, Cello, Klavier, Gitarre, Posaune, Trompete, Flöte, Oboe, Schlagzeug und eben auch Klarinette. Letzteres wurde 2001 für den Soloklarinettisten des Chicago SO Larry Combs komponiert, der es unter Christoph Eschenbach auch uraufführte.

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      2008 entstand diese Aufnahme in Stockholm mit Martin Fröst, der vor keiner technischen Schwierigkeit zurückschreckt und zahlreiche neue Konzerte eingespielt hat. Der Komponist beschreibt im Booklet-Text ausführlich, wie er mit Hilfe von einem Würfelspiel den Fortgang des Konzertes gestaltet hat, alle paar Takte hat er gewürfelt und kam ein Sechser-Pasch dann wurde ein kleines Mikrokonzert im tonalen Stil eingefügt. Nun letztendlich ist die Kompositionsweise egal, das Ergebnis zählt. Das einsätzige knapp 20 Minuten dauernde Konzert ist sehr "brassy and jazzy" und recht dissonant, Malcolm Arnold hat in einigen späteren Symphonien ähnlich gearbeitet. Die Soloklarinette hat natürlich die ganze Zeit zu tun und ist überaus virtuos unterwegs, kein Problem für Fröst und vermutlich auch nicht für den Widmungsträger. Das Stück ist nicht schlecht, aber ich befürchte, dass es nicht öfter bei mir im Player landet, dafür gibt es zuviel andere interessantere Musik, u.a. von Rouse selbst, dessen 1. Symphonie auf der gleichen CD mir deutlich substantieller erscheint. Auch die die CD eröffnende Tondichtung "Iscariot" spricht mich mehr an.
    • Lieber Wieland, eine große Bereicherung fürs Forum mit schon bisher unzähligen hochinteressanten Tipps und Einführungen, gut für den musikalischen Horizont, ganz schlecht für den Kontostand. :) Vielen Dank für dieses Komponistenporträt und die Werkeinführungen, sicher werden sich einige (ich zum Beispiel) nun gerne auch mit Rouse befassen.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Es wurde im Nekrolog-Thread schon berichtet. Der US-amerikanische Komponist Christopher Rouse ist am 21.09.2019 im Alter von 70 Jahren verstorben, Über seine bisher auf CD verfügbaren Symphonien 1-4 habe ich weiter oben einiges geschrieben.
      Die 5. Symphonie wurde letztes Jahr in Dallas unter Jaap van Zweden uraufgeführt und harrt noch der Veröffentlichung. Rouse konnte auch noch eine 6, Symphonie vollenden, die in vier Wochen in Cincinnati uraufgeführt werden wird. Es bleibt zu hoffen, dass diese dann auch auf Tonträger erscheint.
      Rouse schrieb auch zwei Streichquartette, die wohl zum Schwierigsten und Komplexesten gehören, was für das Genre geschrieben wurde. Das Calder Quartet hat sich damit 5 Jahre auseinandergesetzt, bevor es es aufgezeichnet hat.