JANÁČEK: Jenůfa – Vollendung und Anfang

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    • Die von Heike rezensierte Loy-Inszenierung an der DOB ist derzeit auf YT: "http://www.youtube.com/watch?v=318JZiL5F7w"
      Zumindest auf dieser Konserve (die stimmliche Durchsetzungsprobleme kaschiert haben mag) fand ich Jennifer Larmore als Küsterin hervorragend und sehr ausdrucksstark. Sehr gut umgesetzt auch Laca und Steva: ich konnte die obige Charakterisierung von Philbert und Areiros genau nachempfinden.
      :juhu: für Loy, Larmore, Hartmann (Laca) und Elgr (Steva). Und natürlich für Janácek!

      VG, stiffelio
    • Succubus schrieb:

      Stewa ist aber nicht Jenufas Halbbruder, da Jenufa ja "nur" die Ziehtochter der Küsterin ist, sie sind also nichts blutsverwandt. Laca und Stewa sind Halbbrüder, sie haben den gleichen Vater, nämlich den Sohn der alten Burya, der zwei Frauen hatte (mit Lacas Mutter war er wohl nicht verheiratet), während die Kostelnicka die Frau des anderen Sohnes der Burya ist und anscheinend mit ihrem Mann kein leibliches Kind hat und später Jenufa aufnahm. Nur um das mal hier erwähnt zu haben.

      Mir ist noch ein Detail zu diesen verwickelten Familienverhältnissen aufgefallen: Laca wirft der alten Burya im 1. Akt vor: "ich weiß, Ihr liebt mich nicht, ich bin nicht euer Blut". Er ist also offenbar nicht blutsverwandt mit ihr. Ich schließe daraus, dass Laca und Steva nicht den gleichen Vater, sondern die gleiche Mutter haben. Lacas Mutter (vermutlich war ihr erster Mann verstorben) hat Laca mit in die Ehe mit einem Sohn der alten Burya eingebracht. Das würde auch erklären, warum die Küsterin, die gegen die Männer der Familie Burya ein tief verwurzeltes Misstrauen hat ("Ihr Buryas seid alle gleich!"), Laca problemlos als Schwiegersohn akzeptieren kann.

      Ich habe sogar überlegt, ob die alte Burya nur einen Sohn gehabt haben könnte, der dann nach dem Tod von Stevas und Lacas Mutter die Küsterin geheiratet hat. Die Küsterin betont ja in ihrer Anklage gegen Steva im 1. Akt, dass sie den Sohn der alten Burya als Witwer geheiratet hat. Dazu passt freilich nicht, dass Steva und Laca die Küsterin immer wieder als "Tante" anreden.

      VG, stiffelio
    • Also, was die verzwickten Familienverhältnisse angeht, so wie ich das erklärt habe, las ich es, glaube ich in dem Buch von Michael Ewans.
      Das mit dem "ich bin nicht euer Blut" mag dem geschuldet sein, dass Laca evtl. unehelich ist, aber Stiffelios Überlegung mit dem in die Ehe gebrachten Kind macht ja durchaus großen Sinn. Aber wissen tue ich gar nichts genau. Da müsste man wohl das Original-Stück lesen.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Hallo Succubus,

      weitere Belege für die o.g. Verwandtschaftsthese: in Wikipedia und Operaguide wird übereinstimmend Steva als Enkel und Laca als Stiefenkel der alten Burya, Jenufa als Ziehtochter der Küsterin bezeichnet. Als Stiefenkel gilt jemand, der vom Partner des Kindes mit in die Ehe eingebracht wurde, als Ziehtochter jemand, der mit keinem Elternteil blutsverwandt ist. Da Steva (im Gegensatz zu Laca) den Nachnamen Burya trägt, ist es eigentlich eindeutig, dass er ein Kind eines Sohnes der alten Burya ist. Somit bleibt für seinen Halbbruder Laca nur übrig, dass er von Stevas Mutter mit in die Ehe eingebracht sein muss, aber einen anderen Vater hat. Jenufa ist, wie du weiter oben schon geschrieben hast, weder mit Steva, noch mit Laca blutsverwandt.

      Im Vergleich verschiedener Inszenierungen ist mir aufgefallen, dass es zumindest in einigen offen bleibt, ob Laca Jenufa mit voller Absicht in die Wange schneidet oder es mehr oder weniger unbewusst bzw. als Unfall passiert. Das ist ja auch insofern librettogemäß, als die Magd, die es beobachtet hat, es als Unfall schildert, der Altgesell dagegen Laca beschuldigt, es mit Absicht getan zu haben. In den Inszenierungen mit Roberta Alexander und Nina Stemme scheint mir diese Szene mehrdeutig und in der aktuellen DOB-Inszenierung ist es ziemlich eindeutig als Unfall dargestellt.

      Ich habe auch mal versucht, mich in die Gedanken von Jenufa und Laca hineinzuversetzen, als das Kind unter dem Eis entdeckt wird. Mir erscheint es stimmig, dass beide zunächst annehmen, die Küsterin habe es nach seinem Versterben dort versteckt, weil sie es nicht offiziell beerdigen konnte oder durfte - es sollte ja geheim bleiben. Dazu passt, dass Jenufa zwar völlig außer sich scheint, aber nicht wegen Verdacht eines Mordes, sondern "nur", weil sie der Verdacht empört, ihr Kind solle ohne Sarg beerdigt werden und keine Ruhe finden. Laca möchte verhindern, dass Jenufa sich als Kindmutter outet, nicht weil er einen Mord (von wem auch immer) vermutet, sondern damit sie (beide?) in Zukunft nicht die Schande des Bekanntwerdens der unehelichen Schwangerschaft tragen muss (müssen).

      Schließlich ist mir noch ein interessantes Zeitgeist-Detail ganz am Schluss aufgefallen: während in älteren Inszenierungen (z.B. München 1970) oft Laca Jenufa für den Aufbruch in ihr neues Leben an die Hand nimmt bzw. den Aufbruch initiiert, kehrt sich das in den neueren Inszenierungen um. Auch an der DOB nimmt Jenufa Laca an die Hand, nicht umgekehrt.

      VG, stiffelio
    • Die Vorgeschichte aus dem Booklet der slowakischen Opus-Aufnahme mit Magdaléna Hajóssyová, Elena Kittnarová, Jozef Kundlák:
      Großmutter Burjovka hatte zwei Söhne. Der ältere beerbte die Mühle und der jüngere, Tomáš, arbeitete dort. Der ältere Sohn heiratete die Witwe Klemenová, die ihren Sohn Laca aus erster Ehe einbrachte. Dann wurde Števa geboren. Der jüngere Sohn der Großmutter heiratete Jenůfa und hatte eine Tochter, Jenůfa. Nach dem Tod seiner Frau suchte er nach einer Mutter für seine kleine Tochter. Er fand sie in der Person der Tochter des Bürgermeisters, Petronila Slovková. Sie schloß die kleine Jenůfa in ihr Herz, pflegte sie, als wäre sie ihre eigene Tochter. Allerdings betrank sich Tomáš Burja oft und war grausam zu seiner Tochter und seiner Frau. Er starb, nachdem er sein ganzes Vermögen versoffen hatte. Petronila kämpfte hart in ihrem Leben. Um ihr Leben zu verdienen, kümmerte sie sich um die Kapelle. Seither fang man an, sie "die Küsterin" zu nennen.
      Großmutter Burjovka pflegte die zwei Söhne aus der Mühle, die auch Waisen waren. Der jüngere, Števa, wurde zum Liebling der alten Frau. Der arme Laca wurde alleine gelassen. Jenůfa war unter seinen besten Freunden seit der Kindheit. Mit der Zeit wuchs in Laca die Liebe zu Jenůfa. Er wurde mehrere Jahre von seiner geliebten Jenůfa durch den Krieg getrennt. Als er zurückkam, war alles anders. In der Zwischenzeit hatte sich Jenůfa in Števa verliebt und hoffte, seine Frau zu werden.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Hallo Philbert,

      o.k., das bestätigt also die These, dass Laca und Steva Halbbrüder mütterlicherseits sind. Was mich freilich wundert: dass Jenufa (die dann doch eine leibliche Cousine von Steva ist) immer als "Ziehtochter" bezeichnet wird, obwohl sie eigentlich als leibliches Kind des Ehemannes eine Stieftochter der "Küsterin" Petronila ist.
      Danke für deine Info!

      VG, stiffelio
    • Das tschechische pastorkyně (pastorkyňa im mährisch-slowakischen Dialekt) bedeutet auch "Stieftochter".
      Im Tschechischen kann man auch nevlastní dcera sagen (buchst: nicht eigene Tochter), aber es könnte eine negative Färbung haben (wie Stieftochter im Deutschen). Die Küsterin hat aber Jenůfa wie ihre eigene Tochter lieb gehabt, deshalb kann nicht vom Verhältnis Stiefmutter-Stieftocher wie in Aschenputtel die Rede sein.
      Es könnte auch sein, daß Max Brod, der erste Übersetzer (und oft Verschlimmbesserer) das Wort "Ziehtochter" geprägt hat.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Das tschechische pastorkyně (pastorkyňa im mährisch-slowakischen Dialekt) bedeutet auch "Stieftochter".[...] Es könnte auch sein, daß Max Brod, der erste Übersetzer (und oft Verschlimmbesserer) das Wort "Ziehtochter" geprägt hat.

      Ja, das klingt logisch. Ich hatte mich schon gewundert, dass die "Ziehtochter" sogar im Titel vorkam. Es erklärt auch, warum die Küsterin betont, dass sie die zweite Frau des Sohnes der alten Burya war - das wäre ja sonst eine völlig unnötige Verkomplizierung.

      VG, stiffelio
    • stiffelio schrieb:

      Philbert schrieb:

      Das tschechische pastorkyně (pastorkyňa im mährisch-slowakischen Dialekt) bedeutet auch "Stieftochter".[...] Es könnte auch sein, daß Max Brod, der erste Übersetzer (und oft Verschlimmbesserer) das Wort "Ziehtochter" geprägt hat.

      Ja, das klingt logisch. Ich hatte mich schon gewundert, dass die "Ziehtochter" sogar im Titel vorkam. Es erklärt auch, warum die Küsterin betont, dass sie die zweite Frau des Sohnes der alten Burya war - das wäre ja sonst eine völlig unnötige Verkomplizierung.


      Vielleicht hat Max Brod den Begriff "Ziehtochter" auch deshalb geprägt, weil auch das deutsche Publikum bei einer Stieftochter an Aschenputtel gedacht hätte, und er glaubte, "Ziehtochter" habe einen positiveren Klang. Aber vielleicht sollte man "Její pastorkyňa" als "Ihre angenommene Tochter" übersetzen, da kommt das Liebhaben noch deutlicher heraus.

      P.S.: Wie hält ihr es mit der Arie der Küsterin im ersten Akt (wo sie ja die Familienverhältnisse und ihre eigene triste Geschichte teilweise erzählt), die Janácek später gestrichen hat, aber Mackerras u.a. in ihren Aufnahmen wieder eingefügt haben? Peter Konwitschny hat sie vergangene Saison in Graz auch spielen lassen (war übrigens eine großartige Inszenierung und tolle musikalische Leistungen!). Mir persönlich fehlt etwas, nein, sogar ziemlich viel, wenn diese Arie nicht dabei ist. Erstens ist sie musikalisch schön und ergreifend, zweitens bleibt ohne sie die Vorgeschichte sehr im Dunkeln, und drittens ist sie auch ganz wichtig für die Charakterisierung der Küsterin.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Areios schrieb:

      Wie hält ihr es mit der Arie der Küsterin im ersten Akt (wo sie ja die Familienverhältnisse und ihre eigene triste Geschichte teilweise erzählt), die Janácek später gestrichen hat, aber Mackerras u.a. in ihren Aufnahmen wieder eingefügt haben? Peter Konwitschny hat sie vergangene Saison in Graz auch spielen lassen (war übrigens eine großartige Inszenierung und tolle musikalische Leistungen!). Mir persönlich fehlt etwas, nein, sogar ziemlich viel, wenn diese Arie nicht dabei ist. Erstens ist sie musikalisch schön und ergreifend, zweitens bleibt ohne sie die Vorgeschichte sehr im Dunkeln, und drittens ist sie auch ganz wichtig für die Charakterisierung der Küsterin.
      Hallo Areiros,

      ich weiß nicht, ob diese Arie in Berlin vollständig gesungen wurde (Link in meinem Beitrag vom 27. Juli) oder ob es eine noch ausführlichere Version gibt, aber ich stimme dir zu, dass ohne sie die Oper auch auf mich unvollständig wirkt. Das Verhalten der Küsterin ist dann viel schwieriger zu verstehen.

      VG, stiffelio
    • Areios schrieb:


      P.S.: Wie hält ihr es mit der Arie der Küsterin im ersten Akt (wo sie ja die Familienverhältnisse und ihre eigene triste Geschichte teilweise erzählt), die Janácek später gestrichen hat, aber Mackerras u.a. in ihren Aufnahmen wieder eingefügt haben? Peter Konwitschny hat sie vergangene Saison in Graz auch spielen lassen (war übrigens eine großartige Inszenierung und tolle musikalische Leistungen!).


      Die Grazer Aufführung ist jetzt übrigens als CD-Mitschnitt erhältlich, mit tollen Leistungen von Iris Vermilion als Kostelnicka, Gal James als Jenufa, Ales Briscein als Laca, Dunja Vejzovic als alte Buryja, Nazanin Ezazi als Jano und Tatjana Miyus als Karolka! Mir ist nur nicht klar, weswegen man ausgerechnet diese Aufführung als CD und nicht als DVD herausgebracht hat, denn die Regie von Peter Konwitschny wäre es zweifellos wert gewesen, festgehalten zu werden!



      Liebe Grüße,
      Areios

      P.S. an Stiffelio: Ja, in Berlin wurde die ganze Arie gesungen. Die spätere gekürzte Version hat einen ganz grotesken, angeblich von Janácek selbst stammenden Strich, bei dem nur Anfang und Ende übrigbleiben, was m.E. weder inhaltlich noch musikalisch sehr sinnvoll ist.
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Jenufa - Karita Mattila, Anja Silja, Jerry Hadley, Eva Randova, Gail Pearson, Royal Opera House Covent Garden Orchestra, Bernard Haitink

      Aufnahme: Okt. 2001 Covent Garden London (live)



      Zitat aus Audio 3 / 2003: "Pult-Guru Bernard Haitink setzt Maßstäbe: So grandios, so herzzerreißend erzählte noch niemand die "Jenufa"-Tragödie über Liebe, Mord, Verzweiflung. Er lässt das Covent-Garden-Orchester ungeheuer anrührend aufspielen. Karira Mattila meistert die Titelrolle mit viel Leuchtkraft und Schmelz. Anja Silja, einst Bayreuth-Primadonna, singt die Partie der Jenufa-Pflegemutter als sensationelle Charakterdarstellerin mit fulminanter Stimme."

      Eine der großen bleibenden Einspielungen von Haitink
    • Philbert schrieb:

      der slowakischen Opus-Aufnahme mit Magdaléna Hajóssyová, Elena Kittnarová, Jozef Kundlák

      Philbert schrieb:

      Die Vorgeschichte aus dem Booklet der slowakischen Opus-Aufnahme mit Magdaléna Hajóssyová, Elena Kittnarová, Jozef Kundlák:
      Großmutter Burjovka hatte zwei Söhne. Der ältere beerbte die Mühle und der jüngere, Tomáš, arbeitete dort. Der ältere Sohn heiratete die Witwe Klemenová, die ihren Sohn Laca aus erster Ehe einbrachte. Dann wurde Števa geboren. Der jüngere Sohn der Großmutter heiratete Jenůfa und hatte eine Tochter, Jenůfa. Nach dem Tod seiner Frau suchte er nach einer Mutter für seine kleine Tochter. Er fand sie in der Person der Tochter des Bürgermeisters, Petronila Slovková. Sie schloß die kleine Jenůfa in ihr Herz, pflegte sie, als wäre sie ihre eigene Tochter. Allerdings betrank sich Tomáš Burja oft und war grausam zu seiner Tochter und seiner Frau. Er starb, nachdem er sein ganzes Vermögen versoffen hatte. Petronila kämpfte hart in ihrem Leben. Um ihr Leben zu verdienen, kümmerte sie sich um die Kapelle. Seither fang man an, sie "die Küsterin" zu nennen.
      Großmutter Burjovka pflegte die zwei Söhne aus der Mühle, die auch Waisen waren. Der jüngere, Števa, wurde zum Liebling der alten Frau. Der arme Laca wurde alleine gelassen. Jenůfa war unter seinen besten Freunden seit der Kindheit. Mit der Zeit wuchs in Laca die Liebe zu Jenůfa. Er wurde mehrere Jahre von seiner geliebten Jenůfa durch den Krieg getrennt. Als er zurückkam, war alles anders. In der Zwischenzeit hatte sich Jenůfa in Števa verliebt und hoffte, seine Frau zu werden.


      Kann man diese Aufnahme irgendwo beziehen? Würde mich SEHR interessieren!
    • Nachdem hier einige Werbung für eine nicht mehr erhältliche Aufnahme von Frantisek Jilek (mit Magdalena Hajossyova als Jenufa) gemacht wurde, und weil ich bisher nur die Mackerras Aufnahme kannte (mit der ich aus weiter unten genannten Gründen nicht vollständig glücklich bin), habe ich mir jetzt die andere Aufnahme von Frantisek Jilek mit Gabriela Benackova als Jenufa besorgt:



      Hier wird die Bearbeitung von Karel Kovarovic gespielt, was natürlich gegenüber der Mackerras Aufnahme schon ein gewichtiger Nachteil ist (Ich glaube, zum Zeitpunkt der Aufnahme (1977/78) gab es die Neuausgabe der ursprünglichen Orchestrierung von Janacek noch nicht.)

      Auch wenn ich nicht kompetent bin, diese Aufnahme im Vergleich zu anderen einzuordnen, kann ich doch sagen, dass sie auf mich deutlich unmittelbarer wirkt als die Mackerras Aufnahme. So verdienstvoll die Mackerras Aufnahme auch sein mag, sie leidet etwas darunter, dass das Orchester zu sehr im Vordergrund steht. Die Sänger bei Mackerras sind zwar sehr gut, aber dadurch, dass so viel Wert auf detaillierten Orchesterklang gelegt wurde (den ich für sich betrachtet schon hörenswert finde), geht doch einiges an Drama verloren. Ein bisschen wirkt die Mackerras Aufnahme wie ein Oratorium auf mich.

      In der Jilek Aufnahme ist für mein Empfinden das Musiktheaterstück deutlich besser nachvollziehbar. Gabriela Benackova singt eine wunderbare Jenufa, die auf mich sehr idealistisch und manchmal auch etwas naiv wirkt. (Ist das von Janacek so beabsichtigt?)
      Die Küsterin von Nadezda Kniplova ist zwar stimmlich nicht perfekt, ich finde ihre Gestaltung aber absolut authentisch. Es kommt für mich überzeugend rüber, dass sie eigentlich nur das will, was sie selbst für das Beste hält, dabei aber vollkommen aus den Augen verliert, was gut für die anderen (in diesem Fall für Jenufa und das Kind) ist. Auch ihr Gewissenskonflikt wird überzeugend dargestellt.

      Das Dirigat von Frantisek Jilek gefällt mir ausgezeichnet, wobei es mir schwerfällt, im Detail zu unterscheiden, ob der im Vergleich zur Mackerras bodenständigere (und "opernmäßigere") Klang mehr von einem anderen interpretatorischen Ansatz Jileks herrührt, oder ob das doch durch die Bearbeitung von Karel Kovarovic verursacht wird. Vielleicht finde ich die Bearbeitung ja doch gar nicht so schlimm? :versteck1:

      In Summe hat mir die Aufnahme jedenfalls ein besseres Verständnis dieser wunderbaren Oper ermöglicht.

      Viele Grüße

      Pizzicato :wink: