Die "Aida" in Salzburg, hat die Euch gefallen?

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    • Die "Aida" in Salzburg, hat die Euch gefallen?

      Meine Lieben!

      Diese Aida war eigentlich zum Abgewöhnen, wenn auch die Anna recht gut gesungen hat, halt mit "Einheitsbewegungen" beim Spiel und die Amneris hatte für eine zu hohe Stimme. Meli war ja gar kein Held und am Anfang bei "Celeste Aida" hat er halt nicht grad gut gesungen. Die Inszenierung war schauderhaft aber man gewöhnt sich schon fast an alles, wie in Bayreuth auch nur dort war es noch blöder. ape01 ape2

      Liebe Grüße sendet Euch Peter. :wink:
    • Ich habe nur bis zur Pause durchgehalten, denn diese Inszenierung war Operndilettantismus in Reinkultur. Netrebko (sie vermochte sich irgendwie dem lähmenden Korsett der Nicht-Regie einigermaßen zu entziehen) und Muti fand ich sehr gut, die anderen litten offenbar unter dem, was tun mußten und wirkten vielleicht schlechter als sie waren. Bis auf die Aida steckten sie ja auch in Kostümen, die weder schön aussahen noch Sinn machten (grellbunt für Amneris sah auch nicht besser aus). Als CD wäre das Ganze vermutlich ansprechend, aber so ist mein perönlicher Eindruck einfach verdorben. Sorry!
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Damit wir auch in ferner Zukunft wissen, worüber hier eigentlich geredet wird, ergänze ich die Beteiligten, wie sie in der ARTE-Mediathek, wo die Aufnahme momentan auch verfügbar ist, gelistet sind:

      arte.tv/de/videos/074586-001-A…rger-festspiele-2017-aida

      Dirigent: Riccardo Muti
      Chorleitung: Ernst Raffelsberger
      Kostüme: Tatyana van Walsum
      Chor: Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
      Choreographie: Thomas Wilhelm
      Komponist: Giuseppe Verdi
      Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: Christian Schmidt
      Dramaturgie: Bettina Auer
      Libretto: Antonio Ghislanzoni nach einem Szenarium von Auguste Mariette
      Licht: Reinhard Traub
      Inszenierung: Shirin Neshat
      Orchester: Wiener Philharmoniker

      Mit:
      Anna Netrebko (Aida)
      Roberto Tagliavini (Der König)
      Ekaterina Semenchuk (Amneris)
      Franceso Meli (Radamès)
      Dmitry Belosselskiy (Ramfis)
      Luca Salsi (Amonasro)
      Bror Magnus Tødenes (Ein Bote)
      Benedetta Torre (Oberpriesterin)

      Außerdem zitiere ich gleich noch einige Beiträge zu dieser Produktion aus unserem Opernregie-Thread...

      brunello schrieb:

      Stimmt schon, nach knapp einer Stunde Fernsehübertragung soll und kann man (zumindest ich) kein endgültiges Urteil über die neue "Aida" der Salzburger Festspiele abgeben. Aber bei dem, was ich bisher gesehen - und gehört habe - frage ich mich einmal mehr, worüber manche Menschen schon vor Wochen im Vorfeld den Stab gebrochen haben. Ich bin zwar froh, dass auf der Bühne kein disneylandartiges Pseudoägypten steht, aber was ich sehe, ist - jedenfalls für mich - schlicht und einfach langweilig. Und auch die nicht nur medial hochgelobte Frau Netrebko reißt mich auch nicht vom Sessel (aber ich gebe zu, mit den gehypten Superstars habe ich emotionale Probleme).

      Mauerblümchen schrieb:

      Nun ja, gegeben wurde Verdis Oratorium "Aida" in vier Akten, ausnahmsweise in halbszenischer Aufführung. Schon ok.

      Gruß
      MB

      Amfortas09 schrieb:

      brunello schrieb:

      Ich bin zwar froh, dass auf der Bühne kein disneylandartiges Pseudoägypten steht, aber was ich sehe, ist - jedenfalls für mich - schlicht und einfach langweilig.

      Mauerblümchen schrieb:

      Nun ja, gegeben wurde Verdis Oratorium "Aida" in vier Akten, ausnahmsweise in halbszenischer Aufführung. Schon ok.
      ...ist nicht ok.... wo bleiben nämlich dann als Feedback anderswo die unterhaltsamen Geifer-Threads übers "böse" RT

      palestrina schrieb:

      Das war weder Regie noch Theater, ich dachte immer ich sehe Nabucco, und hörte doch Aida!!

      LG palestrina

      Argonaut schrieb:

      Man könnte die Sache leicht nehmen und sagen, dass da eben genau das herausgekommen ist, was herauskommen muss, wenn jemand, der oder die keine Ahnung von Opernregie hat, eine solche Oper an einem solchen Ort inszeniert. Das allein wäre schon eine interessante und untersuchenswürdige Tatsache. Die Frage ist: Wie kommt es eigentlich, dass sich bei einer ausreichenden Portion Dilettantismus anscheinend automatisch eine solche theatralische Gestalt ergibt, wie sie diese »Aida« zeigt, und wie man sie bei entsprechenden Gelegenheiten schon sehr oft gesehen hat. (Castelluccis Inszenierungen sehen ja nur etwas schicker aus, sind aber im Grund nicht anders.)

      Unabhängig davon ist aber in diesem Falle der Einsatz angeblich aktueller Bezüge besonders ärgerlich und wegen des kaum verhohlenen Zynismus geradezu widerwärtig. Diese Fotografin, die sich als Regisseurin versuchen zu sollen glaubte, verwendet ein paar wenig aussagekräftige Videos, in denen Flüchtlinge pathetisch-bedeutungsvoll in den Zuschauerraum blicken. Der Zweck dieser Videos ist klar: Durch die Herstellung des Bezugs zu einem brennenden Problem der Gegenwart soll die geistige Mickrigkeit und Leere der Inszenierung (die wohl die geistige Mickrigkeit und Leere der als Regisseurin dilettierenden Fotografin ist) ornamentiert werden. Indem diese Videos ganz beziehungslos in das Geschehen hingeingeklebt werden, macht die Laien-Regisseurin (wohl ohne es zu merken) deutlich, dass sie das echte Leid, an dem sie sich da schmarotzend bedient, im Grunde überhaupt nicht interessiert. Dazu passt die schicke Ästhetik der Filmchen ebenso, wie die schicken Klamotten der Flüchtlinge, ihre wunderschön glattgeschminkten und von jeder Spur erlittener Schrecken gereinigten Gesichter dazu passen. Was immer sich die Frau bei diesen – zu allem Überfluss auch noch unfreiwillig komischen – Videoclips gedacht haben mag, sie sind in der Art, wie sie das reale Leiden ästhetisieren und damit unsichtbar machen, zutiefst inhuman. Und das ist das eigentliche Problem. (Dagegen ist die Anspielung aus Srebrenica, die Vera Nemirova in ihrer unsäglichen »Walküre«-Inszenierung unterbringen zu sollen gemeint hat, fast harmlos. Wenigstens hat sie nicht wirkliche Leute aus Srebrenica oder etwa die Söhne von dort Ermordeten auf die Bühne gebracht. Was da zu sehen war, war schlimm genug, aber es geht, wie man nun weiß, noch erheblich schlimmer.)

      Übrigens bleibt bei all diesem die Frage, warum sich eigentlich so allgemein die Überzeugung durchgesetzt hat, dass interessante Impulse für die Opernregie vor allem von Leuten zu erwarten sind, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Auch Maestro Muti hat ja erzählt, dass diese Fotografin genau die Richtige sei, um eine ganz neue Sicht auf dieses Werk zu ermöglichen. Das ist nun nicht der Fall, wie man sehen kann. Aber wie kann man überhaupt auf die Idee kommen? Das ist mir nach wie vor schleierhaft.
    • Liebe Leute, hier meine Eindrücke und noch mehr zu meinem Aida Tag, ich weiß, ich bin hier nicht mainstream, außerdem - wenn alle auf eine hinzeigen, tut sie mir leid, das ist halt mein Wesen. Seid bitte nicht streng mit meiner Meinung die rausfällt aus dem Mainstream. Ich steh dazu und trau mich das hier zu schreiben - als Musikliebhaber, dem halt "genau das was Verdi wollte und wie jemand was zu singen hat" (NIEMAND hier fühle sich bitte angesprochen, absolut NIEMAND) weniger wichtig ist als das unmittelbare mich in eine künstlerische Arbeit hineinziehende Faszinosum Oper.

      ANNAS TRIUMPH IM AIDA-ORATORIUM

      ORF 2 live zeitversetzt aus dem Großen Festspielhaus in Salzburg, 12.8.2017: Giuseppe Verdis „Aida“ mit Anna Netrebko, dirigiert von Riccardo Muti – sowie ein paar weitere „Aida“ Höreindrücke

      Der persönliche Eindruck zur ORF Ausstrahlung:
      Die Musik: Wenn Riccardo Muti die Wiener Philharmoniker (Konzertmeisterin Danailova) dirigiert, spielen sie stets besonders klangschön, so auch diesmal. So wienerisch klangherrlich, in erlesenen Orchesterfarben, dabei aber auch sanft differenziert, dazu noch sehr sängerfreundlich wird Verdis Partitur herrlich schön aufgeblättert.
      Die Inszenierung: Shirin Neshats Konzept wirkt statisch, großteils nahe (hab´s halt so gehört)zu oratorisch. Vor dunklem Hintergrund (Bühne: Christian Schmidt) bestimmt ein aus zwei weißen Würfeln gebildeter gewaltiger kalter Kubus die Bühne, der auf der Drehbühne verschiedene Wandbilder (auch mit Bild- und Filmprojektionen) ermöglicht und dessen Räume unter anderem Platz für Tribünen bieten. Dass die Künstlerin aus dem Iran kommt, verdeutlicht sich so wie ich es wahrnehme mit dem Auftreten der ägyptischen Priester als griechisch-orthodoxe. Krieg und die Folgen abschreckend zeigen – das versucht Shirni Neshat subtil, etwa indem sie auf den Siegesmoment mit den starr ausgestellten, durch weiße Längsstriche im Gesicht gebrandmarkten äthiopischen Gefangenen, antwortet. Starr wird szenisch selbst der Triumphmarsch aufbereitet, versteinerte Beobachter auf den Tribünen, nur das „Kammerballett“ mit ein paar Tänzern mit gehörnten Tierschädeln bleibt das einzige bewegte Element dieser Szene. Durchdacht die Kleiderfarben von Aida und Amneris – Farben als Symbole, Gelb für Neid, Rot für Liebe und Hass, Grün für Hoffnung, Weiß für Gnadenbitten und Schwarz für Trauer. Aida geht vielfach in Blau durch das Werk.
      Die Sänger: Francesco Meli (Radamès) – er hat ja gleich den ersten Hit (Celeste Aida); Meli ist so wie ich es höre der richtige Tenor dieser Zeit, punktgenau einsetzbar, helles Timbre, aber kein persönlicher Schmelz, keine Unverkennbarkeit (man hat die Großen von Björling bis Domingo im Ohr), dafür so wie ich es wahrgenommen habe (kann aber auch bei Detailhören mit Noten zu anderem Ergebnis kommen) verlässlich in jedem Moment, eine tadellose Leistung. Ekaterina Sementschuk (Amneris) – eine fabelhafte Mezzo-Charaktersängerin und –darstellerin in bester Tradition dieser großen Verdi-Mezzorollen. Und Anna Netrebko (Aida) – eine Rollengestaltung mit Leib und Seele, gesanglich mit nun tieferem Timbre als früher noch eindringlicher und weiter ganz natürlich wirkend, gerade auch darstellerisch der Rolle Leib und Seele gebend, Herz und Hirn; was für eine singuläre Persönlichkeit!
      Fazit: Die vorstellbar klangschönste Verdi-Opernmusik, für mich eine neue Jahrhundert-Aida-Interpretin (dazu steh ich, ich mag Netrebkos gesangliche Natürlichkeit) und ein oratorisches, in der Starrheit teilweise beklemmend intensives Antikriegsplädoyer.

      Am selben Tag: Erfahrungen nachschlagen und ein Hineinhören in die mir aktuell verfügbaren Aufnahmen
      Was für eine ergreifende, tragische Operngeschichte: Der ägyptische Feldherr Radamès liebt die äthiopische, versklavte Königstochter Aida, wird aber unerwidert von der ägyptischen Königstochter Amneris geliebt und schließlich vom Helden zum Verräter – und lebendig in einem Gewölbe begraben, wohin sich allerdings auch Aida begeben hat, das Ende mit ihrem Geliebten zu teilen.
      Meine Erstbegegnung mit „Aida“ ist mit dem 30.11.1986 datiert, ein Gastspiel der Arena di Verona in der Wiener Stadthalle, Dirigent Daniel Oren, Aida Aprile Millo. Anfang 1988 erfolgte dann die Befassung mit mehreren Verdi-Opern mit LP- und CD-Aufnahmen, „Aida“ mit der Wiener Karajan-Aufnahme von 1959 mit Renata Tebaldi. Und dann endlich eine „Aida“ in der Wiener Staatsoper: 7.5.1989, Inszenierung Nicolas Noël, Dirigent Jan-Latham König, Anna Tomowa-Sintow als Aida.
      18 Jahre später das Hineinhören in fünf Gesamtaufnahmen und weitere Dokumente, jeweils das Vorspiel zum 1. Akt, Aidas Scena aus dem 1. Akt „Ritorne vincitor!“ (ihr Hin- und Hergerissensein zwischen Vater(land) und Geliebtem schildernd), Aidas Romanza „Qui Radamès verra!“ aus dem 3. Akt, dem Nilakt (den traurigen Abschied von der Heimat vor dem Treffen mit Radamès ausbreitend) und aus demselben Akt das Duett Aida- Radamès „Pur ti riveggo, mia dolce Aida“ (der Entschluss zur gemeinsamen Flucht, aber auch Aidas Herauslockung der Strategie der Ägypter aus Radamès, womit dieser zum Verräter wird, weil Aidas Vater Amonasro mithören konnte):
      Persönliche Eindrücke:
      Gesamtaufnahme 1: Herbert von Karajan, Renata Tebaldi (Aida), Carlo Bergonzi (Radamès), Wiener Philharmoniker, Sofiensaal Wien September 1959 (Decca): Studio-Wohlüberlegtheit, Ausgewogenheit, zwei der Spitzeninterpreten von damals, modellhaft.
      Gesamtaufnahme 2: Herbert von Karajan, Mirella Freni (Aida), José Carreras (Radamès), Wiener Philharmoniker, Musikverein Wien Mai 1979 (EMI): unmittelbarer als 1959, die Freni berührend innig, Carreras lyrisch sehr schön, wenn er aufdrehen muss bemüht.
      Gesamtaufnahme 3: Claudio Abbado, Katia Ricciarelli (Aida), Placido Domingo (Radamès), Orchestra La Scala, p. 1982 (DGG): Abbado hat die Verdi-Musik im Blut, die dritte sehr gute Aida-Sängerin, Domingo mit Domingo-Schmelz.
      Gesamtaufnahme 4: Nikolaus Harnoncourt, Cristina Gallardo-Domâs (Aida), Vincenzo La Soca (Radamès), Wiener Philharmoniker, Musikverein Wien Jänner bis April 2001 (Warner): Bestechend Harnoncourts operndramatisch fesselnde Psychologisierung der Musik. Erneut fabelhafte gesangliche Leistungen ohne exzeptionell herausragende Individualität, aber völlig rollendeckend.
      Gesamtaufnahme 5: Tullio Serafin, Maria Callas (Aida), Richard Tucker (Radamès), Orchestra La Scala, August 1955 (Warner): Callas, die Offenbarung (und dabei sollen ihre Liveaufnahmen der Aida noch besser sein!). Alle anderen interpretieren (sehr gut), die Callas LEBT die Aida. Tucker hält kraftvoll mit, ohne auch nur ansatzweise ihre „totale“ gelebte Nuancierungsnatürlichkeit zu erreichen.
      Dokument 1: Leonie Rysanek sang die Aida in einer der großen Wiener Staatsopern-Wiedereröffnungspremieren am 11.11.1955. Dirigent war damals Rafael Kubelik. Die Scena aus dem 1. Akt konnte auch gehört werden (Orfeo, Rysanek an der Wiener Staatsoper). Eine weitere sehr gute, ausdrucksstarke Aida, exaltierter als etwa die Tebaldi, und dazu kommt die Livespannung.
      Dokument 2: Das Duett aus dem 3. Akt konnte auch mit Maria Chiara und Luciano Pavarotti gehört werden, La Scala, Lorin Maazel (Decca): Chiara mit reizvoll dunklem Sopran, Pavarotti strahlend äußerlich heldenhaft, unverkennbar.
      Dokument 3: Im letzten Solo Recital, aufgenommen im April 1964 mit dem Pariser Konservatoriumsorchester unter der Leitung von Nicola Rescigno, sang Maria Callas, die die Aida live nur zwischen 1948 und 1953 gesungen hat, noch einmal die Scena aus dem 1. Akt – sie gibt noch einmal alles, aber es wirkt hier bewusster, abgeklärter, berechneter als 1955, steht aber immer noch Welten über allen anderen Interpretationen.
      Dokument 4: Eine begonnene Duettplatte mit Maria Callas und Franco Corelli unter der Leitung von Georges Prêtre mit dem Orchester des Nationaltheaters der Pariser Oper wurde nach der Aufnahme des Duetts aus dem 3. Akt am 17.6.1964 im Salle Wagram in Paris abgebrochen, weil Corelli und Prêtre nicht miteinander klarkamen. Corelli ist auch einer der helleren Tenöre, und die Callas zeigt sich einmal mehr ausdrucksintensiv enorm stark, unglaublich präsent.

      Soweit meine persönlichen Eindrücke des Aida Tages.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK