Trio Zimmermann in Bordesholm

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    • Trio Zimmermann in Bordesholm

      Gestern am 21.8 konzertierte das Trio Zimmermann in der Klosterkirche in Bordesholm.
      Ca. 400 Personen passen wohl in den Raum und es war ausverkauft. Es wurde ein langer Abend, zuviel für manche.
      Das Trio Zimmernann besteht aus Frank Peter Zimmermann, Antoine Tamestit und Christian Poltera und ihnen eilt ein glänzender Ruf voraus.
      Zimmermann einer der besten Geiger, die es aktuell gibt, stellte dann auch das ambitionierte Programm vor:
      Vor der Pause: Ravel, Sonate für Violine und Violoncello, dann statt Strawinsky, Elegie für Viola, eine Programmänderung.
      Es gab Schönbergs Streichtrio Op. 45. Zimmermann begründete es damit, dass man während der Proben der letzten Wochen merkte, wieviel Ähnlichkeit Ravel mit der 2. Wiener Schule habe und da habe man Strawinsky durch Schönberg ersetzt, zumal nach der Pause Bach dran sei.

      Beide Werke haben einen kolossalen Eindruck hinterlassen, der Schönberg war allerdings extrem gewöhnungsbedürftig und ich war froh, im Konzert zu sitzen und nicht vor dem heimischen Lautsprecher, denn der Konzerteindruck ist doch eindringlicher als das "Puschenkino'.
      Dann ab in die Pause in den schon dunklen Abend.
      Manchen Zuhörern sah man die Verstörung deutlich an: "Nu hebb wi Bordesholm köfft und dat inne Karg unn denn givt datt sonn schrägen Kram."

      Nach der Pause. Bach, Goldbergvariationen für Streichtrio arrangiert von Dimitri Sitkovetsky.
      Die drei Herren brachten alle(!!) Wiederholungen in allen Variationen mit der Konsequenz, dass das Werk ca. 80 Minuten dauerte. Aber wie war es zugleich wunderbar!
      Sehr flüssig, virtuos und einfühlsam in den langsamen Variationen und natürlich bestach die Aria, besonders in der Wiederholung am Ende.

      Mehr als 2 Stunden auf harten Kirchenbänken war für viele zuviel, so verliessen manche ab Variation 25 in kleineren Gruppen die Veranstaltung. (Bus erreichen?, "ab ins Körbchen?")
      Und als der Beifall lostobte, gingen auch viele, getreu dem Motto: nix über 2 Stunden und nun waren es schon fast 2 3/4.
      Dafür war man sehr diszipliniert: Keine Fotos, kein Bimmeln.

      Tja, das Trio Zimmermann lohnt sich, das Programm ist nicht Mainstream, sogar anstrengend, aber die Frau brachte es dann auf den Punkt: "Was für ein wunderbarer Abend."
      Und das alles für 15€ auf angeblich sehbehinderten Plätze, weil eine Plastik im Weg war. Wir konnten aber prima drüber gucken und saßen keine 10 m vom Trio entfernt. Der Klang war super für ne angeblich hallende Kirche und das Begleitheft hob hervor, dass alle drei natürlich auf Stradivaris spielen. Ob allerdings Zimmermann seine "Lady" wieder hat, wurde nicht thematisiert. Sie könnte es aber gewesen sein, denn seine Geige klang herrlich sonor auf den tieferen Saiten.

      Gruß aus Kiel

      PS. Am abend vorher war ASM mit Begleiter Lambert Orkis in der ausverkauften Lübecker Muk. Das Programm war deutlich entspannter.
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Das war eine erlesene Geschichte, lieber Doc, und mein (wohlwollender) Neid ist Dir gewiß! Antoine Tamestit habe ich vor einem Jahr erlebt (mit Bartóks Bratschenkonzert), ein großartiger Künstler!

      Sonn schrägen Kram wie das Schönberg-Trio hätte ich sehr gern miterlebt, und dann in dieser hochkarätigen Besetzung!

      Danke für den anschaulichen Bericht!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Die jährlichen Konzerte dieses Trios lohnen sich immer. Eine Sternstunde war ihr Auftritt vor drei Jahren im Konzerthaus Dortmund mit dem großen Mozart-Divertimento KV 563 sowie einem der frühen Beethoven-Trios und dem Webern-Trio. Die Goldberg-Variationen haben sie im letzten Dezember ebenfalls in Dortmund gespielt, damals ohne weitere Werke. Ich fand es herrlich fein gestaltet und nahezu perfekt gespielt, in der Stimmführung in vielen Variationen deutlich transparenter als mit Klavier (von Cembalo gar nicht zu reden), nur bei einigen ausgesprochen "pianistischen" Variationen vor allem in der zweiten Hälfte mit Streichinstrumenten vielleicht etwas problematisch. Das wurde aber mit so viel Können überspielt, dass man es fast nicht bemerkt hat...

      Christian
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Danke für den CD-Tips! Die Hindemith-Schönberg-Einspielung kommt gleich auf meine sich ständig erweiternde Liste... :zahlen1: :schwitz1:

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Helmut Lachenmann
    • Doc Stänker schrieb:

      Ähnlichkeit Ravel mit der 2. Wiener Schule habe und da habe man Strawinsky durch Schönberg ersetzt, zumal nach der Pause Bach dran sei.
      Interessant, auf den Gedanken bin ich noch nicht gekommen. Die Sonate für Violine & Cello erinnerte mich teilweise an Bartok.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Die Hindemith (ua)-CD ist supergut. Im Booklet steht zu dem verwendeten

      "Instrumentarium
      Violins: Antonio Stradivarius, Cremona 1727, ‘Général Dupont, Grumiaux’ on loan from Mr Heng Yu
      Antonio Stradivarius, Cremona 1712, ‘Viotti ex-Hottinger’
      Viola: Antonio Stradivarius, Cremona 1672, ‘Mahler’
      Cello: Antonio Stradivarius, Cremona 1711, ‘Mara’"

      Nu wissen wir das auch.

      Gruß, Knulp