Best Buy/Worst Buy 2017: Gutes & Schlechtes im Regal

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    • Best Buy/Worst Buy 2017: Gutes & Schlechtes im Regal

      Hallo zusammen,

      nachdem klar ist, dass ich in den kommenden gut vier Wochen nicht mehr Zeit zum CD Kauf und wenig Zeit zum Posten haben werde, kann ich hier schon mal Revue passieren lassen, was ich in diesem Jahr an Käufen besonders hervorhebenswert finde: Positiv wie negativ. Interessanterweise ist für meine Ohren kein Totalausfall dabei. Ich beziehe mich bei meiner Betrachtung auf meine diesjährigen Käufe, nicht nur auf Neu- oder Wiedererscheinungen dieses zu Ende gehenden Jahres. Aber bei den guten Erwähnungen sind doch etliche Neuerscheinungen dabei, die Reihenfolge will hier nichts aussagen:

      Best buy


      Sehr positiv aufgefallen sind:
      Kammermusik



      Tastenmusik
      ich finde die Zimerman'schen Versionen der späten Schubert-Sonaten ausgesprochen stimmig und durchdacht
      Endlich gibt es einen Musiker, dessen Aufnahme von Claviersachen von CPE Bach mit Staiers auf Augenhöhe steht ...

      Oper
      Die Aufnahme von Cummings steht so viel höher als die alte von Curtis, so ist das eine Oper aus der ersten des Hallensers.

      Gesang weitere



      Symphonien/Orchesterwerke/Konzerte


      Ausfälle:

      Intonation und große Namen sind nicht immer eine Stärke der McGegan'schen Aufnahmen gewesen, aber so schwach muss man A. Scarlatti wirklich nicht spielen.
      Schade, dass eine so uninspirierte Aufnahme ein angeblich so wichtiges Stück Graupners so langweilig verhunzt.
      Wo ist denn die Seele dieser großartigen Musik?
      Muss man so schlechte Aufnahmen veröffentlichen?

      Ich bin gespannt, was Euch so einfällt ....

      Gruß Benno
    • Ich lach mich schlapp! Die Paul Temple Sachen haben wir im Auto rauf und runter gehört. Paul! Steve! Krachbums ..
      Das war noch bestes Unterhaltungshörspiel und man sah den Geräuschemacher förmlich am Werke.
      ich glaube wir haben so ziemlich alle Folgen. War immer ein Vergnügen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Ich lach mich schlapp! Die Paul Temple Sachen haben wir im Auto rauf und runter gehört. Paul! Steve! Krachbums ..
      in der Tat Krachbums :sofa1: , denn in jedem 2. Temple-Hörspiel knallt irgendwann eine Höllenmaschine/Bombe, aber Temple & Steve schaffen immer rechtzeitig die Sause .. ich glaub hab jetzt alle Durbridge Hörspiele, auch Serienfilme durch... halt nein ! 2 Versionen von La Boutique (eine aus BRD , eine aus Schweiz) hab ich noch zum Einschmeißen... bei YT gibt es auch jede Menge davon
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Best:

      Wer Klaviermusik von Rachmaninoff, Scriabin oder Medtner mag, wird auch von Catoire begeistert sein. Hamelin gefällt mir nicht immer, aber hier verzaubert er mit seinem sensiblen und nuancierten Spiel.





      Außerdem:


      "Worst":




      ... würde ich dies hier jetzt nicht unbedingt nennen, aber enttäuscht wurden meine hohen Erwartungen schon. Zimermans Schubertspiel wirkt auf mich einfach zu gewollt vielsagend; mir fehlt der natürliche Fluß und die Herzenswärme in dieser Interpretation. Ich kann aber nicht ausschließen, dass ich mir diese Sichtweise nach x-fachem Hören irgendwann doch noch erschließe...


      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Wenn mir nur alle Neueinkäufe einfallen würden - aber hier einige, die ich als Spitze betrachte.

      Best:

      Obrechts Missa de Sancto Donatiano in großartiger Interpretation... :verbeugung1:


      Alle Sonaten auf historischen Instrumenten - fein interpretiert, klanglich hervorragend.


      Alle Clavierkonzerte auf historischen Instrumenten - eine klangliche Offenbarung.


      Eine Auswahl an Balladen & Nocturnen auf einem Klavier aus den 1830er Jahren - herrlich.


      Worst:

      Gar nicht mal die Interpretation als vielmehr der lausige technische Zustand der Quellen, den man hier hört, läßt einen rennen. Ich berichtete hier.

      Wirkliche Enttäuschungen habe ich sonst nicht gehabt - manche Hörpremieren haben nicht zu Begeisterungsstürmen geführt, aber sowas kalkuliere ich ein. Daß mir eine Interpretation überhaupt nicht zugesagt hätte, kann ich nicht so sagen.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Ich habe auch dieses Jahr wieder einmal viel zu viel gekauft! Da war auch einiges bis viel wirklich tolles dabei. Ohne lange nachzudenken fallen mir diese Aufnahmen ein:


      Hitlist:


      Fantastische Aufnahmen der Essercizii musici (einer Sammlung von jeweils 12 Duo- und Triosonaten mit unterschiedlicher Besetzung) vom gandios spielenden Battaliaensemble. Schon dutzende Male gehört.


      Die Lieder ohne Worte gespielt von Michael Endres. Unglaublich poetisches Spiel! Wohl meine Lieblingsaufnahme der Werke (habe mehr als 10 Einspielungen).



      Die op. 17 Quartette hatten mich bisher nie begeistern können. Das Spiel des Festetics Quartett hat mich aber eines besseren belehrt. Auch die anderen Aufnahmen der Festetics, die ich mir unlängst zugelegt habe, sind für mich eine Art Offenbarung.




      (S)hitlist:



      Undifferenziert, lustlos, unnötig. Ganz anders als die mitreißenden Aufnahmen der Symphonien, die Gardiner gleichzeitig gemacht hat.




      Wo ist das Feuer, von dem die Künstler im Booklet reden? Die Aufnahme ist absolut spannungslos und öde - ab und zu reißt einen im Trio ein fff aus dem Schlummer. Das reicht aber nicht. Enttäuschend, sehr enttäuschend.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Bei mir nur die besten Käufe (ich hoffe, die waren wirklich 2017, bin mir nicht ganz sicher):


      Eine Offenbarung! Für mich ist Aimars Gaspard ganz, ganz oben (und zwar auch nach dem Vergleich mit anderen Aufnahmen). Siehe den Gaspard-Thread.


      Habe ich kürzlich erst gekauft. Ein höherer Stuhlkantenfaktor ist nicht denkbar. Höchst beeindruckend. Unbedingt anhören. (Einzelheiten wollte ich im Tchaikovsky-Sinf 6-Thread schreiben; haben wir aber nicht, nur einen Sammelthread 4-6; mal sehen, vielleicht eröffne ich demnächst einen).

      Die meiste Zeit verbracht habe ich in diesem Jahr mit Rubinstein (nein, so viel wie bei Amazon derzeit aufgerufen, habe ich nicht ausgegeben):

      NIcht nur habe ich mich über viele Monate mit großer Freude durch eine riesige Menge seiner Aufnahmen aus der Box gehört, ich habe auch seine Autobiographie, Bd 1 (und was Gould dazu bemerkte) und im Anschluss noch die Biographie von Sachs gelesen. Ein erfülltes, reiches Musikerleben mit riesigem Output. Werde ich nächstes Jahr auch noch etwas von haben.
    • Da ich wenige Neuerscheinungen kaufe, es sei denn es handelt sich um die Ergänzung von Repertoirelücken, besteht mein Jahreszuwachs in erster Linie aus älteren Aufnahmen. Von den Neuerscheinungen haben mich aber diese begeistert:



      Eine echte Entdeckung (ich schrieb dazu im Kammermusik-Raritäten Faden). Verweis



      Eine Neuaufnahme dieser Etüden war lange überfällig. Maltempo macht seine Sache hervorragend. Jetzt warte ich noch darauf ob Clare Hammond die restlichen Etüden auch noch einspielt, was eigentlich nur gut werden kann.





      Eine Offenbarung waren auch diese beiden gewichtigen Boxen, durch welche ich mich noch lange nicht hindurchgearbeitet habe (trotz guten Willens).








      .. die Box habe ich noch für unglaubliche 21 € erstanden. Es ist faszinierend welches Spektrum Heifetz während seiner Karriere abgedeckt hat. Die Box enthält neben den bekannten "Schlachtrössern" an Violinkonzerten auch sehr viel Kammermusik, wo er nicht im Vordergrund steht. Auch wenn er in seinen Aufnahmen z.B. mit Rubinstein nicht selten buchstäblich die erste Geige spielen wollte, so konnte er sich auch zurücknehmen und in einem Ensemble aufgehen, ganz ohne Starallüren. Ein großartiger Musiker.


      Nachdem ich Antonio Pompa-Baldi in einem Konzert gehört habe, wo er einige Stücke aus dieser CD spielte, musste ich unbedingt eine Aufzeichnung davon haben. Diese CD kann man immer hören. Die Transkriptionen von Liedern von Poulenc und Edith Piaf sind ausgesprochen geschmackvoll arrangiert, und bieten ein wahres Hörvergnügen.





      Die Serie aller Klaviersonaten von Domenico Scarlatti bei Naxos kommt nicht so recht voran. Aber gelegentlich ist sogar mal eine Sternstunde darunter (wie z.B. mit Jenö Jando). Diese Neuerscheinung (Vol. 19) mit dem mir bis dato unbekannten Goran Filipec würde ich auch dazu zählen. Diese Frische und unprätentiöse Spielweise passt sehr gut zum Charakter der Sonaten.




      Von Flops was die Interpretationen anbelangt kann ich nicht berichten, höchstens von Enttäuschungen bei der Repertoireergänzung. Da fallen mir vor allem die Aufnahmen der Klavierwerke von Charles Villiers Stanford ein (mit Christopher Howell), von denen ich mehr erwartet hatte.


      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Der beste Kauf in 2017 war dieser hier:



      Die Sinfonie gefällt mir sehr gut, aber übertroffen wird sie für mich noch von der grandiosen Chaconne :verbeugung1: , die durch alle Kirchentonarten geht (und nebenbei bemerkt eine der IMHO schönsten Englischhorn-Solostellen der gesamten Orchesterliteratur enthält).

      Und das hier war der Flop des Jahres:



      So sehr ich Humperdincks Opern liebe, so wenig würde ich vermissen, wenn der Meister diese Streicherkammermusik nicht komponiert hätte. Das ist einfach sagenhaft ödes Zeug... :sleeping: :sleeping:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Meine Best Buys in 2017:

      Tastiges von Johann Sebastian Bach - mit Blandine Rannou und Murray Perahia:



      Mozart c-Moll mit Suzuki, Mendelssohn-Sinfonien hinreißend mit Manacorda und den Potsdamern, dazu Dvoraks Neunte mit Ancerl:



      Die Orgelsinfonien von Louis Vierne mit Pierre Cochereau und Regers Klavierwerk mit Markus Becker:



      Messiaens Turangalila-Sinfonie und Frühes von Bernd Alois Zimmermann:



      Eindeutiger Worst Buy - das Weihnachtsoratorium von Stölzel. Wenn jemand den Unterschied zwischen Händel, Bach, Telemann (u. a.) einerseits und anderen Zeitgenossen hörend erfassen will, dann greife er zu.



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Regers Klavierwerk mit Markus Becker
      Sauerei. Ich habe damals noch das 4-fache dafür bezahlt. ;( Allerdings gab es die CDs noch gut verpackt in einer Holzkiste (das ist ja bei Rotweinen auch meist teurer).

      Peter

      :wink:
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Kann jetzt nicht alles en detail durchgehen (weil ich zwar grob über die Ausgaben Buch führe, aber oft nur pauschale Endbeträge eintrage, keine detaillierten Aufstellungen), aber u.a. vermutlich die folgenden:

      Diapason Schubert Klavierwerke und Brahms Kammermusik


      Podger/Cooper Mozart Violinsonaten


      DaCapo Nielsen Kammer- + Klaviermusik


      "Raritäten"
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Eindeutiger Worst Buy - das Weihnachtsoratorium von Stölzel. Wenn jemand den Unterschied zwischen Händel, Bach, Telemann (u. a.) einerseits und anderen Zeitgenossen hörend erfassen will, dann greife er zu.
      Oh - das schmerzt... ;(
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • :thumbup: 2017 bei mir, das kann ich getrost schreiben, obwohl ich noch keineswegs durch bin:



      Mieczysław Weinberg:
      Streichquartette
      Quatuor Danel

      ...und nächstes Jahr werden es dann wohl die Weinberg Symphonien (die 17. muss ja ein ganz besonderer Hit sein, was man so liest) und weitere Werke dieses Komponisten werden...
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Général Lavine schrieb:

      Zimermans Schubertspiel wirkt auf mich einfach zu gewollt vielsagend; mir fehlt der natürliche Fluß und die Herzenswärme in dieser Interpretation
      Seltsamerweise ist es für mich - speziell in D959 - eher umgekehrt: schöne Stellen, die mit Füllwerk verbunden sind. Daß eigentlich in diesem Füllwerk erstaunlich viel gesagt wird und daß daraus Verbindungen zwischen den einzelnen Sätzen entstehen, haben andere viel besser dargestellt. Mit dir bin ich über eins einig: wenn Zimerman fühlt, er hat etwas besonderes zu sagen, zieht er das Tempo an (Durchführung I, minore in IV), was den inneren Zusammenhalt weiter kaputt macht.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Weil ich inzwischen mehr über Spotify höre, habe ich 2017 kaum CD-Käufe getätigt. Unter den wenigen Ausnahmen waren dies die besten:


      Auf hohem Niveau enttäuschend fand ich Krystian Zimermans Schubert-Sonaten, entsetzlich das lieblos runtergeschrubbte Forellenquintett mit Mutter, Trifonov und drei Statisten (beides nur über Spotify gehört).

      Ansonsten waren es wieder einmal Konzerte, die mich nachhaltiger beeindruckt haben als jede Aufnahme: Sokolov mit Mozart und Beethoven in Dortmund, das Auryn-Quartett und Volker Jacobsen mit den sechs Mozart-Quintetten in Detmold, Kissin mit Bartok in der Elbphilharmonie (getrübt allerdings durch Orchester und Akustik), Lukas Vondracek mit Brahms und Schumann in Hannover und erst vor zwei Tagen die Berliner Philharmoniker unter Haitink mit Mahlers Neunter. Nur ein Schatten seiner selbst war leider Radu Lupu in Düsseldorf.
      Und wenn wir schon einmal bei einer freien Interpretation des Thread-Themas sind: Meine persönliche Repertoire-Erweiterung des Jahres war das Dohnanyi-Sextett für Klavier, Bläser und Streicher (Dank an Eusebius!).

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde