Laszive Stimmen in Popmusik in Radio - seit wann?

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    • Laszive Stimmen in Popmusik in Radio - seit wann?

      Moin alle zusammen,

      ich suche nach Fakten und Informationen zu folgendem Thema:
      Im Bereich der klassischen Musik wird ein akademischer Gesang verwendet (vertikal, mit Stütze usw.), der sich von der Art des Singens in Pop-Musik unterscheidet (klingt eher horizontal, angehaucht, bis hin zu lasziv-erotisch). Soweit ich das zurückverfolgen kann, hat man auch in der Pop-Musik nicht immer so gesungen, wie heute (z.B. singen die Comedian Harmonists von Ihrer Stimmhaltung her auch schon fast akademisch).
      In einigen Berichten im Radio (NDR-Kultur) habe ich am Rande mitgehört, dass beim ersten öffentlichen Auftreten solcher Singstile (z.B. im Radio) oder bei expliziten Kopulationsgeräuschen entsprechende Wellen der Empörung durch die Zuhörerschaft gingen. Leider kann ich nicht mehr rekonstruieren, über welche konkreten Zeiträume und Künstler die Rede war.

      Kann mir jemand hier mit Daten, Fakten, Beispielen, Namen, idealerweise sogar mit Übersichten (die Entwicklungen im Gesang aufzeigen) weiterhelfen?

      Für nähere Konkretisierungen meiner Fragestellung gerne nachfragen. Die oben verwendeten Begriffe zur Gesangstechnik erheben übrigens keinen Anspruch auf Richtigkeit, mir geht es darum, umgefähr meine Fragestellung zu erläutern.

      Vielen Dank im Voraus
      johny7
    • johny7 schrieb:

      dass beim ersten öffentlichen Auftreten solcher Singstile (z.B. im Radio) oder bei expliziten Kopulationsgeräuschen entsprechende Wellen der Empörung durch die Zuhörerschaft gingen.
      Ein bekanntes Beispiel (sicher nicht das erste) aus meiner Jugend war das Chanson "Je t'aime.. moi non plus" von Jane Birkin und Serge Gainsbourg, das 1967 einiges an Aufregung hervorrief. Das akustische Pendant zu den vielen Aufklärungs- und Schulmädchenfilmen der Zeit.

      vimeo.com/53067865
    • Als lasziv wurde mW auch schon der Gesangsstil von Rock'n'Rollern wie Elvis Presley in den 50ern empfunden. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass der (meist weisse) Rock'n'Roll im schwarzen Rhythm and Blues wurzelte, dessen Texte sich (laut dem Musikwissenschaftler Tibor Kneif) oft unverhüllt mit Sexualität befassten.

      Nachzulesen hier.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • VIelen Dank für die Antworten bisher.

      EinTon schrieb:

      Als lasziv wurde mW auch schon der Gesangsstil von Rock'n'Rollern wie Elvis Presley in den 50ern empfunden. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass der (meist weisse) Rock'n'Roll im schwarzen Rhythm and Blues wurzelte, dessen Texte sich (laut dem Musikwissenschaftler Tibor Kneif) oft unverhüllt mit Sexualität befassten.

      Nachzulesen hier.

      Kann mir jemand das Inhaltsverzeichnis dieses Buchs schicken?

      Vielen Dank!
    • putto schrieb:

      Und was ist mit Marlene Dietrich und Mae West (um 1930)?
      und Zara Leander?



      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • johny7 schrieb:

      Kann mir jemand das Inhaltsverzeichnis dieses Buchs schicken?
      hier gibts eins:

      digitool.hbz-nrw.de:1801/webcl…ustom_att_2=simple_viewer

      das Buch gibts aber auch gebraucht ganz billig bei amazon.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • EinTon schrieb:

      Eben 1,29€ plus Versand sollte nicht zu teuer sein...
      ... für über 380 Seiten! ;)
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • johny7 schrieb:

      Im Bereich der klassischen Musik wird ein akademischer Gesang verwendet (vertikal, mit Stütze usw.), der sich von der Art des Singens in Pop-Musik unterscheidet (klingt eher horizontal, angehaucht, bis hin zu lasziv-erotisch).
      hat viel mit der Einführung des Mikrophons zu tun: "laszive" Anteile sind halt eher leise.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Auch wenn das nur an der Interpretation belegbar iist: Carmen (bei meiner Aufnahme) Maria Callas singt bisweilen - handlungsbegründet versteht sich auch recht lasziv. Sicher mit ausgebildeter Opernstimme, aber da knistert es gehörig im Gebälk (Habanera...).

      Ansonsten fällt mir neben dem gehauchten Gainsbourg noch Giogio Moroders "Love me love me baby" gekonnt von Donna Summer stimmlich in Szene gestöhnt ein. War in den 1970 ern nicht nur wegen seiner Länge von über 5 min eine Sensation. Und ich begann zu jener Zeit nicht nur eine tiefere Stimme zu bekommen. Erinnerungen :)
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Laszivität soll Sinnlichkeit, Begierde, Wolllust anzeigen in U- UND E- Musik

      Ich muss selber etwas schmunzeln über den schönen deutschen Begriff der Wolllust, Willenslust, man will Lust hervor-locken, ja und das ist sicher nicht nur in der U-Musik, sondern auch in der E-Musik ein wichtiges Moment.

      Die sängerischen Mittel sind am Zeitgeschmack orientiert, aber es ist doch klar, das die freizügigen Darstellungsmittel der Gegenwart ihre Entsprechung im Gesang finden.

      Denken wir zum Beispiel an den Song von salt-n-pepa "push it, ah,ahh,jeah " (Grammy-Nominierung) oder Britneys "Oops I did it again" (MTV-Video Music Award) , dann gelangen wir zum Begriff des audiovisuellen Exhibitionismus und audiovisuellen Voyeurismus, der aber nicht erst ein Umstand der Gegenwart, sondern durch alle Epochen hindurch treibendes Element der Kunst war und ist. Etwas enigmatischer aber letztlich auch treffend ist das "Ticket to Ride" der Beatles, oder Sledgehammer von Peter Gabriel, Barbie Girl von aqua und YMCA der Village people.

      Lediglich die Mittel werden zeitentsprechender adjustiert.

      Jauchzende Koloratur-stellen tiefdekoltierter , rougewangiger Opernsolistinnen mit kostümseitig deutlich betonten weiblichen Proportionen (geschnürte und aufgepolsterte Miederwaren), die von überbordenden Tremoli und Seufzern gesteigert werden, sind aus vielerlei alten und neuen Opernaufführungen hinlänglich bekannt. Schauen wir alte Opernfilme aus der Vorkriegszeit, werden sich diese Dinge unschwer belegen lassen. Ich wage zu behaupten, das auch nicht wenige Countertenorstellen ähnlich konotiert werden können. Was steckt denn hinter donnernden, um nicht zu sagen vibrierenden Bass-stellen, wo zum Teil mit aufgeknöpfter haargeschmückter Brust Frauen lockend entgegengesungen wird? Eine tiefenpsychologische Ausdeutung des (Theater)degens oder der Ritterlanzen kann jeder mittels geeigneter Passagen selber versuchen.

      Es ist natürlich der Eros als gewaltiger Trieb, der sich in einer anything-goes-Gesellschaft vollauf durchsetzen will und zeitweise kann, dabei jedoch Gefahr läuft, seiner Ursache hemmend entgegen zu wirken (ähnlich wie in Physik Kraft und Gegenkraft), weil er den Mensch abstumpfen kann.

      Laszivität ist schon seit Anbeginn der Kunst ein zentrales Mittel. Es nur in der Moderne oder Post(post)Moderne verorten zu wollen, würde wesentlich zu eng führen.

      Kommen wir wieder zur Gesangstechnik: rhythmisiertes forciertes und akzentuiertes Hauchen, Anhauchen von Singsilben wird in der U-Musik gerne auch mit einer verschluß-explosiv a-o u-silbierten Kombination fp-ähnlich gekoppelt. Darüberhinaus gibt es auch die verschluß-explosiv technik auf Konsonanten.

      Vibratotechnik- z.B. bei H. Carpendale, eigentlich die ganze männliche Schlagerbranche usw.

      Ich esse jetzt ein paar Happen :pop: :cincinsekt:
      bis später