Gorecki, Henryk

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    • Gorecki, Henryk

      Diesen Komponist schätze ich vor allen Dingen wegen seiner dritten Symphonie "Sorrowful Songs".



      Schon beim ersten Hördurchgang war ich von Anfang an von der epischen Passaglia des ersten Satzes angetan. Programmatisch vom Holocaust - Trauma gezeichnet lebt diese Musik von einer überaus harmonisch angelegten traurig feierlichen Klangesthetik.



      Wenn dann auf dem Höhepunkt der Passaglia diese warme Stimme ins Geschehen eingreift - da läuft sicherlich nicht nur mir ein Schauer über den Rücken, wie sich da der slawisch schöne Klang der Polnischen Sprache mit dem Orchester vereinigt. Der zweite und dritte Satz besteht dann aus spherenmusikhaften Trauerliedern, die nicht minder wirkungsvoll arrangiert wurden.



      Viele werfen dieser Musik Längen vor - ich denke da ist kein Ton zu viel und keine Melodie zu ausladend, wenn man beim Anhören bereit ist eine gewisse meditative Haltung einzunehmen.



      Virtuose oder anderweitige abrupte Wechsel im Klanggeschehen würden da eher störend wirken.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Hallo Aquarius,

      Henryk Gorecki ist 1933 in Czernica / Polen geboren. Sein wirklich einziges groß bekannt gewordenes Werk ist die von Dir geschätze Sínfonie Nr.3 Klagelieder (1976), mit der er aber erst in den neuziger Jahren Erfolg hatte. Das Werk war in den 90ern sogar in den POP-Charts vertreten und hatte einen TOP-Verkaufserfolg. Seit dieser Erfolgszeit haben sich mehrere Dirigenten in Aufnahmen dieses Werkes angenommen. Ich habe mal in andere Gorecki-Werke reingehört; konnte diesen aber wenig interssantes abgewinnen.

      8+) Von diesem Erfolg und Bekanntheitsgrad der Sinfonie Nr.3 hatte ich mich seinerzeit damals auch anstecken lassen und erwarb die Aufnahme mit der Warschauer PH / Kazimirez Kord (Philips , 1994, DDD) . Ich finde das Werk "ganz nett" und interessant, aber nicht so das es mich "total vom Hocker" haut und ich den Wunsch hätte ein Vergleichsaugfnahme (beispielsweise Zinman) zu kaufen. Sicher einmalig ist die Stimmung in diesem Werk, zu deren "Trauerrand" man auch nicht immer Appetit haben kann.

      :?: Es würde mich dennoch interessieren, wie ihr die bekannte Philips - Aufnahme mit Kord aus der elequence-Reihe beurteilt ? Gibt es bessere ?
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Kürzlich gab es im Thread "Eben gehört" eine kleinere Diskussion über Goreckis dritte Sinfonie. Ich kopiere die entsprechenden Beiträge einfach mal hier rein:


      Maldoror schrieb:


      .

      Henryk Mikołaj Górecki, Symphonie 3 - Sinfonia Varsovia, Alain Altinoglu, Ingrid Perruche.



      Górecki, geboren 1933 und noch am Leben, ist ein polnischer Komponist, der mir früh in der Klassikabteilung eines Plattenladens in Graz auffiel, da die Covergestaltung (Nonesuch) mich sofort ansprach. Berühmt wurde er mit seiner dritten Symphonie (1976) die den schönen Titel "Symphonie der Klagelieder" trägt - ein meditativer Klagegesang über drei Sätze in dem ein Sopran unter anderem ein Gebet vorträgt, das an die Wand einer Zelle im Gestapo-Hauptquartier in Zakopane von einem 18-jährigen Mädchen geschrieben wurde.
      -
      Licht gibt es in diesem Werk keines, avantgardistische Experimente auch nicht, aber es hat Kraft und ist schön (schön traurig). - Mehr fällt mir jetzt leider auch nicht ein - vielleicht ein ander mal mehr . . . .

      Bernhard



      Algabal schrieb:


      Diese wundervoll-tieftraurige Symphonie habe ich gestern abend auch gehört und zwar einen Mitschnitt der Uraufführung unter dem um die neue Musik überaus verdienten Ernest Bour:



      Stefania Woytowicz (Sopran), Symphonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden, Ernest Bour

      Adieu,
      Algabal



      Zwielicht schrieb:

      Der Hype um Goreckis dritte Sinfonie fand zeitverzögert statt, Anfang der 90er Jahre muss das gewesen sein. Damals stand eine Aufnahme des Stücks (ich weiß nicht mehr, welche) sogar in den (Pop-)Charts. Leute, die allenfalls dreimal im Jahr Klassik hörten (und dann kein 20. Jh.), waren plötzlich mit verzückten Gesichtern vor den Lautsprechern oder unter den Kopfhörern anzutreffen, wenn Goreckis Dritte lief.

      Aus dieser Zeit habe ich mir eine Skepsis gegenüber dem Werk bewahrt, das einem Bedürfnis nach...tja?...Gefühligkeit sehr entgegenkommt. Vielleicht müsste ich's mal wieder unbefangen hören.


      Viele Grüße

      Bernd



      Maldoror schrieb:

      Lieber Bernd,

      zum Glück habe ich mir den Hype nur angelesen, gezögert habe ich auch lange, bis ich mir eine Aufnahme gekauft habe und um festzustellen ob Górecki mir gefallen könnte, hörte ich mir zuerst sein drittes Streichquartett an. - Gefühlig ist schon richtig, aber für mein Empfinden nur am Kitsch anklopfend, ohne ihn wirklich zu berühren.
      -

      Liebe Grüße

      Bernhard



      Algabal schrieb:

      Zwielicht schrieb:


      Der Hype um Goreckis dritte Sinfonie fand zeitverzögert statt, Anfang der 90er Jahre muss das gewesen sein. Damals stand eine Aufnahme des Stücks (ich weiß nicht mehr, welche) sogar in den (Pop-)Charts. Leute, die allenfalls dreimal im Jahr Klassik hörten (und dann kein 20. Jh.), waren plötzlich mit verzückten Gesichtern vor den Lautsprechern oder unter den Kopfhörern anzutreffen, wenn Goreckis Dritte lief.


      Das ist richtig. Erfolgreich (und chart-tauglich) war die Aufnahme mit Dawn Upshaw unter der Leitung von D. Zinman. Ich mag diese Einspielung nicht besonders, da sie tatsächlich arg gefühlig daherkommt. Hab die CD drum auch bald wieder verschenkt. Gut sind die eher relaxte Aufnahme mit A. Wit (Naxos) und eben die oben verlinkte Aufnahme unter Bour, die einen ziemlich rational-herben Charakter hat.


      Aus dieser Zeit habe ich mir eine Skepsis gegenüber dem Werk bewahrt, das einem Bedürfnis nach...tja?...Gefühligkeit sehr entgegenkommt. Vielleicht müsste ich's mal wieder unbefangen hören.


      Dumm ist, daß man sich kaum eine neue Unbefangenheit vorsätzlich zulegen kann (man vergisst so schlecht...) - aber man kann sich die Bour-Aufnahme zulegen, die vielleicht die Befangeheit abzubauen helfen kann... :D

      Adieu,
      Algabal



      Maldoror schrieb:

      Lieber Algabal,

      die Bour-Aufnahme kenne ich leider noch nicht, aber ich kann auch die Aufnahme mit Kazimierz Kord, der Warschauer Philharmonie und Joanna Kozlowska:



      sehr empfehlen und auch die gestern gehörte Aufnahme ist hörenswert.

      Lieben Gruß

      Bernhard



      Zwielicht schrieb:

      Richtig, Zinman und Dawn Upshaw waren's! Ich muss die Scheibe noch haben, sie ist mir natürlich damals geschenkt worden. Befindet sich wahrscheinlich in der Nähe der CD mit Klaviermusik von Philip Glass, die war damals auch angesagt :D.

      Stimmt natürlich, unbefangenes Hören ist nicht mehr möglich - aber irgendwie ist der Gorecki bei mir mit persönlichen Dingen aus meiner Studienzeit verquickt, an die ich mich heute recht gelassen erinnere...lassen wir das ;+). Ernest Bour schätze ich aber auch sehr!


      Viele Grüße

      Bernd



      Algabal schrieb:

      Hallo Bernhard und Bernd,

      die Kozlowska/Kord-Einspielung kenne nun wiederum ich nicht. Hatte aber eigentlich auch nicht vor, mir eine weitere Einspielung dieser Symphonie zuzulegen – so sehr ist mir das Werk dann doch nicht ans Herz gewachsen ;+). Und die Bour-Aufnahme ist für meinen Geschmack schon ziemlich ideal, weil sie der Musik ganz gehörig den tendenziell süßen Zahn zieht. Werde aber dennoch beizeiten mal in die Kord-Aufnahme reinhören...

      Adieu,
      Algabal



      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Die 3. Symphonie schätze ich auch ungemein, hat mich in den 90zigern, als ich sie das erste mal hörte, sehr angerührt.
      Ein ganz anderes "Kaliber" ist das ungemein mitreißende Concerto für Cembalo und Streichorchester opus 40
      ein wahrer Parforceritt, leider viel zu kurz (etwas 9 Minuten)
      Wer mag kann es sich auf YouTube anhören, eine Aufnahme mit der hinreißenden Elzbieta Chojnacka am Cembalo (polnisches Fernsehen TVP KULTURA)
      und auf CD gibt es auch eine Aufnahme mit Frau Chojnacka und der London Sinfonietta unter Markus Stenz,
      darauf befindet sich auch das sehr schöne : Kleines Requiem für eine Polka opus 66 (David Zinman)
      und : Good Night opus 63 (Sopran, Altflöte, 5 Tamtam und Klavier)


      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Viele werfen dieser Musik Längen vor - ich denke da ist kein Ton zu viel und keine Melodie zu ausladend, wenn man beim Anhören bereit ist eine gewisse meditative Haltung einzunehmen.
      Ich konnte dem Werk leider rein überhaupt nichts abgewinnen. Das Ganze zieht sich wie Kaugummi und hat sich mir als Werk nie erschlossen. Falls jemand nach der Einspielung fragen wird, es war die Naxos-Einspielung unter Antoni Wit, dem ich generell und gerade hier, mit seinen Landsleuten, besonderes Format unterstelle (seine Einspielungen bei Naxos haben sich ja fast alle als erstklassig bis hervorragend erwiesen).

      Einen weiteren Versuch habe ich bis dato sein lassen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich finde die 3. Symphonie einfach großartig - ein Klanggespinst, welches die Stimmung der Texte wunderbar auslotet. Meine Einspielung ist die von David Zinman:



      Gefällt mir sehr gut... :thumbup:


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich finde die 3. Symphonie einfach großartig - ein Klanggespinst, welches die Stimmung der Texte wunderbar auslotet. Meine Einspielung ist die von David Zinman:
      100%ige Zustimmung,
      und David Zinman ist auch meine Einspielung! :thumbup:


      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Meine Einspielung ist die bei Naxos (Wit). Und ich bin mal eben weder für noch gegen das Werk. :D

      Ich habe es lange nicht mehr gehört, eine Zeitlang aber öfters. Ja, es ist sehr atmosphärisch gearbeitet und kann wunderbar Wirkung zeigen.

      Andererseits lassen sich die Längen und die beinahe provokativ retrospektive Haltung nicht leugnen. Das kann ich nicht immer haben - muss ich aber auch nicht.

      Paralleleinspielungen benötige ich nicht. Es fehlt mir die Vorstellungsgabe, dass man die Sinfonie auch spannender spielen könnte. :P

      Wie Maurice halte ich Wit für einen wichtigen Dirigenten mit diversen gelungenen Aufnahmen.

      :prost: Wolfgang

      EDIT: Soeben sehe ich, dass teleton sich vor längerer Zeit weiter oben vergleichbar geäußert hat. :wink:
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ein ganz anderes "Kaliber" ist das ungemein mitreißende Concerto für Cembalo und Streichorchester opus 40
      ein wahrer Parforceritt, leider viel zu kurz (etwas 9 Minuten)


      Einverstanden! :)



      Auch die Suite im alten Stil, die sich auf der CD mit Wit noch befindet, hat mir einst gut gefallen. Das ist aber Musik, die sich - bei aller lakonischen Kürze - abnützt und nicht sonderlich tief bohrt.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Ja, es ist sehr atmosphärisch gearbeitet und kann wunderbar Wirkung zeigen.

      Andererseits lassen sich die Längen und die beinahe provokativ retrospektive Haltung nicht leugnen. Das kann ich nicht immer haben - muss ich aber auch nicht.

      Paralleleinspielungen benötige ich nicht. Es fehlt mir die Vorstellungsgabe, dass man die Sinfonie auch spannender spielen könnte.
      Natürlich ist das keine Musik für den Alltag und mal so "nebenbei", es braucht den "richtigen Zeitpunkt", frei von Störungen von Außen und Innen, und man muss sich ganz "hinein fallen" lassen.
      Das kann ich auch nicht immer haben---aber wenn alles zusammen passt, dann ist dieses Werk an "Intimität" kaum zu überbieten und eine menschliche Offenbarung ersten Rangs.

      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
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      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • andréjo schrieb:

      Auch die Suite im alten Stil, die sich auf der CD mit Wit noch befindet, hat mir einst gut gefallen
      Die Suite habe ich seit Jahren nicht mehr aufgelegt ( bei mir dirigiert Rudolf Werthen- I Fiamminghi, the Orchestra of Flanders),
      muss ich gleich mal ändern ^^


      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Vielleicht war ich noch früher dabei, wahrscheinlich bereits um 1990.


      Allerdings habe ich eine ältere, bereits 1988 erschienene CD.

      Ja, im Moment wirkt dieses Werk aus dem Jahr 1976/77 etwas angestaubt. Aber es steht doch ziemlich deutlich für die seinerzeitige massive Gegenbewegung zum erstarrten Serialismus, ist (damit) eines der vergleichsweise populären Schlüsselwerke der Postmoderne. Daher werde ich diesem Werk, das sich nicht weit von der Kitschgrenze entfernt bewegt, keine Geringschätzung entgegenbringen, denn dazu ist es zu früh, und es ist "glaubhaft". Im Bereich der Architektur vor dem Hintergrund des Denkmalschutzes könnte ich sicherlich eloquenter argumentieren, wenn ich meine: die Epoche ist noch nicht abgeschlossen, wie können noch keine abschließende Einschätzung haben. Etwa zehn Jahre braucht es noch, denke ich.

      Die Drei Stücke im alten Stil aus dem Jahre 1963 haben für mich etwas Richtungweisendes. Ihre absichtsvolle Anspruchslosigkeit finde ich gerade sehr anziehend, ich höre sie ungleich lieber als die pathetisch aufgeladene Sinfonie der Klagelieder. Die Koppelung "vor" dieser dritten Sinfonie finde ich auf der Koch/Schwann-CD sehr sinnvoll, für mich sind die Drei Stücke eine Art dreisätzige Ouvertüre.

      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Kermit schrieb:

      die Epoche ist noch nicht abgeschlossen, wie können noch keine abschließende Einschätzung haben. Etwa zehn Jahre braucht es noch, denke ich.
      Ich für mich persönlich habe das schon vor etwas mehr als 20 Jahren entschieden, ein immens wichtiges und prägendes Werk und nah am Kitsch finde ich in keinster weise, eher ein musikalisches Gedenken, kannst auch Denkmal sagen.

      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
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      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Von wegen Kitsch:

      Wer die dritte Sinfonie mag, könnte auch "Totus tuus" op. 60 wertschätzen:



      Komponiert zum dritten Besuch von Johannes Paul II. in Polen.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Totus_Tuus_(G%C3%B3recki)

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Kermit schrieb:


      ... Aber es steht doch ziemlich deutlich für die seinerzeitige massive Gegenbewegung zum erstarrten Serialismus, ist (damit) eines der vergleichsweise populären Schlüsselwerke der Postmoderne. ...


      Ist das so? Steht die "Sinfonie der Klagelieder" nicht eher für eine Gegenbewegung gegen die gar nicht erstarrte Modernität z.B. eines Lutoslawski der 60-er und 70-er Jahre, die im politisch erstarrten Polen eine erstaunlich eigenständige und weltoffene Position der Avantgarde repräsentierte? Ich kenne das Stück nur aus der Live-Aufführung unter Bour in Donaueschingen. Am Ende ist der "Applaus" aufgezeichnet; die deutlichen Buhs finde ich berechtigt.

      Der Vergleich mit dem Denkmalschutz ist daher treffend: Gorecki spiegelt auch eine ganz bestimmte politische Tendenz wieder, bei der noch offen ist, ob sie sich unter Umständen in Polen trotz aller positiven Signale, die es gerade auch dort gibt, doch noch durchsetzt.
    • Der Vergleich mit dem Denkmalschutz ist daher treffend: Gorecki spiegelt auch eine ganz bestimmte politische Tendenz wieder, bei der noch offen ist, ob sie sich unter Umständen in Polen trotz aller positiven Signale, die es gerade auch dort gibt, doch noch durchsetzt.


      Spielst Du (auch) auf die längst etablierte postmoderne Phase des achtzigjährigen Penderecki an? Ich halte ihn dennoch nach wie vor für fortschrittlicher als Gorecki. Letzterer wiederum kann sich allerdings seit einigen Jahren nicht mehr wehren.

      Eine gute Nacht wünscht

      Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Mit dem Postmodernismus ist es so eine Sache. Er ist sehr uneinheitlich - in der Architektur ist der Abstand zwischen Robert Venturi und Michael Graves schon riesig. Aber schon in den 1960er-Jahren ist vieles schon an- und fast schon durchgedacht, was die (spätere?) Postmoderne ausmacht. Vgl. das Werk von Louis Kahn. So ist es sicher auch in der Musik.

      Ich kann Uliwer insofern folgen, dass ich die Neue Musik in Polen in den 1960er- und auch noch in den 1970er-Jahren vergleichsweise spannend finde. Auf Polen bezogen sollte man die Vokabel "erstarrt" nicht anwenden. Dagegen können mir die späteren Werke von Gorecki mit ihrem religiös verschwurbelt wirkenden Pathos (das die Grenze zum Kitsch m. E. zumindest in Reichweite hat) durchaus sauer aufstoßen. Da steckt für mich sehr viel Gegenaufklärung drin, und alle Arten derselben sind mir höchst unsympathisch, auch gerade die im religiösen Gewand.

      Witold Lutoslawski möchte ich für eine Ausnahmeerscheinung halten, für mich ist er der wichtigste polnische Komponist überhaupt (obwohl ich zuwenig von ihm kenne). Den späten Penderecki schätze ich auch wenig, aber mit seinen frühen und mittleren Werken ist er bei den Großen schon dabei. Gorecki kann ich nicht gewichten, ich kenne viel zu wenig von ihm. Aber uliwers Unbehagen teile ich.

      Es fallen mir noch mehr Komponisten ein, deren Abwendung von der "verrannten" (?) Avantgarde in etwas irgendwie Rückwärtsorientiertes für mich nicht sehr überzeugend ist. So finde ich bei Arvo Pärt nur das Frühwerk wirklich interessant, etwa bis zur 3. Sinfonie (1971), die auf spannungsreiche Weise den Umbruch widerspiegelt (und mich an Schnittke erinnert). Die späteren Sachen werden mir zu "glatt".
      Viel Hör-Vergnügen bereitet mir dagegen stets Alfred Schnittke, der sehr frei und spielerisch und zum Teil sehr ernsthaft mit allen Traditionen und Widersprüchen umgegangen ist und daraus wirklich Neues gewonnen hat. :rolleyes:

      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Kermit schrieb:

      . Dagegen können mir die späteren Werke von Gorecki mit ihrem religiös verschwurbelt wirkenden Pathos (das die Grenze zum Kitsch m. E. zumindest in Reichweite hat) durchaus sauer aufstoßen. Da steckt für mich sehr viel Gegenaufklärung drin, und alle Arten derselben sind mir höchst unsympathisch, auch gerade die im religiösen Gewand.
      Da kann ich Dir nur zustimmen, gebe aber zu bedenken, die besondere (vor allem) politisch- geschichtliche Situation Polens nicht aus dem Blick zu verlieren, die ja gerade in der Zeit der späten 70er und der 80er Jahre viel Kraft für den Freiheitsdrang der Menschen aus dem Katholizismus und dem polnischen Papst erhielt, und die Kraft und Macht dieser Institutionen entscheidend mit dazu beitrug die Freiheit und Souveränität Polens wiederzuerlangen (mit dem "unangenehmen" Nebeneffekt, das die Kirche bis heute einen Einfluss und eine Macht ausübt, wie in kaum einem anderen europäischen Land)
      Dies drückt sich halt auch in der Musik aus, deren (missionarische) Religiosität für einen westlich der Oder lebenden Menschen oft nur schwer erträglich ist (gilt jedenfalls für mich),
      Ich hatte in den 90igern mal eine polnische Freundin, wenn nur der Name des Papstes fiel---fingen ihre Augen an einen sehr entrückten Ausdruck anzunehmen---das war mir richtig unheimlich, aber Symptomatisch für die "polnische Seele".

      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Ich möchte - schon von daher, als ich es kaum so gut und keinesfalls besser hätte formulieren können - dem Frosch und dem Nordmann und dem uliwem durchwegs zustimmen. Von Lutoslawski kenne ich möglicherweise mehr Musik als Kermit. Bei Gorecki geht es nicht über die drei Werke hinaus, auf die ich mich bereits bezogen hatte. Postmoderne - vielleicht gerade weil der Begriff so schön schwimmt, schicken wir ihn alle auf die Reise über den Dorfweiher. Ich jedenfalls sehr gerne - ich geb's zu!

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Der Thread hat mich auf den Gedanken gebracht, mich vielleicht einmal für die Streichquartette zu interessieren. Das hat dann aber ein kurzer Ausschnitt bei youtube doch wieder vereitelt.

      Das Seltsame an Gorecki oder vielleicht auch Kilar ist, dass sie sich in ihrer Selbstbeschreibung sehr auf eine ganz bestimmte polnisch-katholische Haltung fixieren, die für mich ganz stark das Bild einer älteren Bäuerin, die vor der Schwarzen Madonna von Tschenstochau niederkniet, assoziiert.

      Dann aber die Rezeption durch das Disco-Publikum von London oder die "Anything-Goes" Mentalität aus San Francisco. Wie das zusammenpasst ist mir rätselhaft. Die Wirkung - viel weniger die der katholischen Selbstbeschreibung als die der "postmodernen" westlichen Rezeption - halte ich allerdings für fatal: die Vermarktung erweckt den Anschein, als habe sich da endlich die Kluft zwischen "ernster" Musik und modernem Publikum geschlossen und jeder andere ästhetische Ansatz, der nicht ganz tief aus dem Bauch und der Gefühligkeit kommt, sei irgendwie unzureichend und am Ende wertlos.