WEICHLEIN, Romanus - der Exorzist?

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    • WEICHLEIN, Romanus - der Exorzist?

      (ich habe dieses Thema schon mal erstellt, doch im letzten Augenblick hab ich versehentlich das Fenster geschlossen... :cursing: )

      Ich will nicht ruhen: nach dem ich schon H.I.F. Biber eine so gut gelungene Werbung machen konnte, versuche ich mal auch meine neueste Entdeckung unter die Fittiche zu nehmen: Romanus Weichlein.

      Romanus Weichlein (* um 1652 in Linz; † um 1706), war ein österreichischer Barockkomponist und Benediktinerpater.

      Weichlein war Sohn einer Linzer Musikerfamilie und wurde vermutlich von Heinrich Ignaz Franz Biber unterrichtet. 1671 legte er seine ewigen Gelübde als Benediktiner im Kloster Lambach ab. 1691 wurde er Musikpräfekt und Hauskomponist im Benediktinerinnenkloster Säben bei Klausen. Weichlein hinterließ mehrere Sonatensammlungen und Messen. Zahlreiche Werke, die er verschiedenen Tiroler Klöstern widmete, gingen verloren. Die erhaltenen Werke stehen in der Tradition seiner Landsleute Biber, Johann Heinrich Schmelzer, Pavel Josef Vejvanovský und Georg Muffat.

      Werke

      * Parnassus Ecclesiastico Musicus – Sammlung von sieben Messen (Ulm, 1702)
      * Encænia Musices op. 1 – mehrstimmige Sonaten, gedruckt durch Jakob Christoph Wagner (Innsbruck 1695), vorhanden in der Bibliothèque nationale de France

      Quelle: Wikipedia

      Der Komponist Romanus Weichlein (um 1652 – 1706) war zu seiner Zeit in ganz Europa bekannt. Er war der Sohn einer Linzer Musikerfamilie und wurde vermutlich von Heinrich Ignaz Franz Biber unterrichtet. Vor allem seine Sammlung fünfstimmiger Streichersonaten mit Beteiligung von zwei Clarintrompeten „Encaenia Musices“ fand weite Verbreitung. Diesem Prachtdruck sind 24 Duette mit dem Titel „Pro Tabula“ für zwei Clarinbläser angeschlossen.
      Quelle: ("http://www.dioezese-linz.at/redsys/index.php?page_new=11022")

      Hier: ("http://www.linz09.at/de/detailseite/news/aktuell/artikel/2399287.html" link scheint nicht mehr aktuell zu sein) wird sogar behauptet Weichlein sei ein Exorzist gewesen... :D

      Aus seiner Kirchenmusikalischen Sammlung - die erst kürzlich wieder aufgetaucht is - sind bisher zwei Messen erschienen:

      Und eine 15-stimmige Messe aus einer anderen Quelle (?) (jedenfals nicht aus Parnassus)

      Alle mit den St. Florianer Sängerknaben und dem Ars Antiqua Austria unter Gunar Letzbor.
      (Leider kenne ich diese Platten nur aus den Schnipseln. Ich werde aber dran sein, das zu ändern... :P )

      Die Encaenia Musices gibt es drei Gesamtaufnahmen, alle mit Ars Antiqua Austria.
      Die erste auf 2 separaten CDs aus 1994/95 mit den 24 Clarinduetten inklusive beim Label Symphonia.
      Die zweite ist ein Konzertmitschnitt des Tiroler Landesmuseums aus 2001 (Doppel-CD), und in dessen Museumsshop erhältlich (Klingende Kostbarkeiten 22). (Ob die Clarinduetten hier aufgenommen sind, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich nicht.)
      Die dritte ist aus 2008, eine Jubiläums-Aufnahme des Ensembles AAA, ebenfalls bei Symphonia (Doppel-CD). Die Clarinduetten sind hier nicht aufgenommen.
      Die letztgenannte:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Encaenia Musices, 1695

      (jetzt bin ich schon vorsichtiger, ich ich schreibe in mehreren Teilen)

      Diese Sammlung von Kirchensonaten ist für mich interessant, weil sie eine Verschmelzung mehrerer Stilen bedeutet.
      Es beinhaltet 12 fünstimmige Streichersonaten, wobei die erste, die fünfte und die letzte durch zwei Trompeten ergänzt werden, und 24 kurze zweistimmige Sätze für Trompeten.
      Als Vorbild dient Weichlein vor allem die Sammlung Sonatae tam aris quam aulis servientes (1672) [so die Erweiterung mit Trompeten, wie die ergänzenden Clarinduette - bei Biber "nur" 12 - finden sich hier] , minder das Fidicinium sacro-profanum (1683) [die Sonaten der früheren Sammlung sind eher noch einsätzig, die der späteren tendiert schon zur Mehrsätzigkeit] von H.I.F. Biber.
      Die fünfstimmigen Sonaten von Biber und Schmelzer sind meistens noch einsätzig und errinern so im Aufbau auf die Canzonen eines Gabrieli. Die Stücke der Encaenia sind schon mehrsätzig. Im Aufbau erinnern sie auf die Solo- und Triosonaten von Biber!
      So sehr, dass die Anlage sogar recht oft sich bis zur Triosonate verdünnt - die Mittelstimmen pausieren, nur das Continuo und die zwei Violinen spielen. Aus die Führung der Violinstimmen erinnert eher auf den Stil der Solosonaten Schmelzers oder Bibers, als auf deren Streichersonaten. Das kommt auch daher, dass hier öfters Ostinatobässe Verwendung finden, die aber in der Sonatae tam aris... oder im Fidicinium... kaum vorkommen, aber in den Solosonaten umso öfter.
      So ist es zu verstehen, dass hier eine Verschmelzung beider Stilen geschieht.
      Aber diese Sonaten sind ja nicht nur musikhistorisch interessant: auch als Musikstücke verstehen sie zu begeistern (dass sie so viele Ausgaben - trotz ihrer niedrigen Bekanntheitsgrad - in kaum 15 Jahren erlebten, zeigt das sehr gut):
      die vielen Ostinatosätze spühen vom Können und Musikalität. Als glänzendes Beispiel würde ich den zweiten Satz, "Con discretione", der ersten Sonate erwähnen: hier wetteifert das Geigenduett mit dem Trompetenduett auf höcht unterhaltsamer Weise.
      Weichlein schreibt oft sehr volkstümlich: die Tardo-Sätze der 10. Sonate sind da wirklich seh gute Beispiele dafür.
      Oft schimmert viel Witz und Humor hervor: der einleitende Fuga-Satz der 6. Sonate zum beispiel hat als Thema eine "Melodie", die vielleicht mehr Pausen, als Noten enthält: es wirkt wirklich sehr humoristisch, als das imitativ verarbeitet wird.

      Es lohnt sich also, diese Werke kennen zu lernen! Österreichische Barockmusik begeistert mich immer wieder, und Weichlein ist sicher jemand für den es sich lohnt sich zu begeistern, aus seiner Musik strahl nämlich eine tiefe Liebe gegenüber Menschen, die zu hören einem wirklich viel geben kann.

      Liebe Grüße
      Euer Tamás
      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Wer sich selber über Weichleins Musik ein Bild machen möchte, hier gibt es gemeinfreie Noten:

      'http://www.musikland-tirol.at/html/html/musikedition/komponisten/weichlein/messen/weichlein_frame.html'
      'http://www.musikland-tirol.at/html/html/musikedition/komponisten/weichlein/messen/weichlein_frame.html'
      (erfordert Scorch bzw. Sibelius)

      Partituren und Stimmen können gegen Kostenersatz per E-Mail im Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck mailto:itmf.ms@musikland-tirol.at'
      itmf.ms@musikland-tirol.at bestellt werden.

      Die oben erwähnte Doppel- CD mit den 12 Sonaten op1 aus der Reihe Musikland Tirol wird vom Ferdinandeum Innsbruck verlegt. Mehr Informationen zu dieser Aufnahme gibt es hier:

      'http://www.musikland-tirol.at/cdeditionentitelregister/cdeditionen2002/klingende-kostbarkeiten-7.php'
      'http://www.musikland-tirol.at/cdeditionentitelregister/cdeditionen2002/klingende-kostbarkeiten-7.php'

      (Eine wie ich meine höchst interessante Edition mit mittlerweile über 100 CDs)
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • Interessant, lieber Robert,

      Ich lese auf der von dier verlinkten Wikipedia-Seite:

      Auf betreiben von Kanonikus, Stadt- und Spitalspfarrer Matthias Jenner kamen im Jahr 1685 die ersten Nonnen 3 Chorfrauen und 2 Laienschwestern aus dem Stift Nonnberg in Salzburg nach Säben um das neu errichtete Kloster zum Heiligen Kreuz auf Säben zu beleben. Die Gründungsurkunde des Fürstbischofs Johann Franz von Kuen, vom 21. November 1686, bestätigt die Errichtung des neu erbauten Klosters. 1699 wurde das Kloster zur Abtei erhoben und Maria Agnes Zeillerin zur ersten Äbtissin erwählt.
      (Hervorhebung von mir)

      Zu Nonnberg hatte auch Biber mehrere Verbindungen: nichtzuletzt zwei seine Töchter wurden da Nonnen. Es muss schon ein reges Musikleben in diesen Klöstern und Stiften gegeben haben.
      Benedikt Ramhaufski, der Organist im Lambacher Stift war auch unter Biber ausgebildet und er vermählte sich mit Weichleins Schwester (Quelle: "http://www.hoasm.org/VIE/Weichlein.html" ), Romanus selbst war der Priester bei der Vermählung.

      LG
      Tamás
      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Guten Abend

      Tschabrendeki schrieb:



      Zu Nonnberg hatte auch Biber mehrere Verbindungen: nichtzuletzt zwei seine Töchter wurden da Nonnen. Es muss schon ein reges Musikleben in diesen Klöstern und Stiften gegeben haben.


      Bibers Partia VII in c-moll aus seiner Sonatensammlung "Harmonia Artificiosa-Ariosa" von 1696 könnte einem Bericht aus dem Kloster Nonnberg zufolge schon 1692 komponiert worden
      und möglicherweise am Dreifaltigkeitssonntag desselben Jahres unter Bibers eigener Mitwirkung bei einer Tafelmusik aufgeführt worden sein.
      Nach dem Bericht musizierte H.I.F. „mit zwei anderen Musikern nach der Tafel auf den lieblichen Instrumenten mit 2 Geigen Viol: d'amor genant eine grosse Zeit."

      Zu hören auf dieser



      mit dem Ensemble Affetti Musicali
      und Marianne Ronez Viola d'amore.

      Gruß :wink:

      aus der Kurpfalz

      Deio
      " Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles eine Bemerkung !"

      (Heinrich Heine)
    • Deio schrieb:

      Guten Abend

      Tschabrendeki schrieb:



      Zu Nonnberg hatte auch Biber mehrere Verbindungen: nichtzuletzt zwei seine Töchter wurden da Nonnen. Es muss schon ein reges Musikleben in diesen Klöstern und Stiften gegeben haben.


      Bibers Partia VII in c-moll aus seiner Sonatensammlung "Harmonia Artificiosa-Ariosa" von 1696 könnte einem Bericht aus dem Kloster Nonnberg zufolge schon 1692 komponiert worden
      und möglicherweise am Dreifaltigkeitssonntag desselben Jahres unter Bibers eigener Mitwirkung bei einer Tafelmusik aufgeführt worden sein.
      Nach dem Bericht musizierte H.I.F. „mit zwei anderen Musikern nach der Tafel auf den lieblichen Instrumenten mit 2 Geigen Viol: d'amor genant eine grosse Zeit."


      Wahrscheinlich haben da Vater Heinrich und Tochter Maria Anna zusammen musiziert. Maria Anna Biber von Bibern wurde unter dem Namen Maria Rosa Henrica Nonne in Nonnberg, und sie wurde gleich zu Kapellmesterin ernannt. Sie soll auc komponiert haben.

      Weichlein, der Benediktinermönch und Maria Rosa henrica dürften sich auch gekannt haben - und wer weiß? - vielleicht hat sogar eben Weichlein am Continuo mitgewirkt beim obigen Konzert... :rolleyes:

      :wink:
      LG
      Tamás
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Zeittafel zum Leben von Romanus Weichlein

      1652 30. November: Andreas Franz Weichlein ist als drittes Kind des linzer Stadtpfarrorganisten Johann Weichlein und dessen Frau Sabina auf die Welt gekommen.
      1669 Wie sein älterer Bruder Johann Georg ( P. Magnus) Weichlein (1650-1692) trat er als Novize im Benediktinerstift Lambach ein.

      1670
      H.I.F. Biber verlässt den Hof zu Kremiser und tritt den Dienst beim Erzbischof Max Gandolph in Salzburg an.

      1671
      6. Jänner: Bei seiner Profeß bekommt Weichlein den Klosternamen Romanus.
      30. Dezember: er immatrikulierte als Logicus an der Salzburger Benediktiner-Universität.
      1672 Er promoviert zum Bakkalaureus.
      1673 Er promoviert zum Doktor der Philosophie. Kehrt danach wahrscheinlich nach Lambach zurück.

      1677-1690 Georg Muffat wirkt in Salzburg neben Biber.

      1678 8. Juli: Weichlein feiert seine Primiz in Lambach.
      1681 2. Mai: Gesuch zur Nobilitierung und Vorstellungskonzert vor Kaiser Leopold I. Bibers "Sonatae Violino solo" erscheint.
      von 1687 bis 1691: Kaplan, Musikpräfekt und Hauskomponist in der Benediktienerinnen-Abtei Nonnberg zu Salzburg. Wahrscheinliche Kontakte zu H.I.F. Biber und Georg Muffat.
      1686 "Canon über das Post-Hörnl" wird als Einblattdruck (gestochene Kupferplatte) in Lambach gedruckt.
      1691 Weichlein wird in das 1685 gegründete Benediktienerinnenkloster auf dem Berg Säben bei Klausen (Südtirol) berufen. Er arrangiert Theateraufführungen, wie Clorinda, Comedi vom hl. Alexio, Die hl. Itha von Toggenburg, Der ägyptische Josef und seine Brüder (1693), Passions-Exhibition (1694).

      1692 Pál Esterházy übergibt mehrere Ortschaften, darunter Kisboldogasszony (Maria Haid - heute: Kleinfrauenhaid) den Lambacher Benediktinern zur Rekultivierung nach den Verwüstungen von Türkenhorden und Kurutzen (türkenfreundliche ungarische Rebellen).

      1695 "Encaenia Musices" wird in Innsbruck als op.1 gedruckt.

      1695 20. Juli: Maria Magdalena Biber von Bibern (Tochter des komponisten) wird in Nonnberg eingekleidet und bekommt den Klosternamen Maria Rosa Henrica.

      1702 "Parnassus ecclesiastico-musicus" wird in Ulm als op.2 gedruckt.
      1705 2. Januar: Weichlein wird nach Lambach zurückgerufen.
      März: Weichlein ist als Pfarrer im obgemeldeten Kleinfrauenhaid tätig.
      1706 8. September: Weichlein stirbt an der "Hungerischen Krankheit" oder "Pestilenz"

      Werke liegen als Manuskripte in den Musikarchiven der Stifte Kremsmünster, Lambach und Nonnberg (Salzburg). Mehrere sind verschollen.

      Quellen:
      Hintermaier, Ernst: Heinrich Franz Biber und die Musik in Salzburg, in: Walterskirchen Gerhard (Hrsg.): Heinrich Franz Biber. Kirchen- und Instrumentalmusik. Kongressbericht. Veröffentlichungen zur Salzburger musikgeschichte 6. Selke Verlag, Salzburg, 1997 . 26.pp
      Wessely, Helene: Vorwort, in: Weichlein, Romanus: Encaenia Musices. Erster Teil. DTÖ 128. Akademische Druck- und Verlagsanstalt. Wien/Graz 1979. VII.pp

      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Vier Aufnahmen im Vergleich

      [IMG:http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/01/ciu/ef/bd/4ee1828fd7a0b05c584d2110.L._SL500_AA240_.jpg]
      (Symphonia, 1989, 1994)

      "http://www.tiroler-landesmuseum.at/shop/userupload/1135_KK_22_main.jpg" (link scheint nicht mehr aktuell zu sein)
      (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 2001)


      (Symphonia, 2009)

      und habe sogar eine vierte Aufnahme zugezogen:
      [

      Zum Vergleichen nahm ich die Sonate Nr.5 in C-Dur, die so fulminante Tutti-Passagen mit Tompeten, wie ein Trompeten-Duett mit Bc. und sogar einen Solosatz (Adagio) für Violine und Bc. hat.

      Die erste Aufnahme von Letzbor mutet zuerst sehr klassisch an: man assoziiert auf Händel oder Bach, so wie auf den französischen Stil. Zwar sind die Tempi schneller als bei den anderen Aufnahmen, dennoch fühlt es sich breit und majestätisch gespielt an. Die Continuo-Gruppe ist mittelgroß, wobei eher das Lineare betont wird (Viola da Gamba, Cello, Violone, Orgel), damit stellt sie sich in den Hintergrund und stärkt den Streicherklang (das macht dann vielleicht den klassisch-breiten Sound aus). Das Trompeten-Duett wird nur von einem Orgel unterstützt, damit wird das imitative Duettieren der Trompeten betont.
      Die Solopassage für Violine wird expressiv betont, die Melodie wird zerstückelt (soetwas macht Letzbor auch bei den Rosenkranz-Sonaten oft). Der letzte Satz der Sonate (ohne Bezeichnung) wird majestätisch gespielt.
      [ohne Bez.-Allegro-o.Bez.: 3'11"; Adagio: 2'16; Allegro: 2'01"; Gesamtdauer: 7'32"]

      Der Konzertmitschnitt aus 2001 ist viel expressiver und mutet auch mehr kammermusikalisch an. Eigentlich sind die Tempi hier die langsamsten unter den Letzbor-Einspielungen, jedoch sagt das gefühl etwas anderes. Beim Klang dominieren die Oberstimmen und die Zupfinstrumente der Continuo-Gruppe. Sie ist relativ groß besetzt, wobei jetzt eher das Vertikale (und die Rythmik!) betont wird (Viola da Gamba, Barockgitarre, Theorbe, Violone, Fagott, Orgel). Leider gibt es Stellen, wo ich die Theorbe und die Gitarre als zu stark empfinde, die Mittelstimmen werden dadurch zu sehr in den Hintergrund gedrängt (z.B. im letzten Allegro-Satz). Das Trompeten-Duett wird hier mit Fagott und Violone begleitet, dadurch wird der Trio-Struktur betont. Das Violin-Solo hat hier einen wunderbaren Bogen und wird von Letzbor sehr eindringlich und langsam gespielt. Die den Solo-Teil einrahmenden Streicherpassagen fühlen sich aber von dem Solo abgetrennt, zu sehr in sich geschlossen mutet dieser lyrischer Satz an. Der Schlusssatz wird als Allegro interpretiert damit schließt die Sonate fulminant und vor Witz sprühend.
      [o.Bez.: 0'25"; Allegro: 1'20"; o.Bez.: 1'14"; Adagio: 2'53"; Allegro: 1'52"; Gesamtdauer: 7'44"]

      Die Einspielung as 2009 wirkt fast als eine Resümee der zwei oben erwähnten Aufnahmen: man scheint versucht zu haben die besten Lösungen der beiden zu vereinen. Auch hier wird beschwingt und sehr expressiv gespielt, jedoch stoßen wir hier auf wenigeren Überteibungen. Die Continuo-Gruppe ist eher klein zu nennen, wobei man verucht hat so das Lineare, wie das Vertikale zu unterstützen jedoch keine der beiden überzubetonen (Violone, Laute, Orgel). Die Laute scheint eine bessere Wahl gewesen zu sein, als die Theorbe: ist weniger dominant und verdeckt die Mittelstimmen nicht. Beim Trompeten-Duett ist Orgel und Violone als Begleitung zu hören, auch das finde ich sehr günstig: so das Duettieren, wie die Truo-Struktur ist dadurch sehr gut zu hören. Die Solo-Passage ist hier vielleicht nicht so eingebungsvoll gespielt wie beim Tiroler konzert, jedoch hat man dadurch mehr Einheit mit den einrahmenden Streicher-Tuttis. Der Schluss ist ähnlich fulminant, wie beim Konzert.
      [o.Bez.: 0'27"; Allegro: 1'15"; o.Bez.: 0'57"; Adagio: 3'11"; Allegro1'55"; Gesamtdauer: 7'48"]

      Ludwig Güttler vermittelt natürlich ein ganz anderes Bild über das Stück. Bei ihm hört man keine historischen Instrumente, und auf modernen Ventiltrompeten lässt sich freilich viel virtuoser spielen als auf Naturtrompeten. Der Einleitungssatz ist bei ihm langsam und pathetisch. Das Trompeten-Duett wird ein Platz für bläserischer Virtuosität. Das Solo für die Violine wird von Roland Straumer einfühlsam und in wunderbar langsamen Bogen gespielt.
      [Gesamtdauer: 7'36"]


      LG
      Tamás
      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato