Komponisten des Balkan

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    • andréjo schrieb:

      Die Klangqualität hat mich hier übrigens stärker überzeugt als bei der Nummer eins. Es scheint mir nichts verfärbt, vor allem nicht beim Soloinstrument. (Da könnte im ersten Konzert überdies das Klavier leicht verstimmt gewesen sein?) Vier der fünf Konzertaufnahmen entstanden in den siebziger Jahren. Ob die Tontechnik damals mitteleuropäischen Standards entsprochen hat, weiß ich nicht - vielleicht nicht ganz.
      Lieber andrejo,
      Die Tontechnik hat sicherlich damals nicht mitteleuropäischen Standards entsprochen.
      Ich habe seit vielen Jahren die LP des 1.Konzertes und ja, das klingt irgendwie verfärbt.
      Bis jetzt war ich zu faul, das mit der neuen CD-Abmischung zu vergleichen.
      Aber die wird sicher besser sein.

      Aber im Grunde war bei jeder mir vorliegenden Balkanton LP immer ein Wurm drin.
      Ich habe mal vor vielen Jahren die Aufnahme des 1.Violinkonzerts in stundenlanger Arbeit selber entzerrt und den Solisten
      auch wieder dahingestellt, wo er hingehört.Nämlich links von der Mitte.

      Diese Aufnahme war vollkommen durcheinander, was das Klangbild anging.
      Im Laufe der 70er wurde die Klangqualität dann besser, erreichte aber meiner Meinung nach noch nicht mal das Niveau
      einer guten Melodiya- Aufnahme.Zum Beispiel ist die hier von Holger und mir schon mehrfach erwähnte Melodiya Live-Aufnahme des 5.Konzertes von 1965 klanglich besser als alle diese Balkanton-Aufnahmen.

      Aber da tatsächlich von den Original-Tapes gemastert wurde, bin ich mir ziemlich sicher, dass die CDs wesentlich besser als
      die originalen LPs sind.
      Ich war die Tage noch zu faul, mir das anzuhören, die Werke kenne ich bis zum Abwinken seit Jahrzehnten, und für Vladigerov
      muß ich mich schon in einer ausgelassenen mentalen Situation befinden.
      Die ist aber momentan nicht gegeben.

      Ich habe mich immer gefragt,woran diese Verfärbungen und der manchmal eigentümlich boxige Klang herrührt.
      Und ich denke seit vielen Jahren, dass es an den Mikrofonen und deren Aufstellung gelegen hat.
      Keine Ahnung, was in Bulgarien in den 70ern für Mikros verwendet wurden.
      Am Aufnahmesaal kann es jedenfalls nicht liegen.Ein Freund hat in den letzten Jahren dort öfters dirigiert und aufgenommen.
      Der Saal des Rundfunks entspricht absolut dem Rundfunkstandard, solche Aufnahmesäle kenne ich z.b. aus Mailand persönlich.
      Etwas unpersönlich und zweckdienlich, aber ideal für Aufnahmen.

      Bei Fotos von Melodiya- Aufnahmen aus dieser Zeit kann man sehen, dass die dort in jedem Fall Neumann Mikros hatten.
      In Russland war lange eher das Tonbandmaterial ein Problem, darum wurde in den 60er zumindest immer brutal hoch ausgesteuert.

      Auch ich mag im Grunde alle 5 Konzerte gleich, das ist bei jedem allergrößte Unterhaltung auf hohem Niveau.
      Das 1. Konzert habe ich lange unterschätzt, aber das hat sich gegeben.
      Trotzdem: Falls man mir die Pistole auf die Brust setzen würde, dann wäre meine Antwort
      Nr.2 und Nr.5.

      Ich bin echt glücklich, jetzt das zweite in guter Qualität zu haben, das fehlte in meiner Sammlung an originalen Tonträgern noch.
      Und klar, demnächst gibt es mal wieder eine Vladigerov-Orgie bei mir.
      Aber hoffentlich nicht alleine sondern mit Freunden, denn das macht noch viel mehr Spaß.......

      LG, Michael :cincinbier:
      P.S. Übrigens ganz witzig für mich:
      In unserem Opernchor gibt es seit Jahrzehnten einen sehr fähigen bulgarischen Baß.
      Der ist irgendwann in den 80ern nach Westdeutschland gekommen und dann zu uns.

      Aber vorher war er der Solohornist im Bulgarischen Rundfunksinfonieorchester und hat an diesen Aufnahmen mitgewirkt. =O
      Denn ich gehör' nur mir.
    • Vielen Dank für Deine Antwort, Michael! Ebenso an Holger!

      Die Konzerte zwei und vier - auf der zweiten CD - habe ich heute gehört.

      Das zweite steht wohl stilistisch zwischen dem ersten und dem dritten - wesentlich mehr kann ich nach dieser Erstbegegnung noch nicht sagen, wesentlich mehr steht auch nicht im Booklet. Das vierte Konzert, nicht mehr in Moll, datiert ja deutlich später aus der Nachkriegszeit im sozialistischen Bulgarien. Damit hatte Wladigerow wohl keine Probleme. Dennoch erscheint er hier (auch für mich) ein wenig schärfer gepolt und diffiziler rhythmisiert. Spätromantisches Flair spielt nicht mehr eine zentrale Rolle, manchmal denkt man sogar vorsichtig an Prokofieff oder Khatschaturian - allerdings drängt sich mir dieser Eindruck nicht so deutlich auf, wie es das Booklet suggeriert. Natürlich ist Folklore nicht unwesentlich, und ebenso dürfte der Grad an Virtuosität kein geringerer sein, allerdings wird die Melodik meines Erachtens nicht mehr so ausgesungen wie in den früheren Konzerten.

      Übrigens kann ich es gut verstehen, wenn Du das erste Konzert jetzt nicht mehr unterschätzt. :D Es hat für mich im Detail mehr Schärfen als die beiden folgenden Werke. Könnte natürlich sein, dass ich bei einem zweiten Durchgang die Dinge wieder ein wenig anders sehe.

      Jetzt fehlt mir noch die Ersterfahrung mit der Mono-Einspielung der Nummer fünf.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Übrigens kann ich es gut verstehen, wenn Du das erste Konzert jetzt nicht mehr unterschätzt.
      Und Karajan hat es sogar ja auch mal gespielt.

      Ganz im Ernst, die Konzerte tuen sich im Grunde nichts.
      Jedes ist auf seine Weise spannend und schön.
      Und man kann immer wieder auf jedes einzelne zurückkommen, ganz wie man gerade mag.

      Ich muß sagen, dass ich im Falle der drei letzten Konzerte, vor allem des vierten, die alten Melodiyas mit Ihm selber als Pianisten bevorzuge.

      Aber im Grunde sind alle diese Werke Variationen über den Grundgedanken einer bulgarisch/nationalen Schule.
      Was die Behandlung des Klavierparts angeht, den orientalisch ausufernden Orchestersatz ebenso........
      Es ist immer an jeder Stelle etwas zu viel des guten, im guten und positiven Sinne.

      Und darum mag und liebe ich diese Konzerte halt auch.
      Sie sind dekadent, und ich würde sie auch niemals mit Rachmaninoff vergleichen, denn der war absolut
      nicht dekadent.
      Sondern ganz das Gegenteil.

      Aber ich meine das auch gar nicht herabwürdigend gegenüber Vladigerov.

      Diese Musik macht einfach Spaß, und des öfteren ist sie auch hintersinnig.
      Und sie ist ein Fest für jeden Liebhaber virtuoser Klavierkonzerte.
      Und ich bin mir sicher, dass Vladigerov genau das im Sinne hatte.
      Nicht mehr und nicht weniger.
      Und das ist Ihm auch gelungen.

      Und er ist zu Recht in Bulgarien ein Nationalheld.

      Ich hatte einen guten Freund, der ein recht bekannter Bulgarischer Komponist in Köln war und leider viel zu früh
      verstorben ist ,und den ich sehr vermisse und betrauere.

      Er war ein toller Komponist, der wirklich interessante und lohnende neue Musik schuf.Er war Mitglied der Gruppe 8 Köln und Gründer und Leiter des Ensembles Trial and Error.
      Ein wirklich großer Komponist,den man wirklich ehren und vor allem nicht vergessen sollte.
      Aus persönlichen Gründen dieses Forum betreffend nenne ich jetzt nicht den Namen dieses aus meiner Sicht großen Komponisten.

      Was ich aber sagen wollte:
      Dieser Komponist"neuerer" Musik hatte als Bulgare natürlich die komplette Balkanton LP-Edition von Vladigerov zuhause in seiner Sammlung.
      Und er kannte Vladigerov natürlich noch persönlich und erzählte mir einige Anekdoten.

      Und obwohl Vladigerov aus einer ganz anderen Zeit stammte, war dieser Ihm immer noch absolut gegenwärtig.
      Und das kann ich gut verstehen, denn Vladigerov war und ist DER Nationalkomponist Bulgariens.
      Und das zu Recht.
      Denn ich gehör' nur mir.
    • andréjo schrieb:

      allerdings drängt sich mir dieser Eindruck nicht so deutlich auf, wie es das Booklet suggeriert
      Der Herr, der den Booklettext verfasst hat, neigt dazu, sich selber und seine Meinung überzubewerten.
      Und andere kleinzureden oder direkt anzugreifen ,und auf das übelste zu beschimpfen
      Iss so, weiß ich aus eigener Erfahrung, sorry,
      War nicht schön und will ich auch niemals mehr erleben.
      Und ich denke,er ließt jetzt hier mit.
      Brauche ich nicht.
      Daher bitte:keinen Namen nennen!
      Michael
      Denn ich gehör' nur mir.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Daher bitte:keinen Namen nennen!
      Mach ich nicht! ;)

      Es steht, wenn ich das richtig sehe, nichts Dummes in dem Booklet-Text, aber eben auch nur wenig, wovon ich jetzt deutlich profitiert hätte im Sinne überraschender Querbezüge oder Nuancen. Der Ansatz des Rachmaninow-Erben ist ja keineswegs abwegig, weil man ihn natürlich hört - aber das gilt wahrscheinlich für Dutzende, wenn nicht Hunderte spätromantischer Klavierkonzerte. Ansonsten ist die Musik für mich viel zu eigenständig, als dass ich sie mit ebenso Unverwechselbarem wie Khatschaturian oder Prokofieff vergleichen möchte.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      aber eben auch nur wenig, wovon ich jetzt deutlich profitiert hätte i
      Ich habe das Booklet einige male durchgelesen,um neue Infos zu erhalten.
      Es ist gut geschrieben,in jedem Falle, aber es gab nichts neues.

      Allerdings habe ich nirgendwo einen Hinweis darauf gefunden, dass der Dirigent Alexander Vladigerov bereits 1993 verstorben ist.
      Und ganz ehrlich, mit Rachmaninoff habe ich Vladigerov noch nie in Zusammenhang bringen können.
      Vladigerov komponierte aus einer romantischen Tradition heraus, Rachmaninoff ebenso.
      Und zack haben wir den Rachmaninoff Vergleich.......
      Sorry, das ist mir viel zu einfach und kommt m.E. auch überhaupt nicht hin. :wink: Michael
      Denn ich gehör' nur mir.