Korngold, Erich Wolfgang: Klavierkonzert in cis, op.17

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    • Korngold, Erich Wolfgang: Klavierkonzert in cis, op.17

      Der Thread von Gurnemanz heute hat mich bewogen wieder einmal Korngold zu hören. Unser Fachmann für Korngold wäre eigentlich Michael Schlechtriem ... vielleicht hören wir etwas von ihm.

      Das Violinkonzert op.35 (1945) schätze ich wegen seiner Virtuosität, weniger wegen der im 2.Satz süsslichen Klangsprache ... ;) will ja gar nicht von Filmmusik reden ... und auch die offenbar anstrengende Dauerintensität bei ASM finde ich gar nicht so übel. ASM spielt das Ganze schon sehr virtuos (ich kenne aber auch nur diese Aufnahme, die bei mir noch keinen Wunsch an andere Aufnahmen auslöste !)

      *** Aber zum Thema: Klavierkonzert in cis op.17 (1925)
      Das Werk wurde 1923 von dem einarmigen Pianist Paul Wittgenstein als erstes KK an Korngold beauftragt. (Es folgten die KK von Prokofieff, Ravel, R.Strauss, Britten und Hindemith.)
      Interessant auch die Angabe "In Cis", die keine Dur und Moll ausmacht und auch keine eindeutige Tonalität festmacht. Im Textheft meiner CD ist von schizophrener Tonalität die Rede !

      Das KK ist in einem Satz (Dauer ~ 27-28 Minuten), aber in Abschnitte gegliedert (die auch bei meiner Hamelin-Aufnahme in 10Tracks eingeteilt sind).

      Beim heutigen Hören hat mich erst einmal am Anfang der wieder für Korngold typisch süssliche romatische Tonfall gestört, an den ich mich dann aber schnell gewöhnt habe. Denn im Laufe des Konzertes wandelt sich dieser Tonfall zu einem teilweise brutalen Anstrich, bis zu einem packenden virtuosen Finale mit allem "Drumm und Dran".
      Für mich dann Hörspass pur !

      andrejo schrieb:

      Nochmals kurz zur Sache und letztlich sicher gänzlich subjektiv: Die harmonischen Raffinessen das Konzerts bezweifle ich nicht im Geringsten, aber das Frühwerk - das ich eben mindestens genauso raffiniert finde - reizt mich stärker. Es ist ja nun nicht so, dass Korngold seinen Stil auffällig geändert hätte, was er geändert hat, ist der (Breitwand-)Sound, in den er diesen Stil einpackt und der mich gewiss nicht abstößt, aber schlicht nicht wirklich anzieht.
      Ich könnte nicht sagen, dass Korngolds Stil sich bei allen Werken in Spätwerken zum "Breitwandsound mit Filmmusikähnlichkeit" gewandelt hat, denn wenn ich mir die Symphonic Serenade op.39 (1947) auf der unten abgebildeten CD anhören, hat dieses Werk einen sehr klaren und romantikschmalzfreien Ton.
      Aber ich verstehe voll Deinen Einwand, denn mir liegt der "süssliche Lateromanticsound" auch nicht immer.



      *** Zu den Aufnahmen des Klavierkonzertes in CIS:
      Als ganz ausgezeichnet habe ich die enrgiegeladene Aufnahme mit Marc Andre Hamelin / BBC Scottich SO / Osmo Vänskä empfunden, die auch klanglich keine Wünsche offen lässt.

      Hyperion, 1997, DDD



      Auch eine schöne Aufnahme bieten Howard Shelley / BBC Philharmonic / Matthias Bamert. Die Aufnahme ist nicht ganz so Klangstark, orchestral eher etwas weicher und mehr im etwas dem süsslichen Tonfall nachgehend, dafür vom weiteren Programm sehr interesssant (noch nachträglich meinen Dank für die CD an andrejo):


      Chandos, 1996, DDD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • teleton schrieb:

      Das Werk wurde 1923 von dem einarmigen Pianist Paul Wittgenstein als erstes KK an Korngold beauftragt
      Das ist nicht ganz korrekt (nur wenn man ausschließlich Klavierkonzerte berücksichtig), denn vorher wurden bereits eine Reihe anderer Werke für Wittgenstein komponiert, u.a. von Josef Labor (Konzertstück D-Dur 1915; Konzertstück f-Moll 1917; Konzertstück Es-Dur 1923 und Fantasie fis-Moll 1920), oder Rudolf Braun (Drei Klavierstücke für die linke Hand 1922). Korngold schrieb für Wittgenstein noch das Klavierquintett op.15 und die Suite op.23.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Ich finde das Klavierkonzert keineswegs süßlich, sondern nur raffiniert in der Harmonik. Es erscheint dadurch völlig unverwechselbar und zeigt kaum wirkliche harmonische Gemeinsamkeiten mit anderen Klavierkonzerten dieser Zeit bzw. der Spätromantik im weiteren Sinne und erst recht nicht mit (Filmmusik-)Schlagern wie dem Addinsell-Konzert.

      Wolfgang aus Bonn hat sicher Recht, wenn er darauf hinweist, dass die Spätwerke sehr unterschiedlich sein können in ihrem Charakter und dass es neben dem Violinkonzert, das Elemente von Filmmusik. wo ich die Wertung des Süßlichen eher akzeptieren kann, mit einer zweifellos hochinteressanten Harmonik und einem schwungvoll-virtuosen Finale verknüpft, eben auch die bedeutende und beinahe herbe Fis-Dur-Sinfonie gibt oder eher klassizistische, programmatische, suitenartige Orchesterwerke. Von daher würde ich nach wie vor meinen, dass der Komponist in seinem Stil nicht ganz so einheitlich ist, wie man vielleicht meinen könnte. Vieles im Spätwerk ist rückwärts gewandt (was ja nicht zwangsläufig eine negative Wertung beinhaltet), die Sinfonie zumindest möchte ich davon ausnehmen, das Violinkonzert eigentlich nicht, denn bei allem Raffinement wirkt es doch weitaus äußerlicher und schaustückhafter als etwa das frühe Klavierkonzert, das ich für sehr verinnerlicht halte.

      Gut - das sind bis zu einem gewissen Grad Geschmacksurteile, über die man vielleicht wirklich nicht zu sehr streiten sollte. :) ;)

      Es grüßt Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Das Klavierkonzert ist eines der ganz wenigen Werke von Korngold, mit denen ich nich warm werde.
      Da ist zunächst der (vielleicht berechtigte) Anspruch, die rechte Hand zu kompensieren, der in wahnsinnigen Arpeggio-Orgien ihren Niederschlag findet. Dann sind die Themen m.E. nicht so richtig entwicklungsfähig. Klar, Korngold macht da was draus, er war halt genial. Aber dennoch habe ich immer das Gefühl von Stillstand und vergeblichen Anläufen auf ein unbekanntes Ziel. Verinnerlicht, wie andrejo es empfindet, ist es für mich an keiner Stelle. Die ruhigen Passagen im Mittelteil finde ich eher verhangen und unheilvoll - für mich die stärksten Momente im Stück.
      Ich besitze übrigens die cpo-Aufnahme, habe aber per Tube etc einige Andere gehört, die ich meist besser fand. Könnte aber nach vielen Jahren nichts detaillierteres sagen.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Doch, diesen (vermeintlichen?) "Stillstand" empfinde ich genauso. Genau er hat mich stets fasziniert (und tut es nach wie vor) - dieses Insistieren auf schwebenden Akkordfolgen. Ich habe auch zugegebenermaßen länger gebraucht, um die Struktur hinter dem (eben doch wohl nur scheinbaren) Stillstand wahrzunehmen. Schön ist auch Deine Formulierung vom "unbekannten Ziel".

      Letztlich hat mich der Klavierauszug weitergebracht. Vielleicht liegen wir auch gar nicht so weit auseinander, wenn ich von "verinnerlicht" spreche und Alberich von "verhangen und unheilvoll".

      Watzlawick-Effekt an: ( :P )

      Irgendwie traue ich es mir nach den Erfahrungen des Tages im Violinkonzert-Thread des reichlich bösen Gurnemanz schon gar nicht mehr zu sagen, aber mit dem Klavierkonzert bin ich nicht nur sofort viel wärmer geworden im Gegensatz zum Violinkonzert, sondern daran hat sich nach wie vor nichts geändert. Ich finde und fand es viel geheimnisvoller - ja, ich glaube, so kann man das sagen.

      Mittlerweile halte ich mich für einen relativ universalen Hörtypus, aber ich hatte über viele Jahre eine Periode, in der ich mich Musik ganz besonders gereizt hat, die sich lange nicht öffnet. Allan Pettersson nenne ich mal stellvertretend.

      Ich denke, das ist erlaubt. ( :P )

      Und bitte, liebe Korngold-Fans und Musikexperten im Allgemeinen und Besonderen! Ich bin recht dumm, mein Herz ist rein, aber ich mag diesen Komponisten allenthalben und gebe ja schon zu, dass es keinen Früh- oder Spätstil gibt - abgesehen von der Kleinigkeit, dass ich selbiges von Anfang an doch gar nicht wirklich bestritten habe!

      Watzlawick-Effekt aus.

      Zur Nacht ruft Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Es gibt relativ wenige Aufnahmen dieses Klavierkonzerts. Neben den von teleton genannten (Hamelin und Shelley) hat Alberich die cpo-Einspielung mit Steven de Groote und der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Werner Andreas Albert erwähnt. Nachzutragen bleibt noch die Aufnahme von Nicolas Stavy mit dem Orchestre National de Lille unter der Leitung von Paul Polivnick:

      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Sehr schön, werter music lover! Die anderen drei sind bei mir als CD respektive Rundfunkmitschnitt vorhanden. Letztere werde ich mir zulegen!

      Dass ich noch eine Britten-Diversions-Einspielung miterwerbe, stört wenig. :thumbsup:

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Letztlich hat mich der Klavierauszug weitergebracht. Vielleicht liegen wir auch gar nicht so weit auseinander, wenn ich von "verinnerlicht" spreche und Alberich von "verhangen und unheilvoll".

      Ich habe das Stück jetzt nach etlichen Jahren Abstinenz zweimal gehört und muss dir Recht geben. Da steckt beides drin.
      Was die Form betrifft, bin ich noch nicht klüger, aber das Gefühl des ziellosen Anrennens stellt sich nicht mehr ein - ich empfinde jetzt mehr Übergänge. Vll schaue ich auch mal in die Noten - Struktur erkenne ich nämlich immer noch nur ansatzweise, aber mich stört das Rhapsodische nicht mehr. Ich höre auch wundervolle Stellen, in denen das Klavier delikat mit dem Orchester (Celesta, Glockenspiel, Harfe, Solostreicher...) verschmilzt. War mir früher entgangen.
      Einzig das Ende nervt mich noch. Vielleicht ist die Einspielung hier etwas schwach, oder ich kapiere es einfach nicht (wie jahrelang das Ende von Sibelius`5.), oder es ist halt echt Murks... Was soll dieses Endlos-Finale? Hören Andere das auch als platten Applaus-Generator?
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Eusebius schrieb:

      Korngold schrieb für Wittgenstein noch das Klavierquintett op.15
      Nein, nur die Suite op.23 wurde abgesehen vom Klavierkonzert für Wittgenstein geschrieben.
      Es gibt eine alte Aufnahme, einen Rundfunkmitschnitt der NBC ,mit Wittgenstein und Roman Totenberg als Geiger.
      Da spielt Wittgenstein endlich mal gut.
      Ansonsten hat er immer nur gedonnert und versucht, mit seiner linken Hand so viel Lärm zu erzeugen wie mit zwei Händen.

      Wittgenstein war vermögend, ein guter Pianist war er nicht.
    • music lover schrieb:

      Es gibt relativ wenige Aufnahmen dieses Klavierkonzerts
      Es gibt noch einige Rundfunkmitschnitte aus den 80ern und frühen 90ern mit Gary Graffman.
      Graffman war eigentlich DER Starpianist, der dieses Werk immer und immer wieder aufführte.
      Leider hat er es nicht auf CD aufnehmen können, keine Ahnung, warum.
      Schade, er war der beste.

      In Deutschland gibt es zwei Rundfunkaufnahmen mit Ihm mit dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin und dem Südwestfunk S.O.
      Habe ich beide auf DAT, aber leider funktionieren meine DAT-Geräte nicht mehr.
    • andréjo schrieb:

      Wolfgang aus Bonn hat sicher Recht, wenn er darauf hinweist, dass die Spätwerke sehr unterschiedlich sein können in ihrem Charakter und dass es neben dem Violinkonzert, das Elemente von Filmmusik. wo ich die Wertung des Süßlichen eher akzeptieren kann, mit einer zweifellos hochinteressanten Harmonik und einem schwungvoll-virtuosen Finale verknüpft, eben auch die bedeutende und beinahe herbe Fis-Dur-Sinfonie
      In der Sinfonie stecken zu einem großen Teil ebenfalls sehr viele Filmmusik-Zitate und Themen, welche allerdings stellenweise in Ihr Gegenteil verkehrt werden.
      Moll statt Dur, langsam anstatt schnell und vice versa.
      Im dritten Streichquartett ist der langsame Satz übrigens ziemlich komplett aus "The Sea Wolf" übernommen.

      Dazu muß ich sagen, daß Korngold in seinem Vertrag ausdrücklich die Genehmigung dafür erhalten hatte.
      Denn normalerweise hätte alles, was er für Warner komponierte, Warner gehört.
    • teleton schrieb:

      Auch eine schöne Aufnahme bieten Howard Shelley / BBC Philharmonic / Matthias Bamert.
      Shelley ist bekannt als ein Tier im Vomblattlesen.
      Er kam zu der Aufnahmesession und fing an, mit beiden Händen zu spielen.
      Bamert machte Ihn dann daraufhin aufmerksam, sich die Überschrift des Klavierparts mal genau anzuschauen.

      Und Shelley merkte , daß er Mist gebaut hat und das Werk für die linke Hand alleine geschrieben wurde.

      Er meinte dann, daß das doch niemand merken würde.
      Aber Bamert sagte, daß das Orchester und er es gesehen habe und es irgendwann rauskommen würde.

      Daraufhin bat Shelley das Orchester um drei Stunden Pause und ging üben.
      Nach drei Stunden kam er wieder und spielte dieses Monstrum nur mit der linken Hand........
    • Alberich schrieb:

      .. Was soll dieses Endlos-Finale? Hören Andere das auch als platten Applaus-Generator?
      Leider ja, ich höre das auch so.
      Aber Korngold war damals auf seinem absoluten Höhepunkt als Komponist in Wien.

      Ich kapiere es auch nicht und empfinde es als Parodie auf Beethoven.
      So nach dem Motto "Ich nehme mir jetzt mal diesen Unfug heraus" .
      Damals war alles möglich, und Korngold konnte sich alles leisten.
      Daher sehe ich es mehr als humorvoll gemeint.
      Aber toll ist dieser Schluß sicherlich nicht, sondern Realsatire.
      Vielleicht war es ja genauso gemeint, wie gesagt, damals konnte sich Korngold alles leisten.
    • Ich persönlich halte sein Klavierkonzert übrigens eher zugehörig zu seinen wenigen nicht so gut gelungenen Werken.
      Obwohl es sehr starke Momente und Größe hat.
      Aber insgesamt ist es für mich nicht auf derselben Stufe wie viele andere seiner Werke.
      Er war halt noch sehr jung und hat draufloskomponiert.
      Das artete meistens in wirkliche Größe aus und manchmal eben auch nicht.

      Ich mag das Klavierkonzert trotzdem, ein nicht so gelungener Korngold ist mir immer noch lieber
      als vieles andere.
      Aber ich muß auch anmerken, daß Korngold-der ein toller Pianist war- in seinem linke Hand Konzert sehr blockartig und pompös im Klavierpart agiert.
      Das hat Wittgenstein sicherlich gefallen, denn er mochte das Korngold-Konzert lieber als das Ravel- Konzert.
      Mit dem Ravel konnte Wittgenstein nichts anfangen, was man leider auf den zwei vorhandenen Aufnahmen mit Ihm hört.
      Er spielte den Ravel einfach grottig und hat diese Musik wirklich nicht kapiert wie auch den Prokofjew, den er gleich überhaupt nicht aufführte und so zu einer 20 jährigen Blockade dieses tollen Werkes beitrug,
      solange er die Aufführungsrechte hatte.

      Das Korngold Konzert dagegen war seinem pompösen Stil geradezu in die Finger komponiert.
      Auch dies ist u.U. ein Grund, warum dieses Konzert so klingt, denn es war ja eine Auftragsarbeit von Wittgenstein.

      Und leider finde ich den Klavierpart im Korngold Konzert nicht annähernd so interessant wie im Ravel oder auch im Prokofjew 4.Konzert.

      Graffman sprach immer wieder von einer "Salome" für Klavier und Orchester.
      Und ja, das Werk ist sehr narrativ und opernhaft, für mich ganz und gar nicht konzertant.
      Ein richtiger "Brocken" halt.
      Die Dirigierpartitur ist jedenfalls ebenso pompös und -wirklich so gemeint als Gewicht -schwer in Ihren Ausmaßen.
      Da hat Korngold wirklich alles gegeben, meiner Meinung nach im Wissen, daß es gekauft und bezahlt wurde.
      Kein normaler Komponist schreibt eine solch monströse Musik zu einem Konzert für Klavier -linke Hand alleine- einfach so.

      Ich habe mich immer an diesem Werk erfreut, es aber niemals wirklich wichtig genommen in den letzten 35 Jahren.

      Das Cellokonzert, welches ich aufführte und das Violinkonzert,welches ich häufig im Orchester spielte, sind ganz andere und bessere Kaliber.
      Und wesentlich sparsamer orchestriert.
    • Um mal etwas Ordnung in meinen Wust aus Antworten zu bringen:

      Eine Form zu entdecken bei diesem Klavierkonzert wird schwierig, denn es ist ganz frei und opernhaft
      angelegt.

      Ich habe darüber lange nachgedacht und komme zu dem Schluß, daß Korngold
      dieses Konzert wirklich völlig auf Wittgenstein zugeschnitten hat.

      Denn dieser linke Hand- Klopper (sorry) war mehr daran interessiert, mit einer Hand soviel Lärm zu machen wie mit zwei Händen.
      Er war auch kein besonders guter Pianist, hatte aber Geld, um diese Kompositionen für die linke Hand in Auftrag zu geben.
      Vielleicht hat Korngold als einziger seine Persönlichkeit durchschaut und Ihm genau das geliefert, was er haben wollte.

      Mir erscheint das logisch, denn Wittgenstein hat das Korngold-Konzert geliebt im Gegensatz zu Ravel und Prokofjew.
    • Besonders interessant an Michael Schlechtriems Antworten finde ich die diversen biographischen Hinweise, etwa wenn es um die persönliche Einstellung Korngolds zu seinem Konzert geht. Wittgenstein könnte überdies ein Verwandter im Geiste gewesen sein.

      Mich stört das Finale eigentlich nicht - dann müsste mich das Finale von Beethovens Fünfter mindestens genauso stören. (Tut es bisweilen. :P ) Selbst wenn Korngold seinen eigenen Stil hier parodieren sollte, kann man sich immer noch an dieser repetitiven Reizharmonik schlicht erfreuen. Mir geht es so.

      Das Ravel-Konzert scheint mir konkurrenzlos. Hingegen kann ich ein wenig verstehen, dass Wittgenstein mit dem Prokofiev-Konzert nichts anfangen konnte oder wollte und dass er das Korngold'sche ganz besonders geliebt hat.

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Daher sehe ich es mehr als humorvoll gemeint.
      Aber toll ist dieser Schluß sicherlich nicht, sondern Realsatire.
      Vielleicht war es ja genauso gemeint, wie gesagt, damals konnte sich Korngold alles leisten.
      Das ist eine interessante Idee. Ich muss demnächst mal ein paar weitere Aufnahmen hören, um deren Herangehensweise an den Baller-Schluss kennenzulernen. Möglicherweise gibt es ja einen Trick beim Tempo, der alles plausibel erscheinen lässt...?
      Und ja: Narrativ und opernhaft - das trifft nach meinem Empfinden den Nagel auf den Kopf und erklärt meine gleichzeitige Skepsis und Sympathie für das Stück. Wenn man keine Form mehr sucht, vermisst man auch keine.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Wenn es um Korngold geht, dann geht es auch immer um diese zwielichte sog. "Filmmusik" .
      Der eigentlich maßgebliche Komponist in Hollywood für diesen Stil, den er wirklich kreiert hat,
      daß war nicht Korngold, sondern Max Steiner.

      Steiner war für Hollywood ebenso wegweisend wie Korngold.
      Max Steiner war auch ein Wunderkind, kam aber aus der Operetten- Schiene.

      Es gibt da einen Witz aus der damaligen Zeit.
      Steiner fragt Korngold:
      "Warum werden deine Scores immer schlechter und meine besser?"
      Und Korngold antwortet:
      "Das liegt daran , daß du bei mir abschreibst und ich bei dir."

      Das ultimativ luxuriöseste übrigens, welches Korngold jemals geschrieben hat,
      das findet sich in seiner Oper "Das Wunder der Heliane".
      Und zwar in der Arie" Ich ging zu Ihm" .
      Nach einem längeren Prolog darin folgt dann eine der längsten Melodien,
      welche jemals erschaffen wurde.

      Nämlich eine sozusagen unendliche Melodie, welche erst nach Ihrem Höhepunkt zur Ruhe kommt.
      DAS ist sehr großes Kino, und genau so hat Korngold dann ja auch in Hollywood gearbeit.

      Übrigens immer sehr bedacht darauf, daß seine Musik in der Tonhöhe unterhalb der jeweiligen Sprechstimme war.
      Und Korngold hat im Gegenzug zu Steiner niemals das sog. Click-tracking-auch bekannt als Mickey Mousing- verwendet.

      Man kann sich auch heute noch nicht erklären, wie Korngold die Fanfaren in "Robin Hood" ohne click-tracks hinbekommen hat nur als Dirigent.

      Jedenfalls hat Korngold immer so komponiert, wie es sein Stil war.

      Hier diese unglaubliche Arie aus "Das Wunder der Heliane" ,niemals besser gesungen als von Lotte Lehmann:
      "https://www.youtube.com/watch?v=xluixUDknsA"
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Man kann sich auch heute noch nicht erklären, wie Korngold die Fanfaren in "Robin Hood" ohne click-tracks hinbekommen hat nur als Dirigent.
      Über die Fecht-Szene zwischen Robin und dem Sheriff im Finale heißt es, die Musik sei zuerst da gewesen und Flynn hätte die Bewegungen danach einstudiert. Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber dass Korngold sich solche Privilegien erarbeitet hatte, ist ja fakt - z.B. Filme ganz sehen zu dürfen, bevor er überhaupt anfängt zu komponieren.
      Vielleicht ist also die Musik der Fanfaren aufgenommen worden und man hat zur laufenden Tonspur gedreht. Nur ne Idee.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.