Korngold, Erich Wolfgang: Klavierkonzert in cis, op.17

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Alberich schrieb:

      Vielleicht ist also die Musik der Fanfaren aufgenommen worden und man hat zur laufenden Tonspur gedreht. Nur ne Idee.
      Das ist eine gute Idee.
      Nur mußte Korngold unter großem Zeitdruck arbeiten, da er den Job für "Robin Hood" erst nach dem Anschluß Österreichs angenommen hatte, da er dann nämlich nicht mehr wie geplant nach Hause zurück konnte.
      Und da war der Film schon fertig.
      Daher kann das mit der vorher komponierten Musik nicht hinkommen.

      Das Studio wollte unbedingt, daß Ihr neuer Film von Korngold musikalisch untermalt ist.
      Und es ist verbürgt, daß sie sich daher über den "Anschluß" Österreichs gefreut haben.

      Denn nun MUßTE Korngold es annehmen, um weiterhin Geld verdienen zu können.
      Er hat ja diese ganzen Filmmusiken nicht ganz freiwillig geschrieben.

      Sein Umfeld, die deutschsprachige Oper, gab es in den USA halt nicht.
      Was sollte er tun?

      Falls ich mich richtig erinnere hatte Korngold dann noch etwa zwei Wochen Zeit und hat deswegen ziemlich viel von seiner "Sursum Corda op.13" Musik übernommen.
      In diesem Fall bezog sich dann die Filmmusik auf ein bereits existierendes Werk für den Konzertsaal und nicht andersherum.
      "Sursum Corda" war kein erfolgreiches Werk von Korngold, aber als Material für die "Robin Hood" Musik hat es überlebt.

      "https://www.youtube.com/watch?v=XJlLm-dHbEw"

      Die amerikanische Komponistin Erica Muhl, Tochter von Edward Muhl-dem einstigen Chef der Universal- Studios- kennt-oder kannte- alle möglichen Musiker in Hollywood, welche sogar noch mit Korngold zu tun hatten.
      Und Sie hat mir bestätigt, daß niemand es weiß, wie Korngold die Fanfaren hinbekommen hat.
      Und daß die Studiomusiker regelmäßig außer sich waren, was er wieder ungemein schwieriges geschrieben hat.
      Das wurde ja normalerweise prima vista aufgenommen, und die Filmpartituren Korngolds waren und sind ziemlich schwierig.

      George Korngold hat mir das im übrigen schon in den 80er Jahren vor seinem viel zu frühen Tod erzählt.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Falls ich mich richtig erinnere hatte Korngold dann noch etwa zwei Wochen Zeit und hat deswegen ziemlich viel von seiner "Sursum Corda op.13" Musik übernommen.
      die damals aber dann schon ca 25 Jahre alt war, oder sehe ich das falsch?
      Interessante Zusammenhänge, lieber Michael!
      Über diese "Sursum Corda"-Ouvertüre finde ich ansonsten nicht viel....
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Ja, Michael, chronologisch kann das tatsächlich nicht hinkommen mit meiner Idee. Ich hatte Robin Hood viel später eingeordnet.

      Interessant ist das mit der Sursum-Corda-Ouverture, weil es ja unterstreicht, wie eng verknüpft, quasi untrennbar, Film- und Konzertschaffen ist. Stilistisch gesehen. Allerdings sind mir die Motive noch nie aufgefallen, wobei ich gestehen muss, dass ich sursum Corda weit weniger gerne und oft höre als die Schauspiel-Ouverture.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Ich habe mir damals die Partitur von Sursum Corda bei Schott in Mainz geliehen und habe alle möglichen Dirigenten damit belästigt.
      Bis die Partitur dann irgendwann weg war.
      Irgendjemand hat sie behalten, ich weiß auch wer.
      Schade. Mir hats gefallen, danke noch mal für den link oben.


      hast Du noch mehr Korngold-Sachen versucht, Dirigenten und Orchestern schmackhaft zu machen?
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Aber höre Dir doch mal Sursum Corda op.13 an.
      Du wirst Dich wundern.......
      Gleich mit dem Anfang dieses op.13 sind wir mittendrin in der Robin Hood-Musik.
      Ja, hast völlig Recht. Mein Gedächtnis hat mich da mal wieder genarrt.
      Übrigens gefällt mir die Ouverture jetzt viel besser als früher - wie es mir ja auch mit dem KlvK gegangen ist.
      Ich gehe jetzt das Cellokonzert an. ;)
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Struktur erkenne ich nämlich immer noch nur ansatzweise
      Wie schon mehrfach bei Korngold (Symphonie, Streichquartette) geht es mir beim Klavierkonzert auch wieder so, dass ich bei jedem Hören des Stückes mehr Feuer fange. Habe die letzten Tage die Hamelin-Aufnahme immer wieder mal gehört.

      Für mich ist das Werk formal eine Synthese aus Sonatensatz und Dreisätzer. Ausgehend vom Tracking bei Hyperion würde ich sagen, dass die ersten drei (also Tracks 4 - 6 auf der CD) dem ersten Satz bzw. der Exposition entsprechen mit drei unterschiedlichen thematischen Abschnitten, wobei das Material schon innerhalb der Abschnitte weiter entwickelt wird; dann kommt der langsamere Mittelteil (Tracks 7 - 9), der aber soweit ich das beim bloßen Hören beurteilen kann durchaus motivisch auf den ersten schnellen Abschnitt Bezug nimmt. Die Tracks 10 - 12 wären dann eine Reprise respektive der dritte Abschnitt, die drei thematischen Komplexe des Beginns werden wieder aufgenommen. Track 13 die zugegeben ziemlich extrovertierte Coda. Anfangs dachte ich, hier könnte auch so etwas wie eine verspätete Kadenz gemeint sein.

      Was meinen die Kenner?
    • Ein Laie, der das Werk bestimmt quantitativ im oberen zweistelligen Bereich gehört hat, sagt mal was:

      Ich kenne dieses Klavierkonzert ein paar Jahrzehnte und es hat mich immer und vom ersten Augenblick an fasziniert. Da war zunächst etwas Geheimnisvolles, Undurchdringliches, wohl auch Repetitives, eine Abfolge von Höhepunkten. Und dafür muss natürlich die exponiert raffinierte, ja exaltierte Harmonik herhalten.

      Ein nicht eben nur aufgrund dieser Hörhäufigkeit gegebenes intensiveres Verständnis habe ich erst seit wenigen Jahren mir angeeignet, eben da ich jetzt die Noten - Version für zwei Klaviere bei imslp - verfolgen kann. Aber selbstverständlich hat diese Musik eine klare Struktur. Braccio hat diese meines Erachtens sehr schön beschrieben - gut, ich kann jetzt nicht im Detail begründen. ob sie vollständig ist oder wo sie mit vielleicht noch zu modifizieren wäre, aber das Prinzip stimmt mit Sicherheit.

      Das Konzert hat nun keine Satzpausen, welcher Art auch immer, und es dauert fast eine halbe Stunde. Abgesehen davon, dass ich es mir auch eine Dreiviertelstunde mit Freude würde anhören können, erscheint einem diese halbe Stunde als um so kürzer, je genauer man hinhört oder eben auch die Noten mitliest.

      Weiter oben in diesem Thread beklagt sich sogar der Korngold-Fan Michael Schlechtriem über den angeblich breitgetretenen Schluss. Ich muss gestehen, dass ich Beethovens Fünfte diesbezüglich für bei Weitem breitgetretener erachte - Beethovens Fünfte, eine kaum je diskutierte Komposition für absolute Kenner. :P Wiederum lässt spätestens der Blick in die Korngold-Noten alles folgerichtig erscheinen.

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Braccio schrieb:

      Track 13 die zugegeben ziemlich extrovertierte Coda. Anfangs dachte ich, hier könnte auch so etwas wie eine verspätete Kadenz gemeint sein.
      Extrovertiert ist der ganze Korngold. :D Mir scheint, dass das Konzert mehrere kleine Kadenzen hat und man diese letzte auch so verstehen kann. Nur ist doch die Gesamtstruktur des Werks nicht so geartet, dass auf eine konventionell klassische bis spätromantische Kadenz hingearbeitet würde. Für mich ist das Jugendstil-Musik: üppig, floral, wuchernd, höchst dekorativ. Auch das hier im Forum kürzlich diskutierte Konzert von Joseph Marx, das ja auf der CD mit Hamelin außerdem enthalten ist, trägt wohl solche Züge. Nur kann Korngold, und das macht ihn zum größeren Musiker, das üppige, florale Element ganz in seiner komplexen Harmonik verstecken, das Wuchernde in einer nicht sofort klaren Form. Denn der objektive Duktus der Musik, die Instrumentation und der Klaversatz (linke Hand allein!), erscheinen ja - ganz im Gegensatz zu Marx - wirklich nicht intransparent oder überladen. Der Rausch dieser Musik ist mit dem von Marx vergleichbar und wird doch anders bewirkt.
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Jugendstil-Musik
      finde ich sehr treffend. Für mich persönlich ist trotzdem verblüffend, dass das Ding für mich nach einigen Hördurchgängen doch sehr klar gegliedert wirkt. Bei sagen wir mal Enescu, der beim ersten Hören seiner Symphonien vom Globaleindruck ähnlich geartet wirkt, geht mir das im Durchschnitt nicht so.

      Die drei Themenblöcke im Klavierkonzert bspw. sind ja doch sehr markant und unterschiedlich in ihrer Wirkung, Block I kantig-auftrumpfend, Block II sehnsüchtig, Block III optimistisch und stürmisch (oder so).

      Die Coda setzt nach meinem Empfinden der Extrovertiertheit schon noch eine Krone auf. Ich würde mich hier der Einschätzung Michael Schlechtriems anschließen, dass da ein Stück Ironie dabei sein könnte. Dass es aber noch ganz andere Kaliber dieser Richtung gibt - unbestritten. Das Finale von Tschaikowskys Winterträumen fällt mir da ein. Länger kann der abschied kaum dauern.
    • Braccio schrieb:

      Ich würde mich hier der Einschätzung Michael Schlechtriems anschließen, dass da ein Stück Ironie dabei sein könnte.
      Ironie schätze ich in der Kunst und bin auch immer bereit sie zu finden. ;) Der Filmkomponist Korngold wird wohl mit ihr umzugehen wissen; da kenne ich zu wenig. Ob sie zu seinem jugendlichen Überschwang passt, weiß ich nicht recht zu beurteilen. Eher sehe ich doch in der Jugenstilproduktion - etwa auch von einschlägiger Lyrik - die Gefahr des Umkippens in den Kitsch.

      Es freut mich, dass Du mir mit dem Begriff des Jugenstils folgen kannst.

      Ein sehr interessantes Feld, das wohl nicht so leicht zu taxieren ist. :)
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      jugendlichen Überschwang
      Meinst Du, Korngold war mit Ende 20 noch jugendlich überschwänglich? Der hat doch mit 12 schon erwachsen komponiert. Jedenfalls wirkt das KK bei aller nennen wir's ruhig Ornamentik und Theatralik im Einsatz dieser Mittel doch auch sehr kontrolliert und kalkuliert. Auf mich zumindest. Aber ich mag mich täuschen.
    • Braccio schrieb:

      andréjo schrieb:

      jugendlichen Überschwang
      Meinst Du, Korngold war mit Ende 20 noch jugendlich überschwänglich? Der hat doch mit 12 schon erwachsen komponiert. Jedenfalls wirkt das KK bei aller nennen wir's ruhig Ornamentik und Theatralik im Einsatz dieser Mittel doch auch sehr kontrolliert und kalkuliert. Auf mich zumindest. Aber ich mag mich täuschen.
      Du hast schon Recht! Wenn ich es so bedenke, will ich sagen, dass Korngolds Stil per se überschwänglich ist. Ansonsten war er ein Wunderkind, das seinesgleichen sucht, denn bereits die Sinfonietta des höchstens Fünfzehnjährigen ist durch und durch reif im Stil; nichts an dieser Komposition könnte mit einem anderen Komponisten verwechselt werden. Allenfalls das Klaviertrio op. 1 klingt noch nicht so unverwechselbar.

      :thumbup: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.