Nachbarockes Orgelspiel

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    • Nachbarockes Orgelspiel

      hierher aus einem Bachfaden kopiert:

      Mauerblümchen schrieb:


      Eusebius schrieb:

      Ohne es definitiv beweisen zu können, gehe ich aber davon aus, dass zumindest in der Orgelmusik Bach durchgehend präsent gewesen sein dürfte.
      Nein, leider nicht. Von wenigen Ausnahmen (C. Ph. E. Bach, Krebs) erfuhr das Orgelspiel nach J. S. Bach einen Niedergang.
      Bspw. wird der Gebrauch der Pedalklaviatur zur Ausnahme. Haydns Orgelkonzerte und Mozarts Kirchensonaten setzen kein Pedalspiel voraus. - Sogar C. Ph. E. Bach berichtete mal, dass er selbst in Hamburg seit vielen Jahren nicht mehr das Pedal verwende.

      Man muss davon, dass die Spieltechnik für die Triosonaten, die großen Präludien, Toccaten und Fugen oder etwa für KÜ III nicht mehr vorhanden war.

      Mendelssohn brachte sich das selbst bei.

      Es gibt eine schwache Linie über Adolph Friedrich Hesse, der seinerseits (auch) bei Kittel gelernt hat. Hesse hat dann Lemmens das Pedalspiel beigebracht. - Das war aber die Ausnahme.

      Bezeichnenderweise gibt es kaum "wesentliche" Orgelmusik aus der Wiener Klassik. (Die großen Mozart-Fantasien sind Transskriptionen von Musik für mechanische Orgel/Orgelwalze, die Sonaten von C. Ph. E. Bach und Schnizer sind rein manualiter.)

      Gruß
      MB

      :wink:

      bustopher schrieb:

      Mauerblümchen schrieb:

      die Sonaten von C. Ph. E. Bach und Schnizer sind rein manualiter
      Schnitzer: Das ist wahrscheinlich (ziemlich sicher) der Provenienz geschuldet: Viele Werke süddeutscher Organisten des 18. Jhs. sind manualiter ausführbar, weil viele süddeusche Orgeln im 18. Jh. kein Pedal besaßen. (Auch wenn es in Ottobeuren - bis zur Säkularisierung dem Wirkungsort Schnizers - große, prächtige Orgeln von K.J. Riepp gab/gibt)
      vielleicht gibt es Kenner der Materie, die dieses Thema etwas weiterführen möchten.

      Frgae wäre z.B.:

      In welchem Umfeld stehen Mendelssohns und Schumann Orgelkompositionen? Auch die Existenz des Pedalflügels für den Schumann bekanntl. Originalwerke komponiert hat, als Übeinstrument für Organisten.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • weiter aus demselben Bachfaden kopiert:

      bustopher schrieb:

      Nochmal Orgelmusik:
      Man könnte tatsächlich statuieren, daß das Interesse an Orgelmusik in Deutschland ab der Mitte des 18. Jh.s nachläßt. Das hat verschiedene Gründe, aber sicher nicht, daß Bach bereits alles gesagt hätte. Speziell im katholischen Teil wirken hier bereits die Versuche einer Kirchenmusikreform mit dem Ziel eines "schlanken" und weniger prunkhaften Gottesdienstes, ausgehend von der Enzyklika Annus qui von Benedikt XIV. 1749, die z.B. in den Habsburgischen Erblanden in die "Josephinischen Reformen" mündeten. In anderen Länder, Bayern etwa, oder auch Salzburg (Colloredo!) gab es vergleichbare Bestrebungen. Mit der Säkularisation 1803 fielen dann schlagartig die Kirchenmusikerstellen weg, für säkulare Komponisten gab es keine (finanziellen) Anreize (mehr), Orgelmusik zu schreiben. Ähnliche Gottesdienstverschlankungen finden wir in protestantischen Nordeutschland im Rahmen des Pietismus.
      Die Wiederbelebung des Orgelspiels im 19. Jh. geht parallel mit der Wiederentdeckung "alter" Musik und mit der Entdeckung der Orgel als symphonisches Instrument.
      In Ländern außerhalb des Deutschen Reiches war die Situation nicht die gleiche. Nur: deren Orgelmusik kennt hier niemand... Wenn heute jemand "Orgel" sagt, und jeder gleich "Bach" denkt, dann war das um 1800 keineswegs so, schon gar nicht ausserhalb Deutschlands. Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, daß von Bach vergleichsweise wenig gedruckt war. (Alte) Bachausgabe war erst sehr viel später!
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Mal eine kurze und spontane Liste von Komponisten, die in der 2. Hälfte des 18. Jhs und um 1800 für Orgel komponiert haben - ohne Anspruch auf Wichtung und Vollständigkeit. Die Franzosen fallen aber schon irgendwie auf..:

      Isaac-François Lefébure-Wely (der ganz besonders!), MichaelGotthard Fischer (der auch), William Herschel (dochdoch. Und nicht mal wenig), ChristianHeinrich Rinck, Francisco Xavier Baptista, Jean-Jacques Beauvarlet-Charpentier,Armand-Louis Couperin, Thomas Augustine Arne, Johann Christian Kittel, GuillaumeLasceux, Johann Georg Albrechtsberger, František Xaver Brixi, Samuel Wesley. Auch die Bachsöhne, WolfgangAmadeus Mozart und Johann Philipp Kirnbergerkann man nicht ganz vernachlässigen.

      Vieles ist bis 1803 auch noch im klösterlichen Umfeld entstanden, ist aber danach verlorengegangen (das meiste!), der Rest verstaubt in den Archiven. Manches wird jetzt vereinzelt publiziert (Schnizer etwa), aber das ist nur eine winzige Menge des (einstmals) vorhandenen. Und: eine große Rezeption des dort entstandenen hat niemals stattgefunden, da für den Tag komponiert - und Kirchenbesucher interessieren sich eher nicht dafür, was der Organist da zum Besten gibt. Decorum. Das Problem besteht daher (auch) darin, daß der Normalsterbliche, auch der normalsterbliche Klassikfreund über die Orgelmusik im allgemeinen relativ wenig Überblick hat (noch nie hatte). Bach kennt aber jeder, der sticht da voll raus. Davor und danach (und daneben) ist aberterra icognita und ausserhalb Deutschlands sowieso.
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • bustopher schrieb:

      ausserhalb Deutschlands
      hier eine ganz schön umfangreiche Liste (fast 300 Nummern) einer Reihe mit ital. Orgelmusik des 19. Jh. vom ital. Verlag "Armelin" L'ORGANO ITALIANO NELL'OTTOCENTO.

      Habe mal Hefte dieser Reihe in der Hand gehabt. Sieht ganz anders aus als "wir" so unter Orgelmusik verstehen:

      armelin.it/Collane/CollanaOIO.htm

      edit
      der Liste kann man zumindest entnehmen, daß es durchaus Komponisten mit besonderem Augenmerk auf die Orgel gab.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


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