Walldorff`s Kalenderblätter - Drittfassung

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    • 12.11.1840 - Geburtstag von Auguste Rodin

      ... Wenn man von der Plastik des Mittelalters zurücksah zur Antike und...in den Anfang unsagbarer Vergangenheiten, schien es da nicht, als verlangte die menschliche Seele immer wieder an lichten oder bangen Wendepunkten nach dieser Kunst, die mehr giebt als Wort und Bild, mehr als Gleichnis und Schein: nach dieser schlichten Dingwerdung ihrer Sehnsüchte oder Ängste? Zuletzt in der Renaissance gab es eine große plastische Kunst; damals als...man das Geheimnis der Gesichter fand und die große Gebärde, die im Wachsen war. Und jetzt? War nicht wieder eine Zeit gekommen, die nach diesem Ausdruck drängte...? Die Künste hatten sich irgendwie erneut, Eifer und Erwartung erfüllte und belebte sie; aber vielleicht sollte gerade diese Kunst, die Plastik, die noch in der Furcht einer großen Vergangenheit zögerte, berufen sein zu finden, wonach die andern tastend und sehnsüchtig suchten? ...

      Rodin vermaß sich nicht, Bäume machen zu wollen. Er fing mit dem Keim an, unter der Erde gleichsam. Und dieser Keim...verankerte sich, ehe er anfing einen kleinen Trieb nach oben zu tun. Das brauchte Zeit und Zeit. "Man muß sich nicht eilen", sagte Rodin den wenigen Freunden, die um ihn waren... Damals kam der Krieg, und Rodin ging nach Brüssel und arbeitete, wie der Tag es befahl. Er führte einige Figuren an Privathäusern aus und mehrere von den Gruppen auf dem Börsengebäude und schuf die vier großen Eckfiguren bei dem Denkmal des Bürgermeisters Loos im Parc d'Anvers. Das waren Aufträge, die er gewissenhaft ausführte, ohne seine wachsende Persönlichkeit zu Worte kommen zu lassen. Seine eigentliche Entwickelung ging nebenher, zusammengedrängt in die Pausen, in die Abendstunden..., und er mußte diese Teilung seiner Energie jahrelang ertragen...

      Schließlich war es diese Oberfläche (des menschlichen Körpers), auf die seine Forschung sich wandte. Sie bestand aus unendlich vielen Begegnungen des Lichtes mit dem Dinge, und es zeigte sich, daß jede dieser Begegnungen anders war und jede merkwürdig... In diesem Augenblick hatte Rodin das Grundelement seiner Kunst entdeckt... Von da ab war (die Fläche, diese verschieden große, verschieden betonte, genau bestimmte Fläche) der Stoff seiner Kunst, das, worum er sich mühte, wofür er wachte und litt. Seine Kunst baute sich nicht auf eine große Idee auf, sondern auf eine kleine gewissenhafte Verwirklichung, auf das Erreichbare, auf ein Können. Es war kein Hochmut in ihm...

      Er las zum ersten Male Dantes Divina Comedia. Es war eine Offenbarung. Er sah...das große und unvergeßliche Gericht eines Dichters über seine Zeit. Da waren Bilder, die ihm recht gaben, und wenn er von den weinenden Füßen Nikolaus des Dritten las, so wußte er schon, daß es weinende Füße gab, daß es ein Weinen gab, das überall war... Und von Dante kam er zu Baudelaire. Hier war kein Gericht, kein Dichter, der an der Hand eines Schattens zu den Himmeln stieg, ein Mensch, einer von den Leidenden hatte seine Stimme erhoben und hielt sie hoch über die Häupter der anderen empor... Und in diesen Versen gab es Stellen, die heraustraten aus der Schrift, die...geformt schienen, Worte und Gruppen von Worten, die geschmolzen waren in den heißen Händen des Dichters, Zeilen, die sich wie Reliefs anfühlten, und Sonette, die wie Säulen mit verworrenen Kapitalen die Last eines bangen Gedankens trugen. Er fühlte...in Baudelaire einen, der ihm vorangegangen war, einen, der sich nicht von den Gesichtern hatte beirren lassen und der nach den Leibern suchte, in denen das Leben größer war, grausamer und ruheloser. Seit jenen Tagen blieben diese beiden Dichter ihm immer nah, er dachte über sie hinaus und kehrte zu ihnen zurück... ((R. M. Rilke, "Einer jungen Bildhauerin ... Paris, im Dezember 1902"; zit. v. zeno.org))

      Wer ist noch unbefangen Formen gegenüber, die einen Namen haben? Wer wählt nicht schon aus, wenn er etwas Gesicht nennt? Der Schaffende aber hat nicht das Recht, zu wählen. Seine Arbeit muß von gleichmäßigem Gehorsam durchdrungen sein. Uneröffnet gleichsam wie Anvertrautes müssen die Formen durch seine Finger gehen, um rein und heil in seinem Werke zu sein. Und das sind die Formen in Rodin's Werk: rein und heil; ohne zu fragen hat er sie weitergegeben an seine Dinge, die wie nie berührt sind, wenn er sie verläßt. Licht und Schatten wird leiser über ihnen wie über ganz frischen Früchten und bewegter, wie vom Morgenwind darüber hingegführt. Hier muß von der Bewegung gesprochen werden; nicht in dem Sinne allerdings, in dem es oft und vorwurfsvoll geschah; denn die Bewegtheit der Gebärden, die in dieser Skulptur viel bemerkt worden ist, geht innerhalb der Dinge vor sich, gleichsam als ein innerer Kreislauf, und stört niemals ihre Ruhe und die Stabilität ihrer Architektur. Es wäre auch keine Neuerung gewesen, Bewegtheit in die Plastik einzuführen. Neu ist die Art von Bewegung, zu der das Licht gezwungen wird durch die eigentümliche Beschaffenheit dieser Oberflächen... ....

      Diese Zeichnungen aus den letzten zehn Jahren...enthalten das Endgültigste einer langen ununterbrochenen Erfahrung... Niemals sind Linien, auch in den seltensten japanischen Blätter nicht, von solcher Ausdrucksfähigkeit gewesen und zugleich so absichtslos... Und doch, was ist hier nicht? Welches Halten oder Loslassen oder Nicht-mehr-Haltenkönnen, welches Neigen und Strecken und Zusammenziehen, welches Fallen oder Fliegen sah oder ahnte man je, das hier nicht wieder vorkommt? ... Da sind Gestalten, die aufsteigen, und dieses Aufsteigen ist so hinreißend, wie nur ein Morgen es sein kann, wenn die Sonne ihn auseinanderdrängt. Und da sind leichte, sich rasch entfernende Gestalten, die, indem sie fortgehn, einen mit Bestürzung erfüllen, als könnte man sie nicht entbehren. Das sind Liegende, um die herum Schlaf entsteht und geballte Träume; und Träge, ganz schwer von Trägheit... Man begreift, wie viel vom Neigen einer Blume auch noch in dieser sich Neigenden ist, und daß alles das Welt ist, auch noch diese Figur, die, wie ein Sternbild im Tierkreis, für immer entrückt ist und festgehalten in ihrer leidenschaftlichen Vereinsamung... ((R. M Rilke, aus einem Vortrag v. 1907; zit. v. gutenberg.spiegel.de))

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    • 14.11.1831 - Todestag von Georg Wilhelm Friedrich Hegel

      => Joh. Ed. Erdmann (1805/1892) in "Allg. Dt. Biographie. Bd. 11, Duncker & Humblot: Leipzig 1880" =>

      ... Die Carlsschule...schloß grundsätzlich, was zur theologischen Vorbildung gehört, aus, und so blieb für den, schon früh zum geistlichen Stande bestimmten Sohn (eines herzoglich würtembergischhen Beamten mittleren Ranges) nur das Stuttgarter Gymnasium, welches noch den Vortheil bot, daß der Gymnasiast unter steter väterlicher Aufsicht blieb. Verband sich nun damit, daß bei der Nähe des strengen Herrschers der beaufsichtende Vater selbst als unter strenger Aufsicht stehender Beamter erschien, so ist es begreiflich, daß sich in dem Knaben schon in früher Jugend...der Respect vor allem, was da ist und gilt..., entwickelt... Das Tagebuch, welches...sich erhalten hat, zeigt deswegen fast nur Auszüge aus Gelesenem, notirte Aeußerungen dieses oder jenes Lehrers... Weil er nur wiederholt, was er...als klug und weise preisen hört, erscheint er uns...als das, als was ihn sein späterer...grollender Widersacher, Schelling bezeichnet, als personificirte Prosa... Der Schuleinrichtung gemäß...trat das Griechische zurück, das Latein aber so in den Vordergrund, daß sogar die Urtheile über...die deutsch gehaltenen Vorträge in lateinischer Sprache abgegeben wurden... Ganz vernachlässigt wurde das Griechische nicht... Aus dem siebzehnten Jahre haben sich Präparationen zum Euripides erhalten. Erst die Bekanntschaft mit Sophokles aber möchte...den Enthusiasmus für Hellas entzündet haben, der später, als H. sich enge mit Hölderlin verband, natürlich sich noch steigerte...

      1788 verließ der Achtzehnjährige mit einem...glänzenden()Schulzeugniß das Gymnasium und bezog die Universität Tübingen, wo er als herzoglicher Stipendarius in das theologische Stift aufgenommen wurde... Jetzt war einer hineingeschneit, der...nicht in Gemeinschaft, sondern für sich...mit der Feder in der Hand arbeitete. Was Wunder, wenn die Studiengenossen ihn nicht verstanden.... Und in der That, in seiner Beschäftigung mit der Wissenschaft ist er wie ein alter Mann, der...bedächtig, was noch nicht fertig, keinem mittheilt als dem verschwiegenen Schreibtisch, der es weiß, daß in der Unterhaltung...wol geistreiche EInfälle zu Tage gefördert werden, die Wahrheit aber nur in der mitternächtigen Einsamkeit...gewonnen wird... Er war nichts weniger als ein verschlossener ungemüthlicher Geselle...

      Die fünf in Tübingen verbrachten Jahre (sind) in den allerverschiedensten Beziehungen für H. von epochemachender Bedeutung gewesen... Wo hätte (einer, dem die Achtung vor aller Autorität im Blute lag, dessen klare Verständigkeit durch Aufklärungsideen aller Art genährt war,) bessere Anleitung finden können als bei (jenen), welche davon durchdrungen waren, es sei ihnen gelungen die Angriffe gegen die KIrchenlehre mit den Waffen der gegenwärtigen Philosophie siegreich widerlegt zu haben. Der gegenwärtigen Philosophie, unter welcher jene Männer...eine Verschmelzung (der vorkantischen Popularphilosophie) mit kantischen Ideen (verstanden), die es ihnen möglich machte auf kritischem Fundamente ein Gebäude des Dogmatismus zu erbauen, das mit der KIrchenlehre übereinzustimmen schien. Die Unhaltbarkeit dieses Gebäudes, die...Schelling in seinen Briefen über Dogmatismus und Kriticismus so schlagend nachgewiesen hat, wurde frühe auch von (H.) empfunden, und dem ehrlichen Manne mußte der Gedanke immer peinlicher werden, daß nur rabulistische ** Künste eine Lehre, die er einst zu verkündigen bestimmt war, mit Vernunft und Wissenschaft zu einem Scheinfrieden bringen könnten... ((** Als Rabulist wird...jmd. bezeichnet, der "in spitzfindiger, kleinlicher, rechthaberischer Weise argumentiert und dabei oft den wahren Sachverhalt verdreht". / zit. v. wikipedia.org))

      Die Nähe Frankreichs...machten die revolutionären Bewegungen im Nachbarlande zu einem Interesse des eignen. Auch H. begeisterte sich für dieselben. Vielleicht durch Schelling angeregt... In dem von Achtung gegen die Staatsmacht genährten Geiste des Beamtensohnes (mußte dies) einen inneren Kampf hervorrufen, der nicht minder peinlich war, als der zwischen seiner Philosophie und seinem künftigen Seelsorgerberuf. Aus dem letzten Conflict schien herauszuhelfen die durch das Studium Lessing's...angeregte Unterscheidung von Kopf und Herz, vermöge welcher die Religion zu einer, von keinem Verstandeseinwande berührbaren, Gemüthssache gemacht wurde, zu erlebter Liebe, welche der Geistliche zu erwecken und zu steigern habe, wenn nöthig auch durch Spiele der Phantasie... Anders...rettet sich im politischen Gebiete der zum Revolutionär gewordene loyale Unterthan aus diesem Zwiespalt... Die Schönheit (des Griechenthums), die in der Durchdringung der sinnlichen Wirklichkeit mit der idealen Wahrheit besteht, diese erkannte er nun auch in dem hellenischen Staate, der darum ein schönes Kunstwerk ist, weil der Einzelne seine Freiheit nur darein setzt, das Ganze zu erhalten und zu fördern... Die ästhetische Befriedigung, welche die Vertiefung in das hellenische Staatsleben gewährt, läßt den empfundenen inneren Zwiespalt wenn nicht lösen, so doch vergessen...

      (Es stand) also bei H. fest, daß die von der Vernunft zu rechtfertigende >also Vernunft-< Religion das Leben in der Liebe sei. Daß alles Uebrige, was die von ihm einst zu verkündigende positive Religion lehrt, unwesentliche Zuthat sei, das kann ihn auf die Länge nicht beruhigen...: wie erklären sich gerade diese Zuthaten, und...: Wie ist aus der Vernunftreligion die positive geworden? Zur Beantwortung dieser Frage muß auf den allerersten Zustand der christlichen Religion zurückgegangen werden, also auf Jesus und seine Lehre und, da beide nicht außer...den damaligen Culturverhältnissen zu begreifen sind, auf diese... ... Die vollendete Schönheit, weil das seinem Ideale entsprechende Menschenthum(, zeigt sich im Griechenthum.) Seinen Gegensatz bildet das bornirte Judenthum, die verkörperte Häßlichkeit. Indem sich Jesus zu diesem in den entschiedensten Gegensatz stellt..., erscheint er, gerade wie das Griechenthum, als die verkörperte Schönheit und Menschlichkeit. Freilich ein Unterschied bleibt: in Jesu hat die vollendete Menschlichkeit nur individuelles Dasein, wer daran partizipiren will, muß ihn in sich aufleben lassen, wie das die älteren Mystiker...mit Recht hervorheben. Dagegen hat sich das Griechenthum zu...Staat, Kunst, Wissenschaft entfaltet. Darum ist auch der Verfall dieser Entfaltungen ein Beweis, daß die Wurzel verdorrt ist..

      Neben den Untersuchungen über...Jesu hat sich H. während seines Aufenthaltes in der Schweiz (,der seinen Tübinger Studienjahren unmittelbar folgte,) besonders mit...den Einrichtungen verschiedener Staaten beschäftigt... Das Resultat dieser Studien war, daß allmählich...zum Gegenstande seiner Betrachtung das wurde, was der Vergangenheit enthoben ist..., die Idee des Staates... Die frühe Liebe zum Alterthum (hatte Eines) zu einem feststehenden Axiom gemacht, daß der Staat, dem Kunstwerk und dem Organismus gleich, ein Ganzes sei, welches den Theilen, sie bedingend, vorausgeht, und daß eben deswegen der Einzelne im Staate und durch den Staate das wird, was er ist, nicht aber nach Rousseau's Ansicht der Staat von den Einzelnen gemacht wird...

      Eine...Hauslehrerstelle in Frankfurt a. M....versetzte ihn in das Herz Deutschlands... Hier (vermochte er) mit einem, durch dreijährige Abwesenheit unbefangener und schärfer gewordenen, Blick den Zustand seines Vaterlandes...wahrzunehmen. Es war darum erklärlich, daß sich...seine Studien für's Erste von dem religiösen Gebiete ab-, dem politischen zuwandten. Wieder ward das preußische Landrecht vorgenommen, ganz besonders aber...Kant's Rechts- und Tugendlehre studirt, welcher schon jetzt H. dies entgegenstellte, daß die scharfe Trennung des Legalen und Moralischen es unmöglich mache, das >sittliche< "Leben", wie es namentlich im Staate sich kund thut, zu begreifen... ....

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    • 16.11.1724 - Der (auch als "Ausbrecherkönig") bekannte englische Räuber John Shepherd wird in London hingerichtet

      ...dass es...gewisse Bezüge gibt zwischen diesem und der Figur des "Macheath" in John Gays - vier Jahre später uraufgeführter - Beggar's Opera, scheint mir zumindest ein "sehr hartnäckiges Gerücht" :) Hier - zitiert aus der Erstausgabe ("The Beggar's Opera...Written by Mr. G A Y ... The OUVERTURE and BASSES Compos'd by Dr. PEPUSCH ... J o h n W a t t s, at the Printing-Office in Wild-Court...L O N D O N : M DCC XXIX") - einige wenige Sätze aus der "Introduction" sowie °° der siebten u. achten Szene des ersten resp. °°° der neunten Szene des zweiten Aktes.....

      Beggar If Poverty be a title to Poetry, I am sure nobody can dispute mine. I own myself of the company of Beggars; and I make one at their weekly festival at **St. Giles's. I have a small yearly Salary for my Catches, and am welcome to a dinner whenever I please, which is more than most Poets can say...

      This piece I own was originally writ for the celebrating the marriage of James Chanter and Moll Lay, two most excellent ballad-singers. I have introduc'd the Smilies that are in all your celebrated Operas: The Swallow, the Moth, the Bee, the Ship, the Flower etc. Besides, I have a prison Scene, which the ladies always reckon charmingly pathetic... I hope I may be forgiven, that I have not made my Opera throughout unnatural, like those in vogue; for I have no Recitative: excepting this, as I have censented to have neither Prologue nor Epilogue, it must be allow'd an Opera in all it forms...

      °° Peach You know, Polly, I am not against you toying and trifling with a customer in the way of business, or to get out a secret, or so. But if I find out that you have play'd the fool and are married, you jade you, I'll cut you throat, hussy...

      Married! The Captain is a bold man, and will risque any thing for money; to be sure he believes her a fortune. Do you think your mother and I should have liv'd comfortably so long together, if ever we had been married? Bagage! Mrs. Peach I knew she was always a proud slut; and now the wench hath play'd the fool and married, because forsooth she would do like the Gentry. Can you support the expence of a husband, hussy, in gaming, drinking and whoring? have you money enough to carry on the daily quarrels of man and wife about we shall squander most? There are not many husbands and wives, who can bear the charges of plaguing one another in a handsome way. If you must be married, could you introduce no-body into our family but a highway man?...

      AIR VIII. Polly Can Love be controul'd by advice? / Will Cupid our Mothers obey? / Though my heart were as frozen as Ice, / At his flame't would have melted away. // When he kist me so closely he prest, / 'T was so sweet that I must have comply'd: / So I thought it both safest and best / To marry, for fear you should chide.

      Mrs. Peach Then all the hopes of our family are gone for ever and ever! Peach And Macheath may hang his father and mother-in-law, in hope to get into their daughter's fortune. Polly I did not marry him >as 'tis the fashion< cooly and deliberately for honour or money. But I love him. Mrs. Peach Love him! worse and worse! I thought the girl had been better bred...

      °°° AIR XXVIII. Lucy How cruel are the trayters, / Who lye and swear in jest, / To cheat ungarded creatures / Of virtue, fame and rest! // Who ever steals a schilling, / Thro' shame the guilt conceals: / In love the perjur'd villain / With boasts the theft reveals.

      Mach The very first opportunity, my dear >have but patience<, you shall be my wife in whatever manner you please. Lucy Insinuating monster! And so you think I know nothing of the affair of Miss Polly Peachum. -- -- I could tear thy eyes out! Mach Sure Lucy, you can't be such a fool as to be jealous of Polly! Lucy Are you not married to her, you brute, you? Mach Married! Very good. The wench gives it out only to vex thee, and to ruin me in thy good opinion. ' Tis true, I go to the house; I chat with the girl, I kiss her, I say a thousand things to her >as all gentleman do< that mean nothing, to divert my self; and now the silly jade hath set it about that I am married to her...

      To convince you of my sincerty, if we can find the Ordinary, I shall have no scruples of making you my wife; and I know the consequence of having two at a time. Lucy That you are only to be hang'd, and so get rid of them both. Mach I am ready, my dear Lucy, to give you satisfaction -- -- if you think there is any in marriage. -- -- What can a man of honour say more? Lucy So then it seems, you are not married to Miss Polly. Mach You know, Lucy, the girl is prodigiously conceited. No man can say a civil to her, but >like other fine ladies< her vanity makes her think he's her own for ever and ever.

      AIR XXIX. The first time at the looking glass / The mother sets her daughter, / The Image strikes the smiling lass / With self-love ever after. // Each time she looks, she, fonder grown, / Thinks e'vry charm grows stronger: / But allas, vain maid, all eyes but your own / Can see you are not younger.

      When women consider their own beauties, they are all alike unreasonable in their demands; for they except their lovers should like them as long as they like themselves...

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    • 19.11.1825 - Todestag von Jan Vaclav Vorisek

      => Const.v.Wurzbach in 'Biograph. Lexik. d. Kaiserthums Oesterreich. 58. Theil. K.-K. Hof-u. Staatsdruckerei: Wien 1889' =>

      Im Alter von fünf Jahren...spielte er bereits in einem Quartett von Pleyel die erste Violine, womit er seinen Vater...zu Thränen rührte... (Dieser) setzte ausschließlich das Clavierspiel fort, worauf nach einiger Zeit die Orgel an die Reihe kam. Dabei wurden die verschiedenen Lehrgegenstände nicht vernachlässigt, weil die Musik als Lebensberuf ausgeschlossen war... In den Ferienmonaten aber nahm in der Vater (, Schullehrer und Organist in Wamberg,) auf seine...Kunstreisen, die zu Fuß gemacht wurden, mit, theils um dem Knaben Gelegenheit zur Ausbildung in seiner Kunst zu verschaffen, theils um durch (deren) Erträgniß eine kleine Zubuße zur Erhaltung und Erziehung seiner Familie zu gewinnen... Als ** Worzischek zehn Jahre zählte, gewann der Vater die Ueberzeugung, daß der Sohn daheim kaum mehr etwas erlernen werde, und er brachte ihn daher nach Prag... .... ((lt. Tamino-Schmidt - mit Beitrag v. 18.06.16 - hat er mit ** dieser Buchstabenfolge in der Tat unterschrieben!))

      Im Punkte der Composition (blieb dieser) auf sich selbst und auf das Studium...musicalischer Classiker und der vorzüglichsten Lehrbücher angewiesen. Den größten Nutzen zog er...aus den Fugen und Präludien des großen Bach, deren Durchspielen er immer wieder vornahm, so daß er dieselben später ganz aus dem Gedächtniß vorzutragen im Stande war... Als er anläßlich eines Wohlthätigkeitsconcertes...eine ganz neue große Sonate von Dussek mit aller Meisterschaft spielte, erstaunte man nicht nur über das junge...große Talent, sondern auch das Tonstück fand solchen Beifall, daß...in Kürze die ganze Auflage desselben vergriffen wurde. Noch lebte er in Prag in ziemlich kümmerlichen Verhältnissen, bis ihm 1813 der Professor...Zizius...kennen lernte. (Dieser)...entdeckte sofort in Worzischek den elementaren Genius...und forderte den Künstler auf, nach Wien zu kommen...

      Worzischek erkannte wohl die Wahrheit dieses Rathes, und ohne die Schwierigkeiten zu bedenken, die sich...ihm entgegenstellen würden, begab er sich 1813...nach Wien... (Er) verlor nicht den Muth und arbeitete...unentwegt an seiner künstlerischen Ausbildung. Als ihm dann Gelegenheit geboten ward, Moscheles, Meyerbeer und Hummel zu hören und sie persönlich kennen zu lernen..., bestärkte ihn (dies) in seinem Vorhaben, sich ausschließlich der Musik zu widmen. Sein Vorbild aber wurde Hummel..., dem er...mit so glücklichem Erfolge nachstrebte, daß dieser Meister ihn...als seinen Stellvertreter erwählte und ihm, als er Wien verließ, seine sämmtlichen Clavierlectionen übertrug... (Worzischek war) nun Gelegenheit geboten, in...musicalischen Veranstaltungen öffentlich aufzutreten... Außer Moscheles hatte er (in Wien) keinen Nebenbuhler... Beide in ihrer Spielweise gänzlich verschieden, konnten, ohne Einer den Anderen zu beeinträchtigen, sehr gut nebeneinander bestehen... Wenn Moscheles durch sein feines, höchst brillantes Spiel unsern W. übertraf, so war ihm...dieser im freien Phantasiren (und) im Fugenspiele...weit überlegen...

      es ist nicht bekannt, was ihn seinem ehemeligen Entschlusse, die Musik als Beruf zu wählen, abtrünnig machte. Kurz, er beendete...die rechtswissenschaftlichen Studien und legte...1822...als Conceptspracticant den Eid ab. In diesem Verhältnisse trat er dem bekannten...Kunstfreunde Hofrath Kiesewetter...näher... Da (dieser)...häufig Privatconcerte veranstaltete, in welchen besonders "alte Musik" mit...Verständniß gepflegt wurde, vertrat Worzischek dabei sie Stelle des Capellmeisters... Bis an sein Lebensende()war er an diesen Kunstübungen thätig..., wodurch eben das Interesse für dergleichen...von Jahr zu Jahr wuchs...

      Auf Kiesewetter's Vorschlag wurde Worzischek 1818...erster Orchesterdirector des österreichischen Musikvereines... Als...1822 der zweite Hoforganist...mit Tode abging und der Concours zur Wiederbesetzung dieser Stelle ausgeschrieben wurde, unterzog sich auch Worzischek demselben und leistete...so Gediegenes, daß die zur Beurtheilung versammelte Comission, ((u. a.)) bestehend aus...den beiden Hofcapellmeistern Eybler und Salieri und dem Componisten Abbe Vogler, einstimmig ihre Bewunderung aussprachen und der Künstler...1823()das Decret als zweiter k. k. Hoforganist erhielt. Nachdem er darauf die erbetene Enthebung aus dem Staatsdienste erhalten hatte, widmete er sich mit allem Eifer seiner neuen Beschäftigung...

      Lange dauerte sein Siechthum, während dessen er seine erste Messe für die k. k. Hofcapelle wohl vollendete, aber ihre Aufführung nicht mehr erlebte. Endlich erlag er...seinem Leiden im Alter von erst 34 Jahren, hinweggerafft aus einer Thätigkeit, deren Glanz erst begonnen hatte... Von gefälligem Aeußern..., hatte er sich in seinem Benehmen eine Weise angeeignet, die in Verbindung mit seiner wissenschaftlichen Bildung und seinen...Musikkenntnissen ihn zum Lieblinge nicht nur seiner mitstrebenden Kunstgenossen, sondern auch der feinen Gesellschaft machte, in die er gern gezogen wurde. Er hatte vieles vor anderen Kunstgenossen voraus, die meist eben nur an ihrer Kunst Genüge finden...

      Ist es einfaches Uebersehen oder ein Symptom, daß man diese dem deutschen Süden angehörende Kraft im Norden nicht völlig würdigt, indem man Worzischek's Namen in Riemann's "Musik-Lexikon"... vergebens sucht, worin doch so viele norddeutsche musicalische dii minorum gentium vorkommen?

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    • 21.11.1694 - Geburtstag von Francois-Marie Arouet Voltaire

      Die - mal als Erzählung, mal als Novelle bezeichnete - Satire Candide ou l'optimisme erschien 1759 und dürfte, listete man Voltires c. 700 Texte chronologisch auf, etwa die Nr. 200 tragen. Candide besteht aus 29 (teils sehr kurzen) Kapiteln und einer längeren "Schlußszene"... Hier einige (stark gekürzte) Passagen aus den Kapiteln zehn bis dreizehn - - -

      >>Leonard Bernstein überarbeitete seine gleichn. Operette zweimal; die UA der "Final Revised Version" erfolgte 1988 - - - <<

      Kunegunde >schluchzend< Alle meine Dublonen und Diamanten sind fort...wovon wollen wir nun leben? Wo Inquisitoren und Juden finden, die mir andre geben? Die Alte Was ich...denke, der ehrwürdige Pater Graurock, der mit uns...sein Nachtquartier hatte, hat sie heißen mitgehn; er kam zweimal zu uns in die Stube und war schon lang' über alle Berge, eh' wir an die Abreise dachten. Kandide Der wackre Panglos hat mir oft bewiesen, daß alle Güter hienieden gemeinschaftlich sind, Hinz daran so gut Anteil hat als Kunz. Vermöge dieser Grundsätze hätte uns jener Barfüßermönch wenigstens so viel Geld lassen sollen, um unsre Reise bestreiten zu können. Haben Sie denn gar nichts behalten, gnädige Baroneß? Kunegunde Keinen Maravedi! Kandide Was nun tun? Die Alte Ein Pferd verkaufen, das ist kein andrer Rat... >In eben dem Wirtshause befand sich ein Benediktinerprior, der kaufte ihnen das Pferd um einen Pappenstiel ab. Kandide, Kunegunde und die Alte nahmen ihren Weg...nach Cadix. Hier ward eine Flotte ausgerüstet...<

      Kandide Wir kommen nun in eine andre Welt, und unstreitig ist diese die beste. Denn man muß gestehn, man hat wohl Ursach, über den...moralischen Zustand unsrer Welt ein wenig zu seufzen... Kunegunde Ich kann mich gar nicht beruhigen, denn ich habe...schon so gräßliches Elend ausgestanden, daß kein Strahl der Hoffnung mehr in meine Seele sich hineinstiehlt. Die Alte Was das für ein Getue, für ein Geklage ist! Wären Sie an meiner Stelle gewesen, Sie sollten auf einem gar andern Loche pfeifen. Ich kann noch ein Liedchen von Unglücksfällen singen... Mein Auge war nicht immer so verzerrt..., meine Nase stieß nicht immer ans Kinn, auch bin ich nicht immer Magd gewesen.

      Mein Vater war Papst Urban der Zehnte, und die Fürstin von Palestrina meine Mutter. Bis ins vierzehnte Jahr wurd' ich in einem Palaste erzogen, wogegen die Schlösser Eurer westfälischen Barone kar klägliche Figur machen... Mein Busen wölbte sich bereits. Es war ein Busen, der an Weiße und Festigkeit und Rundung dem Busen der Mediceischen Venus glich! Das Aug, wie zaubrisch! die Wimpern, wie meisterhaft! die Augenbrauen rabenschwarz!... Meine Kammerfrauen, wenn sie mich auszogen und mich so von vorn und hinten beschauen konnten, waren wie ins Paradies verzückt; alle Mannspersonen wünschten sich an ihre Stelle. Ich ward mit dem regierenden Fürsten von Massa Carrara versprochen. Ein gar süßer, herrlicher Junge...und völlig so dichtrisch schön gebildet wie ich!... Ich stand am Ziele meines Glücks, als eine...ehemalige Buhlschaft meines Prinzen()ihn zur Schokolade bitten ließ. Er starb in weniger denn zwei Stunden an den schrecklichsten Zuckungen. Kleinigkeit gegen meine übrigen Unglücksfälle!

      Dieser Tod brachte meine Mutter ganz außer sich, obwohl er sie lange nicht so heftig angriff wie mich. SIe wollte sich eine Zeitlang von so einem unangenehmen Aufenthalt losreißen. Wie fuhren nach Gaetta, wo sie ein sehr schönes Landgut hatte; unser Schiff war eine päpstliche Galeere, so stark vergoldet als der St.-Peter-Altar zu Rom. Nicht lange, so stürzte ein Saleescher Korsar auf uns zu, enterte... Ich habe nie flinkre Kammerdiener gesehn als diese Herrren Seeräuber. Doch nahm mich dies nicht so wunder, als daß sie uns insgesamt einen Ort durchfingerten, dem wir Weiber uns gemeiniglich nur mit der Klistierspritze zu nahe kommen lassen... Ich erfuhr bald, zu was Ende dies geschahe; sie wollten wissen, ob wir nicht daselbst einige Diamanten versteckt hätten. Das ist uralte Sitte bei allen gebildeten Völkerschaften, die auf der See umhertreiben. Machen's doch die Herren Malteserritter nicht besser..., und sind Geistliche...

      Sie müssen noch wissen, bei Verlust des Kopfs darf ich mich in den Landen meines verstorbnen Vaters nicht wieder sehn lassen. Sein Nachfolger...hat nicht nur alle unsre Güter eingezogen, sondern auch bei Landesverweisung verboten, meiner in Gesellschaft zu erwähnen. Durch ihn, teils bestochen, teils durch niedrige Schmeichelei bewogen, haben verschiedne Geschichtsschreiber nicht nur meinen Vater aus der Liste der Päpste weggelassen, sondern auch...meine und meiner Mutter Existenz glatt weggeleugnet. Urteilen Sie nun selbst, wer von uns beiden das Mehrste erlitten hat, und gleichwohl hätt' ich Ihnen nie meine Unglücksfälle erzählt, wenn Sie mich nicht durch Ihre bittern Klagen dazu aufgefordert hätten, und wenn's nicht im Schiff, so gut wie auf der Landkutsche Mode wäre, der lieben Langeweile halber Historien zu erzählen. Machen Sie sich 'mal das Vergnügen, gnädige Baroneß, und nötigen Sie jeden aus unsrer Reisegesellschaft, seinen Lebenslauf zu erzählen; ich behaupte..., daß kein einziger darunter ist, der nicht sein Dasein verflucht, sich oft selbst gesagt hat, daß er der unglücklichste unter allen Menschen sei... ....

      Nunmehr begegnete die schöne Kunegunde der Alten mit all' der Achtung, die einer Dame von ihrem Rang und Verdiensten gebührte. Sie nahm ihren Vorschlag an und beredete ihre Reisegefährten, nach der Reihe ihre Begebenheiten zu erzählen. Kandide und sie mußten gestehn, daß die Alte recht hatte...

      Über die Erzählungen lange man, eh man sich's versahe, in Buenos Aires an... (Der dasige Statthalter, Don Fernando d'Ibara y Figueora y Mascarenes y Lampourdos y Souza,) war so hochfahrend, als es ein so vielbetitelter Mann sein mußte; ...trug seine Nase so hoch hinaus in die Lüfte, erhub seine Stimme so posaunenmäßig, hatte...solchen Pfauengang, daß jedem, der ihm seine Aufwartung machte, der Gelust ankam, ihn derb durchzuprügeln; die Frauenzimmer liebt' er aufs heftigste; Kunegunde deuchte ihm das schönste, reizende Geschöpf, das er je gesehn. Seine erste Frage war, ob sie ((Kandides)) Frau sei. Das fragte er mit...einer Miene, daß Kandide ganz zu Boden geschlagen wurde. Für seine Frau mocht' er sie nicht ausgeben, weil sie's noch nicht war, für seine Schwester auch nicht, denn das war sie noch weniger; er war zu sehr Teutscher, um sich dieser Notlüge zu bedienen, die...noch heutigen Tages gute Dienste leisten konnte. Deshalb sagte er grad heraus: die Baroneß Kunegunde wird mich mit ihrer Hand beehren, und wir ersuchen Ihro Exzellenz untertänigst, die hohe Gnade für uns zu haben und unsre Hochzeit auszurichten.

      Don Fernando d'Ibara y Figueora y Mascarenes y Lampourdos y Souza strich hohnlächelnd seinen Zwickelbart und befahl dem Hauptmann Kandide, seine Kompanie zu mustern. Kandide gehorchte und ließ den Statthalter bei Baroneß Kunegunden allein. Dieser erklärte ihr nunmehr seine Brunst und beteuerte ihr, er wolle ihr morgen im Angesicht der Kirche seine Hand reichen; wolle sie ihn aber mit ihrer außerehlichen Liebe beglücken, so woll' er sich auch da nach ihr richten. Kunegunde bat sich eine Viertelstunde von ihm aus, um sich sammeln, die Alte um Rat fragen und sich entschließen zu können. Die Alte sagte zu ihr: Sie haben zweiundsiebenzig Ahnen und keinen roten Heller, können jetzt die Gemahlin des angesehnsten und stattlichsten Zwickelbarts in ganz Südamerika werden. Was wollen Sie sich da bedenken... .... ((dt. v. Wilh.Christh.Mylius; 1753/1827))

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    • 26.11.1857 - Todestag von Joseph von Eichendorff

      Seine (in seinem Todesjahr erstmals erschienene) Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands enthält in zwei Teilen und auf c. 300 Seiten (mit dem Nibelungen-Epos beginnende) literaturgeschichtliche Betrachtungen und Wertungen aus konsequent katholischer Sicht: das liest sich doch um einiges anregender, als es der Kalendermann, vor Jahrzehnten aus der Kirche ausgetreten, eigentlich geargwöhnt hat...

      Teil Zwei ("Die neuere Romantik") beleuchtet - beginnend mit Aug.Wilh.Schlegel, endend mit Adelbert v. Chamisso - insg. zwanzig verschiedene Autoren, elf davon (darunter Brentano und Kleist) in Einzelbetrachtungen.....

      Brentano ist bekanntlich nun schon seit mehreren Jahren tot; die Leute haben...ihn kaum vermißt. Das wird niemanden sonderlich befremden, der das Verhältnis der Dichter zu den Leuten kennt. Goethe war lange Zeit unbekannt, ja verhöhnt, während Kotzebue und Lafontaine florierten; Arnim stand verlegen auf dem Bücherbrett >und steht unseres Wissens noch ruhig dort<, während sie sich in den Leihbibliotheken um Fouque rissen...

      Seine Schwester Bettina schreib ihm einmal: "Meine Seele...springt herum nach einer inneren Tanzmusik... Alle schreien, ich soll ruhig werden, und Du auch, aber vor Tanzlust hört meine Seele nicht auf Euch... Das gelob ich vor Dir, daß nicht mich will zügeln lassen, ich will auf das Etwas vertrauen, das so jubelt in mir, denn am End ist's nichts anderes als das Gefühl der Eigenmacht, man nennt das eine schlechte Seite, die Eigenmacht. Es ist ja aber auch Eigenmacht, daß man lebt." - Wir jedoch...möchten...diesen Veitstanz des freiheitstrunkenen Subjekts()kuzweg das Dämonische nennen, womit eine unerhört verschwenderische Fee beide Geschwister...fast völlig gleich bedacht hatte...

      Die eigentümliche Bedeutung Brentanos (liegt eben darin,) daß er das Dämonische in ihm nicht etwa...beschönigend als geniale Tugend nahm oder künstlerisch zu vergeistigen suchte, sondern beständig wie ein heidnisches Fatum gehaßt hat...; daß er ferner...als ein geborner Dichter (diesen Kampf) sprunghaft, nach...augenblicklicher Eingebung und mit wechselndem Glück...geführt hat mit allen spiegelblanken Zauberwaffen der Poesie, mit Klang und Witz und einer zweischneidigen Ironie, die sich selbst am wenigsten verschonte. Daher auch bei ihm...das Aphoristische, Improvisierte in seinem Leben..., jenes chamäleontische, aber immer prächtige Farbenspiel, womit uns seine Erscheinung oft in Erstaunen setzt... Fast erschrocken sagt daher seine Freundin Günderode von ihm: "Es kömmt mir oft vor, als hätte er viele Seelen; wenn ich nun anfange, einer dieser Seelen gut zu sein, da geht sie fort und eine andere tritt an ihre Stelle, die ich...überrascht anstarre..."

      ...Brentano (galt) den meisten als...ein innerer Widerspruch, ja manchen als ein scheinheiliger, unredlicher Faselant... Er selbst hat diese bornierte Ungerechtigkeit...schmerzlich gefühlt und äußert einmal darüber: "Es ist entsetzlicher, von gemeinen Menschen für genialisch, als für einen Narren gehalten zu werden." Nur Goethes Mutter..., die sich selten irremachen ließ, hatte prophetisch schon zu dem Knaben Clemens gesagt: "Dein Reich ist...nicht von dieser Erde, und so oft es sich mit derselben berührt, wird's Tränen regnen."

      .... Am siegreichsten aber vielleicht zeigt sich die höhere Versöhnung jener dichterischen Doppelnatur Brentanos in seinen hinterlassenen Märchen. Hier ist es...zunächst wieder das ursprünglich Dämonische, das uns übermächtig entgegentritt, in dem fast magischen Naturgefühl, in dem beständigen Wetterleuchten des Witzes, der wie eine unabwendbare Naturgewalt über Freund und Feind ergeht, in einer ganz entfesselten Phantasie... Da blicken wir gleich in dem ersten, herrlichen Märchen vom Rhein und dem Müller Radlauf, wie bei Erschaffung der Welt, in den wundersamen Haushalt der Elementargeister, und was die Natur geheimnisvoll schafft, sprosset und ahnt, sehen wir in Sehnsucht, Zorn und Liebe da unten geschäftig: Wald- und Hauskobolde, Flußgötter, Nymphen, Echo und die Lurelei mit ihren sieben Jungfrauen... Aber alle diese an sich heidnischen und untereinander feindlichen Kräfte sind zu heiterer, harmloser Schönheit bewältigt durch...eben jenes religiöse Grundgefühl, das...wie der unsichtbare Hauch eines Sonntagsmorgens das Ganze durchweht und von einem Unterschiede zwischen dem Diesseits und Jenseits nichts mehr weiß... ....

      Hüte jeder das wilde Tier in seiner Brust, daß es nicht plötzlich ausbricht und ihn selbst zerreißt! Denn das war Kleists Unglück und schwergebüßte Schuld, daß er diese, keinem Dichter fremde dämonische Gewalt nicht bändigen konnte oder wollte... So steigert sich in seiner besten Erzählung "Michael Kohlhaas" mit melancholischer Virtuosität, ja mit einer eigensinnigen Konsequenz, die fast an Shylocks bekannten Prozeß erinnert, das gekränkte, tiefe Rechtsgefühl eines einfachen Roßkamms bis zum wahnsinnigen Fanatismus... Oder wo gibt es in unserer ganzen poetischen Literatur etwas Verzweiflungsvolleres als die kleine, fast epigrammatisch-grausenhafte Erzählung vom "Bettelweibe von Locarno"? Auch in der meisterhaften Novelle "Die Verlobung in St. Domingo" - wo die herrliche Toni von ihrem Geliebten...aus eifersüchtigem Mißverständnis erschossen wird - spielt...eine grausame Wollust des menschlichen Jammers. Und in seiner einzigen Novelle religiösen Inhalts, "Die heilige Cäcilie", schlägt die Gewalt des religiösen Gefühls trostlos nur in spukhaften Wahnsinn aus...

      So sehen wir denn bei Kleist...die Lineamente zur modernen Poesie der Zerissenheit, der Phantasterei und des Hasses sich leise formieren. Aber seine Zerrissenheit ist nichts Gemachtes, sein eigenstes Erlebnis und Unglück, und hat daher noch die Frische der primitiven Unmittelbarkeit. Sein Schmerz und sein Groll sind wahr und wohlbegründet, er trauert...um die höchsten Güter des irdischen Lebens: um Vaterland, Recht und Ehre. Ein strenger Ernst macht seine Dichtungen zu wirklichen Taten, ein Ernst, von dem wir selbst noch lernen sollten in dieser Zeit, wo zwar keine Schwerter klirren wie dazumal, aber ein innerer Krieg geschäftig...den heiligen Boden Deutschlands unterwühlt. Und wenn jener Ernst bei Kleist häufig so trostlos...in das Entsetzliche umschlägt, ja oft zu einer antiken, heidnischen Tugend erstarrt, so ist es nur..., weil ihm die höchste Kraft fehlt, das unsichtbare Banner der Poesie kühngläubig über die irdischen Dinge auf jene Höhe zu pflanzen, wo alles versöhnt wird. Wer aber möchte dem edlen unglücklichen Dichter sein tiefstes Mitgefühl versagen, wenn aus den nachstehenden Klängen seines "Letzten Liedes"...alle Schauer seines freiwilligen Todes uns anwehen...

      Und stärker rauscht der Sänger in die Saiten, / Der Töne ganze Macht lockt er hervor, / Er singt die Lust, fürs Vaterland zu streiten, / Und machtlos schlägt sein Ruf an jedes Ohr, / Und wie er flatternd das Panier der Zeiten / Sich näher pflanzen sieht, von Tor zu Tor, / Schließt er sein Lied; er wünscht, mit ihm zu enden, / Und legt die Leier tränend aus den Händen."

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    • 27.11.1895 - Todestag von Alexandre Dumas der Jüngere

      => Ed.Schmidt-Weißenfels >1833/1893< in "Die Gartenlaube", Jahrg. 1864, Heft 26 =>

      Der berühmte Sohn des berühmten Vaters, der ihn witzig gering sein "bestes Werk" nannte, war...nicht ganz dem Urheber seiner Tage ähnlich, sowohl im Aueßern wie im Charakter. Dumas, der Vater, mit seinem Mulattengesicht, macht den Eindruck eines theatralischen Künstlers, der Jedermann zu zeigen sucht, daß er...ein berühmter Mann ist; sein Sohn erscheint...mit einem gewinnenden Zug des Natürlichen, ja mit einem Anhauch des Ernsten, fast Sinnenden, der bei dem Autor von Werken über die genußsüchtige Pariser Gesellschaft wohl etwas Ueberraschendes hat...

      Seine Mutter war eine Nähmamsell, die Dumas, der Vater, noch als unberühmter Secretair des Herzogs von Orleans liebte und erst ein Dutzend Jahre nach der Geburt des zweiten Alexanders zur Frau nahm. Im Uebrigen war der alte Dumas kein grausamer Vater. Er machte wohl später bei seinem Sohne Schulden, die er aus angeborner Höflichkeit nicht bezahlte; aber er sorgte doch auch dafür, daß er erzogen ward. Das Kind...nahm zu an Körper wie an Geist, während der Herr Papa inzwischen ein Literaturlöwe geworden war und seinen Namen als unverwüstliches Capital angelegt hatte. So etwas merkte sein Sohn...und forderte eines schönen Tages den Namen von seinem Vater. "Ah, Du Galgenstrick! Nun, so nimm ihn Dir -'s ist ein Capital, aber sprechen wir nicht mehr darüber." Und der Junge war klug genug, mit dem Capital "Dumas" früh zu arbeiten...

      Bald ((nach 1844)) erschien von ihm ein zweiter Roman, endlich..."Die Cameliendame", welche ihn schnell...zum Abgott der Region (machte), in welcher die Cameliendamen den Zauber ihrer Herrschaft verbreiteten. Es war ein offenes Geheimniß, daß die...er in dem Romane verherrlicht, seine Geliebte Marie Duplessis war, und der Ehrgeiz mochte ihre Colleginnen antreiben, in gleicher Art...dem jungen, liebenswürdigen Dumas zum Modell für ein anderes Werk seines Ruhmes zu stehen. Auch war der junge Dumas in dieser Hinsicht nicht minder galant als sein Vater; er...machte mehrere davon zu Heldinnen seiner Romane..., von denen (aber) nur wenige ein so großes Glück machten, wie die Cameliendame, dies moderne Seitenstück zu dem berühmten Roman "Manon Lescaut" von Abbe Prevost.

      Da begegnete ihm...ein alter Praktikus, Monsieur Beraud. "Aber sagen Sie mir doch, mein bester Alexander, warum machen Sie aus ihren Romanen keine Theaterstücke?... Sceniren Sie die Marguerite Gautier, die Cameliendame."...Ein paar Wochen später war die Arbeit gemacht..., und das Theatre du Gymnase in Paris gedachte das Stück aufzuführen. Da aber kommt das Unglück in Form eines Polizeidecrets, wie so oft, und verbietet die Aufführung... Die kaiserliche Censur fand...die "Cameliendame" zu unmoralisch...

      Leon Faucher (, der damalige Minister des Innern,) sagte aber...bald darauf dem Ministerium Adieu, und Herr von Moury bezog es. Herr von Moury, der durch seine Mutter einige Verwandtschaft mit der Demi-Monde hat und als Mitbegründer des Kaiserrreichs ein weiteres Gewissen und eine bessere Kenntniß seiner Moral, las höchselbst das verbotene Stück..., amüsirte sich darüber und gestattete die Aufführung. (Diese) erntete einen solchen Triumph, daß sie...dem größten Theil der Literatur des Kaiserrerichs Napoleon's III. den Namen gab. Das Stück...illustrirte die Sitten (der Pariser Gesellschaft) in so pikanter und trefflicher Art, daß Jedermann fühlte, diese dramatischen Photographien füllten eine sehr wesentliche Lücke des modernen Geschmacks an der Bühne aus... ....

      Dumas Sohn ist durch seine Demi-Monde-Stücke in Deutschland...bekannter (geworden) als hundert deutsche Schriftsteller, welche auch ihr Publicum zu amüsiren wissen. Seine Stücke haben eine Zeitlang auf den Repertoirs vieler deutscher Theater nicht fehlen dürfen, und wir finden dies sehr erklärlich. Außerhalb des Standpunktes der blos sinnlichen Genußsucht ist man nicht zweifelhaft darüber, daß es mit der französischen dramatischen Literatur heutzutage nicht besser bestellt ist, als mit der unsrigen, über deren Verfall die Kritiker gewohnter Weise jammern, ohne zu bedenken, daß unsere Zeit aller Poesie und Idealität entschieden feind ist. Die Zeitung ist heute Alles geworden; die Politik erstickt die schöne Literatur...; diese Zeit ist keine wesentlich literarische.

      Und in Frankreich noch viel weniger. Unter dem zweiten Kaiserreich ist die Literatur, welche Licht, Luft und Wärme braucht, demselben Fluch verfallen, wie unter dem eisernen Despotenregiment Napoleon's I. Sie ist...von künstlicher Art. Aber eins hat sie gegen die unsrige in allen Fällen immer voraus: sie weiß Gesellschaftzustände zu schildern, nicht allein mit virtuoser Geschicklichkeit, sondern auch erfüllt von dem Geist, der die "Gesellschaft" beherrscht. Der Deutsche kann dies nicht. Wir haben in Deutschland wohl Gesellschaften ebenso wie Nationen, aber keine Gesellschaft und keine Nation als etwas Einheitliches. Paris jedoch ist Frankreich, und der französische Autor braucht nur in den Spiegel des Pariser Lebens zu blicken, und er sieht die moderne Gesellschaft in der vollen Concentrirung all' ihrer Gebrechen...

      Die Gesellschaft des zweiten Kaiserreichs spreizt sich im Glanz der Demoralisation, wohin sie der Mangel an Freiheit und natürlicher Entfaltung getrieben. Börse und Demi-Monde, die Welt des Scheins, des glänzenden Lasters, sind daher die zwei Hauptthemen gewesen, mit denen die neueren französischen Schriftsteller so viel Glück gemacht! Ponsard und Augier, Feydau und Oktave Feuillet, Murger und Alexander Dumas, der Sohn - sammt und sonders geschickte Photographen... - was können sie dafür, daß sie das Original nicht anders finden, als es ist...

      zit. v. wikisource.org
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    • 28.11.1983 - In Paris wird Olivier Messiaens einziges Bühnenwerk, die Oper Saint Francois d'Assise uraufgeführt

      => aus "H.Thode >1857/1920<: Franz von Assisi u. die Anfänge d. Kunst d. Renaissance in Italien. Zweite...Auflage. G.Grote'sche Verlagsbuchhandlung: Berlin 1904" =>

      Indem er das religiöse Leben neugestaltete, vertiefte und erwärmte, (hat Franz von Assisi) den weitesten EInfluß zugleich auf die Kultur im Allgemeinen, auf Dichtung und Kunst im Besonderen gewonnen. Er selbst ist ein Dichter und Künstler gewesen, seine Auffassung der christlichen Religion war eine dichterische und künstlerische... Franz von Assisi hat das bis dahin unter geistiger Bevormundung gehaltene individuelle Gefühl erlöst und ihm für alle Zeiten die selbstständige Berechtigung erworben! Das hieß so viel als eine geistige Befreiung des Volkes in sozialer, wie in religiöser Beziehung. Das Christentum des Franz predigte Beides zu derselben Zeit: die Gleichheit des Menschen vor Gott und das direkte persönliche Verhältniß jedes einzelnen Menschen zum Schöpfer...

      Die Ideen persönlicher Freiheit durften fortan sich ungestraft ihres Bestehens erfreuen und konnten sich, innerhalb der kirchlichen Grenzen erhalten, in gesunder Weise entwickeln, da sie nicht durch Opposition zu Ausschreitungen verführt wurden, wie es bei den Sekten in Frankreich und Norditalien der Fall gewesen war. Der dritte Stand erhielt damit die Bedingungen einer kräftigen und normalen Existenz. Die Religion der Franziskaner fand, richtig erfaßt als Religion des Bürgerthumes, eine dankbare Aufnahme in den Städten. Der neue Orden schob sich zwischen den Klerus und das Mönchthum der Benediktiner ein, wie das Bürgerthum zwischen den Adel und die Landbevölkerung. Hand in Hand sind die Bürger und Bettelmönche mit einander groß geworden. Durch sie beide auch die Kunst! Was der Mönch predigte, gestaltete der Bürger... So entwickelte sich die innigste Wechselbeziehung zwischen der Predigt und der Kunst. Dazu kommt dann ferner, daß dem weitgreifenden Bedürfniß der Bettelorden nach großen Kirchen und Klöstern und deren Ausschmückung die Mittel entgegenkamen, die sich im Besitze der täglich reicher werdenden Bürgerschaft angesammelt hatten. Aus den Händen der Mönche, die in der Predigt eine alle Zeit in Anspruch nehmende Thätigkeit gefunden haben, geht die Kunstausübung in die der Laien über und wird zum Gewerbe. So wächst aus den Beziehungen der Mönche zu den Bürgern der moderne Künstler hervor.

      (Franz) hat die Religion mit der Natur versöhnt... Die Liebe füllte den Abgrund aus, der unübersteigbar zwischen Gott und der Welt zu gähnen schien. Wie stark noch war der Gegensatz in den Liedern der geistlichen und der weltlichen Sänger des XII. Jahrhunderts empfunden worden! Die irdische Minne, welche als schönsten Schmuck die Freude an der Natur trug, war mit den göttlichen Fluche der Sündhaftigkeit beladen und erschien dem Verehrer der Gottesminne ein Gräuel. Da kam der Dichter, der in der irdischen Liebe nur den Abglanz der göttlichen, der in allem Vergänglichen nur ein Gleichniß des Ewigen, der, eins sich fühlend mit Allem was lebt und webt, in der Schöpfung den harmonischen Ausdruck und das Bild Gottes erkannte. Die alte Tageshelle der antiken Kultur ging von Neuem auf, aber unter den Strahlen einer wärmeren Sonne, der...Einen alles umfassenden göttlichen Liebe...

      Bis auf die Zeiten des Franz war über dem Gott Christus der Mensch Christus kaum verstanden worden, jetzt trat der Mensch Christus in den Vordergrund... Jetzt erst konnte die christliche Kunst sich zur Freiheit erheben, da sie nur ein Ideal aus dem menschlich Natürlichen herauszubilden brauchte, um das Göttliche zu versinnbildlichen. Indem Franz die verachtete...Natur in ihre Rechte als Vermittlerin zwischen Gott und Mensch wieder einsetzte, hat er dem christlichen Künstler die einzig ächte Lehrerin gewiesen. Indem er die Geheimnisse des christlichen Glaubens in den natürlichen Vorgängen von Christi irdischem Lebenswandel veranschaulicht sah, hat er den alten Stoff der christlichen Legende als einen gleichsam ganz neuen der Kunst zugeführt...

      Das ungebildete Volk, an das sich die Franziskaner zumeist wendeten(, verlangte Bilder), die Bilder prägten sich einfach und treu ihrem Gedächtnisse ein, und als so erst einmal Christus als leiblicher Bruder der Vertraute...jedes Einzelnen geworden war, da konnte, ja mußte auch der Künstler ihn als solchen in der erhabenen Einfalt menschlicher Natürlichkeit schildern. Da malte dann Giotto seine lebensfrischen, ungezwungenen Fresken in der Arena zu Padua - kurz, entstand die Kunst der Renaissance!

      Denn die Renaissance oder besser gesagt die neue christliche Kunst beginnt im XIII. Jahrhundert - damals schon machen sichen sich ihre wesentlichen Grundzüge in Toscana geltend! Von Giotto bis Raphael vollzieht sich eine einheitliche Entwicklung, der eine einheitliche Weltanschauung und Religionsauffassung zu Grunde liegt. Eine gothische Kunst, die bis 1400 reichte, absondern zu wollen von der mit 1400 beginnenden Renaissance, wie es in den Lehrbüchern der Kunstgeschichte noch meist geschieht, heißt den Organismus des Ganzen verkennen. Man mag die gothischen Bauten von Toscana...im Zusammenhange mit der nordisch-gothischen Architektur betrachten - für Malerei aber und Plastik darf man nicht die spätmittelalterliche Kunstübung von derjenigen der Renaissance abgrenzen und unterscheiden... ....

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    • wes.walldorff schrieb:

      aus "H.Thode >1857/1920<: Franz von Assisi u. die Anfänge d. Kunst d. Renaissance in Italien. Zweite...Auflage. G.Grote'sche Verlagsbuchhandlung: Berlin 1904"
      ...die Kunst, komplexeste gegenseitige gesellschaftliche und kulturelle Abhängigkeiten als monokausale unidirektionale Beziehung darzustellen...
      ok: zeittypisch. Mit der selben Plausibilität könnte man auch die Erfindung des Räderpfluges, die Erweiterung des geistigen Horizontes durch den Kontakt mit dem Orient in den Kreuzzügen, die Erfindung der Universität oder die Pest von 1346 als Grund und Ursache aller weiteren Entwicklung behaupten. Oder noch ein paar andere.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • <= laxx gesagt sind da diesem Herrn Thode vor lauter Verehrung die Gäule durchgegangen :)

      >>Sätze über den assisischen Franzl waren auch gar nicht vorgesehen: eigtl. freute ich mich über die Gelegenheit, ausgiebiger aus dem zweiten (od. dritten?) Sonnengesang zitieren zu können, bis ich gegen 22h realisierte, dass wohl nur der (vergleichsweise sehr kurze!) erste Sonnengesang zweifelsfrei von ihm selbst verfasst ist; um auf den Beitrag noch gänzlich zu verzichten, juckte es mir allerdings zu sehr in den Fingern..........<<

      <= <= nun denn, eine - vergleichsweise - harmlos und durchaus-nicht-unsympathisch verunglückte Laudatio, will ich mal behaupten...
      ((lassen wir's denn stehn, wa ;) ))

      :wink:
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    • 30.11.1900 - Todestag von Oscar Wilde

      Sein (äußerst "ausgeschmücktes" - hier nur ein sehr kleiner Ausschnitt!) Kunstmärchen The Birthday of the Infanta erschien erstmals 1891. Franz Schreker komponiert 1905 seine gleichn. "Suite für Kammerorchester", Alexander Zemlinkys Einakter "Der Zwerg" wird 1922 in Köln unter Otto Klemperer uraufgeführt . . .

      ...Die kleine Prinzessin...spielte Versteck hinter den Steinvasen und den alten, moosbewachsenen Statuen. An gewöhnlichen Tagen durfte sie nur mit ebenbürtigen Kindern spielen, daher mußte sie immer allein spielen, aber ihr Geburtstag war eine Ausnahme... Es lag eine prächtige Anmut in diesen schlanken spanischen Kindern, wenn sie dahinflogen, die Knaben mit großen Federn auf den Hüten und mit kurzen, flatternden Mänteln, die Mädchen, die die Schleppen ihrer langen Brokatgewänder festhielten und mit riesigen, schwarzsilbrigen Fächern ihre Augen vor der Sonne schützten. Aber die Infantin war die anmutigste von allen... Ihr Kleid war von grauer Seide, der Rock und die breit gepufften Ärmel schwer mit Silber bestickt, und der starre Schnürleib mit Reihen echter Perlen besetzt. Zwei winzige Pantoffeln mit großen roten Rosetten lugten unter ihrem Kleid hervor, wenn sie ging. Rötlich und perlfarben war ihr Florfächer, und in ihrem Haar...trug sie eine weiße Rose...

      Der lustigste Teil von der ganzen Morgenvorführung war zweifellos das Tanzen des kleinen Zwerges. Als er...in die Arena stolperte und mit seinen ungestalteten, riesigen Kopf hin und her wackelte, da brachen die Kinder in ein lautes Lachen des Entzückens aus, und die Infantin selbst lachte so sehr, daß die Hofmeisterin sie daran erinnern mußte, daß zwar schon oft eine spanische Königstochter vor ihresgleichen geweint, sich aber noch nie eine Prinzessin von königlichem Blut in Gegenwart von unter ihr Stehenden so lustig gemacht habe. Der Zwerg aber war wirklich ganz unwiderstehlich, und selbst am spanischen Hof, der doch immer wegen seiner ausgeprägten Leidenschaft für das Schreckliche bekannt gewesen ist, war noch nie ein so phantastisches kleines Ungetüm gesehen worden. Es war übrigens sein erstes Auftreten. Erst den Tag vorher hatten zwei von den Edelleuten...ihn entdeckt und als Überraschung für die Infantin mit nach dem Palaste genommen. Sein Vater, der ein armer Köhler war, schien nur zu erfreut zu sein, ein so häßliches und nutzloses Kind loszuwerden... Was die Infantin anging, so bezauberte sie ihn ganz und gar. Er konnte seine Augen nicht von ihr abwenden und schien nur für sie allein zu tanzen. Beim Schluß der Vorführung erinnerte sie sich, wie die großen Damen des Hofes dem berühmten italienischen Sopran Caffarelli...Buketts zugeworfen hatten, und sie nahm die schöne weiße Rose aus ihrem Haar, und halb zum Spaß, halb um die Hofmeisterin zu ärgern, warf sie sie mit ihrem süßesten Lächeln in die Arena. Er aber...drückte die Blume an seine groben, dicken Lippen, er legte die Hand auf sein Herz und sank auf ein Knie vor ihr..

      Als er hörte, daß er noch einmal und auf ihren besonderen Befehl vor der Infantin tanzen sollte, war (der kleine Zwerg) so stolz, daß er in den Garten hinauslief und die weiße Rose in einem lächerlichen Überschwang von Freuden küßte, wobei er mit...plumpen Bewegungen seinem Entzücken Ausdruck gab.

      Die Blumen aber wurden ganz unwillig, weil er es wagte, ihr schönes Reich zu betreten, und als sie sahen, wie er die Wege hinauf und hinabhüpfte und auf so lächerliche Art seine Arme über seinem Kopf schwang, konnten sie ihre Gefühle nicht länger zurückhalten. "Er ist wirklich viel zu häßlich, als daß man ihm erlauben dürfte, auf einem Platz zu spielen, wo wir sind," riefen die Tulpen. "Er sollte Mohnsaft trinken und auf tausend Jahre schlafen gehn," sagten die großen roten Lilien, und sie kochten förmlich vor Wut. "Er ist einfach ein Greuel!" schrie der Kaktus... "Wenn er mir zu nahe kommt, werde ich ihn mit meinen Stacheln stechen."... Selbst die roten Geranien, die sonst kein stolzes Gebahren zeigten, da sie wußten, daß sie selbst eine ganze Menge armer Verwandten hatten, drehten sich verächtlich empor, wie sie ihn sahen, und als die Veilchen bescheiden bemerkten, er sei zwar sehr unansehnlich, aber er könne das doch nicht ändern, da entgegneten sie mit vielem Recht, das wäre gerade sein Hauptfehler... Und wirklich fühlten auch einige Veilchen selbst, daß die Häßlichkeit des Zwerges etwas direkt Prahlerisches an sich habe...

      Aber die Vögel liebten ihn irgendwie. Sie hatten ihn oft im Wald gesehen, wo er wie ein Kobold den wirbelnden Blättern nachsprang oder in der Höhlung eines alten Eichbaums emporkletterte und seine Nüsse mit den Eichhörnchen teilte. SIe machten sich durchaus nichts daraus, daß er häßlich war. Ja, sogar die Nachtigall selbst, die des Nachts so schön in den Orangenhainen sang, daß sich sogar der Mond manchmal hinablehnte, um zu lauschen, ließ sich herbei, trotzdem nach ihm zu sehen. Er war ja auch zu ihnen allen gütig gewesen, und in jenem schrecklichen Winter, als es keine Beeren auf den Bäumen gab, als der Boden hart wie Eisen war, und die Wölfe bis vor die Stadttore kamen, um nach Futter zu suchen, da hatte er sie nicht ein einziges Mal vergessen und ihnen immer die Krümel von seinem kleinen Stück schwarzen Brotes gegeben...

      Der kleine Zwerg aber war so vergnügt, daß er ihnen die schöne weiße Rose zeigen mußte und ihnen erzählte, die Infantin selbst habe sie ihm gegeben, weil sie ihn liebte. Sie verstanden nicht ein einziges Wort von dem, was er sagte, aber das machte nichts aus, denn sie legten ihre Köpfchen auf die Seite und machten kluge Augen... ....

      Der ganze Palast schien zu schlafen, und selbst wo die Läden nicht geschlossen waren, hatte man schwere Vorhänge über die Fenster gezogen, um die Sonnenglut abzuhalten. Er wanderte ringsherum, einen EIngang zu finden, und sah zuletzt eine kleine Nebentüre, die offen stand. Er schlich hinein und befand sich in einem prächtigen Saal, der leider viel prächtiger war als der Wald. Überall war viel mehr Vergoldung, und selbst der Boden war von großen farbigen Steinen gemacht, die irgendein geometrisches Muster darstellten. Aber die kleine Infantin war nicht da, nur einige wundervolle weiße Statuen schauten von ihren Jasminpostamenten auf ihn herab mit traurigen, leeren Augen und seltsam lächelnden Lippen... .... ((dt. v. Wilh.Cremer; 1874/1932))

      zit. v. gutenberg.spiegel.de ... aus: O. W. Märchen. Verl. Neufeld & Henius: Berlin 1922
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      Aki Kaurismäki
    • 08.12.65 v. Chr. - Geburtstag von Quintus Horatius Flaccus, gen. Horaz

      Lob des Landlebens Der Mann ist selig, der von Weltgeschäften fern, / Dem Urgeschlecht der Menschen gleich, / Das väterliche Feld mit eignen Stieren pflügt,
      Von allem Wucherwesen frei. / Nicht weckt zur Schlacht ihn der Drommete grauser Ton, / Nicht graut ihm vor des Meeres Zorn.
      Auch meidet er den Markt und übermächtiger / Mitbürger stolzer Schwellen gern, / Dafür vermählt mit hohen Pappebäumen er
      Der Reb' erstarkte Sprößlinge; / Und schneidet mit der Hipp' unnütze Aeste durch, / Und propfet edlere Reiser drauf...

      Ihm behagt's zu liegen, jetzt von alter Eich' umwölbt, / Jetzt auf dem schwellenden Rasenbett, / Indessen rinnen Bäch' in hohen Ufern fort,
      Die Vögel klagen im Gehölz, / Und Quellen rauschen darein mit sanfthinrieselnder Fluth, / Und zaubern leichten Schlaf herbey.

      Doch wenn die Winterszeit des Donnergottes Zeus / Platzregen bringt und Flockenschnee
      Drängt dort und dort er mit vielen Hunden brausende / Waldschwein' in's vorgeworfne Netz.
      Bald spannt er maschige Garn' auf glatten Gabeln aus / Gefräß'gen Drosseln zum Betrug,
      Und den scheuen Hasen, und der Zögling Kranich auch / Erhascht die Schling' als süßen Raub.
      Wer wird nicht allen Kummer, den die Liebe nährt, / Vergessen unter solcher Lust!

      Wenn dann ein sittsam Weib auch ihres Theils das Haus, / Und süßer Kinder Wohl besorgt...
      Und trocknes Holz umher auf heil`gem Heerde häuft, / Zur Wiederkehr des müden Manns,
      Und in geflochtne Hürden schließt das munt're Vieh, / Und die gespannten Euter melkt,
      Und heurigen Wein dem süßerhaltnen Faß entzapft, / Und unerkaufte Kost ihm bringt:
      Dann reizten mich Lukrineraustern nicht so sehr, / Meerbutten auch, und Brassen nicht,
      Wenn auf eoischen Wellen donnernd ein Orkan / An unsern Meerstrand sie verschlug,
      Kein Afrervogel sänk' in meinen Magen dann, / Kein Haselhuhn aus Ionien
      Schmackhafter mir, als die Olivenfrucht, gepflückt / Vom fettesten Gezweige des Baums,
      Als Ampfer, der die Wiesen liebt, und Malvenkost, / Ein heilsam Kraut dem kranken Leib... ((dt. v. Chr.Ludw.Neuffler >1769/1839<; zit. v. wikisource.org))

      Der Zudringliche Durch die heilige Straß' einst wandert' ich meinem Gebrauch nach / Sinnend, ich weiß nicht was für Kleinigkeit gänzlich vertieft drin.
      Plötzlich heran kommt einer, bekannt mir bloß nach dem Namen, / Und mir die Hand anfassend: "Wie geht's, mein trautester Schatz doch?" -
      "Leidlich genug, wie es kann:" ist die Antwort; "geh' es erwünscht dir! / Als er sich fest anhängte: "Begehrst du was" frag' ich ihn hastig.
      "Deine Bekanntschaft:" sagt er; "Gelehrsamkeit treiben wir." - "Desto / Schätzbarer mir!" antwort' ich und quäle mich, suchend die Ausflucht.

      Bald nun geh ich voraus, bald bleib' ich stehen, ins Ohr dann / Flüster' ich leise dem Diener ein Wort, indes mir der Angstschweiß
      Rinnt zu den Fersen hinab. "Wohl dir, Bolanus, mit deinem / Tollkopf!" sagt' ich geheim, da der andere, was ihm nur einfiel,
      Plapperte, jedes Quartier, ja die Stadt durch lobte. Nachdem ich / Nichts antwortete: "Armer, wie gern mir entschlüpfest du!" sagt er.
      "Längst schon merk' ich es; aber umsonst; ich halte dich fest, ich / Folge Dir! Weiter wohin nur gehest du?" - "O mit dem Umweg
      Sei du verschont. Ich besuche da jemand, den du nichr kennest: / Jenseits des Tiberis fern krankt der, bei den Gärten des Cäsar" -
      "Ich bin ohne Geschäft und ein Rüstiger; laß mich denn mitgehn." / Mutlos senk' ich das Ohr, wie ein übellauniges Es'lein,
      Wann zu schwer ihm den Rücken die Last drückt...

      Hier war einmal Einrede gegönnt mir: "Lebt dir die Mutter?
      Oder ein Sipp, den vergnügt dein Wohlsein?" - "Keiner ist übrig. / Alle sie bracht' ich zur Ruh." - "O die Seligen! Jetzo bin ich noch.
      Kurz nur davon! Denn es naht mein Trauergeschick, das mir Knaben / Einst nach geschütteltem Topf die sabellische Alte geweissagt;
      Den wird weder Vergiftung noch Schwert hinraffen des Feindes, / Lahmendes Zipperlein nicht, noch Schmerz in der Seite, noch Schwindsucht:
      Ihn wird ein Plauderer einst mit Geschwätz aufreiben. Vor Schwätzern / Nehm' er sich klüglich in acht, wann reifere Jahr' er erreicht hat!" ...
      ((dt. v. Joh.Heinr.Voß >1751/1826<; zit. v. gutenberg.spiegel.de))
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      10.12.1830 - Geburtstag von Emily Dickinson

      The Bee / Like trains of cars on tracks of plush / I hear the level bee: / A jar across the flower goes, / Their velvet mansonry

      Withstands until the sweet assault / Their chivalry consumes, / While he, victorious, tilts away / To vanquish other blooms.

      His feet are shod with gauze, / His helmet is of gold; / His breast, a single onyx / With chrysoprase, inlaid.

      His labor is a chant, / His idleness a tune; / Oh, for a bee's experience / Of clovers and of noon!

      Heart We Will forget him, / You and I, tonight! / You must forget the warmth he gave, / I will forget the light.
      When you have done pray tell me, / Then I, my thoughts, will dim. / Haste! 'lest while you're lagging / I may remember him!

      The Grass so little has to do, -- / A sphere of simple green, / With only butterflies to brood, / And bees to entertain,

      And stir all day to pretty tunes / The breezes fetch along, / And hold the sunshine in its lap / And bow to everything;

      And thread the dews all night, like pearls, / And make itself so fine, -- / A duchess were too common / For such a noticing.

      And even when it dies, to pass / In odors so divine, / As slowly spices gone to sleep, / Or amulets of pine.

      And then to dwell in sovereign barns, / And dream the days away, -- / The grass so little has to do, / I wish I were the hay!

      zit. v. poetseers.org

      Safe in their alabaster chambers, / Untouched by morning and untouched by noon,
      Sleep the meek members of the resurrection, / Rafter of satin, and roof of stone.

      Light laughs the breeze in her castle of sunshine; / Babbles the bee in a stolid ear;
      Pipe the sweet birds in ignorant cadences, -- / Ah, what sagacity perished here!

      Grand go the years in the crescent above them; / Worlds scoop their arcs, and firmament row,
      Diadems drop and Doges surrender, / Soundless as dots on a disk of snow.

      The wind tapped like a tired man, / And like a host, "Come in," / I boldly answered; entered then / My residence within

      A rapid, footless guest, / To offer whom a chair / Where as impossible as hand / A sofa to the air.

      No bone had he to bind him, / His speech was like the push / Of numerous humming-birds at once / From a superior bush.

      His countenance a billow, / His fingers, if he pass, / Let go a music, as of tunes / Blown tremulous in glass.

      He visited, still flitting; / Then, like a timid man, / Again, he tapped--'t was flurriedly-- / And I became alone.

      zit. v. eliteskills.com
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      11.12.1801 - Geburtstag von Christian Dietrich Grabbe

      Nach der - immerhin auf eine interessante Art und Weise - verunglückten Laudatio vor einigen Tagen (bzgl. Franz von Asissi) nun eine satte Polemik, die einen allenfalls schmalen wissenschaftlichen background haben dürfte - sich aber doch (m. E.) ganz anregend liest ;)

      Unser Geburtstagskind veröffentlichte sein (hier erheblich gekürztes) Essay Ueber die Shakspearo-Manie im Jahre 1827. Es "entstand" (lt. Vorwort) "vor mehreren Jahren und ist jetzt nur revidirt".

      Niemand wird dem Shakspeare wahrhaftiger huldigen als ich es thue. Seine Schöpfungskraft, welche ihm manche Charactere mit einer Selbständigkeit auszustatten vergönnt, nach welcher man fast an ein inneres wirkliches Leben derselben glauben sollte, die göttliche Ruhe, mit der er oft auf dem vom Archimedes ersehnten Puncte außer der Welt zu stehen und sie zu bewegen scheint, der Humor, die Ironie, mit welchen er selbst durch Thränen lächelt - alles dieses und noch viel mehr erkenne ich mit Erstaunen im Shakspeare an und hoffe es einst in einer besonderen Schrift mit Beweisen niederzulegen. Hier aber thut es leider noth von Shakspeares Schattenseite zu reden, indem die Shakespearo-Manisten lieber blind seyn als diese sehen wollen.

      Grade mit dem Lobe der dem Shakspeare fast sprichwörtlich zugeschriebenen Originalität deckt der Haufen der Shakespeare-Vergötterer nur seine Unwissenheit auf. Unter dieser Originalität verstehen die Herren vor alem anderen die Art des Dialoges, die Manier einzelner Ausdrücke und der Charkterschilderungen, den willkührlichen oder willkührlich scheinenden Gang der Handlung pp. Dieses alles ist jedoch nicht shakspearisch, sondern alt englisch. Weit vor dem Shakspeare war alles das, selbst das Auffinden solcher Gedanken, welche wir jetzt echt shakspearisch heißen, auf der englischen Bühne zur Mode geworden. Ben Johnson, Christoph Marlowe und viele Andere zogen mit ihren eben so genialen Dramen vor und mit den shakspearischen Schauspielen über das Theater, und deshalb konnte Shakspeare zu jener Zeit, wo so viele geistesähnliche Nebenbuhler ihn umstanden, nicht den Beifall erhalten, welche ihm jetzt, da die Nebenbuhler vergessen sind, allein zu Theil wird. Shakspeare schuf weder eine Schule, noch eine neue Schauspiel-Art, er fand vielmehr eine Schule vor, war Mitglied derselben, und zwar, was seine einzige wahre Originalität ist, das größte Mitglied dieser Schule.

      Daß S. componirendes Talent ausgezeichnet ist, läugnet Niemand, daß es aber besser seyn soll als das vieler ((anderer?)) Schriftsteller, läugne ich offen. Vor allem rühmt man dieserhalb seine historischen Stücke. Es ist wahr, daß alle seine Vorzüge in ihnen strahlen, und daß da, wo er eigenthümlich ist, kaum Goethe >z. B. im Egmont<, noch weniger Schiller mit ihm wettiefern können. Aber vom Poeten verlange ich, sobald er Historie dramatisch darstellt, auch eine concentrische und dabei die Idee der Geschichte wiedergebende Behandlung. Hiernach strebte Schiller; keines seiner historischen Schauspiele ist ohne dramatischen Mittelpunct und ohne eine concentrische Idee. Sey nun Shakspeare objectiver als Schiller, so sind doch seine historischen Dramen weiter nichts als poetisch verzierte Chroniken. Kein Mittelpunct, kein poetisches Endziel läßt sich in der Mehrzahl derselben erkennen. Einige Stücke anzusehen, beginne ich mit Julius Cäsar. Ist dieser nicht die Seele des Ganzen? Interessirt er nicht schon deshalb mehr als Brutus, Cassius und Consorten, weil alle diese Leute sich gegen ihn verschwören? Zieht nicht jeden empfindenden Menschen der Punct am meisten an, wider den die meiste Thätigkeit gerichtet ist? Und verliert sich nach Cäsars Tode nicht alles dieß, indem plötzlich zwei untergeordnete Individuen, Brutus und Cassius, uns von nun an mit ihren Schicksalen allein anziehen sollen? Schlimmer ist fast noch die Behandlung, welche Shakspeare, der oft so große Menschenkenner, dem Charakter des Cäsar hat angedeihen lassen. Julius Cäsar ist im Shakspeare zu einem Phrasen machenden Rennomisten geworden. Nur die Beziehungen, welche alle übrigen Personen des Dramas auf ihn nehmen, retten ihn in etwas als dramatische Hauptperson.

      Heinrich IV hat gar keinen Mittelpunct, der erste Theil sogar keinen befriedigenden Schluß. Die Fallstaffs-Scenen sind eine Episode, welche die Haupthandlung unterdrückt, und nicht einmal in inniger Verbindung mit derselben steht. >Dabei will man jedoch weder den Falstaff'schen Humor verkennen, noch den sehr tief angelegten Character des Königs, bei welchem keine Phrase ohne Bedeutung ist.< Wo, außer in einzelnen Scenen, im Heinrich V das Dramarische stecken soll, wird selbst Schlegel nicht aufzusuchen wagen. Die an sich schönen Prologe verbessern diesen Mangel nicht. Kein einziger der drei Theile des Heinrich VI hat ein Ende, und wenn endlich, nachdem einige hundert Personen gemordet seyn mögen, alles im Richard III auf ein Ziel, auf einen Character hinausläuft, so ist es hier auch nur dieser Character, welcher excilirt. Denn wie sind König Richards Umgebungen? Die Margaretha mit ihrem nie ermüdenden Jammergeschwätz, die Anna, welche sich auf einmal von Richards Liebeserklärungen umstricken läßt, die Königin Elisabeth, die es eben so macht, sind wahrhafte Marionetten-Figuren. Marionettenmäßig sind die Klagen der Weiber vor dem Tower.

      In einem anderen Genre versirt Hamlet. Der Prinz Hamlet selbst ist eine wahre Fundgrube der genialsten Gedanken, zu welchen jedoch der triviale "es gibt noch andere DInge zwischen Erd' und Himmel / als eure Schulweisheit sich träumen läßt. Horatio" nur darum so oft von dem großen Haufen gezählt wird, weil er wegen seiner Trivialität auch dem einfältigsten Gehirn sich anpaßt. Die übrigen Personen sind wahre Nullen, so sehr, daß man die Höflinge Güldenstern, Rosenkranz und Osrik nicht einmal von einander unterscheiden kann. Der König ist nur ein Phrasenmacher, denn einen Narren wie den Polonius ernsthaft anzuhören und sogar als Minister zu behalten, zeigt Beschränktheit an, wie wir sie selbst heut zu Tage selten in den Cabinetten finden. Den Prinzen in eventum mit einem Trunke, der sofort tödtet, vor den Augen der Königin, des ganzen Hofes vergiften zu wollen, macht den hinterlistigen, besonnenen und feigen König zu einem albernen Waghalse. Selbst der Geist, vor dessen Erscheinung in der That das Grauen hergeht, vernichtet durch seine breiten Expositionen, mit abgedroschener Moral untermischt, jeden Eindruck, den man gefaßt hatte. Steckt hier eine shakspearische Ironie >wie ich fürchte<, so kann ich sie doch nicht verzeihen, weil sie den Effect stört... ....

      zit. v. zeno.org
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      14.12.1925 - Uraufführung von Alban Bergs Oper Wozzeck unter Erich Kleiber

      Die Zurechnungsfähigkeit des Mörders Johann Christian Woyzeck, nach Grundsätzen der Staatsarzneikunde aktenmässig erwiesen von Dr. Johann Christian August Clarus, Professor der Klinik, des Kreisamts, der Universität und der Stadt Leipzig Physikus u. Arzt am Jakobsspital etc.

      Am 21. Juni des Jahres 1821 brachte der Friseur J. C. W., ein und vierzig Jahr alt, der sechs und vierzig jährigen Wittwe des verstorbenen Chirurgus Woost, Johannen, Christianen, gebornen Otto'in in dem Hausgange ihrer Wohnung mit einer abgebrochnen Degenklinge, an welche er desselben Nachmittags einen Griff hatte befestigen lassen, sieben Wunden bei, an denen sie nach wenigen Minuten ihren Geist aufgab... ...Nachdem am 8. Januar ((1823)) die Woyzeck'schen Akten anderweit zur Begutachtung vorgelegt worden sind, habe ich nicht nur der Durchsicht derselben mich sofort mit aller schuldigen Sorgfalt und Aufmerksamkeit unterzogen, sondern auch, in Rücksicht auf neuerdings aktenkundig gewordene Umstände, die mir noch eine genauere Erörterung zu erfordern schienen, den Inquisiten Woyzeck, nach mündlich eingeholter Genehmigung des Gerichts, nochmals zu fünf verschiedenen Malen, jedesmal anderthalb bis 2 Stunden lang, aufs genaueste explorirt... ....

      ... Er sey allerdings in seinen frühern Jahren etwas vollblütig gewesen und habe dabei zuweilen eine Spannung und Auftretung der Adern und ein Stechen im Kopf gefühlt. Vor ungefähr sechs Jahren habe sich manchmal dazu ein Gefühl von schmerzhafter Zusammenziehung in der Gegend des Herzens gesellt, auf welches Herzklopfen, Angst und Hitze im Kopf gefolgt sey. Während dieses Zustandes sey es ihm einmal vom Herzen ins Genicke und von da in den Kopf gefahren, wobei es ihm gedäucht, als ob es in der Gegend des Hinterkopfes sitzen bleibe. Zuweilen sey ihm auch dunkel vor den Augen geworden und ihm gewesen, als ob er seinen Kopf nicht fühle. Da er nun deßhalb häufig zerstreut gewesen, so habe ihm dieses allerhand Neckereien von seinen Kameraden zugezogen, weßhalb er sich von ihnen entfernt habe, und gleichgültig gegen alles und menschenscheu geworden sey. Bei dieser Verstimmung hätten sich die vorhin gedachten Beängstigungen am Herzen und die Benommenheit des Kopfes vermehrt, so daß er zuweilen, wenn er lange die Gedanken auf etwas gerichtet, zuletzt gar nichts mehr gedacht habe.

      Da er nun immer mehr vexirt worden sey, da er auch von den Officiers mancherlei unverdiente Kränkungen habe erfahren müssen, und sich zugleich seiner beabsichtigten Heirath immer mehr Schwierigkeiten in den Weg gestellt hätten, so habe sich Groll, Bitterkeit und Mißtrauen gegen die Menschen überhaupt eingefunden. Er habe sich immer zwingen müssen, freundlich gegen die Menschen zu seyn, und es sey ihm gewesen, als on ihn alle für den Narren halten wollten. Daher sey er sehr empfindlich geworden, so daß ihn das Geringste habe aufbringen können.Er erinnere sich, daß ihn einmal, als ihn die Woostin bestellt, und er gesehen habe, daß sie ihn für den Narren halten wollen, worüber er sich geärgert, das Herz den ganzen Tag dermaßen geschlagen habe, daß er nichts mehr habe arbeiten können.

      Schon früher sey er einmal in einem Anfall von Unmuth ganz nahe daran gewesen, sich zu erschießen, und habe schon sein Gewehr geladen, und einen Bindfaden an dem Hahn befestigt gehabt, um mit dem Fuße loszudrücken, als im selbigen Augenblicke Generalmarsch geschlagen und er hierdurch verhindert worden sey. In dem Sommer, wo er bei Haasens gewohnt, habe ihn der Gedanke an Selbstmord auch immer verfolgt, und er habe, als er einmal Baden gegangen sey, die Stimme gehört: Spring ins Wasser, spring ins Wasser!

      Seine Eifersucht gegen die Woostin schreibe sich von der Zeit her, wo er bei dem Stadtsoldaten Pfeiffer gewohnt habe. Als in Gohlis die Kirmse gewesen, habe er Abends im Bette gelegen und an die Woostin gedacht, daß diese wohl dort mit einem anderen zu Tanze seyn könne. Da sey es ihm ganz eigen gewesen, als ob er die Tanzmusik, Violinen und Bässe durcheinander, höre, und dazu im Takte die Worte: Immer drauf, immer drauf! Kurz vorher habe ihm von Musikanten geträumt, und das habe ihm immer was übles bedeutet. Am andern Tage habe er gehört, daß die Woostin wirklich mit einem andern in Gohlis gewesen sey und sich lustig gemacht habe!

      Ueberhaupt habe sie ihn schon lange vorher für den Narren gehabt, ihm manchmal schnöde begegnet, und ihn überhaupt wegen seiner Armut verachtet, dennoch aber sich manchmal wieder mit ihm abgegeben. Während er bei der Wittigin gewohnt habe, sey es ihm einmal, als die Woostin vor dem grimmaischen Thore von ihm Abschied genommen, und ihm noch aus der Entfernung dreimal Leb' wohl! zugerufen habe, gewesen, als ob einen Stimme zu ihm sage: Sie will nichts von dir wissen. - Die Stimme: Stich die Frau Woostin todt! habe er auf der Treppe nach seinem Logis gehört, als er eben die Degenklinge gekauft gehabt, und sie mit dem Gedanken besehen habe, daß sich daraus müßten hübsche Messer machen lassen. Uebrigens habe er, wie er wiederholt, und in mehreren Unterredungen versicherte, diese Stimme nur dieses einzige Mal und nachher nie wieder gehört, auch seyen in den acht Tagen vor der Mordthat, wo er herberglos herumgelaufen, und weil er kein Geld gehabt, weniger Schnaps getrunken habe, die Beängstigungen geringer und die Stimmen seltner gewesen.
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      Die an dem Inquisiten theils von mir beobachteten, theils von ihm selbst erzählten und für völlig glaubwürdig zu achtenden körperlichen Zufälle, nämlich die krampfhafte Zusammenziehung und das Stillstehen des Herzens, die darauf folgende Empfindung, als ob das Herz aufgeblasen werde, die Angst, der krampfhafte Schmerz in den Gliedern, das zuweilen ohne äussere Veranlassung eintretende allgemeine Zittern des ganzen Körpers, das Stechen, die Hitze und die Wüstigkeit im Kopfe, die Empfindung, als ob es vom Herzen ins Genicke und von da in den Kopf fahre, das Prasseln oder Schnurren im Genicke, das Brausen oder Zischen vor den Ohren beweisen: daß derselbe sich in derjenigen krankhaften Anlage befinde, die ihrem Wesen nach in vermehrter Reizbarkeit und unregelmäßiger Thätigkeit des Gefäß- und besonders des Venensystems gegründet ist, periodisch ab- und zunimmt, durch unordentliche Lebensweise und besonders durch den Mißbrauch starker Getränke vermehrt, mit der Zeit sehr leicht in Gicht und andere mit dieser verwandte Krankheiten übergeht, sehr oft aber auch zu entzündlichen Zufällen und zu Erweiterungen und andern organischen Fehlern des Herzens Gelegenheit gibt.

      Der geschilderte Zustand des Gefäßsystems ist sehr oft mit Benommenheit des Kopfes, mit Aufdringen beunruhigender Gedanken, mit unwillkührlichem Festhalten derselben, mit Unfähigkeit etwas anders zu denken und überhaupt mit einer finstern, hypochondrischen Stimmung verbunden, bei der die damit behafteten Personen durch geringfügige Ursachen leichter, als gewöhnlich zum Unwillen gereizt werden, und sich stärker aufgefordert fühlen, demselben durch Wort und That Luft zu machen. Daß auch Woyzecks Benommenheit und seine finstere menschenscheue und reizbare Gemüthsstimmung von der körperlichen Anlage abhängig gewesen sey, kann nicht bezweifelt werden.

      Der Inquisit hegt allerhand irrige, phantastische und abergläubische Einbildungen von verborgenen und übersinnlichen Dingen, denen bei ihm theils Mangel an Kenntniß und Erziehung, theils Leichtgläubigkeit zum Grunde liegt, und die durch einen natürlichen Hang, über dergleichen Dinge nachzugrübeln, und durch die, in seiner hypochondrischen Stimmung begründete Scheu, sich mitzutheilen, genährt und unterhalten worden ist. Dahin gehört die ihm aufgeheftete Lüge von den geheimen Künsten der Freimaurer, die ihn sehr angelegentlich beschäftigt und zu allerhand phantastischen Combinationen und Versuchen verleitet hat. - Eben dahin gehört ferner seine Vorstellung von der Wichtigkeit der Träume, von denen er glaubt, daß sie theils buchstäblich in Erfüllung gehen, theils eine allegorische Bedeutung haben, vermöge derer durch sie bald verborgene Dinge angezeigt, bald die Zukunft enthüllt werde. - Aus derselben Quelle entspringt endlich auch sein Glaube an die Möglichkeit materieller Wirkungen der Geisterwelt und selbst an Verkörperungen der Geistererscheinungen. DIe von ihm dafür gehaltenen Ereignisse sind offenbar von doppelter Art, nämlich theils solche, wo er irgend eine äußere, natürliche Erscheinung für eine Wirkung übersinnlicher Wesen gehalten hat, theils solche, bei denen durch seinen unruhigen Blutumlauf eine Sinnestäuschung veranlaßt worden ist. ....

      zit. v wikisource.org

      Um wenigstens knappe 5% aus diesem äußerst ausgreifenden Untersuchungsbericht zitieren zu können (beispielsweise ist der im obigen ersten Absatz wiedergegebene Kettensatz im Original etwa doppelt so lang!), mußte der übliche Kalenderblatt-Umfang (das zweite Mal überhaupt nach der erheblich gekürzten Wiedergabe von K.J.Simrocks prosaischer Zusammenfassung des Eschenbach-Parzival) "gesprengt" werden... Überflüssig zu erwähnen, daß (fast) sämtliche Auslassungen nicht gekennzeichnet sind...

      Mit seinem (zweiten) Gutachten vom 28.02.1823 bestätigt Joh.Chr.Aug.Clarus die Zurechnungsfähigkeit. Joh.Chr.Woyzeck wird am 27.08.1824 in Leipzig hingerichtet.
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