Walldorff`s Kalenderblätter - Drittfassung

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    • 19.07.1819 - Geburtstag von Gottfried Keller

      => aus "Die Leute von Seldwyla. Erzählungen... Verl. v. Friedr. Vierweg u. Sohn: Braunschweig 1856" =>

      … über die sanfte Anhöhe lagen vor Jahren drei prächtige lange Äcker weithingestreckt, gleich drei riesigen Bändern nebeneinander. An einem sonnigen Septembermorgen pflügten zwei Bauern auf zweien dieser Äcker, und zwar auf jedem der beiden äußersten; der mittlere schien seit langen Jahren brach und wüst zu liegen, denn er war mit Steinen und hohem Unkraut bedeckt und eine Welt von geflügelten Thierchen summte ungestört über ihm. Die Bauern aber, welche zu beiden Seiten hinter ihrem Pfluge gingen, waren lange knochige Männer von ungefähr vierzig Jahren und verkündeten auf den ersten Blick den sichern gutbesorgten Bauersmann... Es war schön anzusehen..., wenn sie so auf der Höhe an einander vorbeizogen, still und langsam sich mälig von einander entfernten..., bis Beide wie zwei untergehende Gestirne hinter der Wölbung des Hügels hinabgingen und verschwanden, um eine gute Weile darauf wieder zu erscheinen...

      So war der lange Morgen zum Theil vergangen, als von dem Dorfe her ein kleines artiges Fuhrwerklein sich näherte, welches kaum zu sehen war, als es begann, die gelinde Höhe heran zu kommen. Das war ein grün bemaltes Kinderwägelchen, in welchem die Kinder der beiden Pflüger...gemeinschaftlich den Vormittagsimbiß heranfuhren...

      Wie nun die Männer mit Behagen ihr Frühstück einnahmen..., ließen sie ihre Blicke in der Nähe und Ferne herumschweifen und sahen das Städtchen räucherig glänzend in seinen Bergen liegen; denn das reichliche Mittagsmahl, welches die Seldwyler alle Tage bereiteten, pflegte ein weithin sichtbares Silbergewölk über ihre Dächer emporzutragen, welches lachend an ihren Bergen hinschwebte.

      "Die Lumpenhunde von Seldwyl kochen wieder gut!" sagte Manz, der eine der Bauern, und Marti, der andere erwiederte: "Gestern war Einer bei mir wegen des Ackers hier." "Aus dem Bezirksrath? bei mir ist er auch gewesen!" sagte Manz. "So? und meinte wahrscheinlich auch, du solltest das Land benutzen und den Herren die Pacht zahlen?" "Ja, bis es sich entschieden habe, wem der Acker gehöre und was mit ihm anzufangen sei. Ich habe mich aber bedanckt, das verwilderte Wesen für einen Andern herzustellen und sagte, sie sollten den Acker nur verkaufen und den Ertrag aufheben, bis sich ein Eigenthümer herausgetellt, was wohl nie geschehen wird, denn was einmal auf der Kanzlei zu Seldwyl liegt, hat da gute Weile und überdem ist die Sache schwer zu entscheiden..."

      Sie schwiegen eine Weile, dann fing Manz wiederum an: "Schad' ist es aber doch, daß der gute Boden so daliegen muß, es ist nicht zum Ansehen, das geht nun schon in die zwanzig Jahre so und keine Seele fragt darnach; denn hier im Dorf ist Niemand, der irgend einen Anspruch auf den Acker hat, und Niemand weiß auch, wo die Kinder des verdorbenen Trompeters hingekommen sind." "Hm!" sagte Marti, "das wäre so eine Sache! Wenn ich den schwarzen Geiger ansehe, der sich bald bei den Heimatlosen aufhält, bald in den Dörfern zum Tanz aufspielt, so möchte ich darauf schwören, daß er ein Enkel des Trompeters ist, der freilich nicht weiß, daß er noch einen Acker hat. Was thäte er aber damit? Einen Monat lang sich besaufen und dann nach wie vor! Zudem, wer dürfte da einen Wink geben, da man es doch nicht besser wissen kann!"

      "Da könnte man eine schöne Geschichte anrichten!" antwortete Manz, "wir haben so genug zu thun, diesem Geiger das Heimatsrecht in unserer Gemeinde abzustreiten... Haben sich seine Ältern einmal unter die Heimatlosen begeben, so mag er auch dableiben und dem Kesselvolk das Geiglein streichen. Wie in aller Welt können wir wissen, daß er des Trompeters Sohnessohn ist? Was mich betrifft, wenn ich den Alten auch in dem dunklen Gesicht vollkommen zu erkennen glaube, so sage ich: irren ist menschlich, und...ein Stücklein von einem Taufschein würde meinem Gewissen besser thun, als zehn sündhafte Menschengesichter!" "Eia, sicherlich!" sagte Marti, "er sagt zwar, er sei nicht Schuld, daß man ihn nicht getauft habe! Aber sollen wir unsern Taufstein tragbar machen und in den Wäldern herumtragen? Nein, er steht fest in der Kirche und dafür ist die Todtenbahre tragbar, die draußen an der Mauer hängt. Wir sind schon übervölkert im Dorf und brauchen bald zwei Schulmeister!"

      Hiemit war die Mahlzeit und das Zwiegespräch der Bauern geendet und sie erhoben sich, den Rest ihrer heutigen Vormittagsarbeit zu vollbringen. Die beiden Kinder hingegen...zogen ihr Fuhrwerk unter den Schutz der jungen Linden und begaben sich dann auf einen Streifzug in dem wilden Acker, da derselbe mit seinen Unkräutern, Stauden und Steinhaufen eine ungewohnte und merkwürdige Wildniß darstellte. Nachdem sie in der Mitte dieser grünen Wildnis einige Zeit hingewandert, Hand in Hand, und sich daran belustigt, die verschlungenen Hände über die hohen Distelstauden zu schwingen, ließen sie sich endlich im Schatten einer solchen nieder und das Mädchen begann, seine Puppe mit den langen Blättern des Wegekrautes zu bekleiden...; eine einsame rothe Mohnblume, die da noch blühte, wurde ihr als Haube über den Kopf gezogen und mit einem Grase festgebunden, und nun sah die kleine Person aus wie eine Zauberfrau, besonders nachdem sie noch...einen Gürtel von kleinen roten Beerchen erhalten. ….

      Die Orthographie folgt der auf deutschestextarchiv.de abgedruckten (HTML-)Version.

      Frederick Delius' Opernversion der hier sehr ausschnittsweise zitierten Episode ("A Village Romeo and Juliet"; UA als "Romeo und Julia auf dem Dorfe" 1907 in Berlin) ist im März 2020 wieder viermal an der Oper Frankfurt zu sehen. Wie schon in der Premierenserie ist Johannes Martin Kränzle als >'live' spielender :!: < "schwarzer Geiger" zu erleben!
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    • 21.07.1838 - Todestag von Johann Nepomuk Mälzel

      Um sich in (der Mechanik) zu vervollkommnen, ging (M.) 1792 nach Wien und später nach London und Paris. Bei seinem nicht gewöhnlichen musikalischen Talente - sein Vater war Orgelbauer zu Regensburg (und) M. galt in seinem 14. Jahre für einen der fertigsten (dortigen) Clavierspieler - nahm seine Thätigkeit vornehmlich eine musikalische Richtung. So erfand er denn zunächst das Panharmonicum, in welchem er auf eine sehr glückliche Weise den Ton der Trompete, Clarinette, der Viola und des Violoncells vereinigte. Ueberdieß besaß das Instrument eine große Mächtigkeit des Klanges und gab alle Nuancen des Piano und Forte vortrefflich wieder. M. ließ diese Maschine in Wien öffentlich sehen und hören, wo sie großes Aufsehen erregte, ein vorangestellter martialischer Trompeter, der den österreichischen Kürassiermarsch blies, verfehlte nicht, beim Publicum Reclame zu blasen. 1807 führte M. sein Instrument nach Paris, wo sogar Cherubini ein Stück für es componirte. 1808 war er wieder nach Wien zurückgekehrt und beschäftigte sich mit dem Trompeter-Automaten, der ihm gleichfalls gut gelang. Der Kaiser von Oesterreich ernannte M. zu seinem Hof-Kammermaschinisten. *In (M's) zwischen der Karlskirche und dem Gasthause zum "Mondschein" gelegenen Werkstätte war es, wo er die häufigen Besuche Beethoven's erhielt. Er versuchte für letzteren ein Hörrohr zu construiren und fertigte derer vier an, von welchen der Meister gelegentlich eines benützt haben soll...*

      Ich besah auch die berühmte Kempelensche Schachmaschine, welche...ihr jetziger Besitzer, der Mechanicus Maelzel aus Wien, sehen liess. Er soll mit derselben in New-York schon viel Geld verdient haben. Das Automat ( - ich erinnerte mich, es 1812 in Mailand, im Pallaste des damaligen Vicekönigs von Italien, gesehen zu haben - ) stellt einen hinter einem Tische sitzenden Türken vor, der ein Schachbret vor sich hat. Gegenüber wird ein Tisch mit einem anderen Schachbrete hingestellt , an welchem irgend Jemand...eine Partie Schach anfängt. Wenn das Automat einen Zug zu thun hat, so hört man im Inneren des Tisches ein Räderwerk sich bewegen; und zugleich erhebt der Türke seine linke...Hand, ...thut den Zug, schließst die Hand und legt sie wieder auf das Kissen. Thut der Mitspieler einen falschen Zug, so klopft der Türke mit seiner rechten...Hand, unwillig auf diesen Tisch, schüttelt mit dem Kopfe und stösst einen Laut des Unwillens aus...
      aus "H.Luden (Hg.) Reise... Herzog Bernhards zu Sachsen... durch Nord-Amerika... 1825 u. 1826... Verl. W.Hoffmann: Wien 1828"; zit. v. wikipedia.org

      Vielleicht hat nie eine Ausstellung so allgemeine Aufmerksamkeit erregt wie Maelzels Schachspieler ((Er) wurde...1769 von dem Baron Kempelen, einem Edelmanne aus Preßburg, erfunden und später seinem jetztigen Besitzer übertragen.)… Die allgemeine Meinung, die sogar von Leuten ausgesprochen wurde, die es hätten besser wissen können, ging dahin, daß die Maschine ohne jede menschliche Hilfe arbeite, daß sie also eine rechte Maschine und nichts weiter sei. Manche behaupten auch, daß der Schausteller die Bewegungen der Figur durch mechanische Mittel, durch die Füße der Kiste selbst regulire. Andere sprachen von einem Magnet. Von der ersten Äußerung wollen wir überhaupt nicht mehr reden; auf die zweite hin wiederholen wir nur..., daß die Maschine...auf Wunsch der Zuschauer selbst während des Spieles in irgendeinen beliebigen Teil des Raumes gerollt wird. Der Gedanke an einen Magnet ist total unhaltbar, denn wenn ein Magnet im Spiele wäre, würde jeder Magnet in der Tasche eines der Zuschauer den Mechanismus in Unordnung bringen...

      Der erste schriftliche Versuch, das Geheimnis zu lösen..., wurde in einem umfangreichen...1785 in Paris erscheinenden Pamphlet gemacht. Der Autor stellte die Behauptung auf, ein Zwerg setze die Maschine in Bewegung.... (Ein 1789 in Dresden erschienenes Buch des Herrn M. I. F. Freyhere) ist sehr dick und reichlich mit farbigen Illustrationen versehen. Seine Annahme war die, daß ein gut geschulter sehr dünner Knabe in einer Schublade, die sich unmittelbar unter dem Schachbrett befände, das Spiel spiele und die Bewegungen des Automaten verursache. Diese Idee wurde, obgleich sie noch törichter war als die des Pariser Erklärers, ...lange Zeit für die Lösung des Rätsels angesehen, bis der Erfinder des Apparates...diese Behauptung schnell widerlegte. Auf diese absonderlichen Bemühungen folgten bald noch viel absonderlichere.
      Die letzten beiden Absätze sind dem Essay "Mälzels Schachspieler" von E.A.Poe entnommen (zit. v. archive.org). Trotz c. 90min. Suche habe ich den Ersteller dieser dt. Übersetzung nicht ausmachen können :!:

      *Auf seinen Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien hatte er von den angesehensten Componisten und Conservatorien die Aufforderung erhalten, sein Talent auch einmal an einer gemeinnützigen Erfindung zu erproben, und eine Art Maschine zu contruiren, durch welche die Componisten in den Stand gesetzt würden, die Geschwindigkeit der Ausführung eines Musikstückes genau zu bestimmen.* Das Nächste, worauf M. jetzt verfiel, war der Versuch einer Verbesserung des Stöckel'schen Taktmessers. Das Schladebach-Bernsdorf'sche Musik-Lexikon berichtet folgendermaßen: "M. konnte mit dieser Verbesserung nicht zu Stande kommen; und theilte - als er 1812 in Holland war - seine Verlegenheit dem Mechaniker Winkel in Amsterdam mit, worauf Letzterer sich der ganzen Sache bemächtigte, bloß eine in Grade eingetheilte Scale hinzufügte und so die Maschine herstellte, welche er Metronom nannte. Den Namen Winkel's verschwieg er wohlweislich, nahm in Frankreich ein Patent auf seine Maschine und errichtete in Paris eine förmliche Fabrik zu (deren) Verfertigung. Winkel reclamirte natürlich die Priorität der Erfindung für sich und rief die nieder-ländische Akademie als Schiedsrichterin auf.

      *Das Resultat der genauen Prüfung war, daß M. schließlich Winkler die Priorität der Erfindung zugestehen mußte. M. reclamirte nur das Eigenthumsrecht über die Construction des Pendels, welches ihm auch von keiner Seite bestritten wurde. Anfangs der 30er Jahre versah er seine Metronome mit Glockenwerk zur Markirung der vollen Takttheile. Er erfand noch mehrere Kunstwerke, von welchen namentlich der Seiltänzer-Automat großes Aufsehen erregte...* Bei seinem Tode hinterließ M. ein beträchtliches Vermögen. Von seinen merkwürdigen Instrumenten ist der Kempelen'sche Schachspieler 1854 in der Feuersbrunst zu Grunde gegangen, welche in Philadelphia Peale's Museum zerstört hatte.

      Die Absätze eins, fünf und sechs (zit. v. wikisource.org) entstammen - abgesehen von den mit * eingegrenzten Sätzen - den von mir hier bereits mehrfach verwendeten Notizen des C.v.Wurzbach. Die mit * gekennz. Sätze sind dem Bd. 15 der "Allg. Dt. Biographie" entnommen (Verl. Duncker & Humblot: Leipzig 1884; Verf. J.Sittard >1846/1903<). Mal wieder sind/ist die erheblichen Kürzungen nicht gekennzeichnet sowie die Ausdrucksweise sehr sachte heutigem Umgangsdeutsch angenähert!
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    • 23.07.1777 - Geburtstag von Philipp Otto Runge

      Der bereits 1810 verstorbene bedeutende frühromantische Maler betätigte sich auch sporadisch als Literat und Kunsttheoretiker. Die folgenden Zeilen schrieb er im Jahre 1806 an den hessischen Pastor, Verleger und Politker Johann Georg Zimmer . . .

      Lieber Freund, ich danke Ihnen...für das Geschenk, welches Sie mir mit "des Knaben Wunderhorn" gemacht...

      Es ist unmöglich, daß man das Buch..., ohne lebhaft interessirt zu werden in die Hand nehmen könnte, weil ein jeder an seine Umgebungen, oder an die Umstände, unter welches er dieses oder jenes gehört..., erinnert wird. Nur fällt es einem auf, zuerst, daß man vieles, was darin ist, vollständiger kennt und gehört hat, und hernach, daß durch das Uebertragen oder Verhochdeutschen eine Sache oft platter geworden ist. An einem rechten Volksliede, Ballade, Mährchen u. s. w. hangt eine geistige Färbung, wie die Staubfäden an den Blumen, dieses haben auch die Herausgeber gefühlt. Es liegt dieses wohl bisweilen in der Geschichte oder Materie, am gewöhnlichsten aber doch in dem Wie? oder Wodurch? Herder hatte Recht, daß die Melodien dabey gehören und selbst dem Fremdesten das höchste Interesse geben; sollte es nicht dasselbe mit dem Dialekt seyn, in welchem so ein Lied gemacht worden, und sollte man nicht, wenn man darauf denkt, den Reiz solcher Sachen festzuhalten, gerade das Flüchtige, ich möchte sagen, die Blüthe, in welcher sie einem erscheinen, festzuhalten suchen?...

      Ich sende Ihnen hiebey zwey plattdeutsche Döhnchen, wie sie die Kinderfrauen wohl erzählen. Man findet sie selten so vollständig und ich habe mich bemüht, sie so aufzuschreiben, wie sie sich anhören. Vielleicht, da Sie das Plattdeutsche doch verstehen, wird es Ihnen möglich, auch den rechten Ton zu treffen, oder ihn sich zu imaginiren. Der Ton ist sehr verschieden in beiden. Das erste ist eigentlich erhaben pathetisch und wird durch die Kümmerlichkeit und Gleichgültigkeit des Fischers sehr gehoben...

      I. F. der - unwesentlich gekürzte - Beginn des (von Othmar Schoeck 1928-30 als "dramatische Kantate" vertonten) Märchens Vom Fischer und Syner Fru, so wie es die Gebrüder Grimm für die erste (1812 in der Berliner "Realschulbuchhandlung" erschienenen) Auflage ihrer "Kinder und Hausmärchen" aufgezeichnet haben . . .

      Dieses Märchen, welches der seel. Runge aus der pommerschen Mundart trefflich niedergeschrieben, theilte uns Arnim im Jahr 1809 freundschaftlich mit...

      Daar was mal eens een Fischer un siine Fru, ...un de Fischer ging alle Dage hen un angelt... Daar satt he eens an de See bi de Angel... - daar ging de Angel...deep unner, un as he se heruttreckt so haalt he eenen groten Butt herut - de Butt sed' to em: "ick bidd di, dat du mi lewen lettst, ick bin keen rechte Butt, ick bin een verwünscht' Prins, sett mi wedder in dat Water un laat mi swemmen" - Nu, sed' de Mann, du bruukst nich so veele Woord' to maken, eenen Butt, de spreken kann, hadd ick doch woll swemmen laten. Daar sett't he en wedder in dat Water, un de Butt ging fuurts weg to Grun'n un leet eenen langen Stripen Bloot hinne sich.

      De Mann averst ging to siine Fru in'n Pispott un vertellt eer, dat he eenen Butt fangen hadd, de hadd to em segt, he weer een verwünscht' Prins, doon hadd he em wedder swemmen laten. "Hest du di den nix wünscht?" sed' de Fru. - "Nee! sed de Mann, wat sull ick mi wünschen? - "Ach sed' de Fru, da is doch övel, ümmer in'n Pispott to wanen, dat is so stinkig un dreckig hier, ga du noch hen un wünsch uns ne lütte Hütt!" den Mann war dat nicht so recht, doch ging he hen na de See, un as he hen kamm, so was de See gans geel un grön, da ging he an dat Water, staan un sed:

      Mandje! Mandje! Timpe Te! / Buttje! Buttje in de See! / Mine Fru, de Ilsebill, / Will nich so, as ick wol will.

      Daar kam de Butt answemmen un sed': "na wat will se denn?" - "Ach! sed' de Mann, ick hev di doch fangen hätt, nu sed' mine Fru, ick had mi doch wat wünschen sullt, se mag nich Meer in Pispott wanen, se wull geern ne Hütt hebben." - "Ge man hen, sed de Butt, se is all daar in." -

      Daar ging de Mann hen, und siine Fru stund in eene Hütt in de Döör, un sed to em: "kumm ma herin; sü, nu is dat doch veel beter!" Un daar was eene Stuwe un Kamer un eene Köck daar in, un da achter was een lütte Gaarn mit allerhand Grönigkeiten un eene Hoff, da weeren Höner und Aanten. "Ach, sed de Mann, nu will wi vergnögt lewen" - Ja, sed de Fru, wi willnt verjöken."

      So ging dat nu wol acht oder veertein Daag, daar sed' de Fru: "Mann! de Hütt wart mi to eng, de Hoff un Gaarn is to lütt, ick will in een grot steenern Slott wanen; ga hen tum Butt, he sall uns een Slott schaffen." - "Ach Fru, sed de Mann, de Butt hett uns erst de Hütt gewen, ick mag nu nich all wedder kamen, den Butt mügt et verdreeten." - "I watt, sed de Fru, he kann dat recht good, un deet dat geern, ga du man hen!" Daar ging der Mann hen un siin Hart was em so swar; as he awerst bi de See kam, was dat Water gans vigelett un grag un dunkelblag, doch was't noch still, dar ging he staan un sed:

      Mandje! Mandje! Timpe Te! / Buttje! Buttje in de See! / Mine Fru, de Ilsebill, / Will nich so, as ick wol will."

      "Na! wat will se denn?" sed de Butt - "Ach, sed de Mann, gans bedrövd, mine Fru will in ee stenern Slott wanen." - "Ga man hen, se steit vör de Döör" sed de Butt.

      Daar ging de Mann hen un siine Fru stund vör eenen groten Pallast. "Sü Mann, sed se, was is dat nu schön!" Mit des gingen se tosamen herin, daar weren so veel Bedeenters, un de Wände weeren all blank, un goldne Stööl un Dische weeren in de Stuw, un achter dat Slott was eene Gaarn un Holt, woll eene halve Miil lang, daar in weren Hirsche, Reeh un Hasen, un up den Hoff Köh- un Peerdställ. "Ach! sed de Mann, nu willn wi ook in dat schöne Slott bliwen, un tofreden sin!"... ….

      zit. v. wikisource.org
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    • 31.07.1784 - Todestag von Denis Diderot

      Sein "philosophischer Dialog" Le Neveu de Rameau, der ihn ab 1760 od. 61 vermutl. mehr als 10 Jahre beschäftigte, blieb zu seinen Lebzeiten ungedruckt und erschien erstmals 1805 in der dt. Übers. von J.W.v.Goethe. Der hier gemeinte Rameau ist der - völlig gleichnamige! - Vetter des allbekannten Komponisten, lt. wikipedia.org "ein mäßig erfolgreicher Musiker, der sich seinen Lebensunterhalt als ein durch Frankreich reisender Gesangs- und Klavierlehrer verdiente."

      Der Sperrdruck ist original; ein offensichtlicher Flüchtigkeitsfehler ist stillschweigend bereinigt...

      …. ER: (Der Onkel) ist ein Philosoph in seiner Art; er denkt nur an sich, und die übrige Welt ist ihm wie ein Blasebalgsnagel. Seine Tochter und Frau können sterben, wann sie wollen, nur daß ja die Glocken im Kirchsprengel, mit denen man ihnen zu Grabe läutet, hübsch die Duodezime und Septdezime nachklingen, so ist alles recht. Er ist ein glücklicher Mann! und besonders weiß ich an Leuten von Genie zu schätzen, daß sie nur zu einer Sache gut sind, drüber hinaus zu nichts. Sie wissen nicht, was es heißt, Bürger, Väter, Mütter, Vettern und Freunde zu sein. Unter uns, man sollte ihnen durchaus gleichen, aber nur nicht wünschen, daß der Same zu gemein würde. Menschen muß es geben, Menschen von Genie nicht...

      Nein! die Weisheit des Mönchs im Rabelais, das ist die wahre Weisheit für unsre Ruhe und für die Ruhe der andern. Seine Schuldigkeit tun, so gut es gehn will, vom Herrn Prior immer Gutes reden und die Welt gehn lassen, wie sie Lust hat. Sie geht ja gut, denn die Menge ist damit zufrieden. Wüßt ich Geschichte, so wollt ich Euch zeigen, daß Übel hier unten ist immer von genialischen Menschen hergekommen; aber ich weiß keine Geschichte, weil ich nichts weiß. Der Teufel hole mich, wenn ich je etwas gelernt habe, und ich befinde mich nicht schlechter deshalb. Ich war eines Tags an der Tafel eines königlichen Ministers, der Verstand für ein Dutzend hat. Er zeigte uns klar, so klar wie zweimal zwei vier ist, daß nichts den Völkern nützlicher sei als die Lüge, nichts aber schädlicher als die Wahrheit. Ich besinne mich nicht mehr auf seine Beweise, aber es folgte sonnenklar daraus, daß die Leute von Genie ganz abscheulich sind...

      ICH: Wenn ich Euch auch zugebe, daß die genialischen Menschen gewöhnlich ein wenig sonderbar sind, oder, wie das Sprichwort sagt, kein großer Geist sich findet ohne einen Gran von Narrheit, so läßt man die Genies doch nicht fahren. Man wird die Jahrhunderte verachten, die keine hervorgebracht haben. Sie werden die Ehre des Volks sein, bei dem sie lebten. Früh oder spät errichtet man ihnen Statuen und betrachtet sie als Wohltäter des Menschengeschlechts. Verzeihe mir der vortreffliche Minister, den ihr anführt, aber ich glaube, wenn die Lüge einen Augenblick nützen kann, so schadet sie notwendig auf die Länge. Im Gegenteil nutzt die Wahrheit notwendig auf die Länge, wenn sie auch im Augenblick schadet. Daher käm ich in Versuchung, den Schluß zu machen, daß der Mann von Genie, der einen allgemeinen Irrtum verschreit oder einer großen Wahrheit Eingang verschafft, immer ein Wesen ist, das unsre Verehrung verdient. Es kann geschehen, daß dieses Wesen ein Opfer des Vorurteils und der Gesetze wird; aber es gibt zwei Arten Gesetze: die einen sind unbedingt billig und allgemein, die andern wunderlich, nur durch Verblendung oder durch Notwendigkeit der Umstände bestätigt. Diese bedecken den, der sie übertritt, nur mit einer vorübergehenden Schande, einer Schande, die von der Zeit auf die Richter und Nationen zurückgeworfen wird, um ewig an ihnen zu haften... Hört mich, lieber Mann, eine Gesellschaft sollte keine schlechten Gesetze haben. Hätte sie nur gute, sie käme niemals in Gefahr, einen Mann von Genie zu verfolgen. Ich habe nicht zugegeben, daß das Genie ganz unauflöslich mit der Bosheit verbunden sei, noch die Bosheit mit dem Genie. Ein Tor ist öfter ein Bösewicht als ein Mann von Geist... ….

      ER: Wenn es ein allgemeines Gewissen gibt, wie eine allgemeine Grammatik, so gibt es auch Ausnahmen in jeder Sprache. Ihr nennt sie, denk ich, ihr Gelehrten - und nun, so helft mir doch! - ICH: Idiotismen. ER: Ganz recht! Und jeder Stand hat Ausnahmen von dem allgemeinen Gewissen, die ich gar zu gern Handwerksidiotismen nennen möchte... Der Fürst, der Minister, der Financier, die Magistratsperson, der Soldat, der Gelehrte, der Advokat, der Prokurator, der Kaufmann, der Bankier, der Handwerker, der Singmeister, der Tanzmeister sind sehr rechtschaffene Leute, wenn sich gleich ihr Betragen auf mehrern Punkten von dem allgemeinen Gewissen entfernt und voll moralischer Idiotismen befunden wird. Je älter die Einrichtungen der Dinge, je mehr gibt's Idiotismen. Je unglücklicher die Zeiten sind, um soviel mehr vermehren sich die Idiotismen... Nicht immer hat einen goldnen Gürtel, der guten Ruf hat. Aber das ist heutzutage gewiß, wer den goldnen Gürtel hat, dem fehlt der gute Ruf nicht. Man muß, wenn's möglich ist, den Ruf und den Gürtel haben. Das ist mein Zweck, wenn ich mich gelten mache, und zwar durch das, was ihr unwürdige, niederträchtige, kleine Kunstgriffe scheltet. Ich gebe meine Stunde, gebe sie gut, das ist die allgemeine Regel. Ich mache die Leute glauben, daß ich derer mehr zu geben habe, als der Tag stunden hat; das gehört zu den Idiotismen.

      ICH: Und Euern Unterricht gebt ihr gut? ER: Ja! nicht übel, ganz leidlich. Der Grundbaß meines Onkels hat das alles sehr vereinfacht. Sonst stahl ich meinem Lehrling das Geld. Ja, ich stahl's, das ist ausgemacht. Jetzt verdien ich's wenigstens so gut als ein andrer. ICH: Und Ihr stahlt es ohne Gewissenbisse? ER: Was das betrifft, man sagt, wenn ein Räuber den andern beraubt, so lacht der Teufel dazu. Die Eltern strotzten von ungeheurem, Gott weiß wie erworbenem Gute. Es waren Hofleute, Finanzleute, große Kaufleute, Bankiers, Mäkler. Ich und viele andre, die sie brauchten wie mich, wir erleichterten ihnen die gute Handlung des Wiedererstattens. In der Natur fressen sich alle Gattungen, alle Stände fressen sich in der Gesellschaft, wir strafen einer den andern, ohne daß das Gesetz sich drein mische... ….

      zit. v. zeno.org; der ungekürzte Text ist auch als Hörbuch erhältlich (Audio Verlag), von Deutschlands vermutl. bekanntester Synchronstimme (Christian Brückner) mir allerdings gar zu gleichförmig heruntergelesen...
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    • 02.08.1445 - Todestag von Oswald von Wolkenstein

      => aus "H.Paul (Hg.) Grundriss der germanischen Philologie. Zweite verbesserte...Auflage. Verl. K.J. Trübner: Straßburg 1901--1909" =>

      …. ...zugleich gewinnt das volksmässige Element der Lyrik bei dem Aufstreben der niederen Stände einerseits, bei dem Sinken des Rittertums andererseits eine weitere Ausdehnung und tiefergreifende Wirkung. Alle Gesellschaftsklassen, die gebildeten nicht ausgeschlossen, nehmen jetzt Teil an einer Liederdichtung, die in schlichteren metrischen Formen und mit jenen einfachen doch wirksamen poetischen Mitteln, wie sie sich in der ältesten...ritterlichen Lyrik zeigten, allgemein menschlichen, durch keine Standesetikette mehr beengten Empfindungen Ausdruck leiht. Auf der anderen Seite haben sich auch Traditionen des höfischen Minnegesanges...lebendig erhalten. Seine verwickelteren Strophenformen, seine Reimkünste und seine Phrasen...sind uns auch aus dem 15. und 15. Jahrh. in weit grösserer Anzahl schriftlich überliefert als echt volksmässige. Aber das Geschick in der Handhabung der Form, die Zierlichkeit der Worte, das feine Spiel der Gedanken schwindet in ihnen; die Ausdrucksweise wird einfacher, teilweise recht hausbacken, teilweise aber auch natürlicher und herzlicher und dadurch wiederum mehr der Volkslyrik angenähert... Wenn ein verlorenes Lied 'Ich weiss ein blaues Blümelein', welches Graf Johann von Habsburg bald nach 1350...verfasst haben soll, einem späteren Liede 'weiss mir ein blümli blaue' zu Grunde gelegen hat, so ist es sicher im Tone und aus dem Bilderkreise des Volksliedes heraus gedichtet gewesen, und die beiden einzigen ritterlichen Sänger des 14.--14. Jahrhs., von welchen uns grössere Liedersammlungen überliefert sind, Graf Hugo von Montfort und Oswald von Wolkenstein stehen unter dem gleichen Einfluss, wenn er auch nicht das wesentliche Element ihrer Kunst bildet...

      In der Jugend schwärmen beide in ritterlichem Frauendienst, später aber bringen sie - eine für die Zeit charakteristische Wendung des Minnegesanges - ihren Gattinnen poetische Huldigungen dar. Die persönlichen Erlebnisse finden, im Gegensatz zu der ungewissen und allgemein gehaltenen Art der älteren höfischen Lyrik, in ihren Gedichten bestimmten Ausdruck. Wie im Inhalt so ist auch in der Form ihre Poesie eine weit realistischere, übereinstimmend mit dem Volksliede und mit der allgemeinen Richtung der zeitgenössischen Literatur; aber das sie daneben zugleich den geschmückten Stil der alten Kunstpoesie anstreben oder selbst zu überbieten suchen, so ergiebt sich nicht eben selten jene wunderliche Mischung von Schwulst und Trivialität, von Pathos und Pedanterie... Auch die teilweise an das Liebeslied sich anschliessende geistliche und lehrhafte Dichtung pflegen die beiden; und so treffen die verschiedenen Hauptrichtungen der Literatur ihrer Zeit in ihrer Poesie zusammen...

      Anders als im Leben, erscheint Hugo in seinen Gedichten als eine etwas zaghafte Natur. Es fehlt ihm die Gabe, die verschiedenartigen Einflüsse, die er auf sich wirken lässt, künstlerisch zu beherrschen. Er schwärmt noch für das alte Rittertum; **Parzival ist sein Ideal. Aber der freudigen Hingabe an den Gegenstand seiner Verehrung stellen sich auf Schritt und Tritt geistliche Bedenken entgegen; über die Jugendthorheiten, die er im Minnedienste verbrochen hat, macht er sich als guter Ehemann schwere Vorwürfe, und doch mag er vom Minnegesange nicht lassen. So schwankt er zwischen weltlichen Neigungen und frommen Erwägungen. Er wiederholt sich in der Aufführung von allerlei Beispielen für die trügerische Natur der Welt und der Minne, gelobt sein weltliches Singen aufzugeben, aber neben seiner geistlichen und didaktischen, teilweise allegorisch ausgeschmückten Poesie, die solchen Reflexionen entspross, sucht er dann doch auch die Liebeslyrik wenigstens in einer für das Seelenheil möglichst ungefährlichen Weise fortzusetzen... >>**Die Kunstfigur Parzival ist sehr wahrscheinlich um 1200 entstanden...<<

      Anders Oswald von Wolkenstein. Er besitzt für seine Zeit ein ganz hervorragendes Formtalent. Auf das Spielen musikalischer Instrumente versteht er sich ebensowohl wie auf den Kunstgesang. Augenscheinlich hat er eine meistersingerische Ausbildung genossen. So bedient er sich fast ausschliesslich strophischer und zwar teilweise sehr langatmiger, künstlicher und reimüberladener Formen... In dieser Gestalt (behandelt er) auch die eigene Lebensgeschichte und historische Ereignisse seiner Zeit, ...lebhaft, mit kräftigem Humor..., meist freilich mehr andeutend als ausführend. Als Knabe schon läuft er in die Fremde; als Pferdejunge und als Ritter, als Pilger und als ein von Fürsten und Königinnen ausgezeichneter Sänger durchschweift er...ganz Europa und den Orient. Ein Parteigänger und Vertrauter des Kaisers Sigismund..., wird er dem Zorn des Herzoges (Friedrich von Österreich), der Feindschaft und Gewinnsucht einer ehemaligen Geliebten und ihres Vaters preisgegeben; Jahre schmachtet er angekettet im Kerker; und als im J. 1427 die Aussöhnung...erfolgt ist, hat er bis zu seinem Lebensende noch mannigfache Wechselfälle des Schicksals zu bestehen. So tönen die allerverschiedensten Stimmungen vom tollsten Übermut bis zur beweglichen Klage unerträglichen Elends aus seinen Liedern, und viel anschaulicher und mannigfaltiger ist sein dichterischer Ausdruck als der eines Hugo von Montfort. Sein derberer Sinn lässt ihn unter den älteren Vorbildern vor allem an der höfischen Dorfpoesie Gefallen finden; seine Tanzlieder, seine Erzählungen von Abenteuern niederer Minne neigen stark zum Obscönen, teilweise auch seine lebhaft realistischen Tagelieder. Der unmittelbare Einfluss des Volksliedes ist bei ihm noch deutlicher als bei Hugo. Dazwischen zeigt sich auch Meistergelehrsamkeit und ein bizarres Gefallen am Anhäufen von Namen und Fremdworten nach **Tannhäusers Art. Aber alle die höfischen, **dörperlichen und meistersingerischen Anregungen, die er empfangen, weiss der originelle und gestaltungsfreudige Dichter selbständig fortzubilden. …. >>**Der Minnesänger und "Spruchdichter" Tannhäuser dürfte um 1250-60 gewirkt haben. / Über Herkunft und Bedeutung der Worte dörper und dörperlich ließe sich wohl gut und gerne eine Dissertation verfassen - eine einfache Gleichsetzung von dörperlich mit satirisch-grotesk scheint mir problematisch, als "vorsichtige Annäherung" dürfte es freilich hinkommen...<<

      zit. v. archive.org; obige Passagen entstammen dem (c. 200seitigen) Abschnitt Mittelhochdeutsche Literatur, den F.H.T.Vogt >1851/1923< verfasst hat, lt. wikipedia.org "einer der letzten großen Germanisten der älteren Schule".
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    • 05.08.1850 - Geburtstag von Guy de Maupassant

      aus - "Menschen und Werke. Essays von Georg Brandes >1842/1927<. Zweite...ergänzte Auflage. Literar. Anstalt Rütten & Loening: Frankfurt 1895" =>

      …. >i< Guy de Maupassant hat...selbst erzählt, auf welche Weise ihn Flaubert zum Schriftsteller erzog. Flaubert schärfte ihm den alten Satz ein, dass Genie ein langes Gedulden sei. Flaubert...behauptete, es fände sich an allen Dingen etwas noch nicht Beobachtetes..., das es gelte, ins Auge zu fassen: Wenn wir ein loderndes Feuer, einen Baum auf einer Flur beschreiben wollen, so haben wir uns vor dieses Feuer, vor diesem Baum so lange hinzustellen, bis sie in unseren Augen keinem andern Feuer, keinem andern Baume auf der Welt mehr gleichen. Und Maupassant lässt ihn mit den Worten schliessen: Auf diese Weise wird man originell...

      >ii< Der Unterschied zwischen dem bedeutenden Menschen und dem unbedeutenden liegt für ihn darin, dass Freiheit die Lebensluft des ersteren, flügellahme Gebundenheit das Element des andern ist. (Maupassant) fühlt sich...als die Wildgans, die ihren Schrei über die zahmen Gänse hintönen lässt und hie und da in deren Herzen den alten Traum von Wildheit und Freiheit weckt. Dies sein Gesichtspunkt für die Menge der Menschen rings um ihn her und für den Werth der bürgerlichen Gesellschaft. Was die Civilisation aus den Menschen gemacht hat, ist ihm etwas, was diesen watschelnden Gänsen ähnelt, etwas Hässliches, wenn es von einem Standpunkte, etwas Komisches, wenn es von einem andern gesehen wird...

      >iii< Von den ersten Zeiten des Romantismus an...hatte man die französische Sprache gebogen und gestreckt, geschminkt und parfümirt, um sie zum Ausdrucke dessen zu befähigen, was bisher für unsagbar gegolten. Die Romantiker hatte alte Worte aus dem sechzehnten Jahrhundert auf ihr Geweb' gestrickt..., (die) Decadenten waren bestrebt, der Sprache auf Kosten der Fasslichkeit einen musikalischen Charakter und dadurch, dass sie die Worte in Nebel hüllten, ein philosophisches Gepräge zu verleihen. Ueberhaupt hatten die Neuerer Effectmittel aufgehäuft, wo die Aelteren mit einem Zuge, einem Striche wirkten... (Nun trat) Einer auf... - und dieser junge Mensch war von der ersten Novelle an...ein Classiker, welche die ihrem innersten Wesen nach so logische französische Sprache gleich einer in der Sonne blitzenden, blankgezogenen Klinge in leuchtender Klarheit spielen liess…, immer nüchtern, selbst wenn er, seltenesmal in eigenem Namen sprechend, sich warm redete. Er war kein...Zergliederer von Seelenregungen: Er stellte alles mit wenigen Strichen, mit einem Bilde, einem malenden oder carikirenden Zuge dar, alle Psychologie in Handlung auflösend. In einem Zeitalter und einem Land, wo einige der trefflichsten Schriftsteller...mit Hartnäckigkeit eine Idee, eine Stimmung verfolgten, oder die hunderterlei Blumen eines Treibhauses...einzeln aufzählen, um auf diese Weise Wirkung zu erzielen, war er...kurz und kühn, rücksichtlos sinnlich und ironisch bis zum Cynismus, lustig oder beissend, immer aber kurz.

      >iv< Reinheit des Herzens, sagt Kierkegaard, heisst: Einheitliches wollen. Einheitliches wollen ist auch die Kunst des Meisters. Niemand hat besser als Maupassant verstanden, in einer kürzeren oder längeren Erzählung Alles in eine starke einheitliche Wirkung auf das Gemüth des Lesers aufgehen zu lassen... Es finden sich zuweilen Anklänge an das freie schelmische Wesen der alten französischen Novellisten in (seinen) Erzählungen. Nur dass diese Schelmerei hier in der Fassung eines weit gefestigteren, vollendeteren Stils erscheint. Maupassant hat als Stilist die Gabe, scharf zu kennzeichnen, ohne sich ungewöhnlicher Ausdrücke zu bedienen. Ebenso wenig charakterisirt er mittelst vieler Adjektive... So zeichnet er den Demokraten Cornudet mit folgenden Worten: Zwanzig Jahre hindurch hatte er seinen rothen Bart in die Bierkrüge sämmtlicher demokratischer Cafes getaucht. Den Notar in "Bel-Ami" charakterisirt er mit nachstehender Scherz-Caricatur: Der Notar war ein kleiner, ganz runder Mann, um und um rund. Sein Kopf sah aus wie eine Kugel, die auf eine zweite Kugel genagelt worden, und diese wurde wiederum von zwei Beinen getragen, so klein, so kurz, dass sie beinahe ebenfalls Kugeln glichen...

      >v< Während sonach Zola, als der Schwarzseher, der er ist..., die Liebe nicht selten mit Abneigung oder sogar - wie in "Une page d'amour" - mit Verachtung betrachtet..., trägt Guy de Maupassant stets Sympathie oder doch Nachsicht demjenigen entgegen, den Venus beherrscht. Ja diese wohlwollende Nachsicht erstreckt sich sogar auf die vulgärsten Priesterinnen der Liebe. Es spiegelt sich eine Seite seines Naturells in der Art und Weise wieder, auf welche er...die Courtisane behandelt... Balzac hatte sie in seinen "Contes drolatiques" mit künstlerischer Begeisterung geschildert, **Renan, der symbolisirende Philosoph, erkennt sie als vollberechtigte Erscheinung an ( - als Vertreterin der Welt der Schönheit, wie Prospero der Vertreter der Welt des Gedankens ist - ) (und) verhandelt mit ihr wie von Macht zu Macht. Zola hingegen ist die Courtisane nichts Anderes als...das verächtliche Menschthier, Grund und Ursache lauter verächtlicher Handlungen... Maupassant ist (dieser) gegenüber weder so galant wie Renan noch so streng wie Zola. Er betrachtet sie je nach den Umständen als eine mehr oder minder sympathische, mehr oder minder komische Gestalt, deren Auftreten in der Gesellschaft unausweichlich zu den drolligsten Zusammenstössen und Situationen Anlass gibt. Er führt sie fast nur ein, um die ganze Gemeinheit und Thorheit blosszulegen, welche die reguläre bürgerliche Gesellschaft unter ihrem Ueberzuge von Ehrbarkeit birgt. .... ((verf. 1890; bereits drei Jahre später verstirbt Guy de Maupassant >lt. Onkel Wiki übr. "einer der am häufigsten verfilmten Autoren"< in einer psychiatrischen Klinik bei Paris. // **Ernest Renan >1823-1892<: Mitglied der Academie francaise, lt. Wiki "Historiker, Archäologe, Religionswissenschaftler und Orientalist"))

      zit. v. archive.org
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    • 07.08.1635 - Todestag von Friedrich Spee >von Langenfeld<

      Conterfey des menschlichen lebens

      Ich newlich früh zu morgen/ Zur edlen sommer zeit/ Hett abgespannt all sorgen/ Vnd war geschefften queit.
      Alß nun spatzirt im garten/ Stund auff ein blümlein zart/ Da wolt ich je noch warten/ Biß es vollkommen ward.

      Die morgenröth verschwunde/ Weil jhren purpurschein der helle tag vmbwunde mit klarheit noch so rein.
      Die Sonn mit sanfften stralen daß blümlein vbergoß/ All blättlein thet sie mahlen/ Sampt blüets in jhrem schoß.

      Da gund es lieblich blicken/ Gab auch so süssen ruch/ Ein krancken möchts erquicken so läg im letzten zug.
      Ein lüfftlein lind von Athem rührt an daß Blümelein. Da schwebts/ alß an ein Fadem gebundnes vögelein.

      Auff seinem stiel so mütig sich wand es hin/ vnd her/ So säfftig/ vnd so blütig/ Alß wär der Todt noch sehr.
      O blümlein schön ohn massen/ Weil bist in deiner zier/ Von dir wil nu nit lassen biß zu dem abend schier.

      Ey wer mag auß- dan- sprechen dein schön- und lieblichkeit? An dir weiß kein Gebrechen/ Bist voller zierlichkeit.
      Ja Salomon der mächtig/ War nie so schön bekleid/ Wan schon er leuchtet prächtig in pomp/ vnd herrligkeit.

      Vmd dich die Bienlein brummen/ Vnd hönig samblen ein/ Zu saugen sie da kommen die weiche wänglein dein.
      Die menschenkind im gleichen mit lust dich schawen an/ All schönheit muß dir weichen/ Spricht warlich jederman.

      Wolan/ magst nun stoltziren du garten Sternelein/ Must endlich doch verlieren all dein gefärbten schein.
      Dich bald nur wirst entferben/ Gestalt wirst reisen ab/ Noch heut wjirst müssen sterben denck zeitlich nur zum Grab.

      Ich zwar will dich nit brechen/ Will dich wol bleiben lan: Die sonn dich wird erstechen/ Wirst nicht so lang mehr stahn.
      Halt/ halt/ wird schon bald werden/ Schon dopplets jhre pfeil/ Vnd richts gerad zur erden/ Wie lauter fewrig keil.

      Starck hats gespannt den bogen schießt ab den besten schein/ Groß hitz da kompt geflogen/ Vnd dringt mit machten ein.
      Ey waß will nu beginnen so zartes garten-blut? Die blätlein gar erbrinnen/ Von heisser sonnen-glut.

      Da neigt es sich zur stunde verwelckt/ vnd sincket hin/ Daß jetzt noch auffrecht stunde mit also stoltzem sinn/
      Daß blümlein/ jung von tagen sein hälßlein niedersenckt; Ach/ ach/ nun muß ich klagen schon gar es ist erkrenckt.

      Die seel hats auff der zungen alweil wirds blaßen auß: Nun muß es sein gerungen mit todt/ vnd letztem strauß.
      O wee der kurtzen stunden! O wee da schläfft es ein; Jetzt/ jetzt ist schon verschwunden mein zartes blümelein.

      O mensch hab die gemahlet so gar ob augen dein/ Recht wie der todt vns holet/ Wan wir in wolstand seyn.
      O nie/ nit traw der schöne dem fleisch vnd blvt nicht traw/ Dich nur mit Gott versöhne/ Auff jhn alleinig baw.

      Wan schon all man dich preisen/ Vnd stehst in voller blut/ Die blätlein doch bald reisen/ Noch eh mans träumen thut.
      Ein fieberlein kompt stechen mit seinen stralen spitz/ Da muß all krafft zerbrechen/ O wee der gschwinden hitz?

      Ey waß dan will brauiren ein schwaches pfläntzelein? Der Todt wird bald citiren/ Fort/ fort/ dan muß es seyn.
      Wan schon bist jung von jahren/ Wan schon bist hüpsch/ vnd fein/ Doch must von hinnen fahren/ Fort/ fort/ muß dennoch seyn.

      zit. v. zeno.org
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    • 11.08.1884 - Todestag von Moritz Thausing

      Der langjährige Leiter der graphischen Sammlung der Wiener Albertina verfasste u. a. auch eine c. 500seitige (erstmals 1876 in Leipzig erschienene) Dürerbiographie, aus dessen Kapitel Der 2. Aufenthalt in Venedig hier die - etwa um die Hälfte gekürzte - Einleitung wiedergegeben ist . . .

      Gemeiniglich pflegen wir (eine) Lebensgeschichte...nach auffälligen äusseren Ereignissen in derselben zu gliedern. Für Künstler...suchen wir die entscheidenden Wendepunkte in ihren Reisen, von der richtigen Voraussetzung geleitet, dass dieselben eine unmittelbare Einwirkung auf ihren Genius üben müssten. Sehr nahe liegt dieser Gedanke auch bei jenen beiden Reisen Dürers, die ihn für längere Zeit in die beiden Hauptländer der modernen Malerei führten... Und doch würden wir uns täuschen, wenn wir von dem Venetianischen Aufenthalte...1506 oder von der Niederländischen Reise...1520 irgend einen wesentlichen Umschwung in Dürers Kunstthätigkeit herleiten wollten. Beidemal war der Abschluss einer entscheidenden Entwicklungsperiode Dürers der Reise bereits vorausgegangen...

      Der Klärungsprocess, der Dürer plötzlich zur...klaren Erkenntnis seiner künstlerischen Sendung erhebt, (fällt) gerade in das Jahr 1503, ohne an irgend welche äussere Lebensverhältnisse anzuknüpfen. Allerdings mochte der Tod des Vaters am Ende des Vorjahres...seine Einkehr mit sich selbst mit veranlasst haben... Wie dies wohl auch sonst vorkommt, war diese psychische Evolution bei Dürer von einer körperlichen Erkrankung begleitet. Die Art, wie uns Dürer...von dieser...berichtet, giebt uns auch einen Schlüssel zu der Epoche seiner Blüthezeit. Im Britischen Museum befindet sich nämlich eine Kohlezeichnung: der Kopf des todten Heilandes mit der Dornenkrone, mit geöffnetem Munde und geschlossenen Augen, stark verkürzt von unten gesehen, und von entsetzlichem Schmerzensausdrucke. Wohlerhalten ist das Monogramm mit der Jahreszahl 1503, darunter...die Inschrift D...angesicht hab ich...gemacht in meiner kranckheit. Aus der eigenen Schmerzempfindung heraus sucht Dürer hier nach dem Ausdrucke des leidenden Christus; es ist...ein offenes Bekenntniss zu jenem Realismus, der das...Göttliche doch nur in der ganzen, wahren Menschlichkeit begreift. Nach allen Richtungen holt nun Dürer weit aus..., und es folgt das Jahrzehnt einer Thätigkeit, deren...Mannigfaltigkeit stets mehr überrascht, je weiter man sie...zu ergründen sucht.

      Bisher hatte sich Dürer dabei genügt, das menschliche Antlitz...mit derselben Objektivität (wiederzugeben), mit der er Pflanze und Thier, Landschaften und andere Gegenstände...abzuspiegeln vermochte. Die Porträte aus seiner früheren Zeit zeigen noch die starre Ruhe des Momentes...und jene nach aussen gerichtete Spannung der Gesichtszüge, wie sie sich dem Sitzenden nothwendig aufprägt. Mehr oder minder klebt diese Zufälligkeit allen deutschen Bildnissen des XV. Jahrhunderts an und trägt wesentlich zur weltentrückten Naivetät ihres Ausdruckes bei. Aus dem Jahre 1503 aber begegnen wir zuerst Porträtstudien Dürers, die eine ganz neue Art der Auffassung zur Schau tragen… Die Haare zittern, die Augen blinken und zwinken, die Lippen schwellen und zucken in einer ganz unbeschreiblichen Bewegung. Neben jenem Christuskopfe besitzt das Britische Museum noch den eines Mannes im Turban mit gähnendem Munde, mit Kohle gezeichnet... Merkwürdig aber ist der Kopf eines schönen Weibes in der Kunsthalle zu Bremen, mit entblösstem Halse, die Haare mittels eines Stirnbandes gehalten und rückwärts zusammengebunden, beinahe lebensgross, in Silberstift entworfen. Sie lacht auf, dass beide Zahnreihen sichtbar werden, und doch hat der Mund nichts Fratzenhaftes - man möchte mitlachen mit dieser ausgelassenen, in kräftiges Deutsch übertragenen Mona Lisa Gioconda. Hieher gehört auch der junge Mann, der mit verschmitzter Heiterkeit unter seinem Kraushaar hervorblickt, eine Federzeichnung in der Sammlung des Mr. Locker in London. Alle diese Köpfe, meist in Kohle oder Stift skizziert, tragen die Jahreszahl 1503. Daran schliesst sich dann die lange Reihe ähnlicher Kopfstudien, deren Höhepunkt später die mannigfaltigen...Aposteltypen bilden. Erwähnt seien nur noch zwei Silberstiftzeichnungen aus der Sammlung Hausmanns in Braunschweig, das leider schadhafte Bildniss von Dürers Frau...(und die) Profilskizze des Freundes Pirkheimer. Mit wenigen Strichen ist uns hier der lustige Weltweise von Nürnberg am Leben erhalten...

      Die tiefere Erfassung des Porträtstudiums aber ist die Grundlage moderner Historienmalerei. Kann das Menschenantlitz erst die psychischen Vorgänge, die Keime der Willensäusserung wiederspiegeln, dann folgen die Körper leicht den Motiven, die sie zu einheitlicher dramatischer Verbindung zusammenschliessen. In der Bewältigung des physiognomischen Ausdruckes liegt der Schlüssel zu jenem unerschöpflichen Reichthume in der Composition, der den lombardischen Maler Lomazzo zu dem Ausspruche bewog Dürer habe allein mehr erfunden, als alle anderen Meister zusammengenommen...

      Dürers Kupferstiche und Holzschnitte fanden frühzeitig ihren Weg nach Italien und verbreiteten dort seinen Ruhm. Von seinen ältesten Stichen waren es insbesondere die landschaftlichen Hintergründe, welche die italienischen Meister so ansprachen, dass sie dieselben zur Zierde der eigenen Compositionen entlehnten. Von den Holzschnitten dagegen begegnen ihrem Verständnisse nicht...die strengeren älteren Blätter aus der Zeit der Apokalypse, sondern erst die der mittleren Zeit, deren freiere Formenbeherrschung...Dürer bereits als auf der Höhe seiner künstlerischen Vollendung angelangt zeigen. Entscheidend für unser Verständnis ist es nun, dass der Beginn dieser reichsten mittleren Stilperiode Dürers viel früher fällt, als man gemeiniglich annimmt, nämlich vor seinen zweiten Aufenthalt in Venedig. ….

      zit. v. ub.uni-heidelberg.de
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    • 12.08.1827 - Todestag von William Blake

      Zu seinen großen Frühwerken zählen die neunzehn (1789 entstandenen) Songs of Innocence - aus diesen hier eine kleine Auswahl.....

      (iii) The Echoing Green The Sun does arise, / And make happy the skies; / The merry bells ring / To welcome the Spring;
      The skylark and thrush, / The birds of the bush, / Sing louder around / To the bells' cheerful sound,
      While our sports shall be seen / On the Echoing Green.

      Old John, with white hair, / Does laugh away care, / Sitting under the oak, / Among the old folk.
      They laugh at our play, / And soon they all say: / 'Such, such were the joys / When we all, girls & boys,
      In our youth time were seen / On the echoing green.'

      Till the little ones, weary, / No more can be merry; / The sun does descend, / And our sports have an end.
      Round the laps of their mothers / Many sisters and brothers, / Like birds in their nest, / Are ready for rest,
      And sport no more seen / On the darkening Green.

      (x) Laughing Song When the green woods laugh with the voice of joy, / And the dimpling stream runs laughing by;
      When the air does laugh with our merry wit, / And the green hill laughs with the noise of it;

      When the meadows laugh with lively green, / And the grasshopper laughs in the Merry scene,
      When Mary and Susan and Emily / With their sweet round mouth sing 'Ha, Ha, He!'

      When the painted birds laugh in the shade, / When our table with cherries and nuts is spread,
      Come live, and be merry, and join with me, / To sing the sweet chorus of 'Ha, Ha, He!'

      (xv) Spring Sound the flute! / Now it's mute. / Birds delight / Day and night; // Nightingale / In the dale, / Lark in sky, / Merrily,
      Merrily, merrily, to welcome in the year.

      Little boy, / Full of joy; / Little girl, / Sweet and small, // Cock does crow, / So do you; / Merry voice, / Infant noise,
      Merrily, merrily, to welcome in the year.

      Little lamb, / Here I am; / Come and lick / My white neck; // Let me pull / Your soft wool; / Let me kiss / Your soft face;
      Merrily, merrily, we welcome in the year.

      (xvi) Nurse's Song When the voices of children are heard on the green, / And laughing is heard on the hill,
      My heart is at rest within my breast, / And everything else is still.

      'Then come home, my children, the sun is gone down, / And the dews of night arise;
      Come, come leave off play, and let us away / Till the morning appears in the skies.'

      'No, no, let us play, for it is yet day, / And we cannot go to sleep;
      Besides, in the sky the little birds fly, / And the hills are all cover's with sheep.'

      'Well, well, go and play till the light fades away, / And then go home to bed.'
      The little ones leaped, and shouted, and laugh'd / And all the hills echoed.

      zit. v. wikiource.org; Vertonungen von Gedichten William Blakes gibt es >u. a.!!< von George Antheil, Benjamin Britten, Paul Hindemith, Leif Segerstam, Virgil Thomson und Ralph Vaughan Williams. Auch in Jazz, Pop, Rock und Film gibt es vielerlei Bezüge zu ihm...
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    • 13.08.1946 - Todestag von Herbert George Wells

      I. F. das - c. um die Hälfte gekürzte - erste Drittel seiner Kurzgeschichte Tiefsee-Piraten (The Sea Raiders). Sie erschien erstmals 1896, zählt hiermit - eben so wie auch der mehrfach verfilmte Roman The Time Machine (von 1895) - zu seinen frühesten Werken . . .

      … Es scheint tatsächlich, als ob diese großen, beweglichen Geschöpfe, die in den mittleren Tiefen des Meeres leben, und zum größten Teil auf immer unbekannt bleiben sollen, da sie unter dem Wasser zu gewandt sind für Netze, und man nur durch...seltene Zufälle in den Besitz einzelner Exemplare gelangt. Was z. B. die H a p l o t e u t h i s anbelangt, so wissen wir noch immer gar nichts von ihrem Aufenthaltsort. Möglicherweise war es der Zwang eines Hungerstreifzugs, der sie aus der Tiefe hierhertrieb. Aber es ist vielleicht geratener, keine Fragen aufzuwerfen, die ja notgedrungen doch unentschieden bleiben müssen, und ohne weiteres zu unserer Erzählung überzugehen.

      Das erste menschliche Wesen, dessen Augen eine lebende H a p l o t e u t h i s erblickten - das heißt, das erste menschliche Wesen, das dabei mit dem Leben davonkam >denn es kann kaum ein Zweifel bestehen, daß die Kette von Badeunfällen und Bootsunglücken, die Anfang Mai die ganze Küste von Cornwall und Devonshire heimsuchte, diesen Ungetümen zuzuschreiben ist< -, war ein ehemaliger Teehändler namens Fison… Es war an einem Nachmittag, und er ging auf dem Klippenpfad zwischen Sidmouth und Ladram Bay spazieren. Die Klippen nach dieser Seite hin sind sehr hoch, aber an einer Stelle führt eine Art von Leitertreppe hinab. Er war ganz nahe bei dieser Treppe, als seine Aufmerksamkeit durch etwas angezogen wurde, was er zuerst für einen Schwarm von Vögeln hielt, die um ein Stück Beute stritten; auf letzteres schien gerade die Sonne, und es schimmerte weißlich-rosa. Es war zur Zeit der Ebbe, und der Gegenstand war nicht nur tief unter ihm, sondern auch weit draußen, hinter einer Wirrnis von Felsenriffen, die mit dunklem Seetang bedeckt waren...

      Als er nach einer Minute wieder hinsah, bemerkte er, daß seine Annahme irrig gewesen war; denn...da draußen kreiste eine ganze Anzahl von Vögeln, meist Krähen oder Möwen, deren Flügel, wenn die Sonne auf sie schien, blendend auffunkelten… Da (Mr. Fison) nichts Besseres zu tun hatte, als seinem Vergnügen nachzugehen, so beschloß er, statt Ladram Bay, diesen Gegenstand, was es auch immer sein mochte, zum Ziel seines Nachmittagsspaziergangs zu machen; er dachte, er dachte, es könnte vielleicht irgend ein großer, durch Zufall hier gestrandeter Fisch sein, der da in seiner Not herumzappelte. Er kletter also eiligst die Leitertreppe hinunter... Am Fuß der Klippe war er natürlich seinem Ziel näher als oben; dafür aber erschien es jetzt - unter der Sonne - gegen den weißglühenden Himmel - dunkel und undeutlich. All das Blaßrote daran war nun durch einen Wall tangiger Steine verdeckt. Aber er bemerkte, daß das Ding aus sieben runden Körpern bestand - getrennt oder zusammenhängend - und daß die Vögel unaufhörlich krächzten und kreischten, sich aber zu fürchten schienen, ihm zu nahe zu kommen. Mr. Fison...begann, sich einen Weg über die von den Wellen zerwaschenen Felsblöcke zu suchen; und da er merkte, daß der nasse Tang...sie außerordentlich schlüpfrig machte, blieb er stehen, zog Schuhe und Strümpfe aus und rollte seine Beinkleider bis über die Knie herauf. Natürlich bezweckte er damit, sich vor dem Ausglitschen...zu bewahren; vielleicht auch ergriff er - wie alle Männer - mit Freuden einen Vorwand, sich wieder einmal - und sei es auch nur für einen Moment - in die Gefühle seiner Knabenjahre zurückzuversetzen...

      Er näherte sich seinem Ziel mit der ganzen Zuversicht, die die absolute Gesichertheit dieses Landes gegen jegliche Form animalischen Lebens den Einwohnern verleiht. Die runden Körper bewegten sich hin und her; aber erst nachdem er den Wall von Steinen erklommen hatte, den ich vorhin erwähnte, ward ihm klar, was er da Fürchterliches entdeckt hatte.. Es zeigte sich, daß das blaßrötliche Ding der halbaufgefressene Leichnam eines menschlichen Lebewesens war; ob Mann oder Weib - das vermochte er nicht zu entscheiden. Und die runden Körper waren neue, gespenstisch aussehende Geschöpfe, von Gestalt etwa wie ein Oktopus, und mit riesigen, sehr langen und biegsamen Fangarmen, die massenhaft auf dem Grund durcheinandergerollt waren. Die Haut war glatt und glänzend, widerlich anzusehen - wie Glanzleder. Das abwärts gebogene...Maul, der sonderbare Auswuchs an seiner Biegung, die Fangarme und die großen, intelligenten Augen verliehen den unheimlichen Geschöpfen fast so etwas wie ein groteskes, menschliches Gesicht. Der Rumpf hatte ungefähr den Umfang eines großen Schweins, und die Fangarme waren - wie es Mr. Fison schien - viele Fuß lang. Mindestens sieben oder acht waren, seiner Ansicht nach, da versammelt. Zwanzig Meter hinter ihnen tauchten im Gischt der zurückkehrenden Flut noch zwei weitere aus dem Meer auf.

      Ihre Rümpfe lagerten platt auf den Felsen; und ihre Augen beobachteten ihn voll boshaften Interesses. Aber es scheint, daß Mr. Fison weder Angst hatte noch sich überhaupt klarmachte, daß ihm irgendeine Gefahr drohe. Vermutlich flößte die ganze Knochenlosigkeit ihrer Erscheinung ihm dies Zutrauen ein. Aber er war natürlich entsetz und...empört darüber, daß solch scheußlichen Geschöpfe über Menschenfleisch herfielen. Er dachte, sie wären zufällig auf den Leichnam eines Ertrunkenen gestoßen. Er schrie sie an, in der Idee, sie würden sich dadurch vertreiben lassen; und als er sah, daß sie nicht vom Fleck wichen, blickte er sich um, ergriff einen großen, runden Stein und warf damit nach einem von ihnen... … ((dt. v. Getrud I. Klett; 1871/1916))

      zit. v. gutenberg.spiegel.de
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      15.08.1771 - Geburtstag von Walter Scott

      The Bride of Lammermoor zählt zu seinen - von 1819 bis 32 entstandenen - Waverly Novels und enthält insgesamt fünfunddreißig (vergleichsweise kurze) Kapitel. Hier etwa ein Viertel des Kapitels Zehn...

      Keineswegs nur Donizettis Lucia di Lammermoor geht auf eine Vorlage von Walter Scott zurück - ebenso auch (u. v. a.!) Rossinis La Donna del lago, Boieldieus La dame blanche, Aubers La muette de Portici und Otto Nicolais Der Tempelritter.

      Hayston von Bucklaw gehörte zu jener leichtsinnigen Classe, die um eines Freundes willen keinem Spaße entsagt. Als man erfahren hatte, daß die Hauptpersonen der Jagd den Weg nach Wolf's Crag eingeschlagen hätten, so schlugen die Jäger höflicherweise vor, das Wildpret dorthin zu bringen, was gern von Bucklaw angenommen wurde, da er mehr an die Verwirrung dachte, die ihre Ankunft in hellen Haufen dem armen Caleb Balderstone verursachen würde, als an die Verlegenheit, in die er seinen Freund Ravenswood setzen könnte, da derselbe so schlecht vorbereitet war, eine so große Gesellschaft zu empfangen. Aber er hatte in dem alten Caleb einen gewandten und rüstigen Gegner, der in allen Verlegenheiten mit Ausflüchten und Entschuldigungen...thätig bei der Hand war... (Dieser) paßte...auf den Augenblick, wo Ravenswood seine beiden Gäste in die Burg führte, und begann alsbald, seine Unternehmungen auszuführen. "Ich denke," sagte er zu den fremden Dienern, "daß, da sie den Hirschkopf mit allen Ehren hierher bringen, wir als Insassen sie vor dem Thore empfangen sollten."

      Die arglosen Stallknechte waren kaum hinausgeeilt..., als der ehrliche ((? / besser: ehrenwerte??)) Caleb...den anderen Thorflügel, da, wie bereits angedeutet worden ist, der eine von dem Wind geschlossen worden war, mit einer Gewalt zuwarf, daß der Schall von dem Thorgewölbe an den Zinnen widerhallte. Als er so den Eingang gedeckt hatte, richtete er alsbald an die ausgeschlossenen Jäger eine kurze Anrede, die er vor einem hervortretenden...Schießloche hielt, durch welches in den vorigen Zeiten die Wächter ((den ??)) sich vor dem Thore zeigenden Personen zu erkennen pflegten. Er gab ihnen...zu verstehen, daß das Schloßthor unter keiner Bedingung während der Mahlzeit geöffnet würde, daß der Herr von Ravenswood mit einigen vornehmen Gästen eben jetzt zu Tisch sei, daß es unten bei der Schenkwirthin zu Wolf's Hope köstlichen Branntwein gäbe, und er deutete diplomatisch an, daß die Zeche von seinem Herrn berichtigt werden würde, aber er that es nur dunkel und zweideutig: denn Caleb Balderstone hütete sich, wie Ludwig XIV., die Feinheit bis zur offenen Falschheit zu treiben...

      Bucklaw kam nun vom Nachtrab heran, und begehrte in einem sehr unwilligen Tone Einlaß. Doch Caleb blieb unerschütterlich. "Wenn der König...an dem Thore hielte," erklärte er, "so sollten die zehn Finger desselben es nicht öffnen gegen den in der Familie von Ravenswood herrschenden Brauch und gegen die Dienstpflichten des Hausmeisters." Bucklaw gerieth nun in den äußersten Zorn, und erklärte sich unter mehr Flüchen und Schwüren, als wir zu wiederholen gedenken, für gröblich beleidigt... Der muntere Jägerhaufen verließ das ungastliche Thor... Während sie den steilen Dammweg hinabstiegen, verfluchten sie den schnöden und filzigen Schloßherrn, und verdammten mit mehr als weidmännischer Freiheit das Schloß und seine Bewohner. Bucklaw war...in seiner Erziehung so sehr vernachlässigt worden, daß er unfähig war, anders zu denken und zu fühlen als seine Lustgesellen. Das Lob, das erst kürzlich über Ravenswood ausgeschüttet worden war, stellte er mit dem allgemeinen Tadel zusammen, der sich nun gegen denselben erhob - er rief sich die trüben, einförmigen Tage zurück, die er in Wolf's Crag verlebt hatte, und verglich sie mit seiner gegenwärtigen Lustigkeit - mit großer Entrüstung betrachtete er seinen Ausschluß aus dem Schloß…, und all' diese Gefühle zusammen verleiteten ihn, mit dem Herrn von Ravenswood zu brechen...

      Die Scene, die unterdessen im Thurme von Wolf's Crag statt hatte, war von ganz anderer Art. Als der Herr von Ravenswood, der zu sehr mit eigenen verworrenen Betrachtungen beschäftigt war, als daß er auf die Unternehmungen Calebs geachtet hätte, den Hofraum verlassen hatte, führte er seinen Gäste in die große Halle des Schlosses. Der unermüdliche Balderstone...hatte dieß düstere Gemach...einigermaßen in Ordnung gebracht. Aber all' seine...Mühe vermochte es nicht..., diesen alten, kahlen Wänden ihren trüben und traurigen Anschein zu benehmen. Die engen, zu den Seiten mit tiefen Nischen umgebenen Fenster schienen das heitere Tageslicht eher auszuschliessen, als einzulassen, und die schwere, dunkle Gewitterwolke vergrößerte noch die Finsterniß...

      Der Haß, der in den Lehenszeiten die großen Familien trennte, hatte wenig von seiner Bitterkeit verloren... Weder die Gefühle, die Ravenswood begonnen hatte, gegen Lucie Ashton zu nähren, noch die Gastlichkeit, die er seinen Gästen schuldig war, konnten...jene tiefe Leidenschaft gänzlich unterdrücken, als er den Feind seines Vaters in der Halle der Familie stehen sah, deren Sturz derselbe so sehr beschleunigt hatte. Sein Blick fiel vom Vater auf die Tochter mit einer Unschlüssigkeit, deren Verlauf abzuwarten, Sir William Ashton nicht für gut fand. Dieser letztere hatte bereits sein Beinkleid abgelegt... "Liebe Lucie," sagte er, indem er (seine Tochter) auf Ravenswood zuführte, "lege die Maske weg, und geben wir dem Herrn...unverhüllt unsern Dank zu erkennen." "Wenn er so gut sein will, ihn anzunehmen," war Alles, was Lucie hervorbrachte; aber ihre Stimme...drückte das Gefühl über die kalte Aufnahme und die Verzeihung derselben so wohl aus, daß die Worte...sein strenges Herz durchschnitten. Er murmelte etwas von Ueberraschung und Verlegenheit, und indem er mit Wärme und Lebendigkeit die Freude ausdrückte, ihr in seinem Hause ein Obdach anbieten zu können, grüßte er sie nach den damals üblichen Regeln des Anstandes...

      Eine Röthe, die bei weitem mehr Wichtigkeit auf diese Höflichkeitsbezeigung legte, als es gewöhnlich der Fall war, bedeckte die schönen Wangen von Lucie Ashton, als auf einmal die Halle in einem Blitzstrahl erglänzte... Die zarte, hinsinkende Gestalt von Lucie Ashton, das...stattliche Aeußere von Ravenswood, seine ernsten Züge und der...unsichere Blick seines Auges, die alten Waffen und Wappenbilder, die an den Wänden des Gemaches hingen, waren für einen Augenblick...in einem rothen, glänzenden Schimmerlicht deutlich erkennbar. Das Verschwinden des Lichts war von einem Donnerschlag begleitet..., und die Erschütterung war so...furchtbar, daß der alte Thurm bis in seine Tiefe bebte... Der Ruß, der seit Jahrhunderten ungestört geblieben war, fiel durch die weiten Schornsteine herab, Kalk und Staub flog in Wolken von der Wand, und, sei es, daß der Blitz wirklich das Schloß getroffen, oder sei es die gewaltige Erschütterung der Luft, mehrere schwere Steine stürzten von den verwitterten Zinnen in die brausende See hinab.. … ((dt. v. W.Sauerwein; 1803/1847))

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      17.08.1838 - Todestag von Lorenzo da Ponte

      => aus "Denkwürdigkeiten des Lorenzo da Ponte von Ceneda. A. d. Italienischen von Dr.Ed.Burckhardt. Verlag v. W.Opetz: Gotha 1861" =>

      Ich hatte...das Gerücht vernommen, der Kaiser sei gesonnen, ein italienisches Theater in seiner Haupt= und Residenzstadt wieder zu eröffnen... Seit langer Zeit hatte ich...Bewunderung für den Herrscher empfunden, von welchem ich alltäglich einen neuen Zug von...Seelengröße erzählen hörte; dieses Gefühl diente meinen Hoffnungen zur Stütze. Ich suchte Salieri auf; er begnügte sich nicht damit, meiner Hoffnung zu schmeicheln, sondern bot sich sogar an, sich für mich bei dem General=Intendanten der Schauspiele zu verwenden und, wenn's sein müßte, beim Kaiser selbst, der ihn mit einer ganz besonderen Gunst beehrte. Wirklich manövrirte er so gut, daß das erste Mal, wo ich die Ehre hatte, dem Kaiser vorgestellt zu werden, dies nicht geschah, um ihm meine Bitte vorzutragen, sondern um ihm meine Danksagungen darzubringen...

      Die gütige Miene, die in seinem Angesicht ausgedrückt war..., die Einfachheit seines Benehmens, das wenige Gepränge, das ihn umgab, ließen es mich vergessen, daß ich mich einem gekrönten Haupte gegenüber befand... Er geruhte, mich über meine Privatangelegenheiten, mein Vaterland, meine Studien und über die Beweggründe, die mich nach Wien geführt hätten, zu befragen. Ich antwortete auf Alles so kurz als möglich und meine fast lakonischen Antworten schienen ihm zu genügen. Die letzte Frage...war, wie viel Dramen ich schon geschrieben hätte. "Keins, Sire," antwortete ich. "Gut, gut," entgegnete er lächelnd, "da haben wir also eine jungfräuliche Muße."...

      Ohne Widerrede war jener Augenblick einer der süßesten meines Lebens... Mein Glück erreichte seinen Höhepunkt, als Salieri zu mir kam und mir sagte, ich sei so glücklich gewesen, ihm zu gefallen. Dieser Gedanke hielt mich während meiner...Laufbahn in Wien aufrecht und war mir eine größere Stütze als Aristoteles und alle seine Vorschriften, die ich in Wahrheit weniger gelesen und noch weniger studirt hatte... ….

      Ich fühlte mich nicht nur im Stande, meinen Verlästerern kühn die Stirn zu bieten, sondern auch ihre Anstrengungen zu verachten, und ich hatte die Genugthuung, alsbald die Componisten sich um meine LIbretti's bewerben zu sehen. Es lebten um jene Zeit zu Wien nur zwei Maestri, die meiner Ansicht nach dieses Namens würdig waren: Martini für den Augenblick der Günstling Joseph's II., und Wolfgang Mozart, den ich damals bei seinem Freunde, den Baron von Wetzlar, kennen zu lernen Gelegenheit hatte; Wolfgang Mozart hatte...in Folge der Kabalen seiner Feinde noch keine Gelegenheit gehabt, sein göttliches Genie in Wien kund zu geben; er lebte hier obscur und verkannt...

      Ich fragte ihn, ob es ihm gelegen sei, eine eigens für ihn geschriebene Oper in Musik zu setzen. "Das würde mit unendlichem Vergnügen geschehen", antwortete er mir, "allein ich zweifle, daß ich die Erlaubnis dazu erhalte." "Ich übernehme es, jede Schwierigkeit zu heben."... Leicht begriff ich, daß das unermeßliche Genie Mozart's einen großen, vielgestaltigen, erhabenen Stoff eines Drama's erheischte. Als ich mich eines Tages mit ihm unterhielt, fragte er mich, ob ich nicht eine Oper nach Beaumarchais' "Hochzeit des FIgaro" schreiben könne. Der Vorschlag gefiel mir...

      Kurz vorher war das Stück...auf Befehl des Kaisers, als in einem unmoralischen Styl geschrieben, verboten worden. Wie konnte man es nun von Neuem in Vorschlag bringen? Der Baron von Wetzlar bot mir in gewohnter Großmuth einen anständigen Preis für mein Gedicht an; er versicherte mir, daß er, falls es in Wien verboten würde, es über sich nehmen wolle, es in London oder in Frankreich zur Aufführung zu bringen. Ich nahm jedoch diesen Vorschlag nicht an, sondern machte mich...in der Erwartung eines günstigen Augenblicks an's Werk, um es dem Intendanten oder dem Kaiser selbst, falls ich den Muth dazu haben würde, vorzulegen. Martini war der Einzige, den ich in mein Vertrauen zog und er war aus Achtung vor Mozart hochherzig genug, mir Zeit zur Vollendung meines Stückes zu lassen, bevor ich mich mit dem Seinigen beschäftigte...

      Mozart's guter Stern wollte, daß ein günstiger Augenblick sich darbot und mir gestattet, mein Manuscript direct dem Kaiser vorzulegen. "Was?" sagte Joseph zu mir, "Sie wissen, daß Mozart...noch nichts für den Gesang geschrieben hat, mit Ausnahme eines einzigen Stückes, das keine große Bedeutung hat." "Ich selbst," erwiederte ich schüchtern, "würde ohne die Gnade des Kaisers auch nur ein Drama in Wien geschrieben haben." "Wohl wahr, aber ich habe dieses Stück...der deutschen Schauspielergesellschaft untersagt." "Ich weiß es, allein bei Umformung der Komödie zu einer Oper habe ich ganze Scenen weggelassen, andere gekürzt und mich hauptsächlich beflissen, Alles daraus verschwinden zu lassen, was den Anstand und den guten Geschmack verletzten könnte; kurz ich habe ein Werk daraus gemacht, das eines Theaters würdig ist... Was die Musik anlangt, so gleicht sie, so weit ich sie beurtheilen kann, einem Meisterwerke." "Gut denn, ich verlasse mich auf Ihren Geschmack und Ihre Umsicht; geben Sie die Partitur zum Abschreiben."...

      Ich theilte (Mozart) aber diese freudige Nachricht nicht eher mit, als bis eine Depesche ihm den Befehl überbrachte, sich...in den kaiserlichen Palast zu begeben. Er...trug dem Kaiser einige Bruchstücke vor, die ihn entzückten. Joseph hatte in Sachen der Musik einen untrüglichen Geschmack, wie überhaupt für Alles, was zu den schönen Wissenschaften gehörte. Der außerordentliche Erfolg, welchen dieses Wunderwerk in der ganzen Welt gehabt hat, ist ein Beweis dafür. Trotzdem erhielt diese Musik...doch nicht einstimmigen Beifall. Die Wiener Componisten, die es vernichtete..., ermangelten nicht, es zu verkleinern und herabzusetzen.

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      18.08.1750 - Geburtstag von Antonio Salieri

      => M.Dietz >1857/1928< in "Allg. Dt. Biographie. Bd. 30, Duncker & Humblot: Leipzig 1890" =>

      Bei der sorgfältigen Erziehung, die man ihm im Hause seines Vaters...angedeihen ließ, ward auch die Pflege der Musik, zu der ihn frühzeitig lebhaftes Interesse hinzog..., nicht vergessen. Im Clavier-, Violinspiel und Gesang empfing er den ersten Unterricht von seinem von Tartini ausgebildeten älteren Bruder Franz, einen weiteren...durch den Domorganisten Simoni, einem Schüler des bekannten Padre Martini... (Eine) gänzlich zerrüttete Vermögenslage hatte (dem Vater)...den Lebensfaden abgekürzt. Da die Mutter schon früher gestorben war, sahen sich die zurückgebliebenen Kinder...dem Elend preisgegeben. Glücklicherweise...nahm (der venezianische Edelmann Giovanni Mocenigo, ein Freund seines Vaters,) den jungen strebsamen Musiker, der über eine frische Sopranstimme verfügte, mit nach Venedig und erwirkte ihm eine Freistelle im Alumnat der Marcuskirche...

      Durch einen glücklichen Zufall auf die Anlagen (Antonios) aufmerksam gemacht, beschloß (der k. k. Kammercomponist Florian Gaßmann), von nun an selbst (dessen) künstlerische Fortbildung zu übernehmen und brachte ihn nach Wien, wo er...1766 ankam. Diesem trefflichen Manne, der...ihn in seinem Hause durch 8 Jahre lang aufnahm..., hatte S. außerordentlich viel zu danken. Er war sich...dieser Dankesschuld bewußt und hat nichts versäumt, um sie reichlich an den Kindern seines Wohlthäters abzutragen... Nachdem er...durch seinen Mentor dem Kaiser vorgestellt worden, bot sich ihm...die heiß ersehnte Gelegenheit, seinen lebhaften Drang nach Erprobung seines Talentes in der dramatischen Musik zu befriedigen...

      Zwei kleinere Operncompositionen zu Texten Boccherini's...trennen eine Schöpfung von gewichtigerem Gehalt, A r m i d a, von seiner Debutoper. Diesen später von Gluck verunsterblichten Stoff hat S. sechs Jahre früher...componirt. Mit vollem Ernst schritt er an die Vertonung dieses interessanten Sujets, an dem schon...Lully in einem seiner vornehmsten Meisterwerke seine Kraft gezeigt, und befliß sich dabei...einer größeren Treue im Ausdruck, als damals sonst bei den italienischen Modecomponisten Brauch war. Er war auch mit Erfolg bemüht, den weitschweifigen Organismus der damaligen Opera seria näher zusammenzurücken, ...und sich...der unnützen Ritornelle und Da capo's sowie der sinnstörenden Passagen und Coloraturkünsteleien nach Möglichkeit zu entschlagen... Kein Wunder, wenn dieses Werk...angesichts solcher reellen Vorzüge gerechtes Aufsehen erregte, und daß der geachtete Musiktheoretiker Scheiba...sein Geschick segnete, "das ihn in alten Tagen eine Oper hören ließ, welche...allen übel angebrachten conventionellen Schmuck verbannte und alles auf die Natur und das Gefühl zurückführte". Freilich müssen wir eingedenk sein, daß alle diese Neuerungen eigentlich nur glückliche Reproductionen des viel...entschiedeneren Vorgehens Gluck's waren, und daß Salieri's A r m i d a...4 Jahre nach A l c e s t e und 9 Jahre nach O r f e o (geschrieben ist), Opern, die als Vorbild überall durchleuchten...

      Nachdem (S.) 1774...zum Capellmeister der italienischen Oper ernannt worden..., reiste er 1778 nach Italien, wo er die Bühnen von Mailand, Venedig und Rom mit neuen Gaben seines Talentes schmückte... Wieder in Wien angelangt, wußte ihn der Kaiser für...das Nationalsingspiel zu interessiren, und er erhielt...den Auftrag zur Composition einer deutschen Oper, die 1781 unter dem Titel "der Rauchfangkehrer" mit gutem Erfolg in Scene ging. Mit diesem zweiactigen Singspiel war S. gegen Gluck's Pilgrime von Mekka in Concurrenz getreten, bis das Jahr darauf Mozart's Bräutigamsoper Belmonte und Constanze diese und alle ähnlichen Versuche in Schatten warf... ….

      Anfangs des Jahrhunderts (zog sich S.) gänzlich von der dramatischen Production zurück... Seitdem ist noch manches weihevolle kirchliche Tonstück aus seiner Feder geflossen; außer vielen kleineren Werken sind da namentlich mehrere Te Deum, seine zur Feier der Proclamirung Franz I. zum Kaiser von Oesterreich aufgeführte doppelchörige Messe und ein für sich selbst verfaßtes großes Requiem zu nennen...

      Ein helles Licht auf seinen Charakter wirft seine emsige Sorge um...vielversprechende() Talente. Niemand ist ihm deshalb zu aufrichtigerem Danke verpflichtet gewesen als sein Schüler J o s e f W e i g l, dessen Talent er...alle nur denkbare Förderung angedeihen ließ. Vergessen wir ferner nicht, daß kein Geringerer als B e e t h o v e n bei ihm Studien obgelegen, daß S c h u b e r t seinen Unterricht genossen, L i s z t von ihm seine theoretische Ausbildung empfing und M e y e r b e e r ihm den wichtigen Rath dankte, nach Italien zu gehen...

      Ein schwerer Vorwurf hat lange Zeit auf S. gelastet, der häßliche Verdacht, daß er Mozart's Durchdringen als dramatischer Componist durch allerlei Intriguen gehindert habe, daß er sozusagen der welsche Dämon gewesen sei, der dieses deutsche Genie in sein frühes Grab gebettet. Ja man schreckte selbst davor nicht zurück, dem sonst so...geistreichen und bescheidenen Manne Mordgedanken anzusinnen… Daß Mozart...ihm wie jedem andern damaligen Operncomponisten im Wege stand, ist natürlich. S. umsomehr, als Mozart in derselben Stadt wie er...offen den Concurrenzkampf mit ihm aufnahm. Daß angesichts dessen der schnell erregbare Italiener...gewiß sein Möglichstes gethan hat, um nicht zu unterliegen, ist leicht begreiflich... Diese sicherlich eifrig bethätigte Sorge um Wahrung seines Interesses gibt aber kein Recht, Salieri's Andenken zu verunglimpfen...

      zit. v. wikisource.org
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      19.08.1477 - Herzogin Maria von Burgund heiratet den österreichischen Erzherzog Maximilian

      Diese Begebenheit werten manche Historiker als den Beginn der Blütezeit des Habsburger Reiches...

      Im Sommer 1932 beendet Joseph Roth seinen Roman Radetzkymarsch. "Die Erzählung vom Niedergang (einer) unerwartet in den Adelsstand aufgestiegenen österr. Familie wird mit...dem Verfall der Habsburger Monarchie parallelisiert und verknüpft." (zit. v. wikipedia.org) Radetzkymarsch besteht aus 21 Kapiteln (eingeteilt in drei Teile) plus einem kurzen Epilog. Hier einige Passagen vom Beginn des dritten Teils . . .

      Verschiedene wichtige Veränderungen gingen im Haus und im Leben des Bezirkshauptmanns vor. Er verzeichnete sie erstaunt und ein wenig grimmig. An kleinen Anzeichen, die er allerdings für gewaltige hielt, bemerkte er, daß sich rings um ihn die Welt veränderte...

      Er suchte nach einem neuen Diener. Man empfahl ihm viele jüngere...Männer mit tadellosen Zeugnissen. Männer, die drei Jahre beim Militär gedient hatten und sogar Gefreite geworden waren. Den und jenen nahm der Bezirkshauptmann "auf Probezeit" ins Haus. Aber er behielt niemanden... Es erwies sich...nach einigen Tagen, daß die Aloise, die Alexanders, die Josephs und die anderen auf den großen Namen Jacques nicht hören wollten, und der Bezirkshauptmann empfand diese Widerspenstigkeit nicht nur als einen Verstoß gegen den Gehorsam und gegen die Ordnung der Welt, sondern auch als eine Kränkung des unwiederbringlichen Toten. Wie? Es paßte ihnen nicht, Jacques zu heißen?! Diesen Taugenichtsen ohne Jahre und ohne Verdienst, ohne Intelligenz und ohne Disziplin?! Denn der tote Jacques lebte im Angedenken des Bezirkshauptmanns weiter als ein Diener von musterhaften Eigenschaften, als das Muster eines Menschen überhaupt. Und mehr noch als über die Widerspenstigkeit der Nachfolger wunderte sich Herr von Trotta über den Leichtsinn der Herrschaften und der Behörden, die so miserablen Subjekten günstige Zeugnisse ausgestellt hatten...

      Es war dem Bezirkshauptmann, als bestünde plötzlich die ganze Welt aus Tschechen: einer Nation, die er für...hartköpfig und dumm hielt und überhaupt für die Erfinder des Begriffes Nation. Es mochte viele Völker geben, aber keineswegs Nationen. Und außerdem kamen verschiedene, kaum verständliche Erlässe und Verfügungen der Statthalterei betreffend einer gelinderen Behandlung der "nationalen Minoritäten", eines jener Worte, die Herr von Trotta am tiefsten haßte. Denn "nationale Minoritäten" waren für seine Begriffe nichts anderes als größere Gemeinschaften "revolutionärer Individuen". Ja, er war von lauter revolutionären Individuen umgeben. Er glaubte sogar zu bemerken, daß sie sich in einer widernatürlichen Weise vermehrten, in einer Weise, wie sie dem Menschen nicht entspricht. Es war für den Bezirkshauptmann ganz deutlich geworden, daß die "staatstreuen Elemente" immer unfruchtbarer wurden und immer weniger Kinder bekamen, wie die Statistiken der Volkszählungen bewiesen, in denen er manchmal blätterte. Er konnte sich nicht mehr den schrecklichen Gedanken verhehlen, daß die Vorsehung selbst mit der Monarchie unzufrieden war, und obwohl er im gewöhnlichen Sinne ein zwar praktizierender, aber nicht sehr gläubiger Christ war, neigte er immer noch zu der Annahme, daß Gott selbst den Kaiser strafe. Er kam allmählich auf ganz sonderbare Gedanken... ….

      Der Gedanke, daß der Sohn dieses Kapellmeisters sich etwa einbildete, dem jungen Trotta in irgendeiner Weise zu gleichen, verursachte dem Bezirkshauptmann fast körperliche Pein. Er beschloß, "den Musikanten" zu überführen. Er witterte geradezu Vaterlandsverrat in diesem Jungen, dessen Nase ihm "tschechisch" erschien. "Dienen Sie gern?" fragte der Bezirkshauptmann. "Offen gestanden", sagte der Leutnant Nechwal, "ich könnt' mir einen besseren Beruf vorstellen!" "Wieso denn? Einen besseren?" "Einen praktischeren!" sagte der junge Nechwal. "Ist es nicht praktisch, fürs Vaterland zu kämpfen?" fragte Herr von Trotta, "vorausgesetzt, daß man überhaupt praktisch veranlagt ist." Es war deutlich, daß er das Wort "praktisch" in einer ironischen Weise betonte. "Aber wir kämpfen ja gar nicht", entgegnete der Leutnant. "Und wenn wir einmal zum Kämpfen kommen, ist es vielleicht gar nicht so praktisch." "Aber warum denn?" fragte der Bezirkshauptmann. "Weil wir bestimmt den Krieg verlieren", sagte Nechwal, der Leutnant. "Es ist eine andere Zeit", fügte er hinzu - und nicht ohne Bosheit, wie es Herrn von Trotta vorkam. Er kniff seine kleinen Augen zusammen, so daß sie beinahe ganz verschwanden, und in einer Art, die dem Bezirkshauptmann ganz unerträglich erschien, entblößte seine Oberlippe das Zahnfleisch, der Schnurrbart berührte die Nase, und diese glich den breiten Nüstern irgendeines Tieres, nach der Meinung Herrn von Trottas. - Ein ganz widerlicher Bursche, dachte der Bezirkshauptmann. "Eine neue Zeit", wiederholte der junge Nechwal. "Die vielen Völker halten nicht lange zusammen!" "So", sagte der Bezirkshauptmann, "und woher wollen Sie das alles wissen, Herr Leutnant?" Und der Bezirkshauptmann wußte im gleichen Augenblick, daß sein Hohn stumpf war... "Alle Welt weiß es", sagte der Junge, "und sagt es auch!" "Sagt es?" wiederholte Herr von Trotta. "Ihre Kameraden sagen's?" "Ja, sie sagen es!" Der Bezirkshauptmann sprach nicht mehr...

      Seit mehreren Wochen trug der Bezirkshauptmann in der Brusttasche einen Brief seines Sohnes. Es galt, ihm zu antworten, aber Herr von Trotta konnte es nicht... Gleich der erste Satz des Briefes lautete: "Ich trage mich mit dem Gedanken, die Armee zu verlassen." Als der Bezirkshauptmann diesen Satz las, unterbrach er sich sofort und warf einen Blick auf die Unterschrift, um sich zu überzeugen, daß kein anderer als Carl Joseph den Brief geschrieben hatte. Dann legte Herr von Trotta den Zwicker...weg und den Brief ebenfalls... Die dienstlichen Briefe waren noch nicht aufgeschnitten. Vielleicht enthielten sie...sofort zu erledigende Angelegenheiten. Alle Dinge aber, die den Dienst betrafen, schienen durch die Erwägungen Carl Josephs bereits in der ungünstigsten Weise erledigt. Es geschah dem Bezirkshauptmann zum erstenmal, daß er seine dienstlichen Obliegenheiten von persönlichen Erlebnissen abhängig machte. Und ein so...demütiger Diener des Staates er auch war: Die Erwägung seines Sohnes, die Armee zu verlassen, wirkte auf Herrn von Trotta etwa so, wie wenn er eine Mitteilung von der gesamten kaiser- und königlichen Armee erhalten hätte, daß sie gesonnen sei, sich aufzulösen... ….

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