BERG: Wozzeck – Oper des Expressionismus

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    • Eigentlich hatte ich mich auf einen richtig kuscheligen Wozzeck-Wohlfühl-Thread mit Gleichgesinnten gefreut, quasi zum wonnigen Suhlen, als angenehmer Gemütsbalsam für Amfortas im Bad (1. Akt Parsifal). Aber diese Erwartung war bei diesem Gegenstand des Threads zu naiv. :hide: Und Auseinandersetzungen/Debatten zum Wozzeck (bzw. der NWS/Moderne) sind möglicherweise fruchtbarer, als ein reiner Kuschel-Thread (den ich aber auch mag.)....
      Aber in "Die Brüder Karamasow" gibt es viele andere Aspekte und Schichten, teilweise auch sehr *helle*.
      Lieber Bernd,
      aus diesen Worten folgere ich, dass Du Kunst (auch in ihrer musikalischen Ausprägung) nicht als nur als Unterhaltung bzw. schönes Spiel erfährst und ansiehst. Fairy Queen z.B. schreibt:
      Aber das Elend des von sich selbst entfremdeten Menschen insbesondere des letzten und vorhergehenden Jahrhunderts, wird in dieser Figur so deutlich und Berg hat das mit seinen Klängen m.E. so kongenial widergespiegelt, dass das zwar keine "schöne Oper" ist, aber die Funktion des Theaters aufs Allerbeste erfüllt.
      Wenn wir damit nun zu Grunde legen, dass sich Kunst/Musik nicht in Unerhaltung erschöpft (+ so verstehe ich Fairy Queens Gedanken) , dann ist es doch durchaus für Dich nachvollziehbar, Kunst – wenn sie ihren Begriff gerecht werden soll - als eine Erscheinung der Wahrheit anzusehen. (Sorry, für dieses Pathos, aber ich kanns nicht besser). Und Erscheinung der Wahrheit in der Kunst bedeutet doch, dass sich im einzelnem Werk die Spannungen, Widersprüche, Fragen, ja Gesellschaftliches artikulieren, sedimentieren ? Auch in dieser Überlegung wirst Du doch beipflichten können.?
      Ja, ich empfinde den Weg in die "Atonalität" als Irrweg.
      Vielleicht lässt sich die Rigorosität dieser These abmildern. (Zugegeben: ich entdecke momentan keine tragfähigen Alternative zu diesem „Irr“-Weg- ; Nebenbei: Irrweg ist ganz und gar nicht der schlechteste Name für die Moderne :yes: )
      Im Wozzeck stoße ich auf nichts als Qual.
      Ja, genau, so ist es. Aber ist es denn beim z.B. Karamasow-Roman sehr viel anders ? Der Roman ist sehr vielfältig. Zweifellos. Aber: Bilden die sog. hellen Passagen tatsächlich einen genuinen Kontrast zum düsteren Grundtenor des Romans? Wenn ich mir z.B. die Rede am Stein (Alexij Karamasow) vergegenwärtige, dann sehe ich darin keine „Helle“. Z.B. der Tod des kleinen Iljuscha, das Knast-Schicksal von Dimitrij, der Wahnsinn des Iwan bleiben grausam, und die Rede am Stein vermag daraus keinen Sinn auszupressen; geschweige das zu rationalisieren, mildert die Düsternis nicht ab. .. Nein, dieser Roman – auch sogar manchmal in ironischer Art + Weise (ich denke an das Gespött von Fjodor) – stellt Gewissheiten, Hoffnungen, Erwartungen gründlich in Frage bzw. zerstört diese.... und auch dadurch gewinnt er seinen unvergleichlichen Rang (möglicherweise entgegen der Absicht des Autors). Um Deine Worte zu varieren: Auch in den Brüdern Karamasow ist nichts als Qual.
      Im Wozzeck ... mir ist das einfach zu krude, zu eindimensional, zu holzhammermäßig.
      Natürlich gibt es beim Schönberg der frühen Atonalität krude Momente, auch Nono behandelte z.B. die Blechbläser manchmal krude und auch bei Beethoven sind mal solche Passagen zu finden, die krude klingen.. das betrachte ich aber nicht als prinzipiellen Einwand gegen die unvergleichliche Qualität und den Rang aller dieser Komponisten, sie bilden vielmehr einen wichtigen Bestandteil in ihren Werken. Blinde Apologetik wäre hier auch fehl am Platz.

      Aber ist beim Wozzeck wirklich alles krude, eindimensional ?
      Diese Musik empfand ich auf ein Art und Weise "nah", die ich mir vorher nicht vorstellen konnte.
      Die Musik des Wozzecks ziehlt auf den Affekt, das "Herz" des Hörers.
      Zu Beginn des 3. Akt bei der Soloszene Maries komponierte Berg Variationen, die auch für den eher wozzeck-unvertrauten Hörer nachvollziehbar sind. Das ist doch so anrührend, bewegend und spannungsvoll geschrieben.. mit Sprechgesang und dann den Kontrast durch den gesungenen (tempo ma appasionata) Ruf Maries: „Herr, Gott, Sieh mich nicht an“ ...
      oder...im 1. Akt das Quintenmotiv (nach Maries Gesang „lauter kühle Wein muss es sein“) das Berg in einen Einleitungsvortrag als „.das ins Unbestimmte hinziehende Warten“ beschrieb, das z.B. auch am Ende der sehr passionierten Verwandlungsmusik nach dem Tod Wozzecks (3. Akt, und was ist das für eine emotional- aufrührende Verwandlungsmusik, es ist unglaublich !) vor der 5. Szene verwendet wird, und das ganz am Schluss der Berg-Cerhar-Lulu zitiert wird und das auch Schostakowitsch ganz am Ende seiner 15. Sinfonie zitiert... nein, nein, nein, das ist doch nicht eindimensional oder krude... aber vielleicht stammt Dein Eindruck aus einer orchestral unzureichenden Wiedergabe.
      .. ach, ganz viele Beispiele aus den Wozzeck könnten noch folgen, um diesen Eindruck des Kruden, Eindimensionalen zu relativieren, bitte, liebe Wozzeck-Junkies bringt Euch hier ein...

      Beide Kunstwerke (also der Karamasow-Roman und der Wozzeck) sind – bei aller Unterschiedlichkeit negativ. Beide gewähren dem Hörer/Leser keinen Zuspruch, werden aber in dieser Haltung nicht zum Komplizen des Weltlaufs, intendieren auch kein Einverständnis mit dem gesellschaftlichen Prozess. (Und ich wähne, in dieser unversöhnten Haltung des Romans liegt möglicherweise eine der Motivationen für Deine Dostojewski-Neigung.) Oder um die Worte von Fairy Queen zu variieren: echte Katharsis ohne Kartharsis. Die Spannungen, Konflikte, Widersprüche bleiben bestehen, werden nicht synthetisiert, möglicherweise, um damit den Anspruch auf eine grundlegendere Lösung/Versöhnung nicht preiszugeben.

      Wenn wir nun die moderne Musik betrachten, wenn wir uns der Einsicht beugen und unserer Erfahrung trauen, Kunst nicht bloß als unverbindliches Spiel zu betrachten, dann drückt sich doch auch im Wozzeck diese angemessene, unversöhnte Haltung der Moderne aus, zu der keine Alternative in Sicht ist. Oder Musik fiele zurück zu ohnmächtigen Trost bzw. affirmativen Zuspruch zum Weltlauf und wäre damit reine Ideologie. Damit würde sie ihren Anspruch auf Erscheinung der Wahrheit preisgeben. Nein, nein, eine andere Haltung ist der musikalischen Avantgarde doch gar nicht möglich, wenn sie nicht hinter ihren Stand - den sie im Verlauf ihrer Entwicklung errungen hat, durch Komponisten wie z.B. Bach, Beethoven, Mahler, Brahms, der NWS - zurückfallen will ? Und wer wäre - bitteschön - in der Lage nachzuweisen, dass der Karamosow-Roman, sich in bloßer unverbindlichen Unterhaltung erschöpft ? Das zu belegen, fiele genauso schwer wie beim Wozzeck.!


      Aber mein Widerwille gegenüber einzelnen Kompositionen ist schon unterschiedlich stark ausgeprägt - Wozzeck gehört zu den Werken, die mich am meisten anekeln.
      Der Unterschied zwischen Hören und Lesen ist sicherlich, dass der Hörer den Eindrücken ungeschützter ausgeliefert ist, als der Leser. Und vielleicht ist die Abwehr, der Ekel eher ein Selbstschutz gegen zu starke Höreindrücke. Das meint sicher Fairy Queen, wenn sie schreibt:
      Allerdings kann ich trotzdem nachvollziehen, dass jemand auf der Opernbühne lieber nicht mit solch abgrundtiefem Elend belastet werden möchte

      Und wenn Du schreibst:

      Widerwille .. ist schon unterschiedlich stark ausgeprägt

      Dann heißt das doch, dass Du möglicherweise den Zugang zu sog. atonalen Musik nicht völlig ausschließt.
      Wäre es Dir u.U. möglich, Dich wenigstens mit folgender Überlegung vertraut zu machen: „Die Atonalität ist kein Irrweg, ob sie der einzige Weg ist schwer auszumachen, aber ich vermag oder möchte mich dem momentan nicht aussetzen.... ?“

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Von den zahlreichen Opernfinali, die ich kenne, geht mir keines so unter die Haut wie das des " Wozzeck ". Dieses" Hopp, hopp !" des Waisenkindes am Schluss, wenn es auf seinem Steckenpferd zur Leiche seiner Mutter reitet, ist von einer unerreichten schlichten Eindringlichkeit, die in der gesamten Opernliteratur ihresgleichen sucht! ( siehe auch mein Zitat im Thread : Librettenketten ). Und dann das Crescendo nach Maries Tod :

      Eine Intensitätssteigerung vom ppp zum fff - ein Geniestreich. Gar nicht zu reden von Maries Bibelszene, dem " Schnarchchor " oder dem verfremdeten " Jäger aus Kurpfalz ". Berg liefert den Beweis dafür, dass " konstruierte Musik " ( Dodekaphonie ) sinnlich sein kann - und wie ! Dieses Werk ist für mich d i e Oper des 20. Jahrhunderts, von der, wiederum für mich, kein Weg zu Stockhausen führt, denn ich erwarte auch von einer zeitgenössischen Oper, dass sie im Orchestergraben" unplugged "von tradiertem Instrumentarium dargeboten wird. Bergs Wozzeck, seine frühen Lieder, das Violinkonzert und auch Lulu sind m. E. die eindrucksvollsten Zeugnisse der NWS.



      Ciao. Gioachino :klatsch:
      miniminiDIFIDI
    • So, nachdem ich bis 20:15 Kinder gequält habe :D, bin ich wieder da, aber nicht mehr so ganz taufrisch (es ist verdammt anstrengend, Kinder zu quälen :D :angel: ) . Damit hätte ich schon mal eine Entschuldigung für unscharfe Formulierungen und Rechtschreibfehler :angel: :angel:.

      Zunächst möchte auch ich mich bei Fairy und vor allem Amfortas für den angenehmen Tonfall ihrer Entgegnungen bedanken! Schön, daß es in Internetforen immer wieder auch möglich ist, über konträre Positionen zu diskutieren, ohne daß der eine den anderen gleich niederstrecken möchte!

      Jeder Mensch hat ja besondere Affinitäten, fühlt sich bestimmten ästhetischen Sphären besonders verbunden - und wird von den entgegengesetzten Polen oft (nicht immer) dementsprechend abgestoßen. Mich hat es schon früh (so etwa mit 14, 15 Jahren) geradezu magnetisch zur musikalischen Romantik hingezogen. Schubert, Schumann, Dvorak, Grieg, Wagner, Brahms, Sibelius, Pfitzner, Strauss - das war und ist "meine" Musik. Später kam dann noch etliches aus der Barockzeit hinzu, vor allem aus dem deutschen Barock: Bach, Händel, Telemann, Fasch weckten meine Begeisterung, wobei ich diese "Alte Musik" zugegebenermaßen weitgehend durch eine Art von romantisch eingefärbten Augengläsern sehe - ich gebe das offen zu, stehe hier und kann nicht anders :schaem: .

      Büchners Woyzeck nun gehört zum Antiromantischsten, was ich mir an Literatur vorstellen kann. Und nicht anders verhält es sich für meine Ohren bei Bergs Musik. Die reicht zwar mit bestimmten Wurzelfasern in den romantischen Humus ( in etwa gemischt aus Tristan und Brahmsens 4.), aber in ihrem inneren Kern negiert sie alle tonsprachlichen Begriffe/Werte, die kurz zuvor noch gültig waren. Vielleicht ist das der Grund, aus dem mir gerade diese Oper immer einen so unsäglich widrigen Eindruck gemacht hat.


      Ich komme da raus und bin fix und fertig mit der Welt - udn will mcih nur noch irgendwo unter eine schützende warme Decke rollen, aber ich bin mit einer Seite des Menschseins und der sozialen Lebenswelten konfrontiert worden, vor der die Augen zu schliessen ich mir einfach nciht erlauben will.


      Die Augen schließen will ich vor dieser Seite des Menschseins auch nicht. Aber ich bedarf nicht der Musik, um sie mir zu vergegenwärtigen. Ganz im Gegenteil habe ich sie auch ohne Musik viel zu oft vor diesen meinen Augen.....

      Zumal sowohl Büchner als auch Berg ganz fundamentale Wahrheiten erkannt und ausgedrückt haben.


      Naja...es handelt sich um Wahrheiten, die für mich ohnehin auf der Hand liegen. Die elementare Grausamkeit, der der Mensch tagtäglich direkt oder indirekt begegnet, ist offenbar genug. Ich benötige eigentlich keine *Kunst*, um mir der entsetzlichen Seiten, die das Leben auf unserem Planeten für viele Menschen bereithält, bewußt zu sein und zu bleiben. Eher halte ich es da mit dem ollen Schopenhauer:
      Jenem rein intellektuellen Leben des Einzelnen entspricht ein ebensolches des Ganzen der Menschheit, deren reales Leben ja ebenfalls im Willen liegt. Dieses rein intellektuelle Leben der Menschheit besteht in ihrer fortschreitenden Erkenntnis mittels der Wissenschaften, und in der Vervollkommnung der Künste, welche beide, Menschenalter und Jahrhunderte hindurch, sich langsam fortsetzen, und zu denen ihren Betrag liefernd, die einzelnen Geschlechter vorübereilen. Dieses intellektuelle Leben schwebt, wie eine ätherische Zugabe, ein sich aus der Gärung entwickelnder wohlriechender Duft über dem weltlichen Treiben, dem eigentlich realen, vom Willen geführten Leben der Völker, und neben der Weltgeschichte geht schuldlos und nicht blutbefleckt die Geschichte der Philosophie, der Wissenschaft und der Künste.


      Mir ist durchaus klar, daß man diesem Zitat eine ganze Serie fundierter Einwände entgegenstellen kann. Spätestens nach Hiroshima wurde die vermeintliche *Schuldlosigkeit* der Wissenschaft ja hinreichend thematisiert. Aber zumindestens im Hinblick auf die Kunst sind mir die Sätze Schopenhauers näher als ihre Gegenposition. Der Komponist und Theorielehrer Ladislav Kupkovič hat es seinerzeit im Radio mal sehr kurz und in meinem Sinne treffend ausgedrückt, als sein in der Tonsprache *reaktionäres* Streichquartett von der selbstverständlich progressiven Zuhörerschaft scharf kritisiert wurde: "Musik ist nicht Tagesschau!"

      Also, die ganz fundamentalen Wahrheiten sehe ich im Woyzeck/Wozzeck nicht so deutlich. Ich sehe hier eher eine Darstellung von krassen Gewalt- und Unterdrückungsmechanismen, die schrecklich und fraglos anprangerungswürdig sind, aber mit *geistig* existenziellen Fragen am Ende nicht viel zu tun haben.

      aus diesen Worten folgere ich, dass Du Kunst (auch in ihrer musikalischen Ausprägung) nicht als nur als Unterhaltung bzw. schönes Spiel erfährst und ansiehst.


      Das folgerst du ganz zu Recht. Kunst ist für mich auch, aber nicht nur "ein Spiel mit schönen Farben und Formen". Aber wenn in der Kunst um mehr als das Spielerische gehen soll, möchte ich als typischer Boche :D eine metaphysische Dimension sehen. Die Brüder Karamasow zeigen mir diese Dimension (immer und immer wieder), der Tristan zeigt sie mir, auch die Frau ohne Schatten zeigt sie (in vielleicht etwa verquaster Form). Der Wozzeck zeigt sie mir nicht, er zeigt "das ganze Elend", aber nichts, nicht nur ein Fitzelchen, welches über diesen Elend hinausgeht. Und ich persönlich brauche dieses Fitzelchen ganz dringend; das auf sich selbst zurückgeworfene Elend reicht mir als Gegenstand eines Kunstwerks nicht hin.

      Die Lulu ist – nach meine Dafürhalten –extrem schwer orchestral sinnvoll zu realisieren.


      Das kann ich bestätigen. Ich habe zwar bei den 9 Aufführungen, an denen ich beteiligt war, keine groben Schnitzer gebaut, aber für mich als routinelosen Studenten war es schon eine große Herausforderung, gerade mit dieser Oper meine ersten Erfahrungen als Aushilfe in einem Berufsorchester machen zu müssen: Das ist einfach ein grottenschweres Stück!


      .... Aber besonders das Berg-Konzert lies mich nicht mehr los, ich besorgte mir eine Aufnahme davon und fing an nach weiteren Stücken von Berg zu fanden...


      Auch das Violinkozert gehört erstaunlicherweise zu den Stücken, die mir bei meinen alles in allem seltenen Aushilfen in einem professionellen Sinfonieorchester (in diesem Fall war es das LSO Maastricht) unter die Finger gekommen sind. Warm geworden bin ich mit dem Werk trotzdem nicht - das Bach-Zitat machte im Rahmen des zerquälten Ganzen schon eine gewisse Freude :D , aber "Es ist genug" höre ich am Ende trotzdem lieber im Original. Es gibt zahlreiche Kompositionen, die mich zumindestes beim eigenen Mitspielen im Orchester gewaltig vom Stuhl gehoben haben, aber Bergs Violinkonzert zählt fraglos nicht dazu....

      Herzliche Grüße


      Bernd
    • Amfortas09 schrieb:

      (Nebenbei: es gibt ein sehr schönes pädagogisches Buch, das versucht Hörern Zugang + Anregungen zur modernen Musik zu ermöglichen; Titel: Der getreue Korrepetitor.)


      Kann ich auch nur empfehlen. In den gesammelten Schriften von Theodor W. Adorno bildet DgK mit Komposition für den Film (geschrieben mit Hanns Eisler) den Band 15.
      Geboten werden "Interpretationsanalysen" von Werken der Schönberg-Schule: Weberns Lieder op. 3 & 12, seine 6 Bagatellen für Streichquartett op. 9 und seine 4 Stücke für Geige & Klavier op. 7, dann Schönbergs Phantasie für Geige mit Klavierbegleitung op. 47 und schließlich Bergs Violinkonzert.
      Ich habe mir schon mal vor längerer Zeit den Abschnitt mit Weberns Bagatellen angeguckt, Partitur dabei und dann die Stücke angehört - sehr lohnend. Denn gerade bei diesen flüchtigen Miniaturen ist es sehr instruktiv wie Adorno Beziehungen zwischen kleinsten Motivsplittern verdeutlicht.

      :wink:
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • . Und nicht anders verhält es sich für meine Ohren bei Bergs Musik. Die reicht zwar mit bestimmten Wurzelfasern in den romantischen Humus ( in etwa gemischt aus Tristan und Brahmsens 4.), aber in ihrem inneren Kern negiert sie alle tonsprachlichen Begriffe/Werte, die kurz zuvor noch gültig waren. Vielleicht ist das der Grund, aus dem mir gerade diese Oper immer einen so unsäglich widrigen Eindruck gemacht hat. Zitat Bernd
      Ich wollte schon letzte Woche darauf antworten. Obwohl sicherlich unsere Haltung zur Wozzeck-Musik sehr gegensätzlich ist, gefällt mir diese Anmerkung, weil Du damit nämlich auf das Neue und Ungewöhnliche der Bergschen Tonsprache hinweist, und auch das was Du als "unsäglich widrige" bezeichnest, spricht im Grunde genommen doch für die Wozzeck-Musik. Das ist mir nämlich viel lieber, als wenns verwässert werden würde durch Sprüche, wie z.B. „ach der Wozzeck ist ja im Grunde genommen eine romantische, traditionelle Oper.“ usw. ...usw.. usw..
      Geboten werden "Interpretationsanalysen" von Werken der Schönberg-Schule... Zitat Tyras
      und wenn ich mich recht erinnere, wird in diesem Buch auch auf Bergs Wozzeck - wenn auch nur kurz - eingegangen

      Und dann das Crescendo nach Maries Tod Zitat Giachino
      diesen Moment finde ich auch hammergeil, da läuft es einen den Rücken runter....

      wiederum für mich, kein Weg zu Stockhausen führt ... Zitat Giachino
      Bin ich mir nicht so sicher.. wenn Du mal die Gelegenheit hast, Dir die Stockhausens Gruppen auf CD (leider Teuer-CD) mit Abbado und den Berlinern reinzuziehen, dann wird Dir möglicherweise auch diese Musik zusagen, Abbado macht sie richtig süffig .. (allerdings die Opern von Stockhausen (spätere Stockhausen), die ich mir bis jetzt reingezogen habe, finde ich uninteressant; aber - vermutlich - aus anderen Gründen)



      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Liebe Wozzeck-Freunde, Ihr habt ein neues Mitglied im Fanclub.
      Gerade habe ich zum ersten Mal einen Teil "Wozzeck" gehört. Abbado-Wien 1987 auf BR4, wovon ich überstundenbedingt die Hälfte verpasst habe, vielleicht ganz gut, denn mich hat selten eine Musik so angesprungen. Das Werk ist absolut genial. Und Franz Grundheber :juhu: :juhu:
      Überwältigt haben mich die Stellen, die hier immer wieder angeführt werden: das Crescendo nach Maries Tod und der Schluss. Nach dem Besuch einer Aufführung wäre ich fix und fertig. Zum Glück habe ich das "nur" im Radio gehört, sonst gäbe es jetzt eine schlaflose Nacht.
      "Im Augenblick sehe ich gerade wie Scarpia / Ruggero Raimondi umgemurxt wird, und überlege ob ich einen Schokoladenkuchen essen soll?" oper337
    • Liebe Wozzeck-Freunde, Ihr habt ein neues Mitglied im Fanclub.
      Gerade habe ich zum ersten Mal einen Teil "Wozzeck" gehört. Abbado-Wien 1987 auf BR4, wovon ich überstundenbedingt die Hälfte verpasst habe, vielleicht ganz gut, denn mich hat selten eine Musik so angesprungen. Das Werk ist absolut genial. Und Franz Grundheber :juhu: :juhu:
      Überwältigt haben mich die Stellen, die hier immer wieder angeführt werden: das Crescendo nach Maries Tod und der Schluss. Nach dem Besuch einer Aufführung wäre ich fix und fertig. Zum Glück habe ich das "nur" im Radio gehört, sonst gäbe es jetzt eine schlaflose Nacht.
      Ja, willkommen im Wozzeck-Fan-Club. Das finde ich ja mega-super. Ich hoffe hier sammeln sich noch sehr viele Konvertiten. Das ist doch klar, dass Du von dieser Musik überwältigt wurdest. Gehört nämlich zu den hammergeilsten Opern überhaupt, und ist unter Abbado mit in den besten Händen. Gibt es momentan auch preisgünstig als DVD (mit Abbado) bei 2001.

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Mist! Ich wollte es aufnehmen und hab es über der Elektra aus Brüssel versäumt... :wut2:
      ja ja ja ja ... dieser Strauss ist gar nicht so gut für Dich in diesen Überdosierungen :D .. aber, keine Sorge, ich hatte meinen Receiver für Wozzeck programmmiert und werde es morgen checken..

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      Mist! Ich wollte es aufnehmen und hab es über der Elektra aus Brüssel versäumt... :wut2:
      ja ja ja ja ... dieser Strauss ist gar nicht so gut für Dich in diesen Überdosierungen :D .. aber, keine Sorge, ich hatte meinen Receiver für Wozzeck programmmiert und werde es morgen checken..

      :wink:
      :D Dann weiß ich schon, was ich für den Asher-Fisch-Siechfried tauschen möchte... :jub:


      (Willst Du nicht eine kleine Überdosis Elektra dafür? 8| )
    • Amfortas09 schrieb:

      Gehört nämlich zu den hammergeilsten Opern überhaupt, und ist unter Abbado mit in den besten Händen.
      finde ich auch. ich schließe mich allen pro-Berg-Superlativen hier an, das erspart viel Schreibarbeit :D
      "Im Augenblick sehe ich gerade wie Scarpia / Ruggero Raimondi umgemurxt wird, und überlege ob ich einen Schokoladenkuchen essen soll?" oper337
    • (Willst Du nicht eine kleine Überdosis Elektra dafür? 8| )
      Danke für Dein Angebot. Ich fürchte aber mein Magen revoltiert etwas schweinshaksenmäßig beim Elektra-Orchester.... :pfeif:

      finde ich auch. ich schließe mich allen pro-Berg-Superlativen hier an, das erspart viel Schreibarbeit :D
      bring Dich doch auch hier ein. Das tut uns Bergsteigern gut...

      morgen gibt in Bayern4 Klassik nochmals Berg ab 19:00. Das meiste ist Studiokonserve. Das Kammerkonzert ist leider eine langweilige Wiedergabe, da habe ich schon viel bessere Live-Aufführungen mir reingezogen (Welser-Möst, Levine + Salonen). Die 3 O-Stücke mit Abbado sind gar nicht so schlecht sind (ziehe aber bei denen Gatti-Live-Youtube vor) Vermutlich ist aber das Violinkonzert ein Live-Mitschnitt und könnte vielleicht interessant werden (siehe Kalender).

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Ach Herrje... Du spülst bestimmt auch nur mit Pril-Sensitiv... :P :pfeif:
      ganz so schlimm ists bei mir noch nicht. Ich habe irgend ein Aldi-Spülmittel. :thumbsup: mit gelber Farbe, grüne Farbe beim Spülmittel irritiert mich .. ich bin halt ein sensibles Kerlchen... (der Receiver war gestern ein treuer Diener seines Herrn => Abbado-Wozzeck hat geklappt.... ) irgendwo habe ich gehört , dass Abbado die Lulu aufführen möchte. Wenn ihm das so gut gelingt wie der Wozzeck, dann wäre es die sinnvollste Art einen Komponisten wie Alban Berg zu feiern: Durch gute Wiedergabe seiner Werke...

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • So, den Wozzeck habe ich mir jetzt aus der Stadtbibliothek ausgeliehen, allerdings mit Ingo Metzmacher. Wehe, die Oper gefällt mir nicht. Dann könnt Ihr aber was erleben! Mit der Lulu bin ich nämlich nicht so klar gekommen.
      Ich drücke dir fest die Daumen, dass Dir die Metzmacher-Wiedergabe zusagt und Du auch dem Wozzeck-Fan-Club Dich anschließt. Sie reicht nicht an Abbado heran, obwohl ich Metzmacher sonst sehr schätze. Deine Reaktion auf Lulu wundert mich nicht, denn die ist genauso schwierig aufzuführen, was das Orchester betrifft, wie z.B. der Don Giovanni. Die einzige Wiedergabe, die ich sinnvoll finde, ist ein Live-Mitschnitt aus NYC von 2002 unter Levine (Levine ist auch einer der wenigen Musiker, die ein gutes + spannendes Bergsches Kammerkonzert aufführen).

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • gioachino schrieb:

      von der, wiederum für mich, kein Weg zu Stockhausen führt, denn ich erwarte auch von einer zeitgenössischen Oper, dass sie im Orchestergraben" unplugged "von tradiertem Instrumentarium dargeboten wird.


      Längst nicht alles von Stockhausen erfordert elektronische Instrumente oder Tonbandzuspielungen, das nur mal zur Klarstellung...
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Nun, als niemand, der sich Bewunderer der Wiener Schule nennen würde, kommt man trotz allem wohl an dieser Oper kaum vorbei, wenn man sich ein möglichst breites Bild dieses Genres machen will. Außerdem hat mich das Büchner-Stück seit jeher fasziniert.
      So habe ich auch nicht umhin gekonnt und bin in der Bibliothek tätig geworden :



      Die Abbado-Aufnahme mit den Wienern und Grundheber als Titelfigur

      Tja, was soll ich nun sagen...immer ehrlich, größtenteils kann ich da bisher kaum etwas mit anfangen, am wenigsten mit der Musik. Die Gesangscharakteristiken haben sich mir schon eher erschlossen, gerade in Bezug auf die Überspanntheit des Hauptmanns und des Doktors, sowie Wozzecks Stumpfheit. Ich habe ja auch gelesen, dass die Szenen in ihrem musikalischem Aufbau ein ganz bestimmtes Schema haben, verschiedene Formen des kurzen Musikstücks, die Fünfsätzige Sinfonie usw. ,aber bisher hat mir das die Sache weder klarer, noch gefälliger gemacht. Der dritte Akt hat mir dann noch am meisten gesagt.

      Habe dann auch noch diese nachgeschoben, die schon ewig bei mir herumliegt :



      Das ist eine MET-Aufzeichnung von 1959 dirigiert von Karl Böhm, die erste Wozzeck-Aufführung an der MET überhaupt. (Leider) in Englisch gesungen (die Übersetzung erscheint mir aber schon als gelungen), bezeichnender Weise sind viele der Sänger aber Deutsche bzw. Deutschsprachig.
      Ich kann auch hier an sich nicht viel sagen, ich habe diese Oper viel zu wenig verinnerlicht, viel zu wenig "verstanden" als das ich da wirklich große Worte darüber verlieren könnte.
      Klar, habe ich diese Aufnahme (nur), weil Uhde den Wozzeck gibt. Sein "Der Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt Einem, wenn man hinunterschaut" (den englischen Wortlaut der Übersetzung habe ich jetzt grad nicht im Kopf), das macht aber wirklich Gänsehaut und Schwindel.

      Noch ziehe ich die 47er Stückverfilmung der DEFA vor.

      Achso, fällt mir noch zum Schluss ein, habe mal bei dem Journalisten Michael Klonovsky sowas gelesen wie, Wozzeck würden die Leute heute nicht mehr hören, wenn es nicht diese Geschichte wäre, die die Leute immer noch packen würde...
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Kann es wirklich Gewöhnungssache sein? Ich hae den "Wozzeck" auch von der Musik her als ein gut zugängliches Meisterwerk des 20. Jahrhunderts gehalten. Schon als Jugendlicher war ich von dem Werk überzeugt, nachdem ich es zum ersten Mall auf den Brettern eines Theaters gesehen habe, umso mehr. Die innere musikalische Struktur braucht man nicht zu kennen, um von dem Werk gefangen genommen zu werden, sie erschließt sich auch erst so richtig, wenn man die Oper mit der Partitur verfolgt. Aber die Musik ist mE so selbstredend, so unmittelbar verständlich ... Es gibt natürlich auch eine Reihe von guten Einführungen, zuletzt hörte ich am Büchner-Tag im hr2 eine gut verständliche Einführung.

      Von der musikalischen Potenz des Werkes kann man sich durch ein Werk überzeugen, das im Vorfeld der Oper erschien die drei Bruchstücke aus "Wozzeck". Vor einiger Zeit erlebte ich sie in Berlin mit Fairy Queen unter Marek Janowski. Wir waren hin und alle. Von der Zusammenstellung nehme ich mal an, dass sie auf der CD unter Erich Kleiber zu finden sind



      Einfach Musik vom Feinsten.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich habe die Produktion Dresen (Regie)/Kapplmüller (Bühne)/Abbado (Dirigat) 1987 an der Wiener Staatsoper live gesehen, es gibt sie auch auf DVD...



      ...und mein Eindruck ist (wie bei vielen anderen Musiktheaterwerken auch): wenn man einen Platz findet wo man gut sieht und hört (in der Wiener Staatsoper auf Parterre- und Galeriestehplatz nach wie vor auch vom Preis her gut möglich) kann eben der Opernbesuch selbst einem ein Werk unvergleichlich nahe bringen. Die ganze Atmosphäre des Theaterraums, die Einheit von Bühnengeschehen, der Orchestergraben davor, da wird man total mitgerissen zumal bei so emotional aufwühlenden Werken wie "Wozzeck". Und wenn dann bei einem Zwischenspiel das Orchester das Opernhaus akustisch fast zu sprengen scheint - diese Momente im Opernhaus selbst sind mir unvergeßlich. bei Werken wie "Wozzeck" empfehle ich also, um dem Werk näher zu kommen, auf jeden Fall das Liveerlebnis, so es möglich ist.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK