Genderatur - Schreibe zurechtgerückt

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    • Genderatur - Schreibe zurechtgerückt

      Die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium, Kristin Rose-Möhring, regt an, unsere Nationalhymne geschlechtsneutraler zu gestalten und statt "Vaterland" besser "Heimatland" und statt "brüderlich mit Herz und Hand" in Zukunft "couragiert mit Herz und Hand" singen zu lassen.

      Zeit wird's, den ewig chauvinistrigen Dichtermachos mal zu zeigen, wo der Hammer das per Metallstiftchen zusammenfügende Zimmerneutrumswerkzeug hängt.


      Hier darf also überholtes Schrifttum gendergerecht und politisch korrekt aufgearbetet werden.

      Wohlgemerkt: Dies ist kein politischer Thread. Es ist ein literarischer.

      Fangen wir als Beispiel an mit zwei Versen von Goethe, dem ollen Schwerenöter. Wo kommen wir denn da hin.



      Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
      Es ist ein Elternteil mit Kind Komma zugehörig;
      Das erste Es hat das zweitgenannte Jung- und Mädwesen wohl in dem Arm,
      Es fasst es sicher, es hält es warm.

      Mein Fortpflanzungsergebnis, was birgst du so bang dein Gesicht? –
      Siehst, mir Erbgut gespendet habendes Homo-Sapiens-Exemplar, du das Erlmonarchie ausübende Subjekt nicht?
      Das Erlenmonarchie ausübende Subjekt mit Kron’ und Schweif? –
      Mein Teilabbild meiner Gene, es ist ein*e Nebelstreif*in.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Ja, die Elternsprache muss einiges aushalten. Ein welsches Fremdwort wie "couragiert" ist allerdings abzulehnen. Entweder muss man flink und flexibel sein und "geschwisterlich" singen. Oder man singt abwechselnd brüderlich und schwesterlich.
      ceterum censeo dass eine Beauftragte, die ihre hochbezahlte Arbeitszeit mit so einem Schmarrn vergeudet, mindestens einen Monatssold spenden oder noch besser ganz eingespart werden sollte.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • ein geschlechtsspezifischer Kompromiss für die BRD-Hymne wäre wie folgt:

      zu Beginn:
      Einigkeit und Recht und Freiheit
      für das deutsche Mutterland!

      ....
      am Ende
      blühe, deutsches Vaterland


      die Verwendung von Heimatland unterschläge nämlich die aufopfernde Rolle aller - auch alleinerziehenden - Muttis. auch Putzen, Kochen und so ...
      Man muss sich schon wundern, dass ausgerechnet die Reflexionen einer Frauenbeauftragten mit einem derartigem Defizit behaftet sind, dass nur noch als sexistisch bezeichnet werden kann ...
      :neenee1: :neenee1: :neenee1: :neenee1: :neenee1: :neenee1: :neenee1: :neenee1:

      Mütter empört Euch !!!!! :boese1: :boese1: :boese1: :boese1:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • audiamus schrieb:

      Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
      Es ist ein Elternteil mit Kind Komma zugehörig;
      Das erste Es hat das zweitgenannte Jung- und Mädwesen wohl in dem Arm,
      Es fasst es sicher, es hält es warm.

      Mein Fortpflanzungsergebnis, was birgst du so bang dein Gesicht? –
      Siehst, mir Erbgut gespendet habendes Homo-Sapiens-Exemplar, du das Erlmonarchie ausübende Subjekt nicht?
      Das Erlenmonarchie ausübende Subjekt mit Kron’ und Schweif? –
      Mein Teilabbild meiner Gene, es ist ein*e Nebelstreif*in.
      Lieber audiamus,
      ich gehe davon aus, dass es keinen Gleichstellungsbeauftragten darum geht (weil das nicht zum Job gehört), einem Literaten/einer Literatin vorschreiben zu wollen welches Geschlecht für das lyrische Ich und weitere Figuren in den literarischen Werken auszuwählen sind. Insofern war deine Arbeitsprobe leider umsonst.
      „Ohne Kunst, ohne Kultur kann sich eine Gesellschaft nicht mit der Gegenwart auseinandersetzen.“

      Rebecca Saunders
    • "Couragiert mit Herz und Hand" wäre ein Stilbruch und klingt für mich so nach Kirchentags-Pop... :pfeif:

      Besser fände ich "Einträchtig mit Herz und Hand", wie es der (von mir auch sonst sehr geschätzte) Zeit-Journalist Jochen Bittner auf twitter vorgeschlagen hat.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Kater Murr schrieb:

      Ein welsches Fremdwort wie "couragiert" ist allerdings abzulehnen.

      EinTon schrieb:

      "Couragiert mit Herz und Hand" wäre ein Stilbruch und klingt für mich so nach Kirchentags-Pop..
      alles richtig. das eigentliche Problem an "couragiert" ist aber doch, daß es übersetzt eigentlich "beherzt" heißt und also "couragiert mit Herz .. (und Hand)" doppeltgemoppelt ist.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Dieser alberne Vorschlag der Dame zeigt einmal mehr, dass Politiker Probleme sehen die es für die Meisten in der Bevölkerung nicht gibt. Der arme Hoffmann von Fallersleben würde sich im Grabe umdrehen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Der arme Hoffmann von Fallersleben würde sich im Grabe umdrehen.
      Das wäre mir ziemlich wurscht. Die Texte von Nationalhymnen sind nicht unantastbar und können geändert werden, warum nicht? "Heimatland" statt "Vaterland"? Weiß nicht, ob das eine Verbesserung wäre; "couragiert mit Herz und Hand" klingt für mich jedenfalls doof.

      In der Tat gibt es wichtigere Probleme. Wenn es denn unbedingt um Nationalhymnen gehen soll: Es soll da auch welche geben, die ziemlich kriegerische Töne anschlagen, so in die Richtung, daß Feinde vernichtet werden sollten - auch wenn mir da grad kein konkretes Beispiel einfällt. So etwas fände ich eher änderungsbedürftig.

      Soweit Ernsthaftes dazu von meiner Seite.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Wenn ich darüber nachdenke - dann scheint der Sonne am Tag und die Mond meistens nachts. Die (oder doch "der"?) Vatersprache ist schon merkwürdig. Was mich auch wundert, dass es noch nicht "die eine Mädchen" heißen muss. Das fände ich noch am Logischsten.
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.
    • An der Hymne rumzudoktern ist Schwachsinn. Der Posten der Dame ist anscheinend eine reine Versorgungsstelle, wenn sie so wenig ausgelastet ist.
      Wenn man wirklich was hätte ändern wollen, hätte man 1990 die "Kinderhymne" Brechts als neuen Text nehmen sollen, aber das wäre mit Kohl usw. natürlich unmöglich gewesen. (Und heute würde sie dann auch wieder geändert, weil BB so ein A*** zu Frauen war und man vor lauter #metoo-Aufschreien den Text eh nicht mehr verstehen würde.)
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Gegen die "Kinderhymne" würde für mich v. a. sprechen, dass Brecht ein Gegner der westlichen Demokratie und Befürworter eines autoritären politischen Systems (nämlich einer marxistisch-leninistisch orientierten Diktatur) war. Seine Hymne taugt deswegen schlecht als Bekenntnislied für die demokratisch-pluralistische Bundesrepublik.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Seine Hymne taugt deswegen schlecht als Bekenntnislied für die demokratisch-pluralistische Bundesrepublik.
      Das Argument verstehe ich nicht. Enthält Brechts Kinderhymne denn ein "marxistisch-leninistisches" Bekenntnis? Da ein Link möglicherweise urheberrechtlich problematisch ist, nur dieser Hinweis: "http://www.allthelyrics.com/de/lyrics/bertolt_brecht/kinderhymne-lyrics-907694.html".

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Kater Murr schrieb:

      An der Hymne rumzudoktern ist Schwachsinn. Der Posten der Dame ist anscheinend eine reine Versorgungsstelle, wenn sie so wenig ausgelastet ist.
      Österreich und Kanada haben allerdings bereits entsprechend entsprechende Textänderungen an ihren Hymnen durchgeführt. Das ist also nicht nur die fixe Idee einer Einzelperson.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Gurnemanz schrieb:

      Das Argument verstehe ich nicht. Enthält Brechts Kinderhymne denn ein "marxistisch-leninistisches" Bekenntnis?
      Das nicht, aber sie wurde nun einmal aus einem gegen die westlichen Demokratien (darunter auch gegen die von den DDR-Machthabern als "Adenauer-Regime" denunzierte Bundesrepublik) Geist heraus geschrieben.
      Es liegt doch nicht allzu fern, dass sich der Begriff der "Räuberin" in Brechts Text nicht nur auf das NS-Regime, sondern auch auf die Bundesrepublik bezog.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • motiaan schrieb:

      Wenn ich darüber nachdenke - dann scheint der Sonne am Tag und die Mond meistens nachts.
      Der Sonne scheint am Tag, weil "Tag" als die Zeit definiert ist, wo die Sonne (manchmal) scheint.
      Die Mond scheint genauso oft Tags wie Nachts, nur Tags sieht man*s halt nicht, wegen des Sonnes hellem Licht...
      kompliziertes Universum.. fast so komplex wie der Sprakh...

      *sorry
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • EinTon schrieb:

      Das nicht, aber sie wurde nun einmal aus einem gegen die westlichen Demokratien (darunter auch gegen die von den DDR-Machthabern als "Adenauer-Regime" denunzierte Bundesrepublik) Geist heraus geschrieben.
      entscheidend ist aufm Platz der Text, oder? wenn da nix antidemolkratisches vorkommt....??
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • EinTon schrieb:

      Der Begriff der "Räuberin" in Brechts Text dürfte sich vermutlich nicht nur auf das NS-Regime, sondern auch auf die Bundesrepublik bezogen haben.
      Dem Text selbst entnehme ich das nicht.

      Aber von mir aus können wir gern bei "Einigkeit und Recht und Freiheit..." bleiben. So schlimm ist der Text nicht.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • aber warum nicht mal ne neue Hymne, die dem u.a. durchgenderten Geist unserer Zeit entspricht?
      wenn schon relevantere Reforrnen wg. gesellschaftlicher Zerklüftung grad nicht gehen?
      Könnte ja eine interessante Übung in demokratischer Kommunikation werden: eine Hymne entwickeln, die mehrheitsfähig ist und womöglich sogar berührend - identitätsstiftend auf unausschließende Weise...
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