Genderatur - Schreibe zurechtgerückt

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    • Genau, Monostatos ist ein "Mohr" und die genannte Deutung kann eigentlich nur als antiklerikale Botschaft der Zauberflöte an die Gegenwart 1791 gemeint sein. Denn in der Zauberflöte ist Monostatos kein Priester, sondern Sklavenaufseher, oder?

      Das Problem heute ist doch, dass sogar eindeutig antirassistisch gedachte Texte wie Huckleberry Finn oder die Struwwelpeter-Episode mit dem "kohlpechrabenschwarzen Mohr" heute (oft auch nicht ganz zu Unrecht) als so rassistisch durchtränkt gelesen werden, dass sie nicht mehr zumutbar scheinen. Die Zauberflöte hat da ähnlich gemischte Botschaften. Schwarze Menschen wie schwarze Vögel klingt egalitär, aber der Schwarze ist eben auch der verschlagene Lüstling. Genauso auch bei den Geschlechtern. Einerseits kann Pamina genauso eingeweiht werden und das Pamina-Papageno-Duett wirkt auch (zumal für damals) "gleichberechtigt", andererseits "ein Weib tut wenig, plaudert viel", "ohne Mann pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten" usw.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • philmus schrieb:

      aber warum nicht mal ne neue Hymne, die dem u.a. durchgenderten Geist unserer Zeit entspricht?
      wenn schon relevantere Reforrnen wg. gesellschaftlicher Zerklüftung grad nicht gehen?
      Könnte ja eine interessante Übung in demokratischer Kommunikation werden: eine Hymne entwickeln, die mehrheitsfähig ist und womöglich sogar berührend - identitätsstiftend auf unausschließende Weise...
      Hat was. Obwohl ich, und das könnte vielleicht als politisch aufgefasst werden, für "National-" so gar nichts übrig habe. Mit Hymnen an sich verhält es sich anders, dazu bin ich viel zu musikbesessen.

      Weil wir gerade bei Brecht waren: Sein berühmter Haifisch - Text passt genau in die Melodie unserer deutschen Haydn - Hymne. Hat er zusammengeführt. Mega - lustig, das als ernst blickender Chor aufzuführen...

      EinTon schrieb:

      Da ginge aber auch die ehemalige DDR-Nationalhymne ("Auferstanden aus Ruinen")...
      Jau. Als diese Musik komponiert wurde, stand eine Teilung Deutschlands noch nicht zur Debatte. Der text ruft eher zur Einheit auf. Wurde, glaube ich, in der DDR auch mal "modifiziert".

      Gurnemanz schrieb:

      Wenn wir brüderlich uns einen,
      Schlagen wir des Volkes Feind!
      Gemeint waren wohl die Nazis. Wenn man in einem Land der Trümmer steht und somit das volle Ausmaß der Kathastrophe auszubaden hat, dann denken viele mit einigem Recht darüber nach, wer das verursacht hat und gelegentlich auch darüber, was man zugelassen hat als Bürger/in. In Ost und West.

      Gendertexte sind wohl immer wieder ein Grund der Heiterkeit. Sicher wird Sprache dann holprig und man kann sich trefflich zum Ei machen. Aber ist das wirklich das Schlimmste, was man auf der Welt anrichten kann? Dieses "couragiert" finde ich gar nicht mal schlecht.

      Leider verschleiern solche Maßnahmen und der Bohei drumrum oft die skandalösen Zustände wie immer noch schlechteren Lohn für Frauen, keine Lobby für sog. Frauenberufe (etwa Pflege), und, ja, resprektloses Benehmen gegenüber Frauen am Arbeitsplatz unterschiedlicher Schärfe, und das eben nicht nur beim Film. Und, ja, das alles ist schreiend ätzend. Ich habe jedenfalls genug davon.

      In die Zauberflöten - Figuren kann man viel hineininterpretieren. Wenn man die Dialoge auf sich wirken lässt, dann zeigt sich m. E. sehr wohl die benachteiligte Lage dieses Schwarzen, der nirgends für voll genommen wird und auch kaum Chancen auf eine Partnerin haben dürfte. Dieser Mensch ist verbittert und hat wohl zudem schon lange keine Frau mehr um sich gehabt. Das hat der "große Weise" sicher erkannt und hätte es unterlassen müssen, Pamina dieser Situation auszusetzen.

      Meiner Meinung werden die Umstände hier oft einfach beschrieben und die gängigen Auffassungen aus Mozarts Zeit kommen bei den Figuren zum Tragen. Ich glaube nicht, dass man mit der Werkkritik ausschließlich mit Gegenwartsstandards herangehen kann. ME. haben sich Schickaneder und Mozart durchaus die Mühe gemacht, keine Monster, sondern menschliche Charaktere herauszuarbeiten.

      :wink: :wink:
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Wegen "Deutschland, einig Vaterland" wurde der Text ab irgendwann nicht mehr gesungen, sondern die Hymne erklang nur noch instrumental. Becher, Fallersleben und Brecht sind alle sowohl auf die Haydn- wie auch die Eisler-Melodie singbar
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ulrica schrieb:

      Gemeint waren wohl die Nazis. Wenn man in einem Land der Trümmer steht und somit das volle Ausmaß der Katastrophe auszubaden hat, dann denken viele mit einigem Recht darüber nach, wer das verursacht hat und gelegentlich auch darüber, was man zugelassen hat als Bürger/in. In Ost und West.
      Das halte ich für eine gar zu wohlwollende Interpretation dieser Textzeile.

      Aus kommunistischer Sicht war "Volkes Feind" schlicht alles, was antikommunistisch war, darunter natürlich auch Nazis und Faschisten, aber auch das westliche ("imperialistische") Lager, die Bundesrepublik, besonders natürlich die USA, sowie nicht zuletzt interne Opponenten wie zB die Aufständler des 17. Juni und 3 Jahre später diejenigen in Ungarn.
      Selbst parteiinterne Kritiker, die sich gar nicht als antikommunistisch verstanden, blieben von diesem Stigma (und etwaiger Verhaftung) nicht verschont.

      Zwischen NS-Regime und Bundesrepublik bestanden aus dieser Sicht allenfalls graduelle, nicht aber grundsätzliche Unterschiede - beides waren eben verschiedene Ausprägungen des (zu überwindenden) "Kapitalismus".

      Vgl. auch:

      de.wikipedia.org/wiki/Volksfeind#In_der_Sowjetunion
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Kater Murr schrieb:

      Wegen "Deutschland, einig Vaterland" wurde der Text ab irgendwann nicht mehr gesungen, sondern die Hymne erklang nur noch instrumental.
      Ab 1974 bezeichnete sich die DDR im Artikel 1 ihrer Verfassung nicht mehr als "sozialistischer Staat deutscher Nation" sondern als "sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern". Möglicherweise war das auch der Zeitpunkt ab dem die Hymne nicht mehr gesungen wurde.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Mit einzelnen Änderungen an Texten könnte ich mich anfreunden, denn teilweise waren sie ja überhaupt nicht geschlechterzusammenfassend formuliert, wenn bespielsweise nur die Söhne des Landes angesprochen waren. Das Vorgehen sollte aber „minimalinvasiv“ sein, sonst kommt so etwas heraus wie hier:

      der-postillon.com/2018/03/nati…diskriminierungsfrei.html

      Die Genderdebatte wird zum Teil sehr kontraproduktiv geführt. Besonders verheerend fand ich hierbei die Vorgänge an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, die sich komplett zur Horstin gemacht hat. Das leistet gerade denjenigen Vorschub, denen man keinen Meter Land gönnen sollte. Vor allem, weil die anstehenden echten Aufgaben immer noch ungelöst sind, insbesondere im „kulturellen“ Bereich.

      Köstlich ist übrigens, was das seit eingen Jahren nicht mehr aktive weibliche Kabarettduo „Missfits“ zum Thema „Feminisprech“ aufgeführt hat.

      Beste Grüße, Kermit
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Kiel ist nicht Heikendorf

      Bitte mal nachschlagen: "Heikendorf Bilder verhüllen"
      So geht Realsatire! Da können wir uns noch sonne Mühe geben, die Realität ist unschlagbar.
      Gruß aus Kiel (leider neben Heikendorf)
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • "Couragiert" wäre dämlich, allein weil es nicht gut klingen würde. Brüderlich wird auf der ersten Silbe betont (zusammen mit dem höchsten Ton im Notentext), couragiert auf der letzten.
      Das klänge dann so: KUH-ra-giert. Da fragen sich dann alle Kinder, warum in der Hymne, die Papa immer im Wohnzimmer singt, wenn WM ist, Kühe so eine wichtige Rolle spielen. :rolleyes:

      Änderung kann ja sein (muss man auch aushalten können, affengeil ist der Text der Hymne nun auch nicht), aber dann sollte man vielleicht etwas länger darüber nachdenken ...
    • Die Frage ist ja: braucht man heutzutage überhaupt noch eine Nationalhymne? Wozu? Und wenn doch, warum dann nicht eine ganz neue? Hätte eigentlich schon nach dem dritten Rei zweiten Weltkrieg geschehen sollen.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • audiamus schrieb:

      Wohlgemerkt: Dies ist kein politischer Thread. Es ist ein literarischer.
      Wie hier sicherlich alle nachlesen können, wurde es aber einer.
      Wohlgemerkt: dies geht nicht gegen Satire. Es geht gegen die Kommentare, die über einfache Satire hinausgegangen sind.

      Eusebius schrieb:

      Dieser alberne Vorschlag der Dame zeigt einmal mehr, dass Politiker Probleme sehen die es für die Meisten in der Bevölkerung nicht gibt. Der arme Hoffmann von Fallersleben würde sich im Grabe umdrehen.
      Lieber Eusebius,
      wenigstens gibt es noch Menschen, die sich für die Probleme von bereits verstorbenen Dichtern einsetzen.
      Hier ein kleiner Buchtipp extra für User wie dich gepostet:

      Eben gewälzt ;)


      Kater Murr schrieb:

      An der Hymne rumzudoktern ist Schwachsinn. Der Posten der Dame ist anscheinend eine reine Versorgungsstelle, wenn sie so wenig ausgelastet ist.
      Wenn man wirklich was hätte ändern wollen, hätte man 1990 die "Kinderhymne" Brechts als neuen Text nehmen sollen, aber das wäre mit Kohl usw. natürlich unmöglich gewesen. (Und heute würde sie dann auch wieder geändert, weil BB so ein A*** zu Frauen war und man vor lauter #metoo-Aufschreien den Text eh nicht mehr verstehen würde.)
      Hätte ja niemand ahnen können, dass die andere -nicht männliche- Hälfte der Bevölkerung Deutschlands sich sprachlich ebenfalls in staatlichen, offiziellen Texten der BRD repräsentiert sehen möchte. Oder gar, dass Frauen auch noch laut werden, wenn sie sexuelle Gewalt erfahren.

      Eben gewälzt

      Palisander schrieb:

      Mich hat der Vorschlag die Hymne zu ändern ziemlich auf die Palme gebracht.
      Die Dame erinnert mich irgendwie an Dolores Umbridge aus den Harry-Potter Verfilmungen - keinen Sinn für die echten Probleme....

      VG

      Palisander
      Ja, die bösen feministischen Hexen, die an der Sprache rumpulen und Diskriminierung konsequent im Kleinen wie zum Großen eindämmen wollen, können einem wirklich den Tag vermiesen. Vermutlich wollen sie in Wirklichkeit alle BHs der Erde verbrennen und die Weltherrschaft an sich reißen und dabei behaupten, dass sie auch noch das bessere Geschlecht seien.

      Eben gewälzt
      „Ohne Kunst, ohne Kultur kann sich eine Gesellschaft nicht mit der Gegenwart auseinandersetzen.“

      Rebecca Saunders
    • Mir sind ja Nationalhymnen an und für sich ganz egal. Aber grundsätzlich - ich halte gar nichts davon, bereits bestehende, sozusagen historische Texte im Sinne eines (in diesem Falle sicher besseren, weil aufgeklärten) Zeitgeistes umzuschreiben. Wo soll das denn enden? Wenn der alte Text unangemessen ist benötigt man eben einen anderen. (Wenn der "Negerkönig" in Pippi Langstrumpf nicht gefällt lese man eben "Bullerbü" vor, ist eh das weit bessere Buch). Die alte DDR-Hymne wäre sicher eine gute Idee gewesen, heut käme das allerdings wohl 30 Jahre zu spät...

      Es gäbe, klar, Millionen Dinge, die zu tun wären um patriachalische Strukturen aufzubrechen, von Erziehung bis zur Gestaltung tragender Institutionen, von der Werbung bis zur Denke jedes/jeder Einzelnen. Ich zweifle etwas ob da der Nationalhymnentext nun die allergrößte Dringlichkeit hat... Anregungen finden sich in Cherubins Buchtip zuhauf...


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Pippi invertiert immerhin Geschlechterklischees (sie ist die Stärkste auf der ganzen Welt! Stärker als ein Pferd!), Bullerbü zementiert sie. Du glaubst nicht im Ernst, dass das protofaschistische Bullerbü-Idyll Gnade vor Gedichteübertüncher*%$innen und Nationalhymmenumdichter#*§&innen finden könnte? Mit vereinten Kräften von allen Seiten werden wir das bißchen Zivilisation schon kaputt kriegen!
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ich glaube, daß Bullerbü immer überzeugt, jedenfalls jede*n/r/wie immer, derdiedas ein Herz hat.

      Das glaube ich fest <3

      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Ach, ich kann mich über Bullerbü genaus freuen wie über Pippi. Dazu braucht es die richtige Stimmung, die richtige Großwetterlage. Und noch was weiß ich bei aller salonlinken Attitüde, die ich mir gerne zuschreibe: Wir retten die Welt nicht und wir waschen uns nicht rein, indem wir den Negerkönig entfernen. Eher spüre ich da ein Fünkchen Protofaschismus in Richtung Bücherverbrennung ... ;)

      Als Kompromiss hätte ich übrigens den Michel aus Lönneberga anzubieten.

      NB: Ich bin fest davon überzeugt, dass ich auf einer Wellenlänge liege sowohl mit garcia als auch der Hoffmann-Katze. Freilich bräuchte es zum Beweis ein wenig mehr von dem, was außerhalb der kontext- und paralinguistikfreien Internet-Kommunikation liegt.

      :wink: *%$Wolfgang#*§&wmd ;)
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Vorschlag zur Güte

      Da es bei den Genderbestrebungen ja eigentlich darum geht, den Frauen die ihnen zustehende Sichtbarkeit in der Gesellschaft zu verleihen, böte sich an, immer dann, wenn Frauen in der Überzahl sind, auf die weibliche Form zurückzugreifen. So vermeidet man Sternchen, Binnen-Is und so manches andere.
      Also: Staatsbürgerinnen (52% der Bevölkerung sind weiblich), Studentinnen, Ärztinnen, Lehrerinnen, Musikerinnen etc.., aber dafür dann auch Jäger, Mörder, Bauingenieure, Physiker und Polizisten.

      So wäre allen geholfen.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.