Genderatur - Schreibe zurechtgerückt

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    • Eher gering. Es sind auch sehr wenige Frauen im Forum. Klarer Fall von Diskriminierung.
      Wie lösen wir das? So viele Männer rausschmeißen, bis gleich viele Frauen wie Männer drin sind, oder?
      Ich nehme an, Kermit ist ein Mann.

      Variante:

      Hier diskutieren schon 5 Männer und 1 Frau. Kermit wäre der 6. Mann. Also darf er nicht mitdiskutieren.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Michael Zorc, Sportdirektor bei Borussia Dortmund, vor dem Spiel gegen Bayern München: "Wir müssen Männerfußball spielen".

      Was meint der damit eigentlich? Und warum glaubt er, dass irgendjemand seine Worte versteht?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • In Kitas und Schulen werden nach Ansicht eines Forschers zu wenig Bücher vorgelesen, die Jungen interessieren. «Jungen lesen anders als Mädchen», sagt der Nürnberger Erziehungswissenschaftler Wolfgang Tischner. Während sich Mädchen gerne in Charaktere einfühlten, bevorzugten Jungen in der Regel Abenteuer- und Heldengeschichten mit viel Action. Doch in Kitas und Schulen dominierten Erzieherinnen und Lehrerinnen, die unbewusst eine eher weibliche Bücherauswahl träfen. Auch Zuhause lesen vor allem die Mütter vor, wie Tischer sagt. Den Jungen fehlen dadurch die Rollenvorbilder. «Bei ihnen prägt sich ein: Lesen ist weiblich.»


      news4teachers.de/2019/11/forsc…zu-wenig-beruecksichtigt/

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Griffige These. Tischner bezeichnet das selbst als These, wobei er sich ausdrücklich auf die Kölner Literatur- und Erziehungswissenschaftlerin Christine Garbe bezieht.

      Hintergrund ist das beobachtbare Phänomen, daß Jungen statistisch nicht nur deutlich weniger lesen als Mädchen, sondern in der Sprach- und Lesekompetenz grundsätzlich schlechter abschneiden und zunehment auch in den MINT-Fächern von den Mädchen abgehängt werden. Daß die schulischen Spitzenleistungen in den MINT-Fächern überwiegend von Jungen erbracht werden, ändert nichts am diesbezüglichen Mittelwert. Nicht nur ist der bundesweite Notendurchschnitt der Schülerinnen insgesamt signifikant besser als der der Schüler, sondern ca. 70% der Sitzenbleiber und Sitzenbleiberinnen sind männlich. (Am anderen Ende der Skala: Im hier nächstgelegenen Gymnasium waren im letzten Sommer von den Schülerinnen und Schülern mit Einserabitur mehr als 90% weiblich!) Für dieses pauschal schlechtere Abschneiden der Jungen benötigt man selbstverständlich Erklärungen. Eine davon ist die Feminisierung des Bildungssystems. 2016/17 lag der Anteil weiblicher Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen insgesamt bei 73%, an Grundschulen sogar bei 89% (Statistisches Bundesamt, Schulen auf einen Blick, Ausgabe 2018. Wo bleibt hier eigentlich die an Hochschulen übliche Quote?). Ob hier eine strukturelle Benachteiligung von Jungen vorliegt, oder die Gründe woanders zu suchen sind, z.B. im höheren Videospielkonsum von Jungen, der mit den Schulleistungen umgekehrt korreliert, ist umstritten. Insbesondere Vertreter und Vertreterinnen einer genderbetonte Richtung bestreiten ersteres, da sie nicht nur von einer grundsätzlichen Äquivalenz männlicher und weiblicher Lehrkräfte (und Schülern) ausgehen, sondern auch eine Verstärkung vorhandener Geschlechterstereotypen bei gleichgeschlechtlichem Unterricht befürchten - wobei diese Gefahr offensichtlich nur einseitig bei männlichen Lehrern mit männlichen Schülern gesehen wird, nicht bei Lehrerinnen und Schülerinnen. Andererseits korreliert der schulische Erfolg von Schülerinnen sowohl im zeitlichen Verlauf, als auch im Ländervergleich mit dem Anteil von Lehrerinnen, wobei Korrelationen a priori noch nichts über Ursache und Wirkung aussagen. Das Problem ist insofern sehr schwierig, weil eine rein faktenbasierte Argumentation von der ideologischen Diskussion überlagert wird.

      Australien, Großbritannien, Kanada und Neuseeland haben übrigens seit den 90ern Programme, um die Sprach- und Lesekompetenz von Jungen zu stärken, da sie die männlichen Kompetenzlücken in diesem Bereich als Bedrohung für ihre Zukunftsfähigkeit gesehen haben, vergleichbar mit den hiesigen Anstrengungen in den MINT-Fächern für Mädchen. Hierzulande ist eine entsprechende Initiative nicht auf dem Schirm.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Ob Jungs heute in der Schule - strukturell oder auch in der konkreten Behandlung - benachteiligt werden, wird viel diskutiert. Aus meiner Erfahrung als Vater zweier Jungs, die mit der Schule gerade fertig bzw. fast fertig sind, ist die Frage eindeutig zu bejahen. Wegen der vielen einschlägigen Praxiserfahrungen war das Thema dann auch Dauerbrenner auf den Elternabenden.

      Befragt zu den besseren Noten von Mädchen sind meine Jungs sich einig: Das liege daran, dass Mädchen sich angepasster verhalten und mehr lernen (in dieser Reihenfolge). Auf diese Mädchen sind sie nicht neidisch, sondern sie tun ihnen leid.

      Diese Geisteshaltung ist es, aus der heraus sich eine Rückzugsmentalität ergeben kann, wie sie in der ABI-Zeitung meines älteren Sohnes in der Rubrik „Tipps für Siebtklässler“ in der Formulierung „Flieht, ihr Narren!“ Ausdruck gefunden hat. Die Mädchen-Tipps lasen sich demgegenüber eher wie: „Schreibe ein Datum auf die Zettel und hefte sie gleich ein.“
    • Knulp schrieb:

      Ob Jungs heute in der Schule - strukturell oder auch in der konkreten Behandlung - benachteiligt werden, wird viel diskutiert.

      Ein weites Feld... Soweit mir bekannt ist, ist der bessere Lernerfolg von Mädchen an Schulen sowie jungen Frauen an Hochschulen wohl ziemlich unumstritten. Ebenso unbestritten ist aber, dass diese Lernerfolge sich bisher nicht in hohen Zahlen weiblicher Führungskräfte im späteren Berufsleben widerspiegeln.

      Wie bereits erwähnt, gibt es aus meiner Sicht gute Gründe, das letztgenannte Phänomen als Problem anzusehen. Dann müsste man aber konsequenterweise (und wenn man "Gleichstellung" wirklich zuende denkt) auch das erstgenannte Phänomen als Problem einstufen.

      Anders gesagt: die seit Jahrhunderten bestehende maskuline Dominanz in den sogenannten MINT-Fächern kann man aus sehr guten Gründen problematisch finden. Dann sollte man aber auch die zunehmende "Femininisierung" bestimmter Bereiche (Medizin, Lehramt) als problematisch bezeichnen.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Knulp schrieb:

      Das liege daran, dass Mädchen sich angepasster verhalten
      wäre das nicht ein zu überwindendes Rollenstereotyp..?
      Und wenn was dran wäre: Wie verträgt sich Angepasstheit mit dem Rollenstereotyp einer Führungskraft? Sagen wo's lang geht auf höhere Weisung?
      :versteck1:
      (und nein: Ich will über die potenziellen Konsequenzen dieser Frage nicht nachdenken)
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • bustopher schrieb:

      Wie verträgt sich Angepasstheit mit dem Rollenstereotyp einer Führungskraft?
      Also, die Führungskräfte, die ich in jüngerer Zeit zu solchen habe werden und weiter aufsteigen sehen, die waren so was von angepasst ...

      --- da machste die Jungs und Mädels mit dem geringsten Widerstand zur Führungskraft, von Stufe zu Stufe, und wenn se oben sind, da wunderste dich, dass die aber auch gar kein Profil haben.

      Is ja klar - wennste e Profil habe tust, kannste ja nicht aalglatt sein. Geht halt nur eins von beiden. ;)

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Algabal schrieb:

      Der Fetischcharakter, den die MINT-Fächer im globalen Norden inzwischen haben, ist auch nichts anderes als eine Kreatur hegemonialer Männlichkeit.
      Wieso, wenn verzweifelt versucht wird und durchaus auch von männlicher Seite aus, dass der Anteil von Frauen/Mädchen daran größer wird? Geben Männer ihre Position so leicht auf? ;)

      :wink: Wolfram
    • Algabal schrieb:

      Der Fetischcharakter, den die MINT-Fächer im globalen Norden inzwischen haben, ist auch nichts anderes als eine Kreatur hegemonialer Männlichkeit.

      Ein paar Probleme auf der Welt lassen sich halt nur durch mögliche zukünftige Erfindungen besiegen, die diesen Fächern entspringen könnten. Klimawandel, Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, Krebs, Antibiotika-Resistenzen etc. Es ist wohl kaum ein Fetisch, diesen Dingen beikommen zu wollen, und auch sicherlich kein Ausdruck "hegemonialer Männlichkeit".

      Das heißt nicht, dass es nicht auch andere sehr wichtige Dinge auf der Welt gibt. Die gibt es selbstverständlich.

      LG :wink:
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    • Algabal schrieb:

      Der Fetischcharakter, den die MINT-Fächer im globalen Norden inzwischen haben, ist auch nichts anderes als eine Kreatur hegemonialer Männlichkeit.
      Was auch gerne vergessen wird: Auch die Schaffung und Verbreitung von Kultur (im engeren Sinne als das, was in den Humanities untersucht wird) ist an MINT-gebundene Voraussetzungen gebunden. Auch schon Stonehenge und die Pyramiden hätte es nicht gegeben ohne die Lösung der damit verbundenen technologischen Probleme und ohne Kenntnisse der zugrundeliegenden astronomischen Parameter, die Verbreitung von Shakespeares Dramen oder Schillers Balladen hat in erheblichen Ausmaß von der Erfindung der Druckerpresse und des Papiers profitiert, und alles zusammen von der Bereitstellung der für die jeweilige Gesellschaft notwendigen Resourcen, um freie Kapazitäten für die Schaffung eben jener Kulturgüter zu erzeugen, angefangen bei der Landtechnik, beispielhaft vertreten durch die Erfindung des Räderpfluges mit eiserner Pflugschar, Streichbrett und Sech und der für deren Herstellung erforderlichen metallurgischen und mineralogischen Kenntnisse, die so elementar sind, daß es uns meist gar nicht bewußt ist. Das, was wir heute an materiellen und immateriellen Kulturgütern im engeren Sinne bewundern, ist ja nicht vom Himmel gefallen. Auch ein Michelangelo hat erst einmal stählerne Werkzeuge benötigt, ebenso wie sein Lieferant in Carrara...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Ich habe keinen Zweifel an der Bedeutung von MINT-Fächern. Ich bin ja nicht völlig verblödet (hoffe ich jedenfalls mal ;) ). Einen solchen Zweifel habe ich weiter oben auch nicht formuliert. Mir ging es - wie man oben auch lesen kann - um etwas anderes.

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Der Fetischcharakter, den die MINT-Fächer im globalen Norden inzwischen haben, ist auch nichts anderes als eine Kreatur hegemonialer Männlichkeit.
      knacksch formuliert! aber kein ganz uninteressanter Aspekt!

      es geht ja nicht um die Abwertung von MINT, sondern darum, daß sich in der einseitigen Betonung dieser oder der eher "soften" Geistes- und Kulterwissenschaften auch Genderfragen spiegeln.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Algabal schrieb:

      Der Fetischcharakter, den die MINT-Fächer im globalen Norden inzwischen haben, ist auch nichts anderes als eine Kreatur hegemonialer Männlichkeit.
      Weiso haben die MINT-Fächer Fetischcharakter? ("Die Verehrung bestimmter Gegenstände im Glauben an übernatürliche Eigenschaften")

      Ich meine, dass niemand den MINT-Fächern übernatürliche Eigenschaften zuschreibt.

      Kompetenzen, die zur Bewältigung momentaner Herausforderungen wie Klimawandel (z. B. Technologie - Windräder, E-Autos, Null-Energie-Häuser, ...) und Digitalisierung nützlich sind, können halt in MINT-Fächern sehr gut vermittelt und verprobt werden. Darum findet man die Verstärkung dieser Fächer gut.

      Nicht, dass ein Sozialarbeiter oder Theaterwissenschaftler da gar keine Möglichkeiten hätte, aber die sind vergleichsweise doch eher gering.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Kompetenzen, die zur Bewältigung momentaner Herausforderungen wie Klimawandel (z. B. Technologie - Windräder, E-Autos, Null-Energie-Häuser, ...) und Digitalisierung nützlich sind, können halt in MINT-Fächern sehr gut vermittelt und verprobt werden. Darum findet man die Verstärkung dieser Fächer gut.

      Recht hast Du! Die MINT-Fächer haben ja auch die Kompetenz gehabt, die “momentanen Herausforderungen” (zumindest ihre technischen Voraussetzungen) geschaffen zu haben (Kraftwerke, die aus fossilen Brennstoffen Energie gewinnen; Verbrennungsmotoren mit tollem Drehmoment; völlig sinnfreie, schützenpanzerartige Großautomobile ; AKWs undundund). Expertise bleibt eben Expertise. Der Beitrag, den Sozialarbeiter und Theaterwissenschaftler dazu geleistet haben, war wohl auch vergleichsweise gering. Danke also für diese Vorlage.

      Und zum Begriff des “Fetischcharakters” musst du einfach noch etwas mehr lesen.

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Der Beitrag, den Sozialarbeiter und Theaterwissenschaftler dazu geleistet haben, war wohl auch vergleichsweise gering.
      Wohl wahr.

      Algabal schrieb:

      Und zum Begriff des “Fetischcharakters” musst du einfach noch etwas mehr lesen.
      Muss ich nicht. - Immer dieser Anspruch von eigenen Gnaden. andern vorschreiben zu können ...

      Gruß
      MB

      :wink:
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