Pristine Audio

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    • Pristine Audio

      Das Label Pristine Audio (pristineclassical.com) wird in den letzten Jahren mit Lobeshymnen überhäuft.

      Musste man früher oft erleben, dass sich angeblich maßstabsetzende Remasterings im Höralltag auf kaum relevante Veränderungen beschränkten und war vor allem ein weniger an Rauschen zugleich mit einem Weniger an Obertönen und Klangfarben verbunden, scheint nun die Quadratur des Kreises gelungen und hat es den Anschein, als wären die neuen Remasterings von Pristine Audio von nie gekannter Qualität.

      Selbst nachvollziehen kann ich das anhand der Mahler 9 Einspielung von Walter aus 1938. Die besaß ich bisher in zwei Ausgaben (u. a. von Dutton Labs). Die neue von Pristine Audio stellt beide deutlich in den Schatten (es bleibt aber, na klar, eine historische Aufnahme). Auch zwei Ausgaben von Schnabel Beethoven-Sonaten habe ich. Klingt im Vergleich ebenfalls deutlich besser als die schon sehr gute Naxos-historical-Ausgabe. Alles super mit Pristine Audio also?

      Ich bin nicht sicher. Im Netz findet man neben viel Lob auch einiges Ernüchterndes.

      Was sind eure Erfahrungen?
    • Ich habe von Pristine, als sie relativ neu waren, mal ein paar Proben gehört/runtergeladen. Umstritten sind sie hauptsächlich, weil sie ziemlich stark eingreifen, also sowohl filtern als auch Räumlichkeit hinzufügen usw. Dagegen sind z.B. typische Seth Winner oder Ward Marston Transfers eher minimalistisch (also mit eher hohem Knacks- und Rauschanteil) und Obert-Thorn (der u.a. Schnabel für Naxos gemacht hat) liegt dazwischen.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Umstritten sind sie hauptsächlich, weil sie ziemlich stark eingreifen, also sowohl filtern als auch Räumlichkeit hinzufügen usw.

      Wenn solche "Eingriffe" gut und verantwortungsvoll gemacht sind, dann ist das aus meiner Sicht unbedingt positiv zu bewerten. Im Gegenteil werfe ich den meisten anderen Veröffentlichungen historischer Aufnahmen eine zu große Unbekümmertheit, ja ausgesprochene Wurstigkeit vor.

      Die Originalaufnahmen sind ja auch gefiltert - nämlich durch die technischen Unzulänglichkeiten der Aufnahmeapparaturen - da ist der Versuch, durch eine umgekehrte Filterung wieder mehr akustische Linearität herzustellen, absolut gerechtfertigt, solange das Ergebnis klanglich überzeugt.
      Auch für die Verhallung gilt ähnliches: Aufnahmen mussten in der Anfangszeit so direkt wie möglich gemacht werden, damit die Hörer mit ihren einfachen Geräten überhaupt etwas mitbekommen konnten. Wer darauf besteht, dass an den Aufnahmen nichts manipuliert werden darf, müsste genau genommen auch mit einem historischen Grammophon o.ä. abhören.

      Normalerweise mache ich um historische Aufnahmen einen großen Bogen, weil es mich kolossal nervt, dass die Abweichung der Abspielgeschwindigkeit und damit der Tonhöhe oft absurd groß ist. Fast alle der gängigen historischen Aufnahmen laufen mehr oder weniger deutlich zu schnell, oft klingt es einen Halbton und mehr zu hoch (6-10% schneller gespielt klingt vieles auch toll virtuos, gell?)

      Pristine scheint diesbezüglich eine rühmliche Ausnahme zu sein. Jedenfalls die beiden Hörbeispiele auf der Webseite klingen so wie die Orchester damals auch tatsächlich hätten gestimmt sein können.

      Bevor ich hier mit weiteren Lobeshymnen aufwarte... wo gibt es mehr Hörbeispiele?
      Auf der Webseite habe ich nur das Verdi Requiem und die Eroica gefunden.

      Gruß,
      Khampan
    • Fast alle der gängigen Aufnahmen zu schnell überspielt? Das kann ich mir kaum vorstellen. Viele der gängigen Aufnahmen waren praktisch durchgehend im Repertoire, zuerst als Schellacks, dann als LPs, dann als CDs. Z.B. Schnabels Beethoven oder das meiste von Toscanini. Waren die von Anfang zu schnell oder wurden sie irgendwann zu schnell? Und es ist in 50 Jahren keinem einzigen der geschulten Toningenieure und Hörer aufgefallen?
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Khampan schrieb:

      wo gibt es mehr Hörbeispiele?
      Wenn Du im Pristine-Katalog bist ,kannst du bei jedem Ttel den 'View Album' Button anklicken . Und da gibt es dann auch jeweils Hörbeispiele . Ja , es gibt auch Kritik an Andrew Rose , aber da halte ich mich mal raus . Was mir nicht gefällt sind manche Ambient Stereo - Ausgaben . Dafür läßt mich das Remastering der Tchaikovsky-Oper 'Oprichnik' mit Orlov am Pult aus dem Jahr 1948 mit offenen Ohren und gezogenem Hut dastehen . Also , vom Klanglichen her finde ich die Resultate - mit geschmacklichen Einschränkungen - überzeugend .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • Kater Murr schrieb:

      Fast alle der gängigen Aufnahmen zu schnell überspielt? Das kann ich mir kaum vorstellen. Viele der gängigen Aufnahmen waren praktisch durchgehend im Repertoire, zuerst als Schellacks, dann als LPs, dann als CDs. Z.B. Schnabels Beethoven oder das meiste von Toscanini. Waren die von Anfang zu schnell oder wurden sie irgendwann zu schnell? Und es ist in 50 Jahren keinem einzigen der geschulten Toningenieure und Hörer aufgefallen?

      möchte nicht zu sehr off topic werden, hab schon seit längerem einen eigenen Thread dazu vor, leider keine Zeit und auch noch zu wenig Material.
      Das Problem gibt es erst seit der CD. Früher hat die Geschwindigkeit kaum jemand interessiert, die Plattenspieler hatten variable Drehgeschwindigkeit, die bei vielen Musikhörern standardmäßig Richtung rechter Anschlag eingestellt war (mich schauert's wenn ich zurückdenke).
      Als in den 1990er Jahren historische Aufnahmen auf CD an Bedeutung gewannen, war gerade der Kampf der Orchester um die höchste Stimmtonhöhe im vollen Gange.
      Ich kenne die Geschichte der Bandgeschwindigkeitsnorm nicht. Vermute nur dass die Tonbänder bei den frühen Aufnahmen langsamer liefen und dann einfach nach Norm (38 bzw. 76 cm/s) abgespielt wurden. Warum sollte eine zu hohe Stimmung jemand negativ aufgefallen sein, wenn genau das gerade chic war?
      Selbst wenn einem Tontechniker Zweifel gekommen wären, was hätte er tun können? Es gab keine andere Norm, nach der er sich hätte richten können, genaue Daten über die tatsächliche Stimmtonhöhe einer gegebenen Aufnahme gibt es praktisch nirgends.

      Zurück zu Pristine.
      Es scheint tatsächlich dass Pristine die Abspielgeschwindigkeit überwiegend auf a=440 Hz justiert. Auch wenn bis in die 1950er Jahre noch tiefere Stimmungen üblich waren, ist das ein sehr vernünftiger Kompromiss.
      Jedenfalls machen sie sich überhaupt Gedanken.

      Beispiel:
      Bruckner 6 mit Furtwängler (1943)
      Pristine: a= 440 Hz
      Melodiya: a=445 Hz
      bei irgend einer CD-Besprechung im Radio auch schon mit über 450 Hz gehört, brrr.

      Gruß,
      Khampan
    • Was ich an Klangbeispielen bei Pristine bisher gehört hatte, zeigt deutlich, daß sie sich sehr große Mühe geben, alles klanglich optimal herzurichten. Insofern kann man grundsätzlich zufrieden sein.

      Daß sie nicht alles gut hinkriegen, kann manchmal der Quelle geschuldet sein; das Thema Ambient-Stereo lasse ich außen vor - es ist ein Gimmick, welches für mich uninteressant ist. Zum Glück sind auch immer die originalen Mono-Versionen verfügbar, deshalb betrachte ich die Kritik an diesen Maßnahmen als Auslegungssache.

      Stimmhöhe - ein sehr weites Feld, besonders bei Schellacks. Inzwischen sind die digitalen Systeme gut genug, a' zuverlässig in einer Aufnahme zu ermitteln, aber manchmal scheitert es aber nicht unbedingt daran.

      Khampan schrieb:

      Fast alle der gängigen historischen Aufnahmen laufen mehr oder weniger deutlich zu schnell, oft klingt es einen Halbton und mehr zu hoch (6-10% schneller gespielt klingt vieles auch toll virtuos, gell?)
      Schön, daß du das erkennen kannst - ich kann es nicht. Es ist aber auch so, daß sowas erst dann problematisch wird, wenn man verschiedene Seiten aneinanderfügt und dann die Tonhöhen nicht exakt stimmen. Manchmal hilft aber die Korrektur dennoch nicht, weil der ganze Charakter der Aufnahme anders wirkt. Daß die Überspielungen nicht immer exakt gleich von der Laufzeit her sind, ist mir aufgefallen - aber ob man die Unterschiede beim normalen Hören mitbekommt, ist wieder eine andere Sache.

      Khampan schrieb:

      Ich kenne die Geschichte der Bandgeschwindigkeitsnorm nicht. Vermute nur dass die Tonbänder bei den frühen Aufnahmen langsamer liefen und dann einfach nach Norm (38 bzw. 76 cm/s) abgespielt wurden. Warum sollte eine zu hohe Stimmung jemand negativ aufgefallen sein, wenn genau das gerade chic war?
      Da gab es von Anfang an feste Normen, die nicht variierbar waren; das bedeutet aber natürlich nicht, daß ein Abspielgerät nicht mal falsch justiert war. Allerdings passieren solche Fehler häufig bei unerfahrenen/unfähigen Remasterern, die nicht viel Geld gekostet haben können. Die gestandenen Profis messen vorher alles sorgfältig ein.
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