Leonard Bernstein: Die beiden Klavierliedzyklen

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    • Leonard Bernstein: Die beiden Klavierliedzyklen

      In der 40er Jahren des 20. Jahrhunderts komponierte Leonard Bernstein (1918-1990), als Komponist weltberühmt vor allem des Musicals West Side Story wegen (entdeckenswert aber wie ich meine auch viele andere Kompositionen von ihm!), zwei kurze Klavierliedzyklen,

      I hate Music!, A Cycle of 5 Kid Songs (1943, auf eigene Texte)
      und
      La bonne Cuisine (1947, Texte aus dem französischen Kochbuch von Émile Dumont).

      I hate Music!, A Cycle of 5 Kid Songs erlebte seine Uraufführung mit der russisch-amerikanischen Mezzosopranistin Jennie Tourel (1900-1973) und Leonard Bernstein am Klavier (der Tourel durch Serge Koussevitzky kennengelernt hatte) am 24.8.1943 in Lenox (Massachusetts). Am Tag vor Bernsteins Sensationsdebüt bei den New Yorker Philharmonikern, am 13.11.1943, erfolgte die New Yorker Erstaufführung mit Tourel und Bernstein.

      Die zehnjährige Barbara will wissen woher die Babys kommen (My name is Barbara), hinterfragt wie es wäre, hätte die Erde mehrere Monde (Jupiter has seven moons), hasst Musik, liebt aber das Singen (I hate music!), klärt uns auf, wie das mit Vater und Sohn manchmal so ist (A big Indian and a little Indian) und will als Person ernstgenommen werden (I'm a person too).

      Der ganze Zyklus dauert nur ca. sieben Minuten. Die Solistin versetzt sich in das zehnjährige Mädchen und sprudelt dessen Empfindungen vielfach rezitativisch und sprunghaft heraus, vom Klavier heftig dabei unterstützt, oft rhythmisch. Wenn man Bernsteins spätere musikdramatische Werke im Ohr hat, kann man einiges motivisch antizipierend durchhören (Trouble in Tahiti, West Side Story, Mass).

      Der Zyklus La bonne Cuisine, Jennie Tourel gewidmet, wurde am 10.10.1947 in New Yorks Town Hall von Marion Bell (1919-1997, populär geworden durch das Broadway-Musical Brigadoon) und Edwin MacArthur uraufgeführt.

      Auf die Schnelle werden die Zubereitungen von Plum Pudding, Queues de Boeuf <Ochsenschwänze>, Tavouk Guenksis >Hühnerbrust> (türkisch) und Civet à toute Vitesse <Ragout in aller Eile> erklärt. Auch das sind sehr kurze, durch die Prosavertonungen befördert rezitativisch sprunghafte, etwas parodistisch wirkende Songs, im dritten durch den Alla Turca Rhythmus markant auffallend.

      Im Münchner Liedforum-Konzert der Hochschule für Musik und Theater am 18.4.2018 im Großen Konzertsaal Arcisstraße machten so wie ich es gehört habe Florence Losseau und Wonny Seong Won Park La bonne Cuisine sowie danach Elena Harsányi und Esperanza Martin-Lopez I hate Music! so großartig spontan und originell gegenwärtig, dass ich animiert wurde, die mir zur Verfügung stehenden CDs mit Bernstein Songs endlich einmal bewusst durchzugehen.

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      Jennie Tourel und Leonard Bernstein nahmen die beiden Zyklen (La bonne Cuisine englisch) am 18.11.1960 im Columbia 30th Street Studio für Tonträger auf (CD Sony SMK 60697), eine CD mit Leonard Bernstein Songs mit Roberta Alexander und Tan Crone (Klavier), die auch beide Zyklen enthält (La bonne Cuisine sogar französisch UND englisch!) erschien erstmals 1986 (Etcetera KTC 1037), die Aufnahme der beiden Zyklen durch Salome Kammer und Rudi Spring (Klavier) entstand im Juli 2006 im Studio 10 bei Deutschlandradio Berlin (CD Capriccio 67 195, La bonne Cuisine hier französisch), und Harolyn Blackwell nahm unter anderem I hate Music! in New York im November 1994 mit Danny Troob am Klavier auf (CD Blackwell sings Bernstein, gehört allerdings aus der Sony CD Box Leonard Bernstein The Composer; hier sind übrigens die Songs anders geordnet, der Titelsong steht am Anfang, der sonst erste Song an dritter Position).

      Mein Höreindruck: Tourel bewusst das Kindliche evozierend, Alexander bewusst erwachsen bleibend (rückblickend), Kammer chansonesk schärfend und Blackwell „American Entertainment“.

      Willkommen im Thread zu Leonard Bernsteins Klavierliedzyklen!
      Herzliche Grüße
      AlexanderK