Händelfestspiele Göttingen 2018 - Konflikte waren das Thema 98 Jahre nach dem Beginn der Händelrenaissance in Göttingen

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    • Händelfestspiele Göttingen 2018 - Konflikte waren das Thema 98 Jahre nach dem Beginn der Händelrenaissance in Göttingen

      Hallo zusammen,

      am vergangenen Wochenende hatte ich wieder einmal das große Vergnügen, einige Konzerte der Internationalen Händelfestspiele Göttingen in einer sehr charmanten Gruppe anzuhören. Es gilt zu berichten von einem außerordentlich qualitätvollen Jahrgang mit sehr buntem Programm.

      Begonnen haben wir mit einem Konzert des Christ Church Cathedral Choir am Freitag Abend in der Basilika St. Cyriakus im ca. 35 km von Göttingen entfernten Duderstadt. Unter der Leitung des ungemein erfahrenen Chorleiters Stephen Darlington konnte die Gruppe aus 12 Knabensopranen im geschätzten Alter von 10-13 und je 4 erwachsenenen Sängern in den Stimmen Altus, Tenor und Bass restlos überzeugen. Für die Männerstimmen dürfte das Programm mit Stücken von John Shepherd (z.B. das Libera nos, salva nos), William Byrd (große Teile der vierstimmigen Messe), Henry Purcell und George Frideric Handel eine Routineveranstaltung sein. Aber auch die Knaben zeigten sich extrem routiniert, nicht alle folgten Darlington in allen Einsätzen, aber das klangliche Gesamtergebnis war überwältigend. Insbesondere bei den a-capella-Stücken im ersten Teil des Konzertes, unterbrochen nur vom E-dur-Präludium BuxWV 141, war insbesondere die Abstufung der Lautstärke sehr überzeugend.

      Zwischen den Purcell-Stücken und dem abschließenden Handel-Teil (zwei Ausschnitte aus dem Foundling Hospital Anthem HWV 268 und das Coronation Anthem 'Zadok the Priest' HWV 258) war noch eine Psalm-Vertonung von Anthony van Noordt für Orgel Solo platziert, die auf der Johannes Creutzberg Orgel aus den Jahren 1733-1735 ein zeitgemäßes Instrument vorfand. Dem einen oder anderen Foristen ist die Orgel von der Kunst der Fuge-Einspielung mit Gerhard Weinberger bekannt. Leider war nicht erkennbar, welcher der beiden genannten Organisten, Clive Driskill-Smith und Makoto James, welche Stücke gespielt hat.

      Chormusik des 16. bis 18. Jahrhunderts kann sehr schnell eintönig werden, aber die von Darlington vorgegebenen überzeugenden Abstufungen in Lautstärke und Tempo machten geradezu exemplarisch deutlich, einen wie großen Schatz an englischer Chormusik der normale deutsche Klassikhörer in dieser dargebotenen Qualität in Deutschland kaum live erleben kann. Angesichts des bevorstehenden Ruhestands von Darlington darf man hoffen, dass die Qualität des Chores erhalten bleibt. Nicht unerhebliche Intonationsprobleme insbesondere der (hier geteilten) Knabenstimmen habe ich bei Hear my prayer, O Lord Z15 gehört, aber das ist angesichts der Menge an sicher präsentierten Stücken zu vernachlässigen. Angesichts der geringen Chorgröße konnte das abschließende 'Zadok the Priest' natürlich nicht mit Stimmkraft und Lautstärke, sondern mehr mit feinen Abstufungen, geschickt aufgebauten Steigerungen und zartesten Knabensopran-Klängen punkten.

      Als Zugabe gab es noch das Ave Maria von Robert Parsons, einem Zeitgenossen von William Byrd.

      Das war ein sehr starker Einstieg in einen wundervollen Jahrgang. Leider ist das Konzert nicht aufgezeichnet worden.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Hallo zusammen,

      ich fahre mit dem Galakonzert von Samstag Abend in der Göttinger Stadthalle fort: Das 'musical interlude' The Choice of Hercules' HWV 69 aus dem Jahre 1750 und das Te Deum for the victory of Dettingen HWV 283 aus dem Jahre 1743 standen auf dem Programm. Neben dem FestspielOrchester Göttingen unter Laurence Cummings waren der Christ Church Cathedral Choir sowie die Sopranistinnen Rachel Kelly (Virtue), Fflur Wyn (Pleasure), die Mezzosopranistin Diana Moore (Hercules) und der Tenor Nathan Haller (Attendant of Pleasure) im ersten Teil beteiligt, Cody Quattlebaum, Bass-Bariton sang die Solostücke im Te Deum.

      The Choice of Hercules ist ein recht undramatisches Stück, nach einer kurzen Ouvertüre folgt ein Accompagnato und drei Arien der Pleasure, ein Chor ihrer Begleiter schließt diese Szene ab, dann nahezu die gleiche Anzahl an Rezitativen und Arien für Virtue und ihre Begleiter. Nach einem weiteren Rezitativ, Arie und Chor der Pleasure spricht diese erstmals die Titelfigur an, nach der ersten Arie des Hercules dann noch die Arie des Tenor-Attendant der Pleasure. Dann ein erneut wenig dramatisches Terzett, danach Accompagnato, Arie und Chor von Virtue und ihren Anhängern, eine abschließende Arie des Hercules und ein abschließender Chor der Virtue-Begleiter. Der Hauptteil der Musik ist eine Eigenentlehnung aus der Schauspielmusik Alceste HWV 45, die nie zum Einsatz kam.

      Außerhalb Göttingens und anderer Festspielorte kann man dem Stück recht selten begegnen, was vermutlich daran liegt, dass die Chöre nicht unbedingt einfach, aber wenig dankbar sind, eine Aufführung, wie es zu Händels Zeiten üblich war, als dritter Akt des Alexanderfestes ist heute auch kaum vorstellbar.

      So war ich umso dankbarer, nach ungefähr 15 Jahren dem Stück wieder einmal begegnen zu können, zudem war die diesjährige Aufführung (wie alle von Cummings geleiteten) ungemein farbig gespielt und sehr differenziert gestaltet. Keine Nummer wurde in einem Rutsch durchgespielt, die Agogik wurde genauestens ausgespielt: es war eine in meinen Ohren geradezu vorbildliche Aufführung. Von den Solisten beim Hercules haben meinen Begleitern und mir Rachel Kelly und Diana Moore schlicht alle Wünsche erfüllt, bei Fflur Wyn waren die Eingangsarien etwas zu einheitlich, was Klangfarben und Charakterisierung angeht. Nathan Haller mit genau einer Arie hat eigentlich alles richtig gemacht, dummerweise kenne und liebe ich die Aufnahme von Michael Padmore dieser Arie (eine Entlehnung aus Alceste) von seinem Handel-Solo-Recital, dagegen kann ein junger Sänger dann doch nicht bestehen.

      Das Dettinger Te Deum ist in der Version der Göttinger Aufführung kein Stück zum Forte-Durchkesseln (so hatte ich leider schon das Vergnügen), sondern ein ungemein abwechslungsreiches Stück Gotteslob, das trotz seiner Pauken-und-Trompeten-Stellen nie dröhnend-eintönig, sondern höchstens prächtig war. Nie wurden in Tutti-Passagen Streicher oder Oboen akustisch unterdrückt, immer war eine wunderbare Durchhörbarkeit gegeben- phänomenal in meinen Ohren. Ein Beckmesser könnte darauf hinweisen, dass die Chorsolisten (für die wenigen Altsolo-Partien und das Terzett 'Thou sittest at the right hand of God') keine so brillianten Stimmen hatten wie der aus der Oper entliehene Cody Quattlebaum. Ich konnte mit der vorgestellten Version sehr gut leben, auch zu Handels Zeiten sind Chorsolisten bei diesen Stücken zum Einsatz gekommen. Auch zu dieser Aufführung kann ich nur das Adjektiv 'vorbildlich' wählen.

      Selbst für Spezialisten wie den Christ Church Cathedral Choir dürften beide Stücke Neueinstudierungen sein, ich fand die dargebotene Leistung einfach nur sensationell, selbst schwierigste Einsätze saßen perfekt und in differenzierter Lautstärke, auch hier nur größtes Lob von mir. Für das FestspielOrchester Göttingen fand eine diesjährige Kritikerin auf bachtrack.com die Formulierung 'The FestspielOrchester Göttingen under the direction of Cummings is now one of, if not the, outstanding Baroque orchestras of the modern day, and possibly ever. ' Das finde ich ziemlich dick aufgetragen, aber ich bin von der Paarung aus Perfektion, Farbenreichtum und Begeisterung der Musiker mehr als begeistert.

      Wer sich einen eigenen Eindruck machen will, auf NDR Kultur wird der Mitschnitt am 24.6. ab 11 Uhr übertragen. Ich kann es jedem Handel-Interessierten nur ans Herz legen.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Hallo zusammen,

      wo ich schon dabei bin, noch ein Gedicht:

      Midori Seiler und Christian Rieger haben Sonntag früh ein rein Salzburger Programm für Violine und Cembalo in der sonnendurchfluteten Uni-Aula gespielt. Die Sonaten Nr. 3 F-dur C140, 4 D-dur C141 und 6 c-moll C143 aus der Veröffentlichung des Jahres 1681 erklangen in dieser Reihenfolge vor der Pause, die (Cembalo solo-) Passacaglia g-moll und die Violinsonate D-dur von Georg Muffat aus dem Jahre 1677 danach.

      Die Biber'schen Violinsonaten von 1681 werden sicher nicht so oft gespielt wie die Rosenkranzsonaten, aber sie sind natürlich schon recht bekannt. Dennoch war es, soweit ich erkennen kann, meine Erstbegegnung in einem Konzert. Die sehr exzentrische, aber ungemein klare Charakterisierung, das spezifisch Geigerische in diesen Stücken erschließt sich live, so habe ich den Eindruck, noch viel besser als von CD. Für die Sonate 4 wird eine Geige mit Skordatur verlangt, in der sechsten Sonate muss mitten im Stück nach der Passacaglia umgestimmt werden. Für Sonate 4 lag ein Instrument parat, das Verstimmen in Sonate 6 nahm Midori Seiler mehr oder minder ohne Verzögerung am Schluss der Passacaglia vor.

      In der Pausenmoderation dachte Christian Rieger darüber nach, dass Muffats Violinsonate vermutlich für Biber geschrieben worden sein könnte: wenn es so wäre, wäre sie ein Beweis für ein großes Unverständnis zwischen diesen Aushängeschildern der süddeutsch-österreichischen Musik am Ende des 17. Jahrhunderts: wo Biber ausgreifend-virtuos-eigensinnig, variations-orientiert klingt, Begründer eines eigenen deutschen Violinstils ist, ist Muffats Musik noch deutlich stärker französisch und ausgeglichen komponiert. Für den angeregten Beifall bedankten sich die beiden mit einem Satz aus Händels D-Dur Violinsonate HWV 371.

      Es wurde nicht mitgeschnitten.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Hallo zusammen,

      wir bleiben bei Sonntag, ab 17 Uhr wurde im Deutschen Theater die szenische Aufführung der in Göttingen noch nie gespielten Oper Arminio HWV 36 gegeben. Das FestspielOrchester Göttingen unter Laurence Cummings begleitete ungemein abwechslungsreich, reaktionsschnell, gewitzt, emotional überbordend, mit einem Wort: kaum verbesserungsfähig.

      Für Handlung und Einordnung des Stücks verweise ich auf den traditionell sehr gut informierten, leider etwas veralteten Wikipedia-Eintrag. Die in etwas mehr als drei Wochen geschriebene Oper auf einen erheblich gekürzten Text von Antonio Salvi hat wegen geringen Erfolgs im Jahre 1737 keine besondere Beachtung in der Nachwelt gefunden, eine Aufführung im Leipzig der 1930'er Jahre, Nîmes 1997, die wenig inspirierte und erheblich gekürzte CD-Produktion des Stücks unter Leitung von Alan Curtis aus dem Sommer 2000, und dann seit 2014 alle deutschen Händelfestspiel-Standorte durch: Halle, Karlsruhe und nun zuletzt Göttingen.

      Die Inszenierung des DT-Intendanten Erich Sidler war so, wie sie sich jeder Regietheater-Hasser nicht besser gewünscht hat: sie hat nicht gestört, mit der Mehrzahl der Zuhörer, mit denen ich geredet habe, stimme ich überein, dass eigentlich nur das ständige Herumwedeln mit Pistolen am Ende des 2. und im 3. Akt unmotiviert und ablenkend war. Das ist doch schon mal ganz gut. Bühnenbild von Dirk Becker, Kostüme von Renée Listerdal und Beleuchtung von Michael Lebensieg unterstützten eine störungsfreie Rezeption atemberaubender Musik.

      Im Grunde kehrt Handel mit dem Arminio zum Konzept seiner besten Opern zurück: große historische Gestalten in dramatischen Situationen, die lange so aussehen, als könnte es für die Guten nicht gut ausgehen. Gleich am Ende der ersten Szene des ersten Akts, ich gehe auf die Unterschiede zwischen Opernaktion und Inszenierung nicht ein, stand ein Duett von Primuomo Arminio und Primadonna Tusnelda 'Il fuggir, cara mia vita'. Überrascht, ich hatte mir die Curtis-CD-Aufnahme bewusst nicht noch einmal angehört, nahm ich wahr: das ist, so wie von Christopher Lowrey und Anna Devin gesungen, richtig tolle Musik. Und so ging es munter weiter, bis auf die Tenor-Arien, die schon Earl Shaftesbury als uninspiriert abtat, kam ein Stück besser weg als das nächste.

      Das lag sicher auch an der Besetzung, die in der von uns besuchten fünften Vorstellung mit großer Selbstverständlichkeit großartige Musik überwältigend gut gesungen hat. Normalerweise würde man mit der Gesangsleistung eines Owen Willetts in der Kastratenrolle des Tullio schon als Primuomo umjubelt, aber es gab einfach keinen auch 'nur' guten Sänger, alle waren exzellent. Ich weiß wie unglaublich das klingt, weil ich auch oft genug in der Realität musiziere. Eine so tolle Ensembleleistung hört man tatsächlich nicht alle Tage. Sei es der Bassbariton Cody Quattlebaum in der rezitativlastigen Rolle des Segeste mit nur einer Arie (im ersten Akt 'Fiaccherò quel fiero orgoglio' mit einer kraftvoll-maskulinen Tongebung, aber auch toller Gestaltung, die ich so intensiv kaum einmal live erleben konnte. Sei es Helena Rasker, die als Schwester des Arminio und Angebetete des Sigismondo, mit einer grandiosen Altstimme die Rolle der Ramise zu einem Erlebnis werden ließ.

      Und doch ist das Ganze noch steigerungsfähig: Sophie Junker, eine junge belgische Sopranistin, die ich vor einigen Jahren als 'Israelite Woman' in der Göttinger Esther noch nicht so recht überzeugend gefunden habe, hatte am Sonntag eine echte Sternstunde: alle ihre dramatisch zugespitzten, hochvirtuosen Arien waren so perfekt, dass mir, aber nicht nur mir, der Mund offen stand. Als beliebiges Beispiel die große Arie mit hochvirtuosen Oboensoli (für Giuseppe Sammartini geschrieben) und engster Verschränkung von Gesangs- und Instrumentenstimme 'Quella fiamma, che'l petto m'acende' gegen Ende des 2. Akts - eine Sternstunde.

      Aber das ist nur die vorvorletzte Arie im 2. Akt. Auch die Gestaltung der anschließenden 'Vado a morir, Vi lascio' durch Christopher Lowrey (hier war die Inszenierung übrigens außerordentlich stützend) und Tusneldas 'Rendimi il doce sposo' waren ebenbürtig. Wenn ich dann drei sehr unterschiedliche Emotionen in so mustergültiger Interpretation gehört habe, frage ich mich natürlich, wie es sein kann, dass ein so tolles Stück einfach nicht gespielt worden ist.

      Im Grunde ist es nicht zu klären: sicher, im 3. Akt passieren einige Dinge nicht wirklich motiviert, aber in meinen Ohren konnte ich im ersten und zweiten Akt wenig Schwächen (außer den Tenorarien) erkennen. Winton Dean's Äußerungen, auch sie findet man bei Wikipedia, sind wenig schmeichelhaft, wie weit er sich wirklich mit dem Stück beschäftigt hat, wage ich nicht zu sagen. Vielleicht musste er auch einfach nur mit seinem Buch zu Ende kommen. Was man dem Stück 'vorwerfen' könnte, ist, dass es im Vergleich zum 'Giulio Cesare' keine Ohrwürmer wie 'Piangerò' oder 'Va tacito' gibt, aber grundsätzlich sehe ich den 'Arminio' in der Qualität der Aufführung von Sonntag Nachmittag in der Liste der Handel-Open, die jeder Barockopernliebhaber kennen muss. Uffz. Es ist raus: muss!

      Die Premiere ist am 12.5. auf NDR Kultur live übertragen worden, der Mitschnitt noch einmal am 19.5. in Deutschlandfunk Kultur übertragen worden. Ich bin recht sicher, dass eine CD-Veröffentlichung folgt.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Ich höre gerade noch einmal die drei Arien vom Ende des 2 Akts in dieser Aufnahme an:



      das ist recht behäbig-ordentlich, mit anderen Worten langweilig, an manchen Stellen auch unsauber-uninspiriert gesungen ... Dominique Labelle und Vivica Genaux sind ja wirklich hervorragende Sängerinnen, aber wenn ein Routinebett ausgebreitet wird, können auch so gute Sängerinnen nichts machen ....

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Nach so einer dicken Portion mitreißenden Pathos stand noch ein Gegenprogramm im Nachtkonzert an. Das Ensemble Virévolte bot gut 70 Minuten alles: Elvis, Carmen, Nena, französische Chancons, Handel-Arien, Weill, Wagner (das Lied an den Abendstern), Gloria Gaynor, Nancy Sinatra .... ein völliges Durcheinander, das in der vorgestellten Qualität und Lust an der Musik sehr mitreißend für mich war. Ich gebe zu, dass eine Mitgängerin nicht wusste, was das solle .... den besten Eindruck vermittelt vermutlich dieser 15 Minuten Youtube- Clip: youtube.com/watch?v=nJFi27vMvK8

      Sonntag haben sie kaum ein Stück so lang gespielt wie in dem Clip, dafür dicht verwoben Sprünge durch die Stile und Jahrhunderte gemacht ...

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Hallo zusammen,

      Das letzte Konzert für unseren diesjährigen Festspielbesuch war spanischer Chormusik des 16. Jahrhunderts gewidmet, es fand am Mo um 11:30 Uhr in der romanischen Klosterkirche Nikolausberg statt.
      Das in Barcelona beheimatete Ensemble Cantoría besteht lediglich aus vier Sängern, die alle Stücke auswendig vortrugen. Die Gruppe wird im Rahmen des Programms eeemerging gefördert und machte deswegen in Göttingen Station.

      Inés Alonso, Sopran, Samuel Tapia, Countertenor, Jorge Losana, Tenor und Valentín Miralles, Bass haben alle sehr gut ausgebildete Stimmen und konnten im auf Deutsch und Englisch moderierten Konzert auf der ganzen Linie überzeugen. Ich denke, ich habe noch nie vorher Musik von Bartomeu Cárceres, Francisco Guerrero oder Mateo Flecha 'el Viejo' live aufgeführt gehört, der Schwerpunkt lag auf 9 Stücken aus den Canciones y Villanescas Espirituales von Guerrero und 3 Stücken aus Las Ensaladas de Flecha.

      Viele Stücke überraschten mit verblüffenden, individuellen Sujets: In der abschließenden Ensalada 'La bomba' z.B. wird ein Schiffbruch, das Beten um Errettung aus Seenot, das Stimmen einer Gitarre und ein abschließendes Gotteslob verbunden.

      Alle diese Musik verbindet Lebensfreude ausdrückende Vertonungen mit geistlich-katholisch Texten, eine Mischung, die ich mit meiner deutschen Musiksozialisation sehr überraschend fand. In der engagiert-selbstverständlichen Vortragsweise des Ensembles war es auf jeden Fall eine große Werbung für diese Musik, so viele Natürlichkeit und Überzeugungskraft bewiesen die vier Sänger, dass man förmlich davon getragen wurde. Ein sehr schöner Abschluss einer außerordentlich überzeugenden Jahrgangs.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Hallo zusammen,

      mein Fazit zum diesjährigen Festspielerlebnis in Göttingen ist recht kurz: das bunte Programm war sehr lohnend und abwechslungsreich.

      Während ich in den vergangenen Jahren immer mal wieder Dinge erwähnen konnte, die ich als Schwächen wahrgenommen habe, bin ich dieses Jahr eigentlich nur voll des Lobes. Laurence Cummings hat dieses Jahr viele phantastische Solisten mitgebracht, einige davon waren - trotz des durchgehend jungen Alters - zum wiederholten Male in Göttingen dabei und haben sich alle erheblich gesteigert. Auch mit Cummings eigener Leistung bin ich außerordentlich zufrieden, hier gab es in meinen Ohren wenig zu verbessern. In dieser Qualität der Aufführungen muss sich Göttingen überhaupt nicht verstecken, eine (musikalisch) so phantastische Opernaufführung wie der diesjährige Arminio würde jedem Opernhaus der Welt gut anstehen.

      Auf dem Nachhauseweg haben wir darüber raisonniert, welche Sänger uns dieses Jahr am besten gefallen haben, der erste Satz war: das ist aber schwer. Interessanterweise fiel die Antwort aber einhellig aus: Bei den Frauen war es Sophie Junker, bei den Männern Christopher Lowrey.

      Wir werden wiederkommen.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Hallo zusammen,

      meine Wahrnehmungen zum Arminio werden in der FAZ weitgehend geteilt: eine sensationelle Sophie Junker, ein überragender Christopher Lowrey und eine nicht störende Regie:

      faz.net/aktuell/feuilleton/bue…dArticle=true#pageIndex_0

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Giovanni di Tolon schrieb:

      The Choice of Hercules
      Lieber Benno,

      auf Deine Empfehlung hin hörte ich eben im NDR jenen Mitschnitt.

      So extrovertiert das Dettinger Te Deum sich auch Gehör verschafft, es verblasst gegen "The Choice of Hercules".
      Wie Pleasure und Virtue um den jungen Hercules werben, ist geradezu von Erotik durchdrungen, zumal in dieser Aufführung.
      Dessen Arie aber: "Yet, can I hear that dulcet lay" hat mich weinen lassen.
      Von solcher Schlichtheit, ganz bestimmt nicht Einfachheit, ist diese Arie, die so psychologisch eindringlich die Hilflosigkeit des Hercules zeichnet, sich entscheiden zu müssen.

      Wie Du schreibst: ein undramatisches Werk. Zumindest äußerlich. Denn wie selten schreibt Händel ein Terzett um eine Handlung dramatisch zuzuspitzen? Hier sehr wohl.
      Woraufhin sich Hercules natürlich "richtig" entscheidet.
      Aber hört man der Musik nicht an, dass die Frage offen bleibt: "Was wäre, hätte ich anders entschieden"?
      Händel betont das ja im Schlusschor, der anmutet wie aus Mozarts Zauberflöte: "Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden".

      Einmal mehr bin ich der Bewunderung voll, wie es Händel gelingt, auf so engem Raum seelische Äußerungen in Noten zu fassen. Und hier nicht die von gestandenen Manns- oder Frauenbildern,
      sondern eines Pubertierenden, der Hercules ja wohl war zur Zeit der Entscheidungsfindung.
      Naiv und unschuldig klingt das, doch nie harmlos oder schwach, immer mit großer Empathie und der Fähigkeit, sich hineinzuversetzen in seine zu komponierenden Rollen.
      Derart liebevoll und vielschichtig geht sonst wohl nur Mozart mit seinen Charakteren um.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hallo zusammen,

      für eine Woche noch einmal online zu verfolgen: eine musikalisch außerordentlich gelungene Inszenierung des Arminio:

      ndr.de/kultur/musik/Haendels-A…mal-sehen,arminio140.html

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Neu

      Hempel schrieb:

      Giovanni di Tolon schrieb:

      The Choice of Hercules
      Lieber Benno,

      auf Deine Empfehlung hin hörte ich eben im NDR jenen Mitschnitt.

      So extrovertiert das Dettinger Te Deum sich auch Gehör verschafft, es verblasst gegen "The Choice of Hercules".
      Wie Pleasure und Virtue um den jungen Hercules werben, ist geradezu von Erotik durchdrungen, zumal in dieser Aufführung.
      Dessen Arie aber: "Yet, can I hear that dulcet lay" hat mich weinen lassen.
      Von solcher Schlichtheit, ganz bestimmt nicht Einfachheit, ist diese Arie, die so psychologisch eindringlich die Hilflosigkeit des Hercules zeichnet, sich entscheiden zu müssen.

      Wie Du schreibst: ein undramatisches Werk. Zumindest äußerlich. Denn wie selten schreibt Händel ein Terzett um eine Handlung dramatisch zuzuspitzen? Hier sehr wohl.
      Woraufhin sich Hercules natürlich "richtig" entscheidet.
      Aber hört man der Musik nicht an, dass die Frage offen bleibt: "Was wäre, hätte ich anders entschieden"?
      Händel betont das ja im Schlusschor, der anmutet wie aus Mozarts Zauberflöte: "Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden".

      Einmal mehr bin ich der Bewunderung voll, wie es Händel gelingt, auf so engem Raum seelische Äußerungen in Noten zu fassen. Und hier nicht die von gestandenen Manns- oder Frauenbildern,
      sondern eines Pubertierenden, der Hercules ja wohl war zur Zeit der Entscheidungsfindung.
      Naiv und unschuldig klingt das, doch nie harmlos oder schwach, immer mit großer Empathie und der Fähigkeit, sich hineinzuversetzen in seine zu komponierenden Rollen.
      Derart liebevoll und vielschichtig geht sonst wohl nur Mozart mit seinen Charakteren um.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      Die Göttinger Aufführungen, über die Mike und ich uns hier ausgelassen haben, sind vor wenigen Tagen als CD's erschienen:



      Ich mag die Aufnahme gerne empfehlen.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)