Kann man »Musik hören« lernen ?

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    • Palisander schrieb:

      Auch ein Lehrer, so es den einen für diese Thematik gibt, kann Dir nicht beibringen Klassik oder Pop oder Jazz toll zu finden.
      Nein – (m)eine Meinung bilde ich mir selbst.
      Darum geht es aber auch nicht.
      Ein Lehrer sollte die Musik erklären, aber nicht bewerten.

      Palisander schrieb:

      Allenfalls kann er Dir den musiktheoretischen Hintergrund vermitteln.
      Genau – darum geht es.
      Pau
      Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können. (Noam Chomsky)
    • Pau schrieb:

      intuitiv oder hattest Du eine entsprechende Ausbildung?
      Um auf Deine Frage zu antworten: Ich spiele seit Jahrzehnten aktiv Oboe, bin aber kein Berufsmusiker.

      Aber wie ich bereits sagte lernst Du ein Stück intensiver kennen, wenn Du es Dir Takt für Takt selbst erarbeiten musst. Dass Dir das den Zugang auch zu anderen Stücken erleichtert, würde ich schon sagen.

      VG

      Palisander
    • Pau schrieb:

      Aber: manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Da wäre eine Lehre schon ganz hilfreich. Nur: gibt es so etwas? (Stichwort: Gehörbildung)
      Vielleicht wären Audio-Werkeinführungen etwas für Dich? Dazu lässt sich beispielsweise bei YT sehr viel finden (z.B. Rilling - MP, JP, h-Moll-Messe). Empfehlenswert wären ggf. auch die Werkeinführungen von Stefan Schaub:



      Vgl. in diesem Zusammenhang auch hier.
    • Hallo Pau,

      Jetzt würde mich ja interessieren, welche Komponisten hörst du gerne und vor allem, wie hörst du Musik? In Form von: liest du dir die Booklets vorher durch, oder nicht? Was ist dir wichtig beim intensiven hören? Hörst du intensiv oder mehr nebenbei?
      Viele Grüße, Michael
    • Inhalt gelöscht.
      Der Ton in diesem Thread wird schon wieder latent aggressiv, das nervt. Schade, dass hier keine sachlichen Diskussionen über einen längeren Zeitraum möglich sind und immer wieder irgendwelche Kleinkriege ausgetragen werden.
      Dieser und folgende meiner Beiträge können gerne von der Moderation gelöscht werden.
      29.05.18
    • Hallo Friese,
      Komponisten die ich gerne höre sind:
      Vivaldi, Boccherini, Albeniz, de Falla, Satie, Debussy, Ravel, Granados
      und andere die mir jetzt so schnell nicht einfallen; Booklets lese ich immer und (Kammer!-)Musik höre ich sehr bewusst
      Pau
      Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können. (Noam Chomsky)
    • Pau schrieb:

      »Moderne« Musik ist für mich vor allem »Geklopfe« – wobei mir das eben nicht gerade sinnlos erscheint, aber zu langweilig ist.
      Wobei es allerdings nicht die (!!) moderne Mucke gibt. Diese Chose kommt durchaus sehr unterschiedlich rüber.

      Pau schrieb:

      Geht mir auch so. Ästhetik ergibt sich (nur?) wenn man die (formalen) Strukturen erkennt(?) Wie auch immer
      Das „Ästhetische“ bezieht sich m.E. auf sinnliche, anschauliche Komponente unserer Wahrnehmung/Erfahrung (das muss ja nicht immer Kunst sein), weniger auf formal-begriffliche Bereiche.
      Wenn ich im Theater ein Stück oder im Kino ein Film mir einschmeisse, dann ist das mit Begriffen verknüpft.. z.B. in einem coolen Justizthriller wird nicht bloß geballert, sondern auch über Freiheit, Gerechtigkeit debattiert. Mucke kommt da vergleichsweise ästhetischer rüber, weil es da keine Begriffe gibt. Allerdings Strukturen.

      Pau schrieb:

      Darum geht es! Ist das eine erlernbare Fähigkeit?
      Jeder (!) – obs ihm passt oder nicht - nimmt Strukturen – wie auch immer - in Mucke wahr.

      Wer mag, kann sich sein Muckenreinziehn ausdifferenzieren, z.B. im Nachvollziehn von Sonatenform: sowas funzt – grob gepostet - bis zu Mahler und mittleren Schönberg (der frühe atonale Schönberg kommt einen da vergleichsweise ungebundener rüber). Bei zeitlich später fabrizierter Mucke kommt diese einen durch spontanes Reagieren aufs quasi Impulskaleidoskop darin sehr viel fetziger rüber..
      Ab einem gewissen Sonaten-„Trainings“-Stadium funzen dann die Lauscherchen beim Reinziehn von z.B. Beethoven-Sonaten unwillkürlich sonatig
      Man hat dann noch mehr von Mucke …

      Palisander schrieb:

      Aber wenn Du z.B. aktiv musizierst und Dir ein Stück Takt für Takt erarbeitest, lernst Du es natürlich intensiver kennen als wenn Du Dich nur berieseln lässt.
      Geht mir so bei Bach-Chorälen (Bass). Die Chose fächert sich mega-fetzig auf.

      Paula Fleming schrieb:

      - sie unterscheiden sich nicht wesentlich von Kleinkindern, werden genauso schnell unruhig (haben sich aber zum Glück besser unter Kontrolle oder ihr Smartphone dabei) und mir scheint, dass sie die Musik auch nicht viel anders wahrnehmen.
      Heute spielte die NDR-Radiophilharmonie unter Metzmacher unmittelbar (quasi attacca) nach dem Berlioz-Requiem B.A. Zimmermanns „Stille und Umkehr“. Sehr düstere und zerbrechliche Mucke. Erinnerte mich zuweilen etwas an Scelsi-Mucke. B.A. Zimmermanns „Stille und Umkehr“ kam mir aber dabei viel feiner und nuancierter rüber als Scelsi-Mucke. Das Auditorium gab sich plötzlich völlig beschissen. Getuschel, Unruhe. Ging mir tierisch auf den Sack. Keine angemessene Haltung... da waren vor ein paar Jahren eine Gruppe von Hauptschüler beim Nono Streichquartett ungleich viel besser drauf..
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Inhalt gelöscht.
      Der Ton in diesem Thread wird schon wieder latent aggressiv, das nervt. Schade, dass hier keine sachlichen Diskussionen über einen längeren Zeitraum möglich sind und immer wieder irgendwelche Kleinkriege ausgetragen werden.
      29.05.18
    • Yukon schrieb:

      Was auch immer da "mega-fetzig" aufgefächert wird, egal. Damit dürftest Du Choräle/Choralvorspiele mittels Orgel aber mutmaßlich nicht meinen, da ich ich mich dunkel erinnere, dass du dieses Instrument nicht mags
      ich meine z.B. in Bachs WO.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Pau schrieb:

      Kann man "Musik hören" lernen?

      Ja.

      Pau schrieb:

      Anders gefragt: kann man »Musik verstehen« – ähnlich wie der Sinn von gesprochenem oder gelesenem Text verstanden wird?

      Das ist m. E. eine ganz andere Frage. "Hören" und "Verstehen" sind zwei Paar Schuhe - kennen wir alle aus dem Alltag. Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht akzeptiert, akzeptiert ist nicht umgesetzt, umgesetzt ist nicht richtig umgesetzt, ... Jede Firma liefert Beispiele.

      Was soll "verstehen" meinen? Und in welchem Sinne? Gibt es überhaupt zwei Menschen, die ein nichttriviales Stück in gleicher Weise "verstehen"? Das "Verstehen" wäre wohl erstmal zu definieren, um sinnvoll darüber reden zu können.

      "Musik verstehen" erinnert mich an den Witz, in welchem ein Jude fragt, was (christliche) Theologen eigentlich in ihrem Studium machen. Antwort eines Christen: Nun, sie lernen Dinge über Gott und reden darüber. Fragt der Jude zurück: Über Gott? Wie geht denn das?

      Musik ist wie ein gefärbter Lichtstrahl, in welchen Du Dein Prisma hängst. Welches Licht am Ende rauskommt, hängt von der Farbe des Lichtstrahles und von Deinem Prisma ab. Kann in einigen Fällen ganz schön dunkel sein.

      Musik hören ist ein Resonanzphänomen. Du hältst Deine Antennen hin, und diese Antennen empfangen ziemlich klar oder total verrauscht oder etwas dazwischen.

      Du kannst Deine Antennen halt schulen. Klar ist es naheliegend, erstmal das zu hören, bei dem man "viel Resonanz" wahrnimmt. Es bringt einen m. E. aber eher weiter, wenn man sich ein Stück nimmt, welches einem gegen den Strich geht, aber ganz gut beleumundet ist (da darf man mal auf das Urteil, besser: die guten Hörerfahrungen anderer vertrauen.) Vielleicht gibt es doch eine Stelle, die man ganz gut findet, eine witzige Wendung, eine raffinierte Instrumentation, was auch immer, und schlägt sich von dort aus seinen Weg durch den Dschungel. Immer wieder hören.

      Ich glaube, kein Mensch mag mit seinem "natürlichen" Geschmack Zigarren. Oder Scotch Whisky. Aber es gibt Menschen, die sich nicht haben abschrecken lassen, sich lange mit dem Thema auseinandergesetzt haben und dreistellige Summen für eine Zigarre oder eine Flasche Single Malt hinlegen und genau wissen, dass sie da mehr bekommen als bei der Zigarre oder Whiskyflasche am Bahnhofskiosk. - Es gibt halt auch den "geschulten" Geschmack. Und der ist entwickelbar.

      Pau schrieb:

      »Moderne« Musik ist für mich vor allem »Geklopfe« – wobei mir das eben nicht gerade sinnlos erscheint, aber zu langweilig ist.

      Jede Musik war mal modern. (Wenn sie keine Stilkopie ist.) Es gab auch in den 70er Jahren Peter Alexander und Karlheinz Stockhausen nebeneinander.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Musik ist wie ein gefärbter Lichtstrahl, in welchen Du Dein Prisma hängst. Welches Licht am Ende rauskommt, hängt von der Farbe des Lichtstrahles und von Deinem Prisma ab. Kann in einigen Fällen ganz schön dunkel sein.
      Das hast Du aber jetzt schön gesagt, Mauerblümchen. Und genauso sehe ich das auch. Es gibt natürlich Stücke die lassen keinen Interpretationsspielraum zu. Was willst Du z.B. bei Ravel´s Bolero interpretieren. Den kann man nur hören. Oder "Ma mere oye" - was will man da für sich persönlich interpretieren. Da ist die Handlung fest vorgegeben. In welchem Bild man sich dort bewegt kann man gut heraushören. Was soll man da noch für sich interpretieren ?

      Dann gibt es aber eben auch die Stücke ohne Handlung, die jeder für sich persönlich und vermutlich jeder anders interpretiert. Ich denke da z.B. an Arvo Pärts "in memoriam Benjamin Britten". Auf den ersten Blick wirkt das Stück sicher recht monoton und langweilig. Wenn man sich jedoch den Titel beim Hören klar macht, ist das eigentlich ein sehr beklemmendes Stück. Zumindest für mich. Jemand anderer hört das vielleicht anders.....

      VG

      Palisander
    • Palisander schrieb:

      Es gibt natürlich Stücke die lassen keinen Interpretationsspielraum zu. Was willst Du bei Ravel´s Bolero interpretieren. Den kann man nur hören. Oder "Ma mere oye" - was will man da für sich persönlich interpretieren. Da ist die Handlung fest vorgegeben.

      Hmm, komisch, für mich haben diese Stücke keine Handlung. Und "Ma mère l’oye" liebe ich sehr, auch den Bolero.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Palisander schrieb:

      Was willst Du bei Ravel´s Bolero interpretieren. Den kann man nur hören.
      :D Man könnte den bspw. formal als Dauercrescendo hören. Oder als Instrumentationsstudie. Oder eine Verführungsgeschichte hineinhören. Oder oder oder.

      Wenn wir beide "Le Jardin féerique" aus "Ma Mère l'oye" hören würden und den gehörten Feengarten dann malen würden, sähen die Bilder dann gleich aus?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • maticus schrieb:

      Hmm, komisch, für mich haben diese Stücke keine Handlung. Und "Ma mère l’oye" liebe ich sehr, auch den Bolero.
      Gut ich ergänze: Dann gibt es aber eben auch die Stücke ohne Handlung und die auch nicht versuchen durch eine besonders schöne Melodie zu überzeugen, die jeder für sich persönlich und vermutlich jeder anders interpretiert.

      VG

      Palisander
    • Pau schrieb:

      Was haltet ihr von Gehörbildung?
      Sehr praktisch, um Intervalle zu erkennen... :P

      -----

      Musik funktioniert ähnlich wie Sprache (Technik, Semantik usw.), und man muß sie lernen wie eine Sprache. Unsere europäische Kunstmusik ist nicht vergleichbar mit der indischen Musik oder der aus dem arabischen Raum; ein Musikethnologe könnte tausende Beispiele nennen. Irgendwann entwickelt man natürlich eine intuitive Begabung für bestimmte Floskeln u.ä. für diese Musik und kann vergleichen, bewerten. Hörerfahrung ist durchaus wichtig - besonders, wenn man sie zielgerichtet einsetzt.

      Es fällt heutzutage schwer, das zu registrieren, aber jede Musik, mit der man aufgewachsen ist, hat eine Spur hinterlassen; man bemerkt das vor allem, wenn man kulturfremde Menschen kennenlernt, die nicht in unserem Kulturrahmen groß geworden sind.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul