Läuten die Künstler das endgültige Ende der CD ein?

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    • Genau, erstens galt nur für sehr wenige Künstler, dass sie mit dem Verkauf von Tonkonserven richtig reich werden konnten. Zweitens galt es (besonders bei Klassik) nur in einem relativ kurzen Zeitraum; ich schätze von ca. 1960 bis zur ersten Delle in der CD-Ära, Mitte der 1990er oder so. Vielleicht schon ein paar Jahre vorher und ein paar Jahre länger. Jedenfalls keine 50 Jahre.
      Man sollte die Relevanz von Medien und der dazugehörigen Infrastruktur und der damit entstehenden (auch) ökonomischen Möglichkeiten nicht unterschätzen. Man sollte sie angesichts von vielen Jahrhunderten Musik ohne Tonträger aber auch nicht überschätzen.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Symbol schrieb:

      Es wird sich zeigen, ob das Streaming-Download-Zeitalter in dieser Hinsicht ähnlich produktiv sein wird.
      Gestreamt wird laut folgendem Artikel hauptsächlich der Mainstream, wohingegen (bei Rock-Popmusik) im Indiebereich Downloads und auch physische Tonträger stärker präsent sind.

      digitalmusicnews.com/2018/02/14/spotify-apple-music-top-son

      Steve Feigenbaum, dessen RIO- und Avantproglabel Cuneiform aufgrund sinkender Absatzzahlen kurz vor dem Aus steht, hat Streaming (von Cuneiform bislang nur sehr eingeschränkt praktiziert) als Ausweg aus der Misere kategorisch ausgeschlossen:

      Steve Feigenbaum (Cuneiform) auf Facebook schrieb:

      I don’t know what the answer is, and there may be NO answer, but I know the answer to financial issues for us and our artists can not be streaming, as long as the price to the public is so low.... ( Quelle )
      Von anderen Profis in diesem Bereich - etwas dem Züricher Mastering-Engineer Dan Suter - habe ich ähnliches gehört.
      Allgemein gilt, dass der Preis für Streaming deutlich höher sein müsste, um ähnliche Erträge zu bringen (und die Qualität zu halten!) wie im LP/CD-Zeitalter oder auch bei als Download (also nicht als Stream!) angebotenen Audiodateien.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Symbol schrieb:

      Es wird sich zeigen, ob das Streaming-Download-Zeitalter in dieser Hinsicht ähnlich produktiv sein wird.
      Gestreamt wird laut folgendem Artikel hauptsächlich der Mainstream, wohingegen (bei Rock-Popmusik) im Indiebereich Downloads und auch physische Tonträger stärker präsent sind.

      digitalmusicnews.com/2018/02/14/spotify-apple-music-top-son

      Steve Feigenbaum, dessen RIO- und Avantproglabel Cuneiform aufgrund sinkender Absatzzahlen kurz vor dem Aus steht, hat Streaming (von Cuneiform bislang nur sehr eingeschränkt praktiziert) als Ausweg aus der Misere kategorisch ausgeschlossen:

      Steve Feigenbaum (Cuneiform) auf Facebook schrieb:

      I don’t know what the answer is, and there may be NO answer, but I know the answer to financial issues for us and our artists can not be streaming, as long as the price to the public is so low.... ( Quelle )
      Von anderen Profis in diesem Bereich - etwas dem Züricher Mastering-Engineer Dan Suter - habe ich ähnliches gehört. Der Preis für Streaming müsste deutlich höher sein, um ähnliche Erträge zu bringen (und die Qualität zu halten!) wie im LP/CD-Zeitalter oder auch bei als Download (also nicht als Stream!) angebotenen Audiodateien.

      Sven Regener hat darauf hingewiesen, dass die Umbrüche auf dem Tonträger-Markt zu massiven Verwerfungen im Bereich der Indie-Labels geführt haben. Das deckt sich vollkommen mit Deinen Ausführungen.

      Heinz Rudolf Kunze - dessen Musik ich zwar überwiegend uninteressant finde, der aber sicherlich ein heller Kopf ist - hat in einem Interview mal von dem Beginn seiner Karriere berichtet. Er hat seinerzeit einen Nachwuchs-Wettbewerb gewonnen und daraufhin direkt einen Plattenvertrag erhalten. Das ging, weil die Plattenfirmen damals kräftig Geld verdient haben und somit auch "Risikokapital" für neue Talente hatten.

      Heutzutage sind die Superstars immer noch steinreich, nur erreichen sie das nicht mehr über Tonträger, sondern über sehr teure Konzerte und über andere Wege. Globale Berühmtheit lässt sich nunmal meist zu Geld machen. Die Gekniffenen sind also nicht die Leute, die über CDs kein Multimillionen-Vermögen mehr anhäufen, sondern die Künstler aus der zweiten oder dritten Reihe, deren Existenz auf dem Spiel steht.

      Wenn jemand das für einen Fortschritt für Künstler oder Kunstfreunde hält, so möge er oder sie dies bitte erklären. Ich sehe diesen Fortschritt nicht. Der eigentlich erfreuliche Umstand, dass wir Tonnen älterer Tonträger per Spotify auf Umme hören können, könnte bzw. dürfte sich mittel- oder längerfristig als Bumerang erweisen.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Er hat seinerzeit einen Nachwuchs-Wettbewerb gewonnen und daraufhin direkt einen Plattenvertrag erhalten. Das ging, weil die Plattenfirmen damals kräftig Geld verdient haben und somit auch "Risikokapital" für neue Talente hatten.
      Der Musikproduzent Derek von Krogh hat in einem anderen (nicht mehr existierenden) Forum genau diesen Umstand mal als maßgebliche Ursache dafür genannt, warum Popmusiker mit starker künstlerischer Eigenidentität, deren Musik auch Ecken und Kanten aufweise, heutzutage nicht mehr in Charts vertreten seien: Solche Künstler würden angesichts schwindender Absatzzahlen wegen des "Risikofaktors" schlicht nicht mehr gesignt.
      Eben wegen der Umsatzeinbrüche würden die Labels stattdessen immer mehr auf Nummer sicher spielen und die Künstler präferieren, die den Weg des geringsten Widerstands gingen - sprich: eher einen Dieter Bohlen als einen Prince unter Vertrag nehmen.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Eben wegen der Umsatzeinbrüche würden die Labels stattdessen immer mehr auf Nummer sicher spielen und die Künstler präferieren, die den Weg des geringsten Widerstands gingen - sprich: eher einen Dieter Bohlen als einen Prince unter Vertrag nehmen.

      Zwischen diesen beiden Musikern gibt es übrigens eine interessante Parallele: beide brauchten Zeit, um Erfolg zu haben.

      Bohlen hat sich zunächst jahrelang als Honorarschreiber verdingt und parallel versucht, mit verschiedenen eigenen Projekten Erfolg zu haben - vergeblich. Erst mit "Modern Talking" ging die Post ab, und ab dann war er natürlich eine sichere Bank für seine Plattenfirma.

      Prince hat zunächst vier Alben mit moderatem Erfolg rausgebracht. Der erste echte Hit war Album Nr. 5, das war "1999".

      Was heute wohl gar nicht mehr gehen würde: dass ein 19-jähriger Bengel (hier: Prince) komplette künstlerische Freiheit erhält, um sein eigenes Debütalbum zu schreiben, einzuspielen und zu produzieren, dieses Album dann (mehr oder weniger) floppt und er die gleiche Freiheit bei vier darauffolgenden Alben genießt, von denen erst das vierte hohe Verkaufszahlen erzielt.

      Bei Prince steht es außer Frage, dass das heute so nicht mehr laufen würde. Ich bin mir aber noch nichtmal bei Bohlen sicher...

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Da ja auch die auf den Streaming-Diensten angebotene Musik produziert und aufgenommen werden muß, sehe ich bei den Labels eher keine generelle Existenzgefahr. Sorgen bereitet mir nur die starke Einengung der Vertriebswege, denn es sind ja nur relativ wenige Anbieter von Streaming-Diensten am Markt. Dadurch werden sicher die Erträge der Produzenten und der Künstler sinken. Diese Monopolisierung ist ja auch andernorts zu beobachten (etwa bei Betriebssystemen).
      Ob auch die jetzt noch bestehende enorme Vielfalt der klassischen Musikszene erhalten bleibt ist abzuwarten. Da es eher leichter ist Musik nur über das Internet zu verbreiten, habe ich hier jedoch die Hoffnung, dass es mindestens so bleiben wird.

      Symbol schrieb:

      Die Gekniffenen sind also nicht die Leute, die über CDs kein Multimillionen-Vermögen mehr anhäufen, sondern die Künstler aus der zweiten oder dritten Reihe, deren Existenz auf dem Spiel steht.
      Die hatten es aber immer schon schwer, oder mussten sich gezwungenermaßen in Bescheidenheit üben. Aber nicht jeder Künstler ist auch an einer großen Karriere interessiert. Viele möchten einfach nur Musik machen, und ziehen daraus ihre Befriedigung, weil sie davon überzeugt sind den schönsten Beruf gewählt zu haben den es gibt.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Ganz interessant in diesem Zusammenhang war die Diskussionsrunde im SWR2 Forum zum Thema
      Fit für den Hit -Kann man Popstar lernen?
      anlässlich 15 Jahre Popakademie Mannheim.


      Gäste waren:
      Udo Dahmen, künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg, Mannheim
      Konstantin Gropper, Musiker und Produzent, Mitglied der Band "Get Well Soon", Absolvent der Popakademie
      Tim Renner, Berliner Staatssekretär für Kultur a.D., ehem. Geschäftsführer von Universal Music Deutschland
      Gesprächsleitung: Bernd Lechler

      Ein wesentlicher Teil des Studiums ist das Musikmanagment.
      Und da stehen all Weichen auf Selbstmanagment. ...und Labels braucht es dafür nicht mehr unbedingt.
      Julia Fischer ist also auf der Höhe der Zeit...

      Gruss
      Hudebux
    • Symbol schrieb:

      Die Gekniffenen sind also nicht die Leute, die über CDs kein Multimillionen-Vermögen mehr anhäufen, sondern die Künstler aus der zweiten oder dritten Reihe, deren Existenz auf dem Spiel steht.
      Die Gekniffenen waren immer stets diejenigen gewesen, die vertraglich wenig von den Einnahmen erhielten - das waren früher nicht sehr viele gewesen, und heute sind es noch weniger. Glaubt hier irgendjemand, daß z.B. Exklusivkünstler bei der DGG noch übermäßig an den Verkaufserlösen beteiligt werden? Da sind kaum Margen drinne dank der kurzen Karenzzeit für eine Neuveröffentlichung (und durch den unhaptischen Vertriebsweg wird es nicht unbedingt viel billiger). Die werden eher mit einem "Monatsgehalt" bei Laune gehalten.

      Ein Karajan wird bestimmt eine bestimmte Summe pro verkauftes Exemplar erhalten haben, die vermutlich 1,- DM überschritt. Aber all die anderen haben - wenn überhaupt - nur einige Pfennige erhalten. Und heutzutage wird das vielleicht gar nicht mehr gemacht werden.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Das Problem sind eben die kleinen Stückzahlen. Da sind die Produktionskosten auf den einzelnen Tonträger bezogen recht hoch, und es bleibt meistens kaum etwas für den Künstler übrig. Gelegentlich muß man als Künstler sogar Geld mitbringen bzw. vorstrecken. Die kleineren Label haben ja auch nur wenige Mitarbeiter und viele Freelancer, sonst würde es gar nicht funktionieren. Und Exklusivverträge sind wohl heutzutage eher die Seltenheit.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Das Problem sind eben die kleinen Stückzahlen. [...]
      Siehst du - genau das meine ich doch: wie soll man dem Künstler eine Unterstützung in Form einer CD/Download-Erwerbung zukommen lassen, wenn diese aufgrund der Verträge gar nicht (mehr) existent ist? Es ist doch vollkommen uninteressant, ob die CD dann weggegeben wird oder nicht, wenn man die Kopie noch auf den Rechner hat; eine Unterstützung erreicht den Künstler definitiv nicht auf diesem Weg. Ein Konzertticket würde viel mehr erreichen.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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    • Melione schrieb:

      Wenn man vor dem Aufnehmen die entsprechende Samplerate und Bittiefe auswählt und nach dem Aufnehmen eine Lossless-Datei erstellt, hat man 1:1 dieselbe Qualität wie der Audiostream, den man abgespielt hat.

      Ecclitico schrieb:

      Wie gesagt: Du brauchst Audacity. Mit dieser Software kannst du alles, was an deiner Soundkarte ankommt, abspeichern und ggf. auf CD brennen.
      Ich habe das jetzt mal ausprobiert, weil sich (zufällig jetzt) der konkrete Wunsch ergab, eine bestimmte Audiodatei aus dem Web downloaden/abspeichern zu wollen; eine direkte Download-Möglichkeit gab es offenbar bei dieser nicht. Aber mit Audacity war es nach kurzer Einarbeitung dann leicht möglich, und man konnte es aus Audacity u. a. nach mp3, ogg (in unterschiedlichen Qualitäten), wav oder flac exportieren/kodieren. Die Tonqualität (deren Bit-Tiefe im Original vermutlich nicht allzu hoch war) ist nicht schlechter als beim Original. --- Gut zu wissen...

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Ich bin mir relativ sicher, dass seit etwa 10 Jahren jedes Jahr einer gesagt hat, dass in 5 Jahren keiner mehr CDs kaufen wird. So ähnlich wie seit 50 Jahren die Kernfusionstechnik 10 Jahre vor dem Durchbruch steht...
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    • Und die Wahrscheinlichkeit, dass er damit richtig liegt, steigt von Jahr zu Jahr... ;)
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Ja, wenn ich jeden Tag vorhersage, dass es morgen regnen wird, habe ich auch ab und zu Recht.
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