Läuten die Künstler das endgültige Ende der CD ein?

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    • Daß auf die Dauer der marktwirtschaftliche Anreiz zu aufwendigen Produktionen leidet, seh ich schon problematisch -
      Das sehe ich auch so. Deswegen gibt es von Opern fast nur noch Livemitschnitte. Was natürlich auch nicht schlecht ist.
    • entspricht nicht meiner Erfahrung: über CDs freuen sich immer noch die meisten Menschen, auch wenn sie keine kaufen.
      Aber wenn ich weiss, dass die zu beschenkende Person ein Spotify-Abo hat? Und in der jüngeren Generation ist häufig kein CD-Spieler vorhanden. Nicht mal im Computer. Da merkt man schon, dass man oldschool ist...
    • Hudebux schrieb:

      Die CD hilft mir mich auf ein Werk zu fokussieren.
      Wie gesagt: Du brauchst Audacity. Mit dieser Software kannst du alles, was an deiner Soundkarte ankommt, abspeichern und ggf. auf CD brennen.

      Ich selbst höre nach wie vor nur CDs (außer im Auto, aber das ist ein anderes Thema). Mein Anlage ist recht gut. Die CDs bekomme ich auf diesen Wegen:

      (1) CD ganz normal kaufen (passiert in ca. 95% der Fälle)
      (2) Musik als Download kaufen und dann auf CD brennen (ca. 3% der Fälle)
      (3) Musik streamen (Spotify oder Youtube), abspeichern und auf CD brennen (ca. 2% der Fälle)

      (2) und (3) mache ich nur, wenn es nicht anders geht. Mit (3) kann man sich beliebige CDs zusammenstellen. Es fehlt dann halt das Booklet. Aber das kann man auch erstellen. Ohne Fleiß kein Preis.

      Falls es in 20 Jahren keine CDs mehr gibt, bleiben immer noch (2) und (3).


      Thomas

      PS: Qualität ist ein Thema für sich. Variante (3) habe ich bisher nur mit E-Musik gemacht (z.B. Bushido oder spanische Liedermacher), da habe ich an der Qualität nichts zu meckern.
    • Danke für den Hinweis. Ob ich’s wirklich brauche, wird sich weisen.

      PS: Qualität ist ein Thema für sich. Variante (3) habe ich bisher nur mit E-Musik gemacht (z.B. Bushido oder spanische Liedermacher), da habe ich an der Qualität nichts zu meckern.
      Jetzt mach uns mal kein U für ein E vor. :)
    • Der Weiterverkauf einer rechtmäßig erworbenen Audio-CD ist legal. Das ist völlig unbestritten.

      Diskutiert wird nur die Erlaubtheit des Kopierens bzw. des Behaltendürfens der Kopie. Grundsatz ist die Erlaubtheit der Privatkopie nach der Vorgabe des § 53 Urhebergesetz. Maßgeblich ist danach vor allem, dass die Kopie für den eigenen privaten Gebrauch ohne Erwerbszweck und ohne Knacken eines Kopierschutzes hergestellt, weder verbreitet noch veröffentlicht wird und die benutzte Vorlage nicht offensichtlich rechtswidrig ist oder offensichtlich rechtswidrig öffentlich zugänglich gemacht wurde.

      Fall 1: Ich kaufe eine CD, kopiere diese (bis zu 7x) für private Zwecke und entscheide mich später für den Weiterverkauf des Originals (keinesfalls darf die Kopie veräußert werden). Alles okay.

      Fall 2: Wie Fall 1, ich habe bereits beim Kauf der CD die Weiterverkaufsabsicht. Hier kann man diskutieren, ob beim Herstellen der Kopie nicht doch Erwerbszwecke verfolgt werden (es genügen bereits mittelbare Erwerbszwecke ("sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen"), da die Herstellung der Kopie bei einer Gesamtbetrachtung dazu dient, den Kauf insgesamt über den Weiterverkauf billiger zu machen. Überzeugend scheint mir diese Argumentation aber nicht. Schon gar nicht ist so etwas beweisbar.

      Keinesfalls besteht eine Vernichtungspflicht für eine seinerzeit rechtmäßig hergestellte Privatkopie.
    • Wer weiß, was es in 20 Jahren noch gibt: Auch die gute, alte Langspielplatte war bereits totgesagt...

      ;)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Ganz schön viele Moralapostel hier :whistling:
      Die bei weitem überwiegende Einnahmequelle für Künstler im Bereich der klassischen Musik sind und waren doch schon immer die Konzertauftritte. Oder vielleicht wie im Falle von Karajan, eine wirklich große Masse an Veröffentlichungen (soweit ich weiß macht der auch heute noch den Großteil des Umsatzes von der DG aus). Verliert ein Interpret potentielle Einnahmen, wenn ich eine bereits 150 mal gehörte und eventuell auch kopierte CD auf dem Flohmarkt erwerbe, anstatt sie neu zu kaufen? Ja sicher, andererseits stehen die heute auch unter komplexen Gesamtverträgen mit einer bestimmten Plattenfirma, da geht's dann für jene vor allem um das Prestige, Künstler A oder B unter Vertrag zu haben. Eigenwerbung sozusagen, welche den Wert der Marke erhöht.

      Und bevor man hier kleingeistig Leute aufgrund einer ganz persönlich moralischen Linie verurteilt und sogar Konsequenzen fordert, dazu noch ohne entsprechend konkrete - und nicht etwa fehlerhaft ausgelegte - juristische Kenntnisse aufzuweisen, sollte man lieber 2 mal überlegen. Da stecken schon noch einige Feinheiten und Abstufungen dahinter, auch in "moralischer" Hinsicht. Wenn ich eine bereits gebrauchte CD kaufe, dann verdient der Künstler so oder so nichts, ob diese kopiert wurde oder nicht. Aber wenn ich umgekehrt eine neue CD erwerbe, verdient dieser daran, wiederum unabhängig vom digitalisieren durch den Ersterwerber. An den Erstkäufern verdienen die Künstler also ihr Geld, ein "plus" macht man durch den Weiterverkauf sowieso nicht. Das ist juristisch gesehen auch legal. Und damit ist es der Gebrauchtmarkt an sich, der für Umsatzeinbußen sorgt. Im Ergebnis: Eine rein digitale Veröffentlichung, sei es über Streaming-Plattformen oder über Downloads, ist sicherlich die beste Einnahmequelle für die Schaffenden, da kein Gebrauchtmarkt für rein digital vertriebene Medien existiert. Und das schlägt jetzt auch wieder die Brücke zum eigentlichen Topic, hoff ich ^^
      „Jeder Mensch hat einen Instinkt dafür, ob etwas echt ist oder vorgetäuscht. Aber ich glaube, Musiker sind durch ihr Training besonders empfindlich in dieser Hinsicht. Das macht sie nicht zu besseren Menschen, aber sie registrieren mehr.“ - Herbert Blomstedt
    • Ich habe das vor einigen Jahren mal versucht herauszufinden und mein Stand deckt sich in etwa mit dem von Knulp referierten. Grundsätzlich hat man das Recht auf private Kopien, darf sie sogar etwa im Freundeskreis unentgeltlich weitergeben und muss Sicherheitskopien nicht vernichten, wenn man ein Original verkauft. Letzteres gilt nur für Software (wobei das heute eher obsolet sein dürfte). Ich persönlich finde es allerdings eine gewisse Ausnutzung der Rechtslage, wenn man CDs mit der Intention kauft, sie zu rippen und gleich weiterzuverkaufen. Obwohl ich vermutlich indirekt davon auch schon profitiert habe, weil ich dadurch sehr günstige gebrauchte CDs kaufen kann. Die bloße Möglichkeit, dass ein gebrauchtes Angebot "vom Lastwagen gefallen sein könnte", wird mich aber nicht davon abhalten, weiterhin gebrauchte Ware (CDs, Bücher, Elektronik usw.) zu kaufen. (Ich sehe einen Kunden nicht in der Aufsichts- und Kontrollpflicht, die staatlichen Stellen zukommt. Normalerweise (wenn also keine offenkundig vorliegenden Verdachtsmomente vorliegen) darf ein Kunde davon ausgehen, dass eine angebotene Ware legal usw. ist.)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Der Punkt ist ja auch, daß wir hier über Dinge reden, die der Staat gar nicht in der Hand halten kann, weil es Persönlichkeitsrechte wie z.B. Privatsphäre verletzt. Zumal es ja auch ein üblicher Usus ist seit Jahrzehnten (LPs und MCs - erinnert ihr euch?). Es kann nicht uns Hörern und Käufern angelastet werden, wenn wir uns bemühen, Musik für möglichst wenig Geld legal zu bunkern - heutzutage ist das alles finanziell läpsch, aber vor noch zwanzig Jahren waren richtige Investitionen nötig, um sich eine ordentliche Sammlung aufzubauen. Da hat sich jeder mal erlaubt, eine LP oder CD zu leihen und sie zu kopieren. Aber heutzutage bekommt man legal den Download dazu, wenn man bei Amazon selber (aslo nicht Marketplace!) eine CD kauft.

      Und wenn ich eine gebrauchte CD kaufe, kann ich nichts dafür, daß der Künstler an diesem Geldtransfer nicht mehr beteiligt ist; irgendwo muß die Grenze gezogen werden.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Gegen das Überspielen von LPs gab es Ende der 1970er auch mal eine Kampagne der Phonoindustrie, auf die in den frühen 2000ern (copy kills music) verwiesen wurde. Das wurde dann letztlich durch eine Abgabe auf die Geräte gehandhabt, wenn ich mich richtig erinnere. Der Unterschied heute ist halt, dass man mit minimalem Aufwand verlustfreie Kopien herstellen kann und dass sogar die Originale (CDs) kaum verschleißen.

      Jeglicher Gebrauchthandel ist sicher vielen ein Dorn im Auge. Daher am liebsten gar keine Dinge mehr verkaufen, an denen man Eigentum erwerben und die man dann auch weitergeben kann, sondern nur Nutzungsrechte, die nach Gusto wieder entzogen können. Wie beim Kindle usw.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Hudebux schrieb:

      Aber an Beethovens Grab mal eine Blume abzulegen, sollte schon drinliegen.
      Nützt ihm doch auch nichts mehr - inzwischen ist alles "decomposed"... :versteck2:

      -----

      Allmählich frage ich mich auch, ob die Musikindustrie mit ihrer Kampagne nicht sogar ihr Ziel erreicht hat: den Moralhütern das Vokabular an die Hand zu geben, womit man anderen Menschen in für die Industrie gemäße Schranken verweisen kann. Auch in den Fällen, wo sie faktisch keine Rechte haben können - und nie hatten!
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    • Vielen Dank an Knulp für die Klarstellung der Rechtslage, die für mich als "Moralapostel" (auch so ein abwertender Begriff) hilfreich ist.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • maticus schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      Falls es in 20 Jahren keine CDs mehr gibt, bleiben immer noch (2) und (3).
      Aber dann gibt es vielleicht auch keine CD-Rohlinge mehr... (geschweige denn Abspielgeräte).

      maticus
      Selbst wenn: Dann speichert man seine "Alben" halt auf dem dann gängigen Medium.

      Bei der Gelegenheit:
      Während meiner Popmusik-Phase (ca. 1978-1982) bespielte ich auch C90-Musikkassetten aus Radioaufnahmen. Da ist zwar kein Roter Faden erkennbar, aber dennoch gab ich den einzelnen "Alben" Namen und Nummern. Inzwischen habe ich das Zeug digitalisiert, aber auf CD habe ich nur die damaligen Kauf-MCs und die von Freunden aufgenommenen LPs gebrannt. Die C90-Musikkassetten aus Radioaufnahmen existieren aber auch noch, nämlich als MP3s auf meinem Mini-Tablet (Smartphone ginge auch), und dort als "Alben" organisiert. Ich höre sie hin und wieder bei längeren Autofahrten.

      Was ich damit sagen will:
      Wer seine Musik CD-artig strukturiert, also in Form von Alben, kann das mit jedem geeigneten Datenträger realisieren. Es muss keine CD sein. Das CD-Feeling stellt sich dennoch ein. Ggf. muss man halt eine gewisse Zeit in selbsterstellte "Booklets" investieren...


      Thomas
    • Gurnemanz schrieb:

      Auch hier wird das Ende der CD eingeläutet
      Also wird es dieses Jahr soweit sein, daß die CD die Spitze des Umsatzes einbüßt. Im Vergleich zum letzten Jahr hat das Streaming von 34,6% auf 47,8% zugelegt, CD ist von 45,4% auf 34,4% gefallen (Vergleich 2017 zu 1. Halbjahr 2018). Legen wir für jede CD einen Preis von 12,- € fest, geht die Summe von 60,09 Mill. auf 41,68 Mill. verkaufter Einheiten zurück (1. Halbjahr 2018 x2 gerechnet).

      Seit 1988 war die CD in der Spitzenposition - dreißig Jahre lang. Eine lange Zeit.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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      Jean Paul
    • Tichy1988 schrieb:

      Ganz schön viele Moralapostel hier :whistling:

      Vielleicht geht es auch eine Stufe tiefer? Man ist kein "Moralapostel", wenn man zu bedenken gibt, dass eine wirtschaftliche Schädigung von Künstlern weder im Interesse der Künstler noch im Interesse der Kunstliebhaber sein kann.

      Zu diesem Thema empfehle ich die berühmt-berüchtigte "Wutrede" von Sven Regener, die man auf youtube finden kann.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Spannend wird es meist, wenn man solche Bemerkungen umdreht:

      "Darf" man also genauso zu bedenken geben, dass ein Nicht-Fortbestehen der exorbitanten Ertrags-Möglichkeiten der CD-Ära im Interesse von Künstlern und im Interesse der Kunstliebhaber sein kann?
    • Knulp schrieb:

      Spannend wird es meist, wenn man solche Bemerkungen umdreht:

      "Darf" man also genauso zu bedenken geben, dass ein Nicht-Fortbestehen der exorbitanten Ertrags-Möglichkeiten der CD-Ära im Interesse von Künstlern und im Interesse der Kunstliebhaber sein kann?

      Wer ist denn früher in den Genuss dieser Ertragsmöglichkeiten gekommen? Das war doch wohl eine relativ kleine Schicht von weltweit bekannten Stars. Sowohl in der E- als auch in der U-Musik gab und gibt es aber viele sehr produktive Künstler, die nicht auf dieser Stufe der Bekanntheit operieren und trotzdem eminent bedeutend sind.

      Klar: es kann kein Anspruch daruf bestehen, durch den Verkauf von Tonträgern zu Multimillionären zu werden. Für jeden Elton John oder Paul McCartney gab es aber auch früher schon viele weitaus weniger bekannte Indie-Bands, die sich auch mit mäßigen CD-Verkäufen eine Existenz sichern konnten. Und für jeden Karajan oder Barenboim gab es halt auch den eher Liebhabern bekannten Dirigenten, für den der LP- bzw. CD-Verkauf eine gute Sache war. Aus dieser Ära stammt übrigens ein großer Teil der Aufnahmen, die in diesem Forum rauf und runter diskutiert werden. Es wird sich zeigen, ob das Streaming-Download-Zeitalter in dieser Hinsicht ähnlich produktiv sein wird.

      LG :wink:
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