Läuten die Künstler das endgültige Ende der CD ein?

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    • Läuten die Künstler das endgültige Ende der CD ein?

      Diese Frage mag man sich stellen angesichts dieses Interviews mit Julia Fischer in der NZZ
      «Ich kaufe seit zehn Jahren keine CD mehr»,
      in dem sie erklärt, warum sie jetzt selbst ihre Musik als Stream vermarktet und von Labeln unabhängig sein möchte.
      Schade, ich würde gern weiter CDs von und mit ihr kaufen. Aber ihren eigenen Streamingdienst werde ich wohl eher nicht abonnieren.
      Wird ihr Beispiel Schule machen? Gibt es andere Künstler, die diesen Weg schon eingeschlagen sind? Wenn sich nun auch die Künstler der CD verweigern, dann ist das wohl das Ende, oder?
      Hudebux
    • Hi,

      mir scheint es unvermeidbar. Das liegt nicht ursächlich am Verhalten der Künstler - mir scheint, es ist ein Zeitgeist. Ich habe alle Musik auf dem Homeserver, auf Bandcamp kaufe ich nur noch digital. Ich habe keine Lust mehr, mir weitere CDs ins Regal zu stellen, von daher suche ich erstmal bei Spotify oder digitale Versionen zum Herunterladen. Ich gebe mich auch mit 320er-MP3 zufrieden, in meinem Alter ist das völlig ausreichend.

      Ich brenne keine CDs mehr, sondern kopiere maximal was auf einen USB-Stick. Meistens schließe ich den DA-Wandler an, meine Anlage braucht da noch ein Update.
      Schöne Grüße, Helli


      "Das ist irrelevant!" (Seven of Nine, Star Trek Voyager)
    • In Deutschland lag das Verhältnis des Umsatzes bei digitalen Nutzungen (Download/Streaming) einerseits und physischen Medien (CD, LP, Blu-Ray,...) andererseits in 2017 bei etwa 50:50.

      Damit ist Deutschland diesbzgl. das konservativste Land in Europa. Andere Länder haben bereits höhere Anteile von Downloads/Streamings.

      Insofern ist es m. E. nur eine Frage der Zeit, bis auf dem Markt der klassischen Musik das Tonträgerangebot reduziert wird und das Streaming ausgebaut wird. Qobuz und Tidal sind ja längst attraktiv ausgebaut, dazu Spezialanbieter wie LINN oder jetzt eben Frau Fischer.

      Ich liebäugele längst mit einer Streaming-Gerät. Mit Blick auf Regalmeter und Staubwischen und Kosten finde ich das sogar gar nicht mal so dumm.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Danke an Hudebux für das Einstellen des Interviews, in dem es ja nicht nur darum geht.
      Ich ziehe morgen ein paar hundert Kilometer weiter und habe die letzten Tage die LP & CD Sammlung eingepackt. Wie bei den meisten hier ist die Sammlung über lange Zeit entstanden und ich möchte sie auch nicht missen. Auf jeden Fall werde ich aber wohl konsequenter die CDs weitergeben, die ich nur sehr selten höre, meist weil sich mein Geschmack in andere Richtungen entwickelt hat. Alleine um Platz zu schaffen. Mein CD-Player ist im Rentenalter und wird wohl nicht mehr so lange machen. Dann kommt ein Universalgerät, dass noch die CDs abspielen kann, aber auch runterladen & streamen. CDs habe ich mir in den letzten Jahren auch selten gekauft und nur noch bei besonderen Entdeckungen im Laden.
      Der Titel ist natürlich eine ketzereische Frage in einem Forum für Tonträgersammler. :) Hier werden Künstlerkarrieren danach beurteilt, welche Aufnahmen gemacht wurden, eher nicht nach anderen Kriterien. (Ein Beispiel mögen die Reaktionen auf die Berufung Petrenkos zum Leiter der Berliner Philharmoniker sein. Fast jeder hier, der seine Arbeit erlebt hat, ist begeistert und selbst seine Einspielungen werden gelobt. Aber da hat er wenig gemacht und dann Suk statt Beethoven. Der Mann kann also für den Posten nicht taugen. Kommentar der Musiker nach der Berufung: Nach den ersten zwei Proben mit ihm vor vielen Jahren, wussten wir alle, dass wir gerne wieder mit ihm arbeiten möchten. Nur um zu zeigen, worauf es Weltklasse-Profis ankommt.) Seit den genannten zehn Jahren sagen die Künstler schon, dass der CD-Verkauf finanziell nichts mehr bringt als Visitenkarte für die Konzerte zu sein. Wenn man das wegen moderner Technik besser haben kann, ist das doch gut. Julia Fischer nennt allein schon den Grund, dass einzelne Werke zur Verfügung gestellt werden können statt ganze 60 Minuten Zusammenstellungen. Aber alleine das Lager- und Distributionssystem kostest viel Geld bei der Vermarktung von physischen Trägern und muss meines Erachtens nicht unbedingt sein, außer bei besonders gut gemachten Editionen. Das meint aber ganz bestimmt nicht 100-CD Klötze der Wiederverwertung.
      Trotzdem würde ich die zwei tollen Läden in Trier vermissen, in denen man wunderbar beraten wurde. Ich finde es eine schöne Idee, wenn die sich zu Cafes entwickeln, in denen man Musik neu von einem Fahcmann kennenlernen und diskutieren kann.

      Gruß, Frank (der wohl eine Weile keinen Zugang zum Internet haben wird, da natürlich es nicht so kommt wie bestellt und in der besseren, digitalen modernen Welt mit Service-Murks und Kundenhotline mit Sprachcomputern das Problem nicht einfach gelöst werden kann. Wenn man mal einen netten Menschen am Telefon hat, darf der vieles gar nicht machen als einen an der Sprachbot verweisen...)
    • Eigentlich geht es hier gar nicht so sehr allein um den Tonträger, ob nun CD oder Stream aus dem Internet, sondern auch um die zukünftige Selbstvermarktung der Künstler.
      Denn wenn ich das Interview recht verstehe, wird man bei Frau Fischer in Zukunft auch bei Spotify nicht fündig. Um ihre Musik zu erleben, geht man ins Konzert, und wenn man richtig Fan ist, dann wird man auch noch Mitglied in ihrem „JF Club“ für 5 Euro im Monat. Dann kann man Ihre Aufnahmen dort, und nur dort, streamen.
      Das heisst, das Konzept des traditionellen durch einen Label verlegten Albums (egal ob als CD oder über Spotify vertrieben) ist hier am Ende, da es dem Künstler nichts mehr bringt. Das scheint vor allem für die etablierten Künstler der Fall zu sein. Lediglich am Anfang der Karriere mag ein Album (vorzugsweise mit Mainstream-Werken) immer noch als „Visitenkarte“ nützlich sein.

      Hudebux
    • Hudebux schrieb:

      Eigentlich geht es hier gar nicht so sehr allein um den Tonträger, ob nun CD oder Stream aus dem Internet, sondern auch um die zukünftige Selbstvermarktung der Künstler.
      Denn wenn ich das Interview recht verstehe, wird man bei Frau Fischer in Zukunft auch bei Spotify nicht fündig. Um ihre Musik zu erleben, geht man ins Konzert, und wenn man richtig Fan ist, dann wird man auch noch Mitglied in ihrem „JF Club“ für 5 Euro im Monat. Dann kann man Ihre Aufnahmen dort, und nur dort, streamen.
      Das heißt, ich zahle 5 Euro, hole mir alle bis dahin von ihr bestehende Musik runter und kündige dann wieder. Auch nicht schlecht.

      Das scheint sogar eine Win-Win-Situation zu sein: CD-Fans kommen extrem günstig zu den Aufnahmen, Live-Fans sind so up-to-date, wie es noch nie in der Musikgeschichte möglich war...


      Thomas

      PS: Gibt es eigentlich noch Briefmarkensammler? Wird es sie noch in 100 Jahren geben? Antwort: Solange es Nachfrage gibt, wird es auch Angebot geben.
    • Hudebux schrieb:

      Wenn sich nun auch die Künstler der CD verweigern, dann ist das wohl das Ende, oder?

      Nun ja, offenbar verweigert sich auch Frau Fischer der CD (dem Ding, :| ) gegenüber nicht vollständig, wenn sie in diesem Interview verkündet, dass neue Aufnahmen zunächst in den JF Club wandern, dort per Streaming verfügbar sind und möglicherweise ein/zwei später als Best of in limitid edition im CD-Format erscheinen.
    • Man stelle sich einmal vor das Beispiel von Frau Fischer würde Schule machen, und eine Vielzahl von Künstlern würde konservierte Aufnahmen nur noch über persönliche Bezahldienste anbieten. Dann müsste man große Summen aufbringen um daran teilhaben zu können, wäre aber auf das angewiesen was dort angeboten wird. Wer macht denn so etwas? Glaubt Frau Fischer, dass sie so viele Fans hat, die bedenkenlos alle ihre Aufnahmen hören möchten? Das funktioniert vielleicht im Pop Bereich, wo ja der Künstler im Vordergrund steht, und das Produkt austauschbar ist. Für Leute die an einem breiten Repertoire interessiert sind ist das doch keine Alternative. Das was Frau Fischer dort anbieten wird gibt es doch in aller Regel bereits als Tonträger (z.B. die genannnten Violinsonaten von Szymanowski mit Alina Ibragimowa und Cédric Tiberghien). Und ob die Plattenfirmen sich so schnell geschlagen geben halte ich auch für fraglich. Schliesslich gibt es genügend Nachwuchs, und die wirklich interessanten Label setzen nicht auf Starkult sondern auf Programm. Ich schätze Frau Fischer sehr, aber ich kenne reichlich Violinist(inn)en die ihr mindestens ebenbürtig sind.
      Und denkt Frau Fischer dass ihre Partner bei Aufnahmen (und die wird sie ja fast immer benötigen) ihr Konzept mittragen? Z.B. Sinfonieorchester oder Pianisten, die vielleicht ihrerseits ein ähnliches Vermarktungskonzept anstreben? Mir scheint das alles wenig ausgegoren zu sein. Im schlimmsten Fall ist sie dann weg vom Markt. Aber sie kann ja immer noch Konzerte geben, wo sie viel mehr Geld verdienen kann. Das scheint ja wohl auch einer der Hauptgründe für diese Aktion zu sein.


      Ich hänge nicht unbedingt an der CD, eher noch an der LP. Aber solange für mich interessantes Repertoire verfügbar bleibt ist mir das Medium egal. Mein Auto hat zwar noch einen CD Player, aber nicht mehr als Wechsler. Also muß ich regelmäßig CDs auf mein Smartphone übertragen um dann über die Bluetooth-Schnittstelle im Auto Musik hören zu können. Wenn ich die Musik im Download erworben hätte, könnte ich mir eine Stufe ersparen. Um aber meine Sammlung komplett zu rippen, wie es hier manche schon gemacht oder erwogen haben, bräuchte ich den Rest meines Lebens (mittlere Lebensdauer vorausgesetzt). Da höre in der Zeit lieber Musik, anstatt meinen Erben eine x Terrabite Festplatte zu hinterlassen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Schliesslich gibt es genügend Nachwuchs, und die wirklich interessanten Label setzen nicht auf Starkult sondern auf Programm. Ich schätze Frau Fischer sehr, aber ich kenne reichlich Violinist(inn)en die ihr mindestens ebenbürtig sind.
      Aber Fischer setzt auch auf Programm. Das muss man ihr zugute halten. Nur sind ihr die Label schnurz, denn Geld verdient sie mit Konzerten. PR läuft über YouTube, Facebook, Feuilletons, etc. Wozu dann den Konservenmarkt bedienen?
    • Wegen mir könnte man auf CDs verzichten. Ich habe meinen CD-Player schon vor einem Jahr verkauft. Ich stamme zwar nicht, hole mir aber nur noch Aufnahmen als Download.

      Grundsätzlich finde ich es gut, wenn Frau Fischer da neue Konzepte ausprobiert. Da sind ja schon ein paar interessante Ansätze dabei. Bin aber auch etwas irritiert. Als streaming Modell scheint mir das nur was für Hardcore Fans zu sein. Als Download-Modell könnte ich mir das aber durchaus vorstellen. Weiß da jemand mehr, oder ist gar schon Mitglied im Club?
      Viele Grüße, Michael
    • Mauerblümchen schrieb:

      Mit geradezu irdischem Biss, versteht sich.
      Alter Spötter! :P
      "I" oder "Y" was macht das schon für einen Unterschied. Wird doch hier ständig verwechselt (etwa bei Tschaikowski). :P Und immer noch besser in die Erde zu beissen als ins Gras.

      Ein Aspekt bei der ganzen Sache ist ja noch die Produktion selber. Wollen denn die Selbstvermarkter auf eigene Kosten ein Studio mit allem notwendigen Beiwerk einschl. Toningenieur mieten? Das kann ja ganz schön teuer werden, und erfordert eine risikoreiche Vorfinanzierung. So eine Aufnahme in guter Qualität zu erzeugen ist ja keine Kleinigkeit.


      Hudebux schrieb:

      Aber Fischer setzt auch auf Programm
      Aber nur das was sie selber spielen kann. Daneben gibt es aber noch wahnsinnig viel anderes. Es sei denn sie spielt auch Klavier, dann wäre es etwas mehr. Aber mit Programm meine ich eine repräsentative Auswahl dessen was komponiert wurde. Selbst wenn man sich mehrere Hundert Künstler denken würde, die ähnlich verfahren, so blieben ja immer noch riesige Lücken.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Naja, wollen wir mal abwarten, ob Frau Fischer Erfolg damit haben wird. Ich habe da meine Zweifel. Ich werde jedenfalls nicht Mitglied in ihrem Klub. (Ich habe auch keine einzige CD von oder mit ihr.) Selbst wenn ich ein Fan von ihr wäre (was ich nicht bin), wäre mir das Angebot viel zu eingeschränkt. Was ganz anderes ist für mich dagegen etwa die Berliner DCH. Da hat man massenhaft Konzerte mit verschiedenen, exzellenten Künstlern, und vielfältigster Musik.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Bestimmt wird sie mit diesem Abo wirtschaftlich nicht erfolgreich sein. Aber es zeigt, dass sich etwas wandelt, was durchaus auch für die großen Labels Folgen haben wird. Einige große Orchester gehen den Weg der Selbstvermarktung ja schon recht erfolgreich, wenn Solisten folgen ist das nur folgerichtig. Bestimmt wird es nicht nur die Möglichkeit geben, von jedem Künstler ein Abo abzuschließen - aber ob Musik zukünftig immer in Form von CDs erscheinen muss, ist durchaus fragwürdig. Ich meine "erscheinen", denn was wir heute streamen oder herunterladen, ist ja immer noch eine CD in anderer Form, aber immer in derselben Zusammenstellung
      Beim Taggen von meiner Musiksammlung, die inzwischen nur noch auf einer Festplatte hier steht, merke ich immer wieder, in welchen komischen Zwängen man steckt, denn wenn auf einer CD unterschiedliche Komponisten drauf sind, ggf. sogar noch unterschiedliche Interpreten, tagge ich das dann nach der CD oder einfach nach den Werken und mache aus einer CD mehrere "Alben"? Ich bin inzwischen immer stärker von der CD abgewichen und habe immer stärker nach dem Werk selbst getaggt. Ich glaube auch, dass es CDs in 10, 20 Jahren nicht mehr in der Menge geben wird und dass man streamt und/oder runterlädt.
    • Dominik schrieb:



      Beim Taggen von meiner Musiksammlung, die inzwischen nur noch auf einer Festplatte hier steht, merke ich immer wieder, in welchen komischen Zwängen man steckt, denn wenn auf einer CD unterschiedliche Komponisten drauf sind, ggf. sogar noch unterschiedliche Interpreten, tagge ich das dann nach der CD oder einfach nach den Werken und mache aus einer CD mehrere "Alben"? Ich bin inzwischen immer stärker von der CD abgewichen und habe immer stärker nach dem Werk selbst getaggt. Ich glaube auch, dass es CDs in 10, 20 Jahren nicht mehr in der Menge geben wird und dass man streamt und/oder runterlädt.
      Ich tagge auch schon lange nur noch nach Werk. Wegen mir braucht man diese CD Zusammenstellungen auch nicht. Es ist ja meistens doch sehr gewollt, da gebe ich Frau Fischer recht.
      Viele Grüße, Michael
    • Hudebux schrieb:

      Streamen ist nicht gleich Downloaden.
      Doch. Alles was du streamst, kannst du downloaden. Das ist Fakt, Stand 2018.

      Da ich kein Hellseher bin, weiß ich nicht, ob das technisch in 10 Jahren anders aussieht. Ist aber auch egal. Wenn es in 10 Jahren noch einen Bedarf an CDs (oder Downloads) gibt, wir dieser gestillt werden. Wenn nicht, ist auch egal.


      Thomas