ABRAHAM: Die Blume von Hawaii – Franz Lehár Festival, Bad Ischl (5. August 2018)

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    • ABRAHAM: Die Blume von Hawaii – Franz Lehár Festival, Bad Ischl (5. August 2018)

      Nach einer zweijährigen Übergangsphase hat Thomas Enzinger, der Intendant des Franz Lehár Festivals, dort in diesem Jahr zum ersten Mal die eigenständige künstlerische Leitung. Mit größtenteils neuer Besetzung hat er seine Dortmunder Inszenierung der Blume von Hawaii auf den Spielplan gesetzt, die vom Publikum in Bad Ischl mit Standing Ovations gefeiert wurde.

      Dieser Erfolg hat vor allem zwei Gründe: Zum einen liefert die Inszenierung tolles Entertainment. Sie besitzt Tempo, viel Witz und großartige Tanz- und Steppszenen, die keinen Vergleich mit sehr gutem Musical scheuen müssen. Mitverantwortlich dafür sind die erstklassigen Schauspieler/Sänger, wobei das Buffo-Paar mit Ramesh Nair als überdrehtem und an Jerry Lewis erinnernden John Buffy - Nair ist auch der Choreograph - und Nina Weiß als Bessi herausragen.

      Der zweite Grund ist der überzeugende Regieeinfall, dass Mark Weigel als Paul Abraham die Handlung begleitet und die ganze Aufführung nur in seiner Phantasie stattfindet, während er sich im Creedmoor Psychiatric Center aufhält.
      • Durch diese Idee gewinnt die Aufführung an emotionaler Tiefe, weil sie nicht nur bunt und lustig ist, sondern eben auch tragisch. Als Jim Boy/Gaines Hall Abraham sagt, eine nicht behandelte Syphilis sei die Ursache für seine psychische Krankheit, war kurz sogar Gelächter im Publikum zu hören, weil ein Gag vermutet wurde. Das Lachen blieb aber schnell im Halse stecken.
      • Da das Geschehen in der Phantasie von Abraham spielt, waren das Bühnenbild und die Handlung so übertrieben bunt und klischeehaft, dass es kaum an das reale Hawaii erinnerte. Dadurch wird (hoffentlich) postkoloniale Kritik in der Art von „darf die Kolonialisierung von Hawaii so naiv harmlos gezeigt werden und Hawaiianer so klischeemäßig“ der Wind aus den Segeln genommen. In diesem Zusammenhang hilft auch, dass explizit angemerkt wird, dass die Handlung nichts mit der tatsächlichen Kolonialisierung von Hawaii zu tun hat.
      • Schließlich kann Weigl als Paul Abraham zusammen mit Jim Boy/Gaines Hall in „Bin nur ein Jonny“ sogar die Textzeile „Bin nur ein Nigger“ singen, weil er darauf hinweist, dass er selber dieser Jonny ist und „Nigger“ zum Synonym für Ausgestoßene, für Geächtete und rassistisch Verfolgte wird. Abraham musste vor den Nazis in die USA fliehen, konnte dort aber nicht an frühere Erfolgeanknüpfen. Schon bald zeigt sich dann eine geistige Umnachtung, die bis zu seinem Tod anhielt.
      An dieser Aufführung der Blume von Hawaii müssen sich zukünftige Inszenierungen des Werkes messen lassen.