William Mathias - der Waliser

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    • William Mathias - der Waliser

      Nirgendwo ist die Idee der Symphonie im 20. Jahrhundert auf so fruchtbaren Boden gefallen wie auf der britischen Insel. Unüberschaubar die Zahl der Komponisten, die sich mit diesem Genre mehr oder weniger produktiv auseinandergesetzt hat, oft i, Umfang von 9 und mehr Symphonien. Selbst das kleine Wales mit seinen knapp über 3 Mio Bewohnern kann mindestens drei gestandene Symphoniker vorweisen. Darunter ist William Mathis (1 Nov. 1934 – 29 Jul. 1992) mit nur drei Beiträgen noch bescheiden unterwegs, Alun Hoddinott und Daniel Jones kommen auf zweistellige Zahlen.
      Wie die meisten britischen Komponisten schreibt Mathias in einem gemässigt modernen Stil, der die Tonalität nicht ganz aufgibt. Zu seinen Symphonien schrieb ich andernorts.

      Die erste Symphonie des walisischen Komponisten William Mathias (1934-1992) entstand 1965, also zur Blütezeit der seriellen Musik. Davon nimmt Mathias aber - zum Glück - keinerlei Kenntnis, sondern schreibt seinen Erstling in einem Stil in der Nachfolge von William Walton und Arnold Bax. Vier ansprechende und prägnante Sätze in 30 min, das war schon das gesunde Rezept für die 3. Symphonie. Die Einspielung wird vom Komponisten dirigiert. Kleiner Wermutstropfen ist die nicht gerade audiophile Nimbus-Aufnahmen von 1990, aber ich habe schon gesehen, dass es eine zweite Einspielung auf Lyrita gibt.

      Hier geht es um die 3., kurz vor seinem frühzeitigen Tod geschrieben. Drei Sätze: Allegro moderato, Lento appassionato, Allegro non troppo e risoluto; 31:24 Es geht gleich gut los, auch wenn der Anfang ein wenig an den von Lutoslawskis Orchesterkonzert erinnert. Aber es gibt schlechtere Vorlagen. Der erste Satz ist jedenfalls recht bewegt und erinnert an andere englische Komponisten wie Robert Simpson. Der zweite Satz ist elegisch-tragisch mit starken Anleihen beim mittleren Schostakowitsch, Englischhorn-Solo etc. Sehr schön, davon kann ich nie genug bekommen. Der letzte wieder bewegt, zwischen Simpson und z.B. George Lloyd. Also komplett tonal, aber ordentlich mit Dissonanzen gewürzt. Einige originelle orchestrale Effekte und insgesamt eine runde Sache.



      Neben den drei Symphonien gibt es auch zwei Klavierkonzerte. Für Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts gibt es ja drei stilistische Vorbilder, die von Rachmaninoff, die von Prokofieff und die von Bartok. Von allen drei findet sich im 1. Klavierkonzert etwas, am meisten vielleicht von Prokofieff. Durchaus hörenswert.

    • Lieber Wieland,

      danke für diesen Hinweis, der mir bei mir insofern auf fruchtbaren Boden fällt, als mit Geraint Thomas ein Waliser gerade in beeindruckender Weise die Tour de France gewonnen hat!
      Ich mache zwar dieses Jahr ein CD-Fasten (das nur meinen örtlichen Händler ausnimmt), aber jetzt bin ich neugierig geworden, weil der Vergleich mit Robert Simpson ansteht, dessen Werk aber ganz schön vielschichtig ist, wie ich in den den letzten Wochenbeim begonnenen Sinfonien-Hören andeutungsweise gemerkt habe.

      Leider habe ich monentan zuviel um die Ohren mit durch die elende Hitze stark herabgesetzter Leistungsbereitschaft.

      Herzliche Grüße, Kermit
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Die CD mit den beiden Klavierkonzerten gibt es momentan bei jpc zum Sonderpreis von 7,99€ (zusammen mit anderen Titeln des Labels Somm).
      Die Konzerte finde ich sehr ansprechend. Ich kannte den Komponisten bislang noch nicht, aber da ich mich intensiv mit britischen Komponisten beschäftige, war das eine schöne Neuentdeckung. Der Pianist Mark Bebbington hat sich bislang sehr um die Verbreitung britischer Komponisten verdient gemacht, und eine Reihe bisher unveröffentlichter Werke eingespielt.

      Peter
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