Ungeliebte Wörter

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    • Wie haben noch gar nicht über Wörter gesprochen, die wir nicht mögen. Ich beginne mit

      Basisdemokratie

      Das Wort klingt ja zunächst hübsch. Man hat auch eine wage Vorstellung, was es zu bedeuten hat. Aber irgendwann will man es vielleicht genauer wissen. Bisher konnte ich nicht wirklich herausfinden, was Basisdemokratie ist. Selbst der Wikipedia-Artikel ist wischi-waschi.

      Bleiben wir auf der Staatsebene: Dort gibt es im Groben zwei Grundmodelle der Demokratie: die direkte Demokratie: Das Volk stimmt über politische Entscheidungen ab. Und die repräsentative Demokratie: Vom Volk gewählte Repräsentanten stimmen über politische Entscheidungen ab.

      Mit entscheidend für die repräsentative Demokratie ist die Unabhängigkeit der Repräsentanten, oder um es in Verfassungs-Sprech zu formulieren: Der Abgeordnete darf nur seinem Gewissen verpflichtet sein.

      Wenn eine Partei sich basisdemokratisch nennt, so will sie ihren Abgeordneten von den Mitgliedern vorschreiben lassen, wie sie im Parlament abstimmen sollen. Was dem Grundgedanken einer repräsentativen Demokratie zuwiderläuft. Dann würden Parteimitglieder und nicht Volksvertreter über politische Entscheidungen abstimmen. Das nennt sich dann "Bürgernähe". Demnach ist Basisdemokratie weder eine direkte noch eine indirekte Demokratie...

      Vielleicht habe ich eine Abneigung gegen dieses Wort, weil es mir in meiner politisch aktiven Zeit immer wieder als ein pauschaler Ersatz für Argumente begegnet ist.
      Ein Beispiel: Man greift die Bundesregierung an, weil sie die Vermögenssteuer nicht wieder einführt. Schließlich gibt es dazu einen Parteitagsbeschluss. Hier fallen Wörter wie "basisdemokratisch" und Vormulierungen wie "von unten nach oben". (Der Einwand, dass es einen Unterschied zwischen der Regierung und den Regierungsparteien gibt, wird überhört) Daraufhin greift man erneut die Bundesregierung an, weil sie "sozialen Kahlschlag" betreibt. Dass dieser "soziale Kahlschlag" von einem Parteitagsbeschluss
      abgesegnet wurde, wird natürlich nicht gelten gelassen. Immerhin ist er nur durch eine Erpressungsaktion der Regierungsmitglieder zustandegekommen. Darauf hin ruft man die eigenen Abgeordneten auf, im Bundestag nicht dem Parteitagsbeschluss gemäß abzustimmen. Wir dürfen das, denn wir sind ja die Basis. Nun fallen wieder Wörter wie "Basisdemokratie" und Formulierungen wie "von unten nach oben" Man dreht es sich so hin, wie man es gerade haben will...

      (Bitte jetzt keine Diskussion über tagespolitische Inhalte anfangen, das würde nicht ohne Forumsaustritte enden...)

      Beste Grüße,
      Falstaff
    • mein ganz persönliches ( *ggg* ) Anti-Wort der letzten Jahre ist: PERSÖNLICH

      Ich persönlich denke nämlich, dass das meist ein höchst unnötiges Wort ist. Denn wenn ich nicht dich persönlich meine, sondern nur dich, dann könnte ich ja nicht gerade jemanden anderen persönlich meinen als dich, oder siehst du persönlich das anders?
      Ach ja, ich meinte jetzt natürlich nicht dich persönlich und will dich auch nicht persönlich angreifen, der du das Wort vielleicht heute gerade geschrieben hast, mir persönlich ist es nämlich wahrscheinlich auch schon passiert, dass es in meine persönlichen statements mal reingerutscht ist :( Schrecklich, diese Inflation der persönlichen Füllwörter!!!
      So das war meine persönliche Meinung.
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Ach, mela, ganzheitlich gehört auch auf meine Liste...

      Aber wir sind hier ja in einem ganzheitlichen Forum... :D

      Ich mag das Wort pflanzlich nicht, zumindest bezogen auf Arzneien. Viele halten es für das Gegenteil von chemisch. Dass Photosynthese Chemie pur ist, wollen die nicht hören...

      Falstaff
    • Hebre schrieb:

      mein ganz persönliches ( *ggg* ) Anti-Wort der letzten Jahre ist: PERSÖNLICH

      Ich persönlich denke nämlich, dass das meist ein höchst unnötiges Wort ist. Denn wenn ich nicht dich persönlich meine, sondern nur dich, dann könnte ich ja nicht gerade jemanden anderen persönlich meinen als dich, oder siehst du persönlich das anders?
      Ach ja, ich meinte jetzt natürlich nicht dich persönlich und will dich auch nicht persönlich angreifen, der du das Wort vielleicht heute gerade geschrieben hast, mir persönlich ist es nämlich wahrscheinlich auch schon passiert, dass es in meine persönlichen statements mal reingerutscht ist :( Schrecklich, diese Inflation der persönlichen Füllwörter!!!
      So das war meine persönliche Meinung.
      Heike
      :D
      Ich muss bei den Kindern immer harte Kämpfe ausfechen, sie davon zu überzeugen, dass sie ihre Aufsätze nicht mit Wörtern wie:

      Ich meine...
      Meiner Meinung nach...
      meines Erachtens...
      usw.

      anfangen sollen. Es ist ja scho eindeutig, wenn ich über etwas schreibe, dass das meine meinung sei, ich habe dann nur zu betonen, wenn ich nicht meine meinung, sonderm die eines Anderen übernehme. Die Einleitungen mag ich nur zu benutzen, wenn ich in etwas nicht sicher bin, oder wenn ich etwas Kontroverses schreibe/sage.

      LG
      Tamás

      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Auf meiner Negativliste steht das Wort Senior, sofern es auf Visitenkarten anzutreffen ist. Senior Consultant oder Senior Project Manager. Wer das auf seine Karte schreibt, hat's nötig. Noch besser ist allerdings, wenn jemand Junior Consultant ist. Dann könnte man auch gleich "Anfänger" schreiben :rolleyes: .

      Michel
      (Junior Moderator)
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Auf meiner Negativliste steht das Wort Senior, sofern es auf Visitenkarten anzutreffen ist. Senior Consultant oder Senior Project Manager. Wer das auf seine Karte schreibt, hat's nötig.


      Klar, weil die Leute noch so jung aussehen :pfeif:

      Was hältst Du denn von Principal Senior Consultant :D


      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • mela schrieb:

      Falstaff schrieb:

      Aha, jetzt fällt mir Platz zwei meiner Hass-Wörter-Liste ein:

      anwendungsorientiert

      Falstaff


      Ahso, da gibt es in meiner Branche eine Äquivalent:

      kundenorientiert


      Schön ist ürbigens auch

      aufschlauen

      Kennt Ihr eigentlich Bullshit-Bingo :D

      Viele Grüße,
      Melanie
      Zur Hass-Liste:

      kommunikatives Unterricht :cursing:

      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • mela schrieb:

      Kennt Ihr eigentlich Bullshit-Bingo
      Klaaar!
      Ach übrigens: BINGO!

      (War aber auch so was von einfach in diesem thread)

      Der Dauergebrauch von "so was von" ist aber auch so was von ätzend ...

      Hatten wir schon "ergebnisorientiert"? Manchmal könnte man das Kotz-Smilie von ehedem ja doch noch brauchen...

      Dann biete ich noch "kommunizieren" (Tscha hatte ja schon ein verwandtes Beispiel gebracht), so in etwa: "das müssen wir künftig besser kommunizieren". Ich fühle mich da immer an meine katholische Jugend erinnert :pfeif:

      Dann noch der zunehmende nicht-reflexive Gebrauch von "sich erinnern" (also ohne "sich"): "ich erinnere das gerne" statt "ich erinnere mich gerne daran".

      Aber mein größtes diesbezügliches Hassobjekt ist der Dauergebrauch von männlicher und weiblicher Form hintereinander: " Das müssen die zuständigen Betreuerinnen und Betreuer den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig besser kommunizieren" AAAARRGHH :cursing:
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Falstaff schrieb:

      mela schrieb:

      Kennt Ihr eigentlich Bullshit-Bingo :D


      nein


      Lieber Falstaff,

      das kommt aus langweiligen Sitzungen und Präsentationen. In der "freien" unternehmerischen Wildbahn hat so jede Branche ihre beliebten Phrasen und Schlagwörtern (Buzzwords, daher auch Buzzword-Bingo), Unternehmensberater haben natürlich ganz besonders viele davon.

      In Bullshit-Bingo bekommt jeder einen Zettel, in dem anstelle von Ziffern, genau solche Buzzwords aufgelistet werden. Wenn ein solches Wort fällt und man hat es auf der Liste, kann man das Wort streichen. Wer zuerst alle Wörter gestrichen hat muss aufstehen und laut "Bullshit" in den Raum rufen.

      Naja, de fakto wird es natürlich eher selten wirklich gespielt - das traut sich ja keiner. So Listen kursieren natürlich aber in jedem Unternehmen und sorgen für viel Heiterkeit.

      Al Gore war bei einem Vortag im MIT mal Opfer eines solchen Bingo-Spiels: "http://hacks.mit.edu/Hacks/by_year/1996/gore/front_large.gif"

      Berühmt wurde das ganze durch folgenden Gilbert-Cartoon: "http://dilbert.com/fast/1994-02-22/"

      Ganzheitlich, nachhaltig, kundenorientiert, zukunftssicher, wertschöpfend, aufschlauen oder schlimmer: Challenge, ASAP oder gar ASAPst, Brainstorming, Innovation, Opportunities, key business challenges, Produktivität, Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Effizienz sind sehr gute Kandidaten für ein solches Bingo in meinem Bereich - die letzten habe ich gerade der Homepage meines Arbeitgebers entnommen :hide: :mlol:
      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • mela schrieb:

      das kommt aus langweiligen Sitzungen und Präsentationen.



      Solche Sitzungen und Präsentationen gönne ich euch :D ... dafür verdient ihr ja auch sooooooo viel mehr Geld als wir darbenden Forscher ... :boese:

      Auch ein schönes Wort: Promotion

      Es Versicherungs-Sachbearbeiter die meinen, dass Doktoranden beruflich eine Promouschn machen...wirklich!


      Falstaff
    • mela schrieb:

      Aber in der Form Deines Versicherungs-Sachbearbeiters mag ich es heute auch noch :thumbsup:


      In Form des Versicherungs-Sachbearbeiters meiner Schwester ... aber das tut nichts zur Sache ...

      Also ganz ehrlich, das Wort mag ich, das erinnert mich an bessere Zeiten :(
      Ach ... die Zeiten werden danach schlechter :hide: ? Die Selbstzweifel, die unmittelbare Erfahrung der eigenen Dummheit, das leere Papier, vor das man sich setzt und das einfach nicht voll werden will...

      Falstaff