Schönberg-Ranking

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Schönberg-Ranking

      Beim höchst erfrischenden Mozart-Haydn-Ranking von Felix Meritis rührte sich unwillkürlich im Brägen Michael Gielens Anregung, 'Mozarts Mucke wie Schönberg und Schönbergs Mucke wie Mozart zu spielen'.
      Und das Asasello-Quartett kombinierte in Kölle am 22.06.12 an einem Konzert-Abend Schönbergs 4. Streichquartett mit einem Mozart-Quartett…

      Auch der von mir heiß geliebte Superstar der Neuen (weiterhin!) Mucke darf also in einem Ranking keinesfalls fehlen !

      Deshalb: welche 10 Werke Arnold Schönbergs liebt ihr am meisten ?

      Ihr könnt gerne auch was dazu noch schreiben, mit Hinweisen, Tipps etc. oder auch gerne, dass ihr mit Schönbergs Mucke wenig bis gar nix anfangen könnt … falls jemand nicht 10 Nennungen erreicht, kein Problem…
      (.. unerwünscht sind lediglich schlechte Laune oder Postings in denen zu lesen ist, dass Rankings generell doof sind.)

      Um diesen Thread zu beflügeln bzw. möglichst viele User zum Mitmachen zu ermuntern, bereits im Entrée meine momentane Hit-Liste:

      1. Streichtrio op. 45 (mit z.B. Trio Recherche, live)
      2. Streichquartett Nr. 4 (mit z.B. Quatuor Diotima live, Parrenin Quartett live aus Bremen)
      3. Streichquartett Nr. 3 (mit z.B. Quatuor Diotima live, Parrenin Quartett live aus Bremen)
      4. Violinkonzert op. 36 (mit z.B. Gielen/Barenboim-Junior live; Eötvös/Hahn live)
      5. Klavierkonzert op. 42 (mit z.B. Uchida/Boulez-Konserve, Nott/Aimard live)
      6. Moses und Aron (mit z.B. Levine 20.02.99; Nagano 05.06.01)
      7. Serenade op. 24 (z.B. mit Mitropolus, Eötvös live)
      8. Bläserquintett op. 26 (mit z.B. Czech Philharmonic Wind Quintet, Phoenix-Ensemble)
      9. Fünf Orchesterstücke op. 16 (mit z.B. Eötvös live, Barenboim live)
      10. Fünf Klavierstücke op. 23 (Pollini v. 22.08.74, Matthew Edwards live)
      ..........
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Mangels rezenter Beschäftigung kann ich nicht alle 10 Plätze ausfüllen. Aber so weit käme ich derzeit:

      1. Streichtrio
      2. op. 16
      3. Klavierkonzert
      4. Violinkonzert

      In die Streichquartette und die anderen Orchesterwerke müsste ich dringend wieder hineinhören. Den frühen AS mag ich nicht besonders. Pierrot Lunaire finde ich anfangs mitreißend, er nimmt mich aber nicht bis zum Schluss mit. Die anderen Vokalwerke habe ich vor 15 Jahren zum letzten Mal gehört...
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Mir geht´s ähnlich wie Felix Meritis.

      1) Sechs kleine Klavierstücke op. 19
      (Habe ich als Jugendlicher gelernt. Seither ist mir diese Klaviermusik ganz nahe. Wenn man sie selber spielt, tun sich da ganz eigene Welten auf.)
      2) Ein Überlebender aus Warschau op. 46
      (Auch seit Jugendzeit im Sinn. Mein Favorit ist die Wiener Aufnahme mit Claudio Abbado, Sprecher Gottfried Hornik.)
      3) Gurre-Lieder
      (In den 80ern in Wien live erstmals gehört, Konzerthaus Parkett verkleinert weil zu wenig Platz auf der Bühne gewesen wäre. Auch Claudio Abbado, damals live mit seinen Jugendorchestern, und die Wiener CD Aufnahme.)
      4) Moses und Aron
      (Erschütternd gutes Opernwerk.)
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • klasse Thema, obwohl, wie sich das gehört, manche Einstufung nur mit Bauchgrimmen vorzunehmen ...

      1. Moses und Aron
      (stünde bei mir auch in einem Ranking von Musikwerken des 20. Jh. überhaupt klar auf Nr. 1...)

      2. Gurrelieder
      (Wiiiiderspruch ist zwecklos ... bevorzuge als Aufn. die alte von R. Leibowitz, trotz gravierender technischer Mängel. Bessere Sänger sind mir nicht zu Ohren gekommen (bei diesem Stück natürl.), besonders schätze ich den Sprecher, dessen mit franz. Akzent gleichzeitig melodisierter und angeschärfter Sprachklang mir außerordentlich gut zu passen scheint)

      3. Klavierstücke op. 11
      (da höre ich am noch mehr als in op. 10 die Kippe von Tonalität zur Atonalität, was wie ein Ausblick ins unendlich Weite anmutet)

      4. Suite op. 29 für 3 Streichinstr., 3 Klar. + Klav.
      (brilliante 12tonmusik)

      5. Serenade op. 24
      (Pierrot-Klang weitergeführt, mit köstlichen "rappeligen" Akzenten)

      6. Bläserquintett op. 26
      (kann so heiter klingen ...)

      7. Streichquartett Nr. 4 op. 37
      (die Str.quartette höre ich eigentlich ausschl. in der Kolisch-Einspielung, mit der ich sozialisiert wurde, die neuere Aron-Qu. steht noch auf dem Programm)

      8. Streichtrio op. 45

      9. Lichtspielszene op. 34
      (eigentlich gehörte spätestens hier so ein Brocken wies Vl-Konzert her, aber op. 34 ist auch ein Stück Schönberg-Sozialisierung bei mir, prägende expressive 12tonmusik)

      10. Klavierstück op. 33a
      (nenne ich hier mal als partienweise durchs Selberspielen angeeignet).


      (stelle grad fest, daß google mich nichr mehr kennt, bringt auf Eingabe "Schönberg" das Ostseestädtchen!! Skandal!!)

      edit
      verflixt, ich muß doch noch eine Sondernummer ergänzen ... ohne Verklärte Nacht gehts nicht ...
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • 1. Pierrot lunaire
      2. Erwartung
      3. Orchesterstücke op. 16
      4. Serenade op. 24
      5. Streichtrio
      6. Begleitmusik zu einer Lichtspielszene
      7. Zweites Streichquartett
      8. Moses und Aron
      9. A Survivor from Warsaw
      10. Klavierstücke op. 11

      Hm, da überwiegt doch deutlich ein bestimmter Schaffensabschnitt. Aber das passt schon.

      Die Gurrelieder haben zweifellos etwas. Aber bisher scheinen sie mir unaufführbar. Dreimal live gehört, dreimal ein Gemetzel an den Solisten, die vom Orchester plattgewalzt wurden.

      Mit dem Klavier- und dem Violinkonzert kämpfe ich noch. Drittes und viertes Streichquartett höre ich selten, obwohl ich inzwischen ein paar Dinge nachvollziehen kann. Jagen kann man mich mit dem ersten Streichquartett.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Jagen kann man mich mit dem ersten Streichquartett.
      Echt? Quasi ein später Nachfahre von Haydns op. 50 Nr. 1 ...

      ... bin aber über op. 17 nie wirklich hinausgekommen, intensiv eigentlich nur bis op. 10. Darum diese Liste mit Schwerpunkt auf Früherem:

      1. Pierrot lunaire op. 21
      2. Streichquartett Nr. 2 op. 10
      3. Erwartung op. 17
      4. Streichquartett Nr. 1 op. 7
      5. Verklärte Nacht op. 4
      6. Kammersinfonie Nr. 1 op. 9
      7. Fünf Orchesterstücke op. 16
      8. Herzgewächse op. 20
      9. Pelleas und Melisande op. 5
      10. Streichtrio op. 45

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • 01. Die Jakobsleiter für Soli Chor und Orchester (Fragment)

      02. Konzert für Streichquartett und Orchester nach Händels Concerto Grosso op.6. Nr. 7 in B-Dur (1933)

      03. Sechs Orchesterlieder Op. 8 (1903–1905)

      04. Klavierquartett G-Moll von Johannes Brahms für großes Orchester gesetzt (1937)

      05. Moses und Aron (1923 – 1937)

      06. Choralvorspiel BWV 667 von Johann Sebastian Bach für großes Orchester gesetzt (1922)

      07. Notturno für Streicher und Harfe (1896)

      08. Funiculi Funicula von Luigi Denza für Stimme und kleines Ensemble (1921)

      09. Concerto for Piano and Orchestra op. 42 (1942)

      10. Dreimal Tausend Jahre für gemischten Chor A Capella op. 50A (1949)



      Gruß
      Josquin
    • Ich beteilige mich aus leichter Faulheit heraus nicht mit Verweisen auf Ausführende - vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, dafür ist die Reihenfolge tendenziell eine wertende. Allerdings höre ich die Nummer 10 schon noch genau so gern wie die Nummer eins. :)

      1. Klavierkonzert
      2. Serenade op. 24
      3. Pierrot Lunaire
      4. Streichquartett Nr. 2
      5. Kammersinfonie op. 9
      6. Violinkonzert
      7. Verklärte Nacht
      8. Streichtrio
      9. Ein Überlebender aus Warschau
      10. Streichquartett Nr. 4

      Und wenn MB über die Erwartung nicht hinausgekommen ist, so ich nicht heran-.

      :cincinbier: Wolfgang

      EDIT nach Durchsicht des Threads: Stimmt - das op. 26 habe ich mir höchstens zweimal zu Gemüte geführt, aber in allerbester Erinnerung. Muss ich unbedingt wieder hören!
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Dann tu ich mal so, als ob ich in der Lage wär, meine Lieblingsstücke von Schönberg von 1 nach 10 zu ranken... :)

      1. Chamber Symphony No. 2, Op. 38 - Das einzige Stück, bei dessen Rang ich mir sicher bin. Vielleicht überhaupt mein Lieblingsstück "E"-Musik. Thread hier: capriccio-kulturforum.de/orche…symphony-no-2-op-38-1939/
      2. Theme and Variations for Full Band, Op. 43 - Irgendwann erstell ich mal nen Thread dazu...
      3. Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente, Op. 9 - Dito... Lieblingseinspielung mit Ferenc Fricsay und dem RIAS-Symphonieorchester, kann ich mir besser nicht vorstellen
      4. Variations on a Recitative for Organ, Op. 40 - Dito irgendwann nen Thread...
      5. Bläserquintett, Op. 26 - Thread hier: Arnold Schönberg - Quintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, Op. 26 (1925)
      6. Concerto for Violin and Orchestra, Op. 36 - Ich steh zu der historischen Einspielung mit Kolisch. Orchester geht ab wie Schnitzel, aber Kolisch mit "schönem" Geigenklang, nicht auf Teufelkommraus kratzig-rauh-derb wie viele moderne Einspielungen...
      7. Concerto for Piano and Orchestra, Op. 42 - Hab noch keine Lieblingseinspielung...
      8. Zweites Streichquartett, Op. 10 - Thread zu den Streichquartetten hier: Schönberg, Arnold: Die Streichquartette
      9. Suite for String Orchestra (ohne Opusnummer) - Gute! Einspielungen wie bei der Zweiten KS leider Mangelware...
      10. Prelude for Mixed Chorus and Orchestra, Op. 44 - Kenn nur eine grottenschlechte Einspielung, weiß nicht mal von wem (die auf der Schoenberg-Website), aber dank der Partitur weiß ich, dass da deutlich mehr gehen würde... Stück zwar nur circa fünf Minuten lang, aber weil so unbekannt verdient es einen Eintrag auf meiner Liste... Hartgesottene können sich hier eine von mir erstellte MIDI-Fassung reinziehen: imslp.org/wiki/Special:ImagefromIndex/491786/hfpn

      Fourth String Quartet und Pierrot kämen wahrscheinlich als nächstes... Wobei die komplette Liste wahrscheinlich morgen schon anders aussehen würde...

      Wie gesagt, Ranking eigentlich nicht mein Ding. Jedenfalls ist Schoenbergs zweite tonale Schaffensphase mit Abstand mein Lieblings-Werkkomplex von ihm :)

      PS: Bin so verblüfft wie erfreut, dass sich die Serenade, Op. 24 in diesem Thread so großer Beliebtheit erfreut (vier von neun Listen bisher!) und auch die Suite, Op. 29 zumindest einmal erwähnt wurde. Ebenfalls beides tolle Stücke :)


    • Melione schrieb:

      PS: Bin so verblüfft wie erfreut, dass sich die Serenade, Op. 24 in diesem Thread so großer Beliebtheit erfreut (vier von neun Listen bisher!) und auch die Suite, Op. 29 zumindest einmal erwähnt wurde. Ebenfalls beides tolle Stücke :)
      Ich könnte mir vorstellen, dass das Werk mit seinem spezifischen Humor und seinen Überraschungen sowohl diejenigen anspricht, die nur selten Ausflüge in die Dodekaphonie unternehmen, wie diejenigen, die offen genug sind und Zwölftonmusik gerade kennenlernen - so ging es mir vor gut vierzig Jahren -, und sowohl die progressiven als auch die konservativen Allrounder ... :D
      Da wäre ich eher verblüfft und würde ganz schnell in mich gehen, wenn hier jeder zweite die Erwartung benannt hätte oder dies noch tut. Nun, vielleicht sollte ich auf jeden Fall in mich gehen. :versteck1: :pop:
      @ Melione: Das Opus 43 kenne ich gar nicht ...

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Melione schrieb:

      PS: Bin so verblüfft wie erfreut, dass sich die Serenade, Op. 24 in diesem Thread so großer Beliebtheit erfreut (vier von neun Listen bisher!) und auch die Suite, Op. 29 zumindest einmal erwähnt wurde. Ebenfalls beides tolle Stücke :)
      Ich könnte mir vorstellen, dass das Werk mit seinem spezifischen Humor und seinen Überraschungen sowohl diejenigen anspricht, die nur selten Ausflüge in die Dodekaphonie unternehmen, wie diejenigen, die offen genug sind und Zwölftonmusik gerade kennenlernen - so ging es mir vor gut vierzig Jahren -, und sowohl die progressiven als auch die konservativen Allrounder ... :D

      Klingt plausibel. Wobei die Serenade nicht zwölftönig ist :) Einzig die Singstimme im Mittelsatz folgt einer Zwölftonreihe (meiner Erinnerung nach zum ersten Mal bei Schönberg). Er spielt und experimentiert schon mit Kompositionstechniken, die für seine dodekaphonen Werke maßgeblich wurden und verwendet auch teils Reihen mit mehr oder weniger als zwölf Tönen, aber im großen und ganzen ist die Serenade "frei atonal" (auch wenn Schönberg diesen Begriff gehasst hätte). :wink:


    • Ich mag besonders die frühen, noch tonalen Stücke, und finde es bedauerlich, dass die "Verklärte Nacht" oder "Pelléas et Melisande" viel zu selten auf dem Spielplan stehen, gerade bei den großen Orchestern. Als Einspielungen würde ich Karajan/Berliner PO, Sinopoli/Philharmonia Orchestra oder auch Boulez/Chicago SO empfehlen. Über Karajans Einspielungen muss man wohl nichts mehr schreiben, denke ich.

      Die Kombination Boulez/Schönberg wurde in diversen Threads schon so oft hervorgehoben, auch hier muss man nichts mehr schreiben zu.

      Eine weitere schöne Komposition ist die Kammersinfonie Nr.2, op.38 . Sie befindet sich auf einer CD zusammen mit der "Verklärten Nacht" und der "Begleitmusik zu einer Lichtspielszene für Orchester,op.34" , die vermutlich nur wenige kennen, nämlich einer Naxos-Einspielung in der Kombination Takuo Yuasa/Ulster Orchestra. Diese CD gibt es für ein Butterbrot über Amazon zu erwerben. Auch Sinopoli hat diese Werke eingespielt, aber diese Einspielungen habe ich nicht (mit der Staatskapelle Dresden und auch weiteren Werken Schönbergs).

      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Zwielicht schrieb:

      Jagen kann man mich mit dem ersten Streichquartett.
      Echt? Quasi ein später Nachfahre von Haydns op. 50 Nr. 1 ...
      Ok, was die konstruktive Strenge betrifft. Aber bestimmt nicht bezüglich dieses endlosen dauererregten Tonfalls. Diese Mischung aus Hypertristan und Hyperbrahms überfordert mich irgendwie. Bei "Pelléas" halt ich übrigens auch fast nie durch und sehne mich dann immer nach Debussy...

      In "Erwartung" oder bei dem ersten der fünf Orchesterstücke hat dann Schönberg emotionale Ausnahmezustände, Außersichgeraten, Panik, Identitätsverlust komponiert, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Das ist gegegenüber dem spätromantischen Gewühle eine neue Qualität.

      Ganz naiv gesprochen habe ich den Schritt in die frühe "freie" Atonalität tatsächlich immer als eine Art Befreiung empfunden, gar nicht mal so sehr wegen der harmonischen Revolution, sondern noch mehr wegen der Eroberung neuer Ausdrucksformen, verbunden mit dem Wechsel anderer Parameter (von lang zu kurz, von großer zu kleiner Besetzung, von Singen zu Sprechgesang usw.). Die großartige Komplexität und Verfeinerung der Spätromantik wird nicht aufgegeben, sondern auf eine andere Ebene gehoben. "Pierrot lunaire" ist da m.E. wirklich ein Markstein.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Aber bestimmt nicht bezüglich dieses endlosen dauererregten Tonfalls.

      irgendwie nachvollziehen kann ich das schon. Aber wie eindrucksvoll dann die langsameren Partien ...
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Zwielicht schrieb:

      In "Erwartung" oder bei dem ersten der fünf Orchesterstücke hat dann Schönberg emotionale Ausnahmezustände, Außersichgeraten, Panik, Identitätsverlust komponiert, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Das ist gegegenüber dem spätromantischen Gewühle eine neue Qualität.
      m.E. wird im Kopfsatz seines 3. Streichquartetts und in seinem Streichtrio auf diese expressive Phase zurückgegriffen .... von mancher Schönberg-Mucke seiner mittleren Phase könnte m.E. spekulativ darüber gezockt werden, ob nicht auch Grauen über bloße, begrenzende Identität ästhetische Gestalt gewinnt z.B. in seiner Klaviersuite oder im Intermezzo und Rondo seines 3. und Intermezzo und Allegro seines 4. Streichquartetts ...
      .. in Mahlers mittleren Instrumentalsinfonien und seine Nr. 9 und 10. kommen, was du als "emotionale Ausnahmezustände, Außersichgeraten, Panik, Identitätsverlust" beschreibst, auch äußerst schneidend rüber und möglicherweise in den Außenteilen der Rondo-Burleske seiner 9. auch Schreckensseite von bloßer Identität (mein Brägen ist darüber noch am grübeln) .....will daraus aber keine Olympiade zwischen Schönberg- und Mahler-Mucke machen :D
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Zwielicht schrieb:

      Diese Mischung aus Hypertristan und Hyperbrahms überfordert mich irgendwie. Bei "Pelléas" halt ich übrigens auch fast nie durch und sehne mich dann immer nach Debussy...
      Nach Debussy sehne ich mich natürlich stets, aber den Hyper-Wagner-Brahms finde ich schon geil.

      Also:

      1. Kammersymphonie Nr. 1, op. 9
      2. Pierrot Lunaire, op. 21
      3. Pelleas und Melisande, op. 5
      4. 5 Stücke für Orchester, op. 16
      5. 3 Klavierstücke, op. 11
      6. Erwartung, op. 17
      7. Streichtrio, op. 45
      8. Cellokonzert nach G. M. Monn
      9. Klavierkonzert, op. 42
      10. Die glückliche Hand, op. 18

      Hätte da noch gern mehr aufgenommen, z. B. von der Klaviermusik, und bei den Streichquartetten konnte ich mich nicht entscheiden.

      Am spannendsten finde ich bei Schönberg den Übergang von der Spättonalität zur Freitonalität.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann