Britische Sinfonik, die kaum bekannt ist

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    • Kater Murr schrieb:

      Welche englischen Sinfonien (ab den 1930ern oder so) außer Vaughan Williams und Walton haben sich denn "durchgesetzt"?
      Ich denke mal, Sir Michael Tippetts Sinfonien könnten dazu gehören....
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich habe mal die Konzertprogramme für 2018/19 von neun großen englischen Orchestern durchgeschaut: LSO, LPO, Philharmonia, BBC Symphony, BBC Philharmonic, Hallé, Liverpool, Birmingham, Bornemouth. Insgesamt wird siebenmal eine Sinfonie von Vaughan Williams aufgeführt, zweimal eine von Elgar, zweimal eine von Walton, einmal eine von Tippett und einmal die Simple Symphony von Britten. Das war's an englischer bzw. britischer Sinfonik. (Dazu kommen vier oder fünf Aufführungen von Instrumentalkonzerten Elgars und Waltons sowie ein paar mal Evergreens à la Enigma, Lark Ascending, Tallis Fantasia usw.).

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      ......und einmal die Simple Symphony von Britten......
      Sage ich ja. Genau diese Sinfonie hört man ständig und zwar sowohl von Berufs- als auch von Laienorchestern - zumindest wenn Britten auf dem Programm steht. Sein War-Requiem z.B. hört man hingegen eher selten bis gar nicht. Naja vielleicht auch weil der Aufwand zu groß ist.

      Zwielicht schrieb:

      Insgesamt wird siebenmal eine Sinfonie von Vaughan Williams....
      Laß mich raten: "A Sea Symphony" (aber wäre nicht tragisch, die ist schon schön !)

      VG

      Palisander
    • Palisander schrieb:

      Sein War-Requiem z.B. hört man hingegen eher selten bis gar nicht.
      Vokalwerke habe ich in meiner tollen Statistik nicht erfasst :D , aber das War Requiem war bei den englischen Orchestern bestimmt dreimal dabei. Und auch in Deutschland wird es nach meiner Beobachtung ziemlich oft aufgeführt: allein in Berlin dieses Jahr mindestens viermal.

      Palisander schrieb:

      Laß mich raten: "A Sea Symphony" (aber wäre nicht tragisch, die ist schon schön !)
      Ja, die war zweimal dabei, aber auch die Antarctica, die "London" und die Vierte.

      :wink:
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    • Zwielicht schrieb:

      Ich habe mal die Konzertprogramme für 2018/19 von neun großen englischen Orchestern durchgeschaut: LSO, LPO, Philharmonia, BBC Symphony, BBC Philharmonic, Hallé, Liverpool, Birmingham, Bornemouth. Insgesamt wird siebenmal eine Sinfonie von Vaughan Williams aufgeführt, zweimal eine von Elgar, zweimal eine von Walton, einmal eine von Tippett und einmal die Simple Symphony von Britten. Das war's an englischer bzw. britischer Sinfonik. (Dazu kommen vier oder fünf Aufführungen von Instrumentalkonzerten Elgars und Waltons sowie ein paar mal Evergreens à la Enigma, Lark Ascending, Tallis Fantasia usw.).
      Dank für die Mühe. Schade, dass auch da nur die üblichen Verdächtigen aufgeführt werden. Einen britischen Sonderweg gibt es dann wohl doch nur beim Brexit. :S

      Nun müsste man natürlich auch noch wissen, wie das vor vielleicht 20 oder 30 Jahren ausgesehen hat und wie es um die Radio-Orchestern bestellt ist. Ups, versteh mich richtig. Das war jetzt keine Bitte um weitere Nachforschungen. :D

      Aber Fakt ist dann ja wohl, dass es in den gängigen Konzertprogrammen auf der Insel nicht anders aussieht als bei uns. Man spielt die, die bereits in den Klassik-Olymp aufgestiegen sind. Mit eben regionalen Unterschieden.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      wie es um die Radio-Orchestern bestellt ist
      Die beiden wichtigsten Rundfunkorchester habe ich ja berücksichtigt, es fehlen nur die beiden aus Schottland und Wales (und das kleine BBC Concert Orchestra).

      Wolfram schrieb:

      Aber Fakt ist dann ja wohl, dass es in den gängigen Konzertprogrammen auf der Insel nicht anders aussieht als bei uns. Man spielt die, die bereits in den Klassik-Olymp aufgestiegen sind.
      Das ist so nicht ganz richtig. Es findet sich (je nach Orchester) ein recht hoher Anteil zeitgenössischer britischer Musik, aber auch einiges weniger Gespielte der kontinentalen klassischen Moderne (Zemlinsky, Rudi Stephan, Weill usw.).

      :wink:
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    • John Gardner (1917-2011)

      John Gardner - dessen 100. Geburtstag wir dies Jahr begehen - ist ein weiterer englischer Komponist, den außerhalb seines Landes kaum jemand kennt. Und auch dort ist er vor allem für die Adaptation eines Weihnachtsliedes bekannt: Tomorrow shall be my dancing day, von dem es wohl so um die 50 Aufnahmen gibt. Dass er u.a. auch drei Symphonien komponiert hat, ist erst in den letzten Jahren ins Bewusstsein der Interessierten getreten.

      Die erste entstand während und nach dem 2. Weltkrieg, der Komponist hat darüber ausgesagt
      "My first symphony assembled itself in my mind in stages during the last year or two of the War. The opening even goes back further to a short piano piece I wrote in 1939 or 1940. At that time I'd no idea that it could be the beginning of a symphony, though I was aware that it hardly constituted a complete piano piece."

      Die Partitur wurde 1947 fertiggestellt und dann von Sir John Barbirolli "entdeckt", der sie 1951 beim Cheltenham Festival wohl mit großem Erfolg uraufführte. Vor gut 10 Jahren erschien bei Naxos die bisher einzige Aufnahme. Der englische Hausdirigent David Lloyd-Jones leitet das RSNO. Eine ausführliche Würdigung dieses Werkes findet man hier. Jedem Interessierten gemässigt moderner Symphonik britischer Provenienz kann das hörenwerte 40-minütige Werk ans Herz gelegt werden.




      Die Symphonien 2 und 3 wurden inzwischen auch eingespielt.

      Symphonie 3

      Die 3. ist auch auf youtube verfügbar
    • Wilfred Josephs (1927-1997)

      Ähnlich unbekannt wie John Gardner dürfte in diesen Breiten Wilfred Josephs sein. Der Sohn russisch-jüdischer Eltern sollte wie die drei älteren Brüder Arzt werden und entschied sich dann für den Zahnarztberuf (feste Arbeitszeiten, also Zeit zum Komponieren). Allerdings war er als Komponist so produktiv und erfolgreich, dass er als einer der wenigen britischen Komponisten davon leben und eine vierköpfige Famile ernähren konnte. Das lag sicher auch daran, dass er umfangreich für Theater, Film und Fernsehen (u.a. Kultserie The Prisoner/Nummer 6) komponierte. Im ernsten Bereich schuf er 12 Symphonien, von denen meines Wissens nur eine auf CD verfügbar ist. Einige weitere findet man auf youtube.

      Die 5. Symphonie "Pastoral" ist von 1975, aber klanglich kaum fortschrittlicher als die 1. von Gardner von 1947. Spätromantische Grundierung mit einigen moderneren Einsprengseln. Sehr gut gemacht und gut zu hören, der Schluss ist bei Mahler geklaut. Das auf der zweiten CD befindliche einstündige Requiem für die Opfer des Holocaust von 1963 muss ich noch hören.

    • Alan Rawsthorne (1905-1971)

      Etwas bekannter als die vorgenannten John Gardner und Wilfred Josephs dürfte Alan Rawsthorne sein, seine Klavierkonzerte fanden im Forum schon Erwähnung. Rawsthorne schrieb zwischen 1950 und 1094 drei Symphonien, die auch schon zweimal eingespielt wurden. Der preisbewusste Hörer greift naturgemäß zur günstigen Naxos-Ausgabe, die wiederum von David Lloyd-Jones und diesmal dem Bournemouth Symphony Orchestra zu verantworten sind und eine gute Wahl darstellen.

      Die 1. Symphonie entstand 1950 und wurde vom BBCSO unter Adrian Boult uraufgeführt. Das knapp 25-minütige Werk besteht aus den üblichen vier Sätzen. Das Werk eröffnet stürmisch mit einem Allegro tempestuoso, ähnlich wie die 1. von Walton oder 4. und 6. von RVW. Auch die anderen Sätze sind in einer moderat modernen typisch englischen Tonsprache gehalten.