Das italienische Barockkonzert

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    • Das italienische Barockkonzert

      Ich habe in den letzten Wochen fast ausschließlich italienische Barockkonzerte gehört, ein Bereich, der in den letzten Jahren kaum an mein Ohr gekommen ist. Da wir hier ja so umfangreiche Threads zur barocken Kammermusik haben, aber zu Torelli fast nix rauskommt bei der Suche, dachte ich, wir brauchen diesen Thread hier.
      Die Anfänge sind als CD-Hörer nicht so recht nachzuvollziehen - Solo-Tutti-Wechsel bei Stradellas Oratorien auf der einen Seite, Corellis posthume Sammlung auf der anderen Seite, dazwischen quasi 30 Jahre Leere. Erst um 1710 kann man einiges querhören und da ist auch schon Vivaldis Siegeszug im Gange. Insofern ist dann das Bahnbrechende - sofern es denn so etwas ist - bei den "Gründungsvätern" Corelli und Torelli schwer nachzufühlen. Was mich zudem irritiert, ist die immer wieder anzutreffende Einschätzung, polyphone Tendenzen seien "altmodisch" - insbesondere wenn man an den heiliggesprochenen deutschen Kollegen denkt.
      Andererseits gibt es quasi nichts, was so angenehm ins Ohr spült, wie ein italienisches Barockkonzert, ob man nun aktiv lauscht oder sich berieseln lässt.
      Jedenfalls werde ich jetzt doch auch wieder was kaufen müssen.
      :versteck1:
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    • Recht lohnend dürfte für Dich folgende, recht günstig zu erstehende, CD sein:


      Ich hatte sie schon mehrmals im Warenkorb, habe dann aber doch nicht gekauft, da ich mit dem italienischen Solokonzert immer noch etwas fremdle. Eine Ausnahmen wären die spannendsten von Vivaldi, und einiges von Geminiani oder Alessandro Scarlatti.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Die habe ich schon auf dem Schirm.
      Dass Du mit den Solokonzerten fremdelst, wundert mich nicht so, da Du bei der Kammermusik immer den Kontrapunkt lobst. Das Solokonzert wurde aber quasi erst durch die Überwindung des Kontrapunkts geboren, an dessen Stelle steht dann ein Gegensatz von Hauptstimme und Nebenstimmen, kontrastierende Tonarten, die durch Kadenzen markiert werden, das Verhältnis von Ritornell zu übrigem Material. Während das bei Vivaldi mitunter sauber getrennt ist und auch die wechselnden Ritornelllängen und Transpositionen eine klare formelle Disposition zeigen, geht es meist eher "drunter und drüber", was aber sehr reizvoll ist. Torellis Violinkonzerte op. 8 Nr. 9 und 11 sind hingegen schon fast Vivaldi.
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    • putto schrieb:

      Dass Du mit den Solokonzerten fremdelst, wundert mich nicht so, da Du bei der Kammermusik immer den Kontrapunkt lobst.
      I am so predictable... :)


      Wirklich gut gefallen mir einige von Geminiani. Das klingt ziemlich schräg im Vergleich mit Vivaldi und Co. Ich denke schon, dass es nicht nur die mangelnde Kontrapunktik ist, die mich stört, sondern dieses allzu oft glatte Ablaufen des ganzen.
      Hier ist eine brandneue CD mit Geminianis op. 7 (das sind Originalkompositionen von ihm und nicht, wie so oft, Corelli-Bearbeitungen):


      Ich habe die CD selbst eben erst entdeckt. Das könnte aber mMn etwas für Dich sein.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Es gibt ja in den 30er/40er-Jahren so eine manieristische Phase "schräger" Konzerte, die zum klassischen Torelli- oder Vivaldi-Modell einen Kontrast bilden. Dazu gehören auch die vielleicht höchstgeschätzten neapolitanischen Beiträge, nämlich die von Francesco Durante, die ich dementsprechend Dir empfehlen würde. (Es gibt auch einiges "altmodisch" Kontrapunktisches drinnen und merkwürdige harmonische Fortschreitungen.) Früher habe ich besonders dieses "Schräge" - bildungssprachlich eher "Gesuchte" - gemocht, inzwischen fällt es mir schon schwerer, den großen Unterschied zu hören, oder ihn festzumachen; was mich früher als "schräg" angesprungen hat, ist mir inzwischen als zeittypisch geläufig.
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    • Ah ja, den anderen Francesco habe ich natürlich auch, allerdings in einer anderen Einspielung:

      Auf den ersten Hinhörer wäre das genau meines. Aber meine Aufmerksamkeit lässt sehr schnell nach. Vielleicht liegt es ja an meiner Einspielung, aber das ganze schnurrt dermaßen ebenmäßig und schnell ab, dass ich irgendwann aussteige. Habe die Scheibe schon mehrmals gehört - ohne bleibenden Eindruck. Vielleicht ist die deutsche Aufnahme besser...
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Habe jetzt via jpc das Beginn des Amoroso und des folgenden abschließenden Allegro des 1. Konzertes angehört: Das Amoroso gefällt mir sehr gut, im Allegro verschwinden manche Figuren irgendwie im Hintergrund, das Tempo ist wahrscheinlich etwa gleich mit den Kölnern. Ich hab's lieber deutlicher.
      Das Konzert Nr. 2 in g-moll kannst Du mit Giardino Armonico vergleichshören:

      Die Tempi sind jedenfalls auf Deiner Aufnahme nicht so besonders schnell.
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