Ernst Levy - der Komponist

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    • Ernst Levy - der Komponist

      Ernst Levy (1895-1981) war ein jüdisch-schweizerischer Komponist, Pianist und Musikwissenschaftler. Er wird heute vor allem als Pianist erinnert, dessen Einspielungen von späten Beethoven-Sonaten und Liszt'schen Werken noch heute Bewunderer finden.

      Hier soll es aber um den fast völlig vergessenen Komponisten Ernst Levy gehen, dessen symphonisches Schaffen mit 15 Werken vom Umfang dem von Schostakowitsch nicht nachsteht zumal viele Symphonien gehörige Ausmaße besitzen. Ich bin Ernst Levy's Musik zum ersten Mal vor ca, 30 Jahren begegnet in Form einer Langspielplatte mit seiner letzten 15. Symphonie, die mich an Bruckner erinnerte. Weitere Symphonien (7, 10, 11 und 12) wurden eingespielt, sind aber physisch kaum verfügbar. Allerdings gibt es sie seit geraumer Zeit bei Naxos als Download und bei einigen Streamingdiensten (z.B. Idagio).

      Die von mir soeben gehörte 7. Symphonie ist ein ganz außergewöhnliches Werk, auf das ich hier mit Nachdruck hinweisen möchte. Das 1925/26 (einige Quellen geben 1937 an, aber das scheint falsch zu sein. s.u.) komponierte Werk ist einsätzig und 55 min lang. Fast durchgehend liegt eine brütende und depressive Stimmung über dem Werk, das zwar noch tonal, aber oft sehr dissonant ist. Es wird eine weitgehend hoffnungslose und angsterfüllte Stimmung verbreitet, die erst in der letzten Viertelstunde einer gewissen gelassenen Resignation weicht. Kenner der Symphonik des ausgehenden 20. Jahrhunderts ahnen schon, worauf ich hinaus will. Dies ist ein visionäres Werk, das schon auf verblüffende Weise auf die Werke eines Allan Pettersson und späten Mieczysław Weinberg hinweist. Darüber hinaus kann man das problemlos als vorweggenommenes Requiem für die Opfer der Shoah hören.

      Der Sohn schreibt im Begleittext auf der Naxos-Website: He was thirty years old and in a very stressful stage of his personal and professional life. Disappointment in love and difficulties in establishing a professional career were weighing heavily on him.

      Aber was Levy da musikalisch macht, ist meines Erachtens kein persönliches Lamento, sondern ein Werk, das die nachfolgenden Katastrophen des 20. Jahrhunderts antizipiert und das stilistisch weit in die Zukunft weist.

      Der Sohn Frank Ezra Lévy (1930-2017), der auch eine website für seinen Vater pflegte, lebte in den USA und war übrigens selbst Komponist, eine CD bei Naxos enthält die Cellokonzerte von Vater und Sohn, ein weitere Frank Levy's 3. Symphonie.