André Cluytens

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • André Cluytens

      Die Erwähnung André Cluytens durch den Doc in einem anderen Thread brachte mich dazu, ihn einmal wieder zu hören. Gleichzeitig neugierig, was denn hier im Forum über ihn geschrieben wurde, schlug ich unter Dirigenten nach und ..... Das war's. Noch kein Thread über diesen bedeutenden Dirigenten. Das möchte ich jetzt hiermit ändern.

      Am 26.03.1905 in Antwerpen geboren, starb er bereits am 03.06.1967 in Neuilly-sur-Seine in Frankreich.

      Ausgebildet wurde er bereits als Kind am heimatlichen Musikkonservatorium, übernahm dann mit 22 Jahre schon einen Dirigentenposten in Antwerpen. Kurz danach folgten erste Positionen in Frankreich, wobei er dann nach dem Krieg v.a. jahrelang als Chefdirigent an der Opéra Comique tätig war und als Nachfolger Charles Munch auch Chef des Orchestre de la Société du Conservatoire de Paris. In dieser Zeit, Beginn der fünfziger Jahre, beginnt dann auch seine internationale Tätigkeit, die ihn später u.a. auch nach Bayreuth führte, wo er einer zusammen mit Wieland Wagner insgesamt 4 Opern realisierte.

      Cluytens war v.a. ein Dirigent des französischen und deutschen, aber auch des russischen Repertoires. Die große Erato-Box 'The Complete Orchestral & Concerto Recordings', zeigt dies eindrücklich. Neben herausragenden Interpretationen u.a. von Werken von Ravel, Fauré, Franck, Berlioz findet sich darin auch der legendäre 1. Stereo-Zyklus der 9 Beethoven Sinfonien.

      Neben dem Konzertdirigent Cluytens gab es natürlich auch immer auch den Operndirigenten. Da fallen mit natürlich sofort die 4 Wagneropern ein, von denen mindestens Tannhäuser, Lohengrin und Meistersinger in Mittschnitten vorliegen. Aber das Schwergewicht liegt doch bei den Werken aus Frankreich. Carmen, Hoffmann, Faust, Mireille, Perlenfischer sind Musterbeispiele seines Dirigierstils. Ganz aus der französischen Tradition kommend bevorzugte er dabei immer einen leichten, hellen, durchsichtigen Klang, durchaus voller Charme und Esprit, Sinnlichkeit und Emotionalität.

      Nun bin ich gespannt, wie ihr Cluytens seht und welche Aufnahmen ihr empfehlen würdet.

      :wink: Wolfram
    • Ravel: Klavierkonzert für die linke Hand (und das andere, welches bei mir ein wenig an Interesse verloren hat ...)

      youtube.com/watch?v=6Sxpi0zybzA

      Cluytens und das Pariser Orchester müssen sich in dieser frühen Stereoproduktion von 1959 zwar den Ruhm teilen mit dem grandiosen Pianisten Samson Francois, aber ... man höre!



      Die CD habe ich bestellt - ich war einigermaßen erstaunt, sie offensichtlich nicht im Schrank zu finden. Gehört habe ich sie nicht nur einmal im Rundfunk und soeben auf yt. Von Ravels bedeutenderem der beiden Klavierkonzerte kann ich seit Langem gar nicht genug bekommen. Keine Ahnung, wie oft ich es schon gehört habe in Livekonzertübertragungen oder -aufzeichnungen, auf Video oder eben in Studioproduktionen, auch wenn ich nicht gar so viele Einspielungen in Konservenform besitze. Was mir noch fehlt, ist ein Live-Erlebnis im Konzertsaal.

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Mein erstes Erlebnis

      mit Cluytens war wohl diese CD (Ich habe die "Music and Arts" Ausgabe)
      und seitdem geht nix aber auch fast garnix über die Einspielung von KK24 Mozarts.
      Im Vergleich mit der berühmten Studioaufnahme unter Markevitch läßt Cluytens das Orchester, so finde ich freier, luftiger und eleganter spielen. Markevitch ist rhytmisch enger und dank der durch Cluytens ermöglichten Freiheitsgrade blüht das Spiel von Frau Haskil besonders.
      Das 4. von Beethoven ist auch nicht von Pappe, aber dieses Mozartkonzert....

      Sein Wagner in Bayreuth soll ebenfall sensationall gewesen sein. Windgassen soll sich sogar zu der Bemerkung verstiegen haben. Mit Cluytens würde er den Siegfried auch ohne Proben singen können.
      rp-online.de/kultur/wie-andre-…euth-rettete_aid-19446045

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Cluytens und die Berliner.



      Gut 60 Jahre alt für mich immer noch einer der besten Zyklen, die ich kenne. Cluytens lässt leuchten und strahlen, ist zügig und schlüssig, leicht, aber kein Leichtgewicht, charmant, aber nicht oberflächlich und ist immer auch zur großen Geste fähig. Und dabei trifft er auf ein Orchester, dass mit einem weichen, runden, warmen Ton auf ihn eingeht. Großartig! Zudem verfügte Cluytens auch noch über ein exzellentes Sängerquartett, was ja auch nicht unwesentlich ist.

      :wink: Wolfram
    • Cluytens gehörte ja noch diesen seeligen Aufnahmezeiten an, in denen Künstler ihre Produktionen teilweise nochmal in Stereo wiederholen konnten.

      Von 1959 in fast identischer Besetzung:




      Von 1965 allerdings völlig neu besetzt:



      Was den 'Hoffmann' angeht, würde ich, obwohl ja Schwarzkopfrianer, immer zu der ersten Version greifen, da die meisten Sänger doch vertrauter mit dem französischen Gesangsstil sind.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      in Stereo wiederholen
      Das bedeutet aber nicht zwangsläufig besser .- Die alte Hoffmann - Aufnahme hat für mich noch den zusätzlichen Charme . daß (fast) alle Rollen von verschiedenen Künstlern gesungen werden . Dieser "Reichtum" an Stimmen gefällt mir , egal ob es vielleicht (?) von Offenbach anders gedacht war , oder "traditionell" so gemacht wurde . Das die gesamte Besetzung aus Frankreich stammt , mag weniger Bedeutung haben . -
      Und bei Gounod hatte ich lange Zeit beide Aufnahmen . Bis ich beim Hören den Eindruck gewann , die 53er würde "natürlicher" klingen , oder weniger bemüht beim Musizieren . Ich weiß nicht , wie ich es sonst beschreiben soll . Es hat nichts mit der Frische der Stimmen o.ä. zu tun , aber unbeschwert trifft es auch nicht so richtig . Egal , es führte dazu , daß ich der Stereo-Aufnahme das Valet gab . ( Und statt Blanc höre ich lieber Borthaye , aber das ist geschmäcklerisch ).
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Noch gar nicht erwähnt wurde hier die für mich beste Opernaufnahme Cluytens aus dem französischen Repertoire:



      Neben all denen durch die italienische Art des Singens geprägten Aufnahmen ist dies (neben der Beecham-Version) die beste Carmen, weil sie endlich einmal die Oper geradezu schlackenlos zeigt. Das schwingt und flirrt, hat Leichtigkeit und Esprit, Erotik und Sinnlichkeit und ist dabei trotzdem immer Drama. Solange Michel ist eine herausragende Carmen, die ihre beiden Arien wirklich so singt, wie sie auch bezeichnet sind, eben als Chanson. Ein Muss in jeder Carmen-Sammlung!

      :wink: Wolfram