STANDARDS - George Gershwin: Summertime

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    • STANDARDS - George Gershwin: Summertime

      Irgendwie doch toll, wie eine Opernarie in das allgemeine Bewusstsein der Popkultur eindringen kann. Dann kann Oper ja nicht ganz tot sein. ;)

      'Summertime', eigentlich ein Wiegenlied, war das erste Lied, die erste Arie, die Gershwin 1934 für seine Oper 'Porgy and Bess' komponierte (Text von DuBose Heyward). Es kommt in allen drei Akten der Oper vor, erklingt dabei insgesamt viermal.

      Das Erstaunliche ist, dass sich schon ein Jahr nach der Uraufführung, eben 1936, Billie Holiday dieser Arie annahm und sie als Jazz-Sängerin interpretierte. Von da an lief dieses Stück sozusagen zweigleisig. Wann immer die Oper als Oper aufgeführt wurde (und oft auch im Konzert), wurde 'Summertime' natürlich von ausgebildeten Opernsängerinnen gesungen (z.B. Leontyne Price). Gleichzeitig aber wurde es zum wohl am häufigsten gecoverten Popsong aller Zeiten. Gerade im Jazz kam wohl kaum jemand an diesem Wiegenlied vorbei. Ok, Übertreibung, aber die Liste der Interpretinnen und auch Interpreten ist geradezu Legion (Holiday, Vaughan, Fitzgerald, Davis, Armstrong, Chet Baker, Oscar Peterson, Duke Ellington, Wynton Marsalis und...und....und...). Und dann natürlich Sinatra oder Shirley Bassey und all die Popgrößen, angefangen von Janis Joplin.

      Nun meine Fragen.

      Wie erklärt ihr euch den Siegeszug gerade dieser Arie (und es bleibt im Ursprung eine Opernarie)? Dafür gibt es sicherlich musikalische Gründe, die in der Komposition liegen, aber es muss wohl auch an andere geben, die darüber hinaus gehen.
      Und welche Versionen sind eure liebsten?

      :wink: Wolfram

      PS: Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Thread in der Opernabteilung richtig angesiedelt ist, wird es möglicherweise im Verlauf um eine ganze Reihe von Versionen gehen, die nicht der klassischen Musik zuzurechnen sind. Wenn also falsch hier bitte ich die Moderation, den Thread entsprechen zu verschieben.
    • Ich bin nun ein großer Opernfan, aber gerade bei dieser Arie bevorzuge ich Versionen aus anderen musikalischen Bereichen.

      Fangen wir einmal mit dieser hier an:



      Nicht die einzige Version, die von Janis Joplin vorliegt. Hier nun ihr Auftritt in Woodstock, den sie nicht gerade 'nüchtern' hinter sich brachte. Was ich aber immer faszinierend bei ihr und 'Summertime' fand war nicht nur die vokale Seite, ihre totale Identifikation mit dem 'Song, sondern auch mit welch einer Selbstverständlichkeit und Könnerschaft sie und ihre Band diese 'Arie' in den Bluesrock transformierten.

      :wink: Wolfram
    • Eine wunderbare Mischung zwischen großer Operngeste und Jazz gelang Sarah Vaughan mit diesem Konzert:



      Bild funktioniert leider nicht.

      Sarah Vaughan live mit Michael Tilson Thomas und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra.

      (Wobei ich die Version von ihr (sie hat 'Summertime' wohl unzählige Male interpretiert) aus einem Konzert aus Paris, in dem sie es a capella sang insgesamt vorziehen würde.) (Leider finde ich auch dafür kein Bild.)

      Aber, wie gesagt, hier gelingt ihr wirklich eine grandiose Melange von Oper und Jazz.

      :wink: Wolfram
    • Wenn ich mich für eine Opernversion entscheiden müsste, würde ich wohl (obwohl ich Cynthia Haymon damals live erlebt habe und eigentlich ziemlich begeistert von ihr war) Leontyne Price wählen.



      Natürlich ist das reiner Operngesang, aber das Timbre und die vokale Geste sind es dann, die die Price für mich noch am ehesten die Brücke zum Populären schlagen lassen. Und genau diese Mischung von Oper und Musical ist es, die ich so faszinierend am gesamten Werk finde.

      :wink: Wolfram
    • Das Verstörende an diesem Song / dieser Arie ist für mich der (scheinbare?) Widerspruch zwischen Text und Realität:
      Oh, your daddy's rich and your ma is good-lookin' - und das inmitten der Slums!
      And you'll spread your wings and you'll take to the sky - Wahre Hoffnung oder Verdrängung der Wirklichkeit?
      :wink:
    • Wolfram schrieb:

      Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Thread in der Opernabteilung richtig angesiedelt ist, wird es möglicherweise im Verlauf um eine ganze Reihe von Versionen gehen, die nicht der klassischen Musik zuzurechnen sind.
      Im Jazzbereich unseres Forums gibt es eine ganze Reihe von Threads über Standards. Da würde dieser Thread doch ganz gut hinpassen, oder?
      Geschichte und Entwicklungen des Jazz
      Da die Threadtitel in dieser Reihe standardisiert sind (blöder Kalauer, ich weiß), würde sich vielleicht eine Änderung des Threadtitels in "STANDARDS - George Gershwin: Summertime" anbieten?

      Nur ein Vorschlag. Falls er nicht auf Gegenliebe stößt, gern in die Tonne damit.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • Prince hat "Summertime" mal zum "Warmlaufen" bei einem Soundcheck auf seiner Nude Tour 1990 gespielt. Das ist eventuell noch auf youtube zu finden.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Wolfram schrieb:

      Wie erklärt ihr euch den Siegeszug gerade dieser Arie (und es bleibt im Ursprung eine Opernarie)?
      Na, vielleicht, WEIL sie von Billie Holiday ausserhalb des Opernbetriebes als Jazz-Song gecovert wurde..?
      Stell Dir vor, Helene Fischer sänge Casta Diva... vielleicht wird das dann auch ein Pop-Renner... :D
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • Wolfram schrieb:

      'Summertime', eigentlich ein Wiegenlied, war das erste Lied, die erste Arie, die Gershwin 1934 für seine Oper 'Porgy and Bess' komponierte (Text von DuBose Heyward). Es kommt in allen drei Akten der Oper vor, erklingt dabei insgesamt viermal.

      Das Erstaunliche ist, dass sich schon ein Jahr nach der Uraufführung, eben 1936, Billie Holiday dieser Arie annahm und sie als Jazz-Sängerin interpretierte. Von da an lief dieses Stück sozusagen zweigleisig.
      Ich antworte mal als einer der Jazzmusiker, die dieses Stück auch immer mal wieder spielen, übrigens wohl nicht so schlecht, denn es kommen immer mal wieder Menschen dann zu mir und meinen, es wäre eine sehr schöne Fassung gewesen. Bitte nicht als Eigenlob betrachten, es soll einfach darauf hinweisen, dass mir das Stück offenbar liegt, was eventuell mit meiner Auffassung darüber liegen könnte.

      Dass ausgerechnet Billie Holiday den Song aufgenommen hat, liegt einfach daran, dass sie hier in ihrem völligen Element und auch Bereich ist. Sie, die aus den Slums kam, konnte sich in diese Szene so genau hinein versetzen, dass sie mit dem Song auch so umgehen konnte, dass er noch immer ein Wiegenlied war. Denn genau DAS ist leider bei vielen Aufnahmen und auch Live-Aufführungen diverser Musiker immer wieder eben NICHT mehr zu hören.

      youtube.com/watch?v=ysow1wXWyvE

      Hier mal die Holiday-Einspielung. Sie bleibt ganz eng an der Melodie, mit Artie Shaw spielte einer der besten Melodiker die Klarinette, auch er bleibt beim Thema. Es wird mir HIER bereits zu hart gespielt, aber eben nicht total verjazzt.

      Ein paar Worte zu Sarah Vaughn: Sie hatte eine so exzellente Stimme, die es mit jeder Opernsängerin hätte aufnehmen können. Sie war hier sogar noch Ella Fitzgerald überlegen, damals war das fast schon eine Sensation.

      youtube.com/watch?v=I-J8qg0J5XI

      Hier Sarah Vaughns erste Einspielung. Auch sie bleibt beim Thema, lässt es das sein, was das Stück auch ist: Ein Wiegenlied eben.

      Ich stelle mal eine Fassung dagegen, die zwar sehr spektakulär ist, aber mir einfach niemals gefallen wird.

      youtube.com/watch?v=Y-JH0Qe3VAo

      Es ist die Band von Duke Ellington mit William "Cat" Anderson an der Trompete als Solisten. Dabei dürfte jedes Baby wieder wach geworden sein. Das ist einfach "to much".

      Nun zu einer der vermutlich schönsten Einspielungen des Stückes überhaupt: Louis Armstrong mit Ella Fitzgerald , so weit ich es weiß, 1957 eingespielt:

      youtube.com/watch?v=lnXLVTi_m_M

      Auch hier wieder das klare Bekenntnis zur puren Melodie, egal ob bei Louis Armstrong oder bei Ella Fitzgerald.

      Der große Sopransaxophonist hat das Stück in seiner Karriere mehrere Male eingespielt. 1939 das erste Mal. Hier recht jazzmäßig, aber nicht übertrieben. Sein legendäres Vibrato kommt hier besonders schön zur Geltung.

      youtube.com/watch?v=Po8J4NBdiSc

      Dagegen ist diese Live-Fassung des alten Bechet, nun aus Paris, eine völlig andere Geschichte. Ja, man hört noch viel aus der alten Aufnahme heraus, aber hier erklingt der Großvater, der sein Enkelkind das Lied singt. Nicht mehr so ausgeschmückt, dafür aber mit noch mehr "Schmelz" oder "Wehmut", der sein Leben gelebt hat, und hier weiß, dass er nun ein weiser, alter Mann geworden ist. Auch ist die Begleitung der Band sehr "dramatisch" angelegt.

      Charlie Parker, der große Mann des Bebop, spielte das Stück 1949 im Rahmen seiner "Bird with Strings"-Aufnahmesitzung ebenfalls ein. Mit vielen Streichern, die er so liebte, seine Fans aber verstörte. Auch er spielt das Stück für seine Verhältnisse sehr "klassisch", also nahe beim Thema.

      youtube.com/watch?v=7gwl29diADw

      Ein großer Meister dieses Stückes war auch Miles Davis. Er nahm das Stück im Rahmen seiner Einspielung von "Porgy and Bess" natürlich auch auf. Gil Evans hat die Stücke arrangiert und war auch für die Band zuständig.

      youtube.com/watch?v=jgmEY41baKM

      Auch Miles spielt zunächst die Melodie, um sich dann von ihr zu lösen, aber er blieb dabei sehr geschmackvoll, nicht so übertrieben wie Cat Anderson bei Ellington.

      Mein Fazit bei diesem Stück ist, dass es die Mischung aus Melodie und der relativ einfachen Harmonik ist, die das Stück so interessant gemacht hat. Ich selbst bleibe auch sehr nahe an der Melodie, gerade beim ersten Mal. Lange Soli darüber finde ich bei diesem Stück unpassend und gar "störend", denn man sollte immer im Hinterkopf haben, dass der Charakter des Wiegenliedes noch erfüllt wird. Es gibt bessere Jazzstücke um sich improvisatorisch auszutoben, das muss man nicht bei Summertime machen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Danke erstmal für deine ausführliche Rückmeldung und den vielen Beispielen, von denen ich Sidney Bechet besonders eindrucksvoll fand.

      Maurice schrieb:

      man sollte immer im Hinterkopf haben, dass der Charakter des Wiegenliedes noch erfüllt wird.
      Da bin ich mir gar nicht einmal sicher. Das Stück hat natürlich sehr verselbständigt und ich finde das eigentlich auch ganz gut und was die Interpretationsvielfalt angeht, auch sehr spannend. Logisch fällt der Wiegenliedcharakter dann vielfach weg, aber die wenigstens Hörer, denke ich, bringen dieses Stück sowieso noch mit der Oper und seinem Charakter dort in Zusammenhang.

      Übrigens eine Version, die ich sehr liebe ist die von Clifford Brown, der noch relativ schlicht beginnt, aber dann doch das 'Wiegenlied' im Mittelteil sehr schnell verlässt.

      youtube.com/watch?v=mdNjDl8EJco

      Aber letztlich ist das etwas, was jeder für sich selber entscheiden muss. Da gibt es sicherlich keine objektive Sicht.

      :wink: Wolfram
    • Maurice schrieb:

      Mein Fazit bei diesem Stück ist, dass es die Mischung aus Melodie und der relativ einfachen Harmonik ist, die das Stück so interessant gemacht hat.
      wobei "einfach" bei der Harmonik schon relativ ist: während die Melodie sich komplett auf die Bluestonleiter beschränkt, wechseln unter den langen Anfangstönen in wiegender Bewegung subdominantische und dominantische Farben - für einen Blues (den die Melodie suggeriert) ist das schon ein bißchen raffiniert. Klar, keine spätromantischen Modulationen, eine einfache Liedform, aber (gerade mit der originalen Begleitung) sehr apart.

      Wolfram schrieb:

      Das Stück hat natürlich sehr verselbständigt und ich finde das eigentlich auch ganz gut und was die Interpretationsvielfalt angeht, auch sehr spannend. Logisch fällt der Wiegenliedcharakter dann vielfach weg, aber die wenigstens Hörer, denke ich, bringen dieses Stück sowieso noch mit der Oper und seinem Charakter dort in Zusammenhang.
      das denke ich auch. die meisten Hörer assoziieren einfach "Sommer", irgendwie so chillige Siesta-Stimmung bei Temperaturen, die das "draussen abhängen" möglich machen...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Wolfram schrieb:

      Logisch fällt der Wiegenliedcharakter dann vielfach weg, aber die wenigstens Hörer, denke ich, bringen dieses Stück sowieso noch mit der Oper und seinem Charakter dort in Zusammenhang.

      Wolfram schrieb:

      Aber letztlich ist das etwas, was jeder für sich selber entscheiden muss. Da gibt es sicherlich keine objektive Sicht.
      Nun, das heutige Jazz-Publikum, was man so noch vorfindet bei den Auftritten, hat in der Tat keinerlei Verbindungen mehr zum Ursprung des Stückes, das ist leider richtig. Auch einigen Kollegen fehlt das Wissen darüber sogar, was ich weitaus erschreckender finde.

      Ach, zumindest viele Kollegen sehen das ein wenig anders. Man sollte doch schon dem Stück den passenden Charakter geben. Entsprechend respektvoll sollte man dann auch mit der Musik umgehen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • philmus schrieb:

      wobei "einfach" bei der Harmonik schon relativ ist: während die Melodie sich komplett auf die Bluestonleiter beschränkt, wechseln unter den langen Anfangstönen in wiegender Bewegung subdominantische und dominantische Farben - für einen Blues (den die Melodie suggeriert) ist das schon ein bißchen raffiniert. Klar, keine spätromantischen Modulationen, eine einfache Liedform, aber (gerade mit der originalen Begleitung) sehr apart.
      Du hast es hier auch nicht mit einem Jazzkomponisten zu tun, sondern mit einem "Klassiker". Das wirst Du immer merken in der Behandlung der Harmonien. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber wir haben gerade mal 1935, also noch in der Frühphase des Swing. Da begannen erst die Arrangeure so richtig sich zu entfalten. Klar, es gab bereits Ellington, Don Redman, Benny Carter, Fletcher Henderson, aber die große Bigband-Ära, und damit der Zeit der Arrangeure, war noch relativ überschaubar.

      Ich sehe übrigens in der Melodie keine Blues-Melodie, die Haut-Akkorde sind am7, dm7, h7b5. Das gibt mir zumindest das Real Book so vor. Abweichungen sind da eh immer möglich im Jazz. (ich habe noch eine stark vereinfachte Fassung, die man eigentlich keinem anbieten kann, aber als Orientierung auch mal reicht)
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Ich sehe übrigens in der Melodie keine Blues-Melodie, die Haut-Akkorde sind am7, dm7, h7b5. Das gibt mir zumindest das Real Book so vor.

      Ich kann mich freilich irren, aber ich meine, bei Gershwin gäbe es anfangs zwei Moll-Akkorde mit hinzugefügter großer Sext im Wechsel; dann geht es in die Subdominante und dann mit einem chromatischen Basslauf in einen Doppeldominantvertreter (=Akkord auf dem Tritonus der Doppeldominante).

      Funktionstheoretiker: bitte nicht schlagen - mir ist in erster Näherung klar, dass ein G7 natürlich überhaupt nichts anders ist als ein C#7, bloß mit weggelassenem Grundton, tiefalterierter Quinte und kleiner Non. Also so ähnlich, wie ein AUTO auch ein BOOT ist, man muss halt nur das A weglassen, ein B hinzufügen das O verdoppeln und an die zweite und dritte Stelle schieben usw. usw.

      Also etwa so:
      | : Hm6+ C#m6+ : | Hm6+ Em7 (-e-eis-f-fis-) G7 Fis7 G7 Fis7

      Das Real Book in allen Ehren ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ich kann mich freilich irren, aber ich meine, bei Gershwin gäbe es anfangs zwei Moll-Akkorde mit hinzugefügter großer Sext im Wechsel; dann geht es in die Subdominante und dann mit einem chromatischen Basslauf in einen Doppeldominantvertreter (=Akkord auf dem Tritonus der Doppeldominante).
      Du irrst Dich nicht, das ist so völlig richtig.


      Mauerblümchen schrieb:

      Das Real Book in allen Ehren ...
      Das Real Book war mein Anhaltspunkt, weil das die Basis oftmals geworden ist. Dort fehlen z.B. die Anfangsakkorde der Einleitung völlig. Ich sagte nicht, dass das RB mit dem Original übereinstimmen müsste. Das ist oftmals nicht der Fall. Und wenn man nun noch andere Notenbücher dieser Art mit dazu nimmt, wird man noch ein paar Varianten mehr dazu bekommen.

      Das hat mit Auto und Boot nichts zu tun. Es ist einfach eine Sache der Harmonisierung derer, die solche Bücher bearbeiten und veröffentlichen. In dieser Hinsicht ist der Jazz anders als es in der Klassik vorherrscht. Man bedient sich eben nicht der Partitur aus der Oper heraus.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Mauerblümchen schrieb:

      bei Gershwin gäbe es anfangs zwei Moll-Akkorde mit hinzugefügter großer Sext im Wechsel
      genau die meine ich, wenn ich da angedeutet eine (Dur)-Subdominante im Wechsel mit der Dominante höre.
      (Die Grundtöne fehlen)

      Maurice schrieb:

      Ich sehe übrigens in der Melodie keine Blues-Melodie, die Haut-Akkorde sind am7, dm7, h7b5.
      was die Akkorde angeht, gebe ich Dir recht: die Moll-Subdominante (dm7) klingt nicht wirklich bluesig. Aber der Tonvorrat, den die Melodie benutzt ist schon fast reine Blues-Pentatonik - bis auf den ersten Halbschluß auf h - klassischer Einfluss/Rest?
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Maurice schrieb:

      In dieser Hinsicht ist der Jazz anders als es in der Klassik vorherrscht. Man bedient sich eben nicht der Partitur aus der Oper heraus.
      man kommt ja als Gitarrist nicht drum rum, das auch das eine oder andere Mal begleiten zu dürfen. und da habe ich gerade damit, in den ersten Takten (wo in Deinem RB nur am7 steht) die Gershwinsche Pendelbewegung mit reinzunehmen - gerne auch einfach als Wechsel D7-E7 - ganz gute Erfahrungen gemacht. Daß das in der Oper in Wiegenlied ist, würde mich darin eher noch bestärken.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      man kommt ja als Gitarrist nicht drum rum, das auch das eine oder andere Mal begleiten zu dürfen. und da habe ich gerade damit, in den ersten Takten (wo in Deinem RB nur am7 steht) die Gershwinsche Pendelbewegung mit reinzunehmen - gerne auch einfach als Wechsel D7-E7 - ganz gute Erfahrungen gemacht.
      Das glaube ich Dir sofort. Ich konnte nur dieses Beispiel geben, dass auch andere Lösungen sinnvoll sein können, schließt sich ja nicht aus. So lange sich die ganze Rhythmusgruppe einig ist, passt es doch wieder. Ich dürfte das Stück dieses Jahr so um die 5-8 mal gespielt haben, so genau weiß ich es nicht mehr.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • music lover schrieb:

      Wolfram schrieb:

      Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Thread in der Opernabteilung richtig angesiedelt ist, wird es möglicherweise im Verlauf um eine ganze Reihe von Versionen gehen, die nicht der klassischen Musik zuzurechnen sind.
      Im Jazzbereich unseres Forums gibt es eine ganze Reihe von Threads über Standards. Da würde dieser Thread doch ganz gut hinpassen, oder?
      Geschichte und Entwicklungen des Jazz
      Da die Threadtitel in dieser Reihe standardisiert sind (blöder Kalauer, ich weiß), würde sich vielleicht eine Änderung des Threadtitels in "STANDARDS - George Gershwin: Summertime" anbieten?
      Ich erneuere meine Bedenken, ob dieser Thread wirklich im Bereich "Oper" unseres Forums gut aufgehoben ist. Die Diskussion geht eindeutig in Richtung Jazz, wo dieser Thread m.E. auch hingehört. In der von Rideamus gegründeten "STANDARDS"-Threadreihe wäre er ideal aufgehoben. Im Falle einer Verschiebung sollte er umbenannt werden in "STANDARDS - George Gershwin: Summertime", um die Einheitlichkeit mit den dortigen Threads herzustellen.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • 1976 führte die Houston Grand Opera Porgy and Bess zum ersten Mal in Gershwins vollständiger ungekürzten Fassung auf. Die Tonaufnahme der Premiere wurde von RCA Records verlegt. Clamma Dale sang die Bess. Hier die Introduktion und der erste Auftritt von "Summertime":

      youtube.com/watch?v=kpBhCIJyudY

      "Summertime" beginnt bei 0:55, aber die Introduktion ist sowieso mein Lieblingsmoment der Oper. Hat was von Bartók, finde ich :)