Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 6 h-moll op. 74 „Pathétique“

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    • philmus schrieb:

      finde es immer dramaturgisch ungeschickt, wenn eine Melodie beim ersten Mal am schönsten klingt und danach abfällt
      ... hmmm, kommt halt auf die gewünschte Dramaturgie an.

      Ich meine, es wäre in einer Klaviersonate von Prokofieff. Da gibt es ein Stalin-Thema, das initial stolz klingt und am Ende an sich selbst zugrunde geht.

      Auch Volksliedvariationen über "Kein schöner Land" könnte ich mir gar schaurig endend vorstellen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Durchführung

      T. 161 (9:27/9:59/13:08) 1. Abschnitt. Es geht stürmisch los in c-Moll.
      Danke für die Arbeit, die Du Dir für die Analyse gemacht hast!

      Der Beginn der Durchführung ist doch auch ein echter Knaller. Mir fällt keine Entsprechung in einer Symphonie davor ein. Vom pianopianississimo (oder so) ins fortissimo. Dynamisch und vom Charakter ein irrer Kontrast.
    • Braccio schrieb:

      Der Beginn der Durchführung ist doch auch ein echter Knaller. Mir fällt keine Entsprechung in einer Symphonie davor ein. Vom pianopianississimo (oder so) ins fortissimo. Dynamisch und vom Charakter ein irrer Kontrast.
      Darum vor jedem Hören zunächst den Hausarzt konsultieren. ^^
      Ich bin mal vor vielen Jahren spät abends beim Hören des ersten Satzes mit Kopfhörer sanft eingeschlummert...
      Der Cm Akkord im ff hat dann einen Adrenalinschub erzeugt, gegen den die Alien-Katze Jonesy ein Dreck ist.
      Der Herzschlag folgte unmittelbar der Partituranweisung (Viertel = 144).
      Der Vorfall hat sich richtig im Hirn eingebrannt.

      Trotzdem höre ich die Sechste immer wieder gerne, aber nur im Wach-Modus.

      :wink:
    • Mauerblümchen schrieb:

      2. Themengruppe – 1. Gedanke
      T. 89 (4:30/4:47/5:34) Die Violinen und – eine Oktave tiefer – die Celli tragen den ersten Gedanken der zweiten Gruppe vor, die Tonart ist D-Dur, die Parallele der Haupttonart h-Moll. [...] Aber schön isses doch – man höre auf die Hörner im Hintergrund, das „Pedal des Orchesters“. Und klingen Violinen und Celli in Oktaven nicht hinreißend …? Man kann ja nicht immer trockene Fugenkünste hören …
      … und man höre hin: Kaum ist die erste Phrase zweimal erklungen, das zweite Mal minimal variiert, da ist schon wieder der erste Baustein dran, die fallende Sekund, als Vorhalt eingesetzt: Daaa da da daaa daaa, daaa da da daaa daaa, … Ton vier und fünf bzw. neun und zehn. Das ist aber sowas von krass sinfonisch, Alder …

      Hier könnte man ja nachdenken, warum es schön ist und was die Variation der ersten Phase bezweckt bzw. erreicht.
      Schließlich ist die Schönheit der Melodie und ihr emotionaler Impact eine der Hauptsachen bei Tschaikowski.
      Der Sinn der Variation erschließt sich ja wohl erst durch die Harmonisierung, indem die Spannung des Verminderten in der zweiten Version abgemildert wird insofern als die Auflösungsrichtung in der zweiten Version zwingender ist und so eine rundere Kadenzwirkung den doppelten Durchlauf zu einem Prozess der Entspannung zusammenschließt.
      Und jetzt könnte man noch etwas über das h in der Melodie meditieren, das ja so schön die D-Dur-Statik relativiert, in der ersten Version kommt es genau auf den Punkt, wo das D-Dur eigentlich etabliert wird, es somit etwas in Frage stellend, in der zweiten auf den "richtigen" Platz der Nicht-Tonika.
      Das arbeitet also alles horizontal und vertikal schön zusammen.
      Bleibt noch die melodische Schönheit, die wohl von diesem merkwürdigen Wechsel der h-Position und -Funktion profitiert, demgegenüber steht nur der D-Dur-Akkord und der Abstieg zur Tonika, also das, zu dem sich das h so ambivalent verhält.
      Gestisch ist es wohl so etwas wie eine emotional geführte Stimme, die etwas erzählt mit Richtung auf eine betonte seufzersartige Wendung, die sich dann auflöst, die Wiederholung kommt einer Beteuerung gleich.
      Ich finde eigentlich immer das besonders "Einfache" am interessantesten zu analysieren - vielleicht, weil ich für das Komplexe zu faul bin.
      ;)
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)