Theater: Der Kenner geht nicht zur Premiere, ...

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    • Theater: Der Kenner geht nicht zur Premiere, ...

      ... er geht zur Derniere. Warum? Bei der Derniere spielen sich die Mitglieder einer Schauspieltruppe gegenseitig Streiche.

      Ich habe mal in einer Inszenierung von "Heiraten ist immer ein Risiko" die Rolle des Inspektor Campbell übernommen. Für diejenigen die das Stück nicht kennen: Polizeiinspektor Campbell steht kurz vor der Pensionierung. Er würde vorher noch gern zwei Fälle von sechsfachem Gattenmord abschließen. Die Täter sind Oberst Brocklesby und Mrs. Barbent. Er kann ihnen aber leider nichts nachweisen. Also verkuppelt er sie miteinander und hofft, dass sie sich gegenseitig umbringen.


      Ich war der Ansicht gewesen, dass der Inspektor in der Cocktailpartyszene nichts als Unsinn redet (Textbeipiel: "Kinder sind so intelligent") und meinte zur Regisseurin. dass dies für mich nur Sinn ergibt wenn der Inspektor, dem es keineswegs entgeht dass die beiden Übeltäter bereits in Angst voreinander leben, sich aus Freude darüber betrinkt. Die Regisseurin mochte die Idee, und so musste ich mir auf der Bühne einen Whisky nach dem anderen hinunterkippen. Natürlich war es immer Apfelsaft ... bis zur Derniere.

      Glücklicherweise hatten wir für die Dernierenfeier ein Büffet hinter der Bühne aufgebaut, und als die Szene zu Ende war und damit auch Aktpause meinte ich zum Rest der Truppe: "Tut mir Leid, aber ich muss jetzt schon ein paar Brötchen gegen den Whisky futtern".

      Ich bin auf viele Dernieren gegangen, und es war jedesmal sehr lustig. Häufig mussten die Schauspieler selbst über die ihnen gespielten Streiche lachen.
    • Eines Tages ging der Meister mit einigen seiner Schüler am Flussufer spazieren. Er sprach: „Seht, wie die Fische im Wasser umher schnellen. Sie sind ganz in ihrem Element und genießen das wahrlich.“ Ein Fremder, der die Aussage des Meisters mit angehört hatte, rief aus: „Meister - woher wisst Ihr das denn? Ihr seid doch gar kein Fisch!“ Die Schüler hielten den Atem an. Was für ein unverschämter Mann dieser Fremde war! Doch der Meister lächelte milde und sprach: „Und Du, woher weißt Du, dass ich kein Fisch bin - schließlich bist Du ja auch nicht ich!“ Den Schülern erschien die Antwort des Meisters wie eine Zurechtweisung und sie lachten. Aber der Fremde war tief betroffen, denn er erkannte den Sinn in den Worten des Meisters. Er grübelte lange über den Satz und kam dann erneut zum Meister: „Ja, vielleicht unterscheidet Ihr Euch tatsächlich gar nicht so sehr von dem Fisch - und ich mich nicht von Euch.“ ;)
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      Francesco schrieb:

      Eines Tages ging der Meister mit einigen seiner Schüler am Flussufer spazieren. Er sprach: „Seht, wie die Fische im Wasser umher schnellen. Sie sind ganz in ihrem Element und genießen das wahrlich.“ Ein Fremder, der die Aussage des Meisters mit angehört hatte, rief aus: „Meister - woher wisst Ihr das denn? Ihr seid doch gar kein Fisch!“ Die Schüler hielten den Atem an. Was für ein unverschämter Mann dieser Fremde war! Doch der Meister lächelte milde und sprach: „Und Du, woher weißt Du, dass ich kein Fisch bin - schließlich bist Du ja auch nicht ich!“ Den Schülern erschien die Antwort des Meisters wie eine Zurechtweisung und sie lachten. Aber der Fremde war tief betroffen, denn er erkannte den Sinn in den Worten des Meisters.
      Ein aufmerksamer Wanderer, der in der Nähe rastete und den Wortwechsel mitangehört hatte, wandte sich nun an den Meister mit den Worten: "Du hast die Frage des Fremden noch nicht beantwortet. Nun sage doch mir, woher du weisst, daß die Fische im Wasser umherschnellen, weil sie das genießen. Woher weisst du, daß sie das nicht tun, um ihre Nahrung zu erhaschen, oder ihre Unruhe daher rührt, weil der Hecht im Schilf lauert oder sie sich vor unseren Schatten fürchten, die das Licht der Sonne auf das Wasser wirft oder aus anderen Gründen?" Der Meister wußte darauf keine Antwort zu geben und biss sich auf die Lippen. Der Wanderer schloß seine Rede mit den Worten: " Du hast diesen in einer Nebensache der Unwissenheit bezichtigt, wo du doch selbst in der Haupsache unwissend bist, damit niemand deine eigene Unwissenheit bemerke." Der Meister errötete und blickte beschämt zu Boden. Zu den Schülern gewandt sagte jener aber: "Lacht nicht über Worte, deren Sinn ihr nicht versteht". Daraufhin setzte er seine Reise fort. Und die Schüler folgten ihm und er weihte sie ein in die Lehren des Buches Eri-Sti-Sche Dia-Lek-Tik des großen Weisen Scho-Pen-Hau-er, damit sie sich in Zukunft hüten konnten vor den Worten falscher Meister.
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude