Sightseeing in der Heimat abseits der Tourismusmagneten

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    • Sightseeing in der Heimat abseits der Tourismusmagneten

      Wo man daheim ist, ist man schneller dort - ein Grund mehr, sich dort, also hier, mehr Kunstdenkmäler anzusehen, als der Tourist im Führer mit Sternchen versehen vorfindet.
      Ich mache das sehr gerne - freilich sind die Kapellen dann keine Sixtinischen, aber man kann schon viel Freude mit diversen gotischen und barocken Kirchlein haben. Dabei fällt auf, dass man einem eher ausgestorbenen Hobby frönt: Während die Top-Sights mit immer mehr Andrang zu kämpfen haben, sperren auf dem Land die Kirchen zu und selbst die Eingeborenen kennen maximal das Gotteshaus des übernächsten Dorfes. Zudem datieren die geeigneten schriftlichen Unterlagen aus den 1960er-Jahren, seither kein Wiederauflagebedarf offenbar.

      Bin ich der Einzige, der "zu Hause" Sehenswürdigkeiten niederen Ranges mit Begeisterung abgrast? Welche Erfahrungen habt Ihr? Was lohnt?
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    • Im "Dehio" sind auch die kleinen Kirchen erfaßt und der größte Teil Österreichs ist diesbezüglich seit den 1960ern neu bearbeitet worden.

      Über die Sakralarchitektur des österreichischen Historismus (2.Hälfte 18. bis frühes 20.Jahrhundert) sind bei mir mehrere Arbeiten geschrieben worden. Auf Wunsch liefere ich gern nähere Angaben.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Stimmt, der Dehio! Da habe ich immerhin die drei Wien-Bände. Das ist natürlich extrem ausführlich, was den Umgang wieder schwieriger macht als bei den Reclam-Kunstführern der 60er z.B.
      Und in Ungarn hatte ich Probleme, in Kirchen zu kommen, da die Leute nur ungarisch reden und gar nicht verstehen, dass ich rein will, weil ich sie sehen will, keine Ahnung, was die dachten, dass ich dort wollte ...
      :D
      Ich freue mich sehr über Eure Antworten und würde mich gerade über Hinweise in Ungarn und über österreichischen Historismus auf dem Land sehr freuen - da meine Quellen vor allem österreichische Kunst aus Gotik und Barock in Fülle anbieten aber im 19. Jahrhundert sehr ungnädig werden. Lt. Reclams Kunstführer ist das Grazer Rathaus ja quasi der Schandfleck des Hauptplatzes - finde ich nun auch wieder nicht ...
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    • Das mit den abgesperrten Kirchen ist auch in der Slowakei so. Meine Frau meint, es hätte recht viel Fälle von Diebstahl und Vandalismus gegeben, weshalb auch die röm.kath. Kirchen nur für die Gottesdienste geöffnet würden. Eine völlig vandalisierte, ursprünglich sicher wunderschöne Kalvarie in der Slowakei (bei Schemnitz), welche mir bekannt ist, bestätigt dies.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • putto schrieb:

      Ich freue mich sehr über Eure Antworten und würde mich gerade über Hinweise in Ungarn und über österreichischen Historismus auf dem Land sehr freuen
      Schade, da bin ich raus, weil ich als Norddeutscher räumlich nun wirklich weit davon entfernt bin. Und doppelt schade, dass du dieses Thema so eng eingegrenzt hast.

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram,
      Auch für Deutschland gibt es eine Menge Dehio-Bände (= Handbuch der Kunstdenkmäler). Wir brauchen uns in diesem Thread sicher nicht auf den österreichisch-ungarischen Raum einzugrenzen.

      Lieber putto,
      Schau einmal in das Buch von Werner Kitlitschka "Historismus und Jugendstil in Wien und Niederösterreich". K. war Landeskonservator von Niederösterreich, leider ist er vor wenigen Wochen gestorben.
      Einige Reclam-Führer von damals waren zum Teil schon während des Erscheinens in ihren Urteilen veraltet. Heute gilt das Grazer Rathaus als ein Prunkstück seiner Zeit. Über seinen Erbauer Alexander Wielemans habe ich schon vor einem Menschenalter eine Dissertation approbiert. Über Graz gibt es übrigens einen eigenen Dehio-Band.

      Was Ungarn betrifft, so sind manche Reiseführer gar nicht so schlecht. Man muß sich allerdings Zeit nehmen, um die passenden zu finden (es kommen auch immer wieder neue heraus). Bilderbücher mit mehr oder weniger Text gab und gibt es auch eine Menge (z.B. über Katholische Kirchen, Protestantische Kirchen, Synagogen...). Auch die Architktenmonographien haben sich sehr vermehrt. Bedeutsam für da 19.Jahrhundert sind vor allem die Publikationen von József Sisa, zuletzt etwa "Motherland and Progress - Hungarian Architecture and Design 1800-1900", Basel 2016. Der Band liegt neben mir in dem zu rezensierenden Stapel...

      :wink: :wink: Waldi
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    • putto schrieb:

      Bin ich der Einzige, der "zu Hause" Sehenswürdigkeiten niederen Ranges mit Begeisterung abgrast? Welche Erfahrungen habt Ihr? Was lohnt?
      z.B. gechilltes Flanieren durch Stadtteile, möglichst im Herbst ..z.B. Alt-Charlottenburg oder Invalidenstraße in der Hertha-City, Linden-Nord in 96-Town oder Giudecca in Venedig und dabei sich Hinterhöfe reinziehn.. = Sehenswürdigkeiten ohne "offizielle" Sehenswürdigkeiten ....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Ich mache seit ein paar Jahren einmal im Jahr einen Tag "Städteurlaub" in der unmittelbaren Umgebung (d.h. max. 100 km entfernt), und zwar bewusst an einem Tag unter der Woche. Bisher besichtigt:
      Dortmund
      Essen
      Duisburg

      Den jeweiligen "Reiseführer" bastle ich mir selbst mit Daten aus dem Internet. Da gibt es interessante Sachen zu entdecken. Dortmund-Sybyrg, Essen-Kettwig, Duisburg-Marxloh...

      Dieses Jahr hatte ich Gelsenkirchen geplant, kam aber nicht dazu. Wird auf 2019 verschoben.

      Analog verfahre ich, wenn es mich aus musiktouristischen Gründen in irgend Provinznest verschlägt. In diesem Zusammenhang mit Genuss besichtigt:

      Oldenburg
      Chemnitz
      Hannover
      Kassel
      Aachen
      Brünn
      Winterthur
      Lille
      Nantes
      Limoges

      Kann ich nur empfehlen.


      Thomas