Christian Thielemann dürfte die Salzburger Osterfestspiele verlassen

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    • Christian Thielemann dürfte die Salzburger Osterfestspiele verlassen

      Nachdem dem der Aufsichtsrat Nikolaus Bachler zum Intendanten der Salzburger Festspiele berufen hat, prallen da zwei Alphetiere aufeinander:


      Christian Thielemann im Wortlaut

      Zitate aus Korrespondenzen Christian Thielemanns, die den Aufsichtsräten und Gesellschaftern in der Sitzung am 6. November vorlagen:

      "Mir ist nicht bekannt, dass gegen den Wunsch des Chefdirigenten ein Intendant bestellt wird. Wenn kein Vertrauen da ist, wird es keine Zusammenarbeit geben." E-Mail an Michael Berger-Sandhofer, 16. August 2018 "Nach meiner sicheren Einschätzung fehlt es an dem für eine solche Kooperation unabdingbaren persönlichen Vertrauensverhältnis. Im künstlerischen Bereich muss aber ein solches bedingungsloses Vertrauensverhältnis vorhanden sein und bildet die Basis der Zusammenarbeit. (...) Weder kann dies von Ihnen erwartet werden noch möchte ich in die Lage versetzt sein, Ihnen fachliche Weisungen erteilen zu müssen." Brief an Nikolaus Bachler, 17. August "Mit Herrn Bachler wird es nichts. Wenn die Politiker ihn wollen, muss ich gehen." SMS an Sarah Wedl-Wilson (Aufsichtsratsvorsitzende), 30. August "Ich hatte im Vorfeld in mehreren Schreiben und Gesprächen unmissverständlich deutlich gemacht, dass eine Zusammenarbeit mit Herrn Nikolaus Bachler bei den Osterfestspielen nicht in Betracht kommt. (...) Der Aufsichtsrat wurde in seiner Sitzung vom 12. September erkennbar nicht ausreichend von meiner (...) definitiven Ablehnung des Kandidaten Bachler unterrichtet." Brief an Sarah Wedl-Wilson, 24. September. "Ich habe NIE gesagt, ich könne mir eine Zusammenarbeit mit Herrn Bachler vorstellen." Brief an Sarah Wedl-Wilson, 8. Oktober.

      Quelle: sn.at/salzburg/kultur/christia…mann-im-wortlaut-60560356 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2018
    • thomathi schrieb:

      Nikolaus Bachler zum Intendanten der Salzburger Festspiele
      Wohlgemerkt: der Salzburger Osterfestspiele. Diese haben nichts mit den großen Salzburger Festspielen im Sommer (und deren kleinem Ableger an Pfingsten) zu tun - außer dass sie eben auch in Salzburg stattfinden. Die Osterfestspiele dauern nur 8-9 Tage und beschränken sich auf eine Opernproduktion (zwei Aufführungen) sowie eine Reihe von Konzerten. Sie sind bekanntlich eine Schöpfung Karajans und wurden lange überwiegend von den Berliner Philharmonikern bestritten. Seitdem diese ab 2013 zu Ostern nach Baden-Baden übergesiedelt sind, ist die Dresdner Staatskapelle das orchestra in residence.

      Träger ist heutzutage eine GmbH, an denen u.a. Land und Stadt Salzburg, die Karajan-Stiftung und ein Förderer-Club beteiligt sind. Früher kam man ganz ohne Subventionen aus, und auch heute muss ein Eigendeckungsgrad von etwa 88% erreicht werden. Das bedingt Preise, die bei der Opernproduktion in der teuersten Kategorie 490 Euro pro Ticket betragen. Entsprechend sieht das Publikum aus. Zudem können aus naheliegenden Gründen nur Opern aufgeführt werden, die dem engsten Mainstreamrepertoire entstammen. Ähnliches gilt für die Konzerte. Seit Abbados Zeiten leistet man sich zusätzlich ein modernes/zeitgenössisches Feigenblatt, z.Zt. in der Intendanz Ruzicka eine Kammeroper.

      Warum hat nun der Verwaltungsrat ab 2021 Bachler als Intendant engagiert? Anscheinend sinkt, wie die Salzburger Nachrichten heute berichten (Artikel nicht frei zugänglich), die Zahl der Förderer, aus ihrem Kreis gebe es zunehmend Kritik an Inszenierungen und Besetzungen. Auch die Auslastung könnte wohl besser sein. Über Bachlers Wirken als Intendant an der Münchner Staatsoper (noch bis 2021) lässt sich - auch aus meiner Sicht - manches Kritische sagen. Aber es steht außer Zweifel, dass er der Bayerischen Staatsoper seit 2008 ein internationales Renommée verschafft hat, von dem alle anderen deutschen Opernhäuser nur träumen können, dass er immer wieder mit spektakulären Sängerbesetzungen aufwartet, dass die Auslastung bei nahe 100% liegt. Und das, obwohl er in Regiefragen keinen konservativen Kurs gefahren ist. Ähnliches erhofft man sich im Verwaltungsrat wohl auch für Salzburg. Ob Bachler das in dem engen Korsett der Osterfestspiele verwirklichen kann, sei mal dahingestellt. Vom Aufwand (und wohl auch vom Verdienst her) her ist Salzburg verglichen mit der Münchner Intendanz eher ein Feierabendjob, sozusagen ein gleitender Übergang in die Rente. Außerdem existiert das naheliegende Gerücht, dass Bachler die Berliner Philharmoniker wieder an die Salzach zurückholen wolle, vor allem weil sein Münchner GMD und enger Vertrauter Kirill Petrenko bekanntlich ab 2019 Chefdirigent in Berlin sein wird. Dies wird allseits dementiert, zumal die Berliner bis 2022 fest an Baden-Baden gebunden sind. Aber vielleicht werden doch ab 2023 die Karten neu gemischt.

      Dass Thielemann offensichtlich nicht mit Bachler kann - nunja. Soll vorkommen. Entweder man rauft sich zusammen oder es kracht und einer geht, nach Lage der Dinge wohl eher Thielemann.

      Meiner Meinung nach sind die österlichen Luxusfestivals in Salzburg und auch in Baden-Baden eh verzichtbar.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)