Gibt es schlechte Musik (/Kunst)?

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    • Gibt es schlechte Musik (/Kunst)?

      "There is two kinds of music, the good, and the bad."

      Dieses Zitat wird Louis Armstrong zugeschrieben (meist mit dem Zusatz: "I play the good kind"). Auch Gioachino Rossini soll Aehnliches gesagt haben.

      Diesen Thread wollte ich schon seit längerem eröffnen; aktuell hat mir dieser Parallelthread letztlich den nötigen Anreiz hierzu verschafft: Was versteht ihr unter "klassischer Musik"?

      Dort wird zu erörtern versucht, wie "klassische" von nicht-"klassischer" bzw. "ernste" von "(nur) unterhaltender" Musik unterschieden werden kann. Eine Sichtweise, oft zumindest impliziert, scheint zu sein, dass diese Unterscheidung eine qualitative ist:

      Capella-Wolfgang schrieb:

      Ich habe mir mit großem Interesse die beiden Stücke angehört und würde sie sofort als Klassische Musik einordnen, abgesehen von dem einleitenden Vogelgezwitscher bei "01 The Golden Dawn". Da stelle ich mir vor, die Berliner Symphoniker geben auf der Waldbühne ihr Sommerkonzert. Erst höre ich Vogelgezwitscher in den Bäumen, dann hebt der Dirigent den Taktstock, und es erklingt "01 The Golden Dawn". Höflicher Beifall... Ob das Werk aber so gut ist, dass es die Wiener Philharmoniker oder das Orchester vom Staatstheater Cottbus demnächst auch spielen wollen, ist die Frage.

      Dies nur als Sprungbrett - die entsprechende Diskussion zur Definition von "klassischer" Musik sollte natürlich im entsprechenden Thread fortgeführt werden.

      Ich könnte hier noch reihenweise Zitate mit Werturteilen einstellen (auch mein Lieblingskomponist, Arnold Schönberg, hat Unmengen solcher gefällt), aber da eine entsprechende Geisteshaltung fast universell zu sein scheint, möchte ich hier zwecks Diskussionsanreiz stattdessen lieber meinen eigenen Senf als Brotaufstrich anbieten.

      Ich habe lange ähnlich gedacht: "Musik, die mir nicht gefällt, muss schlecht sein." Dann fing ich aber an, mich zu fragen, was ich eigentlich mit "schlecht" meinte.

      Zunächst versuchte ich, vereinende Merkmale zu finden: Ich fand Musik dann schlecht, wenn sie "langweilig", "vorhersehbar", "nicht subtil genug", "auf den kleinsten gemeinsamen Nenner abzielend" etc. war. Und wozu bezeichnete ich solche Musik als schlecht? Mit dem Zweck, sie in Unterhaltungen als "nicht hörenswert" beschreiben zu können.

      Wenn ich Musik als "nicht hörenswert" bezeichne, meine ich doch aber immer: "für mich nicht hörenswert". Versuche, meiner Schwester zu erklären, warum die Musik von Nickelback grauenvoll sei und sie sich stattdessen etwas Besseres anhören solle, blieben jedenfalls fruchtlos.

      Und auch das Argument mit dem "kleinsten gemeinsamen Nenner" schießt sich doch eigentlich selbst in den Fuß: Solche Musik gefällt per Definition unglaublich vielen Menschen. Wenn sie so vielen Menschen gefällt, wie kann sie aber dann schlecht sein?

      Eine häufig anzutreffende sarkastische Antwort lautet: "Genau - Millionen von Schmeißfliegen können sich nicht irren!" Eine qualifizierende Geisteshaltung scheint also zu postulieren: "Von Popularität kann man nicht auf Qualität schließen."

      Wenn aber Popularität kein Indiz für Qualität ist... was dann? Welches andere Kriterium ist denn objektivierbar, frei von Willkür und persönlichen Präferenzen? Das Argument gegen Popularität als Qualitätsmerkmal scheint jedenfalls ungefähr wie folgt zu lauten: "Dann müsste ich ja Helene Fischers Musik als "gut" akzeptieren."

      Mir gefällt Helenes Musik auch nicht - aber was erziele ich damit, sie als "schlecht" zu bezeichnen? Jedenfalls nicht, dass Millionen ihrer Fans dann aufhören, sich ihre Musik mit Genuss anzuhören. Ich jedenfalls glaube, dass meine Geisteshaltung ein Zirkelschluss war: "Musik bezeichne ich dann als schlecht, wenn sie mir nicht gefällt."

      Denn was ist denn letztendlich der Zweck von Musik, auch der von sogenannter "ernster"? Wohl doch der, zumindest dem Schaffenden (wenn nicht dem Hörenden) Genuss zu verschaffen (welcher natürlich nicht unbedingt mit "Freude" oder anderen positiven Emotionen synonym sein muss). Und was mir da Arnold Schönberg, ist anderen eben Helene Fischer.

      Wie seht ihr das? :wink:


    • ... heutzutage sehe ich das ähnlich wie Du.

      In dem Moment, wo jemand bewusst Klangereignisse in eine gewollte Reihenfolge bringt macht derjenige bereits mehr Musik, als ich jemals gemacht habe.

      Folglich kann ich die Qualität nicht auf Erfahrungen beruhend bewerten. Damit bin ich also sehr vorsichtig.

      Sagen wir Mal so: Musik, wo ich auf Anhieb merke, dass sie ausschließlich geschaffen wurde, um damit Geld zu bekommen stufe ich geringer ein als diejenige, wo ich primär so etwas wie Authentizität erkenne.

      Ob mir die Musik dann gefällt oder nicht, das halte ich, sofern ich überhaupt bewerte - so hoffe ich jedenfalls - raus.

      Aber normalerweise bewerte ich Musik nicht.

      Klingt ausweichend, beschreibt aber meine aktuelle Haltung.

      Ach so, bei anderen Künsten sehe ich das ähnlich, allerdings kann ich da bedingt auf Erfahrungen zurückgreifen: Gegenständliche Kunst kann Gemeinsamkeiten mit einer meiner anderen Leidenschaften haben: Ich beschäftige mich seid 10 Jahren kreativ mit Schmuckdesign nebst dazugehörigen Modellierungen.

      By the way: Wenn ein Maler sagt seine gerahmte rein graue Leinwand wäre Kunst habe ich, bestenfalls Zeichner, damit dann schon Probleme.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • @Melione

      Eigentlich hast Du schon richtig zum Ausdruck gebracht: Ob Musik als "gut" oder als "schlecht" wahrgenommen wird ist eine sehr persönliche Sache. Ich für meinen Teil würde niemals behaupten eine Musikform oder ein Stück sei schlecht. Ich kann nur sagen dass mir etwas gefällt oder nicht. Und mit Helene Fischer oder Vanessa Mai z.B. kann ich persönlich auch nichts anfangen (auch nicht mit Aeros Ramazzotti :) ). Warum dass so ist, kann ich gar nicht sagen. Es ist eben nicht mein Ding - dass aber kann ich mit Sicherheit sagen.

      VG

      Palisander
    • Noch als Nachtrag - ich wollte übrigens nicht gesagt haben, dass weniger populäre Musik meiner Meinung nach schlechter sei als populäre. Solange ein Musikstück das Leben auch nur eines Menschen bereichert, so ist es, meine ich, gut. :)

      (Warum ich dann nicht konsequent sage, dass ein Musikstück, das auch nur einen Menschen "tierisch annervt", automatisch schlecht sei, müsste ich noch ergründen...)


    • Melione schrieb:

      (Warum ich dann nicht konsequent sage, dass ein Musikstück, das auch nur einen Menschen "tierisch annervt", automatisch schlecht sei, müsste ich noch ergründen...)
      Vielleicht weil Du in dem Moment der Allgemeinheit deine Bewertung aufdrückst. Das ist ungefähr genauso unfair wie meine Verallgemeinerung was man unter "U" Musik verstehen sollte.

      Eigentlich lautet die simple Antwort auf die Ausgangsfrage: Nein !

      VG

      Palisander
    • Melione schrieb:

      ...
      (Warum ich dann nicht konsequent sage, dass ein Musikstück, das auch nur einen Menschen "tierisch annervt", automatisch schlecht sei, müsste ich noch ergründen...) ...
      Meiner Meinung nach tust Du da ganz richtig: Es kann sein, dass dieser eine Mensch einfach ohne weiteres darüber nachzudenken sein persönliches Missfallen als rein subjektive Beurteilungsgrundlage nimmt. Meinungen allein können keine begründbare Beurteilung ersetzen !
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Die Tochter eines schon längst verstorbenen Musikprofessors aus Dresden (eine ältere, feine Dame) hat mich vor Jahren gebeten, die handschriftliche Komposition ihres Vaters (angeblich einmal aufgeführt, aber vielleicht von Studenten, die sich ihrem Professor verpflichtet fühlten) mit dem Notendruckprogramm Capella zu einer Partitur zu setzen, sozusagen ein Werk zu schaffen, das man getrost schwarz auf weiß mit nach Hause und am Herzen tragen kann. Doch nach wenigen Tagen Arbeit habe ich das Projekt aufgegeben, weil sich beim ersten Probeanhören herausgestellt hat (wie schon auf den ersten Blick vermutet), dass das Werk grottenschlecht ist. Da ein paar Takte mit der Harmonisierung von C-Dur, F-Dur, G-Dur - eine Seite weiter eine Stelle, als wäre sie von Anton Webern abgekupfert, dann wieder 10 Takte Brahms - für solche Dinge ohne Sinn und Verstand war mir meine Lebenszeit zu schade. Vielleicht war der Mann Anfang der 50iger Jahre nur deshalb über einen Schnellkursus bei der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät zu seiner Musikprofessur gekommen, weil alle anderen alten Professoren bei den einschlägigen Entnazifizierungsverfahren ihre Stellen verloren hatten.
      1. These: Schlechte Musik ist Eklektizismus verschiedener Stile (abgesehen von humoristischen Versuchen, Variationen eines Themas in verschiedenen Zeit-Stilen zu schreiben - aber richtig beliebt werden solche Versuche unter Klassikkennern trotzdem nicht!). Entweder ich komponiere im Stile von Schönberg und versuche mit diesen musikalischen Mitteln etwas zu schaffen, was sich über das Material erhebt, oder ich orientiere mich wie Max Reger an Bach (mit neuen Mitteln) oder ich erfinde idealerweise einen eigenen Stil wie Prokofjew.

      Das Problem bei der Frage dieses Threads ist, dass schlechte Musik zu wenig bekannt ist. Die liegt in den Schubkästen ambitionierter Musiklehrer oder Kantoren, die gerne Komponisten geworden wären. Wenn die dann hören, dass Leute wie Debussy zunächst auf dem Konservatorium abgelehnt wurden, fühlen sie sich bestätigt und sagen sich: Wenn die Welt doch wüsste, was ich eigentlich geleistet habe - aber sie hat mich verkannt! Zur Zeit ist es ja eine gewisse Mode, dass lokale Komponisten aus vergangenen Jahrhunderten in irgendwelchen Archiven ausgegraben und zur Aufführung gebracht werden. Wenn man sich das anhört (zum Beispiel aus der Barockzeit), dann sagt man sich: Es klingt irgendwie wie Bach, aber doch nicht... Da ist zu wenig harmonische und rhythmische Vielfalt, zu wenig melodische Entwicklung, ohne dass man nun sagen könnte: Das ist schlechte Musik!
      2. These: Schlechte Musik ist kaum zu hören, weil sie verstaubt in den Archiven liegt.

      Im Jahre 1969 war ich im (späteren) Rundfunkjugendchor Wernigerode bei Dreharbeiten an dem DDR-Fernseh-Mehrteiler "Krupp und Krause" beteiligt. Da ist ein junger Musiklehrer (gespielt von Arno Wyzniewski), der singt mit seinem Schulchor von Hugo Distler "Es zog ein dunkle Wolk herein". Das wird dann als kleinbürgerlich reaktionär gebrandmarkt, und als positiven Gegenentwurf schmettert der Chor später das Lied "Du hast ja ein Ziel vor den Augen". Ich bin heute noch den Dreharbeiten dankbar, weil sie mich an Hugo Distler herangeführt haben, das Ziel-Lied vergessen.
      3. These: Was als gute oder schlechte Musik bezeichnet wird, hängt oft vom ideologischen Standpunkt ab.

      Vielleicht werde ich irgendwann noch weitere Thesen aufstellen, aber erstmal abwarten, ob überhaupt noch andere auf diesen Thread aufspringen.
      Auf dem Wege durch die Welt wirst auch du stets angebellt. Hör nicht hin, geh ruhig weiter, nimm das Lästern still in Kauf; denn dann hören deine Neider schon von selbst zu Kläffen auf! (Krylow)
    • Capella-Wolfgang schrieb:

      aber erstmal abwarten, ob überhaupt noch andere auf diesen Thread aufspringen.
      Als ich über meinem Beitrag gesessen habe, bekam ich gar nicht mit, dass viele andere schon auf den Zug aufgesprungen waren. Der letzte Satz hat sich also glücklicherweise schon erledigt.
      Auf dem Wege durch die Welt wirst auch du stets angebellt. Hör nicht hin, geh ruhig weiter, nimm das Lästern still in Kauf; denn dann hören deine Neider schon von selbst zu Kläffen auf! (Krylow)
    • Schwierige und gute Frage. Natürlich gibt es Fachleute, Musiker, zu denen ich leider nicht gehören, die genau erklären können (oder es meinen ^^ ), warum eine Komposition handwerklich besser ist als die andere. Oder vielleicht nur, warum ein Werk überhaupt gut ist. Das hilft mir, als ausgeprägten Laien, bei der Beurteilung aber nicht weiter. Da bin ich auf meine eigenen Kriterien angewiesen.

      Ingo Richter schrieb:

      Sagen wir Mal so: Musik, wo ich auf Anhieb merke, dass sie ausschließlich geschaffen wurde, um damit Geld zu bekommen stufe ich geringer ein als diejenige, wo ich primär so etwas wie Authentizität erkenne.
      Das geht schon in meine Richtung, aber gleichzeitig fallen mir dann ganz viele Gegenbeispiele von 'klassischen' Komponisten ein, die Auftragsarbeiten angenommen haben und trotzdem bessere Musik geschaffen haben, als manche andere. Aber vielleicht kann ich es in soweit noch erweitern, dass ich für mich feststelle, wenn Komponisten auf musikalische 'Versatzstücke' zurückgreifen, die von vornherein einen guten Absatz am Markt versprechen, dann ist es für mich zunächst einmal keine gute Musik.

      Andererseits kann mir niemand einreden, dass z.B. Komponisten wie Bellini, Rossini, Donizetti, mindestens der frühe Verdi nicht ganz genau bei ihren Opern darauf geachtet haben, dass bestimmte Erfordernisse, die das Publikum, der Markt also, erwarteten, in den Werken auch auftauchten. Die Ouvertüre hat so und so aufgebaut zu sein, danach hat ein Chor zu kommen, danach dann Rezitativ und erste Arie etc. Da kommt dann diese 'verdammte' Mischung von Kunstanspruch und Schielen nach dem, auch monitären, Erfolg ins Spiel.

      'Ausschließlich' war da bestimmt gar nichts. Weder Kommerz- noch Kunstgedanken. Was aber jeweils beim betreffenden Werk überwogen hat, wer will es sagen?

      :wink: Wolfram
    • Ich kann an Eklektizismus zunächst mal grundsätzlich nichts Verwerfliches finden. Eklektizismus ist der Motor der zur Veränderung führt. Immer wenn verschiedene Stilrichtungen zusammenkommen wird es spannend. Wenn z.B. ein Komponist früherer Zeit auf Studienreise nach Italien ging, so war das Ergebnis notwendigerweise eklektizistisch.

      Solange man die Stilrichtungen nicht einfach beliebig durcheinanderschmeißt, sondern sich ein eigenes wohlgeordnetes System daraus erschafft, ist an Eklektizismus nichts auszusetzen.
    • Wolfram schrieb:

      Da kommt dann diese 'verdammte' Mischung von Kunstanspruch und Schielen nach dem, auch monitären, Erfolg ins Spiel.
      das ist jetzt sehr kapitalistisch ausgedrückt. der Wunsch, zu gefallen, kann natürlich auch positiv gesehen werden: man möchte womöglich nicht nur sich "selbst verwirklichen", sondern auch den anderen etwas geben. Im Idealfall hat man das "standing", den eigenen Geschmack so überzeugend umzusetzen, daß man eine gewisse Menge anderer Menschen mitreißt...
      Ein kleines bißchen Gefühl für das, was man "Wirkung" nennt, kann da sicher nicht schaden.

      Wolfram schrieb:

      Natürlich gibt es Fachleute, Musiker, zu denen ich leider nicht gehören, die genau erklären können (oder es meinen ), warum eine Komposition handwerklich besser ist als die andere. Oder vielleicht nur, warum ein Werk überhaupt gut ist.
      nun gibt es aber garnicht dieses abstrakte "gut", sondern ganz verschiedene Kontexte... warum ist ein Michael-Jackson-Song besser als einer von Modern Talking? ob man da dieselben Kriterien anlegen kann, die einen Mozart von Wagenseil unterscheiden? Für mich ist gut, was einerseits die Funktion erfüllt - womöglich auf raffinierte, originelle Weise, und andererseits noch das gewisse Extra mitbringt, das den "Kenner(n) allein Satisfaktion" (Mozart) gibt.

      Hudebux schrieb:

      Leider kann Musik auch Träger einer politischen Botschaft oder weltanschaulichen Haltung sein. Horst-Wessel Lied? Zehn kleine Negerlein? NaziRock?
      ob musikalische Qualität und "gute" Botschaft korrelieren, ist eine umstrittene Frage.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      nö. sie erfüllt nur ihre Funktion. ob sie darüber hinaus "gut" ist als Musik an und für sich, ist (für mich) eine andere Frage.
      Hm. Abgesehen von handwerklichen Fragen: Du scheinst davon auszugehen, dass es zwei voneinander unabhängige Aspekte sind, ob (1) eine Musik "gut" ist und (2) ob jemand durch diese Musik "bereichert" wird.

      Zur Sicherheit frage ich nach, bevor ich antworte: Wäre es für Dich denkbar, dass eine Musik zwar "gut" ist, aber sich niemand davon bereichert fühlt - bzw. umgekehrt?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Ich für meinen Teil würde niemals behaupten eine Musikform oder ein Stück sei schlecht.

      Wirklich nicht? Nimm ein Notenblatt, schreibe irgendwas drauf, spiele es. Ist es automatisch gute Musik?

      Ich nehme inzwischen auch Abstand davon, Schlager als schlechte Musik zu bezeichnen, was Helene Fischer singt, ist natürlich sehr gut gemacht und ich kann das wertschätzen. Aber nicht jeder Versuch, ein Musikstück zu machen, gelingt, auf wenige erfolgreiche Schlagerkomponisten kommen Heerscharen von Personen, die ähnliches versuchen, aber nicht erreichen, wobei ich jetzt Erfolg und Qualität nicht gleichsetzen will, aber wirklich Schlechtes hat auch keinen Erfolg.

      Beispiele für schlechte Musik findet man sicher auf youtube zu Genüge, wenn sich selbst überschätzende Laien ihre Kreationen präsentieren. Wobei das ja auch nichts macht, aber es ist sinnlos, aus Rücksichtnahme vor dem Wollen alles für gut zu erklären.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Capella-Wolfgang schrieb:

      2. These: Schlechte Musik ist kaum zu hören, weil sie verstaubt in den Archiven liegt.
      Möglicherweise. Andererseits ist der Umkehrschluss nicht zulässig, daß alles, was in den Archiven verstaubt, "schlechte" Musik wäre. Nur der Vollständigkeit halber.

      Wolfram schrieb:

      Das geht schon in meine Richtung, aber gleichzeitig fallen mir dann ganz viele Gegenbeispiele von 'klassischen' Komponisten ein, die Auftragsarbeiten angenommen haben und trotzdem bessere Musik geschaffen haben, als manche andere. Aber vielleicht kann ich es in soweit noch erweitern, dass ich für mich feststelle, wenn Komponisten auf musikalische 'Versatzstücke' zurückgreifen, die von vornherein einen guten Absatz am Markt versprechen, dann ist es für mich zunächst einmal keine gute Musik.
      Ich finde, genau da bewegen wir uns auf sehr dünnem Eis. Es ist weder etwas Schlechtes daran, seinem Broterwerb nachzugehen, noch sich zu bemühen, seine Kunden zufriedenzustellen. Wenn das Ergebnis einer Auftragsarbeit (egal auf welchem Gebiet) die Kunden zufriedenstellt und dem vorgesehenen Zweck dient, ist es per definitionem gut, andernfalls ist es schlechte Arbeit. Es gibt keinen Grund, das für Kunst im Allgemeinen und für Musik im Besonderen anders zu fassen.

      Hudebux schrieb:

      Leider kann Musik auch Träger einer politischen Botschaft oder weltanschaulichen Haltung sein. Horst-Wessel Lied? Zehn kleine Negerlein? NaziRock?
      Was macht die politische Botschaft? Die Musik? Oder nicht vielleicht doch der Text, oder der Kontext, in dem ein bestimmtes Musikstück gespielt wird? Und: Macht das die verwendete Musik "schlecht"? Wenn also die Sondermeldungen des Großdeutschen Rundfunks ab 1941 mit einer Fanfare angekündigt wurde, die aus Liszts Sinfonischer Dichtung "Les Preludes" stammt, wird das dann zu "schlechter Musik"?
      Sehr fragwürdig... Hat eigentlich mit dem Thema nichts zu tun.

      putto schrieb:

      Beispiele für schlechte Musik findet man sicher auf youtube zu Genüge, wenn sich selbst überschätzende Laien ihre Kreationen präsentieren. Wobei das ja auch nichts macht, aber es ist sinnlos, aus Rücksichtnahme vor dem Wollen alles für gut zu erklären.
      Da haben wir jetzt ein klassisches Abgrenzungsproblem: Reden wir über Musik, als Organisation von Klangereignissen, oder von deren Ausführung?
      Letztere kann selbstverständlich "gut" oder "schlecht" sein. Aber ist es hier nicht eher die Frage, ob erstere?



      Die Crux liegt darin, daß es keine allgemeingültige Definition von "Kunst" gibt, nur entsprechende Konventionen. Damit ist es aber auch ausgeschlossen, allgemeingültige Qualitätskriterien für etwas aufzustellen, das sich noch nicht einmal kategorisieren lässt. Auch hier gibt es nur Konventionen. Und die sind auch nicht für alle gültig: Wenn ein Kunstwerk seine Berechtigung in sich selbst trägt, dann ist jedes einmalig und vor allem: subjektiv. Damit kann man aber keine objektiven Bewertungen abgeben, da hierzu Bezüge zu anderen Kunstwerken notwendig wären, denen das Kunstwerk nicht bedarf. Um über "Gut" und "Schlecht" zu reden, benötigt man aber einen Bertungsmaßstab, mit dessen Hilfe sich Kunstwerke in eine "Besser-Schlechter".Reihe eingruppieren ließen. Abgesehen davon, daß dies prinzipiell nicht möglich ist (ist die "Eroica" nun besser oder schlechter als die "Unvolendete"..? Oder "Roll over Beethoven"? Wenn schon dies nicht beantwortet werden kann, wie soll dann die Auntwort auf Gut und Schlecht abgeleitet werden), bestünde sogar dann, wenn es ein solches Ranking gäbe, die Schwierigkeit darin, einen entsprechenden "gut-schlecht"-Cut-off festzulegen - auch das wäre reine Willkür.
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • bustopher schrieb:

      Um über "Gut" und "Schlecht" zu reden, benötigt man aber einen Bertungsmaßstab, mit dessen Hilfe sich Kunstwerke in eine "Besser-Schlechter".Reihe eingruppieren ließen.
      Solche Bewertungsmaßstäbe gibt es, im Kompositionsunterricht werden sie angewendet, Kompositionslehrer lehren sie. Das Problem dabei ist nur, daß solche Maßstäbe bzw. Kriterien dafür, was gute von schlechte Kompositionen voneinander unterscheidet, nicht ein für allemal feststehen, sondern historisch bedingt sind. Sie sind im Fluß, ändern sich ständig.

      Schon deshalb ist es Unsinn, an eine Beethoven-Symphonie denselben Maßstab für Qualität anzulegen wie für eine Mahler-Symphonie, ein Stück von Lachenmann oder, noch krasser, einen Beatles-Song.

      Aber das bedeutet ja nicht, daß Qualitätsmaßstäbe grundsätzlich unsinnig wären.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • putto schrieb:

      Beispiele für schlechte Musik findet man sicher auf youtube zu Genüge, wenn sich selbst überschätzende Laien ihre Kreationen präsentieren.
      ich finde die ggf. mindere Qualität von "Laienproduktionen" nicht so ein Problem (war wohl auch nicht so gemeint) - während in der sog. "Kunstmusik" es doch eine zumindest mögliche Haltung ist, daß es einem um Pro und Contra irgendwas geht.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • bustopher schrieb:

      Da haben wir jetzt ein klassisches Abgrenzungsproblem: Reden wir über Musik, als Organisation von Klangereignissen, oder von deren Ausführung?
      Letztere kann selbstverständlich "gut" oder "schlecht" sein. Aber ist es hier nicht eher die Frage, ob erstere?
      Wenn man nach Beispielen für "schlechte Musik" suchen möchte, bietet sich musescore.org an.
      Das ist eine Notationsplatform, wo jeder seine Notationsversuche veröffentlichen kann.
      Dort finden sich neben semi-professionellen "Abschriften" von Originalwerken jede Menge Transkriptionen sowie Eigenkompositionen.
      Unter letzteren findet man ausreichend Beispiele (oft nur Fragmente) für wirklich schlechte Kompositionen, weil die Autoren eben nicht einmal die musikalischen Grundzüge beherrschen.
      Wie gesagt: das ist eigentlich nur aus pädagogischen Gründen interessant, weil die fehlende Qualität hier oft so augen- (und ohren-)fällig ist.
      :wink: