Was ist Expressionismus - in Literatur, Malerei, Musik ...

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    • Was Deinen Einwand anbelangt, dass auch ich keine Kriterien aufgestellt habe für die Zuordnung ganz konkret zum Exressionismus, liegt wieder ein kleines Missverständnis vor. Wir diskutieren auf einem unwissenschaftlichen, auf einem sprunghaft- individuellen Niveau, hinter dem persönliches Interesse, Begeisterung für die Materie und halt gewisse Vorkenntnisse stehen. Für mich zumindest ist das der Fall. Denn natürlich ist das hier ein Internet-Forum und keine wissenschaftliche Arbeit. Meine Argumentation bezog sich quasi als theoretische Forderung aber genau auf eine solche wissenschaftliche Arbeitsweise. Mir ging es auch immer primär darum, die Vagheit und die Hierarchieproblematik bezüglich der Begrifflichkeit per se zu thematisieren. Hinter dem, was ich dabei angeführt habe, stehe ich; darauf bestehe ich :) ;) . Wir kommen da möglicherweise nicht ganz zusammen, im Wesentlichen natürlich schon. Es könnte auch damit zusammenhängen, dass Du primär von der Musik kommst und ich von der Literatur.

      Aber ich denke, dass wir das Meiste doch gut geklärt haben. Es muss ja ein Rest zum Nachdenken und zum Nachschauen bleiben. Und es gibt ja noch mehr kompetente Diskutanten.

      Genau dazu noch eines: Du hast angedeutet, wir seien hier bezüglich der Problematik des Expressionismus-Begriffs noch keinen Schritt weitergekommen. Wenn Du das ganz ernst meinst, fürchte ich, dass die Chancen gering sein werden. Wer sollte es leisten, Dich hierbei und an diesem Ort einen ernsthaften, gar unumstößlichen Schritt weiterzubringen? Du bist doch der Experte! Das Einzige, was ich Dir da voraus habe, ist die ganz konkrete Berufserfahrung - doch eben auch nicht exakt in dem Beruf, den Du wohl anstrebst!

      :cincinbier: Wolfgang
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    • putto schrieb:

      Ich sehe jedenfalls an Deinen Äußerungen, dass Du z.B. Kubo-Futurismus und Neue Sachlichkeit dem Expressionismus unterordnen würdest, dass Du eine schon sehr andere Vorstellung von dem hast, was Expressionismus ist, als ich. Leider hast Du das aber nicht näher erläutert, für gängig halte ich das nicht. Mir kommt es als eine Perspektive vor, die stark von Deutschland als Zentrum bestimmt ist. Allerdings haben auch viele deutsche Forscher sich mit z.B. italienischem Futurismus beschäftigt und dabei nicht gemeint, dass das nur eine Art Untergattung des Expressionismus sei. Also das lese ich hier von Dir zum ersten Mal. Aber vielleicht hast Du es ja gar nicht so gemeint ...
      Ich glaube gar nicht, dass ich den Begriff Expressionismus so viel anders sehe als Du. Und ich bin mir sicher, dass meine Ansicht in keiner Weise etwas Neues impliziert, das man noch nirgends gelesen hätte. Das ist doch gar nicht möglich! Ich bin mir absolut sicher, dass Du in dem Augenblick, in dem Du mit nichts anderem hantierst als mit genau diesem Begriff, quasi kontextfrei, all das implizieren kannst, was hier zur Sprache kam. Natürlich gehe ich von einem deutschen Verständnis aus und von einem literarischen. Das muss man dann eben wissen.

      Allerdings haben auch viele deutsche Forscher sich mit z.B. italienischem Futurismus beschäftigt und dabei nicht gemeint, dass das nur eine Art Untergattung des Expressionismus sei.

      Nehmen wir an, wirklich kein Wissenschaftler hat das getan, auch nicht implizit. Daraus folgt immer noch nicht, dass es nicht sehr viele Berührungspunkte zwischen den Strömungen gäbe. Vielleicht ist es doch tatsächlich so, dass manches, was in Deutschland unter den Begriff des Expressionismus im engeren Sinne subsumiert wird, genau dem italienischen Futurismus entspricht. Manches, vieles natürlich auch nicht, da bin ich mir ebenso sicher. Der lokale Unterschied geht ja auch mit unterschiedlichen sozialen und politischen Bedingungen einher.
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    • Schau mal im Netz unter dem Begriff Expressionismusdebatte nach. (Wobei ich um Vergebung bitte, falls Du das schon zehnmal getan haben solltest ... :) ;) ) (Ein wenig genauer habe ich mich mit den dahinterliegenden Sachverhalten befasst, aber das leider arg lang her.)

      Und Du erkennst auf wunderbare Weise die extreme Vagheit unseres wunderbaren Terminus, zeitgeschichtlich, lokalgeschichtlich und verdammt ideologisch.

      Hier liegt er begraben, der Sauhund! :D

      :cincinbier: Wolfgang
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    • andréjo schrieb:

      Vielleicht ist es doch tatsächlich so, dass manches, was in Deutschland unter den Begriff des Expressionismus im engeren Sinne subsumiert wird, genau dem italienischen Futurismus entspricht. Manches, vieles natürlich auch nicht, da bin ich mir ebenso sicher. Der lokale Unterschied geht ja auch mit unterschiedlichen sozialen und politischen Bedingungen einher.
      Dazu könnte man das lesen:

      Demetz, Peter (1990): Worte in Freiheit: der italienische Futurismus und die deutsche literarische Avantgarde (1912 – 1934). München [u.a.]: Piper.

      Das wäre auch gut, um klarer zu sehen, warum die deutschen Expressionisten zur Avantgarde gezählt werden.
      Dass manches hier genau dem Ismus dort entsprechen könnte, habe ich ja gar nicht in Frage gestellt. Ich würde jetzt mal insbesondere auf Stramm tippen, wenn er anfängt, die Sprache zu verbiegen, das geht schon recht in Richtung italienischer Futurismus - die Russen haben das auch gemacht, aber mit archaischem Unterton - den man wohl auch nicht immer dabei hat, womit sicher hier auch einiges verwechselt werden könnte, wäre es in derselben Sprache.

      Vielleicht haben wir nur eine andere Vorstellung vom Begriff "Hierarchie". Das wäre aber wohl das geringste Problem.
      ;)
      Was Du schreibst, treibt mich ja eher beim Vortizismus um, der wirklich als Futurismus-Variante auffassbar ist, denke ich, und nur deshalb anders heißt, weil sie ihn eben anders genannt haben. Beim Expressionismus ist, denke ich, die Distanz der definierenden Merkmale in Summe groß genug. In der Malerei wird's dann wieder schwierig bei manchen französischen Kubisten, da der italienische Futurismus besonders in kubistischer Malweise sein Geschwindigkeits-Programm umsetzte (den Dynamismus-Kult sehe ich im Expressionismus auch eher nicht), und nicht alle französische Kubisten als besonders statisch angesprochen werden müssen.

      Also, man könnte zum Spaß ja mal das eine oder andere Gedicht des deutschen Expressionismus mit Marinettis Programm und Praxis abgleichen. ME ist das zwar nicht die Antwort auf "Was ist Expressionismus", aber so wirklich OT ist's auch nicht.
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    • putto schrieb:

      [...] die Antwort auf "Was ist Expressionismus" [...]
      Du meinst [die] Antworten ? :D

      putto schrieb:

      Vielleicht haben wir nur eine andere Vorstellung vom Begriff "Hierarchie". Das wäre aber wohl das geringste Problem.
      Was ich darunter verstehe, habe ich oben am Beispiel der Aufklärung dargestellt. Wenn Du unter Hierarchie wirklich etwas ganz anderes verstehst - wohlgemerkt: natürlich im Zusammenhang mit Begriffsfindungen -, müsstest Du mir schon erklären, was das sein soll. Aber Du wirst Recht haben: die Theorie ist das geringste Problem ...

      :wink:
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    • putto schrieb:

      Das wäre auch gut, um klarer zu sehen, warum die deutschen Expressionisten zur Avantgarde gezählt werden.
      Und jetzt wird's halt doch wieder ernst, dat Janze.

      Was meinst Du mit Avantgarde? Das, was man die Russische Avantgarde nennt? Warum sollte eine deutsche Stilrichtung nach Russland verlegt werden?

      Wie gesagt: Es ist ausschließlich ein terminologisches Problem. Sachbezogen würde ich behaupten: Die Merkmale decken sich zu zwei Dritteln, soweit sie nationalitätsbezogen und in sozialer wie politischer Hinsicht übergreifend erscheinen.

      Man muss hier einfach vorsichtig sein. Der Avantgarde-Begriff ist an Kultur im allerweitesten Sinne gekoppelt und heute mindestens so relevant wie vor einhundert Jahren. Und Georg Büchners Woyzeck war so was von avantgardistisch für seine Zeit.

      Ich kenne die Abhandlung von Demetz nicht - sie wäre für meine wissenschaftliche und berufliche Sozialisation stets zu entfernt gewesen, aber vielleicht hätte sie mich sehr interessiert. Ich nehme aber doch an, dass Demetz im Titel den Begriff Avantgarde nicht stilgeschichtlich versteht, sondern im ganz allgemeinen Sinn des Wortes und dass darunter alle möglichen Stile und Strömungen fallen.

      Ich möchte bitte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich Dich hier mit Banalitäten zum Besten halte. Aber nach dem bisherigen Verlauf unserer Debatte bin ich vorsichtig geworden. Lieber übergenau und für den Experten mild beleidigend als aneinander vorbeigeredet.


      :)
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    • Etwa nach Peter Bürger "Theorie der Avantgarde", oben habe ich ja ein paar Eigenschaften genannt und auch darauf hingewiesen, dass die Ismen nicht komplett hineinschubladisiert werden sollen.
      Aber es ist lustig - zuerst wundere ich mich, dass Du den russischen Kubo-Futurismus im deutschen Expressionismus unterbringen möchtest, und nun Du quasi umgekehrt. Ich habe aber nie nur von russischer Avantgarde gesprochen, keine Ahnung, wie Du dazu kommst, noch dazu, wo ich oben einen ausführlichen Beitrag geschrieben habe.
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    • andréjo schrieb:

      Ich kenne die Abhandlung von Demetz nicht - sie wäre für meine wissenschaftliche und berufliche Sozialisation stets zu entfernt gewesen, aber vielleicht hätte sie mich sehr interessiert. Ich nehme aber doch an, dass Demetz im Titel den Begriff Avantgarde nicht stilgeschichtlich versteht, sondern im ganz allgemeinen Sinn des Wortes und dass darunter alle möglichen Stile und Strömungen fallen.
      Ich habe einen Teil gelesen, es sind jedenfalls die Expressionisten drinnen mit ihrer Reaktion auf Marinetti, wenn ich mich richtig erinnere. Dem Titel nach sollten auch Dadaisten drin sein, ich finde aber kein Inhaltsverzeichnis im Netz.
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    • putto schrieb:

      Etwa nach Peter Bürger "Theorie der Avantgarde", oben habe ich ja ein paar Eigenschaften genannt und auch darauf hingewiesen, dass die Ismen nicht komplett hineinschubladisiert werden sollen. Aber es ist lustig - zuerst wundere ich mich, dass Du den russischen Kubo-Futurismus im deutschen Expressionismus unterbringen möchtest, und nun Du quasi umgekehrt. Ich habe aber nie nur von russischer Avantgarde gesprochen, keine Ahnung, wie Du dazu kommst, noch dazu, wo ich oben

      einen ausführlichen Beitrag geschrieben habe.
      Irgendwie reden wir doch schon wieder aneinander vorbei.

      Ich habe doch niemals den Kubo-Futurismus im deutschen Expressionismus untergebracht, ich habe immer ganz allgemein von Expressionismus gesprochen, so wie auch die Themafrage dieses Threads lautet. Denn genau das ist doch das Problem. Was ist Expressionismus? Es ist dann eben ein verdammt unscharfer Begriff, und der Kubo-Futurismus kann sehr gut darunter fallen.

      Ich bin von den Merkmalen des deutschen Expressionismus ausgegangen einfach, weil ich mich da auskenne. Die Frage, ob es einen internationalen Expressionismus gibt, unter den der Kubo-Futurismus zu subsumieren ist, kann ich Dir nicht messerscharf beantworten - es könnte auch nur ein Konstrukt sein.

      Und damit zur Avantgarde. Denn da scheint mir das Problem genau das Gleiche zu sein. Ich weiß einfach nicht, was Du damit meinst, wenn Du nicht zwangsläufig die Russische Avantgarde meinst. Zum vermutlich dritten Mal in diesem Forum: Es gibt keine Avantgarde per se als Stilbegriff. So wenig wie es eine Moderne per se als Stilbegriff gibt. Du musst dann schon klären, ob Du die Wiener Moderne meinst oder den Naturalismus, der sich selbst als modern bezeichnet hat, oder die Neuzeit nach dem Mittelalter oder die Zeit nach dem literarischen Realismus oder die Zeit nach 1945 ...
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    • Die Avantgarde ist ja auch kein Stil ... etwas schräg, dass Du bei "Avantgarde" gleich nach Russland tendierst, der Begriff kommt ja aus Frankreich. Ja, ich weiß nicht, mich wiederholen mag ich jetzt auch nicht mehr. Lies mal den Bürger, wenn Du meine kurzen Bemerkungen oben nicht akzeptierst oder die Avantgarde mit einem russischen Stil verwechselst - in Russland gibt es ja - wie oben angedeutet - mehrere Avantgardeströmungen. Suprematismus wäre auch noch ein Kandidat, die Leute waren ja nicht faul im Ismen-Erfinden.
      :D
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    • Vielleicht mal ein Zitat aus einem aktuellen wiss. Text:
      Es ist bereits bezeichnend für die undogmatische Rezeption des Surrealismus in Spanien, daß verschiedene Bezeichnungen für die neue Avantgardeströmung zeitgleich in der öffentlichen Debatte kursieren, wie z.B. [...]
      Offenbar ist es üblich, zu sagen, dass ein Ismus eine Avantgardeströmung sei. (Man soll sich in Internetforen nicht verunsichern lassen.)
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    • Es wird allmählich etwas anstrengend, so leid es mir tut.

      Über das Zitat, welches Du zuletzt angeführt hast, sagst Du doch selber, dass man offenbar statt der Ismen im Netz gerne von Avantgardeströmungen spricht. Das heißt doch nichts anderes, als dass es neue, nach vorne gerichtete, noch nicht da gewesene Strömungen sind. Avantgarde ist doch hier kein Fachbegriff!

      Russische Avantgarde, das ist ein Fachbegriff.

      Ich weiß einfach nicht, worauf Du hinauswillst.
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    • Das war ein Buch, nicht "im Netz".
      Ansonsten bin ich mal wieder platt - "russische Avantgarde" ist ein Fachbegriff und "Avantgarde" nicht? Woher kommt diese Sicht? Bürger bezieht sich in seinem Standardwerk sicher nicht auf Russland alleine. Der Begriff taucht auch massenhaft in Buch- und in Aufsatztiteln in der wiss. Literatur auf, wird in Lexika erklärt. Komischer Nicht-Fachbegriff.
      :neenee1:
      Ein hübscher Titel ist auch der hier:
      Finter, Helga (1980): Semiotik des Avantgardetextes. Gesellschaftliche und poetische Erfahrungen im italienischen Futurismus. Stuttgart.

      Ich fürchte, ich habe mich zur Avantgarde ein bisschen besser eingelesen als Du.
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    • Könnte es sein, dass Du vieles gelesen, aber nicht alles verstanden hast? Da ich nicht den Eindruck habe, dass Du über irgendetwas, was ich geschrieben habe, ernsthaft reflektierst und da ich keine Lust auf Auseinandersetzungen unterhalb der Gürtellinie habe, ist jetzt wirklich Schluss.

      Mein allerletzter Tipp: Lies mal bei Wikipedia den Artikel über Avantgarde.

      Besten Gruß,

      Wolfgang
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    • andréjo schrieb:

      putto schrieb:

      Die Avantgarde ist ja auch kein Stil ... etwas schräg, dass Du bei "Avantgarde" gleich nach Russland tendierst, der Begriff kommt ja aus Frankreich. Ja, ich weiß nicht, mich wiederholen mag ich jetzt auch nicht mehr. Lies mal den Bürger, wenn Du meine kurzen Bemerkungen oben nicht akzeptierst oder die Avantgarde mit einem russischen Stil verwechselst - in Russland gibt es ja - wie oben angedeutet - mehrere Avantgardeströmungen. Suprematismus wäre auch noch ein Kandidat, die Leute waren ja nicht faul im Ismen-Erfinden.
      :D

      Nein, das musst Dich nicht wiederholen, Du musst verständlich schreiben.

      Avantgarde ist ein französisches Wort und es kommt aus dem militärischen Bereich. Ansonsten bitte ich Dich, den diesbezüglichen Wikipedia-Artikel nachzulesen.

      Und jetzt ärgere ich mich tatsächlich.

      :wink: Wolfgang

      Wikipedia als Konkurrenz zu bspw.

      Bürger, Peter (1974): Theorie der Avantgarde. Erstausg., 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
      Finter, Helga (1980): Semiotik des Avantgardetextes. Gesellschaftliche und poetische Erfahrungen im italienischen Futurismus. Stuttgart.
      Beyme, Klaus von (2005): Das Zeitalter der Avantgarden. Kunst und Gesellschaft 1905-1955. München: Beck.

      Ist das Dein Ernst?
      Der Wikipedia-Abschnitt "Avantgarde in der Literatur" ist schon sehr marginal, bestätigt mich aber, oben bei Baudelaire angefangen zu haben, wozu Du meintest, Du müsstest Dich einlesen. Die Trennung von "Avantgarde in der Literatur" und "Avantgarde in der Darstellenden Kunst" ist problematisch, da es ein Kennzeichen der Avantgardebewegungen ist, diese Trennungen aufzuheben. Zur "Avantgarde in der Musik" bevorzuge ich Danusers eher an Bürger orientierte Sichtweise mit einem - es wird Dich nicht wundern - sehr engen Avantgarde-Begriff.
      :D
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    • Deinen letzten Beitrag kannst Du löschen; Das Zitat ist überholt; ich war noch nicht fertig.

      Allerletzter Versuch meinerseits:

      Der Begriff Avantgarde hat eine allgemeine Bedeutung und spezielle Bedeutungen. Ich möchte jetzt von Dir wissen, worauf Du mit diesem Begriff hinauswillst und wie Du ihn verstehst. Ich bin auch nicht so blöd, wie Du mich soeben hinstellst. Und ich muss mich ebenso wenig beleidigen lassen von Dir. Vielleicht ist Dir meine respektvolle Haltung Dir gegenüber bislang schon aufgefallen. Es hat aber alles Grenzen.
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    • andréjo schrieb:

      Könnte es sein, dass Du vieles gelesen, aber nicht alles verstanden hast? Da ich nicht den Eindruck habe, dass Du über irgendetwas, was ich geschrieben habe, ernsthaft reflektierst und da ich keine Lust auf Auseinandersetzungen unterhalb der Gürtellinie habe, ist jetzt wirklich Schluss.
      Du hättest ja auch mal Deine Hierarchien für die Ismen präsentieren können, sonst sehe ich keinen Dissenz, außer, dass Du meine Beiträge nicht zu lesen scheinst ... ich empfinde es aber auch als sehr mühsam, dass Du ständig in meine Beiträge irgendeinen Unsinn hineininterpretierst und dann einen auf Professor machst - das hat mir jetzt gereicht, weshalb ich Dir das mit "russischem Futurismus" und "Stil" zurückgegeben habe. Zu Deiner Idee, der Expressionismus würde hierarchisch über dem Futurismus stehen und die Avantgarde sei kein Fachbegriff, russische Avantgarde aber schon, hätte ich jetzt allmählich gerne Nachweise. Die wirst Du selbstverständlich nicht bringen.
      ;)
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    • putto schrieb:

      Mit der Hierarchie bin ich jetzt nicht so glücklich, weil sie wieder zur Schubladisierung führt: Wenn die Avantgarde eine Stufe höher ist und die Ismen zugeordnet werden, dann passen wieder manche mehr, manche weniger, zudem macht nicht jeder Ismuszugehörige das, was den Ismus zur Avantagardeströmung macht. Lieber lasse ich die Begriffe wie Inseln im Raum schweben, manche sind gewichtiger manche weniger, und es gibt diverse Verbindungen dazwischen und zu den Werken und Künstlern.

      Avantgarde zeichnet sich ab etwa 1910 aus u.a. durch die Tendenz, im Versuch, den Rezipienten zu einer neuen Lebensart zu verhelfen, ihn mit Unlogik zu provozieren, die Trennung der Kunstbereiche (Malerei, Dichtung, etc.) aufzulösen, letztlich die Kunst überhaupt abzulösen und in eine neue "Lebenspraxis" aufgehen zu lassen. Eine solche Definition geht insbesondere von Marinetti aus, der in futuristischen Veranstaltungen erstmal die jeweilige Stadt, die er besuchte, schlecht machte, und erst zufrieden war, wenn es einen Skandal gab. Damit wird die Rollenverteilung Künstler-Rezipient aufgehoben und alle zusammen realisieren dann die neue futuristische Schimpf- und Kampf-Lebensweise als Vorstufe zum Weltkrieg ... in dem Zusammenhang erhält das Manifest eine den Kunstwerken mindestens gleichrangige Rolle. Es geht darum, etwas zu bewirken, nicht nur etwas zum Ausdruck zu bringen.

      Mustergültig sind neben Marinetti einige Äußerungen des russischen Futurismus und des Dadaismus, dem ich schon abkaufe, die Kunstausübung in Lebenspraxis aufgehen lassen zu wollen. Ihn auf eine Expressionismusparodie zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht.

      Die Tendenz der Ablösung der Kunst wird auch im russischen Konstruktivismus deutlich und z.T. explizit gefordert, hier geht es aber utilitaristischer zu und ohne Unsinn: Der neue kommunistische Mensch soll durch Anschauung konstruktiver Logik zum besseren Arbeiter erzogen werden, Kunst wird zum Demonstrationsobjekt konstruktiver Denkweise. Das ist avantgardistisch, tritt es in Zusammenhang mit einer Ablehnung bürgerlicher Kunst auf. Der insbesondere französische Funktionalismus in der Architektur hat zwar manchmal die Tendenz, den Künstler auf die Stufe des Ingenieurs hinunterzuschubsen, die Baukunst durch den Maschinenvergleich zu entweihen, sichert sich aber durch Verweis auf antike Baukunst ab. Ebenso sind die Tendenzen zur Gebrauchsmusik in der deutschen Neusachlichkeit eine gemäßigte Variante der Kunstabschaffung. Die Tendenz der russischen Faktographie, an Stelle der bürgerlichen Lebensgeschichte die dokumentierten Fakten treten zu lassen.

      Was hat nun der Expressionismus avantgardistisches an sich? Ablehnung der Konvention bis zur Katastrophenphantasie aber ohne Gewaltaufruf und mit Festhalten am Sonett - Forderung eines neuen, besseren Menschen. Z.T. Sprachzertrümmerung nach Marinetti-Muster, aber das ist eher singulär (Stramm). Auch die Tendenz zur Auflösung der Kunstgrenzen ist die Ausnahme (Kandinskys Bühnenwerk Der gelbe Klang, Schönbergs Farbenmelodie fallen mir ein).

      Die Tendenz der Irritation des Rezipienten durch Unlogik wird ja dann wieder im Surrealismus vehementer betrieben, auch die Provokation (durchschnittenes Auge in Bunuels Un Chien andalu).

      Es ergeben sich also diverse Verbindungen, aber in meinen Augen keine Hierarchie. Freilich, wenn Schwitters seinen Dadaismus auch Merz nennt, dann ist das eine Untergruppe. Aber die oben genannten Ismen sind schon gewichtiger.
      Ist natürlich keine vollständige Avantgarde-Definition.
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    • putto schrieb:

      Du hättest ja auch mal Deine Hierarchien für die Ismen präsentieren können, sonst sehe ich keinen Dissenz, außer, dass Du meine Beiträge nicht zu lesen scheinst ... ich empfinde es aber auch als sehr mühsam, dass Du ständig in meine Beiträge irgendeinen Unsinn hineininterpretierst und dann einen auf Professor machst - das hat mir jetzt gereicht, weshalb ich Dir das mit "russischem Futurismus" und "Stil" zurückgegeben habe. Zu Deiner Idee, der Expressionismus würde hierarchisch über dem Futurismus stehen und die Avantgarde sei kein Fachbegriff, russische Avantgarde aber schon, hätte ich jetzt allmählich gerne Nachweise. Die wirst Du selbstverständlich nicht bringen.

      Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich auf diese Mischung aus Frechheit und sachlicher Unausgegorenheit weiter eingehe!

      Mögen sich andere mit Deiner Kurzabhandlung von zuletzt befassen, da habe ich wirklich keine Lust mehr dazu.

      Wolfgang
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    • Sozusagen qed - schade, ich hatte gehofft, Du fühlst Dich angestachelt, endlich einmal Deine Expressionismus- und Avantgarde-Einordnung zu konkretisieren oder zu untermauern.
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