Scherzo als favorisierter Satz eines Werks?

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    • Scherzo als favorisierter Satz eines Werks?

      Mal ein etwas leichterer Thread für die Feiertage. Es soll nicht um die beliebtesten Scherzo- oder Menuett-Sätze gehen.
      Sondern um Fälle, in denen in einem mehrsätzigen Werk Euch ein solcher Satz am besten von allen gefällt. Oft sind oder gelten diese Sätze als die "leichtesten", werden tendenziell eher gering geschätzt, wobei manche davon aber auch besonders populär geworden sind (zB der dritte Satz aus Brahms dritter Sinfonie). Es müssen keine Tanzsätze sein, auch "Intermezzi" oder Scherzando-Sätze sind zulässig (allerdings keine allegretto-Sätze, die eindeutig den "langsamen" Satz vertreten wie in Haydns 103. oder Beethovens 7.). Fälle, in denen ein Menuettsatz o.ä. als Finale fungiert (wie in zahlreichen Haydn-Sonaten) sind dagegen erlaubt. Kammermusik, Sinfonien, Suiten, Klaviersonaten etc. alles geht.

      Kandidaten von meiner Seite:

      Beethoven, op.18/4, 2. Satz
      Schubert, Sonate D 850, 3. Satz
      Chopin, Sonate b-moll, 2. Satz
      (edit, noch einen offensichtlichen Fall vergessen) Rott, Sinfonie E-Dur
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Interessante Frage - aber da ich mir die Satzbezeichnungen nie merken kann, muss ich erst mal ein wenig recherchieren gehen :schaem1:

      Aber einen habe ich schon:
      Schubert, 3. Satz aus der großen C-Dur-Sinfonie, D. 944.
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Scherzo als Favorit? Kommt bei mir mittlerweile selten vor (klar, früher als Jugendlicher, als ich ohne langsame Sätze auskam, wäre z. B. Tschaikowsky 6 dabei gewesen :) )

      Heute vielleicht diese:

      Enescus dritte Symphonie
      Schumanns drittes Streichquartett
      Brittens Violinkonzert
      Mahler 6
    • Schönes Thema, schwierige Frage!

      Mahler 6 ist mir zuerst eingefallen, aber das Finale toppt natürlich alles.
      Dito Brahms - die dritte Sinfonie wurde im Eröffnungsbeitrag genannt, die vierte würde ich noch nennen, aber das Finale der vierten überstrahlt freilich auch dieses.
      Dito Bruckner 9. Tolles Scherzo, aber es folgte ein noch großartigeres Adagio.
      Dito Mozart KV 550.

      Es scheint so, dass die Komponisten extrem gut darin waren, die übergeordnete Werkdramaturgie zu beachten, so großartig die Scherzi, Menuette usw. auch gewesen sein mögen.

      Insofern fällt mir kein Beispiel für diesen Thread ein. Vielleicht müsste man umgekehrt nach "schwachen" Finali suchen. (Bruckner 6?)

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Ich habe den Brahms-Satz zwar als Beispiel für einen sehr populären genannt, ich persönlich mag ihn aber nicht besonders und er ist ganz klar der, den ich von denen der 3. Sinfonie am wenigsten mag.

      Bruckners 6. hat ein vor mir sehr geschätztes Scherzo, das ich dem Finale leicht vorziehe, aber nicht den ersten beiden Sätzen.

      Nochmal zwei, wobei ich gestehen muss, die anderen Sätze der Dvorak-Sinfonie nicht so präsent zu haben, was aber ja auch bezeichnend ist und für den Furiant spricht.
      Dvorak, 6. Sinfonie, 3. Satz (Furiant)
      Mahler, 5. Sinfonie, 3. Satz.

      Zumindest ein Kandidat wäre das erste Scherzo (2. Satz) aus Brahms 1. Serenade, wobei ich den langsamen Satz vermutlich doch vorziehe.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Das Scherzo von Bruckners Sechster finde ich sehr ansprechend (wenn auch nicht für diesen Thread passend, weil das Adagio und auch der Kopfsatz des Werkes noch schöner/gewichtiger sind).

      Bei Mahler käme ich nie auf die Sechste. Viel eher auf die Fünfte, bei der das Scherzo wirklich das Herzstück, der vielgestaltigste und farbenreichste Satz ist - einer der faszinierendsten in Mahlers Gesamtwerk.


      Andere Kandidaten, die mir spontan einfallen:

      Haydn, Sinfonie Nr. 95 c-moll
      Beethoven, Sinfonie Nr. 1 C-Dur
      Beethoven, Klaviersonate op. 27 Nr. 1
      Schumann, Streichquartett op. 41 Nr. 3
      Schumann, Klavierquartett

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Kommt bei mir zugegebenermaßen selten vor. Auf jeden Fall mag ich das Menuett aus Mendelssohns D-Dur SQ 44/1 am liebsten von den vier Sätzen. Eventuell auch das fantastische Scherzo aus Beethovens c-Moll Streichtrio op. 9.

      Jetzt ist mir noch eingefallen: das Scherzo aus der Schottischen Symphonie. Das reißt mich von den vier Sätzen am meisten mit.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Zwielicht schrieb:

      Bei Mahler käme ich nie auf die Sechste. Viel eher auf die Fünfte, bei der das Scherzo wirklich das Herzstück, der vielgestaltigste und farbenreichste Satz ist - einer der faszinierendsten in Mahlers Gesamtwerk.
      wenn überhaupt eines, dann würde ich auch das Scherzo Mahler V nennen wollen. Wobei die Scherzos aus den IX (Beethoven + Bruckner) sich bei mir schon auch sehr melden, aber eben die andern Sätze letztlich doch nicht in den Schatten stellen können (jetzt Beeth. IX,4 mal nicht berücksichtigt).
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Nomen est Omen

      Ich habe im iTunes eine eigene Playlist, die nur aus "Scherzi" besteht (oder das was ist dafür halte :-))

      hier nur mal die ersten paar Einträge (sortiert nach Hörhäufigkeit(:

      Beethoven
      Sonate op. 106, 2. Satz
      Bruckner
      9. Symphonie, 2. Satz
      Brahms
      2. Klavierkonzert, 2. Satz
      Schumann
      Klavierquartett op. 44, 3. Satz
      Bruckner
      8. Symphonie, 2. Satz
      Beethoven
      Streichquartett op. 135, 2. Satz
      Tschaikowsky
      6. Symphonie, 3. Satz
      Bruckner
      4. Symphonie, 3. Satz
      Brahms
      Klavierquartett op. 60, 3. Satz
      Beethoven
      Klaviersonate op. 110, 2. Satz
      Beethoven
      Klaviersonate op. 31,3, 2. Satz
      Schubert
      Streichquintett C-Dur, 3. Satz
      Beethoven
      Streichquartett op. 131, 5. Satz

      und so geht das immer weiter .....

      Als Bub konnte ich es nie erwarten, bis der langsame Satz endlich fertig war und der Rock'n Roll wieder anfing ....
      Diese Einstellung hat sich gottseidank gewandelt. Trotzdem sind mir die schnellen Mittelsätze doch nach wie vor sehr ans Herz gewachsen. :kuss2:

      :clap:
    • als eine Art Unterfrage zum Fadenthema könnte man vielleicht auch speziell nach Trios fragen - nicht unbedingt gleich nach überragenden, aber doch herausragenden ...

      da würde mir neben den Trio in Bruckner IX vor allen das Trio in Bruckner V einfallen, das mir wie ein Kinderzimmer im Riesenbau vorkommt ...
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


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      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Henry Charles Litolff (1818 - 1891)

      In den vier erhaltenen Klavierkonzerten (2, 3, 4 und 5) des aus England stammenden Klassizisten Litolff sind die Scherzo-Sätze besonders prägend. So prägend, dass man früher eigentlich immer nur das Scherzo aus dem vierten Konzert gespielt hat. Schön, dass jetzt die Werke in zumindest jeweils einer sehr guten Aufnahme zur Verfügung stehen. Als drittes Cover verlinke ich eine der mehreren älteren Einspielungen des einschlägigen Einzelsatzes. Er war schon in meiner Jugend immer wieder im Rundfunk zu hören, so dass ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen wäre, Litolff hätte gut halbstündige leibhaftige Konzerte komponiert. :P



      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • In Scherzo-Meisters Scherzo-Liste sind ein paar Nummern enthalten, die ich auch genannt hätte. Beethoven war in der Tat auch ein Scherzo-Beethoven und besonders originell sind Sätze, bei denen sich das Gemächliche mit dem Scherzanden mischt, quasi legato und staccato. Opus 31/3 kann man vielleicht nennen - wirklich langsam ist der Satz zwar nicht, aber das eigenwillig pathetische melodische Element passt meines Erachtens doch nicht so ganz zu einem echten Scherzo. Das mag Auffassungssache sein.

      Aber da gibt es noch mehr ... 8o

      Scherzo schrieb:

      Diese Einstellung hat sich gottseidank gewandelt. Trotzdem sind mir die schnellen Mittelsätze doch nach wie vor sehr ans Herz gewachsen.
      Beides gilt für mich genauso und warum auch nicht!

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • op.31/3 hat ein 2/4 oder vielleicht eher 4/8-Scherzo an zweiter Stelle und ein Menuett an dritter, ähnlich wie die 8. Sinfonie und das Quartett c-moll. Wobei die jeweils 2. Sätze der letztgenannten Werke eher einen langsamen Satz "vertreten", während diese Rolle in op.31/3 eher dem Menuett zufällt. Oder vielleicht konzediert man, dass die alle gar keinen langsamen Satz haben.

      Scherzo - Trio ist wieder ein anderes Thema. Sicher spielt das Trio eine Rolle bei meiner Präferenz für das Scherzo in Chopins b-moll-Sonate.
      Witzig finde ich, wenn Trio und Scherzo quasi die Rollen tauschen wie in einem der Sextette von Brahms, wo das Trio lebhafter ist als das Scherzo.
      Gilt auch für Brahms's 1. und 2. Sinfonie, wobei in der 1. keiner der Abschnitte wirklich scherzando-Charakter besitzt. Finde ich beides aber sehr gelungene Sätze, bei denen allein der traditionell eher leichte Charakter eine Nominierung für den Thread verhindert.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Die Scherzi z.B. aus Beethovens op. 106 oder Bruckners Neunter sind ja zweifellos herausragende Stücke, aber im Sinne des Threadthemas? So dass man sie den anderen Sätzen vorzieht?

      Weitere Kandidaten bei Haydn wären für mich: das abschließende Menuett der Lamentatione-Sinfonie (wobei da der zweite Satz mindestens ebenso schön ist) und dasjenige der Sinfonie Nr. 28 mit dem Bariolage-Effekt in den Geigen.

      Bei Bartok das zweite Streichquartett.

      Trio:
      Mozart Es-Dur-Sinfonie KV 543 als Inkarnation des Klarinettenklangs
      Beethoven dritter Satz der Sonate op. 31/3, mit den immer dissonanter werdenden Akkorden

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Die Scherzi z.B. aus Beethovens op. 106 oder Bruckners Neunter sind ja zweifellos herausragende Stücke, aber im Sinne des Threadthemas? So dass man sie den anderen Sätzen vorzieht?
      Ich habe das Thread-Thema so verstanden, dass einem betreffende Scherzi besonders am Herzen liegen oder dass sie besonders auffallen. Daraus möchte ich nicht folgern, dass mich die jeweils anderen Sätze weniger berühren, denn in diesem Falle würde für unseren Thread doch kaum etwas verbleiben, nicht nur nicht Beethoven Hammerklavier. oder Bruckner 9. Eigentlich nur das Scherzo von Litolff - Hugh! :D

      Aber bevor ich einen unnötigen Anstoß zu Meta-Diskursen gegeben haben sollte, leiste ich lieber gleich Abbitte und freue mich auf weitere Vorschläge! Pax festi natalicii Domini vobiscum!

      :wink: Wolfgang
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    • Stimmt, Schostakowitsch ist ein heißer Kandidat für Werke, bei denen das Scherzo der Höhepunkt ist... Drittes Streichquartett, sechste Sinfonie (eins meiner Lieblingsscherzi), zehnte Sinfonie. Bei der Achten ist zumindest der Kopfsatz noch großartiger, aber das in Vierteln dahinjagende Scherzo mit den darübergelegten Schreien reißt mich auch immer wieder mit. Und dann das Trio mit der grotesken Feuerwehrkapelle!

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)