Wanted: Musik aus dem Dreißigjährigen Krieg

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    • Palisander schrieb:

      Wobei es vermutlich einen Graubereich gibt in dem beide Stile parallel nebeneinander existiert haben.
      Hmmm ... welche Stile meinst Du? Gehst Du davon aus, dass alle Komponisten von Spanien bis Russland, von Italien bis Schweden im selben Stil komponiert hätten und dann gleichzeitig umgestellt hätten?

      Meinst Du die "prima" und die "seconda" prattica? Die seconda prattica finden wir ja noch bei Bach und (stilisiert) darüber hinaus.

      Frühbarock würde ich vor allem die Anfänge der Oper in Italien nennen, insbes. Monteverdi. Dazu diejenigen Komponisten von weltlicher und geistlicher Vokalmusik, die in Italien lernten wie Hassler und Schütz. Dazu die Musik für Tasteninstrumente von Frescobaldi, Sweelinck, Scheidt, und den drei Prätorius'. Technisch waren eine neuartige Dissonanzbehandlung und vor allem der Generalbass die Kennzeichen des neuen Stils.

      Hochbarock sind dann vielleicht eher die Orgelmeister der norddeutschen Schule bis vor Buxtehude (Weckmann, Reinken Tunder), die französische (Lully) und englische Oper (Purcell) sowie der aufkommende Concerto-grosso-Stil (Corelli).

      Ist frühbarock Musik häufig noch im Ausgleich der Vertikalen und der Horizontalen gedacht und ist das Erbe der Renaissance oft deutlich zu hören, so hat die hochbarocke Musik doch häufig motorische Anteile, die Horizontale dominiert, Zusammenklänge ergeben sich weniger durch geschickte Stimmführung, sondern das harmonische Denken verabsolutiert sich.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Palisander schrieb:

      Wobei es vermutlich einen Graubereich gibt in dem beide Stile parallel nebeneinander existiert haben.
      Hmmm ... welche Stile meinst Du? Gehst Du davon aus, dass alle Komponisten von Spanien bis Russland, von Italien bis Schweden im selben Stil komponiert hätten und dann gleichzeitig umgestellt hätten?

      Meinst Du die "prima" und die "seconda" prattica? Die seconda prattica finden wir ja noch bei Bach und (stilisiert) darüber hinaus.

      Frühbarock würde ich vor allem die Anfänge der Oper in Italien nennen, insbes. Monteverdi. Dazu diejenigen Komponisten von weltlicher und geistlicher Vokalmusik, die in Italien lernten wie Hassler und Schütz. Dazu die Musik für Tasteninstrumente von Frescobaldi, Sweelinck, Scheidt, und den drei Prätorius'. Technisch waren eine neuartige Dissonanzbehandlung und vor allem der Generalbass die Kennzeichen des neuen Stils.

      Hochbarock sind dann vielleicht eher die Orgelmeister der norddeutschen Schule bis vor Buxtehude (Weckmann, Reinken Tunder), die französische (Lully) und englische Oper (Purcell) sowie der aufkommende Concerto-grosso-Stil (Corelli).

      Ist frühbarock Musik häufig noch im Ausgleich der Vertikalen und der Horizontalen gedacht und ist das Erbe der Renaissance oft deutlich zu hören, so hat die hochbarocke Musik doch häufig motorische Anteile, die Horizontale dominiert, Zusammenklänge ergeben sich weniger durch geschickte Stimmführung, sondern das harmonische Denken verabsolutiert sich.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Anfänge der Oper in Italien" = "Ausgleich der Vertikalen und der Horizontalen"?
      "Weckmann, Reinken, Tunder" = "Horizontale dominiert"?
      :pfeif:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Das einzige, was klar wäre, ist, dass Lully und Corelli "Hochbarock" wären, und das deutlich nach dem hier gefragten Zeitraum.
      Wenn für die hochbarocke Sonate die Mehrsätzigkeit mit je wenigen Abschnitten charakteristisch ist, dann fängt das nach 1650 an.

      Die wichtigsten süddeutschen Komponisten der frühbarocken Sonate wären lt. MGG J. Staden und J. E. Kindermann.
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    • Praktisch die ganze Zeit des 30-jährigen Krieges war Antonio Bertali in Wien tätig, ein großer Meister, von dem einiges an Instrumentalmusik erhalten geblieben ist:



      Das ist sicher eine meiner Lieblingsplatten aus dem 17. Jahrhundert und würde zeitlich und räumlich hervorragend passen.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • putto schrieb:

      "Anfänge der Oper in Italien" = "Ausgleich der Vertikalen und der Horizontalen"?
      Der Putto kann so witzig sein ... ;)

      putto schrieb:

      "Weckmann, Reinken, Tunder" = "Horizontale dominiert"?
      Dito.

      Tja, wenn nur alle Komponisten zur selben Zeit genau gleich komponiert hätten, dann würden unsere Schubladen viel besser passen ... Wenn die Wirklichkeit in einen kleinen Kopf hineinpassen soll, dann muss man sie halt arg beschneiden.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Allerdings frage ich mich, wo die Horizontale mehr dominiert als in der frühbarocken italienischen Oper.
      In welcher Gattung soll denn dieser Dominanzzuwachs der Horizontale vom Früh- zum Hochbarock stattgefunden haben? In der Sonate? Corelli ist horizontaler als Uccellini? In der Orgelmusik?
      ?(
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    • Zusammenklänge ergeben sich weniger durch geschickte Stimmführung, sondern das harmonische Denken verabsolutiert sich
      Das bedeutet nicht unbedingt eine Aufwertung der Horizontalen. Man könnte es sogar als Entwertung der Horizontalen sehen, da die Stimmen nun nicht mehr quasi gleichberechtigte Linien singen.
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    • Ich hatte Audi so verstanden, dass es präferentiell Musik aus dem deutschen Raum sein sollte. Da Bertali wiener Hofkomponist war, habe ich die CD hier genannt. Man könnte aber auch einfach Instrumentalmusik wirklich deutscher Komponisten heranziehen:



      Stilistisch ist das wohl von Tanzmusik aus Westeuropa und Italien schwer bzw. gar nicht abgrenzbar, da es außerhalb der Orgelmusik damals wohl noch keinen deutschen Stil gab.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Hier sind schon jede Menge toller Anregungen. Lieben Dank!
      Ja, deutsche Komponisten wären den Leuten wohl am besten zu verkaufen :D
      Der Würzburger ist natürlich megainteressant. Und den gibts auch in Noten zu kaufen.
      „Verleih uns Frieden“ ist auch schon gekauft.
      Bin aber nach wie vor offen für alles.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Von Buchner gibt s auch bei "imslp" was:

      "https://imslp.org/wiki/Harmonia_instrumentalis%2C_Op.5_(Buchner%2C_Philip_Friedrich)"

      Das Notenbild lässt allerdings zu wünschen übrig........also ich persönlich hätte keinen Bock mich da durchzukämpfen. Allerdings gibt es die Noten so ziemlich überall zu kaufen. Hörschnipsel habe ich leider keine gefunden.

      VG

      Palisander