"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

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    • Heute Beethoven ohne Wuschelkopf.

      L. v. Beethoven: Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110

      Claudio Arrau



      Ja ... irgendwie war klar, dass die uneitle Noblesse des Chilenen dieses Werk wunderbar entfalten würde ... ja, mehr noch, es ist schon eine der Aufnahmen, welche die Illusion der Perfektion evozieren können. Nur der zweite Satz, der ist mir einen Tick zu statisch. Egal. Herrliche Aufnahme. Was für ein Tagesbeginn, der die leere Hektik der Welt als nichtig entlarvt.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Hier Brahms.

      Johannes Brahms

      Händel-Variationen op. 24
      Rhapsodien op. 79
      Klavierstücke op. 118 & 119

      Murray Perahia (Klavier)



      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Die letzten Abende mehrmals gehört:

      Leonard Bernstein: Klaviersonate (1938)

      Datiert ist Leonard Bernsteins frühe Klaviersonate mit 1938. Der 1918 geborene Jungmusiker und Harvard-Student soll sie aber bereits Anfang 1937 Dimitri Mitropoulos vorgespielt haben. Zugeeignet ist sie Bernsteins Klavierlehrer Heinrich Gebhard.

      Sie dauert meist rund 15 bis 18 Minuten, hat zwei Sätze und wirkt auf mich wie eine stilistisch bunte, rhapsodische Fantasie, ein impulsiver Stilmix mit Einsprengseln à la Beethoven, Schumann, Chopin, Liszt, Tschaikowsky, Mussorgsky, Rachmaninow, Skrjabin, Bartók, Strawinski, Gershwin und Copland, zusammengemixt zu einem originalen Bernstein-Cocktail. Sonatensatzform, dreiteilige Liedform oder Rondoelemente findet man hier keine.

      Der kürzere 1. Satz (Cadenza – Presto) beginnt, als würde Mussorgskys Gnom aus dem „Bildern einer Ausstellung“ in den Beginn von Beethovens Sonate op. 111 springen. Wie in einer Improvisation folgen impulsive Sequenzen aufeinander.

      Der 2. Satz (Largo – Moderato – Cadenza) suggeriert zunächst einen „langsamen Satz“, wie ein fließendes Chopin-Prélude, harmonisch reizvoll, ehe nach einer Steigerung ein Neuansatz mit einer Fugatopassage überrascht, die an Liszts h-Moll Sonate denken lässt, worauf es feierlich weitergeht und die Sonate mystisch endet, mit einer einstimmigen, nur verhalten harmonisch gestützten verlorenen, einsamen Melodie.

      Als der amerikanische Pianist James Tocco 1983 Bernsteins „Complete Works for Solo Piano“ bei Pro-Arte veröffentlichte, war die Sonate offenbar noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert. Insofern ist diese Sammlung keineswegs schon “complete“. Bernstein selbst scheint die Sonate nicht aufgenommen zu haben. Auch aus dem umfangreichen Columbia/CBS/RCA Archiv ließ sich nichts finden für die Sony Boxen zu Bernsteins 100. Geburtstag („The Pianist“ und „The Composer“). Gehäuft wurde die Sonate wohl wirklich erst rund um dieses Jubiläum auf Tonträgern vorgelegt.

      Mir liegen diese Aufnahmen auf CD vor - persönliche Höreindrücke:



      Für die DGG-CD-Jubiläumsbox „Leonard Bernstein Complete Works“ hat die amerikanische Pianistin Katie Mahan am 25. und 26.11.2017 Bernsteins Solo-Klavierwerke im Meistersaal in Berlin neu eingespielt. Die Aufnahme der Sonate (Spielzeiten der Sätze 5:24/12:42) packt mich vehement für das Werk – pianistisch fulminant, virtuos zupackend, mit starker Innenspannung gespielt, dramatisch genauso wie fein schattiert geheimnisvoll. Eine starke Vorgabe für weitere Aufnahmen! Auf CD gibt es diese Aufnahme wohl nur in der Box, digital auch einzeln.



      Michele Tozzetti nahm Bernsteins „Complete Solo Piano Music“ vom 8. bis 10.12.2017 im Musicafelix-Studio (Benelli Mosell, Prato, Italien) für das Label Piano Classics auf – die Sonate (5:02/9:25) zurückhaltender, leichtgewichtiger, linearer im Flow als Katie Mahan, insgesamt deutlich ausgleichender, der 2. Satz schneller. Hier merkt man im direkten Vergleich, wie viel dramatischer und impulsiver Katie Mahan unterwegs war und wie ungleich mehr mystisches Gewicht sie auf das Ende der Sonate legt.



      In Leann Osterkamps Auseinandersetzung mit Bernsteins Klavierwerk, veröffentlicht von Steinway und in der Steinway Hall in New York auch aufgenommen am 17.10. sowie am 5., 6. und 16.12.2016, staunt man über die Spielzeiten (4:20/7:23) und bekommt die Erklärung dafür akustisch mit einer geradlinigen, betont zügigen auffallend kühlen, sehr diesseitigen Interpretation geliefert. Das wäre dann also die Aufnahme für alle jene, die das Werk möglichst rasch hinter sich bringen wollen.



      Eine weitere schon etwas früher entstandene Bernstein-Klavier-Solo CD liegt mit Alexandre Dossin vor (Naxos, aufgenommen 3. bis 5.1. sowie 24. bis 26.3.2014, Beail Concert Hall, University of Oregon, Eugene, Oregon, USA). Auch Dossin spielt die Sonate (5:58/11:15) kühl und betont kontrolliert, exakt, sachlich und damit etwas didaktisch wirkend.



      Mit den ambitionierten Aufnahmen einiger Solo- und Kammermusikwerke, die der WDR zu Bernsteins 100. Geburtstag auf drei CDs veröffentlicht hat, kehrt die Aufnahmerunde zur impulsiven, pianistisch virtuosen, dramatischen bis mystisch fein schattierten Hochspannung der Katie Mahan Aufnahme zurück. Hier spielt Benyamin Nuss die ausgewählten Soloklavierwerke Bernsteins. Aufgenommen hat er sie auch im November 2017 im Klaus-von-Bismarck-Saal beim WDR in Köln (5:30/11:11). Den mystischen Schluss nimmt Nuss dann aber doch etwas lapidarer als Katie Mahan.

      Der Schreiber dieser Zeilen bevorzugt an sich emotionalere Aufnahmen gegenüber kühl-analytischeren. Davon ausgehend ist jene von Katie Mahan meine Nummer 1, dicht gefolgt von Benyamin Nuss. Tozzetti steht für sanfteren Flow, Leann Osterkamp für den Blick auf die Uhr und Dossin für den Pädagogen, der alles genau erklärt.

      Für heute habe ich mir noch - Sonatenfetischist durch und durch - zur Feier des Tages Clara Schumanns Sonate g-Moll (1841/42) vorgenommen. Bin schon sehr gespannt darauf. Mehr dazu vielleicht morgen.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Dann finden die Katastrophen eben nicht bei Mahler, sondern bei Schubert statt.

      Franz Schubert

      4 Impromptus op. 90 D 899
      4 Impromptus op. 142 D 935

      Alfred Brendel
      Aufnahmen Februar 1972 (D 899), Juni 1974 (D 935)



      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Neu

      Vorgestern (zum 200. Geburtstag der Komponistin) und gestern gehört:



      Clara Schumann (1819-1896):
      Klaviersonate g-Moll (1841/42)
      Jozef de Beenhouwer

      Die einzige Klaviersonate von Clara Schumann (1819-1896) steht in g-Moll und trägt keine Opuszahl. Ausgangspunkt ist eine Sonatine mit einem Allegro und einem Scherzo, die Clara ihrem Ehemann Robert zu Weihnachten 1841 geschenkt hat. Zur Sonate ergänzt hat Clara das Werk 1842, es wurde zu Lebzeiten der Komponistin und Pianistin aber nicht veröffentlicht. Das Scherzo (den 3. Satz) hat Clara aber in ihre Quatre Pièces fugitives für Klavier op. 15 integriert. Dort ist es das letzte Stück.

      Die Tonträger-Erstaufnahme legte der belgisch-flämische Pianist Jozef de Beenhouwer vor, der sich als einer der ersten nachhaltig für Clara Schumanns Klavierkompositionen einsetzt, eingespielt bei der Aufnahmesession von 15. bis 18.8.1990 in St. Ansfriduskerk (Amersfoort, Holland) auf einem Steinway Flügel (3 CDs cpo 999 758-2).

      Bei de Beenhouwer ist die Sonate 19:17 Minuten lang. Sie hat ganz konventionell vier Sätze. Ich habe sie so gehört:

      Der anmutige g-Moll-Sonatensatz des eröffnenden Allegro macht die stilistische Verbundenheit mit Claras Ehemann Robert deutlich, aber auch den mittleren Beethoven mag man durchhören. Der Booklet-Einführungstext weist auf eine thematische Verwandtschaft mit Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll hin.

      Das kurze Adagio das nun folgt höre ich als lyrisches Lied ohne Worte. Hier wird im Booklet die thematische Verwandtschaft mit Robert Schumanns Schlummerlied op. 124/16 vermerkt.

      Ins keck-charmante G-Dur-Scherzo des 3. Satzes ist ein melancholisches e-Moll-Trio kontrastiv eingeflochten.

      Und beim durch den Mollcharakter anrührend elegisch durchzogenen Rondo-Finale scheinen wieder stilistisch der Ehemann und der mittlere Beethoven durch. Das Rondothema hat Clara Schumann auch bei ihrer Heine-Vertonung „Sie liebten sich beide“ eingesetzt.

      Die Notenausgabe und weitere Aufnahmen:



      Die Mitte der 90er Jahre zu Claras 100. Todestag für Aperto entstandene (nach Beenhouwer zweite) Gesamtaufnahme der Clara Schumann Klavierwerke der deutschen Pianistin Susanne Grützmann, die natürlich auch die Sonate enthält, wurde im Jubiläumsjahr 2019 bei Profil wiederveröffentlicht. Weitere Clara Schumann Klavier CDs mit der Sonate kommen etwa von Yoshiko Iwai (Naxos, aufgenommen 1996), Eugenie Russo (Palladino 2013) und zum Jubiläumsjahr 2019 von Isata Kanneh-Mason (Decca), Margarita Höhenrieder (Sono Musica) und Domenico Codispoti (Piano Classics).
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Neu

      Nachts nach der Clara Schumann Sonate auch noch gehört:



      Alban Berg:
      Klaviersonate op. 1
      Hélène Grimaud

      Hineinstürzen und mittauchen...

      Und meine Entdeckung der Woche auch noch einmal:



      Leonard Bernstein:
      Klaviersonate (1938)
      Katie Mahan

      Bleibe dabei - die für mich ausdrucksstärkste Aufnahme des Werks.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Bach: Aria variata alla maniera italiana BWV 989

      Neu

      Gespielt von Christoph Hinterhuber

      und von Vikingur Ólafsson
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Neu

      Gestern mußte ich lesen, daß die mir eigentlich unbekannte Pianistin Dina Ugorskaja vorgestern verstorben ist, mit erst 46 Jahren. Dann stellte ich fest, daß ich eine CD besitze, die Aufnahmen der Cembalosuiten Nr. 2-6 HWV 427-431 enthält. Die habe ich eben angehört:



      Sehr beeindruckend, wie kontrastreich und farbig das hier gespielt wird, sehr variabel im Ausdruck und sehr intensiv!

      Die CD habe ich vor 5 Jahren bei Medimops erworben. Auf der Rückseite des Booklets mit dem Bild der Pianistin, die vor der roten Tür des Handel House Museum steht, findet sich eine handschriftliche Eintragung, unterschrieben mit "In Liebe, Deine Dina".

      Ein Nachruf: stuttgarter-zeitung.de/inhalt.…7e-965d-14d9b0167f3a.html

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      Von Wilhelm Kempff gibt es 3 komplette Zyklen der Beethoven Sonaten : Mono 1951-56 ,Live in Japan 1961 , und Stereo 1964/65 . Aber noch vor den Mono-Einspielungen hatte er seit Ende der 20er Jahre bereits 25 Sonaten für Polydor aufgenommen . Von diesen hörte ich nun op.106 und op.111 , beide 1935 eingespielt . Schöner Kontrast zu den fast zeitgleich von Schnabel gespielten Werken .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )