"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

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    • Général Lavine schrieb:

      Sergej Babayan ist noch unbedingt zu ergänzen
      Von seinem Scarlatti habe ich bisher noch nichts mitbekommen - interessanter Tipp! Live habe ich ihn nur einmal gesehen, nämlich an zwei Klavieren mit seinem ehemaligen Schüler Daniil Trifonov. Ich war so spät dran mit der Kartenbestellung, dass ich nur noch ganz rechts vorne im Parkett eine Karte bekam. Ich ging natürlich davon aus, dass Trifonov links am ersten Flügel sitzen würde und Babayan rechts am zweiten. Als die beiden die Bühne betraten, spazierte aber Trifonov in meine Richtung und setzte sich quasi direkt vor meine Nase :thumbsup:

      Zu Debargue einerseits und Zacharias andererseits als Scarlatti-Spieler habe ich diese interessante Amazon-Kundenrezension gefunden, die der dortige Nutzer "jolikker" schrieb:

      jolikker schrieb:

      Lucas Debargue ist ein begnadeter Scarlatti-Spieler. Davon kann und konnte sich jeder überzeugen, der ihn live im Konzert Scarlatti-Sonaten spielen hörte, nachzuprüfen z.B. auf YouTube mit einer Aufzeichnung von La Grange de Meslay 2016 oder auf der Seite der Rachmaninov Concert Hall in Moskau mit einem Mitschnitt eines Konzerts vom 27. Mai 2019, in dem er die ganze erste Hälfte Scarlatti-Sonaten widmete. In der Live-Situation eines Konzerts setzt Debargue hörbar eine große Dosis Adrenalin frei, die seinem Spiel den nötigen Impetus verleiht, um Scarlattis Sonaten zum Funkeln zu bringen. Hier, in Sonys Studioproduktion, ist davon leider nichts zu bemerken. Hier spielt Debargue auf Sicherheit, hier wird der Notentext kreuzbrav durchbuchstabiert, hier fehlt es hörbar an improvisatorischem Elan und rhythmischem Drive. Während der Zuhörer in seinen Konzerten gefesselt auf der Stuhlkante sitzt, lehnt man sich hier gemütlich in seinem Sessel zurück und fragt sich, ob man nicht lieber eine Schlaftablette hätte nehmen sollen. Debargue bleibt in dieser Studioproduktion weit unter seinen Möglichkeiten und verkauft Scarlatti weit unter Wert. So wurde leider die Chance vertan, eine neue Referenzeinspielung auf den Markt zu bringen. Das Maß aller Dinge in Sachen Scarlatti-Sonaten, gespielt auf dem Klavier, bleibt deshalb bis auf Weiteres die 40 Jahre alte EMI-Einspielung von Christian Zacharias.
      (Quelle: amazon.de/gp/customer-reviews/R1ROJ81JMX4PX7/)
      Ich war, wie gesagt, bisher immer zögerlich, mir Debargues 4 CD-Studioaufnahme zu besorgen. Live überzeugt er mich als Scarlatti-Spieler aber sehr (auch sein Debütalbum wurde live aufgenommen), und witzig, dass "jolikker" auch jenen La Grange de Meslay-Mitschnitt von 2016 erwähnt, den ich heute erst entdeckt habe.
    • Général Lavine schrieb:

      Warum hat Richter eigentlich Scarlatti umgangen?
      Über die Musik von Domenico Scarlatti äußerte er sich gegenüber Bruno Monsaingeon wie folgt:

      Swjatoslaw Richter schrieb:

      Es gibt noch so viel zu lernen, was ich noch nie gespielt habe, Schönberg, Scarlatti, Janácek, ein Komponist, der mich fasziniert und von dem ich nur das "Capriccio" gespielt habe. Bis auf diesen letzten sind das, wie ich gestehe, Komponisten, die mich nicht immer überzeugen. Scarlatti scheint mir eine klägliche Figur gegenüber Johann Sebastian Bach, obwohl er einige Kleinode geschrieben hat.
      (Quelle: Bruno Monsaingeon, "Swjatoslaw Richter - Mein Leben, meine Musik", STACCATO-Verlag 2005, S. 169)

      Eine Meinung, die ich nicht nachvollziehen kann. Aber jeder Künstler muss irgendwo Schwerpunkte setzen (drei Euro ins Phrasenschwein), und Scarlatti gehörte bei Richter definitiv nicht dazu.
    • Was das Pianistische betrifft, hatte ich mir von der 4 CD Box ein wenig mehr erhofft - ich würde sie als gut, aber nicht überragend einstufen. Mich stört auch ein wenig der Mangel an Abwechslung. Debargue hat relativ wenige Scarlatti-Sonaten in Molltonarten oder in langsamem Tempo ausgewählt. Kauf sie Dir, wenn Du Sonaten haben willst, die Haskil, Zacharias etc. nicht eingespielt haben. Allgemein denke ich, dass wir von Debargue noch so Einiges in der Zukunft erwarten dürfen.

      youtube.com/watch?v=zFFWePgG3Zs
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability.
      Oscar Wilde
    • Général Lavine schrieb:

      Allgemein denke ich, dass wir von Debargue noch so Einiges in der Zukunft erwarten dürfen.
      Wie gut dieser Mann ist, ist auch daran zu erkennen, dass er nicht nur perfekt Jazz spielen kann - hier eine improvisierte Jazz-Zugabe nach einem Recital in St. Petersburg am 14. Juli 2015
      youtube.com/watch?v=qhRL6SBHMsQ
      sondern auch selbst komponiert - hier seine Toccata h-moll, live mitgeschnitten in Paris als Zugabe eines Orchesterkonzerts am 9. Dezember 2019
      youtube.com/watch?v=PxgZromgv-Q
      Beide Aufnahmen sind wirklich beeindruckend.

      Und ich ärgere mich umso mehr, dass ich ein Konzert mit Lucas Debargue in der Elbphilharmonie, für das ich eine Karte hatte (auf dem Programm stand Ravels Klavierkonzert G-Dur), arbeitsbedingt sausen lassen musste. Ich kam einfach nicht rechtzeitig aus dem Büro raus :schimpf1: :schimpf1: :schimpf1:
    • Den Abend beschließt bei mir eine ganz ausgezeichnete Scarlatti-Einspielung von Murray Perahia, die mir anlässlich eines von mir ausgerichteten Capriccio-Treffens als Geschenk mitgebracht wurde:

      Es werden die Sonaten K 27, 29, 206, 212, 247, 491 und 537 dargeboten.

      Dem lieben Schenker noch einmal herzlichen Dank! :verbeugung2:
    • music lover schrieb:

      Insgesamt würde ich aber, was Scarlatti angeht, Christian Zacharias als meinen Lieblingspianisten ansehen.
      Ich meine , Marcelle Meyer , Peter Katin und die wunderbare Nina Milkina ( über die ich schon seit Jahren mal was schreiben wollte ) auf Forgotten Records sollten auch in Erwägung gezogen werden , wenn es um Scarlatti geht . forgottenrecords.com/en/Milkin…-CS-PS-ES-Bach--1013.html

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Guter Ordnung halber noch ein Nachtrag . Nina Milkina hat später noch Scarlatti für Pye aufgenommen . Als CD nur in einer offiziell abgesegneten Privat-Edition erschienen . Die Aufnahmen unter dem Titel :Wigmore Hall weisen auf den Aufnahmeort hin , sind aber Studio-Einspielungen . In der Tube ist einiges .

      Pye :youtube.com/watch?v=JdqmWZXzzW4 Westminster youtube.com/watch?v=CU3U_iTOS2Y:
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    • b-major schrieb:

      Marcelle Meyer
      und

      Tastenrabe schrieb:

      Mikhail Pletnev
      habe ich auch in der Sammlung. Marcelle Meyer ist (wie das mit solchen großen Boxen nun mal ist) bei mir hinsichtlich Scarlatti noch ungehört, aber das Virgin Classics-Doppelalbum von Mikhail Pletnjew mit 31 Scarlatti-Sonaten

      sowie seinen 1979er Live-Mitschnitt aus Moskau mit vier Scarlatti-Sonaten

      habe ich durchgehört und war davon angetan.
    • Oh, Scarlatti, da mache ich doch mal wieder den
      1962er feinperlenden Scarlatti Cuvée Ciccolini auf.



      Domenico Scarlatti (1685-1757)
      Klaviersonaten (Auswahl)



      Aldo Ciccolini


      Ich habe keine Ahnung, warum es garde diese Aufnahme mir so angetan hat. Man muss auch nicht alles begründen.


      Gruß
      Josquin
    • Tastenrabe schrieb:

      Schon jemand den guten alten Ivo Pogorelich erwähnt? Fällt mir gerade so ein ..... soll ja auch nicht soooo schlecht sein - soooo exzentrisch, ja, aber nicht soooo schlecht ... :pfeif:
      Exzentrisch? Finde ich aber jetzt nicht soooo sehr; eher erfrischend, the old boy. Diese Sonaten leben ja von ihrem Rhythmus. Da ist der eine oder andere Akzent, betonte Cross-rhythm und knackige Punktierungen schon eine gute Idee, meine ich.
    • Tastenrabe schrieb:

      Schon jemand den guten alten Ivo Pogorelich erwähnt?
      Ja ;) Unter allen Aufnahmen, die er bislang so hinterlassen hat, ist mir das Scarlatti-Album am Sympathischsten.

      Hier nun der Klavier-Titan der 90er, Alexei Sultanov. Im Jahr dieser grandiosen Aufnahme der 2. Sonate b-moll op. 36 von Serge Rachmaninoff war er 26 - und erlitt seinen ersten Schlaganfall. Ich glaube sogar während dieser Japantournee. Mehrere weitere folgten, bald saß er im Rollstuhl, 2005 starb er schließlich im gleichen Alter wie Mozart.

      Rachmaninoff schrieb die Sonate im Jahr 1913 und führte sie selbst auf einer Konzerttournee auf - das erste Mal nicht etwa in Moskau oder Petersburg, sondern in Kursk. Er war dann unzufrieden mit seinem Werk und fand sie zu lang. 1931 nahm er erhebliche Kürzungen vor, die das Werk auch leichter spielbar machten. Diese zweite Fassung wird am häufigsten aufgeführt. Rachmaninoff war mit ihr aber ebenfalls unzufrieden, denn diesmal fand er das Werk zu kurz :/ Wenige Jahre später erstellte Horowitz ein Mittelding zwischen beiden Versionen und holte hierfür die Zustimmung des Komponisten ein. Diese Fassung spielt Sultanov hier. Ziemlich stunning, wie ich finde...

      youtube.com/watch?v=3EWXyNWz2wo





      Cheers,
      Lavine :wink:
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    • Peter Katin hat mich noch nie enttäuscht . Er war ein guter Pianist , der wußte , was er spielte , und der für mich immer mehr zum Gegenpol der "Ich-zeig-euch-mal-wie-man-es-anders-machen-kann" Fraktion wurde . Anders machen war nicht seine Absicht , besser machen vielleicht . Seine Beschäftigung mit den von ihm aufgenommenen Werken , oftmals im Booklet nachzulesen , legt davon Zeugnis ab . Ob man ihm folgt , ist eine andere Sache . Aber er verstand es , seine Interpretation zu erläutern . - Nachdem ich seinen Scarlatti genossen habe , passierte mir die alte Geschichte (ihr wißt schon) : beim Wegstellen fiel mir eine andere CD in die Hände . Ich weiß nicht , wieso ich seine Rachmaninov - Preludes vergessen habe , sie sind allemal des Hörens wert . 1971 . ( Es gibt diverse Ausgaben davon ) .

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    • Erwähnte ich eigentlich schon, dass ich Beethoven dann am liebsten mag, wenn er nicht titanisch-heroisch mit finsterem Blick und zerfurchter Stirn daherkommt? Zur Fantasie op. 77 in g-moll, H-dur oder wasauchimmer aus dem Jahr 1809 haben verschiedene Zeitgenossen (u.a. Czerny) bestätigt, sie vermittle einen guten Eindruck davon, wie es sich angehört habe, wenn Beethoven frei improvisierte. Schwer zu sagen, in welcher Tonart das Stück eigentlich nun steht… Häufiger Tonartwechsel und originelle Harmonien sind hier offensichtlich das Programm .

      Bei Herrn Fischer ist das amüsante Werk bestens aufgehoben.

      youtube.com/watch?v=N8em6uvtfS0




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    • Bei Scarlatti habe ich noch einen Pianisten zu erwähnen : Youri Egorov .1985 hat er 8 Sonaten für einen holländischen Sender eingespielt , und sie wurden 2016 auf CD veröffentlicht . ( Leider zögerte ich zu lange , und plötzlich war die Doppel-CD nicht mehr lieferbar - und wurde richtig teuer ) . 6 dieser Sonaten sind auf You tube nachzuhören , wohl aus der früheren Legacy - Box , in der 2 Sonaten fehlten .Sollte jemand die CDs haben , bitte melden .

      youtube.com/watch?v=rZuT302aC9Q


      Und da ich gerade bei Egorov bin : Novelletten 1 & 8 von Schumann : youtube.com/watch?v=rgrW61Lz-sg
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    • b-major schrieb:

      Youri Egorov
      Der steht bei mir auch ganz hoch im Rang!

      Hier ein anderer, der ebenfalls an der großen Seuche mit dem kleinen Namen starb: Joseph Villa (1948-1995). Die großen Reißer aus Franz Liszts Hexenküche vertrage ich zwar nur in kleinen Dosen, aber so eine Performance ist schon "fetzig" 8) Ungarische Rhapsodie Nr. 9 - Pester Karneval. Ein wenig Wahnwitz lockert den Alltag auf :top:


      youtube.com/watch?v=yOLRrFPSSOU




      Cheers,

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    • Igor Pogorelich
      Liszt Sonate h moll

      Hm !
      Entweder bin ich heute nicht zurechnungsfähig, oder diese Version steht für mich ganz vorne. Nur ganz wenige, kurze Stellen gehen mir ein wenig gegen den Strich, aber ansonsten sehr beeindruckend - besonders der oft sehr ausgeprägt meditativ-improvisatorische Charakter. Ansonsten technisch grandios.