"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

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    • Mehr Kreisleriana.

      Horowitz 1962 (meine Lieblingsversion von 3 Horowitz Aufnahmen). Hat viele sehr schöne Momente.



      Aber nun für @music lover....kennst Du diese Aufnahme?
      Yuja Wang spielt Schumanns Kreisleriana in Verbier 2016 (so stehts auf YT) - schenken wir ihr die erste Minute, haben wir ein weiteres Beispiel ihres aussergewöhnlichen Talents. Einfach wunderbar.
      youtube.com/watch?v=3q5aZeLdqgY

      Nachtrag: mir gefallen aber weiterhin Mitsuko Uchida und Annie Fischer mit diesem Stück am besten.
    • Rosamunde schrieb:

      Aber nun für @music lover....kennst Du diese Aufnahme?
      Yuja Wang spielt Schumanns Kreisleriana in Verbier 2016 (so stehts auf YT) - schenken wir ihr die erste Minute, haben wir ein weiteres Beispiel ihres aussergewöhnlichen Talents. Einfach wunderbar.
      youtube.com/watch?v=3q5aZeLdqgY
      Ja, diesen Klavierabend aus Verbier vom 27. Juli 2016 kenne ich. Er entsprach im Wesentlichen dem Programm, das sie einen Monat zuvor in Hamburg spielte. Anstelle des Scarbo von Ravel spielte sie in Hamburg allerdings Brahms. Außerdem gab sie bei uns acht (!) statt zwei Zugaben.

      Ich zitiere mich zu dem Hamburger Konzert einfach mal selbst:

      music lover schrieb:

      Heute abend um 19.30 Uhr gastiert Yuja Wang mit folgendem Programm in der Hamburger Laeiszhalle:

      Johannes Brahms
      Ballade d-moll op. 10 Nr. 1
      Ballade D-Dur op. 10 Nr. 2
      Robert Schumann
      Kreisleriana op. 16
      Ludwig van Beethoven
      Sonate für Klavier Nr. 29 B-Dur op. 106 "Große Sonate für das Hammerklavier"

      Dasselbe Programm spielt sie am 25. Juni in Zürich und am 27. Juli in Verbier.

      music lover schrieb:

      Es war in der Tat großartig, liebe Berenice. Dass ein Pianist acht (!) Zugaben gibt, habe ich bisher noch nicht erlebt. Sechs davon waren hochvirtuoses Hexenwerk wie z.B: Volodos' Bearbeitung des Rondo alla turca aus der Sonate A-Dur KV 331 von Mozart. Leise Töne schlug Yuja Wang im Zugabenteil nur im Walzer op. 64 Nr. 2 von Chopin und in der Sgambati-Transkription von Glucks "Reigen seliger Geister" aus "Orpheus und Eurydike" an.

      In der New Yorker Carnegie Hall gab es am 16. Mai 2016 - bei demselben Hauptprogramm - übrigens nur vier Zugaben
      "http://www.npr.org/event/music/477930830/yuja-wang-plays-carnegie-hall"

      Am beeindruckendsten in diesem 2 1/2-stündigen Klavierabend gelang Yuja Wang meiner Meinung nach die Beethoven-Sonate op. 106. Der Rezensent des Hamburger Abendblatts schreibt in seiner Konzertbesprechung (erschienen in der heutigen Ausgabe auf Seite 19) nicht zu Unrecht, dass man ihre tiefschürfende Beethoven-Interpretation hätte mitschneiden und sich als Referenzeinspielung ins Regal hätte stellen können.

      Ich hatte den Eindruck, dass Yuja Wang mit ihrer Interpretation der beiden Brahms-Balladen nicht ganz zufrieden war. Das entnahm ich ihrem Gesichtsausdruck und dem Umstand, dass sie sich beim Beifall nur ganz kurz vom Klavierhocker erhob und sich gleich wieder hinsetzte. Ähnliches habe ich mal mit Rudolf Serkin erlebt, der nach einer - in der Tat nicht besonders geglückten - Aufführung von Beethovens Sonate op. 109 keinen Beifall haben wollte und sich sofort wieder hinsetzte und mit seinem Programm fortfuhr.

      Bei der "Kreisleriana" von Schumann musste ich natürlich daran denken, dass ich im selben Saal vor ziemlich genau 30 Jahren, nämlich am 11. Mai 1986, Vladimir Horowitz mit diesem Werk live erlebt habe. Der greise Horowitz besaß natürlich nicht (mehr) die schier unfassbare Virtuosität der 28-jährigen Yuja Wang, für die es (im Gegensatz zum 82-jährigen Horowitz) keinerlei spieltechnische Probleme bei diesem Werk gibt. Was beide aber gemeinsam haben, ist ein ausgeprägtes Hervorheben der Nebenstimmen. Aus diesem Grund erinnerte mich schon in Yuja Wangs Spiel das eine oder andere Mal an Horowitz.

      Fazit: Ein rundum gelungener Abend, der in seinem Hauptprogramm ausschließlich deutschem Repertoire der Klassik und Romantik gewidmet war, welches Yuja Wang ganz hervorragend spielt. Wie gut ihr Beethoven-Spiel ist, konnte ich schon am 30. April 2012 im Berliner Schiller-Theater feststellen, wo die Sonate op. 27 Nr. 1 auf dem Programm stand. Ihr Beethoven-Spiel bei op. 106 riss aber geradezu vom Hocker. Erfreulich, dass sie sich nicht auf russisches Repertoire (Tschaikowsky, Rachmaninow, Prokofiew) festlegen lässt und sich weiter in alle möglichen Richtungen entwickelt.
      Meinen Eindruck im Hamburger Konzert, dass sie mit ihrer Brahms-Interpretation nicht zufrieden war, sehe ich darin bestätigt, dass sie für die im Juli stattfindenden Konzerte den Brahms-Teil strich und durch Ravel ersetzte. Obwohl sie eine großartige Interpretin beider Brahms-Klavierkonzerte ist, hat sie zu seinem Solo-Klavierwerk möglicherweise noch nicht den erforderlichen Zugang.
      Kultur ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Wir haben mehr Umsatz als die Lufthansa, auch wenn man gerade das Gefühl hat, Kunst rangiert so zwischen Spaßbad und Puffbesuch.
      (Jan Josef Liefers in der "Berliner Zeitung")
    • music lover schrieb:

      Ja, diesen Klavierabend aus Verbier vom 27. Juli 2016 kenne ich
      Danke für die Rückmeldung ! Dann werde ich mir ihre Hammerklavier aus dem Mitschnitt auch anhören.

      Was mir bei Yuja Wangs Spiel immer wieder auffällt, ist ihre Kontrolle über ihren Anschlag. Sie kann von einem zum anderen Moment eine 180Grad Wendung machen, von hart artikuliert im ff zum weichesten pp mit völlig anderem musikalischem Ausdruck, ohne das es technisch irgendwie schiefgehen würde. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich. Was mich auch immer wieder verblüfft, ist wie eine so körperlich eher zart gebaute Person so eine famose Basslinie produzieren kann. Es war ganz hervorrganed zu hören zB im zweiten Intermezzo in der Nr 2. Dasselbe ist mir schon bei ihrer 2. Chopin Sonate aufgefallen, da war es am Ende des Funeral March, nach dem gesanglichen Mittelteil. Nun habe ich es bei der Kreisleriana in Verbier aber auch live hören können, was natürlich noch imposanter ist.
      Ihre musikalische Darstellung der Kreisleriana entsprach nicht unbedingt 100% meinem Geschmack, aber das ist völlig unerheblich, denn es war so überzeugend und seriös musiziert, mit solch natürlich empfundenen und vollendet ausgeführten musikalischen Gedanken, dass ich zutiefs beeindruckt war/bin.
      Vielleicht wird Yuja Wang mit zunehmendem Alter anhand ihrer wunderbaren pianistischen Fähigkeiten noch mehr Klangfarben und Launen aus den jeweiligen Werken herausholen können. Ich bin jedenfalls gespannt darauf.
    • Gestern kam das Mozart Recital aus Tanglewood mit Claudio Arrau an , und nächtens fand ich dann noch 90 Minuten zum Kennenlernen . Faszinierend , ja überwältigend . Marmor - Mozart . Und irgendwann schlich sich der Gedanke in den Hinterkopf : War Arrau Linkshänder ? Jedenfalls eine beeindruckende erste Hörbegegnung . Der dir , lieber General , für diesen Hinweis gebührende Opland wurde von mir mit besten Wünschen für dein Wohlergehen nach der Fantasy genossen .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • b-major schrieb:

      War Arrau Linkshänder ?

      Nein, nein, der Eindruck täuscht, auch wenn es sich um eine Livesimulation handelt. Claudio Arrau setzt - so vom Komponisten nix anderes vorgeschrieben wird - grundsätzlich beide Hände ein. Immer. Wäre ja auch eine kapitale Verschwendung.
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"
    • Rosamunde schrieb:

      Nun habe ich es bei der Kreisleriana in Verbier aber auch live hören können, was natürlich noch imposanter ist.
      Live ist sie in der Tat noch überwältigender, als es Tondokumente hergeben können. Ich habe es mal im Kieler Schloss bei einem Auftritt von Yuja Wang und Gautier Capucon erlebt, dass die Dame neben mir angesichts von Yujas Spiel mehrfach mit dem Kopf schüttelte und auch einmal einen Laut ausstieß. Sie konnte es, wie sie mir hinterher sagte, einfach nicht fassen, was für ein Klavierspiel auf der Bühne stattfand. Sie habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt, selbst bei Swjatoslaw Richter nicht.

      Schön, dass Du sie auch schätzt, liebe Rosamunde! :cincinsekt:

      Bei mir läuft eine Aufnahme von Dinu Lipatti mit einem eigenen Werk: Der Sonatine pour la main gauche. Aufgenommen von Radio Roumaine am 4. März 1943. Ich besitze diesen Mitschnitt auf diesem Tahra-Doppelalbum:
      Kultur ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Wir haben mehr Umsatz als die Lufthansa, auch wenn man gerade das Gefühl hat, Kunst rangiert so zwischen Spaßbad und Puffbesuch.
      (Jan Josef Liefers in der "Berliner Zeitung")
    • Hoppla - das kannte ich bisher noch gar nicht ...

      Robert Schumann: Variationen über ein Nocturne von Chopin (ca. 1834, ohne Opuszahl), gespielt von Piers Lane.

      Zugrunde liegt hier Chopins Nocturne g-moll op. 15 Nr. 3. Schumann hat dieses kurze Variationswerk, das in etwa parallel zum Carnaval (mit seiner Chopin-Variation) entstand, weder vollendet noch veröffentlicht. Dies besorgte erst im Jahr 1992 Joachim Draheim. Es fehlten aber nur die Schlusstakte.

      Na ja, nichts wirklich Überragendes, aber ein Blick in des Zwickauers Werkstatt und eine recht nette Entdeckung zur Vervollständigung des Schumann-Katalogs.


      youtube.com/watch?v=aN1fLMftYck




      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability.
      Oscar Wilde
    • Neu

      Annie Fischer half mir heute mit ihrem Schumann durch den Tag. Eben gerade lief die Schumann Fantasie als Studio Aufnahme - ich fand sie auf Spotify.
      Heute Nachmittag gab es den Carnaval, auch als Studio Aufnahme, für mich aus YT.
      youtube.com/watch?v=2iPgqFIlET0

      Hier ist eine CD bei Amazon; ich bin mir aber nicht sicher, ob es diese Aufnahme war, die ich auf Spotify gehört habe. Dort sieht das Cover anders aus.
    • Neu

      Rosamunde schrieb:

      Alfred Cortot, London 1935 - noch viel verspielter*
      youtube.com/watch?v=sEIqSvcVcKA
      * (((und auch genügend Noten richtig gespielt
      Wie war das doch ? Selbst die falschen Noten von Cortot klingen richtiger als die anderer Künstler ? ( Oder so ähnlich) . Also , die Papillons schwirren hier herum , und , right or wrong , meine Falter .
      ( Die Ausgabe , die ich besitze , hat leider bei amazon kein Bild , aber bis auf das Konzert die selben Einspielungen , Daher ein Bild-Ersatz )

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Franz Liszt – Grandes Études de Paganini: La Campanella

      Neu

      Wir verweilen noch ein wenig beim Abbé. Er ist im Laufe seines Lebens vielen interessanten Zeitgenossen begegnet, so auch anno 1832 in Paris dem italienischen Geigenvirtuosen Niccolò Paganini. Auch er – wie Franz Liszt – bereits zu Lebzeiten eine Legende, nicht nur als vielreisender Virtuose hoch geschätzt, sondern auch als Compositeur. Doch um ihm gerecht werden zu können, sollte man an dieser Stelle nicht verschweigen, dass seine musikalischen Interessen vielfältiger Natur waren, die zusätzlich durch die Instrumente Bratsche und Gitarre befeuert wurden. Franz Liszt hegte für seinen Kollegen keine ressentimentinduzierten Gefühle, wie man im ersten Moment meinen möchte, denn er betrachtete Niccolò Paganini nicht als Konkurrenten, der von seinem Ruhme abschöpfen könnte. Vielmehr bewunderte er die virtuose Kraft und das technische Spielvermögen des 'Teufelsgeigers' aus Genua. Diese Bewunderung war auslösender Impuls für kreative Inspiration und Transformation auf höchstem Niveau.

      Daraus sollte ein Zyklus von nicht weniger als sechs Etüden für Klavier entstehen: die Grandes Études de Paganini. An dieser Anzahl kann man bereits das Ausmaß der Bewunderung erahnen, aber auch das Attribut "grand" bietet einen ersten Hinweis. Größe, wem Größe gebührt. Franz Liszt war niemals asketisch, wenn es um Anerkennung, ja Bewunderung ging. Und wieder musste es die Form der gepflegten Etüde mit Konzerteignung sein.

      Von den 24 Caprices op. 1 für Violine solo war der Ungar ob ihres Schwierigkeitsgrades besonders angetan. Sie waren zu jener Zeit ein Sammelsurium all dessen, was auf der Geige technische möglich war. Kein Wunder also, dass Franz Liszt herausfinden wollte, wie man das auf dem Klavier adäquat darstellen und ausdrücken könnte. Und so kam es, dass ab 1851 die sechs Grandes Études de Paganini die Hörräume dieser Welt beschallten.

      Wobei La Campanella mit der zugewiesenen Nummer 3 – es handelt sich hierbei nicht um ein heute allseits so beliebtes Ranking, denn es geht hier mitnichten um Wertung und vermeintliche Rangfolge, sondern um Ordnung – aus einer anderen Quelle Paganinis gespeist wurde: das Thema des Schlussrondos aus dem Violinkonzert Nr. 2 in h-Moll stand hier Modell.

      Die Geburt der Paganini-Etüden war wohl keine leichte, sie dauerte seit 1838 an, denn zwischen 1838 und 1840 schrieb Franz List die Études d’exécution transcendante d’après Paganini, die er überarbeitete und schließlich anno 1851 in vereinfachter Form als Grandes Études de Paganini präsentierte.

      La Campanella: das Handglöckchen. Doch dieses Diminutiv darf den Interpreten nicht in Sicherheit wiegen, denn die Etüde – wie sollte es bei einer Komposition des anspruchsvollen Abbé anders sein – ist fabelhaft schwer zu spielen.

      Kostprobe? Bitte:

      youtube.com/watch?v=MGp6Hs6Yro0&ab_channel=MelaniePeoska

      Franz Liszt
      Grandes Études de Paganini: La Campanella
      Ferruccio Busoni
      Ort/Datum der Aufnahme: nicht überliefert

      Ein Kleinod von ganz besonderem Klangcharakter, das heute wohl zu den meistgespielten Etüden aus diesem Zyklus zählt. Völlig zurecht, wie ich finde.

      Ferruccio Busoni war Herausgeber der Erstausgabe der Paganini-Etüden in Einzelheften bei Breitkopf & Härtel zwischen 1914 und 1923. Er war selbst ein begnadeter Pianist, auch Komponist und Dirigent, den Claudio Arrau für sein Klavierspiel sehr bewunderte. Man kann La Campanella anders spielen als Busoni – besser wohl nicht. Dafür bürge ich mit meinem Namen.

      Auch Schumanns Robert muss von Niccolò Paganini beeindruckt gewesen sein. Aber davon vielleicht ein andermal...
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"
    • Neu

      Ach, was für ein hübscher Beitrag. Ich liebe Liszt. Was “La Campanella” angeht, so gibt es für mich nur einen einzigen Interpreten für dieses entzückende Stück: György Cziffra. Niemand hat m.E. dieses Stück so perlend leicht - wie Champagner - und perfekt interpretiert.

      LG, Cosima
    • Neu

      Jean schrieb:

      Kostprobe? Bitte:

      youtube.com/watch?v=MGp6Hs6Yro0&ab_channel=MelaniePeoska

      Franz Liszt
      Grandes Études de Paganini: La Campanella
      Ferruccio Busoni
      Ort/Datum der Aufnahme: nicht überliefert
      also.....das ist ja absolut umwerfend gespielt ! Der Cziffra ist auch toll, aber Busoni finde ich ganz aussergewöhnlich - voller Charakter. Ich kenne das Stück gut.