"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

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      Es gibt so viele Aufnahmen des prophetierenden Vogels aus den Waldszenen , daß ich nicht mit einer Aufzählung anfangen werde. Eine ist bei mir allerdings wohl ' da rein , da raus ', so daß ich sie erst jetzt richtig entdeckte . Eine spätere ( keine Bange , das Stück ist kurz ) Einspielung von Afred Cortot aus dem Jahr 1948 , und ich staune .
      Überdies habe ich nun auch noch eine Abbildung meiner CD gefunden .


      youtube.com/watch?v=qMLno6-T_Og
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
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      b-major schrieb:

      Eine spätere ( keine Bange , das Stück ist kurz ) Einspielung von Afred Cortot aus dem Jahr 1948 , und ich staune .
      ja, umwerfend gut - auch das Stück ist ein Juwel. Ist beschwörend das Wort? Oder heraufbeschwörend? (Invocative) Es erinnert mich an irgend etwas - aber ich komm nicht drauf.

      Ich höre schon den ganzen Nachmittag Cortot, diesmal seinen Carnaval. Herrlich, herrlich. So verspielt - und doch bleibt immer etwas in den Lüften hängen, wie ein deja vu.
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      Rosamunde schrieb:

      b-major schrieb:

      Eine spätere ( keine Bange , das Stück ist kurz ) Einspielung von Afred Cortot aus dem Jahr 1948 , und ich staune .
      ja, umwerfend gut - auch das Stück ist ein Juwel. Ist beschwörend das Wort? Oder heraufbeschwörend? (Invocative) Es erinnert mich an irgend etwas - aber ich komm nicht drauf.
      :) Ich denke, dass Du beschwörend hier verwenden kannst, Rosamunde, also im Sinne von nachdrücklich oder eindringlich, also von einer Person oder einem Sachverhalt ausgehend auf eine Person wirkend. Ganz sicher bin ich mir nicht, solange der sprachliche Kontext kein eindeutigerer ist.

      Zu heraufbeschwörend könnte ich schon etwas syntaktisch und semantisch Sinnvolles konstruieren. Aber im gegebenen Sinn ??

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
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      Cortot war irgendwie für Schumann wie geschaffen - so als großer alter Romantiker . Die waren damals aber auch noch von einem anderen Schlag , heute wird ja Mickie Krause dafür gehalten . Und trotz aller Gedächtnisfehler und Fehlgriffe - die Essenz der Schumann'schen Stücke brachte er irgendwie rüber . Andere haben es anders gemacht , und auch gefallen . Aber irgendwie klingt es nur bei ihm so . Wobei nicht vergessen werden sollte , daß eine ähnliche Qualität auch in einigen der Trio - Aufnahmen mit Thibaud und Casals zu finden ist . Aber das ist wieder ein anderes Blatt .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
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      andréjo schrieb:

      ich denke, dass Du beschwörend hier verwenden kannst, Rosamunde, also im Sinne von nachdrücklich oder eindringlich, also von einer Person oder einem Sachverhalt ausgehend auf eine Person wirkend. Ganz sicher bin ich mir nicht, solange der sprachliche Kontext kein eindeutigerer ist.

      Zu heraufbeschwörend könnte ich schon etwas syntaktisch und semantisch Sinnvolles konstruieren. Aber im gegebenen Sinn ??
      Danke, lieber Andrejo.....als ich deine Antwort las, wurde mir klar, dass ich nicht invocative meinte, sondern evocative. Aber mit der deutschen Übersetzung dieses Worts bin ich nicht zufrieden in diesem Zusammenhang..."anregend" - das trifft es nicht so richtig. Ich wollte sagen, dass es für mich eine Musik ist, die lang vergessene Erinnerungen oder Stimmungen aus dem Unterbewusstsein heraufholt....aber sie bleiben vage und man kann sie nicht benennen. Und sobald ich das erkläre, klingt es dämlich - also begebe ich mich lieber zurück zur Musik.
      :wink:
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      Zwar ist noch nicht Herbst, aber heute morgen die Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms. Glenn Gould trifft den herbstlichen Grundton dieser Miniaturen ganz ausgezeichnet wie ich finde. Bis auf den heutigen Tag immer wieder eine Aufnahme zu der ich gerne zurückkehre:




      Herzliche Grüße

      Caesar73
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
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      Caesar73 schrieb:

      Bis auf den heutigen Tag immer wieder eine Aufnahme zu der ich gerne zurückkehre:
      Du schreibst es überdeutlich , mir geht es grad so .

      Hier nochmals die Papillons , von einem Schumann - Spieler , der zwar Landsmann von Cortot war , doch seine eigene Stimme hatte .Yves Nat , dessen Beethoven übrigens auch mal einen Exkurs lohnt .


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      Eine kleine Portion russischer Sentimentalität gefällig? Tschaikowskys Wiegenlied op. 16/1 wurde 1872 komponiert und 1893 von Tschaikowsky für das Klavier transkribiert. Sergej Rachmaninow machte natürlich sein eigenes Arrangement.

      Tschaikowsky hatte das Stück Nikolai Rimski-Korsakows Ehefrau Nadezhda Rimski-Korsakow gewidmet, die zu dieser Zeit 24 Jahre alt war und ihr erstes Kind erwartete. Nadezhda war eine prominente Pianistin und Musikwissenschaftlerin, die viele Werke ihres Mannes für Klavier solo arrangierte.


      youtube.com/watch?v=915M0d-ex9U





      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability.
      Oscar Wilde
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      1953. Ein Leben lang hatte er erklärt, Tonaufzeichnungen von Klavieraufnahmen taugten nichts, seien jedenfalls nichts für ihn. Jetzt, mit 81 Jahren, nimmt Carl Friedberg (1872-1955), Sproß einer Bingener Weinhändlerdynastie, seine erste und einzige Langspielplatte mit Werken von Brahms und Schumann für das Label Zodiac auf. Daraus hier nun Schumanns Symphonische Etüden op. 13.

      Warum sollte man sich dies anhören? Weil Friedberg das unmittelbare Bindeglied zwischen Robert Schumann und Nina Simone ist :spock1:

      Friedbergs Klavierlehrerin am Frankfurter Hoch'schen Konservatorium war Clara Schumann. Diese machte ihn insbesondere mit den Werken ihres Mannes, Beethovens und Brahms' vertraut – diese Trias sollte lebenslang das Kernrepertoire Friedbergs bilden.

      1893 gab Friedberg in Gegenwart des Komponisten einen Klavierabend ausschließlich mit Musik von Johannes Brahms. Dem Alten gefiel dies und er machte Friedberg in privaten Unterrichtsstunden mit seinem gesamten Klavierschaffen persönlich vertraut. Friedberg blätterte die Noten um, wenn Brahms Clara Schumann etwas vorspielte.

      Friedberg spielte Klavierkonzerte mit den Wiener Philharmonikern unter Gustav Mahler, wobei seine Leistung von Eduard Hanslick positiv beurteilt wurde.

      Mit Fritz Kreisler tourte er als dessen Klavierbegleiter durch die USA. Auch Pablo de Sarasate und Eugène Ysaye schätzten Friedberg als Duopartner.

      Friedberg unterrichtete an den Konservatorien in Frankfurt und Köln, nach seiner Auswanderung 1927 dann in New York. Zu seinen Schülern zählten so unterschiedliche Klaviergrößen wie unter anderem Elly Ney, Bruce Hungerford, Malcolm Frager - und eben Nina Simone.

      Mit dieser Aufnahme aus dem Jahr 1953 hört man somit nicht nur in die Mitte des 20., sondern zugleich tief, sehr tief in das 19. Jahrhundert hinein... und man lernt, dass die Kataloge der großen Plattenlabels längst nicht alle bedeutenden Musiker erfassten.


      youtube.com/watch?v=f-STys_ZFxQ

      youtube.com/watch?v=8_oCxU1iUGg

      youtube.com/watch?v=d7t233Ismk4




      Cheers,

      Lavine :wink:
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      Oscar Wilde
    • Bach-Busoni - Chaconne in d-Moll, Transkription für Klavier

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      Ein Aprilscherz war Ferruccio Busoni sicher nicht, obgleich er am 1. April 1866 im italienischen Empoli geboren wurde. Die Osterglocken läuteten bei seiner Geburt. Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto Busoni – so lautet sein vollständiger Name laut Geburtsurkunde. Ein anspruchsvolles Programm, das seine Eltern ihm da in die Wiege gelegt haben. Der Weg eines Wunderkindes war förmlich vorprogrammiert. Doch Dante Alighieri, Michelangelo Buonarroti und Benvenuto Cellini legen hier eine falsche Fährte, denn ihren Spuren wollte er nicht folgen, der trotzige Junge. Der kleine Ferruccio war einer anderen Kunst zugeneigt - der Musik. Seine Eltern hätten es wissen können, waren doch beide Vollblutmusiker.

      Als zweisprachiges Einzelkind wuchs der kleine Ferruccio auf – ideale Voraussetzungen, um die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu vereinigen und zugleich beide Parteien zu verstehen. Seine Mutter hatte deutsche Wurzeln und die Gabe, ihn am Klavier zu unterrichten. Sein Vater zeichnete als Klarinettist mehr für das Theoretische in der Musik und die Vermittlung italienischer Lebensart verantwortlich. Ein solches Talent konnte nur arbeitsteilig gebändigt werden. Und so bildete sich allmählich ein Pianist, Komponist, Musikpädagoge und Dirigent heran. Viel Zeit war ihm leider nicht beschieden, sein Vorrat sollte bereits nach achtundfünfzig Jahren aufgezehrt sein.

      Ferruccio Busoni hat nicht nur eigene Werke komponiert. Gerne hat er sich auch mit den Erzeugnissen geschätzter Kollegen befasst: Johann Sebastian Bach und Franz Liszt standen ganz oben auf seiner Liste derjenigen, deren Kompositionen er erforschte, um diejenigen heraus zu destillieren, die er mit Spuren von Busoni anreichern wollte, in Form von Transkriptionen und Arrangements.

      Am Flügel „meißelte“ Ferruccio Busoni gerne, vom Legato-Spiel hielt er wohl weniger. Keinem geringeren als Alfred Brendel wurde dieser handwerkliche Terminus zur Charakterisierung des Kollegen entlockt. Was hätte wohl Busoni über ihn gesagt? Wir werden es nicht mehr erfahren. Seinen Liszt-Interpretationen kam dies jedoch zugute, La Campanella ist ein imposantes Beispiel seiner pianistischen Kunst. Seinem Chopin-Spiel ist es eher abträglich. Aber wie verhält es sich mit Bach? Hier können wir ihn in Doppelfunktion erleben.

      Hören? Bitte:

      Bach-Busoni / Chaconne / Ferruccio Busoni

      Bach-Busoni
      Chaconne in d-Moll, Klavier-Transkription von Satz V aus der Partita II für Violine solo
      Ferruccio Busoni
      Ort/Aufnahmedatum: nicht überliefert

      Man hört, was er meint. Die Chaconne in ihrer transkribierten Form soll ein Trost für alle Pianisten sein, für den Kreis derer, die dieses berührende Stück nicht auf der Violine zu intonieren vermögen.
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"