"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Eine wunderbare Aufnahme der DBT wie auch (vielleicht noch mehr) der C-dur Fantasie op. 17 von Robert Schumann, 1973 bei Erato entstanden. Da kommt einem wieder die These in den Sinn, dass Frankreich stets mehr gute Schumann-Pianisten hatte als Deutschland ...

      Es wäre durchaus angebracht, Catherine Collard endlich mal der Vergessenheit zu entreissen. 1947 geboren, Schülerin von Yvonne Lefébure, Jean Hubeau und Yvonne Loriod, war sie zu Lebzeiten als Solistin wie auch als Klavierbegleiterin hoch geschätzt, vor allem in ihrer französischen Heimat. Leider verstarb Collard mit nur 46 Jahren nach einer Krebserkrankung.


      youtube.com/watch?v=cwyR3FNYtuo





      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
      Oscar Wilde
    • Den wonnig-wogenden Rhythmus der Barcarole haben in der Klaviermusik u.a. Chopin, Mendelssohn, Tschaikowsky, Fauré und Rachmaninoff aufgegriffen. Sie alle ließen ihre Bötchen mehr oder weniger behaglich und seren über das Wasser dümpeln.

      Die wenig bekannte Barcarole op. 24 Nr. 10 von Jean Sibelius dagegen tanzt da aus der Reihe als die wohl düsterste, unheimlichste, vielleicht aber auch tiefgründigste Vertreterin ihrer Gattung. Dunkel, abgründig und kalt sind die Wasser des Seurasaarenselkä... 8| Gefällt mir ausgezeichnet und gibt mir erneut Gelegenheit, dieses schöne Andsnes-Album zu empfehlen.


      youtube.com/watch?v=XNa_G15ygrY





      Cheers,

      Lavinen :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
      Oscar Wilde
    • leverkuehn schrieb:

      Ich setze mal einen Kontrapunkt zu all der Karfreitagsmusik auf den anderen Kanälen und Threads und quäle mich hiermit:



      Ronald Stevenson: Passacaglia on DSCH
      Raymond Clarke, Klavier
      Dieses faszinierend sperrige völlige Wahnsinnswerk spielt gerade Igor Levit in Ö1, Aufzeichnung vom 21.7.2021 aus Salzburg, eine gewaltige Konzertherausforderung! Vor Beginn wurde darauf aufmerksam gemacht, dass nach 46 Minuten eine hohe Cis-Saite gerissen ist, die Aufnahme aber so belassen wurde. Ich habe das Werk auch in einer John Ogdon CD-Box. Sofort bestelle ich aber auch dieses für 10.9. angekündigte Album:

      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      leverkuehn schrieb:

      Ich setze mal einen Kontrapunkt zu all der Karfreitagsmusik auf den anderen Kanälen und Threads und quäle mich hiermit:



      Ronald Stevenson: Passacaglia on DSCH
      Raymond Clarke, Klavier
      Dieses faszinierend sperrige völlige Wahnsinnswerk spielt gerade Igor Levit in Ö1, Aufzeichnung vom 21.7.2021 aus Salzburg, eine gewaltige Konzertherausforderung! Vor Beginn wurde darauf aufmerksam gemacht, dass nach 46 Minuten eine hohe Cis-Saite gerissen ist, die Aufnahme aber so belassen wurde. Ich habe das Werk auch in einer John Ogdon CD-Box. Sofort bestelle ich aber auch dieses für 10.9. angekündigte Album:


      Ich habe Levit mit dem Stück auf der Bühne beim Heidelberger Frühling 2019 erlebt, da spielte er es zum ersten Mal öffentlich. Bei einem kurzen Statement, bevor er anfing, sagte er, es sei das erste Mal, dass er es komplett durchspielen würde. Das war vielleicht ein wenig gemogelt, aber er spielte dann sensationell gut.
      -----------------------------------------------------------------------------------------------
      Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)
    • [Blockierte Grafik: https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTi3o9zajVKpaJdMNqAdm1y5-OyrIF6o0q2wQ&usqp=CAU]


      Schuberts "Grazer" Fantasie in C-Dur, D 605a dürfte um 1818 entstanden sein. Da kein Autograph existiert, wird ihre Echtheit zwar immer noch angezweifelt - aber mal ehrlich: Gibt es nicht mehr als genug wunderbare "schubertische" Charakteristika in dieser Musik? Schubert findet hier zu emotionaler Tiefe, Ausdrucksmitteln und Stimmungswechseln, die er später in der Wanderer-Fantasie oder der f-Moll-Fantasie zu vier Händen noch stärker vervollkommnen sollte.

      Die legendäre ungarische Pianistin Lili Kraus hat die Grazer Fantasie uraufgeführt, kurz nachdem sie 1962 im Nachlass eines Großneffen von Schuberts Grazer Freund Josef Hüttenbrenner entdeckt worden war. Später nahm sie sie für das Label Odyssey auf. Bei YT ist sie in einer Aufführung von 1969 zu sehen: youtube.com/watch?v=65uRn8fLWlQ


      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
      Oscar Wilde
    • 2 CDs , 8 Sonaten von Clementi . Aufgenommen 1968 . Gespielt von Lamar Crowson auf dem Flügel . Schieres Vergnügen .
      Leider sind die CDs inzwischen schwer zu bekommen . Ich kenne allein 4 Personen , welche sie haben , und von denen 2 sogar die alten L'Oiseau-Lyre LPs haben . Feinkost für die Ohren . .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"
    • b-major schrieb:

      Feinkost für die Ohren . .
      Clementi? Der ist Graupensuppe in meinen Ohren... selbst wenn Horowitz spielt :D Mit Manchem tut man sich lebenslang schwer...

      Hier gibt es Ethno-Küche. Es läuft Musik des britisch-sierra leonischen Komponisten Samuel Coleridge-Taylor (1875-1912): Impromptu - Deep River - The Bamboula - Sometimes I Feel Like a Motherless Child. Vier sehr aparte Stücke, vor allem der tiefe Fluss - eine Spiritual-Bearbeitung - hinterlässt Eindruck.

      Isata Kanneh-Mason hat hier ein tolles Album mit einem großartigen, spannenden Programm vorgelegt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie die Pianistenszene bald mehr aufmischen wird als ihr Bruder Sheku die Cellistenwelt.


      youtube.com/watch?v=LZe6rg9FTb8





      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
      Oscar Wilde
    • Eine absolute Sternstunde der Klavierkunst: Arturo Benedetti Michelangeli spielt die Busoni-Version von Bachs berühmter Chaconne, live in Warschau 1955. Unglaublich packend!

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler


    • Sergei Rachmaninow: Werke für zwei Klaviere
      Sinfonische Tänze Op. 45 arr. für zwei Klaviere von Rachmaninow
      Martha Argerich, Nelson Goerner

      Ich hatte das Werk bisher nur in einer kongenialen Fassung mit Ashkenazy und Previn¹. Die hatte ich gekauft, direkt nachdem ich diese Fassung der Tänze überhaupt zum ersten mal live hörte 2007 in Trondheim. Diese gestern erhaltene Einspielung gefällt mir auch sehr.

      Weiter geht's mit

      Suite Nr. 2 Op. 17 für zwei Klaviere
      Martha Argerich, Gabriela Montero

      Op. 17 habe ich natürlich auch mit Ashkenazy/Previn¹, aber noch besser gefällt mir diese herrliche 2. Suite in der Fassung mit Immerseel und Chevallier². Bin noch nicht sicher, ob die neue (die sehr schön ist) da heran reicht. Bei der Tarantella jedenfalls nicht.

      maticus

      Alternative Aufnahmen:
      ¹


      ²
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten


    • Sergei Rachmaninow: Suite Nr. 1 Op. 5 für zwei Klaviere
      Martha Argerich, Lilya Zilberstein

      Besonders die Osterglocken kommen toll und intensiv rüber. Herrlich.


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • maticus schrieb:

      Weiter geht's mit

      Suite Nr. 2 Op. 17 für zwei Klaviere
      Die Aufnahme mit Argerich/Zilberstein gefällt mir auch sehr und ist mir unter den diversen Argerich + X-Einspielungen die Liebste. Allerdings ist sie auf Klangschönheit nach meinem Eindruck auch durchaus "getrimmt". Die musikalisch stimmigste und beeindruckendste Aufnahme der Rach-Suiten bleibt für mich die von Vronsky & Babin, die um 1960 entstanden sein dürfte.

      youtube.com/watch?v=Tcx5UaKxG6k



      Robert Schumann schrieb die Drei Romanzen op. 28 im Jahr 1839, während er auf Claras Rückkehr von einer Konzertreise nach Paris wartete und vor einem Leipziger Gericht gegen Friedrich Wieck klagte, um dessen Zustimmung zu ihrer Ehe zu erzwingen.

      Der Pianist Norman Shetler wurde zwar in Iowa geboren, ist aber schon seit Jahrzehnten österreichischer Staatsbürger. Er ist ein sehr bekannter Begleiter von Sängern (wie Rothenberger, Price, Fassbaender, DiFiDi, Schreier, Prey u.v..m.), aber selten als Solist auf Tonträgern zu hören. Im Juni hat er seinen 90. Geburtstag gefeiert. Diese Aufnahme für das Label Eterna aus dem Jahr 1976 ist wunderschön (die Romanze Nr. 1 ist meiner Meinung nach die beste Aufnahme) und lässt es bedauerlich erscheinen, dass Norman Shetler nicht viel mehr Soloaufnahmen gemacht hat. Auch seine Arabeske und sein Blumenstück sind sehr gelungen - beide Stücke gehören für mich aber zu den weniger interessanten von Schumann, obwohl sie viel populärer sind als die Romanzen.


      youtube.com/watch?v=9yUMseLCncg





      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
      Oscar Wilde



    • youtube.com/watch?v=7f-8c02BSC8

      Maria Yudina spielt die Sonate op. 960 von Franz Schubert in einer Aufnahme von 1947.

      Die Yudina gräbt sich so dermaßen in diese Sonate ein, nimmt mich dabei so sehr mit, dass es mich frösteln macht, mich fast zum Weinen bringt, aber auch immer wieder zum glückseligen Seufzen. Dabei aber eher ein Seufzen, dass sich mehr erhofft, als dann wirklich eintritt. Eine Reise in die Hoffnungslosigkeit (?), in die Verzweiflung (?), in die Trauer (?), nur notdürftig garniert mit schalen Hoffnungen, gewollten Freuden, Ablenkungen und immer nur kurzen Momenten des wirklichen Glücks.

      Eine Interpretation, der ich mich nicht entziehen kann, obwohl ich jeden neuen Ton fast fürchte, weil sie eben so nahe geht, so in den eigenen Kern hinein.

      :wink: Wolfram
    • Général Lavine schrieb:

      maticus schrieb:

      Suite Nr. 2 Op. 17 für zwei Klaviere
      Die Aufnahme mit Argerich/Zilberstein gefällt mir auch sehr und ist mir unter den diversen Argerich + X-Einspielungen die Liebste.
      Allerdings ist die mit Zilberstein die Suite Nr. 1 Op. 5. Die finde ich hier auf dieser CD wirklich weitaus besser gespielt als Op. 17 (mit Gabriela Montero).

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Wolfram schrieb:



      Maria Yudina ....

      Eine Interpretation, der ich mich nicht entziehen kann, obwohl ich jeden neuen Ton fast fürchte, weil sie eben so nahe geht, so in den eigenen Kern hinein.

      :wink: Wolfram
      Hi Wolfram, ich habe mir daraufhin eben ihr erstes Schumann Fantasiestück op 12 Des Abends angehört. Ich kann mich deiner Beschreibung anschliessen, geht mir auch sehr nahe. Ist mit Vorsicht zu geniessen.
    • Rosamunde schrieb:

      Ist mit Vorsicht zu geniessen.
      Maria Yudina wurde immer kontrovers beurteilt . Als ihre Goldberg / Diabelli - Variationen im Rahmen der 'Großen Pianisten des 20.Jahrhunderts - Edition erschien , meinte jeder , sein Urteil abgegeben zu müssen - die Doppel-CD war und ist rar und selten . Als Jahre zuvor die beiden LP-Boxen 'Die Pianistin Maria J(!)udina' auf Melodia Eurodisc erschienen , wurden sie u.a. bei JPC verramscht ( ich zahlte 10 DM pro Box ) . Dann kamen div. CD Veröffentlichungen , die leidige Geschichte mit Väterchen Iosseb und dem Klavierkonzert wurde immer nochmal kolportiert , und Maria Yudina ? Ist immer noch Geschmackssache , aber mittlerweile eine gut dokummtierte .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"
    • b-major schrieb:

      Rosamunde schrieb:

      Ist mit Vorsicht zu geniessen.
      Maria Yudina wurde immer kontrovers beurteilt . ....

      Vielen Dank b-major, auf den Hinweis auf ihren Bach und die Goldberg Variationen. Ich habe sie auf Spotify gefunden. Mein "mit Vorsicht zu geniessen" ist hoffentlich richtig angekommen.... Es gibt bei mir Momente, in denen bestimmte Musik, oder eine Interpretation, zu weit geht. Das spricht aber für sie und nicht dagegen.
    • Hier wird mir bestätigt, was ich oben zu Yudina bemerkte....(und eventuell, wovon Wolfram sprach):

      JSBach, Chromatische Fantasie und Fuge BWV 903

      Das Ganze ist eindrucksvoll, aber besonders die letzte Minute der Fantasie ab etwa 5:30mins zeigt mMn ein sehr ungewöhnliches und erschütterndes Empfinden für die chromatische Sprache und die Progression der dissonanten Akkorde. Bei Brendel und Gould klingt es für mich weniger erschütternd, aber natürlich auch hervorragend gespielt und zu anderen Stimmungen und Zeiten als Hörerlebnis vielleicht besser passend.

      Aber hier nun Maria Yudina:

    • Liebe Rosamunde, ich würde es anders formulieren, aber ich kann verstehen, was due mit "ist mit Vorsicht zu genießen" meinst. Ich habe eben den Bach gehört und gerade das Ende der Fantasie ist auch für mich geradezu schmerzhaft. Yudinas Spiel dringt ganz, ganz tief in mich hinein und berührt Punkte in mir, denen ich durchaus begegnen will, aber vielleicht nicht jeden Tag. ;)

      Um es salopp zu sagen, wenn ich Yudina höre, muss mir bewusst sein, dass es an's Eingemachte gehen kann. Sich dem auszusetzen, dafür hat man halt nicht immer die Kraft.

      :wink: Wolfram